Mittwoch, 3. Januar 2007

Kaffee aus Togo - Tagesreise nach Lomé

Coffea ist eine empfindliche Pflanze und benötigt ein Feuchtigkeits- und Temperaturumfeld, was in höher gelegenen Gebieten der Tropen zu finden ist. Ghana hat keinen nennenswerten Kaffeeanbau, doch in Togo wird um Atakpame im Hochland (200-500 Meter) Kaffee angebaut. Diesen Kaffee habe ich kennen gelernt.
August Thams Hamburg Kaffeeimporte, Kaffeeplantage Afrika, Untersetzer für Kaffeekanne
(Dieser Kolonialkitsch hat nichts mit Kaffee aus Togo zu tun)
Als ich 1996 meinen dritten Aufenthalt in Ghana genoss, hatte ich bereits in Deutschland geplant, dass ich versuchen würde, nach Lomé, Togo zu fahren, um dort Dr. Peter Sebald meine Aufwartung zu machen. Diesen Experten für die deutsche Kolonialgeschichte in Togo hatte ich während meines DFG-Projektes kennen und schätzen gelernt. Er wollte sich im Sommer im Nationalarchiv aufhalten. Es sollte ein Überraschungsbesuch werden.
Die ghanaische Hauptstadt Accra ist nur knapp zwei Autostunden von der togolesischen Hauptstadt Lomé entfernt. Zusammen mit einem langjährigen Freund und meiner Vermieterin fuhren wir früh am 23. August 1996 los und standen etwa um 9 Uhr an der Grenze. Mein erster Besuch in einer Militärdiktatur. An der Grenze und immer wieder in der Stadt waren streng blickende Soldaten mit Schusswaffen zu sehen; eine dauerhafte und wirksame Einschüchterung. Der Grenzübertritt dauerte nur eine halbe Stunde und dann saßen wir in einem Taxi und fuhren zunächst zur Universität und das bedeutete ein langer Weg aus der Stadt heraus. Hier erlebte ich, dass wirklich niemand Englisch sprach. Wenn meine beiden Freunde mit ihrem Twi und wenigen französischen Brocken nicht gewesen wären, dann hätten wir an der UNI keine Ansprechperson gefunden. Wir landeten schließlich im English Department, wo ich meine Erkundigung über Dr. Sebald begann. Dieser Gastwissenschaftler war dort nicht bekannt, aber wir erhielten eine genaue Beschreibung des Weges zum Nationalarchiv. Also ließen wir uns wieder zurück in die Stadt fahren.Es ist schon auffällig: Die mir persönlich bekannten Universitäten in Dar es Salaam, Zomba (University of Malawi), Accra und Lomé liegen jeweils am Rand der Stadt und in unmittelbarer Nähe zu einem Militärgelände. Aufstände und Proteste brauchen Sprecher und Führer. Die erste Generation von autokratischen Herrschern wusste dies zu kontrollieren, als die ersten Nationaluniversitäten gegründet wurden ...Im Nationalarchiv erfuhr ich leider, dass sich die Ankunft von Dr. Sebald um einige Wochen verzögern würde. Mit wurde wenigstens der Raum mit den deutschen Akten gezeigt. Der Archivar sagte mit einem Augenzwinkern, dass dieser Raum mit Sicherheit einmal nach Peter Sebald benannt wird. Er sei der einzige, der jede einzelne Akte in der Hand gehabt hatte und die Aktenordnung aufgebaut hatte.
Was macht man nun in Lomé, Togo, einer jungen Stadt mit wenigen deutschen Kolonialbauten und keinem touristischen Potential. Wir gingen Shoppen ...

Ein mehrstöckiger Flachbau in der Innenstadt war uns bereits aufgefallen. Es war eines von diesen Einkaufszentren, wie ich sie auch aus Accra und anderen Städten kannte. Mehrere stadiongroße Betonflächen übereinander gestapelt und durch Hunderte von Einzelhändlern mit kleinen und kleinsten Verkaufsständen belegt. Hier gab es die gleichen Waren, wie in Accra, aber nicht dieselben. Die Stoffe hatten andere Muster und die Kosmetika andere Namen.

Für mich war hier nichts zu holen. Wir fuhren auch an einem Supermarkt vorbei, der mich an Europa erinnerte. Auch in Accra gab es Supermärkte vom Namen her, aber das Angebot war so mager wie in den Kaufhallen der DDR. Hier war es ein Supermarkt und so kam ich in den Genuß von einem Becher französischer Nussnougatcreme (Nutella gab es auch, wurde aber in Gold aufgewogen), etwas europäischem Käse und einer Tüte Pulverkaffee aus Togo.

Am späten Nachmittag ging es zurück zum westlichen Stadtrand, der Landesgrenze und es dauerte diesmal eine halbe Stunde auf der ghanaischen Seite, bis ich mein Eintrittsvisum erhielt. Ich hatte wegen der geplanten Einreise nach Togo in Deutschland ein multiple entry visum für Ghana beantragt und bekommen, aber dennoch musste ich mich jetzt rechtfertigen, warum ich innerhalb von 12 Stunden ein- und ausreise und erklären was ich in Togo gemacht habe. Visiting ...


Es gibt keine Kaffeekultur in Accra und entsprechend hatte der mich beherbergende Haushalt weder Kaffeemaschine noch Filter und Filterpapier. Ich machte mir also polnischen Kaffee, in dem ich einen Setzkaffee mit sprudelnden Wasser begoss. Es brauchte dann noch Zucker, um dieses Grauen zu trinken. Dennoch habe ich in den folgenden Tagen jeden Morgen diese Kostbarkeit langsam aufgebraucht. Es tat so gut, ein wenig von meinem deutschen Alltag auch in Pigfarm, Accra zu pflegen. Brot, Marmelade und Kaffee zum Frühstück und dann ging es ab ins Nationalarchiv.

1 Kommentar:

Ronald hat gesagt…

In Togo wird tatsächlich Kaffee angebaut, doch der Kaffee, den man dort zu trinken bekommt, stammt leider keineswegs von dort: http://blog.ronaldfilkas.de/2010/10/30/kaffee-aus-togo/