Sonntag, 27. Mai 2007

Prag und Poprad

Reisetagebuch Osteuropa 2007
 
Wie zu sehen, gibt es nichts zu lesen. Prag ist zu erleben und keine Zeit zum Schreiben..

. . . und das gleiche gilt auch für Poprad. 

Ich habe keine Zeit zum Bloggen, da die Städte und Menschen und heute die Hohe Tatra natürlich viel interessanter sind. 
Sorry, no News today. Ich bin glücklich und mein Notizbuch füllt sich jeden Tag mit Beobachtungen und Erlebnissen ...

Samstag, 19. Mai 2007

Letzte Fragen in der taz

Im Wochendmagazin der taz (dem tazmag) gibt es vom Anbeginn auf der letzten Seite mit einer kurzen Unterbrechung die Rubrik "Letzte Fragen". Hier können die Lesenden anderen Lesenden Fragen aus dem Alltag und aus Absurdistan stellen. Die Redaktion fragte anläßlich der 500. Ausgabe des tazmag "Welche letzten Fragen kann man mit 500 noch haben?".
Ich habe in einem Leserbrief/einer Antwort zurückgefragt, ob sich diese Rubrik nicht überlebt hat. Beim Frühstück mit Zeitung konnte ich mich heute freuen, dass diese Zeilen auch veröffentlicht wurden.
Es wurden in dieser Rubrik wirklich bedeutsame Fragen gestellt, die für einige regelmäßig Antwortende eine Herausforderung waren. Eine Herausforderung entweder eine reale oder eine absurde Antwort zu geben.
Immer wieder gerne wurden Sprichworte und Redensarten hinterfragt:
  • Wo genau liegt der Hund begraben - und woher weiß man das überhaupt?
  • Warum ist der Gesangverein ein lieber Herr, und wie heißt er mit Vornamen?
Oder es wurden merkwürdige Details erfragt:
  • Warum bekommt ein Specht keine Gehirnerschütterung?
  • Warum haben Männer Brustwarzen?
  • Was wiegt Hamburg?
  • Was bedeutet eigentlich das Y im Nummernschild der Bundeswehr?
Ich habe auch etwa zehn Mal eine Antwort eingeschickt, die auch feast immer veröffentlicht wurde. Besonders freute ich mich, als nach einigen Jahren eine Sammlung von Fragen und Antworten von der verantwortlichen Redakteurin Barbara Häusler als Buch veröffentlicht wurde und da eine meine Antworten (Gewicht Hamburgs) dort veröffentlicht wurde, erhielt ich ein Freiexemplar.
Wikipedia beantwortet heute fast alles und viele Fragen sind höflich bezeichnet nur noch als schräg zu bezeichnen. Die Rubrik hat sich überlebt!

Donnerstag, 17. Mai 2007

Imagination Afrika

Der reisende Schriftsteller Ilija Trojanow hat derzeit die Heiner-Müller-Gastprofessur für deutsche Poetik an der FU Berlin inne und schreibt etwa einmal im Monat ein so genanntes Schlagloch in der taz. Im aktuellen Essay schreibt er über die Metapher Afrika, die in der Werbung, der Politik und selbst in der Kunst immer noch als Symbol für jenseits der Zivilisation missbraucht wird.
Er weiß, wovon er schreibt, da er von 1972-77 und 1981-84 in Nairobi, Kenya lebte und Absolvent der Deutschen Schule Nairobi ist. Die von ihn gewählten Beispiele , in denen Afrika oder ein afrikanischen Land als Symbol für irgend etwas Exotisches, Fremdes herhalten muss, umfassen eine Werbekampagne von McDoof und die neue Produktion Volta von Björk.

Diese von mir sehr geschätzte Avantgarde-Künstlerin hat sich die Dreistigkeit erlaubt den Kora-Musiker Toumani Diabaté, der musikalisch in der gleicher Klasse spielt wie Sie, mal eben für 24 Stunden in Mali zu besuchen und nach einer Aufnahme ohne Verabschiedung wieder zu entschwinden. Das ist Ausbeutung der Kunst eines Kollegen! Doch die Frau aus Island hat Narrenfreiheit (auch bei mir), denn wer Englisch kann, wird herzlich lachen über manchen Unsinn, den sie bisher in ihrem Island-Englisch gesungen hat. Auf ihrer Website zum neuen Album Volta beweisst Sie leider, dass Sie noch nicht einmal richtig recherchieren kann. Der Volta ist eben nicht "a river in Africa which had been built by men and a lagoon built by men called Lake Volta" (BJÖRK in eigenen Worten auf der genannten Homepage). Der Volta ist einer der größten Flüsse Westafrikas. Dabei entspringen der Schwarze, der Weiße und der Rote Volta in Burkina Faso und vereinigen sich in Ghana zum Volta River. Lake Volta ist einer der größten Stauseen weltweit und die bedeutendste Stromquelle des Landes. Es gibt keine Lagunen in Ghana auch nicht im Mündungsbereich des Volta.
Dies ist kein Buchwissen, sondern Volta und Lake Volta sind mir von Reisen bekannt.
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Nachtrag nach dem Kommentar: Es ist immer subjektiv, wann man einer Einschätzung von geschätzten Musikern über noch mehr geschätzte Kollegen folgt. Von Toumani Diabaté habe ich nur die CD, die er zusammen mit Ali Farka Toure aufgenommen hat (In the Heart of the Moon). In einem ARTE-Feature über Toure wurde auch auf diesen Ausnahmemusiker verwiesen und wer dann einmal sein Spiel gesehen und gehört hat, der erkennt den Virtuosen, dessen gesammtes Leben der Griot Tradition gewidmet ist.

Donnerstag, 10. Mai 2007

Phasen der Kriminalisierung

In einem Monat wird der G8-Gipfel in Heiligendamm schon wieder Geschichte sein. Es wird durch die versammelten Regierungschefs wohlfeile Absichtserklärungen zu Problemen Afrikas geben, die wie schon die vielen Erklärungen der vorherigen Treffen an der Lebenswirklichkeit der Menschen dort nichts ändern werden.

Viel wichtiger als das G8-Treffen sind seit Jahren die Gegenveranstaltungen, die in ihrer Vielstimmigkeit ein realistischeres Abbild von den internationalen Problemen zeigen.
Leider meint unser Bundesinnenminister (und Staatsfeind Nr. 1, siehe Fußnote) Schäuble unterstützt von staatlichen und konservativen Medien diesen Protest zu kriminalisieren. „Eine andere Welt ist möglich“ (attac) und davor hat ein Großteil der wirtschaft-politischen Elite eine Höllenangst.
Natürlich gibt es auch innerhalb der globalisierungskritischen Gruppen einige Personen die konkrete Aktionen gegen den von ihnen definierten Feind organisieren und mit Sachbeschädigungen die Organisation und Durchführung des G8-Gipfels stören wollen. Die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens wird dann deutlich, wenn eine Verzögerung von einer Stunde in einem Programmpunkt zum Erfolg erklärt wird. Hinzu kommen die Jungmänner, die ihren Frust (auf Politik, ihr Leben und die Realität) in der anonymisierenden Uniform so genannter Autonomer durch Gewalt gegen Sicherheitskräfte austoben. Doch dies sind Minderheiten, radikale Minderheiten.

Der Staat schafft seit letztem Jahr eine Atmosphäre des Misstrauens und der Angst, die in der Öffentlichkeit jeden Protest als kriminelle Handlung erscheinen lässt:
  • Auf so genannten Informationsveranstaltungen der Polizei im Großraum Rostock-Heiligendamm werden Geschäftsleute speziell und die Allgemeinheit über die erwarteten Störer der öffentlichen Ordnung informiert. Einige Journalisten haben Teilnehmenden an so einer Veranstaltung danach ein Mikrophon unter die Nase gehalten und mussten nun hören, dass eine Angst vor plündernden, brandschatzenden Horden besteht.
  • Landwirte und andere Grundbesitzer die ein Geschäft mit dem Protest machen wollten in dem Sie große Flächen als temporäre Campingplätze verpachten, wurden massiv von der Polizei bedrängt und vor den Schäden gewarnt.
  • Innenminister und polizeiliche Führungskräfte geben in immer kleineren Abständen Presseerklärungen über das erwartete Gewaltpotential ab und schaffen damit systematisch ein Angstszenario in der Region.
  • Treffen von globalisierungskritischen Gruppen, in denen auch das Verhalten bei einem Polizeieinsatz thematisiert und trainiert wird, wie auch hier in Hannover, werden in den Medien als Trainingscamps für Radikale diffamiert. Es ist bestimmt kein Zufall das wie bei den Taliban die Wortkombination von Trainingscamp und Radikale benutzt. Wer schon einmal einen Polizeieinsatz erlebt hat, der weiß wie elementar erschreckend es ist, wenn eine Hundertschaft von bewaffneten Polizisten in Kampfuniform auf einen zustürmt. Es ist wichtig Neulinge auf diesen Schock vorzubereiten.
  • Die nächste Eskalationsstufe wurde gestern erklommen. 900 Polizisten stürmten Zentren und Wohnprojekte, in denen sich Gegner des G8-Gipfels regelmäßig treffen und ihre öffentlichen Aktionen organisieren. Der Tatvorwurf für die Hausdurchsuchungen wurde mit DEM Gummiparagraphen §129a Bildung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung begründet. Und die staatlichen Medien spielten mit und bettelten den ganzen Tag um Krawalle, damit es „Action News“ gibt. Gestern Abend erlebte ich einen NDR-Fernsehreporter live aus einer Straße vor einem der durchsuchten Gebäude. Es war menschenleer, doch der Reporter und die Kamera verwiesen auf Altpapier, brennbares Holz in Müllcontainern und Bänken vor einem Café und es wurde von möglichen brennenden Barrikaden geträumt. Ist dies schon ein Aufruf oder eine Anstiftung zur Gewalt? Wurde der NDR danach durchsucht und der Reporter nach §129a angeklagt? Natürlich nicht!
Es geht doch nur um eins bei solchen Polizeiaktionen: Einschüchterung!
Denn die erstürmten und durchwühlten Häuser sind stadtbekannt. Wenn wirklich irgendjemand etwas Ungesetzliches plant, dann bestimmt nicht in diesen öffentlichen Räumen.

Eine Spaltung zwischen den Teilnehmenden, die sich ausschließlich an den Großkundgebungen mit internationalen Popkonzerten (Grönemeyer, Wir sind Helden, Chumbawamba, etc.) und den Protestlern, die zum Schutzzaun, der die gefährlichen G8-Menschen einsperrt, ist von der Politik erwünscht (divide et impera).

Einschüchterung funktioniert, wie ich selbst erleben musste. Nachdem ich in Gorleben über Stunden festgehalten wurde, habe ich für fast zehn Jahre nicht mehr an aktiven Protesten teilgenommen.

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Fußnote. Der Schutz der Verfassung ist eine der ursprünglichen und bis heute wesentlichen Aufgaben des Innenministers. Schäuble und sein unseliger Vorgänger Schily tun alles um Freiheiten der Verfassung einzuschränken und aufzuheben. Dies hat nur am Rande mit 9/11 zu tun. Beide verfolgen die Vision einer umfassenden Kontrolle, die alle Einwohner zu potentiell Verdächtigen macht. Deshalb ist die Bezeichnung Staatsfeind Nr. 1 keine Übertreibung.