Montag, 27. September 2010

Doris Lessing Zitate 2

Ob Walkman, Discman oder nun iPod (oder einer der vielen Klone), die Zahl der Menschen mit Stöpsel im Ohr nimmt in der Öffentlichkeit zu und diese Menschen verlassen damit dieselbe.
Doris Lessing schrieb hierzu bereits 1984:
„(...) ihr Gesicht, umrahmt von den herunterhängenden Kabeln, verändert sich mit dem (für mich) unhörbaren Getöse, und ihre Augen haben den typischen leeren Blick dieser bedauernswerten Zombies. Manchmal zuckt auch ihr Körper im Rhythmus.
(...)
sie stöpselt sich zu gern in ihre Geheimwelt ein, sicher vor äußeren Einflüssen.“

(Doris Lessing (1984) Die Liebesgeschichte der Jane Somers, Klett-Cotta 1985, S. 41)

- - - - - Weitere Beiträge zu meiner Lieblingsschriftstellerin:

Samstag, 25. September 2010

Robert Fripp Soundscape 1996

Wenn ich Texte schreiben, ist im Hintergrund Musik zu hören, die als meditativ bezeichnet werden kann, aber nicht als solche firmiert. Es ist oftmals der Ambient Sound von Brian Eno, der mich dann wiederum an ein „Konzert“ (?) mit Robert Fripp erinnert.

Im März 1996 war ich für Forschungsarbeiten in London und am zweiten Wochenende fand in der Royal Festival Hall eine Tagung zur New Music/New Media statt, auf der auch Peter Gabriel sein sollte. Es war dieser Name, der mich zur Southside lockte. Der Teilnahmebeitrag erschien mir prohibitiv und so verzichtete ich darauf in den Konferenzsaal zu gehen und hörte stattdessen dem Musiker zu, der umgeben von Computern im Foyer experimentierte. Erst durch ein Plakat erfuhr ich, dass dies Robert Fripp der Kopf der ProgRock-Band King Crimson war.

Robert Fripp baute mit seiner Gitarre und diversen Hall-, Loop- und anderen Geräten in vielen Schritten das von ihn so genannten Soundscape auf. Er nahm nacheinander diverse Akkorde auf unterschiedlichen Geräten auf, die er jeweils individuell veränderte und diese Samples dann übereinander legte, wobei einige aufeinander durch Rückkopplungen reagieren und andere langsam ausklangen. Das Einspielen der Samples dauerte jeweils mehrere Minuten und der Sound wurde dabei immer komplexer. Dann war zu sehen, dass Robert Fripp mit dem Ergebnis zufrieden war. Er hängte die Gitarre ab, verließ durch eine Lücke zwischen den Geräten seinen Arbeitsplatz und verschwand. Er kam mit einem dampfenden Kaffee oder Tee wieder, hörte sich sein Soundscape an, setzte sich wieder an seinen Arbeitsplatz und ließ den Sound ausklingen.
Und dann begann er wieder Schritt für Schritt ein Soundscape zu konstruieren.

Der Klang erinnerte mich damals, wie mein Tagebuch verzeichnet, an die mir bis dahin bereits bekannte Meditationsmusik von Georg Deuter (Silence is the Answer, 1980) und den Minimalismus von Philip Glass (Koyaanisqatsi, 1983). Brian Eno war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.

Das Wort Konzert habe ich zu Beginn in Anführungszeichen und mit einem Fragezeichen versehen, da dieses Event, dass ich damals erlebte, viele Stunden dauerte. Eine kurze Notiz von damals sagt mir, dass ich alleine fast fünf Stunden Robert Fripp und sein Soundscape erlebte.

Mittwoch, 15. September 2010

Desensibilisierung zum Problem Höhenschwindel

Höhenschwindel ist eine unangenehme Sache und sie kommt oftmals unpassend.
Jules Verne beschreibt in seinem Roman "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" (1864) wie dem Protagonisten Axel Lidenbrock die fehlende Schwindelfreiheit in Kopenhagen durch die wiederholte Besteigung des Kirchenturms der Vor Frelsers Kirke genommen wird. Die letzten 150 Stufen der Wendeltreppe zur Kirchturmspitze (etwa 80 Meter) sind außen am Kirchturm, der bedingt durch seine Holzkonstruktion sich leicht im Wind bewegt, angebracht.

So ein Training für mehr Schwindelfreiheit ist aber nicht nur in Dänemark möglich. In Bad Lauterberg gibt es einen Sessellift, der 110 Höhenmeter mit einer Neigung von 63° Grad überwindet. Die Fahrt vom Hausberg in die Altstadt ist mit Blick auf das Ziel und den Horizont und damit auf die Problemzone eines Menschen mit Höhenschwindel. Unter den Zweisitzern sind es immer wieder viele Meter bis zum steilen felsigen Grund. Zwischen den Pfeilern des Lifts hat der Wind genügend Kraft um die Sitze zum Schaukeln zu bringen. Es dauert knapp über sechs Minuten um von oben nach unten zu gelangen.

Wer mehrmals diese Abfahrt macht (einfache Fahrt €2,50 / Berg- und Talfahrt €4,00 - doch es gibt mehrere interessante Wege durch den Wald zum Gipfel), sollte danach nicht mehr so schnell Höhenschwindel entwickeln.
Ob es funktioniert hat, werde ich erfahren, wenn ich das nächste Mal auf die obersten Stufen einer Trittleiter steigen muss und mir die Beine nicht schwer werden.

Kneippen in der Oder

Es ist leicht mich zu einer Schnapsidee zu verführen. Am Sonntag ging ich mit einer Freundin durch den Kurpark von Bad Lauterberg und wir passierten einen Bereich der Oder, in dem Kneippsches Wassertreten ermöglicht wird. Ein Edelstahlhandlauf beginnt kurz hinter dem Ufer, führt in die Mitte des flachen Flusses und auf der anderen Seite wieder zum Ufer. Das sollte ich mal ausprobieren "oder traust du dich nicht?"
Mit diesen Satz bin ich für vieles zu haben. Also Schuhe aus, Jeans hochgekrempelt und rein ins sehr kalte Wasser. Wie ein Storch ging ich brav langsam den Fuß ins Wasser führend und danach genauso langsam über den Wasser haltend zwei Mal zur Flussmitte und zurück. Es blieben natürlich gleich andere Leute stehen und wollten wissen "ob es erfrischend ist".
Oh ja, das war es. Nach diesem Wassertreten nach Sebastian Kneipp kam dann noch das Tautreten, um die Füße wieder trocken zu bekommen.

Siehe auch den Wikipedia-Artikel zur Kneipp-Medizin.

Dienstag, 14. September 2010

Afrikaforscher Wissmann in Bad Lauterberg


(Wissmannstraße in Bad Lauterberg; Foto: JDM)
Auf meinen Erkundungsspaziergang durch Bad Lauterberg ging ich entlang der Wissmann-Straße, passierte das Wissmannhaus und wurde schließlich im Kurpark auf das Wissmann-Denkmal hingewiesen, dass sogar auf dem einzigen Foto des für die Stadt werbenden Faltblatts der Touristeninformation im Vordergrund zu sehen ist.
(Hinweis am Wissmann-Haus in Bad Lauterberg; Foto: JDM)
(Wissmann-Denkmal im Kurpark von Bad Lauterberg; Foto: JDM)
(Silhouette Wissmann-Denkmal; Foto: JDM)
Hermann Wissmann, für seine Dienste für das Deutsche Kaiserreich in Ostafrika in den erblichen Adelsstand („von“) erhoben, lebte von 1853 bis 1905. Frühzeitig verließ er das Gymnasium und begann eine Militärausbildung, die ihn mit 21 Jahren bereits bis zum Rang eines Leutnants führte. Eine Bekanntschaft mit Dr. Paul Pogge motivierte ihn, sich auch mit Afrika zu beschäftigen und er erhielt für seine Teilnahme an der geplanten Pogge-Expedition durch Zentralafrika (1881) eine Beurlaubung von seinen militärischen Pflichten. In Zentralafrika teilte sich die Expedition und Wissmann erreichte mit seiner Gruppe 1882 die Ostküste und damit die erste Durchquerung des tropischen Afrikas von West nach Ost durch eine europäische Gruppe. Auf einer zweiten -nunmehr Wissmann-Expedition- für den belgischen König wurde ab 1884 in Zentralafrika der Fluss Kasai erforscht und nach einer Erholungspause auf einer südlicheren Route noch einmal Zentralafrika von West nach Ost durchquert (1887). Dieses „Fach“-Wissen und seine militärische Stellung führten dazu, dass er 1888 den kaiserlichen Auftrag erhielt, als Reichskommissar die Handelsinteressen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (DOAG) durchzusetzen und zu schützen. Die DOAG hatte eine kaiserlichen Schutzbrief für ihre mit Gewalt gewonnenen Handelsposten an der Küste und leitete daraus koloniale Interessen für das Land ab. Offiziell wurde dies als eine militärische Expedition gegen arabische Sklavenhändler bezeichnet, doch tatsächlich ging es um die Verdrängung konkurrierender Händler und deren Machtanspruch, die bisher den Ostafrikahandel über Zanzibar in die Welt dominierten. Die Wissmann-Truppe aus 21 deutschen Offizieren und einer afrikanischen Söldner-Armee (600 Nubier aus dem Sudan, 400 Shangaan aus Mozambique, 50 Somali, u.a.), hatte eine so große militärische Überlegenheit, dass es nur zu wenigen Kämpfen kam. Es war ein asymmetrischer Konflikt, der die Vernichtung der Gegner zum Ziel hatte. Das Ergebnis stabilisierte die DOAG und ist der eigentliche Beginn des deutschen Kolonialismus in Ostafrika. Eine erste Kolonialverwaltung, die deutsche Soldaten und die nun etablierten Söldnern (Kiswahili: Askari) zu ihren Schutz hatte, wurde ausgehend von den Küstensiedlungen mit ihren nunmehr deutschen Handelsposten aufgebaut. Wissmann trat nach dieser Strafexpedition mit hunderten von Toten im Deutschen Reich in vielen Städten auf und machte in Vorträgen und Sammlungen Werbung für die deutschen Kolonien. 1893 war er wieder in der nun als Deutsch-Ostafrika bezeichneten Kolonie. Wissmann wurde zum 1. Mai 1895 zum Gouverneur berufen, musste aber Ende 1896 den Dienst beenden, da er in Ostafrika schwer erkrankte. Im Deutschen Reich wurde wegen seiner Erfahrungen als „Afrikaner“ bezeichnet und wurde als u.a. Diplomat auf einer internationalen Afrikakonferenz entsandt. Hermann Wissmann ist einer der wenigen leitenden deutschen Kolonialisten, dem keine persönliche Schuld, an Brutalitäten und Morden in Ostafrika nachgesagt wird, obwohl er bei seinem Militäreinsatz 1888 ein Politik des Terrors durchsetzte.
(Inschrift am Wissmann-Denkmal in Bad Lauterberg; Foto: JDM)

Was hat nun Hermann Wissmann mit Lauterberg zu tun? Er ist hier weder geboren, zur Schule gegangen, noch hat ihn seine Militärzeit in den Südharz geführt. Seine Mutter zog nach dem Tod seines Vaters in diesen aufstrebenden Ort mit seinem Kurbetrieb. Wenn Hermann von Wissmann nach Lauterberg reiste, kam ein Prominenter in die Stadt, der während seines Aufenthalts weitere Prominente in die Stadt lockte. In Lauterberg wurde Wissmann die Ehrenmitgliedschaft im bürgerlichen Harzverein angeboten und nach dessen Annahme gab es hier Vorträge über Afrika und deutsche Kolonien.
Das Heimatmuseum Bad Lauterberg hat sogar ein Wissmann-Zimmer. Dieses ist leider eher als peinlich zu bezeichnen, denn in einem Museum -auch einem Heimatmuseum- sollte im 21. Jahrhundert eine Person in einen Kontext gestellt werden. Es gibt keinen wirklich ernst zu nehmen Satz über den Kolonialismus und viel Unsinn über seine Tätigkeit gegen die Sklaverei. Die koloniale Propaganda hat die Schulbücher, aber leider noch nicht die Köpfe von Hobbyhistorikern verlassen.
(Kolonialapologetische Inschrift am Wissmann-Denkmal in Bad Lauterberg; Foto: JDM)
Die Besuche Wissmanns in Lauterberg waren aus einer modernen Perspektive eine Förderung des Bekanntheitsgrads und in der Folge des Fremdenverkehrs nach Lauterberg. Es gab keine koloniale Herrlichkeit, aber die Touristeninformation hat wohl gewählt, dass sie einen früheren Förderer des Fremdenverkehrs in der Werbung verwenden.
(Nahaufnahme vom Wissmann-Denkmal in Bad Lauterberg; Foto: JDM)

Bedenklich ist nur, dass die letzten Kolonialrevisionisten, dass Wissmann-Denkmal und eine 1971 auf dem Bergfriedhof eingerichtete Wissmann-Gedenkstätte, als Ziel für Kranzniederlegungen und durch kein Wissen zu erschütternde Ignoranz über den deutschen Kolonialismus nutzen.


Literaturhinweise:
  • Jonathon Glassman (1994) Feast and Riot - Revelry, Rebellion, and Popular Consciousness on the Swahili Coast, 1856-88; London
  • John Iliffe (1979) A Modern History of Tanganyika; Cambridge
  • John Iliffe (2000) Geschichte Afrikas; München
  • Juhani Koponen (1994) Development for Exploitation - German colonial policies in Mainland Tanzania, 1884-1914; Helsinki
  • Wolfgang Reinhard (1996) Kleine Geschichte des Kolonialismus; Stuttgart
  • Joachim Zeller (1996) "Deutschlands größter Afrikaner" - Zur Geschichte der Denkmäler für Hermann von Wissmann. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Band 44, Nr. 12, S. 1089-1111.

Dienstag, 7. September 2010

Grosstransporte von AIRBUS-Teilen in Stade

Gestern Vormittag sah ich ein Leitwerk für ein Flugzeug am Haus meiner Mutter vorbeifahren.

AIRBUS produziert an mehreren Standorten in Norddeutschland, u.a. auch in Stade. Die dort gefertigten Leitwerke müssen zur Endmontage zum Werk Finkenwerder in Hamburg transportiert werden. Doch da gibt es ein Problem. Ein Leitwerk ist so hoch, dass es hochkant unter keiner Brücke hindurch passt und zwischen Stade und Hamburg gibt es davon gleich mehrere davon. Selbst wenn das Leitwerk quer liegen würde, gebe es Probleme bei Brücken und in Kurven. Mir wurde nun erzählt, dass AIRBUS in Zusammenarbeit mit dem Landkreis und der Stadt Stade eine Route für diese mehrmals in der Woche durchgeführten Transporte etabliert hat, auf der es auch in Zukunft keine Probleme geben wird.
Vom AIRBUS-Werk fährt der Großtransport mit einer Polizeivorhut auf der Harburger Str. an der Altstadt vorbei nach Norden zum Hafen Bützfleth, von wo der Schwertransport mit einer Fähre zu seinem Zielort fährt. Hier an der Harburger Str. sind diese Transporte sogar im Straßenbild zu sehen. Es gibt nur noch auf einer Seite Straßenlaternen und auf der anderen Seite sind große Bäume radikal beschnitten oder sogar entfernt, um einen störungsfreien Transport zu gewährleisten.
Harburger Str. in Stade, Beschnittene Bäume für AIRBUS-Transporte
Viele Autofahrer scheinen sich an diese Situation gewöhnt zu haben. Der Transport fährt auf der falschen Seite und die Polizei wiederholt ständig, dass entgegenkommende Fahrzeuge bitte auf die falsche Straßenseite ausweichen sollen. Das klappte offensichtlich so gut, dass der eigentliche Großtransporter in einer gleichmäßigen Geschwindigkeit fahren konnte. Es ist ein imposanter Anblick, wenn ein Haus hohes Objekt relativ zügig an einem vorbeizieht.
Seitenleitwerk für den AIRBUS A330/A340. Transport auf der Harburger Str. in Stade
(Transport eines AIRBUS-Seitenleitwerk A330/340 durch Stade; Foto: ECD)
Seitenleitwerk für den AIRBUS A330. Transport auf der Harburger Str. in Stade
AIRBUS A330-Seitenleitwerk auf der Harburger Str. in Stade. Foto: JDM, 12.09.2013
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Nachtrag Juli 2013: Und es geht noch größer, viel größer. Auch die Seitenleitwerke für den A380 werden in Stade produziert. Das folgende Bild wurde aus ungefähr der gleichen Perspektive fotografiert, wie das vorherige.
Seitenleitwerk für den AIRBUS A380. Transport auf der Harburger Str. in Stade
(Transport eines AIRBUS-Seitenleitwerk A380 durch Stade; Foto: ECD)
Das Fachwerkhaus auf der anderen Straßenseite wird vollständig verdeckt!

Montag, 6. September 2010

Perseiden über Lisboa

Sterneschnuppenkucken gehört für mich zum Europa-Kolleg dazu. Am Licht verschmutzten Himmel meiner Heimatstadt sind nur die größten Sterne und Planeten zu sehen. Wenn Mitte August die Erde wieder durch die Schweif-Überreste des Komets 109P/Swift-Tuttle zieht und der Sternschnuppenschwarm der Perseiden zu sehen ist, dann suche ich dunkle Orte. Beim EKNT 2007 fand sich in einem Vorort von Barcelona mehr als einem Kilometer außerhalb der Siedlung am Hang in einem Wald ein schöner Beobachtungsplatz. Doch dann ging Torrentialregen nieder und es war überhaupt nicht daran zu denken, im Dunklen einen Waldweg hinaufzugehen und möglicherweise auf einer nassen Wiese zu liegen. Doch wir fanden einen anderen, trockenen Platz, der zwar relativ hell war, aber schon viel Sterne zeigte.

In diesem Jahr in Lissabon war es nun, dass die Lichtglocke über dem Großraum mindestens genauso hell war, wie in Hannover. Ich zog spät am Abend mit zwei Alumni zum benachbarten Gelände der Universität. Wir querten über eine Fußgängerbrücke eine Stadtautobahn und schlüpften durch ein ungesichertes Tor auf das Gelände. Ein hoher Deich schien als Lärmschutzwall zu fungieren. Auf dem vor uns zu sehenden Sportplatz mit flachen Nebengebäuden war kein Licht und auf der Innenseite des Wall war tiefer Schatten. Eigentlich ein idealer Platz. Nur wenig Sterne waren zu sehen, doch genügend, um nacheinander den Großen Bär, den kleinen Bär, Kassiopeia und schließlich Perseus zu lokalisieren. Letzterer war nur etwa 15-30° über den Horizont. Wir konnten uns in einem flachen Winkel zum Horizont auf groben Gras auf den Fuß des Walls hinlegen. Ohne den Nacken anzustrengen hatten wir einen Blick auf den Himmelabschnitt, auf dem die Sternschnuppen zu sehen sein sollten.
Ich erzählte, was wir hier sehen könnten und das an wirklichen dunklen Orten in dieser Nacht auch schon mal 50 und mehr Sternschnuppen in einer Stunde zu sehen sind. Ich warnte vor zu großen Erwartungen, da in der Helligkeit des Himmels kleine Leuchtspuren mehr zu erahnen als zu sehen sein würden.
Wir philosophierten über die Zukunft und ich verwies auf Nachfrage auf die anderen Objekte, die zu sehen waren. Angefangen von Flugzeugen, die den nahen internationalen Flughafen ansteuerten bis hin zu Satelliten, die in wenigen Minuten das sichtbare Firmament querten. Ich verwies auch auf den grandiosen Anblick der ISS, die ich in diesem Jahr bereits vier Mal aufgehen, anwachsen und untergehen sah.
Ich dachte mal wieder, dass ich wohl eine optische Täuschung erlebte, als ich ein kurz einen Lichtstreifen aufblitzen sah. Während ich dies noch sagte, war aber die erste prächtige Sternschnuppe zu sehen, die hell über einem Viertel des Himmels zog. Die mitgebrachten Bier wurden geöffnet und plötzlich waren wir alle drei neugierig darauf, wer denn nun die nächste Sternschnuppe sehen würde. Wieder zeigte sich, dass die wenigsten sich bisher dieses Naturschauspiel bewusst angesehen hatten
Für mich ist dieses Sternenkucken bzw. hier Sternschnuppenzählen regelrecht meditativ. Ich genieße diese ruhigen Momente
Nach drei großen und mehreren kleinen Sternschnuppen beenden wir nach etwa einer Stunde diesen Ausflug und gingen zurück zur Unterkunft.

Samstag, 4. September 2010

Biscoito de Amêndoa

Es gibt viele Leckereien in Portugal und das Mandelgepäck ist eine davon.

Diese großen, harten Mandelplätzchen, die jeweils zusätzlich eine ganze Mandel auf dem Keks haben, sollten nur frisch genossen werden. Ich hatte eine Tüte der Fábrica de Queijadas de Gregório aus Sintra gekauft und sparsam diese Köstlichkeit über die letzten zwei Wochen vernascht.

Ein schönes Mitbringsel von einem Urlaub in Lissabon.

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Siehe auch meine Notiz zu Pastéis de Belém.

Mittwoch, 1. September 2010

Hannover Wetter August 2010


Die erste Abbildung zeigt die täglichen Messwerte der Wetterstation Hannover-Langenhagen, die vom Deutschen Wetterdienst veröffentlicht werden. In Orangerot ist als Linie die Höchsttemperatur eines jeden Tages und in einer hellblauen Linie die Tiefsttemperatur dargestellt (für die genauen Temperaturen siehe die linke Skala). Als gelber Hintergrund sind die Sonnenstunden und als dunkelblaue Balken der Niederschlag in Millimetern zu sehen (hierfür gilt die rechte Skala).

Deutlich ist zu sehen, dass die in vielen Jahren registrierten sehr heißen Tage am Monatsanfang, die im Kalender der Singularitäten als Hundetage bekannt sind, im Jahr 2010 nicht aufgetreten sind. Es gab keine Tropentage und nur sechs Sommertage, die alle von kühlen Tagen getrennt sind und im letzten Monatsdrittel gab es sehr niedrige Temperaturen. die höchste Temperatur wurde am 21. August mit 28,2° erreicht und am 30. August sank die Tiefsttemperatur auf 5,7°. Der reichliche Regen aus dem Norden und Nordwesten kühlte alles so weit ab, dass die selten Sonnentage dies nicht ausgleichen konnten.


Wenn die Tagemitteltemperatur (rote Linie) und der über 3 Tage gemittelte Durchschnitt der Tagesmitteltemperuturen (grüne Linie) betrachtet wird, ist wieder der wärmste Tag am 21 und der kühlste Tag am 30. August zu erkennen. Bemerkenswert ist der Temperaturabfall von mehr als 11° in neun Tagen.

Doch wie bereits einleitend geschrieben wurde, war der Monat August 2010 wärmer als der Klimanormalwert für diesen Monat.
Die dritte Abteilung zeigt den Klimanormalwert von 16,9° und die Tagesmitteltemperaturen im Verhältnis zu diesen Wert. Wärmere Tage sind in Orange und kühlere Tage in Hellblau dargestellt. Gleichzeitig ist in Pink die Durchschnittstemperatur gemittelt über sieben Tage dargestellt.
Deutlich ist erkennen, dass bis zum 24. an allen Tage bis auf vier die Temperatur über den Klimanormalwert lag. Das sehr starke Absinken der Temperatur zum Monatsende, senke die Monatsdurchschnittstemperatur rapide, doch am Ende lag sie noch 0,6° über den langjährigen Mittelwert. Ein Blick auf den 7-Tage-Mittelwert zeigt deutlich, dass die Temperaturschwankungen in den ersten drei Wochen nur gering waren.

Abschließend wieder ein Blick auf die Vergleichswerte.
Die letzte Abbildung vergleicht die Tagestemperaturen 2010 mit den Vergleichswerten der letzten 32 Jahre. Als dunkelblaue Balken sind die Tagesmitteltemperaturen für jeden Tag zwischen dem 15 Juli und dem 3. September 2010 eingetragen. Die dunkelrote Linie zeigt die tägliche Durchschnittstemperatur der Jahre 1978-1987, die hellgrüne Linie der Jahre 1999-2008. Die Rekordwerte für die Temperaturen der letzten 33 Jahre sind als orange und hellblaue Linie zu sehen.
Der 30. August brachte einen neuen Rekord. Die Tagesmitteltemperatur lag mehr als ein Grad unter dem bisherigen Rekordwert. Es gab keine Wärmerekorde. die langjährigen Mittelwerte zeigen die Singularität der Hundstage aber auch, dass zum Monatsende die Temperaturen um etwa drei Grad absinken. Wie oben ausgeführt, war dies 2010 besonders deutlich. 

Zum Niederschlag habe ich bereits etwas zum Dauerregen und Starkregen, der am 26. und 27. August niederging, geschrieben. Im gesamten Monat Monat fielen 168,6 mm niederschlag. Dies entspricht 266 Prozent des langjährigen Mittelwerts. Alleine an den beiden genannten Tagen fiel 147 Prozent des üblichen Monatswerts. Nur an sieben Tagen blieb es trocken. 

Dies hatte natürlich direkte Auswirkungen auf die Zahl der Sonnenstunden. Im august 2010 wurden in Hannover nur 117,9 Sonnenstunden registriert. Selbst im kühlen März 2010 schien die Sonne für 122 Stunden. Im August wurden nur 60 Prozent der Sonnenstunden erreicht, die sonst für den Monat üblich sind. Es war dies auch der geringste Sonnenschein im Zeitraum 1990-2010. Es gab sieben trübe Tage.

Es gab kein Windereignis. Am 23. August wurde ein Spitzenwert von 16,2 m/sec registriert. Dies entspricht einer Windstärke 7 (=steifer Wind).

Wie stets ist meine Datenbasis die öffentlich zugängliche Datenbank des Deutschen Wetterdienst (Rubrik Wetter + Klima, dann links in das Verzeichnis Klimadaten) und alle Angaben sind für die Station 10338 Hannover-Langenhagen. Die Berechnungen von Durchschnittswerten und die Graphiken stammen von mir.
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Die folgenden Symbole führen jeweils direkt zum genannten Bericht:

“Wetterbericht . “Wetterbericht

Wetterbericht Hannover Januar 2010 . Wetterbericht Hannover Februar 2010 . Wetterbericht Hannover März 2010 . . . . . . . . .

Der Jahresbericht 2009 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2009:

Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Eistage Frosttage Januar 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Eistage Frosttage Februar 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Frosttage März 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Frosttage April 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Eisheilige Starkregen Sommertage Mai 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Sommertage Juni 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Starkregen Tropentage Sommertage Juli 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven August 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven September 2009 . . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Klimanormalwert Bodentemperatur Eistage Frosttage, Temperaturrekorde, Starkregen, sonnenarm, sonnenlos . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Klimanormalwert Bodentemperatur Eistage Frosttage, Temperaturrekorde
Der Jahresbericht 2008 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2008:
Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Klimanormalwert Bodentemperatur Eistage Frosttage
Es gibt außerdem noch ein Blick auf das Wetter in Hannover im Jahre 2007, speziell den Sommer 2007. 2008 habe ich bereits einen Vergleich der Wintertemperaturen in Hannover vorgenommen. Damals basierte alles auf Monatswerten und hatte auch nur wenige Details und aktuell gibt es einen langen Beitrag zum sehr kalten Winter 2009-2010. Im Mai 2010 kam dann noch eine statistische Analyse zur Frage, ob es auch Eisheilige in Hannover gibt, hinzu. Als kleinere Beiträge sind auch noch Graphiken zu den eisigen Tage zum Jahreswechsel 2008/2009 und die eisigen Tage im Dezember 2009 zu finden.