Dienstag, 3. Dezember 2013

1987 - Post aus Kenia

Ich habe letzte Woche einen deutschen Roman, der in Tanzania der Jahres 1913-15 (also Deutsch-Ostafrika) handelt, beendet. Die beschriebenen Orte kenne ich von meinem ersten Aufenthalt im Jahre 1987 und so suchte ich Notizen von dieser Reise. Dabei fand ich den allerersten Brief, den ich überhaupt von meiner ersten Reise in ein afrikanisches Land, geschrieben hatte. Mit liegen einige meiner Briefe und Postkarten vor. In Tanzania wurde mir mein Reisetagebuch der ersten Wochen gestohlen und so bat ich nach meiner Rückkehr um Kopien oder eben die Originale meiner Post. Freunde und Bekannte hören sich gerne meine Afrika-Geschichten an und dieser Blog hat einen seiner Ursprünge in der Bitte, bestimmte Geschichten mal aufzuschreiben.
Hier also nun mein 1. Afrika-Brief. Sehr private Passagen wurden gekürzt, moderne Rechtschreibung verwendet und fünf Anmerkungen hinzugefügt.
Malindi 28/7/87 

Es ist noch keine Woche vergangen und wir haben uns akklimatisiert und den Kopf so voll Bilder., dass ein Reisetagebuch nur schwer zu führen ist. Auf Nairobis Flughafen waren die Zikaden, die ersten akustischen Zeichen, dass Afrika unter unseren Füßen liegt.
Das Fliegen war ein Erlebnis 1, (...) Aus 10 km Höhe sieht die Welt schon wie die Luftbilder aus dem Atlas aus.

Afrika: Heißer, fremder, dunkler Kontinent. Nairobi hat den Charakter einer ganz normalen europäischen Stadt, nur das die Menschen alle schwarz sind.
Die englischsprachige Welt ist manchmal ein Rätsel. Hier wird die Weltsprache Pidgin-English gesprochen mit einer vereinfachten Grammatik und weniger Vokabeln. Es ist also kein Problem. (...) Die Vokabeln kommen wieder.

Heute stellte ich fest, dass ich wieder Kinder mag. Wir gingen durch die Altstadt von Malindi und Kinder riefen uns fröhlich Jambo-Jambo hinterher. Es macht Spaß freundlich grüßend durch die Stadt zu gehen.
Die Höflichkeit ist erschreckend. Als Europäer kann ich nur feststellen, dass sich bei uns die Menschen kalt begegnen. Hier wird viel gegrüßt und Zeit für Floskeln verwendet. Es ist keine andienende Höflichkeit, die hinterher Geld erwartet, es sind die Menschen.

Der Linksverkehr ist gefährlich. zu häufig laufen wir noch auf der linken Straßenseite und werden weg gehubt.
Nairobi hielt uns nur 1 Tag (...) Der Nachtbus brachte uns in 8 Stunden 487 km an die Küste nach Mombasa. Hier hielten wir uns mit Streichhölzern die Augen auf 2 und fuhren 2 Stunden später 120 km nördlich nach Malindi. Hier bleiben wir wohl bis zum Beginn des Work Camps in Tanzania.
Die Tage haben 25-32° C im Schatten bei hoher Luftfeuchtigkeit. Das Wasser des Indischen Ozeans wurde heute getestet und hat so um die 25° C. Angenehm.

Unser Kreislauf verlangt, dass wir maximal eine halbe Stunde draußen gehen und von 11.30 bis 14.00 findet für uns nix statt. Die Sonne steht senkrecht über uns und ist für uns dann zu gefährlich.
Essen ist nahrhaft und wir haben keine Einschränkungen (außer aufgeschnittenes Gemüse und Obst, schade kein Salat)3. Dafür dann, natürlich verpackte Mangos, Limonen und Ananas. Der Spruch stimmt. Hier sind die guten Bananen, nach Europa gehen nur die nicht wohlschmeckenden.4

Sorglos leben wir nicht! Die Moskitos sind in großer Zahl vorhanden und es sind bestimmt schon 20 Einstiche vorhanden.5 Hoffentlich wirkt die Malaria-Prophylaxe (selbstverständlich!). Dies sind die kleinen Ängste.
Fortsetzung folgt.
1 Es war nicht nur meine 1. Reise in ein afrikanisches Land, sondern auch meine allererste Flugreise (mit 25 Jahren!).
2 Wir kamen kurz nach 4 Uhr morgens im schlafenden Mombasa an und wie fast alle Reisenden blieben wir bis nach Sonnenaufgang auf dem Betriebsgelände der Busgesellschaft.
3 "Cook it, peel it or forget it"
4 Obst für Europa wird in der Regel vor der eigentlichen Fruchtreife gepflückt. In Kenya und kurz darauf in Tanzania erlebte ich erstmals den Wohlgeschmack von sonnengereiften Bananen, Mangos und Avocados.
5 Einer der Lerneffekte auf meinen 10 Reisen ins tropische Afrika (6 Länder zusammen 25 Monate Aufenthalt) war, dass ich bei meiner letzten Reise (nach Ghana) selbst nach einem Monat erst wenig mehr als eine Handvoll Moskitostiche bekommen hatte. Aktive Prophylaxe ist viel wichtiger als eine chemische Prophylaxe durch Medikamente und Chemikalien, die Moskitos vertreiben.
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Ein Jahr später war ich bereits Student der University of Dar es Salaam und sammelte Erfahrungen mit der tanzanischen Verwaltung.

1 Kommentar:

Filipe Brito Bastos hat gesagt…

Sehr interessant und spannend.

Hoffe, dass du mehr von solchen Briefen findest! :)

Filipe