Freitag, 27. September 2013

Klimawandel - Beispiel Hannover - Temperaturanstieg

(Dieser Beitrag ist von 2013, es gibt eine aktualisierte Graphik bis 2015)
 
Der Weltklimarat IPCC veröffentlicht aktuell den fünften Sachstandsbericht zum Klimawandel. Die nicht wirklich ernst zunehmenden "Klima-Skeptiker" leugnen den Wandel und konzentrieren sich diesmal darauf, dass angeblich der Temperaturanstieg, der neben Gletscherschmelze und Meeresspiegelanstieg das offensichtlich Anzeichen für eine Veränderung ist, nicht so ausfällt, wie in früheren Berichten prognostiziert.
Innerhalb der verschiedenen Fachwissenschaften gibt es seit langem ein Konsens, dass der Klimawandel real ist. Die Skeptiker behaupten immer wieder, dass viele Wissenschaftler den Modellen nicht zustimmen. Ja eine Germanistin, ein Zahnmediziner, ein Volkswirtschaftler und eine Theologin haben auch jeweils eine wissenschaftliche Ausbildung hinter sich und vielleicht sogar akademische Titel erworben, doch diese Wissenschaftler sind deshalb keine Experten für Klimatologie, Glaziologie und Ozeanographie.

Ich habe drei Zeitreihen der Temperaturentwicklung in Hannover zusammengestellt.
Klimawandel, Klimaskeptiker, IPCC, Temperaturanstieg, Klimanormalwert
Die Datenquellen sind vielfältig: Alle Werte seit 1946 und einige ausgewählte Jahre davor entstammen der Datenbank des Deutschen Wetterdienstes. Frühere Daten stammen aus Statistischen Reihenpublikationen für Hannover oder das Deutsche Reich.
Es wurde Quartalsweise gerechnet. Der erste Wert der 5-Jahresreihe steht zum Beispiel für den Durchschnittswert aller Monatswert vom April 1880 bis März 1885, für die 10-Jahresreihe steht der erste Wert für alle Werte von April 1875 bis März 1885 und schließlich für die  20-Jahresreihe entsprechend für alle Werte von April 1865 bis März 1885.
Mit jeden neuem Quartal entfällt das früheste Quartal und so entsteht ein gleitender Durchschnittswert. Fett eingetragen ist der Klimanormalwert für Hannover von 8,9°. Die 5-Jahreslinie zeigt deutlich für die 1910-er und 1930-er Jahren warme Perioden an. Erst in den 1980-er wurden danach neue Rekordwerte aufgestellt. Die 20-Jahreslinie passiert in den späten 1980-er Jahren die 8,9° Markierung, erreicht wenige Jahre später einen neuen Rekordwert, stieg weiter und verharrt seit etwa fünf Jahren auf einem sehr hohen Niveau.

Um dies ein wenig deutlicher zu zeigen, habe ich die Periode 1980-2013 vergrößert
Klimawandel, Klimaskeptiker, IPCC, Temperaturanstieg, Klimanormalwert
Hier ist nun ein eindeutige Quellenangabe möglich, denn alle Originalwerte stammen vom DWD. Der bisherige Rekordwert von 10,3° wurde 2008 erreicht. Der 5-Jahresdurchschnitts liegt 1,4° über den langjährigen Mittelwert, alle Werte seit 1989 liegen über diesen Mittelwert. Lange, kalte Winter haben den 5-Jahreswert auf 9,6° gesenkt. Doch selbst dies ist 0,7° zu warm.
OK, Kritiker der bisherigen Ausführen mögen sagen, ich vergleiche Äpfel mit Birnen, wenn ich 5-Jahresdurchschnittstemperaturen mit den langjährigen Mittelwert vergleiche. Nach internationaler Definition wird der langjährige Mittelwert oder das Klimanormal/CLINO aus den Werten von 30 Jahren gebildet.
Klimawandel, Klimaskeptiker, IPCC, Temperaturanstieg, KlimanormalwertIn hellblau ist der gleitende 30-Jahresdurchschnittswert dargestellt. Seit 1993 liegen alle Werte über den Klimanormalwert und die Werte passierten 2012 9,7°. Die "kalten" Winter senkten die Temperatur bisher um weniger als 0,1°. Solche Tendenzen gab es bereits 1987 und 1996 (wirklich kalter Winter), aber der Trend zeigt dabei stets nach oben.

Wenn die Klimaskeptiker doch bitte endlich mal ihre Klappe halten würde und ehrlich zugeben würden, dass sie sich für reaktionäre Parteien und Industrieverbände der fossilen Energieerzeugung (Kohle, Erdöl, Ölschiefer) prostituieren.

Montag, 23. September 2013

BT-Wahl 2013: Hannover bleibt rot

Hannover war und Hannover bleibt rot. Rot im Sinne von, dass die Parteien links von CDU und FDP eine stadtweite Mehrheit haben. Beide direkt gewählten Bundestagsabgeordnete gingen an die SPD und der OB-Kandidat der SPD deklassierte den Kandidaten der CDU.
Ein Blick auf die Stadtteile zeigt, dass es in der Stadt erhebliche Abweichungen von der generellen Aussage gibt, wenn auf die aktuellen Ergebnisse der Zweitstimmen zur Bundestagswahl 2013 geblickt wird.
Bundestagswahlergebnis, Hannover, 2013, BT-Wahl, Bundestagswahl, Linden, Isernhagen-Süd, strukturelle Mehrheit, rotes Hannover
Es gibt seit Jahrzehnten einige wenige Stadtteile, die eine konservative Mehrheit haben. Für die Definition bürgerlich bzw. links, habe ich die Stimmanteile von jeweils drei Parteien zusammengezählt. Konservativ umfasst die Stimmen für die CDU, die FDP und die AfD. Links summiert die Stimmen von SPD, GRÜNE und Linke. Es werden nur diese sechs Parteien betrachtet, die in den Stadtteilen von Hannover für 93,3 bis 97,9 Prozent der gültigen Zweitstimmen stehen.
In Hannover erreichte das konservative Lager 39,2 und das linke Lager 56,4 Prozent der Zweitstimmen.

Jede Großstadt hat ihre Viertel, die sich systematisch von den anderen Stadtteilen abgrenzen. 
In Hannover ist dies vor allem die Villensiedlung Isernhagen-Süd im Norden der Stadt. Hier bekam die FDP satte 15 Prozent der Zweitstimmen. gleichzeitig wählten mehr als 5 Prozent die AfD und 54 Prozent die CDU. Nur Kirchrode, östlich vom Zentrum hat auch noch eine deutliche konservative Mehrheit. Nur in 8 von 53 Stadtteilen gibt es eine konservative Mehrheit.

Extreme auf der linken Seite des Spektrums sind die ehemaligen Arbeiterviertel in Linden und Limmer. In Linden-Mitte und Linden-Nord ist die CDU nur die 4.-stärkste politische Kraft nach SPD, GRÜNE und Linke. Und in diesen beiden Stadtteilen liegt die FDP hinter der AfD und den Piraten. Hier gibt es gleich mehrere Wahllokale, wo selbst die Tierschutzpartei mehr Stimmen erhalten hat, als die so genannten Liberalen.
Die strukturelle Mehrheit ist eindeutig, Hannover wird auch bei den nächsten Wahlen "links" bleiben.
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Quelle für die Zahlen: www.hannover.de ; Berechnung und Graphik: me-myself-I
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siehe auch den nächsten Beitrag: Verschiebung der politischen Lager in Deutschland

Sonntag, 22. September 2013

Trauer, Verlust, Trauerarbeit

Ein Auszug aus meinem digitalen Tagebuch für meine Freunde und Bekannten

Am Nachmittag des 25. Augusts genoss ich das klassische Konzert auf der Wilhelm Busch Wiese. Bei meiner Rückkehr wurde mir gesagt, dass jemand für mich angerufen hat und das es dringend klang. Ich war noch gar nicht richtig angekommen, da klingelte wieder das Telefon und ich erfuhr, dass mein Vater gestorben ist.
In den letzten Wochen hatte ich ihn dreimal im Pflegeheim besucht und mich verabschiedet.

Beim letzten Besuch am 6. August war ich ein wenig traurig, als ich das Krankenzimmer verlassen hatte. Er hatte etwas über Wünsche gesagt, die er sich bis dahin nicht erfüllt hatte.
Dieser Tag war ein guter Tag für ihn gewesen. Er war wach und so munter, wie ich ihn an den anderen beiden Tagen im Juli nicht erlebt hatte. Er lächelte sogar einmal und machte ironisch-sarkastische Bemerkungen. Ich war aber auch erschrocken. Als zum Essen die Kopfseite hochgefahren wurde, hatte er unerträgliche Schmerzen. Das Gesicht war vor Schmerz verzerrt und es dauerte zehn Minuten bis er mit dem Essen anfangen konnte.
Als die Kopfstütze wieder in die Horizontale ging, schloss er die Augen und es war sehr still im Zimmer.
Ich erzählte, dass ich zwei Tage später im Zug nach Budapest sitzen würde. Das wieder einmal ein Treffen vom Europa-Kolleg ansteht und vier Ehemalige aus Budapest ein Programm erstellt hatten und für etwa 20 Personen Unterkunft stellen würden.
Vater hörte zu. Die Fahrten sind für Frühbucher mit dem Europa-Spezial-Preisen sehr günstig. Für die Hinfahrt hatte ich nur 49 Euro bezahlt. Ich erzählte auch von den anderen Treffen, die mich bereits nach Malaga, Lissabon, Helsinki und Tallinn führten und da die Treffen immer privat organisiert werden, wir keine Ausgaben für die Unterkunft haben. Plötzlich die Frage von Vater "Kann ich da mit?". Ich verwies darauf, dass dies ein geschlossenes Netzwerk ist. Natürlich könnte auch er, für sehr wenig Geld durch Europa reisen.
Und hierüber war ich später traurig. Er hatte Reiseträume, die er sich nicht erfüllt hatte.

Von der Trauermeldung bis zur Trauerfeier am Freitag ist mir nur wenig in Erinnerung. Es gab sehr viele Telefonate mit der Familie, die Schreiben zur Folge hatten.

Ich hatte erfahren, dass bei einer frühen Ankunft in Rotenburg ein persönlicher Abschied vorm offenen Sarg möglich sein würde.
Da kam ich auf die Idee, wie ich eine wiederkehrende Erinnerung  an meinen Vater haben könnte. Ich kenne es aus einigen Familien, das dort Fotos oder Bilder der Verstorbenen im Wohnzimmer hängen. Das ist nicht mein Ding. Ich habe keine Fotos der Familie oder von Freunden ausgestellt. Der Gedankengang war, dass ich im Grab etwas hinterlassen möchte, dass ich vermissen werde. Fotos oder Bücher sind mir lieb und teuer, aber dort würde der Bezug zu meinem Vater fehlen.
Ich stand vor meinen rechten Bücherregal und dann sah ich es. Seit 21 Jahren habe ich einen Reisetalisman. Bei meinem ersten Aufenthalt in Accra hatte ich von der Familie einer ghanaischen Freundin eine Handgelenkkette mit bunten Steinen bekommen. Diese Kette hat mich seitdem auf allen Reisen begleitet, sie war also in sechs afrikanischen Ländern, den USA und 18 europäischen Ländern.
Ich sprach über diese Idee mit einigen aus der Familie, die es gut fanden. In Rotenburg werde ich nachfragen, ob ich die Kette oder auch nur einen Stein dieser Kette in die Urne legen darf. Immer wenn ich diese Kette vor einer Fahrt umlegte, dachte ich an vorherige Reisen. Wenn ich die Kette vermisse, werde ich mich an Vater und seine unerfüllten Reisewünsche erinnern.

Wir fuhren direkt zur Trauerveranstaltung. Fast die ganze Familie stand vor der Trauerhalle. Nach wenigen Worten ging ich alleine in den Saal, um mich von Vater zu verabschieden.
Es war dies einer der klassischen Anblicke. Der Sarg stand leicht aufrecht und ich sah meinen schlafenden Vater. Er trug seine bevorzugte Freizeitkleidung, die ich in ähnlicher Form bei unserer gemeinsamen Segeltour gesehen hatte. Er strahlte Ruhe aus. Kein Schmerz war in seinem Gesicht zu sehen. Vorher hatte ich erfahren, dass er am Sonntagmittag, als sein Tod festgestellt wurde, sogar ein leichtes Lächeln zeigte oder Freude ausstrahlte.
Ich stand vor dem Sarg und ging dann auch über die Rosenblätter zur Kopfseite. Ich sah meinen Vater im ewigen Schlaf. Was mich befremdete und ungemein irritierte, war, dass seine Hände in eine Gebetshaltung mit ineinander verschränkten Finger gezwungen waren.
Ich war alleine und spürte Trauer aufsteigen, doch es gab keine Tränen.
Als ich wieder draußen bei der Familie stand, bat mich meine Tante sie in den Saal zu begleiten. Ihr fiel es wirklich schwer und ich fühlte mich geehrt, dass sie mich fragte. Ich öffnete die Tür, sie zögerte, bevor sie den Saal betrat. Ich schloss die Tür und sah, dass sie von vom Anblick ihres toten Bruders wirklich mitgenommen war. Ich merkte, dass ich nicht sprechen kann. Meine Stimme zitterte so sehr, dass ich einen Satz abbrach. Vorm Rausgehen, nahmen wir uns in den Arm. Dies war mehr um sie zu stützen, als mich zu trösten. Weder Worte noch Tränen kamen von meiner Seite.

Mit der Familie gab es fröhliche Gespräche. Es ging darum abzulenken und damit das Gegenteil davon zu machen, was vielleicht für eine Trauerfeier üblich ist, nämlich sich auf die Trauer einlassen und damit gemeinsam zu weinen.
Andere Trauergäste kamen, die mir unbekannt waren. Einige wenige gaben uns die Hand. Um 14 Uhr begann die Feier. Es war keine Trauerfeier in der Kirche, doch sprach ein Pastor den Nachruf.
Er war der richtige Mann an der richtigen Stelle und er fand vor allem die richtigen Worte. Als Vater starb, war die Rotenburger Familie am Weichelsee bei der Taufe einer seiner Enkel. Die Taufe wurde vom selben Pastor vollzogen und er hatte offensichtlich sehr gut im Vorbereitungsgespräch zugehört.
Er sprach über Leben und Tod und das die Taufe ein symbolischer Tod sei, dem das Leben als Christ folgt. Er referierte aus dem Leben von Vater. Mit der Bundeswehr kam er nach Rotenburg, lernte meine Mutter kennen, heiratete, drei Kinder und Scheidung. Er lernte seine zweite Frau kennen, drei weitere Kinder folgten. In seinem Ruhestand war er weiter aktiv. Für die Partei, im Seniorenbeirat, im Krankenhaus und genoss es, als Smutje bei Segelbootüberführungen auf der Ostsee oder der Nordsee dabei zu sein.

Es war eine christliche Trauerfeier mit christlichen Liedern, die ich nicht mitsingen konnte, obwohl der Text vorlag. Der Pastor sprach ein Gebet und alle das Vaterunser. Nach dem Segen gab es auf besonderen Wunsch von Vater noch ein Lied. Frank Sinatra "My Way".
Da ich bei solchen Liedern intensiv zuhöre und jeden Satz auf Vater bezog, war es soweit. Es rollten keine Tränen über meine Wangen, aber die Trauer überwältigte mich.
Das Lied wird jetzt immer Vaters Lied sein.
Draußen vor dem Saal sprachen wir zunächst über diesen gelungen Abschluss. Eine Schwester erzählte, dass sie zunächst noch am Überlegen war, ob sie die deutsche Version von Harald Juhnke wählen sollte, doch sie hat weise entschieden, denn die deutsche Version wurde zwar vom geschätzten Thomas Woitkewitsch getextet (Übersetzer für Hermann van Veen), hat aber larmoyante Passagen.
Nach der Trauerfeier sprachen wir zunächst darüber, welche speziellen Lieder für uns die erste Wahl wären.

Auf den Weg zum Leichenschmaus, erzählte ich meiner Schwester, wie ich mich an Vater erinnern wollte, wie ich immer wieder an den Verlust erinnert werden möchte. Sie hielt dies für eine gute Idee.
Im Saal waren drei Tische mit Wurst/Käse-Broten bzw. "Beerdigungskuchen" eingedeckt.

Wir gingen später noch kurz zum Friedhof, um uns den Ort anschauen, wo die Urne begraben werden würde. Hinter der Kapelle war eine mit Bäumen und Büschen bestandene Fläche für Urnenbestattungen. Dort standen mehr als ein Dutzend große Grabsteine und um diesen herum sollten in Zukunft bis zu zehn Urnen versenkt werden. Die Rotenburger Familie hatte einen schönen Stein ausgewählt und Hans Peter Müller wäre der erste Name auf diesem Stein. Ich schaute mich um, und sah nun, dass diese Idee mit den Steinen zwischen den Bäumen wahrscheinlich relativ neu war, denn nur auf wenigen Steinen war ein Name zu sehen und auf einem wurde zwei Menschen gedacht.

Einige Tage später erzählte ich einer Freundin von meinen fehlenden Tränen. Sie gab mir Trost und plötzlich fiel mir, wann ich das letzte Mal unkontrolliert geweint hatte. Es war vor ziemlich genau einem Jahr. Ich war mit zwei Europa-Kollegiatinnen aus Griechenland und Spanien auf dem Alten Sankt-Matthäus-Kirchhof in Schönberg. Ich setzte mich auf die Bank vor dem Grab von Ralph Möbius (Rio Reiser) und versuchte den beiden jungen Frauen zu erzählen, warum ich unbedingt hierhin gehen wollte. Sie kannten weder Ton Steine Scherben, Rio Reiser noch deren Songs. Beim Erklären brach meine Stimme und ich konnte nur noch Weinen. Die Hoffnung für ein bessere Welt, für bessere Beziehungen zu anderen Menschen und vor allen zu Freunden sind das Thema der Lieder. Sie gaben und geben mir Kraft.

Am 11. September war die Urnenbeisetzung auf dem Waldfriedhof. Unter einem Vordach der Kapelle stand umgeben von Blumenarrangements zentral auf einer Säule die Urne. Die drei mitgebrachten Gestecke wurden davor gestellt und wir schwiegen.
Es war eine schöne Urne. Dargestellt war ein Seeblick mit einer weißen Möwe und es war nicht kitschig, denn ich dachte dabei an die von ihm geschätzten Segeltouren auf Nord- und Ostsee.
Es waren angenehme kurze Gespräche in diesem kleinen Kreis von sechs Personen. Es ging nie in die Tiefe, denn jeden Moment wurde der Pastor erwartet. Der Bestatter wurde gefragt, ob etwas in die Urne gelegt werden dürfte. Er bestätigte es. Der Deckel wurde geöffnet und es war darin ein weiterer Behälter zu sehen, der mit einer Namensplakette bedeckt war. Hier legte ich meinen Reisetalisman drauf.
Der Pastor erschien nicht und so begann der Bestatter mit der Zeremonie. Es gab eine kurze Würdigung und ein schönes Gedicht über die Vergänglichkeit. Der Leichenbestatter griff die Urne, die Totenglocke fing an zu schwingen und dann zu klingen und wir gingen in langsamen Schritten die dreißig Meter von der Kapelle zum bewaldeten Urnenfeld. Hinter den gewählten Stein war ein grün ausgelegtes Loch zu sehen und rechts davon stand ein erhöhter Behälter mit Sand und einer Schaufel.   
Wieder wurde erst einmal geschwiegen und dann die Urne in die Erde gelassen. Der Bestatter sprach ein Gedicht, dass in seiner Struktur immer wieder darauf verwies, dass ein Blatt im Wind, eine Wolke am Himmel, eine Blume die uns erfreut, jeweils ein Symbol für den Verstorbenen sein kann. Nach einem gemeinsamen Vaterunser warf er die ersten drei Schaufeln mit Erde in das kleine, tiefe Loch und reichte die Schaufel weiter an die Witwe und dann wurde jeweils weitergereicht an die Kinder und schließlich an mich. Das war es! Ich sah die Urne, die bereits von viel Erde bedeckt war und warf langsam drei weitere Schaufeln in die Grube. Wir standen dann noch kurz gemeinsam vor dem Grabstein. Ein letztes stilles Gedenken.

Was bleibt sind Erinnerungen. Ein Teil meiner Trauerarbeit ist ein entstehender Beitrag für das Internet über den Jägerhof Rotenburg im Jahre 1966-67, als meine Eltern Pächter der dortigen Gastwirtschaft waren. Dies wird ein Kapitel aus dem Leben von Hans Peter Müller.

Freitag, 20. September 2013

Hybris: Muttis Raute in Berlin

Es gibt "Kunstwerke", die ich selbst gesehen haben muss, damit ich glaube, dass es sie gibt. Im Netz waren mir schon Varianten des Plakats untergekommen, aber ich dachte stets, dass dies irgendwelche Manipulationen sind, die vor allem das Lachen fördern sollen. Die Merkel-Raute hat sogar einen eigenen Foto-Manipulations-Blog.
 
Wenn Parteipropaganda zu groß wird, dann wird eine intelligent gemeinte Werbekampagne zu einem Symbol von Hybris.
Größenwahn kommt vor dem Fall.
Angela Merkel, CDU, Berlin Hbf, Hauptbahnhof, Raute, Muttis Raute, Riesenplakat, Wahlwerbung, Propaganda
(Foto: JDM / verändert / Berlin 18. September 2013)
Vor dem Hauptbahnhof Berlin, auf 70 x 20 Meter: Muttis Raute.
Sie wird wohl wiedergewählt werden.

Von den Variationen des Plakats gefällt mir die Burns-Raute am Besten:

Montag, 9. September 2013

Trauer und Hoffnung in der Musik

Der Tod eines nahen Verwandten bewegt mich sehr. Auf der Trauerfeier wurde nach der Zeremonie Frank Sinatra "My Way" gespielt und nun haben mehrere Zeilen eine persönliche Bedeutung:
And now, the end is here
And so I face the final curtain
...
I've lived a life that's full
...
I've loved, I've laughed and cried
I've had my fill, my share of losing
(Text: Paul Anka)
Ja, das war sein Weg.

Seitdem bin ich noch hellhöriger geworden und viele Songs und Lieder wecken Erinnerungen. Viele Beispiele könnten genannt werden. Ich will nicht in der Vergangenheit versinken und fand hierzu Trost bei Ton Steine Scherben:
Und die Tränen von gestern wird die Sonne trocknen,
die Spuren der Verzweiflung wird der Wind verweh'n.
Die durstigen Lippen wird der Regen trösten
(Rio Reiser/Lanrue (1975) "Land in Sicht")

Sonntag, 8. September 2013

Beißkrampf - Emanzen

Symbol der Feministinnen
Es gibt sie noch. In den frühen 1980-er wurden sie im Freundeskreis sowohl von Männern als auch von Frauen als Kampf-Emanzen und von "Chauvis" und Genervten auch schon mal als Krampf-Emanzen bezeichnet. Es war ihr Beißkrampf, der zu diplomatischen Verhandlungen statt entspannten Gesprächen führte.
Ein falsches Wort und schon war man Chauvinist und Frauenunterdrücker. Ironie war diesen Frauen unbekannt oder sie waren zumindest humorlos in Anwesenheit eines Manns.

Dieses Beißkrampf habe ich seitdem nur zum Thema Israel erlebt. Jede kritische Bemerkung über israelische Politik im Allgemeinen oder über mörderische Aktionen der israelischen "Sicherheits"-Kräfte führte zum Vorwurf, ein Antisemit zu sein.

Nun traf ich mal wieder eine Kampf-Emanze und musste an früher denken!
Ich saß in einem großen Kreis mit verschiedenen kleine Gesprächsgruppen. Nicht alle Personen waren mir bekannt. In einer Ausführung erzählte ich etwas aus meiner Biographie und sagte HauptmietER. Sofort kam der Biss "gab es keine Hauptmieterin"? Ich kannte die Frau nicht, schaltete auf Ironie und verwendete nun bewusst eine "männliche" Sprache. Sie korrigierte mich noch mehrmals, schien aber die Sinnlosigkeit zu erkennen.
Ich muss beim Schreiben dieser Zeilen noch darüber Grinsen, was für einen katastrophalen Eindruck ich hinterließ. Meine Freundinnen drumherum kennen mich gut genug, um zu verstehen, dass erzwungene politische Korrektheit mir ein Graus ist und ich dann auf Ironie schalte.
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Ein nicht-ironisch gemeinter feministischer Literaturtipp aus Norwegen:
Gerd Brandenberg (1980) Die Töchter Egalias. Ein Roman über den Kampf der Geschlechter. Berlin: Olle und Wolter. [Gerd ist in Norwegen ein Frauenvorname!]

Sonntag, 1. September 2013

Hannover Wetter August 2013


Der August 2013 war ein normaler Sommermonat in Hannover. Verglichen mit den langjährigen Mittelwerten gab es wenig Niederschlag, war es ein wenig sonniger und in der Summe war die Monatstemperatur mit 18,6° um 1,7° zu warm.
-Vergleiche den Bericht des Vormonats und des Folgemonats-

Die Übersicht zeigt für jeden Tag die niedrigste und höchste Temperatur (linke Skala) sowie die Sonnenstunden und den Niederschlag in mm (rechte Skala).
Alle Messwerte stammen von der Wetterstation Hannover-Langenhagen des Deutschen Wetterdienstes (DWD).
Der Hochsommer endete bereits Anfang August. Es gab drei Tropentage und zehn Sommertage, aber keine Hitzewelle wie im Juli. Der langjährige Mittelwert verzeichnet für den August in Hannover 2 Tropentage und neun Sommertage. Die höchste Temperatur wurde am 2. August mit 34,8° erreicht. Die tiefste Temperatur wurde am 29. August mit 8,1° registriert.

Aus den stündlichen Messwerten berechnet der DWD die Tagesmitteltemperatur.
Dargestellte sind die Tagesmitteltemperatur und der gleitende 5-Tages-Durchschnittswert.
Deutlich ist zu erkennen, dass es nach den heißen Hundstagen zwar noch zwei wärmere Perioden gab, aber der Sommer sich seinem Ende nähert.
Der wärmste Tag des Monats und Jahres war der 2. August mit 27,5°. Bis zum 13. August fiel die Tagesmitteltemperatur auf 13,8°.

Die Abweichungen der Tagesmitteltemperatur von der langjährigen Monatstemperatur zeigt deutlich, warum der Monat zu warm war.
Zu Beginn des Monats lag die Temperatur um 4 bis 10° über den CLINO-Wert von 16,9°. die danach folgenden kühlen Tage wurden jeweils durch warme Episoden ausgeglichen und so waren es vor allem die heißen Tage des Monatsanfangs, die selbst noch am Ende des Monats für eine positive Bilanz sorgten.

Wie jeden Monat vergleiche ich abschließend die aktuellen Tagesmitteltemperaturen mit langjährigen Mittelwerten für jeden Tag und Rekordwerten der Temperatur
Die rote (1950-1979) und die grüne (1980-2009) zeigen den von mir errechneten Durchschnittswert von 30 Jahren für jeden Tag. Im August sinkt die Tagesmitteltemperatur von 17-19° auf 16°. Die Rekordwerte beziehen sich auf den Zeitraum seit 1946. Nur am 2. August wurde ein neuer Hitzerekord aufgestellt. Nur an wenigen Tagen gab es Abweichungen von mehr als 3° von den Durchschnittswerten.

An allen 31 Tagen zeigte sich die Sonne, davon an zehn Tagen sogar mehr als 10 Stunden. insgesamt wurden 218,8 Sonnenstunden registriert. Das entspricht 111 Prozent des langjährigen Mittelwerts, was innerhalb der normalen Schwankungen der Werte liegt.

An 12 Tagen gab es Niederschlag, davon gleich an zwei Tagen heftigen Regen. Es fielen insgesamt 37,8 mm, was nur 60 Prozent des langjährigen Mittelwerts entspricht. Dennoch ist selbst dieser Wert innerhalb der normalen Schwankungen der monatlichen Niederschlagswerte.

Es gab wieder kein Windereignis. Am 13. August wurden ein Spitzenwert von 14,9 m/s gemessen. Dies entspricht steifen Wind oder der Windstärke 7 der Beaufort-Skala.

Zum Schluss noch einmal der Hinweis, dass alle Originalwerte der kostenlosen Datenbank des DWD entnommen wurden. Die Berechnungen von Mittelwerten und die daraus resultierenden Vergleiche und Beschreibungen stammen vom Autor dieses Blogs.
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Die folgenden Symbole führen jeweils direkt zum genannten Bericht:
2014
Wetter, Hannover, Juni 2014

2013

2012

2011

2010

Der Jahresbericht 2009 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2009:

Der Jahresbericht 2008 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2008:

Es gibt außerdem noch ein Blick auf das Wetter in Hannover im Jahre 2007, einen langen Beitrag zum sehr kalten Winter 2009-2010 mit Vergleichen zu anderen Wintern und aktuell einen Bericht über den Winter 2012-2013.
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Siehe auch die frühsten Darstellungen: