Dienstag, 13. Januar 2015

No-HAGIDA - Demonstration in Hannover

Hannover ist bunt!

Dann waren wir einmal mehr auf der Straße. Diesmal demonstrierten wir gegen die dumpfe Meinung und Stimmung, die ihre Ausländerfeindlichkeit mit populistischen Formulierungen und den Zusatz, "das darf man doch wohl noch sagen" kaschiert. Mit dieser Stammtischparole wurde auch schon gegen Juden, gegen Russlanddeutsche und gegen Türken gehetzt, nun also gegen Muslime.
Der Kern dieser "abendländischen" Gruppe, die sich als schweigende Mehrheit verstehen oder zumindest bezeichnen, ist für Argumente nicht zugänglich. Es scheint das nicht klar zu formulierende Unwohlsein mit der Moderne und Abstiegsängste, die als negative Gefühle von dieser Gruppe auf andere projiziert werden. Das Bild vom Sündenbock prägt deren Weltsicht. Dieser Bock wechselt nur manchmal sein Fell.

In Hannover stand unser Protest unter dem Motto "Licht aus für Rassisten" und viele Menschen sorgten durch Anfragen dafür, dass neben kommunalen, regionalen und staatlichen Institutionen auch private Hausbesitzer Beleuchtung abstellten, um den Biedermeiern keine idyllischen und identifizierbaren Hintergründe für ihre Erinnerungsfotos zu bieten.
Wir waren schließlich so viele Menschen, dass die sehr kurze Demonstrationsroute von der Marktkirche zum Georgsplatz eine stehende Menschenmasse war. Die ersten waren bereits am Endpunkt angekommen und hörten den Redebeitrag des niedersächsischen Ministerpräsidenten, während immer noch Menschen auf der Karmarschstraße darauf warteten, dass sich die Demo bewegt.

Solche Demonstrationen sind Selbstvergewisserung. Ja, wir sind die Guten und wir sind viele. Damit werden Bilder transportiert, die auch potenziellen PEGIDA-Demonstranten zeigen, dass sie die radikale Minderheit sind.
Doch die Menschen, die nicht mehr zuhören, die sich in ihrer Welt der Angst und Verschwörung und der "wahren Nachrichten", welche durch die "gesteuerten" Medien von TV, Radio und Zeitung nicht gebracht werden, eingerichtet haben, sind nicht zu beeindrucken.

Ich war ohne Freunde und Bekannte auf der Demonstration und war stattdessen Zuhörer der Gespräche der Demonstranten und später auch einigen Menschen, die nur zuschauten. Es gab Demonstranten, die betonten, dass dies ihre erste Demonstration seit ... Jahren sei. Eigentlich ein gutes Zeichen, dass sich auch diese Menschen aufrütteln lassen.
Doch da sind auch die Anderen. Auf dem Rückweg zur U-Bahnstation hörte ich zum Beispiel in der Ständehausstraße den folgenden Kommentar einen älteren Deutschen, der zu seiner Frau sprach. "Ach die können heute mit 10.-20.000 Menschen demonstrieren, aber wir sind die wirkliche Mehrheit."

Das ist ja das Schräge in diesen sich ausweitenden hermetischen Welten. Es sind gerade diese Menschen, die in deutschen Ghettos leben, also in Miet-Häusern, wo niemand mit Wurzeln außerhalb von Deutschland erwünscht ist. Wenn diese dann auch nur noch Medien konsumieren, welche die eigene Meinung stützen, dann ist jeder Kontakt mit der Realität außerhalb ihrer eingeschränkten Weltsicht erschreckend.

Die Realität ist nicht erschreckend, diese vernagelten Deutschen sind es.

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