Samstag, 11. Juli 2015

Mangos oder Erinnerungen an die Tropen

In zweieinhalb Jahren in fünf tropischen, afrikanischen Ländern und Südafrika habe ich viele Früchte gegessen und genascht.
(Straßenhändlerin Accra, Ghana, 1992)
Ein typisches Mittagessen vor der Hauptbibliothek der University of Legon, Ghana war für mich zum Beispiel eine Handvoll von diesen kleinen Finger langen Bananen mit einer kleinen Tüte gerösteter, gesalzener Erdnüssen und einem Erfrischungsgetränk.
Oder wenn zu Hause in Dar es Salaam oder Accra, dann wurde eine von diesen 25-30 Zentimeter langen Papaya-Früchten von einer Straßenhändlerin gekauft, sauber halbiert und nach dem Entfernen der Kerne mit Genuss ausgelöffelt. Da war man satt und hatte vor allem viel Flüssigkeit zu sich genommen.

Zurück in Deutschland erlebte ich fast nur Frustrationen, wenn ich einmal den optischen Reizen am Stand für tropische Früchte folgte und mir Mangos oder Anderes kaufte. In besonders schlechter Erinnerung bleiben dabei die brasilianischen Mangos, die kleiner als die Früchte sind, die ich aus Ost- und Westafrika kenne.
Es gibt Menschen, die glauben, dass bereits die Standard-Bananen gut schmecken. Doch diese wurden unreif gepflückt und in Reifekammern in Deutschland mit Ethen besprüht, um eine Reifung zu erreichen. Auf den subtropischen Kanarischen Inseln kann man testen, wie eine reife Banane wirklich schmecken kann.
Bei Freunden und Bekannten, die selbst noch nie in den Tropen waren, habe ich schon tropisches Obst angeboten bekommen. Die teuren Früchte wurden in kleinen Stücken angeboten. Diese waren so säuerlich, dass zum Teil Zucker (!) über tropische Früchte gestreut wurde. Diese Menschen dachten, dass die Früchte säuerlich sind.

Neben den Kanaren hatte ich außerhalb eines afrikanischen Landes nur selten reife Früchte aus den Tropen  gefunden.
In Frankfurt auf dem zentralen Marktplatz bot ein Stand "Flug-Mangos" aus Kamerun an, die als Beipack mit einem Linienmaschine angekommen waren. Das kostete damals eine DM je Frucht. Das klang zunächst teuer, da ich in Tanzania für diese Pracht 1989 weniger als 1 Pfennig bezahlt hatte. Die Früchte waren so groß, wie ich sie aus dem östlichen Afrika kannte und so ein Genuss, dass obwohl ich eine Handvoll kaufte, meine Afrika-erfahrene Gastgeberin, ihre Familie und ich nur nach "MEHR" verlangten, als die Stückchen verschwunden waren.

Ein ghanaischer Freund fragte vor mehr als zehn Jahren, ob es sich lohnt, Mangos nach Deutschland zu exportieren. Ich verneinte dies, weil ich Zweifel hatte, dass diese Köstlichkeit ihren Markt finden würde.
Der Markt ist nun da. Vor zwei Wochen wollte ich meinen Augen nicht trauen, als ich in einem Supermarkt große Mangos sah. Diese waren sogar im Angebot für 69 Cent. Im Karton lagen Früchte teils dunkelgrün, teils mit roten Flecken. Ich schaute genauer hin und sah auf dem Karton den Aufdruck MALI. Meine Neugier und meine gute Erinnerung an Mangos ließen mich eine Frucht kaufen. Diese verbrachte noch einige Tage auf dem Balkon in der Sonne bevor ich das Gefühl hatte, dass sie nun ausgereift ist.

Oh, was für ein Genuss. Das war eine tropische Frucht, fast wie aus meinen Erinnerungen.
Als ich nach diesem Erlebnis wieder im Supermarkt war, waren diese Früchte leider ausverkauft und stattdessen wieder nur südamerikanische Mangos für 0,99 Cent zu sehen. Doch nach diesem ersten Fund schaute ich in den konkurrierenden Supermärkten auch ins Tropenregal und fand dort (Bio-) Mangos aus Côte d'Ivoire.
Ich habe in den letzten Wochen mehr Mangos gegessen, als in den zehn Jahren davor.
Essensvorbereitung in Accra, Ghana 1993. Leider ohne tropische Früchte, dafür mit Plantain

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