Dienstag, 21. April 2015

Ulaya und Europa


U - la - ya ? Das klingt überhaupt nicht nach Europa?
Im Kiswahili gibt es System von Prä- und Suffixen, die es ermöglichen mit einem Wort einen ganzen Satz zu sagen oder in diesem Fall durch das Präfix "U" ist Ulaya als eine Region zu identifizieren. Siehe auch den Eintrag in der Wikipedia.

Das Land Uganda ist bekannt und heißt entsprechend Land der Ganda, Ujerumani ist das Land der Deutschen. Wenn nun "Ki" als Präfix gesetzt wird, ist es die Sprache zum Beispiel der Ganda (Kiganda) oder im Fall von Kijerumani unser Deutsch. Durch die Präfixe "M" (singular) oder "Wa" (plural) werden Bewohner einer Region benannt, also Mjerumani (Deutscher) bzw. Wajerumani (die Deutschen).
Dies sind keine festen Regeln, da historisch überlieferte Namen selbstverständlich weiter verwendet werden. Der Ursprung vom Wortstamm jerumani ist offensichtlich Germany. Daneben gibt es aber auch noch den Namen Udachi mit dem Wortstamm Dutch/Deutsch.
Für Ulaya gibt es keine weiteren Präfixe. Wir Europäer sind also nicht Walaya.

Und nun auf zum fröhlichen Länderraten: Welche Länder sind wohl gemeint?
Uingereza – Ufaransa – 
Ubeligiji – Ureno – 
Ugiriki – Uturuki – 
Uswisi – Uholanzi
Alles liegt in Europa!

Und was ist nun mit Ulaya und woher kommt es? In fast allen Sprachen ist der Klang von Eu-ro-pa noch zu erkennen. Die einzige Sprache, in der Europa ähnlich wie Ulaya klingt, ist das Arabische. Hier heißt Europa أوروبا (Ūrūbbā) bzw. أوربّا (Ūrubbā).
Im Kiswahili gibt es oftmals einen Konsonantenwechsel vom r zum l oder umgekehrt. Da einer der wesentlichen Ursprünge der Sprache im Arabischen liegt (neben mehreren Bantu-Sprachen und Englisch) scheint der Ursprung hier zu liegen. Die Wortbedeutung ist damit noch nicht geklärt, aber mehr konnte ich bisher nicht herausfinden.

Nun zu den genannten Ländernamen. 
Großbritannien (English l und r wurden ausgetauscht) – 
Frankreich (Frans) – 
Belgien – 
Portugal (???) – 
Griechenland (Greek) – 
Türkei (Turk) – 
Schweiz (Swiss) – 
Niederlande (Holland).

Der englische Ursprung ist mit der Ausnahme von Portugal offensichtlich. Portugal war bereits Jahrhunderte vor den Briten in Ostafrika bekannt. Der Name stammt nicht aus dem Arabischen, dort heißt es البرتغال al-Burtuġāl. Vasco da Gama soll bei seiner kriegerischen Kontaktaufnahme sein Heimatland als "O Reino" (Das Reich Gottes) oder "Reino de Portugal" angegeben haben.
Länder, deren Existenz erst viel später in Ostafrika bekannt wurden, haben oftmals keinen eigenen Namen im Kiswahili, sondern sind mit ihren internationalen Namen bekannt. So finden sich im Schulatlas für die tanzanische Mittelstufe Norway, Finland, Denmark, aber auch Italia, Hispania oder Poland.

Der ostafrikanische Name eines Landes oder eine Region gibt einen Hinweis auf historische Beziehungen. In beider Amerikas hat kein Land einen anderen Namen als die international bekannten, wenn man davon absieht, das die USA pauschal als Marekani bezeichnet wird und damit jene US-Bürger erfreut, die ihr Land mit dem Doppel-Kontinent verwechseln.
In Asien gibt es aber Uarabuni (Arabien) und Bara Hindi (Indien). Von den afrikanischen Staaten haben nur die Seychellen (Shelisheli) und Mozambique (Msumbiji) (Arabisch: موزمبيق Mūzambīq) eine abweichende Schreibweise.
Der letzte bemerkenswerte Regionalname ist Unguja für das Mutterland des Kiswahili, für die Insel Zanzibar.

Montag, 20. April 2015

Wie fühlen sich die Tropen an?

(Kontext: Ich habe mehr als zwei Jahre in mehreren afrikanischen Ländern studiert, gearbeitet und gelebt)
Heute morgen war ich mal wieder in der Situation, dass ich einen Menschen, der bisher nur die mediterrane Welt erlebt hat, erklären wollte, warum ein Aufenthalt in den Tropen so anstrengend ist. Wer nur für ein-zwei Wochen zum Urlaub in ein tropisches Land reist, wird nicht viel davon haben. Es braucht mehrere Tage, bis sich der Körper akklimatisiert hat.

Diesmal fiel mir eine Beschreibung ein, die sofort verstanden wurde.

Die stehende Luft vor einem sommerlichen Gewitter ist hier in Norddeutschland für jede Person ein Begriff. Jede Aktivität fällt schwer und die Kleidung klebt auf dem Körper.
Dieses kurze Erlebnis dauert in den Tropen (Tanzania, Ghana) in der Regenzeit Wochen und es ist eine große Herausforderung für einen mitteleuropäischen Körper, damit zurecht zu kommen.




Ich habe damals schnell gemerkt, ich bin tropentauglich. Es dauert stets nur wenige Tage und dann konnte ich ohne Probleme genauso aktiv wie in Hannover sein.

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Zu den Fotos:
1. Hausschild in Accra oder Kumasi (Ghana) von 1843 mit Bezug zum britischen Königshaus.
2. Einer der letzten Riesen im Nebelwald am Kilimanjaro.
3. Botanischer Garten Aburi, Ghana

Freitag, 17. April 2015

Hannover Winter 2014-2015

Mit dem Februar endet für die Meteorologen der Winter, da für deren Statistik die Monate Dezember-Januar-Februar die Wintermonate sind. Kalte Luft erreicht Hannover bereits im Oktober und im November ist in der Regel der Winter erstmals zu spüren. Ähnlich verhält es sich mit dem Winterende. Im März gibt es noch viele Frosttage und noch mehr Tage mit Bodenfrost. Im Übergang zu sommerlichen Temperaturen kann bis in den Mai Kaltluft und seltener Frost Hannover erreichen.
Der Winter 2014-2015 scheint vorbei zu sein.
Zu sehen ist die gleitende Tagesmitteltemperatur für Mitte November bis Anfang April. Die Tagesmitteltemperatur wurde in diesem Fall auf jeweils sieben Tage gemittelt. Der erste Wert steht für den Durchschnitt der Tagestemperatur vom 9. bis zum 15. November und der letzte Wert für die Tage 2. bis 8. April.
Als Hintergrundwert wurde die über 30 Jahre gemittelte monatliche Temperatur (CLINO oder Klimanormalwert) gewählt. Grundlage sind die täglichen Messwerte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt werden. Da die Darstellung stark auf meinen Berechnungen beruhen, verzichte in diesem Beitrag auf einer Quellenangabe in den Graphiken.

Für den Winter 2014-2015 wurde eine obere Grenze von 9° gewählt, da dies die höchste Wochentemperatur in den Wintermonaten war.

Es waren zunächst zwei kurze Kälte-Episoden Ende November/Anfang Dezember und Ende Dezember. Von Mitte Januar bis Anfang Februar war dann "Winter".

Der Winter war wie viele zuvor zu warm.

Die Wintermonate hatten eine Durchschnittstemperatur von 3,13°. Der Mittelwert für die 30 Winter von 1960-1961 bis 1989-1990 beträgt 1,21°. Dieser Winter war also 1,9° zu warm. Zum Vergleich: Der Winter 2013-2014 war sogar 3,4° zu warm.
Die vielen warmen Winter zeigen sich auch im langjährigen Mittelwert. Seit 1987-1988 waren nur sechs Winter kühler als der CLINO. Der 30-Jahre-Durchschnittswert ist mit diesem Winter mehr als ein Grad über dem Klimanormalwert.

Das zeigt sich auch bei den besonderen Tagen.

Nur im Februar 2015 gab es überdurchschnittlich viele Frosttage.

Bei den Eistagen war es ähnlich. Nur im Dezember gab es leicht mehrere Eistage.

In der Summe war es mal wieder ein Winter ohne viele Wintertage.
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Ich habe auch in den Vorjahren bereits einen Blick auf den Winter in Hannover geworfen:

Mittwoch, 15. April 2015

Filmnotiz: Whistle von Duncan Jones

Der Einsatz von Drohen, um Menschen im Jemen oder Pakistan zu töten, ist nur noch eine kurze Nachricht. Selten wird der staatliche Mord per Fernbedienung thematisiert. Da sitzt jemand vor verschiedenen Bildschirmen in einem westlichen Land (zum Beispiel Deutschland) und vollstreckt mit einem Knopfdruck auf einem Joystick ein extralegales Todesurteil gegen eine Gruppe von Menschen.

Der Kurzfilm Whistle zeigt so einen Henker. Seine Arbeit ist für ihn ein Job. Er bekommt Unterlagen über eine Person, deren Aufenthaltsorte und Wege und lässt vor Ort durch andere Mitarbeiter Details klären, um jeweils nur die Zielperson zu töten. Die Aufträge sind kein Problem und wenn sie eins sind, dann werden dies mit viel Rotwein ertragen.
Der Job wird zum Problem, als bei einem Einsatz nicht nur die geplante Zielperson getötet wird. Das Gewissen meldet sich, obwohl bei diesem Job kein Gewissen vorgesehen ist.

Dies ist der erste Film von Duncan Jones. Bereits hier zeigt er seine Konzentration auf das Wesentliche, das hier die unmenschliche Absurdität dieses "Berufs" ist.
Der Mann am Joystick ist Familienvater, der im Erdgeschoss mit seinem Sohn Computerspiele am Bildschirm spielt und im Dachgeschoss vor seinen Bildschirmen seine Arbeit macht. Dieser Gegensatz zwischen Spielfreude auf der einen Ebene und Hinrichtungen auf einer anderen Ebene bringt es auf den Punkt. Die Fernsteuerung lässt die Brutalität des Todes nicht an den Akteur heran.
Dieser Gegensatz wird auch im Setting betont. Die Familie lebt in einer schweizer Idylle und die Morde finden in westlichen Großstädten statt. Der staatliche Auftraggeber lässt nicht irgendwo in Jemen oder Pakistan töten, sondern hier bei "uns".

Ich empfehle diesen Film, denn er ist trotz seiner Veröffentlichung im Jahre 2002 weiterhin aktuell. In seinem darauf folgenden ersten langen Spielfilm Moon (2009) schuf er mit seiner Konzentration auf ein Thema einen der besten Science Fiction Filme der letzten Jahre.

Whistle (Großbritannien 2002, 29 Minuten)
Regie und Drehbuch: Duncan Jones
Der Film ist ein Extra der DVD-Veröffentlichung von Moon (2009)

Freitag, 10. April 2015

Minchens Live Music Club

Ich war erstmals in Minchens Live Music Club in Hannovers Südstadt und ich war wohl auch gleichzeitig das letzte Mal dort.

Natascha Bell trat mit Begleitung auf und diese wunderbare Stimme zu hören, ist stets ein Genuss. Tja, nur leider trat sie im Minchen auf.
Das Minchen ist eine kleine, lang gestreckte Eckkneipe an dessem einen Ende eine kleine Bühne steht. Die Künstler sind etwa eine Treppenstufe höher als die Gäste, von denen sich vielleicht 40-50 in diesem Raum drängen können.

Das erste Set vom Konzert wurde von zwei verstärkten akustischen Gitarren und eben der gelobten Stimme bestimmt. Das Publikum fühlt sich im Minchen wohl und zeigt dies durch angeregte, laute Gespräche. Ich war vielleicht 2-3 Meter von der Sängerin entfernt, aber oftmals waren die Gesprächsfetzen aus der Kneipe deutlich lauter als ihre Stimme. Da viele der Songs energische und ruhige Elemente vereinen, ruinierte der Lärm diese Songs und meine Stimmung.

Nach einer Stunde gab es eine Pause und ich verschwand verärgert nach Hause.

Hannover Wetter März 2015

Ein Freund sagte mal, ist es nicht langweilig, jeden Monat das Gleiche zu schreiben. Nein, denn der regionale Klimawandel sollte dokumentiert werden.

Der März 2015 war wie viele Monate vorher zu warm.Es gab viel Sonnenschein und der Monat blieb bis kurz vorm Ende zu trocken. Die Monatsdurchschnittstemperatur lag mit 5,8° fast zwei Grad über den langjährigen Mittelwert (CLINO-Periode 1961-1990).
Ein Blick auf die Abweichungen von den jeweiligen langjährigen Monatsdurchschnittstemperaturen zeigt, dass in den letzten 24 Monaten nur zweimal ein Monat zu kühl war, aber immerhin zehn Monate mehr als 2° zu warm und der Februar 2014 sogar mehr als 4° zu warm war.
-Vergleiche den Bericht des Vormonats und des Folgemonats-
Die Monatsübersicht zeigt die täglichen Messwerte der Höchst- und Tiefst-Temperatur (linke Skala) sowie die Sonnenstunden und den Niederschlag (rechte Skala). Die Messwerte stammen vom Deutschen Wetterdienst für seine Wetterstation Hannover-Langenhagen. Der DWD stellt diese Werte und weitere Angaben kostenfrei zur Verfügung.
In den Temperaturen ist keine Tendenz zu erkennen. Die höchste Temperatur wurde am 8. März mit 18,0° gemessen. Die tiefste Temperatur wurde am 12. März mit -2,9° registriert. Es gab sechs Frosttage. Im langjährigen Mittel werden in Hannover im März 11 bis 15 Frosttage gezählt. An 18 Tagen gab es Bodenfrost, dabei sank am 22. März die Temperatur auf -6,6°. Im Mittel sind es 11-21 Tage mit Bodenfrost.

Der DWD berechnet aus den stündlichen Messwerten die Tagesmitteltemperatur.
 Der Verlauf der Tagesmitteltemperatur dokumentiert den Übergangscharakter des Monats. Warme und kühle Phasen wechselten sich ab. Der wärmste Tag war der 8. März mit 10,8° und damit wurde erstmals seit Dezember die 10°-Grenze überschritten. Der kälteste Tag war der 22. März mit nur 1,8°.

Die Tagesmitteltemperaturen werden im ersten Schritt mit den CLINO-Wert von 4,0° für den Monat März verglichen.
Hier ist zwar auch das auf und ab zu sehen, aber wesentlich ist, dass in den kühlen Phasen nur ein Tag mehr als 2° zu kühl war, aber in den warmen Phasen 15 Tage 2° oder mehr zu warm waren.

Im zweiten Schritt wird die Tagesmitteltemperatur mit täglichen Mittelwerten und Extremwerten verglichen.
Aus der Datenbank habe ich für jeden Tag den 30-Jahre-Durchschnittswert für die Jahre 1951-1980 (rote Linie) und 1981-2010 (grüne Linie) berechnet. Hier ist zum einen zu erkennen, dass im März die Temperatur von 2-3° auf 5-8° ansteigt und hier ist deutlich der Temperaturanstieg durch den Klimawandel zu sehen, denn 22 Tage sind bereits mindestens 1° wärmer.
Die Grenzwerte für die Wärme-/Kälte-Extreme ergeben sich aus der 10-er und 90-er Percentile. Die wärmsten bzw. kältesten 6 Werte der Jahre 1951-2010 sind außerhalb der Grenzen. Im März 2015 gab es mit dem 8. einen extrem warmen Tag.

An 27 Tagen zeigte sich die Sonne, insgesamt wurden im März 123,9 Sonnenstunden registriert. dies entspricht 117% des langjährigen Mittelwerts. Immerhin zehn Tage können sogar als sonnige Tage bezeichnet werden, da die Sonne mehr als die Hälfte des Tages schien.

An 14 Tagen gab es Niederschlag. Ohne die stürmischen, regnerischen Tage am Monatsende wäre der März ein trockener Monat gewesen. Doch so fielen insgesamt 51,6mm Niederschlag, entsprechend 107% des langjährigen Mittels.

Es gab an vier Tagen Windereignisse. Am 2. März wehte in Böen ein stürmischer Wind (Windstärke 8), am 29. und 30. März fegte ein schwerer Sturm (Windstärke 10) über die Region und dem folgte am 31. März ein orkanartiger Sturm, entsprechend Windstärke 11 der Beaufortskala. Die Folgen waren in den Straßen zu sehen. In den Bäumen der Stadt sollten nur alle abgestorbenen Äste gefallen sein.

Alle Messwerte stammen wie jeden Monat vom Deutschen Wetterdienstes.
Berechnungen, Abbildungen und Vergleiche stammen vom Blogautor.

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Die folgenden Symbole führen jeweils direkt zum genannten Monatsbericht:
2016
2015
2014
2013

2012

2011

2010

Der Jahresbericht 2009 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2009:

Der Jahresbericht 2008 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2008:

Neben diesen monatlichen Berichten habe ich bisher dreimal zum Klimawandel am Beispiel von Hannover gebloggt: 2007 schaute ich auf Monatswerte der 2000-er Jahre, 2013 untersuchte ich speziell den Monat April, der langfristig immer sonniger, trockener und wärmer wird, und nochmals 2013 in langen Zeitreihen den Temperaturanstieg seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Es gibt außerdem einen langen Beitrag zum sehr kalten Winter 2009-2010 mit Vergleichen zu anderen Wintern, ein Vergleich zwischen den Winter 1985-1986 und 2011-2012 und aktueller zum langen Winter 2012-2013.
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Siehe auch die frühsten, noch sehr einfach gehaltenen Wetter-Darstellungen: