Samstag, 20. Juni 2015

Fête de la Musique Hannover 2015 - Platz der Weltausstellung

Zum kalendarischen Sommeranfang findet in Hannover wieder die Fête de la Musique statt. An über 20 Standorten in der Stadt wird Musik und Tanz geboten. Ich betreue die Bühne am Platz der Weltausstellung.
Das Programm (mit Verknüpfungen zu den Gruppen):
Kommt in die Stadt und genießt Musik!

Freitag, 19. Juni 2015

Waterloo, Napoleon und Scheeßel

Meine Vorfahren stammen von der einen Seite aus dem Kirchspiel Scheeßel zwischen Hamburg und Bremen. Zum Ende der Franzosenzeit war dies ein Teil des Kantons Rotenburg im Arrondissement Bremen des Departments Wesermündung.
Die französische Besetzung und Verwaltung erreichte konkret jeden Haushalt. Die Besetzung bedeutete zum Beispiel die Einquartierung von französischen Soldaten. Erstmals wurden systematisch alle jungen Männer gemustert und aus den Geburts-Jahrgängen 1786 bis 1794 wurden Dutzende für den Feldzug gegen Russland eingezogen, von denen die Mehrzahl nicht wiederkehrte.

Beides hat den Kirchbüchern von Scheeßel Spuren hinterlassen. Es sind dies die indirekten Nachrichten in den Beerdigungsregistern.
So starben im Juni 1810 drei französische Soldaten bei Badeunfällen in der Wümme und im September 1810 erschoss sich ein Soldat. Im folgenden Jahr kam es zu einen weiteren Badeunfall und zu einem Totschlag nach einem Streit in einer Gastwirtschaft.
1815 waren auch Soldaten aus Scheeßel als Teil des Bremervörder Landwehrbataillons an der Schlacht in Belgien beteiligt.
Lütje Volckmer, Sohn von Häusling(1) Caspar Volckmer in Oldenhöven (23 Jahre). Soldat im Bremervörder Landwehrbatallion. In der Bataille bei Mont St. Jean hat ihm eine Kanonenkugel das rechte Bein abgerissen, woran er gestorben ist. Begraben am 19. Juni nach Kriegesbrauch bei Waterloo in Braband.
Johann Behrens, Sohn von weiland
(2) Hinrich Behrens, Baumann(3) zu Abbendorf (Nemannshaus) und Dorothea geb. Tietje. War Soldat beim Bremervörder Landwehrbatallion, gestorben im Hospital von Bois de Boulogne bei Paris im Hospital, 22 Jahr, 5 Monate, 9 Tage, Ruhr Krankheit, 3 Wochen gelitten, den 5. October nach Kriegesbrauch beerdigt.
Claus Christoph Heitmann, Sohn von Hinrich Heitmann, Kötner
(4) in Veerse und Adelheit. Soldat im Bremervörder Batallion, gestorben im Hospital Neuilly bei Paris im Generalhospital, 25 Jahr 5 Monate 3 Tage, Ruhr Krankheit, 14 Tage krank gewesen, den 9. October nach Kriegesbrauch beerdigt.
(1) Tagelöhner
(2) verstorben
(3) Bauer mit Hofstelle
(4) Kleinbauer
Es war die allgemeine Wehrpflicht (zunächst der Franzosen und dann der Norddeutschen), die erstmals einen Krieg in jede Gemeinde und in fast jede Familie trug.

Diese drei Todesfälle dokumentieren eindringlich was auch im Allgemeinen gilt. In der Frühen Neuzeit war fast jede größere Kriegsverletzung tödlich. Sei es durch Blutverlust, sei es durch Entzündungen. Seuchen breiteten sich in der Etappe aus und es gibt Beispiele dafür, dass mehr Soldaten an Krankheiten starben, als an kriegerischen Verletzungen.
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Quellen: Kirchbücher Scheeßel, Beerdigungsregister, 1810-1815 (keine wortwörtliche Wiedergabe, deshalb auch nicht als Zitat markiert);
Hinrich Meyer "Geschichte des Kirchspiels Scheeßel", 1955;
Gemeinde Scheeßel "Chronik Kirchspiel Scheeßel", 1997.

Montag, 15. Juni 2015

Hofflohmärkte in der List

Der klassische Spruch "Ist das Kunst oder kann das weg?" hat sich im digitalen Zeitalter in "Das kann weg, verkauf' es auf Ebay!" gewandelt.
Der Wert einer Sache liegt im Blick des Betrachters. Es gibt "Müll", der bei Ebay oder auf Flohmärkten angeboten wird. Der bisherige Besitzer konnte sich nicht von der Sache trennen, bis sie wirklich verbraucht und beschädigt war. Doch es gibt dann auch die Sachen, die für den bisherigen Besitzer nie oder nicht mehr einen Wert haben, aber gut erhalten sind.

Beides sah ich beim ersten Hofflohmarkt hier in der List. Einige der beteiligten Häuser hatten offensichtlich die Vorstufe zum Sperrmüll (=Keller!) geräumt und meinten, dass dies zu verkaufen wäre. Wenn da nicht die anderen Sachen gewesen wären, hätte ich vermutlich nach ein oder zwei Hinterhöfen den Spaziergang durch meine Nachbarschaft beendet.
Die Fülle der interessanten Objekte, die einige Menschen angesammelt und verkaufen wollten war schon interessant.
(Gefangener Elefant in meiner Nachbarschaft, etwas für den nächsten Hofflohmarkt?)
Fast die Hälfte aller Stände war mit Kinderkleidung und Spielsachen gefüllt, doch aus den Gesprächsfetzen hörte ich zweimal, dass hier auch nicht gewünschten Geschenke entsorgt wurden. Und dann gab es natürlich auch die Erbsachen, wie verziertes Geschirr.
Nach sieben Höfen war ich satt und hatte außerdem einige schöne Sachen erworben. Ich habe nur sieben von mindestens 23 teilnehmenden Häusern in der Nachbarschaft besucht. Das Angebot ist viel größer und vielfältiger, als auf dem wöchentlichen Flohmarkt am Leineufer.
Da werde ich mal Gespräche im Haus führen, um zu hören, ob wir uns beim nächsten Mal nicht auch an diesem Flohmarkt beteiligen. Es haben bestimmt viele von uns in ihren Wohnungen Objekte angesammelt und schließlich weggestellt, die einen anderen Menschen erfreuen oder nützlich sein können.

Montag, 8. Juni 2015

Hannover Wetter Mai 2015


Im Märzbericht hatte ich thematisiert, dass die Monate in denen die Durchschnittstemperatur unter den langjährigen Mittelwert der Klimanormalperiode 1961-1990 liegen, selten geworden sind. Zuletzt war es der August 2014 und jetzt der Mai 2015.
Der Monat war mit 12,1° ein wenig zu kühl. Außerdem war der Monat Mai extrem trocken und auch die Sonne zeigte sich selten.
-Vergleiche den Bericht des Vormonats und des Folgemonats-

Dargestellt sind einige der Messwerte des Wetterstation Hannover-Langenhagen vom Deutschen Wetterdienst. Für die Graphik wurden die täglichen Temperaturextreme (Werte der linken Skala), Niederschlag und Sonnenstunden (Werte der rechten Skala) ausgewählt.
Warme Tage waren selten und die zwei Sommertage kamen nur durch herbei gewehte angewärmte Luft zustande. An beiden Sommertagen gab es nicht viel Sonnenschein. Die höchste Temperatur wurde am 5. Mai mit 25,3° gemessen. Im langjährigen Mittel sind 2-3 Sommertage im Mai zu erwarten. Ansonsten war der Monat durchwachsen im ironischen Sinne.
Die tiefste Temperatur wurde am 15. Mai mit 0,8° gemessen. Bemerkenswert ist die hohe Zahl an Frosttagen. Im langjährigen Mittel sind im Mai 0 bis 3 Frosttage verzeichnet. Im Extrem waren es im Mai 1973 6 Frosttage, im Mai 2010 8 Frosttage und im Mai 1980 sogar 9 Frosttage. Im Mai 2015 wurde ein neuer Rekord aufgestellt. 12 Nächte mit Bodenfrost, wobei am 15. Mai die Temperatur auf -3,2° sank. Dennoch bleibe ich meiner Aussage, dass für Hannover keine Regel der Eisheiligen (11.-14./15. Mai) gültig ist. Die Bodenfrostgefahr besteht bis Anfang Juni und wann die Kaltluftwellen aus dem Norden uns erreichen, ist in jedem Jahr unterschiedlich.

Aus den täglichen Messungen berechnet der DWD die Tagesmitteltemperatur.

Die Tagesmitteltemperatur (rote Linie) habe ich in eine gleitende 5-Tage-Durchschnittstemperatur umgerechnet, um die Extreme, wie die beiden genannten Warmfronten auszugleichen. Der kälteste Tag war der 1. Mai mit 7,5° und der wärmste Tag der 12. Mai mit 17,4°.

Zunächst vergleiche ich die Tagestemperatur mit den Monatswert.
Auch hier zeichnen sich die beiden Warmfronten deutlich ab und das danach eine Kaltfront nach der anderen über Norddeutschland zog. In der Summe waren es diese Luftmassen, welche für den zu kühlen Monat verantwortlich waren.

Abschließend vergleiche ich die Tagestemperatur mit den täglichen Durchschnittswerten.

Im Mai steigt die Tagestemperatur von 10-12° auf 14-15° (siehe rote und grüne Linie). Nur bis zum zweiten Sommertag gab es deutliche positive Abweichungen von diesen Mittelwerten. Es gab auch extreme Temperaturen. Zum einen waren der 1. Sommertag und der Tag davor zu warm und der 16. und 17. Mai waren zu kühl.
Was sind extreme Temperaturen? Von den für jeden Tag vorliegenden Werten der 60 Jahre von 1951-2010 ist der Grenzwert jeweils der 6.-wärmste bzw. 6.-kühlste Tag. Zwischen diesen Extremen liegen damit 80% aller Tageswerte.

An 16 Tagen fiel Niederschlag, dabei aber nur an acht Tagen mehr als 1 mm, entsprechend 1l/m². Insgesamt waren es 20,4mm und damit nur ein Drittel des langjährigen Mittelwerts für den Monat Mai.

Die Sonne zeigte sich an jedem Tag, doch nur zehn Tage lassen sich als sonnig bezeichnen, da die Sonne sich mehr als die Hälfte des Tages zeigte. Insgesamt wurden 180,8 Sonnenstunden verzeichnet. Dies entspricht 88% des langjährigen Mittelwerts der Klimanormalperiode 1961-1990.

Es gab zwei Windereignisse. Am 5. und am 30. Mai erreichte der Wind in Spitzen Werte von 23,0 m/s bzw. 22,3 m/s. Dies entspricht Sturmstärke oder Windstärke 9 der Beaufort-Skala.

ZAlle Messwerte stammen wie jeden Monat vom Deutschen Wetterdienstes.
Berechnungen, Abbildungen und Vergleiche stammen vom Blogautor.

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Die folgenden Symbole führen jeweils direkt zum genannten Monatsbericht:
2016
2015
2014
2013

2012

2011

2010

Der Jahresbericht 2009 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2009:

Der Jahresbericht 2008 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2008:

Neben diesen monatlichen Berichten habe ich bisher dreimal zum Klimawandel am Beispiel von Hannover gebloggt: 2007 schaute ich auf Monatswerte der 2000-er Jahre, 2013 untersuchte ich speziell den Monat April, der langfristig immer sonniger, trockener und wärmer wird, und nochmals 2013 in langen Zeitreihen den Temperaturanstieg seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Es gibt außerdem einen langen Beitrag zum sehr kalten Winter 2009-2010 mit Vergleichen zu anderen Wintern, ein Vergleich zwischen den Winter 1985-1986 und 2011-2012 und aktueller zum langen Winter 2012-2013.
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Siehe auch die frühsten, noch sehr einfach gehaltenen Wetter-Darstellungen: