Donnerstag, 23. Mai 2013

Filmnotiz Star Trek Into Darkness


(USA 2013, 127 Minuten)
Regie:  J. J. Abrams

Ist der Kreis nun geschlossen? Das zweite Prequel zu Star Trek endet mit den Eingangsworten der ursprünglichen Fernsehserie aus den Jahren 1966-1969:
"Space: the final frontier. (...)
Its five-year mission: to explore strange new worlds, to seek out new life and new civilizations, to boldly go where no man has gone before."

oder in der deutschen Version

"Der Weltraum, unendliche Weiten. (...)
5 Jahre unterwegs (...),
um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. (...)"
Star Trek Into Darkness ist die Vorgeschichte der Expedition. Der Film schildet wie und warum das Team der Offiziere sich so weit über alle Maße verbunden fühlt, dass von einer Star Trek-Familie gesprochen werden kann.

Drehbuch und Regie betonen immer wieder Gefühle. Die unerfüllte Liebe von Lieutenant Nyota Uhura zu Commander Spock, die Ängste von Captain Kirk und anderen, die Hass-Liebe von Dr. Leonard McCoy zu Spock, die scheinbare Sorglosigkeit von Fähnrich Pavel Chekov und Lieutenant Montgomery Scott und der Hass und die Rachsucht von Khan. Es sind die Gefühle und nicht die Action, welche diesen Film tragen.

Erzählt wird vor allem die Geschichte von Khan Noonien Singh, den durch Gentechnik optimierten Menschen einer früheren, militaristischen Phase der menschlichen Geschichte. Es ist der Khan, dessen Rache den zweiten Spielfilm Star Trek II: Der Zorn des Khan / The Wrath of Khan beherrscht. Auch klärt der Film, wie Captain Kirk die Mutter ihres gemeinsamen Sohn David aus Star Trek II und III kennen gelernt hat.
Irritierend ist der immer wiederkehrende Einsatz von Uniformen. Raumfahrt wird als Forschung bezeichnet, aber die Beteiligten tragen auf der Erde militärisch wirkende Uniformen.


J.J. Abrams hat bereits 2009 die erste Vorgeschichte visualisiert und zeigte auch dort, dass Gewalt und Brutalität im Kampf oder einer Schlacht vorhanden ist, aber der Schrecken über diese Szenen bei uns im Kopf ablaufen und nicht auf der Leinwand gezeigt werden sollte.
Das Fremde wird in keiner Weise betont. Wenn Wesen von anderen Planeten in einer Szene mit ihren ungewöhnlichen Köpfen, einem Schwanz oder einer unerwarteten Größe erscheinen, dann ist das eben so und wird nicht thematisiert. Das Fremde ist da und ein Teil des Systems, wie in anderen epischen Werken (Star Wars). Es sind stets die Bösen, die das Andere und Fremde betonen und oftmals ablehnen.

Filmtechnische Möglichkeiten entwickeln sich immer weiter und nur zu schnell kommt es dabei zu einer Gewöhnung und entsprechend dem bewussten Vermissen von bereits gesehenen oder gehörten neuen Techniken. Das war so als der Rundum-Klang aufkam und damit plötzlich Geräusche von allen Seiten auf den Zuschauer eindrangen und ihn mitten ins Geschehen setzten. Nur noch Filme in der Form von Kammerspielen können auf Geräuscheffekte verzichten. Ähnlich war es auch als mit Matrix eine Brillanz und Bildtiefe in Kampfszenen eingeführt wurde. Die neue Möglichkeit der Schärfe bei schnellen Bewegungen ist noch kein Standard, aber seitdem Peter Jackson im Hobbit HFR einführte, ist dieses Potential bekannt und wurde bei diesem Film vermisst.
Viele der schnellen digital produzierten Szenen waren verwischt. Das "war" einmal ein Symbol für Bewegung, doch jetzt ist es einfach eine unscharfe Bildsequenz. HFR ist sicherlich teurer, aber gerade in Science Fiction und Fantasy Filmen wäre es wünschenswert, wenn alles stets klar und deutlich wäre und es ist erfreulich, dass diese Technik für die Fortsetzung von Avatar angekündigt wurde.

J.J. Abrams spielt einmal mehr mit seinem "Markenzeichen" (?) der Reflexion von Licht auf polierten Flächen und Glaskörpern. In Super 8, den Film, den er zwischen den beiden Star Trek Vorgeschichten vorlegte, waren diese blauen und weißen Streifen manchmal irritierend und ich habe auch noch nicht ganz verstanden, was deren Intention ist. Soll der Zuschauer sich als Kameramann fühlen, der diese Reflexionen auf der Linse oder dem Schutzglas davor sieht? In Super 8 war dies zum Teil verständlich, da die Geschichte u.a. von den Widrigkeiten der Dreharbeiten an einem Kurzfilm erzählt und deshalb manchmal auch aus einer Perspektive des Kameramanns die Handlung gezeigt wird. In Star Trek Into Darkness stört dieses Element, da es vom Dialog ablenkt.
Missglückt erscheinen mir Sequenzen, die an den Angriff 9/11 auf Manhattan oder die Zerstörung des Space Shuttles Columbia erinnern.

Der Film endet in einer Weise, dass nicht der Eindruck bleibt, als wenn eine weitere Vorgeschichte zu erwarten ist. Es gibt keine offenen Fragen und zu den oben zitierten Eingangsworten werden leere Gänge im Raumschiff Enterprise gezeigt und schließlich die Brücke mit den bekannten Gesichtern und den Start der Forschungsmission.

Trotz der kritischen Anmerkungen erhält der Film von mir 7 von möglichen 10 Punkten auf meiner persönlichen Filmbewertungsskala.

Dienstag, 21. Mai 2013

Gisbert Haefs - Zitate 4 - Gläubige

Überzeugte sind gegen jede Skepsis gefeit, und Spott erkennen sie nicht einmal.
(Gisbert Haefs (2001) Roma - Der erste Tod des Mark Aurel. München und Zürich: Diana Verlag, S. 37)
Habe bisher drei Buchnotizen zum Werk von Gisbert Haefs geschrieben:

Sonntag, 19. Mai 2013

42 bei Shakespeare

Die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest ist seit Douglas Adams bekannt, doch bereits Shakespeare gab dieser Zahl eine besondere Bedeutung:
Friar: (...)
And in this borrow'd likeness of shrunk death
Thou shalt continue two and forty hours,
And then awake as from a pleasant sleep.

(William Shakespeare "Romeo + Julia", Act 4, Scene 1)

Lorenzo: (...)
So borgst du dir den Schein des dürren Todes,
So sollst du bleiben, zweiundvierzig Stunden,
Und dann erwachen wie aus gutem Schlaf.
(Shakespeare, Erich Fried Übersetzung, Wagenbach Verlag)
Es wird hier der Kräutertrank beschrieben, den Julia trank, um ihren Tod vorzutäuschen und damit ungewollt Romeo in den Selbstmord trieb.

Samstag, 18. Mai 2013

Roger Waters-Konzert in Hannover 2002

Was man nicht so alles findet, wenn man nicht sucht. Da räume ich gerade alte Dateien auf und stieß dabei auf eine Konzertkritik, die ich 2002 geschrieben habe und damals auf der Webseite zur Tournee von Roger Waters (In The Flesh) veröffentlicht wurde.
Eine Kontrolle ergab, dass die Seite von archive.org gespeichert wurde. Da es eine englische Seite war, musste ich auf deutsche Buchstaben verzichten.
Die Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich kein Mensch weniger Worte bin und so war mein Text länger als die fünf andere Konzertberichte zusammen.

Habe mal die ganzen ae, oe, ue zurückgesetzt und hier ist mein Text von damals mit einigen Markierungen (die auf der damaligen Webseite nicht möglich waren):
(Logo der Tour IN THE FLESH 2002)
Es war ein Konzert, an das ich mich noch lange erinnern werde. Pink Floyd bis 1983 und die vier Roger Waters Hörspiele seitdem sind ein seltener Gast auf dem Plattenspieler oder im CD-Spieler. Wenn da nicht die Texte von Roger Waters wären, dann wäre es nur eine Erinnerung. Die Lyrik - besonders auch in den Hörspielen - ist mehr als ein aktueller Kommentar, und kann immer wieder gerne gelesen oder gehört werden.
Ich möchte meine Anmerkungen entlang der bekannten Setlist machen, doch zunächst etwas zur Spielstätte. In der Preussag-Arena lassen sich bestimmt stimmungsvolle Eishockeyspiele feiern, aber es ist kein Ort für Konzerte. Es ist nicht die bequeme Bestuhlung, die in der etwa Dreiviertel gefüllten Halle keine Partystimmung aufkommen ließ. Ich saß im U10-Block, im hinteren Teil und bis der Sound bei mir ankam ergaben sich beim Schlagzeug Echos. Die Schönheit einzelner Kompositionen wurde damit zermatscht. Der Eintrittspreis war für viele Menschen prohibitiv (63,50 EURO) und so war das Publikum sehr gesetzt und nur wenige Menschen unter 30 Jahren zu sehen. Die überall vorhandenen Ordner verhinderten weiteres. Die Arena hat den Charme einer U-Bahnstation, jeder Real-Supermarkt hat mehr positive Ausstrahlung.
Die Musik von Peter Gabriel war ein schöne Einstimmung vor dem Konzert. Der Einstieg mit der aggressiven zweiten Version von In the Flesh "Pink isn't well ..." deutete bereits die ironische Auseinandersetzung mit der Geschichte von Pink Floyd an. Eine "Surrogate Band" würde uns den Abend unterhalten. Doch dieser Ersatz zeigte immer wieder eine Spielfreude, dass es ein Genuss war in die Solos einzutauchen. Der Fokus auf den Star wurde zu Beginn betont und während des gesamten Konzerts folgte ein Scheinwerfer Roger Waters, aber dennoch nahm er sich oft genug zurück. Chester Kamen sang einige Stücke und während eines Solos eines Musikers war Roger Waters nur ein weiterer Musiker auf der Bühne. Das Trauma der englischen Schulen Happiest Days und Another Brick motivierte nur wenige in meinem Block zum Mitsingen, leider!
Leider musste zu diesem Zeitpunkt festgestellt werden, dass selbst wenn Quadrophonie vorgesehen war, diese im hinteren Teil nicht zu hören war. Offensichtlich gab es technische Probleme, denn über uns hingen Boxen, die aber wenige von sich gaben. Unprofessioneller Soundcheck.
Mother war ein erstes Highlight des Abends. Alleine bereits die Idee, den Gesangspart der Mutter von einer der drei fantastischen Sängerinnen zu singen lassen, ist gut. Der Dialog zwischen den verunsicherten Pink und seiner Mutter bekommt eine andere Qualität. Die beiden Stücke vom Final Cut waren bereits damals ein Vorgriff auf die Hörspiele, die danach vorgelegt wurden und stehen für den scheinbar vergeblichen Kampf, Militärs so etwas wie Vernunft beizubringen. Der Oxymoron einer "militärischen Logik" wäre amüsant, wenn er nicht den vielfachen Tod bedeuten würde. Nun ging es mit zwei Stücken von Animals in die Geschichte von Pink Floyd und wieder waren köstliche ironische Statements zu erleben. Als Harry Waters einhändig ein klassisches Motiv von Richard Wright spielte oder im langen Keyboard-Solo, die drei Gitarristen und Roger Waters sich zu einem Kartenspiel auf der Bühne zurückzogen. Diese Stücke sind Geschichte und könnten von irgendwelchen Musikern nachgespielt werden. Set the Controls (for the Heart of the Sun) beginnend mit einer akustischen Gitarre zeigte, dass das Potential der Stücke genutzt wird.
Ein Song der 1 zu 1, wie auf einer CD klingt, sollte in Teenie-Konzerten vorgetragen werden, ich erwarte Interpretationen auch von scheinbar perfekten Stücken. Dankenswerterweise wurde auch einige Stücke interpretiert.
Hier ein Wort zum Bühnenhintergrund. Angenehm war die fehlende Lightshow. Auf einer Großleinwand wurden unterstützende Filme, Diaserien und Animationen gezeigt. Zu The Wall waren es natürlich die Zeichentricksequenzen von Gerald Scarfe, die Alan Parkers Film zu etwas Besonderem machten. Besonders gefielen mir die langsam sich verändernden Bilder. Ein Mond der in drei Minuten langsam über die Bühne zieht. Oder das Prisma mit seinen Regenbogenfarben. Bei den frühen Pink Floyd Stücken gab es eine Referenz auf die ersten Versuche einer Bühnenshow mit verlaufenden Farben und ungewöhnlichen Dias. Ich empfand es als ein ironisches Statement über die 60er Jahre, wenn diese einfachen Versuche heute wieder verwendet werden.
Die folgende halbe Stunde erinnerte an ein klassisches Konzert. Mit der Ausnahme von Have a cigar wurde Wish you were here gegeben. Die Bilder erinnerten daran, wer erwünscht wurde. Lebt Syd Barrett eigentlich noch? Der Riesendiamant war eine angemessene Würdigung dieses Musikers in Shine On You Crazy Diamond.
Die folgende Pause katapultierte einen wieder in die Realität einer Betonschüssel in der sich Politiker bestimmt wohl und sicher fühlen.
Und es ging weiter zurück in die Geschichte. Eine lange Sequenz von der Dark Side of the Moon wurde gespielt. Nur Money wusste wirklich zu überzeugen. Andy Fairweather-Low gab ein wunderbar schmutziges Solo und zeigte, dass wenn interpretiert wird, keine Vergleiche mit David Gilmour aufkommen. Mir geht gerade durch den Kopf, dass es bisher nur sehr wenige Beispiele von Interpretationen von Pink Floyd-Stücken durch andere Künstler gibt. Warum nur?
In diesem zweiten Set funktionierte plötzlich auch die Lautsprecher über unseren Köpfen. Eine Idee von Quadrophonie deutete sich an. Einspielungen glitten nunmehr durch den Raum und wenige Male wanderte während eines Gitarrensolo der Sound.
Jetzt kamen endlich einige Beispiele aus den Hörspielen von Roger Waters. Ich würde sie nicht als Soloalben bezeichnen, denn es ist weder als Pop noch Rockmusik zu bezeichnen. Die Bleading Hearts Band des ersten und dritten Albums When the Wind Blows und Radio Chaos, als auch die Musiker des zweiten und vierten Albums Pros und Cons ... und Amused to Death sind deshalb auch nicht mit Pink Floyd zu vergleichen. Interessanterweise standen viele der Musiker der Hörspiele auf der Bühne. Der Zynismus von Perfect Sense und Bravery of Being out of Range wurde aktuell wieder in Afghanistan vorgeführt und es machte "perfect sense", dass auf der Leinwand der alte Cowboy Reagan und sein tumper Nachfolger Bush zu sehen waren.
Leider sind weder It's a miracle noch Amused to Death für ein Großkonzert geeignet. Sie kommen dann viel zu pathetisch zu Gehör. Ich vermisste Who Needs Information und besonders The Powers That Be, die für ein Konzert mehr Biss haben.
Es folgenden die abschließenden Teile aus Dark Side Of The Moon und es zeigte sich, wie sich diese fast 30 Jahre alten Stücke fast nahtlos an aktuellere Stücke anschlossen. Die besten Songs kommen natürlich zum Schluss. Comfortably Numb hielt die Menschen endlich nicht mehr auf den komfortablen Sitzen und statt Betäubung strömten viele zur Bühne. Das Gitarren-Duell zwischen Snowy White und Chester Kamen rundete das Konzert ab. Die Zugabe Flickering Flames ist leider pathetisch und im besten Sinne ein Rausschmeisser.
Ein Konzert zum Erinnern. Ich warte gespannt auf die Oper ca ira. Das wäre noch etwas, Roger Waters im Opernhaus von Hannover.

Die Musiker:
Roger Waters (vocal, guitar and bass)
Andy Fairweather Low (guitar and vocal)
Snowy White (guitar)
Chester Kamen (guitar and vocal)
Harry Waters (keyboards)
Andy Wallace (keyboards)
Graham Broad (drums)
Norbert Stachel (saxophone)
Katie Kissoon (singer)
PP Arnold (singer)
Linda Lewis (singer)

Donnerstag, 16. Mai 2013

Pavillon Hannover 2013

Wenn ich die Stunden zählen würde, die ich seit 1983 im Veranstaltungszentrum Pavillon verbracht habe, dann wäre dies vermutlich Wochen und deshalb habe ich den Pavillon auch manchmal als mein musikalisches Wohnzimmer bezeichnet. Da der Pavillon von einer Bürgerinitiative geführt wird, war er der Treffpunkt diverser politischer Initiativen, die hier oftmals auch Veranstaltungen durchführten. Die Afrika-Initiave Hannover war eine dieser Gruppen.
Der Pavillon wurde mit der Silvester-Party 2012-2013 für einen Umbau geschlossen. Auf meinen Fahrten nach Linden oder in die Innenstadt, führt mein Weg an der Baustelle vorbei und ein Hauch von Wehmut steigt auf, wenn das entkernte Gebäude betrachtet wird.
Kulturzentrum Pavillon Baustelle, Pavillon Hannover, Kommunikationszentrum Pavillon, Veranstaltungszentrum Pavillon, hinterm Bahnhof in Hannover, Sanierung Pavillon, Umbau Pavillon
Ich habe hier hunderte von politischen und kulturellen Veranstaltungen erlebt. Über einige der Festivals und Konzerte der letzten Jahre, habe ich hier im Blog berichtet. Die niedrige Decke und die schwache Lüftung führten dazu dass gerade die tanzbaren Konzerte sehr schweißtreibend waren, was gar nicht negativ gemeint ist.
Ich bin schon gespannt, ob und wie die Atmosphäre nach der Rekonstruktion sein wird.

Eine Liste von Veranstaltungen, über die ich berichtet habe:

Dienstag, 14. Mai 2013

Gefährliche Tiere in Afrika

Ich habe hier im Blog schon über einige meiner Erfahrungen mit der Tierwelt Afrikas geschrieben. Es sind nicht die großen Tiere (Big Five), vor denen man sich in Acht nehmen muss. Gerade bei bei längeren Aufenthalten muss man sich vor direkten und indirekten Gefahren durch die kleinen Tiere schützen.

Tiere, wie ich sie in mehr als zwei Jahren im tropischen Afrika erlebt habe, sind fast immer wild oder Nutztiere. Haustiere kenne ich nur als nützliche oder schädliche Tiere. Nützlich wie ein Haus-Gecko, der einen dabei hilft, die Zahl der Insekten zu reduzieren und schädlich wie die Kakerlake, die nicht nur Lebensmittel verunreinigt, sondern auch Krankheiten transportiert. Mit den letzteren hatte ich in Tanzania einige ekelhafte Begegnungen (siehe hier meinen Beitrag).

(Foto: CDC/James Gathany)

Das gefährlichste Tier Afrikas ist der Moskito. Genauer gesagt, die weiblichen Exemplare der Gattung Anopheles, die überall in den Tropen anzutreffen ist. Die Anopheles-Stechmücke ist die Überträgerin von Plasmodien, die zu Malaria führen, an der nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in jedem Jahr mehr als eine halbe Million Menschen sterben.

Der Schutz vor Malaria sollte dabei stets zweigleisig erfolgen. Als erstes Gleis sollte natürlich die für die jeweilige Region notwendige Chemo-Prophylaxe beachtet und konsequent durchgeführt werden. Ich habe auf meinen Reisen und Aufenthalten immer wieder Europäer erlebt, welche nicht die empfohlen Medikamente nahmen oder sagten, dass sie bereits mehrmals vergessen (!) hatten die tägliche bzw. wöchentliche Dosis zu nehmen. Ich habe einige Bekannte, die ähnlich wie ich längere Aufenthalte wegen Studium, Forschung oder Arbeit in einem tropischen Land hatten und etwa ein Drittel hat sich dabei Malaria eingefangen und zum Teil schwere Folgeschäden davongetragen. Malaria kann in Afrika sehr effektiv behandelt werden, doch ein Aufenthalt sollte ohne Malaria bleiben.
Deshalb verweise ich auch auf das zweite Gleis. Die aktive Prophylaxe, sich also nicht stechen zu lassen. Es ist so einfach, doch habe ich viel zu viele Europäer gesehen, welche die Regeln nicht einhalten und selbst am Abend kurze Hose und T-Shirt tragen. Helle, lange Bekleidung am Abend ist Pflicht. Es ist egal, dass es warm oder heiß ist, der Körper muss bedeckt sein und entsprechend auch Socken getragen werden, Langarmhemden und ein leichtes Halstuch um Nacken und Hals zu schützen. Vor dem Schlafen sollte das Zimmer absolut frei von Mücken sein und natürlich sollte unter einem weit gespannten Moskitonetz geschlafen werden.
Aktive Prophylaxe ist effektiv. Ich habe bei meinem letzten Ghana-Aufenthalt in drei Monaten nur sehr wenige Insektenstiche abbekommen und weiß von ähnlich vorsichtigen Freunden, dass auch diese trotz häufiger Aufenthalte in den afrikanischen Tropen wenig Probleme und keine Malaria erlebten.

PS: Neben den Insektenstich gibt es noch einen anderen Stich, der vermeidbar ist, der Sonnenstich.

Dienstag, 7. Mai 2013

Klimawandel Regional: Das Beispiel Hannover - Monat April

Seitdem ich im Studium Vorlesung und Seminar zur Klimatologie absolvierte, sammele ich kontinuierlich Wetterdaten. Nicht irgendwelche Daten, sondern die offiziellen Messwerte der Wetterstation Hannover des Deutschen Wetterdienstes. Mein Faible für Statistik, allgemeine Neugier plus der Wunsch bestimmte Abläufe und Veränderungen in der Witterung besser zu verstehen, waren der Beginn. Das ist nun mehr als 25 Jahre her und seit den späten 1980-er Jahre gab es Hinweise und Berichte über einen zu beobachtenden Klimawandel.
Dieser Wandel im Klima ist natürlich auch in Hannover zu beobachten.

In der internationalen Meteorologie werden die Werte von 30 Jahren zu Mittelwerten zusammengefasst. Die derzeit gültigen Normalwerte umfassen die Werte der Jahre 1961 bis 1990. Dies sind die CLINO-Werte (climate normal), wie sie in den internationalen Klimatabellen zu finden sind. Wenn über Veränderungen gesprochen wird, sind dies Abweichungen von diesen Normalwerten.


Am Beispiel von Hannover kann für einige Monate der Klimawandel verdeutlicht werden. Ich wähle hier den Monat April.

Die langjährige Durchschnittstemperatur (der CLINO-Wert) liegt bei 7,8°.

Die erste Abbildung zeigt den CLINO-Wert als schwarze Referenzlinie. Auf der linken Skala sind die Monatswerte für den April der Jahre 1948-2013 (grüne Balken) abzulesen. Der mit Abstand kälteste April wurde 1952 mit einer Temperatur von 3,1° registriert. Eine negative Abweichung von 4,7°. Der wärmste April wurde bisher 2009 mit 12,7° registriert. Eine positive Abweichung von 4,9°.
Auf der rechten Skala ist der gleitende 30-Jahresdurchschnittswert (orange Linie) abzulesen. Vor der CLINO-Periode lag der langjährige Durchschnittswert 0,1-0,4° unter dem CLINO-Wert. Seit 1999 (also den Monatswerten der Periode 1970 bis 1999) gibt es einen rasanten Anstieg und 2009 (Mittel 1980-2009) wurde die 1-Grad-Grenze überschritten. Aktuell (Mittel 1984-2013) liegt die langjährige Monatsdurchschnittstemperatur bereits um 1,3° über den CLINO-Wert.

In der Klimatabelle für Hannover steht für den Monat April bei Niederschlag ein Wert von 49,8mm.

Vergleichbar mit der vorherigen Tabelle, sind der CLINO-Wert als Referenzlinie, die jeweiligen Monatsniederschläge (blaue Balken) auf der linken Skala und der gleitende 30-Jahreswert (orange Linie) auf der rechten Skala dargestellt.
Es gibt eine extreme Varianz bei den monatlichen Werten. Immerhin in 10 Jahren sin weniger als 20mm gemessen wurden und in zwei Jahren mehr als 100mm. Rekordwerte sind dabei 2007 mit 7,7mm und 115,0mm im Jahre 1965.
Bei den Niederschlägen gab es zunächst ein Tendenz zu höheren Niederschlägen (5-8% über CLINO), bevor sich ein Trend zu trockeneren Wetter durchsetzte. Seit 2004 (Mittel der Werte 1975-2004) liegen die Durchschnittswerte mehr als 10% unter dem CLINO und aktuell sogar bei -26%.

Die langjährige Zahl der Sonnenstunden liegt bei 150,2 für den Monat April.

Wie in den beiden vorherigen Abbildungen ist der CLINO-Wert als schwarze Referenzlinie, links die jeweiligen Monatswerte (grüne Balken) und rechts die gleitenden 30-Jahredurchschnittswerte (orange Linie) dargestellt. Bei den Sonnenstunden reicht die Datenlage nur bis 1960 zurück. Ähnlich dem Niederschlag gibt es extreme Schwankungen in der Monatssumme der Sonnenstunden. 1998 wurden nur 88,4 Stunden oder 59% des CLINO-Wertes und 2007 263,2 Stunden oder 175% des CLINO-Wertes registriert.
Auch hier gibt es einen klaren Trend. Seit vier Jahren liegt der 30-Jahresdurchschnittswert um mehr als 10% über den CLINO-Wert und aktuelle (Mittel der Werte 1984-2013) bei 11%.

KLIMAWANDEL REGIONAL heißt zusammengefasst, dass der April in Hannover trockener und sonniger bei steigender Temperaturen geworden ist.
Für andere Monate gibt es einen Trend zu mehr Niederschlag (März) oder weniger Sonnenstunden. Nur für die Temperatur lässt sich festellen, dass diese in allen Monaten steigt. Dabei gibt es Monate, die nur weniger als 0,5° wärmer sind (Juni, Oktober),  aber eben auch weitere Monate, die bereits jetzt mehr als 1,0° wärmer sind (Januar, Juli, August).
Es gibt einen klaren Trend zu weniger Frost- und Eistagen in der kalten Jahreszeit und auf der anderen Seite zu wärmeren Sommertagen mit mehr extremen Hitzeereignissen.
Eine Aussage für die weitere Entwicklung des Klimawandels für Hannover ist nicht möglich.

Samstag, 4. Mai 2013

Zitat Peter Bieri aka Pascal Mercier 1 - Bahnfahrten

Ein Beitrag als Vorfreude auf eine Bahnfahrt nach Budapest:
Ein Flugzeug besteigen und wenige Stunden später in einer ganz anderen Welt ankommen, ohne dass man Zeit gehabt hatte, einzelne Bilder von der Strecke dazwischen in sich aufzunehmen - das mochte er nicht, und es verstörte ihn. 
(Pascal Mercier (2004) Nachzug nach Lissabon, btb, S.37)

Ein ähnlich schönes Zitat zum Thema Bahnfahrten habe ich bei Elisabeth Kostova "Der Historiker" gefunden.

Freitag, 3. Mai 2013

Frühlingsverzögerung

Finde den Unterschied:
 

AUFLÖSUNG
1. Das Wetter ist anders2. Unterschiedliche Kameras wurden benutzt
(da es sich um einen kleinen Ausschnitt aus einem großen Bild handelt, sind die Details leider in beiden Fällen unscharf)
Es handelt sich um eine Rosskastanie in unseren Hinterhof in Hannover. Über die Jahre habe ich diesen imposanten Baum viele Male fotografiert.
....
Als ich in diesem Frühling über mehrere Tage eine Serie von Bildern anlegte, habe ich zufällig genau den Vegetationsstand eingefangen, den ich bereits auf einen früheren Bild festhielt.
Das linke Foto wurde am 8. April 2012 und das rechte Foto am 22. April 2013 aufgenommen.

Unsere Rosskastanie im Hinterhof zeigt sehr deutlich, dass in diesem Jahr die Vegetation deutlich später ihr frisches Grün zeigte. Da ich in diesem Jahr fast täglich den Baum fotografierte, kann ich mit Sicherheit ausschließen, dass diese frühe Stadium der Entfaltung der Blätter lange anhält. Nur eine Woche vorher war der Baum noch kahl und wenige Tage nach der gezeigten Aufnahme war das grün bereits so dicht, dass nicht mehr durch den Baum geblickt werden konnte.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Hannover Wetter April 2013


Der April war ein wenig zu sonnig und deutlich zu trocken. Die Monatsdurchschnittstemperatur war mit 8,7° ein wenig über den langjährigen Mittelwert, wie er in der Klimatabelle für Hannover verzeichnet ist (7,8°).
-Vergleiche den Bericht des Vormonats

Die Übersicht zeigt die täglichen Messwerte der Wetterstation Hannover-Langenhagen, die neben weiteren Daten kostenfrei vom Deutschen Wetterdienst auf dessen Webseite zur Verfügung gestellt werden.

Der lange Winter reichte über die erste Aprilwoche hinaus.
Es gab insgesamt 7 Frosttage, was ein wenig über den langjährigen Mittelwert von 4-6 Frosttagen liegt. Die tiefste Temperatur wurde am 1. April mit -7,1° gemessen. Am Boden war es noch kälter mit -9,3° und insgesamt wurde an 14 Tagen Bodenfrost festgestellt.
Die höchste Temperatur wurde in Langenhagen am 15. April mit 24,0° gemessen. Es war also beinahe ein Sommertag (Definition: ab 25,0°).
Es gab selbst nach dem Ende des Winters erhebliche Temperaturschwankungen. Weitestgehend wolkenfreie Tage brachten kalte Nächte (zum Beispiel 20. April).

Aus den stündlichen Messungen berechnet der DWD die Tagesmitteltemperatur.

Diese Tagesmitteltemperaturen (rote Punkte und Linie) wurden von mir jeweils über fünf Tage gemittelt, um extreme Schwankungen auszugleichen, wie zum Beispiel am 19.-20. und am 24.-26. April.
Die Abbildung zeigt deutlich, wie seit Monatsbeginn - eigentlich bereits seit dem 23. März, siehe Märzbericht - die Temperatur aus der Winterkälte kontinuierlich angestiegen ist. Ab dem 11. April waren nur noch drei Tage unter den langjährigen Monatsmittelwert.
Der kälteste Tag war der 1. April mit 0,3° und der wärmste Tag der 15. April mit 17,1°.

Womit wir bei der Darstellung der täglichen Abweichungen angekommen sind.


Die Abbildung erklärt sich selbst und verdeutlicht, warum trotz der ersten 10 kalten Tage schließlich die Monatstemperatur über den Durchschnitt lag.

Der April als Übergangsmonat steht exemplarisch für deutliche Schwankungen in der Witterung.


Doch in diesen Monat kann eigentlich nicht von einem Aprilwetter gesprochen werden. Die letzte Abbildung zur Temperatur zeigt, dass im langjährigen Mittel (rote bzw. grüne Linie) die Temperatur von 5-8° auf 10-12°. Dabei wurden in diesen 60 Jahren erhebliche Unterschiede in der höchsten, wie auch der tiefsten Tagesmitteltemperatur gemessen (orange bzw. hellblaue Linie). Es wurden keine neuen Temperaturrekorde aufgestellt und wenn eine Abweichung von 5° als Grenzwert gesetzt wird, dann fallen nur der kalte 1., die warmen 14.-18. und der warme 25.4. aus dem Rahmen.

Nur an neun Tagen fiel Niederschlag. Dies summierte sich zu 32,6mm oder 65% des langjährigen Mittelwerts. Gevatter Trend sieht hier ein Zeichen des laufenden Klimawandels, da seit 2003 jeder April nicht nur zu trocken war, sonder vier der sechs trockensten April-Monate seit 1947 in den letzten elf Jahren registriert wurden.

Nur am 5. April gab es keinen Sonnenschein. Insgesamt wurden 158,3 Sonnenstunden gemessen. dies entspricht 105% des langjährigen Mittelwerts. Dies ist zwar nur eine schwache Abweichung, doch auch bei diesem Monatswert liegen vier der höchsten Werte in der Zeit seit 2003.

Es gab kein Windereignis. Am 18. April erreichten Böen einen Spitzengeschwindigkeit von 16,6 m/s. dies entspricht Windstärke 7 der Beaufort-Skala (=steifer Wind).

Zum Schluss noch einmal der Hinweis, dass alle Originalwerte der kostenlosen Datenbank des DWD entnommen wurden. Die Berechnungen von Mittelwerten und die daraus resultierenden Vergleiche und Beschreibungen stammen vom Autor dieses Blogs.
- - - - -
Die folgenden Symbole führt jeweils direkt zum genannten Bericht:
2013


2012

2011
. . . . . . . . . . .

2010
. . . . . . . . . . .

Der Jahresbericht 2009 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2009:
. . . . . . . . . . .

Der Jahresbericht 2008 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2008:
. . . . . . . . . . .

Es gibt außerdem noch ein Blick auf das Wetter in Hannover im Jahre 2007, speziell den Sommer 2007. Es gibt einen langen Beitrag zum sehr kalten Winter 2009-2010 mit Vergleichen zu anderen Wintern und aktuell einen ersten Bericht über den Winter 2012-2013.