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Mittwoch, 12. August 2015

Sternschnuppen im August

Ich habe hier bereits mehrmals über die Beobachtung des Sternschnuppenschwarms der Perseiden berichtet. Es war immer wieder beeindruckend, egal ob ich mit Alumni des Europa-Kollegs in Barcelona, Lissabon, Tallinn oder am Balaton zum Himmel schaute oder ob ich es hier in Hannover trotz der Lichtverschmutzung versuchte.
Die Erde zieht jedes Jahr im Hochsommer durch Schweifspuren des Kometen Swift-Tuttle. Diese Staubteilchen sind dann als Sternschnuppen zu sehen. Für uns auf der Erde sieht es so aus, als wenn die Sternschnuppen aus dem Sternbild Perseus kommen. Wer in diese Richtung schaut, wird auf jeden belohnt werden.
Zum Höhepunkt des jährlichen Spektakels um den 12. August können bei guter Sicht Dutzende Sternschnuppen unterschiedlicher Leuchtintensität gesehen werden. Wir haben am Balaton in einer Stunde mehr als 50 Sternschnuppen bewundern können.
Der Radiant, also der scheinbare Ursprung der Sternschnuppen kann schnell gefunden werden.
Dargestellt ist ein Ausschnitt vom nördlichen Sternenhimmel. Ich habe die wesentlichen Sternen der scheinbaren Helligkeit entsprechend in unterschiedlicher Größe dargestellt.
Ausgangspunkt ist der allen bekannte sogenannte große Wagen links unten auf der Abbildung. Die Strecke zwischen seinen beiden hinteren Sternen wird mal fünf genommen und führt zum Polarstern, der Deichsel des kleinen Wagens. Darüber ist das flache W (oder M) von Kassiopeia zu sehen. Auffällig ist in der Nähe Capella, einer der hellsten Sterne am Himmel. Der Blick auf Kassiopeia und Capella führt annähernd zum schwer zu erkennenden Sternzeichen Perseus rechts oben auf der Abbildung.
Eine sternenklare Nacht, eine günstige Mondphase wie 2015, eine Decke, nette Menschen und ein leckeres Getränk und schon kann das Sternschnuppenzählen beginnen.

Samstag, 16. November 2013

Prestige-Katastrophe 2002 - Keiner schuldig

Diese Woche wurde einmal mehr die Prestige-Umweltkatastrophe vom November 2002 vor Gericht aufgearbeitet (siehe aktuellen Artikel). Damals  havarierte der Tanker "Prestige" vor der galicischen Küste, wurde auf Anweisung spanischen Autoritäten auf den Atlantik geschleppt, wo das Schiff zerbrach und sank. In der Folge verteilten sich mehr als 50.000 Tonnen Schweröl im Meer und wurden in Portugal, Spanien und Frankreich angeschwemmt. Fischfang wurde verboten, unzählige Wasservögel starben und die Strände waren nicht mehr zu nutzen.
Diese Katastrophe führte zu einer der größten Freiwilligen-Aktionen in Europa. Tausende Freiwillige -ohne Unterstützung der konservativen spanischen Regional- und Landesregierung-  reisten im Frühjahr 2003 an die betroffenen Strände und begannen mit den Aufräumarbeiten.
(Foto: Ana Brunbeck - Denkmal für die Freiwilligen in San Vicente del Mar, Galicien)
Das Thema "Prestige" ist tief in der Erinnerung der betroffenen Bevölkerung verankert. Ich musste bei der aktuellen Berichterstattung an die vorbereitenden Hausarbeiten zum Europa-Kolleg 2006 denken. Gleich drei der 20 Abiturientinnen und Abiturienten aus 12 Ländern schrieben über diese Katastrophe. Der Blog zum EK06 ist weiterhin online und ich verweise deshalb auf die Texte einer Schülerin aus Lissabon, und Schülern aus Bilbao und Barcelona.
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Die deutsche Wikipedia erwähnt die Freiwilligen nur in einem Foto. Die englische Wikipedia hat wenigstens ein paar Zeilen zum Beitrag der Freiwilligen, zwei der Freiwilligen haben im Schweizer Magazin "Das Magazin", Ausgabe 6/2013 ein sarkastisches Resümee gezogen. Der Text von Christian Schmidt wird mit großformatigen Fotos von Manuel Bauer illustriert.

Freitag, 12. Juli 2013

LE MONDE diplomatique Juni 2013

Ein Monat ist um und zeitgleich mit der ausgelieferten, gedruckten Juli-Ausgabe der LE MONDE diplomatique sind die Essays der Juni-Ausgabe frei im Internet zugänglich.
Ausgelesen empfehle ich:
  • José Luís Peixoto "Die Sonne von Portugal - Die neue Auswanderung und die Sehnsucht der Emigranten"
    Der Schriftsteller Peixoto vergleicht die aktuelle Emigration mit der Zeit der 1960-er und 1970-er Jahre, als Hunderttausende das Land verließen, um dem Elend der Salazar-Diktatur und der Kolonialkriege in Mozambique und Angola zu entfliehen. Peixoto schriebt, dass sich viele Menschen in Portugal für diese Emigranten schämten; denn die waren überwiegend ungebildet und prägten damit ein Bild von den Bewohnern Portugals in den europäischen Zielländern. Die neuen Emigranten sind jung und gut ausgebildet, doch ob dies etwas an den Beschäftigungsverhältnissen im Ausland ändert, ist eine berechtigte Frage.
    (Der Artikel erschien auch in der portugiesischen Ausgabe)
  • Jiannis Papadopoulus "Neonazis in Griechenland"
    Der Reporter der griechischen Tageszeitung Τα Νέα schreibt über die faschistische Partei Χρυσή Αυγή (=goldene Morgendämmerung), die nach ihrem Einzug ins Parlament immer mehr Einfluss in der Gesellschaft bekommt.
  • Ariane Krol und Jacques Nantel "Spione des Marktes - Was Werbung im Internet alles kann"
    Es ist ein altes Thema, aber hier sehr gut beschrieben. Amazon, Facebook und alle anderen Plattformen, die Daten ihrer Nutzer sammeln sind Trojaner. Eine Journalistin und ein Professor für Marketing der Universität HEC Montréal finden für diese These einige schöne Beispiele,
    (Der Artikel im französischen Original)
  • Serge Halimi "Lockstoff Sprache"
    Der Direktor der LE MONDE diplomatique fragt sich in seinem monatlichen edito, warum die französische politische Elite meint, dass franzöische Universitäten ihr Angebot an fremdsprachigen Studiengängen steigern sollen. Weniger als 4 Prozent der Studierenden in den USA sind Ausländer, aber 13 Prozent der Studierenden in Frankreich. In den USA käme man nicht auf die Idee Wirtschaftskurse auf Chinesisch anzubieten, um mehr Studierende aus dem Land der Mitte zu gewinnen.
Lasst euch anregen durch Autoren, die über Themen in ihren Ländern schreiben.

Samstag, 27. April 2013

Filmnotiz Nachtzug nach Lissabon

Nachtzug nach Lissabon
Regie: Bille August
D, CH, P 2013
110 Minuten

Lag es an der deutschen Version des Film oder war meine Verwirrung Intention des Regisseurs? Die Einführung in die Handlung des Films wirkte so unwahrscheinlich, dass ich mich zunächst ärgerte, 9 Euro ausgegeben zu haben.
In übersetzten Filmen sprechen alle Deutsch, egal ob die Person von einem Land in ein anderssprachiges Land wechselt und selbst bei parallelen Geschichten in zwei oder mehr Ländern sprechen alle Deutsch. So auch hier.

Ein Schweizer Gymnasiallehrer der so genannten klassischen bzw. toten Sprachen verhindert auf den morgendlichen Schulweg den Selbstmord einer ihn unbekannten Frau. Die Frau ist Portugiesin und begleitet ihn danach in die Schule. Als sie ohne ein Wort die Schule verlässt, bleibt ein portugiesisches Buch zurück. Eine kurze Lektüre in dieser poetisch-philosophischen Schrift und ein (!) Bahnfahrschein von Bern nach Lissabon reißen den Lehrer aus seinem Leben und die Fahrt beginnt.

Sprachbegabung und Motivation sind irreal. Es sind die aus dem Hintergrund vorgelesenen Passagen aus den portugiesischen Buch, welche den Film retten, tragen und schließlich genießen lassen. In Lissabon geht es weiter von Unwahrscheinlichkeit zu Unwahrscheinlichkeit und jetzt sind es neben den Lesungen die Szenerie und die Schauspieler die überzeugen, aber nicht die gefilmte Handlung.

Die beschriebene historische Situation könnte den Film und viele weitere Filme tragen. Es geht um Opposition in einer Diktatur und das anhaltende Schweigen der Überlebenden dieser Zeit. In Portugal wird die Diktatur stets mit den Namen António de Oliveira Salazar (1889-1970) verbunden, der den neuen Staat (Estado Novo) postulierte und eine Struktur der Unterdrückung schuf, die Oppositionelle ins Exil trieb oder Folter, Gefängnis und Tod brachte. Andere Kritiker lernten zu schweigen.

Portugal aber auch Spanien haben noch immer nicht den Punkt erreicht, wo sich das jeweilige Land mit seinen Opfern versöhnt oder diese zumindest nachträglich würdigt (siehe Stolpersteine) und die Täter und wesentlichen Mitläufer benennt. Denn es waren nicht die Individuen Hitler, Mussolini, Salazar oder Franco, welche die Diktaturen am Leben erhielten, sondern die Vielen, die von so einen System überzeugt waren und für sich Vorteile sahen.
Deutschland hat 25 Jahre gebraucht bis die Aufarbeitung der Gräuel in den Familien und den Ortschaften begann und nach mehr als 65 Jahren ist dieser Gesellschaftsprozess noch nicht abgeschlossen. Die portugiesische Diktatur endete 1974, die Franco-Diktatur 1975, also vor mehr als 30 Jahren und die Aufarbeitung steht erst am Anfang. Es wird noch zu viel geschwiegen und vertuscht.

Die philosophischen Texte im Film thematisieren nicht direkt die Diktatur. Es sind Gedanken aus einer inneren Emigration. Gedanken über Freiheit, das Leben, ein besseres Leben.
Die Kraft dieser Aussagen ließ mich manchmal Schmunzeln, da ich an den Autor des zugrunde liegenden Buches dachte. Es ist schon lustig, wenn Peter Bieri als Professor für Philosophie das Medium Roman nimmt, um seine Ansichten zu verbreiten.
Aber vielleicht war mein Schmunzeln auch ein großes Missverständnis. Ich schien der einzige im Kino zu sein, der den Roman nicht gelesen hatte. Vor dem Film im Foyer hörte ich viele Bemerkungen zu den Buch und als der Abspann lief war links, rechts und hinter mir viel Kritik über die Abweichungen zwischen Buch und Film zu hören.
Doch das ist ein ständiges Missverständnis vieler Kinogänger. Ein Buch ist ein Buch und ein Film ist ein Film, kein Buch kann als Film wiedergegeben werden. Der Wechsel des Medium führt zwingend zu unterschiedlichen Tempo und das Visuelle zu stark abweichenden Reizen.
Das ist auch meine große Kritik an den Regisseur Bille August. 1993 wusste er bei der Verfilmung des Romans "Das Geisterhaus" und wieder 1997 bei der Verfilmung des Romans "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" das es um eine Adaption für die Leinwand geht. Das eine Grundidee eines Buches mit visuellen Mitteln wieder gegeben werden kann. Die reine Bebilderung von bemerkenswerten Textauszügen reicht nicht. Es ist wahrlich keiner seiner großen Filme.

Ich freue mich nun auf den Roman und hoffe dort einige der bemerkenswerten Sätze wieder zu entdecken und ausgewählte Zitate hier zu servieren (siehe Ende der Seite).

Trotz dieser ambivalenten Bemerkungen erhält der Film (wegen der Texte!) von mir noch die Gesamtnote 3+ oder entsprechend 6 von 10 möglichen Punkten der Filmbewertungsskala.
Der Film war sehr erfolgreich an den Kinokassen. Die europäische Filmdatenbank Lumiere  verzeichnete bis Ende 2023 827.453 Besucher in Deutschland. 
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Zitate aus dem Roman:

Samstag, 16. März 2013

You Are My Sunshine - EK-Erinnerungen

Ein Text über den Sonnenschein

In jedem Jahr habe ich mindestens einen Sonnenschein kennen gelernt, eine Person, die durch ihre Art oder ihr Lächeln auch bei mir ein Lächeln erzeugte und so bereits zum Frühstück den jeweiligen Tag zu einem guten Tag machte.
Es waren dies die "Good Vibrations" oder anders ausgedrückt, das "ich kann dich gut riechen" als Gegensatz zum "den kann ich nicht riechen".
Wenn ich nun auf die Namensliste der zehn Jahrgänge schaue, erzeugen einige Namen weiterhin ein Lächeln, da die positive Erinnerung überwiegt. Es gab Jahre in denen es mehr Sonnenschein gab und Jahre mit weniger; auch war es nicht immer "die", sondern manchmal auch "el", "le" oder "il".

Die moderne Kommunikation und unsere jährlichen EKNT (2013 heißt das Ziel Budapest) erlauben mir, in Kontakt zu bleiben und zu beobachten, wie die Alumni nach der Schule ihren Weg durch die Hochschule oder Universität finden.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Vinho Verde 1981 und 2012

"Kann ich Dir etwas mitbringen", fragte ein portugiesischer Freund vor seiner Anreise nach Hannover. Ich dachte an zwei Besuche in seinem Land 1981 und 2010 und bat um eine Flasche Vinho Verde.

Am Ende des 12. Schuljahres hatte ich mir eine Interrailticket gekauft. Ich hatte eine Fahrkarte für Westeuropa und Marokko. Ich hatte kein klares Ziel, wollte in den Süden und erstmals den Atlantik sehen. Portugal als Endziel war ein Zufall.
Es war meine erste eigene Reise. Zuvor hatte ich außerhalb von Norddeutschland nur einige der dänischen Inseln und Franken kennen gelernt.
An der französisch-spanischen Grenze lernte ich eine Gruppe von gleichaltrigen, süddeutschen Interrailern kennen, die davon erzählten, dass sie mit dem Nachtzug nach Lissabon fahren wollten. Da war dann nicht so viel zu sehen, aber ich wurde neugierig und die Gruppe akzeptierte mich als Mitreisenden. Nachts hielt der Zug mehrmals. Wir waren noch in Spanien als die Sonne wieder aufging und erst am Nachmittag kamen wir nach einen langen Fahrt durch bisher unbekannte trockene Landschaften in Lissabon an.
Ein Tipp aus einem Reiseführer führte uns nach Oeiras. Hier gab es einen kleinen Campingplatz in einem Park. Mein Zelt baute ich auf einen Untergrund au Kies unter Palmen auf. Trockenheit, Staub und Hitze waren die ersten Eindrücke. Auf dem Gelände gab es im Schatten der Bäume eine Großvoliere mit einem kleinen Kiosk davor, wo auch Getränke serviert wurden.
Von dieser kleinen grünen Insel mussten nur eine Bahnlinie und eine Schnellstraße unterquert werden und schon standen wir auf einem Strand, wo der Tejo Teil des Atlantik wurde. Abends wurden am Kiosk einige Flaschen Vinho Verde gekauft und dieser prickelnde, sehr frische Wein zwischen Sonnenuntergang und Sternenzelt am Strand geleert.

Eine Flasche Vinho Verde in Hannover ist natürlich etwas ganz anderes, aber führte mich auf die obige Gedankenreise mit vielen weiteren Erinnerungen an Espinho, Porto und Viana do Castelo.
Leider habe ich keine (!) materiellen Erinnerungen wie den Interrailpass, Fotos oder Belege von dieser Episode, so dass auch keine Abbildung diesen Text ergänzt.

Dank an Filipe, der mit einem Alvarinho Trajadura mich auf eine Zeitreise schickte.

Freitag, 17. Juni 2011

Diego Guerrero y El Solar de Artistas und OqueStrada beim Masala 2011

Doppelkonzert: Diego Guerrero y El Solar de Artistas aus Spanien und OqueStrada aus Portugal (28. Mai 2011, 21 Uhr Pavillon Hannover

Der Madrileño Diego Guerrero wurde als Flamenco-Sänger angekündigt und dies war in jedem Song zu hören. Doch es wurde nur 1-2 Mal ein Flamenco gespielt. Mehrere Mitglieder der Band sind Jazz-Musiker und so wurde der für den Flamenco typische Gesangsstil vor allem als ein weiteres „Instrument“ genutzt.
Das Konzert war relativ ruhig und dies sowie das relativ hohe Durchschnittsalter im Publikum, das wohl von den Organisatoren erwartet wurde, hatten dazu geführt, dass der gesamte Saal bestuhlt war. Es kostete sechs Euro mehr, um eine definierte Platzkarte zu bekommen. Einige Plätze blieben unbesetzt und nach Konzertbeginn rückten die Platzkartenhalter auf die freien Plätze zusammen und damit wurden an den Rändern der Sitzreihen einige Stühle frei.
Offensichtlich sehe ich bereits so alt aus, dass mir einer der freien Plätze angeboten wurde. 8-)

Doch zurück zur Musik. Mindestens einer der Musiker stammte aus Kuba und brachte die dort populäre Variante der Rumba in einige Stücke mit ein. Besagter Kubaner sang auch zwei Stücke. Es gab viele Soli aller Musiker. In beiden genannten Fällen nahm sich der Flamenco-Sänger zurück und trat in den Hintergrund oder an den Rand der Bühne. Der Sänger war sehr jung und wenn ich es richtig verstanden hatte, war sein erstes Konzert in Deutschland. Die Kommunikation mit dem Publikum erfolgte im gebrochenen Englisch und nachdem er auf Spanisch nachgefragt hatte, ob denn im Publikum Spanisch verstanden wird und ein sehr lautstarkes „SI“ als Antwort kam, vor allem in seiner Muttersprache. Die raue, fast heisere Stimme von Diego Guerrero brachte viel Gefühl in seine Lieder. Da es ein Doppelkonzert war, gab es leider nur eine Zugabe.
Auf der eigenen Website von Diego Guerrero und bei YouTube gibt es mehrere Videos von Konzerten

Von OqueStrada wurde auf den Facebook-Seiten vom Masala ein Live-Video von der YouTube-Plattform empfohlen. Das war viel versprechend. Es war eine Festivalband mit Show-Elementen zu erwarten. Musikalisch werden Lissabon und Fado oftmals verbunden, doch natürlich gibt es viel mehr Musikstile in dieser Stadt am Tejo.
Im Video war bereits zu sehen, dass die Band mit einem Akkordeon, einer Fado-Gitarre und einem Skiffle-Bass (Plastik-Waschwanne mit Besenstil und Band als Saite) drei auffällige Instrumente hat, doch wirklich auffällig war vor allem die Sängerin Marta Miranda. Sie machte immer wieder Tanzschritte, manchmal nur angedeutet, aber oftmals auch quer über die ganze Bühne und damit meine ich jetzt nicht nur Hüftschwung oder so, sondern sie tanzte mit koketten Bewegungen wirklich Schrittfolgen und hatte dabei so eine positive Ausstrahlung, dass es jeweils lautstarke begeisterte Reaktionen aus dem Publikum gab.
Die ist deshalb so bemerkenswert, weil während des ersten Konzerts in ruhigen Passagen neben der Musik nur schwach im Hintergrund die Lüftung zu hören war. Das Publikum wollte jeden einzelnen Klang hören und wurde nur laut in seinem Applaus nach jedem Stück.
Bei OqueStrada tanzte ich manchmal mit, doch auf der Bühne wurde eine Show geboten und so verhinderte mein Blick auf die Bühne, dass ich mich in die Musik fallen ließ.
Der Bassist war auch Sänger und sang im Rap-Stil auf Französisch. Er wurde vorgestellt, als einer von den vielen Europäern, die in den letzten Jahrzehnten nach Portugal reisten und dort blieben. Die Band selbst stammt aus den Stadtteil im Rücken von Christus, auf der südlichen Seite des Tejo. Sie sehen sich im Gegensatz zur historischen Innenstadt und den neuen Vierteln im Norden des Tejo. Es klang wie der Lokalstolz, wie er hier auch für das Viertel in Bremen, Linden in Hannover oder SO36 in Berlin bekannt ist.

In der Band war Marta Miranda die Sängerin und Tänzerin, aber es war nicht MM & OqueStrada. Sie ist ein Teil der Band. Wenn sie nicht sang, ging sie aus dem Scheinwerferlicht und stand im Hintergrund oder am Rand und der Trompeter Sandra Manuel war überhaupt nur zu sehen, wenn er seinen Einsatz hatte.
Es wurden locker Zitate aus Popklassikern ("Mony, Mony", "Dancing with myself" [beide Billy Idol]) in ein Stück eingeflochten und ein Bekannter meinte sogar einmal die Titelmelodie von "The Exorcist" zu erkennen. Das ist dann ein spezieller Spaß. Das war ein wunderbares Konzert und für mich ein schöner Abschluss für das diesjährige Festival. Die CD der Band ist eine fröhliche Erinnerung an diesen Abend und dreht und dreht sich.
Zwei sehr schöne Beispiel von dieser CD "Tasca Beat" (2010) sind hier bei YouTube zu hören: Oxalá te veja und Agarrem-me. Und hier geht es zur Webseite von OqueStrada.
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Zurück zum Beitrag Masala 2011 mit Verknüpfungen zu den anderen Konzerten.

Samstag, 11. Juni 2011

Der europäische Gedanke wird zerredet

Im befreundeten Blog von Filipe wird eine Debatte zum europäische Gedanken gewünscht. Die Europäerinnen und Europäer unter meinen Leser sollten deshalb mal hier vorbeischauen und einen Beitrag leisten.

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Mein Beitrag, der eigentlich in Filipes Blog erscheinen sollte, ist zu lang für die Kommentarspalte, die nur 4.096 Zeichen umfassen darf, deshalb folgt er hier:

Ich stimme Filipe zu. Es ist eine veritable Krise.

Die so genannten reichen Länder polemisieren gegen die so genannten armen Länder. Deutschland ist reich, auch wenn die Zahl der verarmten und armen Menschen anwächst (da in der internationalen Statistik das wachsende BIP zählt, und da unsere Reichen heute viel reicher sind als vor 10 Jahren, geht es "uns Deutschen" viel besser als vor 10 Jahren). Unsere Kanzlerin, ihre Regierung aber auch große Teile der Opposition lassen es an Solidarität nicht nur mangeln, sondern tun so (und reden in populistischen Anfällen=intellektuellen Ausfällen) als wäre die Krise von den "Armen" Ländern zu verantworten.
Die wirtschaftliche Krise in den mediterranen Ländern Europas ist nur zum Teil hausgemacht. Es ist banal, wird aber scheinbar immer wieder gerne in der öffentlichen Debatte falsch dargestellt. Es verschwindet kein Geld in Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal. Geld verschwindet nicht, Geld wechselt nur seinen Besitzer. Es ist im Interesse der Rating-Agenturen, Staaten in den Bankrott zu schreiben, da sie dann als Berater damit Geld verdienen. Die Zinsen für Staatsanleihen werden am freien Markt gebildet, obwohl dies auch im europäischen Verbund möglich wäre. Es sollte stets öffentlich thematisiert werden, wohin die Gelder schließlich fließen. Deutsche Banken (u.a.) verdienen sehr viel an der Krise.
Die europäische Krise ist auch und vor allem eine demokratische Krise, denn die Elite (und dies beinhaltet Regierung und parlamentarische Opposition) hat den Schaden durch ihre Kombination von Liberalisierung und angeblicher haushaltspolitischer Austerität den Staat um seine Einnahmen gebracht. Der schon geisteskrank anmutende Wachstumsfetischismus, der die Grundlage diese Sekte (denn es kann kein unendliches Wachstum auf einer endlichen Welt geben und nur Sekten glauben an das Unmögliche) würde alle finanziellen Probleme lösen. Ich musste mich schon an den Kopf fassen, als ich bei den anderen wirtschaftlichen Blasen las, dass Akteure glaubten, dass ein Spekulationsfeuer mehr als ein Strohfeuer ist.
Wirtschaftlich sollten die Staaten es als eine Chance sehen. Vor allem Griechenland ist in seiner internationalen Bewertung so tief gesunken, dass es nun einen großen Schnitt machen kann. Spekulationssteuern (Börsentransaktionssteuern) werden seit Jahren international nicht nur von ATTAC gefordert. Dies wird dann stets von der jeweiligen Regierung nicht weiter verfolgt, da ihnen die Wirtschaft verdeutlicht, was für umfassende Schäden ein Alleingang bedeuten kann. Es würden dann internationale Investitionen abgezogen und keine neuen kommen. Seien wir doch ehrlich, es sind oftmals keine Investitionen (mittel- oder langfristig Ziele) sondern Spekulationen (kurzfristig viel Geld gewinnen). Griechenland, aber auch Spanien und Portugal können nicht weiter verlieren. Sie haben die Chance mit so einer Steuer, die Gefahr von weiteren Strohfeuern in ihren Ländern zu reduzieren. Und dann gibt es natürlich noch die Möglichkeit diejenigen zur Kasse zu beten, die an der vorherigen Spekulation sich dumm und dämlich verdient haben. Das sind keine anonymen Institutionen und Fonds, welche die Blase aufgebaut haben, sondern dahinter stehen Firmen und Manager, die sich auch benennen lassen.
Doch dann bin ich wieder pessimistisch, denn die griechische Politik-Elite ist genauso korrupt, wie in Deutschland, etc.
Ich halte es deshalb auch für keinen Zufall, dass sowohl in Griechenland (googelt mal Aganaktisméni) oder Spanien (Democracia Real Ya) basisdemokratische Bewegungen die bestehenden politischen Parteien herausfordern.

Doch zurück zu Europa und hier vor allem der EU. Es gibt eine europäische Idee und viele von uns glauben an eine europäische Identität. Diese Idee muss von der EU gepflegt und gehegt werden und dies bedeutet, dass die EU sich viel stärker um das europäische ihrer Identität kümmern muss. Es kann nicht angehen, dass es große moralische Erklärungen gibt, aber, dass wenn ein EU-Mitglied diese Grundsätze verletzt, dies nicht offiziell kommentiert wird. Wenn Dänemark Grenzkontrollen will, OK, dann sollen sie auch das Schengenabkommen kündigen und ihrer Bevölkerung klar machen, dass es keine unilaterale Politik innerhalb der EU gibt. Wenn internationaler Handel, Transithandel und internationaler Tourismus als spezielle Form der internationalen Wirtschaft plötzlich wieder Hemmnisse spürt, wird sich dies schnell in Dänemark bemerkbar machen und die aufgehetzte dänische Bevölkerung begreifen, dass geistige Brandstifter systematisch die politische Kultur im Land vergiftet haben.
Oder wenn die polnische und rumänische Regierung lügend behaupten, dass sie keine Foltergefängnisse für die CIA unterhielten, obwohl dies vom Europa-Rat bewiesen wurde. Warum nicht einmal das Stimmrecht eines Landes in der EU für einige Monate suspendieren und EU-Zuschüsse reduzieren. Europa lebt von einer Idee zivilisatorischer Fortschritte und wer auf diese pfeift, sollte befristeter Sanktionen unterliegen.
Die EU sollte mehr als eine Wirtschaftsunion sein!

Montag, 6. September 2010

Perseiden über Lisboa

Sterneschnuppenkucken gehört für mich zum Europa-Kolleg dazu. Am Licht verschmutzten Himmel meiner Heimatstadt sind nur die größten Sterne und Planeten zu sehen. Wenn Mitte August die Erde wieder durch die Schweif-Überreste des Komets 109P/Swift-Tuttle zieht und der Sternschnuppenschwarm der Perseiden zu sehen ist, dann suche ich dunkle Orte. Beim EKNT 2007 fand sich in einem Vorort von Barcelona mehr als einem Kilometer außerhalb der Siedlung am Hang in einem Wald ein schöner Beobachtungsplatz. Doch dann ging Torrentialregen nieder und es war überhaupt nicht daran zu denken, im Dunklen einen Waldweg hinaufzugehen und möglicherweise auf einer nassen Wiese zu liegen. Doch wir fanden einen anderen, trockenen Platz, der zwar relativ hell war, aber schon viel Sterne zeigte.

In diesem Jahr in Lissabon war es nun, dass die Lichtglocke über dem Großraum mindestens genauso hell war, wie in Hannover. Ich zog spät am Abend mit zwei Alumni zum benachbarten Gelände der Universität. Wir querten über eine Fußgängerbrücke eine Stadtautobahn und schlüpften durch ein ungesichertes Tor auf das Gelände. Ein hoher Deich schien als Lärmschutzwall zu fungieren. Auf dem vor uns zu sehenden Sportplatz mit flachen Nebengebäuden war kein Licht und auf der Innenseite des Wall war tiefer Schatten. Eigentlich ein idealer Platz. Nur wenig Sterne waren zu sehen, doch genügend, um nacheinander den Großen Bär, den kleinen Bär, Kassiopeia und schließlich Perseus zu lokalisieren. Letzterer war nur etwa 15-30° über den Horizont. Wir konnten uns in einem flachen Winkel zum Horizont auf groben Gras auf den Fuß des Walls hinlegen. Ohne den Nacken anzustrengen hatten wir einen Blick auf den Himmelabschnitt, auf dem die Sternschnuppen zu sehen sein sollten.
Ich erzählte, was wir hier sehen könnten und das an wirklichen dunklen Orten in dieser Nacht auch schon mal 50 und mehr Sternschnuppen in einer Stunde zu sehen sind. Ich warnte vor zu großen Erwartungen, da in der Helligkeit des Himmels kleine Leuchtspuren mehr zu erahnen als zu sehen sein würden.
Wir philosophierten über die Zukunft und ich verwies auf Nachfrage auf die anderen Objekte, die zu sehen waren. Angefangen von Flugzeugen, die den nahen internationalen Flughafen ansteuerten bis hin zu Satelliten, die in wenigen Minuten das sichtbare Firmament querten. Ich verwies auch auf den grandiosen Anblick der ISS, die ich in diesem Jahr bereits vier Mal aufgehen, anwachsen und untergehen sah.
Ich dachte mal wieder, dass ich wohl eine optische Täuschung erlebte, als ich ein kurz einen Lichtstreifen aufblitzen sah. Während ich dies noch sagte, war aber die erste prächtige Sternschnuppe zu sehen, die hell über einem Viertel des Himmels zog. Die mitgebrachten Bier wurden geöffnet und plötzlich waren wir alle drei neugierig darauf, wer denn nun die nächste Sternschnuppe sehen würde. Wieder zeigte sich, dass die wenigsten sich bisher dieses Naturschauspiel bewusst angesehen hatten
Für mich ist dieses Sternenkucken bzw. hier Sternschnuppenzählen regelrecht meditativ. Ich genieße diese ruhigen Momente
Nach drei großen und mehreren kleinen Sternschnuppen beenden wir nach etwa einer Stunde diesen Ausflug und gingen zurück zur Unterkunft.

Samstag, 4. September 2010

Biscoito de Amêndoa

Es gibt viele Leckereien in Portugal und das Mandelgepäck ist eine davon.

Diese großen, harten Mandelplätzchen, die jeweils zusätzlich eine ganze Mandel auf dem Keks haben, sollten nur frisch genossen werden. Ich hatte eine Tüte der Fábrica de Queijadas de Gregório aus Sintra gekauft und sparsam diese Köstlichkeit über die letzten zwei Wochen vernascht.

Ein schönes Mitbringsel von einem Urlaub in Lissabon.

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Siehe auch meine Notiz zu Pastéis de Belém.

Sonntag, 29. August 2010

EKNT10 - Exkursion nach Coimbra

Coimbra liegt etwa 200km nördlich von Lissabon entfernt. Unsere Gruppe von 19 Personen hatte es tatsächlich geschafft, vor 8 Uhr morgens aufzustehen und zur U-Bahn aufzubrechen. Wir fuhren über Alameda zum Bahnhof in Oriente, wo wir zunächst individuell Fahrscheine kauften, um dann in Kleingruppen die kleinen Cafés und Märkte anzusteuern, um hier ein Frühstück einzunehmen. Mit der Fahrkarte (€28) hatten wir auch einen reservierten Sitzplatz und trotz der Größe der Gruppe saßen wir zusammen in einem Waggon. Der Abend zuvor war lang geworden (Fado-Museum, portug. Restaurant) und auf der langen Zugfahrt holten viele den Schlaf der vorherigen Nacht nach. Als wir nach zweieinhalb Stunden am Ziel ankamen, gab es zunächst Verwirrung auf dem Bahnhof. Wir waren in Coimbra B und es war offensichtlich, dass wir noch nicht in der Stadt, die wir besuchen wollten, waren. Wir verließen den Bahnhof, gingen einige Hundert Meter zu einer Bushaltestelle und fuhren mit unserem Bahnfahrschein von dort zum Bahnhof Coimbra.

Das alte Coimbra lag auf einem steilen Hügel vor uns. Wir holten zunächst einige Stadtpläne und dann ging es in die Altstadt. Die Gruppe wurde dort von zwei Studenten im dunklen Umhang angesprochen. Viele blieben stehen und hörten sich ihre Geschichte an. Es waren zwei Studenten, die demnächst ihren Abschluss machen würden und nun Spenden für ihre Abschlussfeier sammelten, indem sie alte Schwarz-Weiß-Postkarten anboten. Die Gruppe vereinbarte ein weiteres Treffen am Wohnheim in der Altstadt.

Wir folgten der Haupteinkaufsstraße zur Igreja de Santa Cruz, in welcher der Gründer Portugals begraben liegt. Dom Afonso Henriques löste 1139 ein Lehen aus dem Königreich Leon und erklärte sich zum König. Seine Grabplatte ist deutlich größer als die von seinem Sohn und zweiten König von Portugal Dom Sancho. Hier wurde die Legende angeführt, dass König Alfons als Burgunder deutlich größer war, als die Portugiesen und dies sich in der großen Grabplatte widerspiegelt. Doch dies erscheint nicht offensichtlich, da die Ehefrau und Mutter des 2. Königs auch aus Mitteleuropa kam. Und dieser Sohn angeblich so klein war, wie die anderen Portugiesen. Wenn an der Legende etwas dran sein sollte, wäre dies ein schönes Beispiel für Phänotyp versus Genotyp.

Nachdem wir hier unsere Referenz erwiesen hatten, gingen wir zu einem portugiesischen Restaurant, wo wir angemeldet waren. Es sollte eine Spezialität sein und war es auch! Das Restaurant hatte noch nicht geöffnet und auch andere Personen standen in dieser Nebenstraße und warteten darauf, dass der Betrieb beginnt. Die Besonderheit fing damit an, dass dieses Restaurant nur aus einem schmalen Raum bestand. Außer uns konnten nur noch drei weitere Personen an den wenigen Tischen Platz nehmen und wir saßen alle sehr eng beieinander. Einmal mehr gab es leckeren Fisch für mich.
Als wir nach etwa einer Stunde das Restaurant verließen, standen in dieser Nebenstraße etwa zehn Personen, die mit Wein und Brot vertröstet wurden und darauf warteten, dass Plätze im Restaurant frei werden.

Nach dem Essen ging es durch die Altstadt nach oben zur Universität. Es war unerträglich heiß. Die Wetterstation am Flughafen Lissabon verzeichnete an diesem Tag mehr als 36° im Schatten. Es war sicherlich heißer hier in den engen Straßen. Ich war froh als ich auf halber Strecke eine große Kirche sah, in die ich auch sofort verschwand. Dort war es deutlich kühler als draußen auf dem Platz. Eine Kirche ist bei diesem Wetter wie eine Höhle, der große Raum kann sich nicht so schnell erwärmen und es war sicherlich nicht wirklich kühl in der Kirche, aber eben deutlich kühler als im Sonnenschein. Neben mir stand der einzige Geschichtsstudent der Gruppe und ich zitierte Arno Schmidt über den Nutzwert von Kirchen, den ich selbst gerade erlebte.
Die Kathedrale Sé Velha de Coimbra ist ein schönes Beispiel für romanische Kunst. Mit Freude hörte ich ihm zu, als er neben mir sitzend ein Kurzreferat über Stilelemente der Romanik gab.

Der Gang nach draußen hatte etwas vom Öffnen einer Saunatür. Der Temperaturunterschied war immens. Weiter ging es aufwärts. An den ehemals weißen Wänden waren viele Graffiti zu sehen. Dies waren nicht nur Tags, welche die kümmerliche Existenz des Sprayers dokumentierten, sondern auch politische Botschaften, die zum Teil mit Schablonen aufgesprüht wurden waren. Mir wurde erzählt, dass der Konflikt um die eigene Geschichte mit ihrem Kolonialismus und Faschismus und der folgenden Periode mit ihrem Militarismus und zumindest verbal sozialistischen Zielen bisher nicht aufgearbeitet wurde und entsprechend radikale Positionen von beiden Seiten in der Öffentlichkeit zu finden sind.
(Foto: S. Richter)

Doch dann erfreute uns auch ein echtes Graffito, das an Picasso erinnerte.
 (Foto: S. Richter)

Es ging immer weiter aufwärts bis wir schließlich auf einem Platz zwischen zentralen Universitätsgebäuden ankamen. Wir hatten nun die Möglichkeit eine Führung durch die Universität zu machen. Die Tür der alten Bibliothek öffnete sich und eine geführte Gruppe verließ den hohen Saal, der von Bücherwänden, wie die Augusta der HAB, umgeben war.
A lock within a lock

Im Schatten vor einem Institut mit stilistischen Elementen der faschistischen Periode des Neuen Staats (Estado Novo) machte die Gruppe einen Halt und es dauerte eine Weile, bis sich alle entschieden hatten, ob sie eine Führung machen wollten oder ob sie, wie von mir vorgeschlagen, durch die verwinkelten Gassen der Altstadt hinab zum Rio Mondego gehen wollten.
Zu fünft gingen wir runter in die Altstadtgassen, doch endete unser Wegs bereits nach kurzer Zeit in einem Café, wo wir zunächst nur Wasser kaufen wollten, uns aber dann doch hinsetzten. Die Hitze war so erschöpfend, dass wir trotz dieser Pause noch vor dem Erreichen des Flusses wieder eine Pause im Schatten machten.
Das von uns gesuchte Militärmuseum war nicht zu finden. Erst jetzt beim Schreiben dieser Zeilen sehe ich auf dem Stadtplan, dass die Erläuterungen mit Zahlen zweimal bei 1 beginnen. Ich hatte auf dem Stadtplan das Hotel 42 lokalisiert und nicht die Sehenswürdigkeit 42. Das Militärmuseum wäre (bei diesen Temperaturen) unerreichbar auf dem anderen Ufer gewesen.
Wir saßen in einem Park auf der das Ufer begrenzenden Mauer und hatten hier die wunderbare Kombination von einer leichten Brise, die über den kühleren Fluss zu uns wehte.
Am Busbahnhof trafen wir schließlich die anderen, fuhren nach Coimbra B und von dort zurück nach Lissabon.

Das sehr alte Coimbra ist eine schöne Stadt, doch im August sind die Hitze und der durch die Trockenheit bedingte feine Staub zwei gute Gründe, keine lange Tour zu machen.
Es war eine wunderbare Exkursion und ich bedanke mich auf diesem Weg einmal mehr bei den beiden Organisatoren!

Donnerstag, 19. August 2010

Kaffee auf links gerührt

Eine Bemerkung, Beobachtungen und eine Frage nach den kleinen kulturellen Unterschieden in Europa

Am letzten Abend im Südwesten wurde ich von einem Portugiesen darauf hingewiesen, dass sie den Kaffee gegen den Uhrzeigersinn rühren und an dieser alltäglichen Bewegung Menschen aus anderen Ländern wie Spanien oder Frankreich leicht erkennen, da diese im Uhrzeigersinn rühren. Als diese Bemerkung gemacht wurde, rührte ich zuhörend in meinem Kaffee, auch im Uhrzeigersinn. Wenige Minuten später beobachtete ich die Tochter des Portugiesen, wie sie Zucker in ihrem Tee verrührte. Sie hörte einem Gespräch zu und rührte ohne auf die Tasse zu schauen gegen den Uhrzeigersinn. Ein Blick nach links, wo ein Deutsch-Franzose saß, zeigte, dass er seinen Tee rechts herum rührte.
Alle Beobachteten waren Rechtshänder. Hat jemand eine Erklärung für diese kleine kulturelle Differenz der Menschen aus Portugal?

Sonntag, 8. August 2010

Wer lächelt schon so früh am Morgen?

Reisetagebuch EKNT10 Lisboa - Teil 1 (Dienstag, 3. August 2010)

In einer so kurzen Nacht wie der vergangenen lohnt es sich weder zu verdunkeln noch die Fenster zu schließen. Kalte Luft weckte mich erstmals vor 3 Uhr und das Alarmzeichen vom Handy erklang kurz nach 4 Uhr nur einmal bis ich die STOP-Taste drückte.

Ich hatte 30 Minuten zwischen Wecken und Verlassen der Wohnung eingeplant. Kaffeewasser, Computer , Badezimmer.
Moderne Kommunikation ist verführerisch: HAJ meldete normale Abflugzeiten und Facebook brachte ein erstes Lächeln, als ich Stefans Reisegruß las.
Kaffee allein gibt mir keine Energie. Als ich auf die Uhr schaute, war diese bereits in der 32. Minute und damit war die 1. U-Bahn wohl nicht mehr zu erreichen. Der Koffer war schwer (die Waage am Check-in zeigte dann aber doch nur 18,5 kg) und musste die 400 Meter zur U-Bahn-Station getragen werden, da die Rollen nur noch unter protestierendem Lärm eine sehr beschränkte Funktionalität zeigten.

Müde Menschen überall. Im Hauptbahnhof trafen diese stillen müden Menschen auf laute, aggressiv wirkende Menschen, die von ihren Festivitäten zurückkehrten. Angetrunkene Jünglinge bei der Schwanzparade.
Am Flughafen stellte sich einmal mehr heraus, dass die empfohlenen zwei Stunden vor Abflug viel zu viel sind. Ich erreichte 90 Minuten vor Abflug meine Halle und bereits 10 Minuten später begann das langweilige Warten.
Es war ein kleines Flugzeug bis Zürich. Es waren nur fünf Plätze über die Breite. Dies war offensichtlich ein Geschäftsflieger, da mehr als ein Drittel der Passagiere klassisch mit weißem Hemd, Krawatte und Anzug Platz nahmen. Von den anderen waren nur zwei Frauen und kein Kind.

Über Süddeutschland gab es ein schönes Halo. Ein kreisrunder Doppelregenbogen war auf den Wolken zu sehen und in der Mitte des Kreises war der Schatten des Flugzeugs zu sehen. Halo und Schatten variierten mit der Höhe der Wolken.

Der Weiterflug nach Lissabon war für die Gesellschaft ungewöhnlich. Es wurde gesagt, dass der Flug vollständig ausverkauft ist. Es waren gleich mehrere Familien mit jeweils mehreren Kindern an Bord und entsprechend lebhaft.

In Lissabon gab es dann viel zu Lächeln.