Posts mit dem Label Kinderkram werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kinderkram werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Weihnachtsmärkte und weinende Kinder

Nur wenige hundert Meter von meinem Zuhause ist der Weihnachtsmarkt Lister Meile, der an seinen Enden und in der Mitte Fahrgeschäfte für kleine Kinder hat. Die Kinder strahlen, wenn sie dort in einem Polizeiauto mit Blaulicht oder einem Feuerwehrauto mit Glocke ihre Kreise ziehen. Dann hält die Karawane und die Kinder sollen nun aufstehen und für Andere Platz machen.
Das laute "NOCH MAL!" kennt jeder, der mit kleinen Kindern zu tun hat. Sie wollen nicht aufstehen und ich habe gesehen wie Eltern ihre Kinder aus deren gewählten Fahrzeug ziehen. Wenn die Kinder schreien und weinen, lassen sich einzelnen Eltern erpressen. Andere ziehen ihr schreiendes Kind weg vom Karussell.
Habe gerade mal wieder den Weihnachtsmarkt passieren müssen, er liegt auf dem Weg zu fast allen Zielen, die ich zu Fuß ansteuere. An zwei der Fahrgeschäfte erlebte ich einmal mehr das Drama eines total unglücklichen Kindes, dass unter lauten Protest von der Mutter vom Karussell weggezogen wurde.
Ein Karussell ist zweischneidig. Es macht Kinder (un)glücklich und kann den Eltern den Besuch eines Weihnachtsmarkt vermiesen.
(Schöner als jedes Karussell auf einem Weihnachtsmarkt. Eine unser Nana-Figuren)
Dabei ist es doch relativ einfach: Dem Kind vorher ganz klar sagen, dass es nur einmal fährt und als Plan B direkt im Anschluss mit einer anderen Attraktion (Zuckerwatte, Mandeln, etc.) die Aufmerksamkeit ablenken. Denn wer A sagt, also mit Kindern auf einen Weihnachtsmarkt geht, muss auch B sagen und Geld dabei haben und ausgeben.

Montag, 8. September 2014

Jägerhof Rotenburg in Hannover 1966-1967

Am nördlichen Stadtrand von Rotenburg gab es früher den Jägerhof mit angeschlossener Gastwirtschaft.
Meine Eltern waren für zwei Saisons die Pächter des Betriebs.
Einige persönliche Erinnerungen aus dieser Zeit als Gedenken an meinem Vater Hans-Peter Müller (1939-2013).

 Jägerhof, Rotenburg Wenn man von der Harburger Straße kurz vor dem Ortsausgangsschild rechts in die Brockeler Straße eingebogen war, so führte auf der linken Seite ein Stichweg zum Jägerhof. Man fuhr auf einen Feldweg an einer Koppel mit Schafen vorbei, dann gab es dort Spielgeräte für Kinder und schließlich das niedrige Gebäude mit der überdachten Veranda.
Die Autos parkten direkt davor. Durch die Gastwirtschaft ging es einige Stufen hinab zum Schießstand. Rechts vom Jägerhof war eine offene Wiese, die von Büschen und Bäumen umgeben war. Hier wurde bei Interesse eine Schleuder für Tontauben aufgestellt, welche die Jäger und Gäste im Flug mit großen Schrotpatronen beschossen.
Tontaubenschießen, Tontaube, Schrotmunition
Der Besitzer war F.H. sen., der in Rotenburg seit mindestens 1939 die Kneipe neben dem Capitol-Theater betrieb. Der Pachtvertrag wurde natürlich nicht zwischen meinen Eltern und F.H. abgeschlossen. Wir schrieben das Jahr 1966 und Verträge wurden vom Ehemann Hans-Peter Müller unterzeichnet, auch wenn der Vertrag Arbeit und Verantwortung für beide Ehepartner bedeutete.
Hans-Peter Müller, Jägerhof, Rotenburg, Familie Müller
Meine Schwester und ich verbrachten sehr viele Wochenenden auf dem Gelände des Jägerhofs.Wir hatten absolute Verbotszonen und ansonsten sehr viel Freiheit. Da es ein Feldweg war, der zum Gelände führte und die Autos weder Allrad noch hohe PS-Zahlen hatten, ging von der Zufahrt oder Abfahrt der Schützen vom Gelände keine Gefahr für uns aus. Ich erinnere mich, dass die Schafe mir zunächst riesig vorkamen. Aber ich war da auch erst 4 oder 5 Jahre alt und bin heute vor allem darüber erstaunt, dass ich mich an so etwas erinnern kann.

Im April 1966 hatten meine Eltern erstmals Dienst im Jägerhof. Der Schießstand war vor allem an den Wochenenden geöffnet. Ein Kalender meiner Mutter und ein im Jahre 1967 begonnenes Gästebuch geben einige Informationen über den Jägerhof.
Gästebuch, Jägerhof, Rotenburg, Hannover, Rotenburg i.H., Hans-Peter Müller

Samstags war der Jägerhof vom späten Vormittag bis zum Nachmittag und am Sonntagvormittag bis zur Mittagszeit geöffnet.
Meine Mutter begann irgendwann, unser sonntägliches Mittagessen mit zu bringen. Die Familie des Schießwarts (?) D.H. brachte auch etwas mit und so saßen wir regelmäßig mit sieben Personen an einem Tisch und aßen die aufgewärmte Mahlzeit.
In der Gastwirtschaft gab es die üblichen Getränke und als Essen vor allem Bockwurst mit Toastbrot und Senf sowie selbst gemachte Buletten. Letztere liefen nicht so gut, da zunächst der gleiche Preis anderer Kneipen genommen wurde, aber die Buletten kleiner waren. Meine Mutter erinnert sich daran, dass sie einmal alle selbst gemachten Buletten wieder mit nach Hause nahm.
Bis in den Oktober 1966 war jedes Wochenende der Jägerhof geöffnet und mindestens einmal wurde der Betrieb auch an einem Werktag geöffnet. Der Pachtvertrag war eine große Verpflichtung. Als ich in dieser Zeit Mumps bekam, wurde ich warm eingepackt zum Jägerhof mitgenommen und verbrachte den Tag auf der Veranda.
Ziegenpeter, Mumps

Der Jahresabschluss wurde mit einem Spanferkel-Essen gefeiert.

Im Winter 1966-1967 gab es mindestens zwei Einbrüche in den Jägerhof. Die Tür zur Gaststube wurde nicht geknackt. Es wurden jeweils eines der Fenster zum Beispiel auf der Waldseite zerstört. Der oder die Einbrecher richteten jeweils großen Schaden im Jägerhof an. Da einmal gezielt auch der Waffenschrank aufgebrochen wurde und mindestens eines der Kleinkaliber-Gewehre, die für die Schießbahn ausgeliehen werden konnte, gestohlen wurde, ging es offensichtlich um mehr als Geld. Gestohlen wurden jeweils angefangene Schnapsflaschen und Zigarettenstangen.
Meine Eltern konnten am Ende eines jeden Jägerhof-Tages nicht alle diese Wertsachen mit nach Hause nehmen. Zunächst hatte unsere Familie noch kein Auto und wir wohnten mehr als ein Kilometer entfernt. Auch als dann schließlich ein Auto vorhanden war, gab es weiterhin Probleme. Meine Mutter hatte keinen Führerschein und wenn mein Vater (als Berufssoldat) im Manöver war, musste sie irgendwie die Wertsachen und uns zwei Kinder zum Jägerhof bringen.
Auf der Theke der Gastwirtschaft stand zunächst eine riesige Registrierkasse. Die Tasten waren den verschiedenen angebotenen Getränken und Speisen zugeordnet. Nach dem Eintippen erschien oben die Gesamtsumme. Diese Kasse wurde bei jedem Einbruch aufgebrochen. Natürlich war die Kasse stets leer. Dies scheint schließlich die Einbrecher so weit verärgert zu haben, dass die Kasse mit hinter den Jägerhof genommen wurde und dort zerstört wurde. Es war eine interessante, silbern glänzende Maschine.

Der Jägerhof lag zwar nicht im Wald, war aber nicht an das Wasser- und Abwassersystem der Stadt Rotenburg angeschlossen. Unter dem Gebäude gab es einen kleinen, niedrigen Keller, wo eine Pumpe mooriges Grundwasser für die Spüle und die Toiletten hoch pumpte. Es war ein versteckter, unheimlicher Ort. Von der Gaststube ging es hinter einen Vorhang in eine kleine Küche. Dort wurde dann eine Schiebetür geöffnet und war der dunkle niedrige Raum zu sehen.
Das Wasser war nicht brackig, aber wenn es längere Zeit in der Spüle stand, gab es eine Ablagerung am Beckenrand und -boden. Das Wasser roch und hatte einen unangenehmen Geschmack. Für die Kaffeemaschine, aber auch zum Kochen von Kartoffeln und Gemüse wurde deshalb mitgebrachtes Mineralwasser verwendet.
Abwasser verschwand in einer Sickergrube.

Dieses System von eigener Pumpe für Frischwasser und Sickergrube für die Abwässer gab es auch noch in den frühen 1980-er Jahren in dem Teilen von Brauel, wo wir lebten.
- - - - -
Zum zweiten Teil
- - - - -
Der Jägerhof befindet sich heute weiter im Osten entlang der Brockeler Straße. Auf dem Gelände des Jägerhofs befindet sich nun der Kindergarten Rappelkiste. Hoffentlich haben Sie vor diesem Neubau den Boden ausgekoffert, denn der war sicherlich durch die vielen Reste der Munition verseucht. Auf die Tontaubenscheiben wurde mit Bleischrot geschossen.

Samstag, 30. August 2014

Kindermund - Batikhemd


Ich besuchte eine Nachbarin, grüßte die Anwesenden und einer beiden Dreijährigen betrachtete mein Batikhemd und sagte:

"Onkel Jürgen, du hast gekleckert".

Sonntag, 1. Juni 2014

Erste Erfahrungen mit einem Kindersitz

Die Kinder wachsen schnell und damit auch die Reichweite ihrer Aktivitäten. Die fehlende Größe (und Kraft) verhinderte, dass Türen geöffnet oder Wasserhähne erreicht wurden. Außerhalb der Wohnung wurde die Wege länger. Längere Spaziergänge oder Touren mit einem Laufrad, dessen Sitzhöhe bereits zweimal angepasst wurde, gehören zum Wochenende dazu.

Im Winter hatte ich die Anschaffung eines Kindersitzes für mein Fahrrad vorgeschlagen. Wenn ich die einen von beiden betreue, würde die ganze Stadt für die Kinder sichtbar und erreichbar sein. Die Kinder kennen die Stadt bisher nur aus der Perspektive der Stadtbahn (also Tunnelstrecken) oder dem Bus.

Der eine Junge erlebte, wie das große Paket geöffnet wurde. Ich setzte ihn in meiner Wohnung in den Sitz gesetzt und erzählte, dass er damit auf dem großen Fahrrad fahren kann. Die Neugier war offensichtlich.
An diesem Wochenende wurde der Sitz montiert und dafür nahm ich den anderen Jungen mit in den Keller, wo mein Fahrrad parkt. Während ich kleine Montageprobleme löste, erzählte ich auch ihn, dass er auf diesen Sitz mitfahren würde.
Damit war die Saat gesät und schon einmal abgesichert, dass beide freiwillig in dem Sitz Platz nehmen würden.
Direkt nach der Montage machte ich eine Probefahrt. Es war zunächst sehr still in meinem Rücken. Das war sicherlich einmal mehr die Gemengelage von Neugier und Angst. An Kreuzungen, an denen ich halten musste, drehte ich mich um und fragte, ob es Spaß macht. Es war keine euphorische Reaktion, doch als wir nach knapp zwei Kilometern wieder vorm Haus ankamen und er wieder festen Boden unter den Füßen hatte, sah ich, wie glücklich er war. Der andere Junge wurde auf den nächsten Morgen vertröstet und erlebte dann eine längere Tour durch die Eilenriede.

Hier erlebte ich nun etwas. Nicht nur, dass es entschieden stressiger ist, mit einem Kind im Rücken zu fahren, weil jedes Vorbeifahren oder Entgegenkommen, jedes kleinste Hindernis auf dem Weg neu bewertet werden muss, sondern auch, weil plötzlich ein Druck auf der Lenkstange zu spüren war und ich vorne die Bewegungen des Kindes ausgleichen musste.
Mir wurde einmal beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn man mit einem kleinen PKW aus dem Windschatten eines LKW fährt oder wenn eine Böe von der Seite drückt. Selbst bin ich schon mit Gepäck gefahren, sogar mit viel Gepäck (1-wöchige Radtour mit Zelt), aber das macht es nur anstrengender, weil mehr Gewicht bewegt werden muss. Nun erlebte ich erstmals, wie das Hebelgesetz eine Bewegung des Jungen nach links oder rechts so weit verstärkte, dass das Fahrrad nicht mehr geradeaus fuhr.

Beim Überqueren einer Straße mit einem oder beiden Jungs lege ich großen Wert auf meinen Perspektivwechsel und gehe mit meinem Kopf sehr weit runter, um die Straße mit ihren Augen zu sehen. Was sehen die Kinder, wenn sie hinter mir auf einem Fahrradsitz sitzen?
Auf einer längeren Tour am Nachmittag wurde ich mehrmals gefragt, "was ist das?", konnte mich aber in der Regel nicht umdrehen oder kurz anhalten, um die Frage zu klären. Eine Großbaustelle mit ihren vielen Maschinen führte zu den meisten Fragen.

Für die nächsten Wochenenden, wo ich einen der Jungs habe, gibt es viele Ziele: Maschsee, unsere großen Parkanlagen, Mittellandkanal, ...

Samstag, 17. Mai 2014

Augen-Blicke

Lächeln und Lachen können so falsch sein. Es sind die Augen, die ehrlich etwas ausdrücken. Ich sehe manchmal einen Widerspruch zwischen dem was eine Person um ihren Mund ausdrücken möchte, und dem was die Augen signalisieren.
Kleine Kinder haben noch nicht gelernt, sich zu verstellen. Hier habe ich noch keinen Widerspruch im Gesicht erkannt. Gefühle sind ursprünglich und tief.
Das konnte ich mal wieder mit einem der von mir betreuten Jungs erleben. Ich war neun Stunden mit ihm unterwegs und habe viel in seinem Gesicht gelesen. Da war einmal Mitleid, als er bei mir ein Pflaster sah und er nach dem "Aua" fragte. Er schaute wirklich traurig auf diese sonst verdeckte Stelle und ich beruhigte ihn mit dem Hinweis, dass dies nur ein kleines "Aua" war.
Und dann war da die Erschöpfung in der Mittagszeit, wenn er normalerweise zu seinem Mittagsschlaf kommt. Doch nach einer halben Stunde war da wieder der wache Blick.
Ich sah seine Angst in seinen Augen, als wir an einem künstlichen Hügel auf einer Treppe höher und höher stiegen, die Menschen und Bäume unter uns zurück blieben. Und immer wieder seine Zufriedenheit, wenn wir etwas gemeinsam machten, zum Beispiel beide das gleiche Essen und Trinken zu uns nahmen.

Augen können strahlen, können funkeln und glücklicherweise können nur wenige Menschen diese extremen Signale vorspielen.

Sonntag, 9. März 2014

Energie und fehlende Ausdauer

Wer mit kleinen Kinder zu tun hat, kennt die Nöligkeit. Sie sind wach und scheinbar munter, aber sehr empfindlich. Schon das harmloseste Hinfallen oder Anstoßen führt zu großem AUA mit Geschrei und Tränen. Es ist die Übermüdung nachdem im Tagesrhythmus der Mittagsschlaf ausgefallen ist oder abends nicht rechtzeitig der Weg zum Bett gefunden wurde.
Heute fiel zum Beispiel der Mittagsschlaf aus da eine Laufrad-Tour in die Eilenriede auf dem Rückweg in die Phase der gewünschten Ruhe fiel. Wir waren nur etwa 10 Erwachsenen-Minuten von der Wohnung entfernt, doch es dauerte mehr als eine Stunde bis wir diese erreichten. Jedes Stöckchen auf dem und jeder Zweig am Weg waren Aua und einmal landete er auf den Hosenboden und wollte nicht mehr aufstehen. Diese Stunde Heimweg war für uns beide sehr anstrengend.

Ähnliches hatte ich einmal bei einem Zoobesuch erlebt. Ich war am späten Vormittag aufgebrochen und nach etwa zwei Stunden war der tote Punkt erreicht und der Junge fiel mehrmals hin, achte beim Hinfallen nicht mehr auf seinen Körper und tat sich wirklich weh. Eigentlich hatten er und sein Bruder bereits das "richtige" Hinfallen durch Erfahrung gelernt und landeten seitdem in der Regel auf dem Hintern bzw. auf die polsternde Windeln.

Die totale Erschöpfung nach einem Tag mit vielen Aktivitäten wird auch zu einem Problem. Die Kleinen haben noch keine Ausdauer. Endlich zu Hause, ist der jeweilige so müde, dass er weder Essen will noch bei irgend einer Aktivität, die ihn fertig fürs Bett macht, auch nur eine Hand rührt. Gestern kam er in die Wohnung, ging zum Kinderzimmer und wollte sich tatsächlich in Jacke mit Schuhen ins Bett legen.
Die Ausdauer wird kommen, da mit den längeren Tagen auch die Freude draußen zu spielen zunehmen wird.
- - - - -
frühere Beiträge über die beiden von mir betreuten Kleinkinder:
Sandkiste (13 Monate), Babysitting (15 Monate), Kinderspielplatz (19 Monate), Windelathleten (19 Monate), Zoobesuch (21 Monate), Türverriegelung und Perspektivwechsel (2 Jahre, 5 Monate).

Sonntag, 2. März 2014

Perspektivwechsel

Wenn ich mit einem oder beiden Kurzen durch die Straßen auf dem Weg zu einem der Spielplätze, zur Eilenriede und dem Zoo oder der Lister Meile bin, gehe ich bei vielen Straßenwechseln runter auf das Niveau der Kinderblicke. Nur hier kann ich überzeugend und selbst überzeugt das Signal geben, wenn die Straße frei und er oder beide an der Hand die Straße queren.
Es braucht auch diesen praktischen Perspektivwechsel, um die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen.
Sie plappern zwischenzeitlich, sprich auch ohne Gesprächspartner reden sie manchmal oder wiederholen Wörter eines Liedes. Da erlebte ich auch einen anderen Blickwinkel. Auf dem großen Spielplatz am Moltkeplatz muss in ein Meter Höhe ein Bohlenweg überquert werden, um zur Rutsche zu gelangen. Jedes zweite Holzstück ist an einer Kette aufgehängt, die Hölzer dazwischen sind direkt mit den anderen Hölzern verbunden. Die kurzen Füße treten immer nur auf ein Holzstück und da hörte ich "und hoch, und runter, und hoch, und runter, ...". Die Holzstücke an den Ketten sind in einer starren Höhe und die anderen Hölzer senken sich, wenn sich 13 Kilo darauf stellen. Das sind zwar nur vielleicht 3-5 Zentimeter, doch für so einen kleinen Menschen ist ein hoch und runter.
- - - - -
frühere Beiträge über die beiden von mir betreuten Kleinkinder:
Sandkiste (13 Monate), Babysitting (15 Monate), Kinderspielplatz (19 Monate), Windelathleten (19 Monate), Zoobesuch (21 Monate), Türverriegelung und (fehlende) Energie (2 Jahre, 5 Monate).

Montag, 24. Februar 2014

Wachsende Sorgen, Gefahren und Lacher

Die Kinder werden größer. Klingeln werden erreicht, Türen geöffnet, Lichtschalter betätigt und vieles andere getan, was vor einem Jahr noch nicht möglich war.

Die neuen Freiheiten durch die Größe und den wachsenden Verständnis von Ursache und Folge sind für den Aufpassenden (also in diesem Fall: ich) ein zunehmendes Problem. Mit steigender Kraft und Selbstvertrauen, werden höhere Geschwindigkeiten (zum Beispiel auf einem Laufrad) erreicht, größere Hindernisse überwunden und beides führt zu heftigeren Unfällen, wenn denn die Balance verloren geht oder die Höhe zu hoch ist. Jetzt ist es nicht nur ein Erschrecken, jetzt tut es auch schon mal wirklich weh.
Und für den Aufpasser gibt es neue Herausforderungen.

Zum Beispiel am Sonntag, als meine beiden Palmen von der Küche zurück auf den Balkon gestellt wurden. Der eine Kleine drückte hinter mir die Tür zu. So weit, so gut und kein Problem. Die Tür lässt sich mit einem einfachen Druck vom Balkon wieder öffnen.
Der Kleine stand in der Küche vor der geschlossenen Tür und wandte sein Wissen an. Die Klinke muss herunter gedrückt werden, wenn eine geschlossene Tür geöffnet werden soll. Nur leider schließt diese Bewegung bei der Balkontür die Arretierung.
Ich sah dies vom Balkon, als ich gerade die eine Palme an ihre Position rückte, sprang zur verriegelten Tür und redete auf ihn ein, dass er sofort die Klinke wieder hoch drücken soll. Er weiß, dass er nicht alleine Türen öffnen soll, machte was ich verlangte und ich konnte wieder in die Küche.
Da hatte ich noch mal Glück gehabt.
- - - - -
frühere Beiträge über die beiden von mir betreuten Kleinkinder:
Sandkiste (13 Monate), Babysitting (15 Monate), Kinderspielplatz (19 Monate), Windelathleten (19 Monate), Zoobesuch (21 Monate), aus der Perspektive eines Kindes und (fehlende) Energie (2 Jahre, 5 Monate).

Samstag, 28. Dezember 2013

Jahresabrechnung 2013

Soeben habe ich meinen Jahresbrief 2013 fertig gestellt und an die Familie und Freunde versandt. Wer den Text lesen möchte, braucht nur eine Notiz via Elektropost oder Gesichterbuch zu schicken.
Hier gibt es nur einen Rückblick auf Blogbeiträge des Jahres. die öffentliche Person ist schließlich eine andere, als der reale Mensch.

Politik regt mich weiterhin auf und an. Da lag natürlich auch an der Landtagswahl in Niedersachsen, den damit verbundenen Outen von Nazis, der Bundestagswahl mit unserer Bundeskanzlerinverwalterin und hier in Hannover der zusätzlichen Wahl des Oberbürgermeisters. Die Dummheit der SPD und das Geblubber und Schweigen vom Bundespr.(ediger) Gauck ließen mich den Kopf schütteln. Dabei gab es interessante Ansätze wie die 1. EU-Bürgerinitiative oder die Offenlegung der NSA-Spitzeleien  oder das Fiskalverbrecher im Netz recherchiert werden können.

Der Tod meines Vaters führte zu Erinnerungen und Trauerarbeit.
Doch es gab auch schöne Momente auf dem Spielplatz, in der Turnhalle und mehrmals im Zoo.

Meine Reisen führten mich in diesem Jahr gleich zweimal nach Berlin, nach London, Königswinter, Budapest zum Europäischen Traum, Stade und Deventer.

Die monatlichen Wetterberichte, der nicht enden wollende Winter 2012/2013 aber auch einen Beitrag über den regionalen Klimawandel am Beispiel des Monats April und den generellen Temperaturanstieg sind auch als Kommentare auf dümmliche Bemerkungen von Klimaskeptikern zu lesen.

Ich kramte ein wenig in meinen Erinnerungen und fand meinen allerersten Brief von meiner ersten Reise nach Ostafrika (1987) und als eine Alumna über ihre Probleme mit einem Studentenvisum berichtete fiel mir mein Erlebnis aus Dar es Salaam (1988/89) ein. Eine Wiedergängerin erinnerte mich an den Beißkrampf der 1980-er Jahre pflegte. Ich musste auch an die Grußkultur in Tanzania denken und ein unangenehmes Erlebnis in Johannesburg vor 18 Jahren.

Kino war nur dreimal Thema, einmal The Hobbit und dann der Nachzug nach Lissabon und Star Trek. Filme gab es vor allem auf DVD, wie zum Beispiel Spielbergs Terminal. Ich fand einen Hinweis auf eine Screwball-Komödie im Netz, die vollständig, im Original und vor allem ohne Werbepausen genossen werde kann.  

Musik war öfters das Thema: Die hannöversche Formation fint stellte ihre 1. EP vor. Das Duo SEA+AIR gab eine wunderschöne Show. Beim digitalen Aufräumen stolperte ich über meinen Konzertbericht Roger Water 2002 und während meiner Arbeit auf der Fête de la Musique Hannover über einen Achim Reichel Song meiner Jugend. Musik gefiel auch im Netz, doch Hand gemachte Live-Musik wie vom französischen Yalta Club oder von MINE sind etwas Besonderes.

Ich habe viel gelesen, aber nicht so viel darüber geschrieben. Im Winter wurden eine Märchensammlung von Charles Perrault gelesen und im Herbst ein Sachbuch über "normale" US-Amerikaner. Literatur hinterließ Spuren in meiner Zitatesammlung, wie zum Beispiel Bemerkenswertes von Arno Schmidt (hier  und hier), Pascal Mercier, William Shakespeare, Gisbert Haefs, Douglas Adams oder Doris Lessing.

Mal sehen was 2014 bringt.

Samstag, 8. Juni 2013

Gorillas sind friedfertig?

Gestern war ich mit einem der Kurzen im Zoo Hannover. Nach den Affenhaus mit den dösenden Schimpansen ging es direkt zum Gorillaberg, wo eine Großfamilie von Flachlandgorillas unter einem Silberrücken lebt. Unten am Hang trennen auf der linken Seite übermannshohe bis zur Decke reichende Scheiben die Besucher von den Tieren. In der Mitte fließt ein künstlicher Bach mit viel Geräusch den steilen Hang hinab durch große Steine. Dieser mündet in einem tiefen Teich mit diversen Schildkröten, der bei einer Breite von mehr als zwei Metern auf der linken Seite die Trennung zu den Tieren ist. Dort sind die Scheiben nur hüfthoch und ansonsten hat man direkten Blick auf die Gorillas.
Wir waren bereits am Vormittag dort und es waren trotz des guten Wetters zu der Zeit nur wenige Gäste im Zoo. Am Gorillaberg saß auf der linken Seite eine Frau, die Zeichnungen von den Tieren machte und andere Besucher brachen gerade auf, als wir ankamen.

Wenn man dort ankommt, geht man in eine künstliche Höhle an deren Ende die trennenden Scheiben der linken Seite des Gorillaberges sind. Der Silberrücken saß mehrere Meter von der Scheibe entfernt und schaute uns Neu Ankommende an. Wir schauten zurück. Dieser Riese bewegte sich plötzlich sehr schnell auf die Scheibe zu und klatschte dagegen. Der Kurze hatte Angst und wir bewegten uns aus der Höhle raus weiter nach rechts in die Sonnenschein. Der Gorilla folgte uns, kletterte durch den Bach und saß auf der Wiese vor dem Teich. Ich testete aus, ob dies Zufall war und ging mit dem Jungen zurück in die Höhle. Der Gorilla folgte uns wieder und saß hinter der Fensterscheibe. Also zurück in die Sonne und der Silberrücken hinterher. Der Junge setzte sich nun in den Wagen (er hatte klar signalisiert, dass er nicht mehr selbst laufen möchte) und wir ließen den Gorilla ein Tier hinter einer Barriere sein. Ich fuhr noch mal mit den Wagen zur Absperrung an der rechten Seite, wo der Kurze aus dem Wagen durch die Trennscheibe auf den Gorillaberg blicken konnte. Der Silberrücken saß auf der Wiese und beobachtete uns weiterhin. Das Tier griff in die Wiese und lockerte die Grasnarbe.
  ZACK   flog mit viel Schwung eine Mischung von Gras, Wurzeln und Sand mit Schwung in unsere Richtung. Fast die gesamte Ladung klatschte gegen die Scheibe und versank danach im Teich. Etwas von der großen Handvoll flog auch über die Absperrung und erreichten den Kinderwagen. Ich schaute mir die Grasnarbe genauer an und nur dort, wo er gerade hinein gegriffen hatte, fehlten Gras und Sand. Das Verhalten war also offensichtlich ungewöhnlich.

Nun die große Frage: Warum und wie haben wir den Silberrücken verärgert? Das Besucher ihn auch einmal anschauen und dabei vielleicht auch Augenkontakt erreicht wird, sollte täglich mehrmals passieren. Ich meine mich an eine Sielmann oder Grzimek-Dokumentation zu erinnern, in denen darauf verwiesen wurde, dass direkter Augenkontakt eine Herausforderung für das Leittier ist. War es das oder war es das sehr dunkle Kind auf der anderen Seite der Barriere?

Hat einer meiner Leserinnen und Leser eine Erklärung? Der Zoo Hannover wirbt am Gorillaberg explizit mit der Friedfertigkeit der Tiere.

- - - - - - - - -
1 Kommentar:

I. I., Biologie-Studentin an der TU München schrieb am 9.6.2013:
Hmm, gute Frage. Verhaltensbiologe bin ich auch nicht, kann deshalb nur eine Vermutung äußern. Silberrücken sind die dominanten Männchen einer Gorilla-Familie. Da sie die Familie beschützen, und zusätzlich ständig ihre Position als Anführer der Gruppe verteidigen müssen, sind die normalerweise aggressiver, oder besser gesagt, zeigen immer gerne wer der Boss ist. Falls ihr irgendeine rasche Bewegung oder ein lauteres Geräusch gemacht haben, könnte das als „Bedrohung“ interpretiert werden. Vielleicht hatte ihn irgendjemand vorher auch genervt, und ihr seid einfach zum falschen Zeitpunkt gekommen. Was für mich aber viel wahrscheinlicher klingt, ist das er einfach „gespielt“ hat. Er hat seinen Spott mit euch getrieben, einmal weil es ihm vielleicht zu langweilig war (zu wenige Besucher), zum anderen weil er zeigen wollte, dass er der Stärkere ist. Dein „Test“ um zu schauen, ob er euch wirklich verfolgt, hat ihn meiner Meinung nach zusätzlich provoziert, dazu auch die Angst des Kleinen.
Im kurzen, das was du als Aggression empfunden hast, war höchstwahrscheinlich eine Kombination aus Langeweile, Spielerei, Neugier („Hey, was ist dieses Ding mit den 4 runden Dingen, das von einem Zweibeinigen geschoben wird?“) und Alpha-Männchen-Verhalten. Vergiss nicht, er hat sich nur einmal gegen die Scheibe geworfen und am Ende nur ein bisschen Erde und Gras auf euch geschmissen. Wenn er wirklich aggressiv wäre, dann hätte er sich mehrmals gegen die Scheibe geworfen und so laut gebrüllt, dass man es sogar bis zum anderen Zoo-Ende hätte hören könnte.
Nachtrag 15. Juni 2013: Zwischenzeitlich hat sich auch ein Mitarbeiter vom Zoo Hannover gemeldet. Er erklärt dies mit dem Imponiergehabe des Silberrückens. Er würde auch in der Natur mit Gras um sich werfen. Der Zoo hat dies bedacht und deshalb kann das Tier nur Gras, Wurzeln und wenig Erde erreichen.

- - - -
Dies war der fünfte Beitrag der Kategorie KINDERKRAM über die beiden von mir betreuten Kleinkinder. Andere Beiträge:
Sandkiste (13 Monate), Babysitting (15 Monate), Kinderspielplatz (19 Monate), Windelathleten (19 Monate), Türverriegelung (2 Jahre, 5 Monate), aus der Perspektive eines Kindes und (fehlende) Energie (2 Jahre, 5 Monate).

Donnerstag, 25. April 2013

Windel-Athleten

Heute war ich das zweite Mal als Begleitung für die beiden Kurzen beim Sport. Hannover 96 bietet in seiner Gymnastik-Abteilung Bewegung und Sport für Kleinkinder ab dem vollendeten 1. Lebensjahr an. Jede Woche gibt es 45 Minuten für die "Windel-Athleten" in einer Sporthalle in der Südstadt.
Es sind etwa 25 Erwachsene und Kleinkinder, die sich zunächst mit Musik rhythmisch aufwärmen, bevor die Erwachsenen nach Anleitung verschiedene Elemente zum Klettern, Balancieren, Springen und Hüpfen, Verstecken und Toben aufbauen.

Es geht immer wieder ums Entdecken und mit helfender Hand Hindernisse anzugehen, die im zweiten, dritten Anlauf vielleicht nur noch einen helfenden Finger brauchen und schließlich auch alleine ausprobiert werden.
Der Hit des heutigen Nachmittags war eine Kombination von Bank, Kasten und großer Matte. Über eine Bank sollten die Kleinen hoch zu einem Kasten in über einen Meter Höhe robben oder an einer Hand geführt hochgehen. Oben auf den Kasten war eine hohe Matte angelehnt und damit eine Rutsche nach unten. Wenn einer der Kleinen sich oben auf den Kasten aufstellte, war sein Kopf deutlich höher als die der Betreuenden. Es ging darum, die Kinder zu einer seitlichen Rolle über die Kante zu motivieren, so dass sie auf den Bauch mit den Füßen zuerst runter rutschen. Da war beim ersten Versuch Panik im Gesicht, doch unten angekommen, war da ein Strahlen und ein Rennen zurück zur Bank, um wieder nach oben zu gelangen.

Als ich vor zwei Wochen erstmals mit der Mutter als Begleitung dabei war, gab es eine schwankende Fläche, welche die größte Herausforderung und schließlich Freude wurde. Eine Bank war mit Gymnastik-Bändern in einen Barren eingehängt. Die Barren waren genau auf die Höhe der Kinder, wenn sie auf dieser Bank standen, eingestellt. Das Problem war, dass diese Bank sowohl in der Horizontalen als auch in der Vertikalen schwankte. Der ängstliche Griff zu den Barren wurde zum vertrauensvollen Griff und nach mehreren Anläufen ging einer der beiden ohne weitere Unterstützung von einem Ende der Bank zum anderen.
Ein schönes Merkmal dieser Sporteinheit ist, dass viele der begleitenden Erwachsenen nicht nur auf ihr Kind achten, so dass sich an einigen, der von uns aufgebauten Elementen, die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilte.

Im letzten Bericht hatte ich von den Problemen der Straßenquerung berichtet. Das wird nun konsequent angegangen. Wenn einer der beiden nicht an die Hand genommen werden will, dann muss er die Straße im Kinderwagen überqueren. Der Wagen ist keine Strafe, aber die beiden scheinen bereits abwägen zu können zwischen Kinderwagensitz und der Freiheit selbst zu gehen. Denn wenn ich vor einer Straßenquerung meine Hand hinhielt, wurde diese diesmal ohne Protest genommen und erst nach dem Besteigen der anderen Bordsteinkante wieder losgelassen.

Die Freude der Beschäftigung und der Beobachtung der beiden Kleinen hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich tief in mir weiß, dass dies für mich die letzte Chance ist, zu erleben, wie zwei Individuen sich in die Welt einfinden.
Der eigene Kinderwunsch blieb unerfüllt, da es nun mal einen Partner braucht und ich wohl ein Topf ohne Deckel bleibe.
Das letzte halbe Jahr war eine besondere Zeit und ich hoffe, dass die nächsten Monate ähnlich intensive Erlebnisse bringen. Vom Krabbeln zum Gehen, das Entdecken der Welt, das Entdecken der eigenen Möglichkeiten, es ist und bleibt eine Freude.
- - - - -
Dies war der vierte Beitrag der Kategorie KINDERKRAM über die beiden von mir betreuten Kleinkinder. Andere Beiträge:
Sandkiste (13 Monate), Babysitting (15 Monate), Kinderspielplatz (19 Monate), Zoobesuch (21 Monate), Türverriegelung (2 Jahre, 5 Monate), aus der Perspektive eines Kindes und (fehlende) Energie (2 Jahre, 5 Monate).

Mittwoch, 17. April 2013

Kinderspielplatz

Mit den aufkommenden warmen Tagen geht es mit den beiden Kurzen endlich wieder nach draußen. An den kalten Tagen sahen sie wie kleine Michelin-Männchen aus. In den Schneeanzügen konnten sie nicht wirklich laufen und die Fäustlinge (ohne Daumen) verhinderten jeden Zugriff.

Diese Woche wurde der vierte Spielplatz angesteuert. Es waren nur 400 Meter, aber für die kurzen Beine macht es einen großen Unterschied, ob es der benachbarte Platz (200m) oder eben der ferne Platz ist. Der (Beinahe-) Sommertag mit seiner ungewohnten Wärme machte den Weg anstrengend.
... und aufregend: Es mussten drei Straßen überquert werden, davon eine Hauptstraße, wo ich nun erstmals erlebte, wie kurz die Grünphase ist, wenn man kein gesunder Erwachsener ist. Die Straßen waren anstrengend für die Mutter und mich, denn hier wurden Konflikte ausgelebt. Auf den Gehwegen haben die beiden Kinder Freiheit und bestimmen das Tempo mit den wir uns bewegen. Häuserwand oder Vorgartenzaun auf der einen und die (aus den Augen der Kinder) hohe Wand der dicht an dicht stehenden, parkenden Autos machten die Aufsicht leicht. Unsere Aufgabe war hier vor allem das Weitergehen zu motivieren. Jede Parklücke verwies auf die kommenden Probleme. Denn stets ging es direkt zur Bordsteinkarte, die schließlich eine Abwechslung zum langen Weg bot. Die beiden üben seit Wochen das Springen und würden am liebsten auf der Treppe von Stufe zu Stufe springen.
Die Straßen führten dann zum Protest mit Schreien und sogar den Versuch, sich hinzuwerfen. Beide wollten nicht akzeptieren, dass Straßen nur an der Hand eines Erwachsenen überquert werden.

Der Weg lohnte sich. Dieser Spielplatz hat andere Geräte für 3-6-jährige. OK, die beiden haben erst 19 Monate hinter sich, aber auch für sie gab es gleich mehrere Möglichkeiten ihr Selbstvertrauen, ihr Gleichgewicht, ihre Neugier und ihre Kräfte zu fördern. Aufgrund ihres Alters werden sie ständig begleitet, auch wenn ich manchmal 5-10 Meter entfernt war, damit der eine den neuen Ortes scheinbar ungestört erkunden konnte. Der Platz ist groß (mehrere Tausend Quadratmeter), umzäunt und hat mehrere niedrige Elemente, auf denen beide ihre neuen Fähigkeiten zum Balancieren ausprobierten.

Die Entdeckung der eigenen Fähigkeiten hat in den letzten Monaten bereits mehrmals zum Weinen geführt. Ein Sprung oder eine Unachtsamkeit endete manchmal in der Horizontalen oder auf der Windel. Da fließen dann, vor Schreck oder weil es auch noch weh getan hat, die Tränen. Bis auf einmal konnten diese Krisen in weniger als einer Minute mit einer Umarmung und ruhigen Worten beendet werden. Das eine Mal zeugte eine Beule vom Sprung und der Heftigkeit des Falls.
(Keine Sorge: solche Zuckerbomben bekommen die beiden noch nicht einmal zu sehen)
Perspektivwechsel kann gelernt werden, wissen wir alle aus interkulturellen oder gesellschaftlichen Studien, doch die Welt aus den Augen von Kleinkindern zu sehen ist schwierig. Zu verstehen, was den beiden Freude oder Angst macht, ist für mich eine große Herausforderung.
- - - - -
Dies war der dritte Beitrag der Kategorie KINDERKRAM über die beiden von mir betreuten Kleinkinder. Andere Beiträge:
Sandkiste (13 Monate), Babysitting (15 Monate), Windelathleten (19 Monate), Zoobesuch (21 Monate), Türverriegelung (2 Jahre, 5 Monate), aus der Perspektive eines Kindes und (fehlende) Energie (2 Jahre, 5 Monate).

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Babysitting

Fortsetzung des Blogbeitrags "Sandkiste".
Ein öffentlicher Tagebucheintrag für Familie, Freunde und Bekannte.

"Kannst du mal den Jungen mit in deine Wohnung nehmen und dich um ihn kümmern?"

Es brauchte 50 Jahre bis ich erstmals Babysitting machte. Die Freundin brachte das Kind und verschiedene Spielsachen, blieb zunächst und schlich sich dann irgendwann weg. Da stand ich nun und sollte nun einem 14-Monate altem Kind die Zeit vertreiben und vor allem verhindern, dass das Kind anfängt zu schreien.

Die besten Spielsachen sind die nicht gekauften. Gesammelte Deckel von HIPP-Gläsern wurden immer wieder in einem Schlitz eines mit einem Gummiband verschlossenen Schuhkarton gesteckt. Das klapperte und gab jedes Mal den Ansatz eines Lächeln.
Als das nicht mehr interessant war, versuchte ich es mit Essen. Apfelstückchen wurden auf einem Deckel eines Tupperpotts serviert. Derselbe Apfel, der auf dem Spielplatz gerne gegessen wurde, führte nun zu einem verzogenen Gesicht und den Rausfallenlassen der Stücke aus dem Mund. Als der Kleine, dann auch noch mit einem Finger den letzte Rest aus dem Mund holte, war klar, dass heute mit Apfel kein Blumenpott zu gewinnen war. Also Geflügelwurst! Da leuchteten die Augen.

Die Wohnung war fremd. Mehr als den Flur und die Küche wurde nie erkundet. Die andere Räume standen offen und Licht war an, doch reichten die zwei Räume für uns beide.

Ich merkte, dass Geräusche auf großes Interesse stießen. Eine selbst gebastelte Rassel aus zwei ineinander gesteckte Verschlüssen von Honig und NN-Creme mit etwas dazwischen führte wieder zum Leuchten. Ich holte dann noch Topf, Deckel und Pfanne hervor und mit einem Kochlöffel und einem Drumstick wurde viel Krach gemacht.
Irgendwie gingen damit die zwei Mal 30 Minuten herum. Ich bin um eine Erfahrung reicher und werde in Zukunft wahrscheinlich noch öfters als Pausenclown einspringen.

Es hat Spaß gemacht!
- - - - -
Dies war der zweite Beitrag der Kategorie KINDERKRAM über die beiden von mir betreuten Kleinkinder. Andere Beiträge:
Sandkiste (13 Monate), Kinderspielplatz (19 Monate), Windelathleten (19 Monate), Zoobesuch (21 Monate), Türverriegelung (2 Jahre, 5 Monate), aus der Perspektive eines Kindes und (fehlende) Energie (2 Jahre, 5 Monate).

Samstag, 20. Oktober 2012

Sandkiste

Öfter mal was Neues.

In den letzten acht Tagen war ich mit einem 13 Monate altem Sohn einer Freundin drei Mal auf einem Kinderspielplatz und brachte jeweils reichlich Sand in die Wohnung.
Es ist eine Freude, zu sehen, wie der Kleine die Welt entdeckt.
Vor zwei Wochen begann er unabhängig zu laufen. Es ist dies der Charlie Chaplin Laufstil mit deutlich nach außen gerichteten Füßen. Der nächste Schritt war, dass er entdeckte, dass das Laufen leichter geht, wenn er sich hinten am Kinderwagen am Bodenkorb festhält. Vom Festhalten war es nur ein kleiner Schritt bis zum Schieben und heute schaute er irritiert, als ich neben dem Kinderwagen ging und nicht mehr die Richtung kontrollierte.
Auf den Weg zu bisher zwei Spielplätzen lernte er auch bereits die unterschiedlichsten Untergründe kennen. Rindenmulch und weißer Sand sind eine Herausforderung, aber wie schon gesagt, er entdeckt ... fällt hin, steht wieder auf und weiter geht es.

Es fängt jetzt auch schon die gefährliche Zeit an. Alle achten sehr auf ihn und seinen Bruder und entsprechend ist er bisher nicht ernsthaft hingefallen. Das wird jetzt gefährlich, weil er an der Haustreppe sich am Geländer hochzieht und langsam eine Stufe nach der anderen überwindet.

Bei der schnellen Entwicklung wird die Gehgeschwindigkeit zunehmen. Noch bin ich stets einen Schritt voraus.

Es macht Spaß die Entwicklung zu beobachten und daran teilzuhaben.
- - - - -
Dies war der erste Beitrag der Kategorie KINDERKRAM über die beiden von mir betreuten Kleinkinder. Seitdem folgten:
Babysitting (15 Monate), Kinderspielplatz (19 Monate), Windelathleten (19 Monate), Zoobesuch (21 Monate), Türverriegelung (2 Jahre, 5 Monate), aus der Perspektive eines Kindes und (fehlende) Energie (2 Jahre, 5 Monate).