Sonntag, 8. August 2021

Der schweigende Stern

1960 kam in beiden deutschen Staaten der Science Fiction-Film "Der schweigende Stern" in die Kinos. Es war dies eine Koproduktion zwischen staatlichen Filmstudios aus Polen und der DDR. Es handelt sich um die Verfilmung eines Frühwerks des polnischen Autors Stanislaw Lem (Die Astronauten, 1951). 

Die Handlung ist schnell erzählt:

Die Welt ist friedfertig und Wissenschaftler*innen aller Länder arbeiten zusammen. Eine Metallspule mit Informationen wird in einer unwirtlichen Gegend gefunden und mit dem Tunguska-Explosion von 1908 in Verbindung gesetzt. In einer Teilübersetzung wird klar, dass es sich um eine bedrohliche Nachricht vom Planeten Venus handelt.

Eine geplante Marsmission wird stattdessen zur Venus geschickt. Das Landegebiet ist hochgradig radioaktiv verseucht und es werden Spuren eine ausgelöschten Zivilisation gefunden.

Die Zivilisation auf der Venus wollte die Erde angreifen, das Erkundungsraumschiff explodierte 1908. Auf der Venus fand ein Krieg statt und mit der Waffe, welche die Erde zerstören wollte, löschte sich die Zivilisation aus.

So weit.
Großartig ist, dass dieser Film während des kalten Krieges entstand und ein klares Plädoyer gegen Atomwaffen formuliert. Auf der Venus sind nur noch Schatten von den verdampften Bewohner*innen an einzelnen Wänden vorhanden. Eine klare Referenz zu Hiroshima und Nagasaki, wo auch von einigen Menschen nur noch dieser Schatten blieb. Die Welt ist friedfertig, eine wissenschaftliche Ratsversammlung zeichnet sich vor allem durch ihre Diversität (Männer & Frauen, Alte & Junge aus vielen Ländern) aus. 

Der Spannungsbogen ist gering und die Tricktechnik wirkt kurios, doch es ein angenehmes Gegenstück zu US-Produktionen wie "Invasion of the Body Snatchers" (1956) oder "Village of the Damned" (1960), die subtilen Antikommunismus pflegen.

Der schweigende Stern
DDR / Polen 1960
Regie: Kurt Maetzig
(unter den Schauspielerinnen ist u. a. die junge Eva-Maria Hagen als Reporterin zu sehen)



Sonntag, 25. Juli 2021

Regionaler Klimawandel Hannover - Jahrestemperatur


Habe aus meiner Datenbank von Werten der offiziellen Wetterstationen für jeweils 30 Jahre die durchschnittliche Jahrestemperatur von Hannover berechnet.

Der Klimanormalwert liegt für Hannover, wenn nur die Dekadenwerte genommen werden, bei 8,7 bis 9,1°C. Seit den späten 1980-er Jahren kommt es zur kontinuierlichen Erwärmung.

Abbildung 1: 30-Jahre-Mittelwert (gleichtender Durchschnitt

Diese und die folgende Abbildung sind sehr groß. Details sind bei einem Klick auf die Abbildung zu sehen.

Was ist zu sehen? In grau ist der Klimanormalwert zwischen 8,7 und 9,1° zu sehen. Bis zum Beginn des Klimawandels gab es drei Mal zu warme Durchschnittswerte und einmal einen zu kühlen Durchschnittswert. 

Ende der 1990-er Jahre wird der Bereich der normalen Temperaturen verlassen und erreichte Ende 2020 einen 30-Jahre-Durchschnittswert von 10,1° C.

Abbildung 2: Jahrestemperatur und 30-Jahre-Mittel


 Die Jahrestemperatur zeigt eine deutliche Variabilität. Hellblau wurde die Quartale eines Jahres markiert, wo die Jahrestemperatur mehr als 1°C niedriger als der Klimanormalwert von 8,9°C für den Zeitraum 1961-1990 war. In den frühen 1960-er lag die Jahrestemperatur sogar mehr als 2°C unter dem Normalwert. 

In gelb sind Abweichugnen von mehr als 1°C höher als der Normalwert markiert. Zwischenzeitlich gibt es sogar Abweichugen von mehr als 2°C.

Sonntag, 25. April 2021

Impftermin

Ein kleiner Schritt für die Menschheit,
Ein großer Sprung für mich.

(Frei nach Neil Armstrong 1969)

Heute war mein Termin im Impfzentrum auf dem Messegelände Hannover. 

Es wurde eine Radtour (je 11 km) mit einer Pause zum Impfen. Ich war jetzt schon dran, da für mich § 6 Absatz 7 der Coronavirus-Impfverordnung (Vorerkrankung) gilt.

In zwölf Schritten, davon acht administrative wurde ich durch die Messehallen 26 und 25 geleitet.

16:35 Uhr Eintritt in Halle 26

Handdesinfektion und Temperaturmessung (Person A)

1. Schalter (B): Nr.  wurde ausgedruckt, die bestimmte an welchem Schalter eine erste Überprüfung der Dokumente erfolgt. Es sind mehr als 20 Schalter und auf dem Weg zum Schalter 14 sah ich, dass mehr als die Hälfte an eine Sonntagnachmittag besetzt waren.

2. Schalter (C): Durchsicht der Papiere auf Vollständigkeit, Kontrolle von Papieren mit Angaben auf dem Personalausweis. Befestigung eines vonn Musikfestival bekannten Papierstreifens an einem Armgelenk. Die Farbe definiert welcher Impfstoff benutzt wird. Ein zweiseitiger Fragebogen wurde übergeben.

Ausfüllen des Bogens an einer Zwischenstation. Sowohl auf der Vor- als auch auf der Rückseite musste unsinnigerweise Name, Vorname, Geburtsdatum und Adresse eingetragen werden. Freundliche Mitarbeiter*innen der Johanniter gingen herum, und sprachen andere Schreibende an, wenn diese beim Ausfüllen zögerten.

3. Schalter (D): Überprüfung der soeben gemachten Angaben. Nachfrage ob wirklich wie angekreuzt kein Arztgespräch gewünscht wird.

Verlassen der Halle 26 und Wechsel zur Halle 25. Erneuerte Handesinfektion.

4. Schalter (E): Überprüfung der Papier, ob ich hier richtig bin.

16:50 Uhr Mitarbeiter (F) weisst einem ein Stuhl vor einem der Artzzimmer zu

5. Arztzimmer (G). Frage der Ärztin nach Gesprächsbedarf wurde verneint und mein Impfpass wurde abgestempelt  und unterschrieben.

Warten in einer Zwischenzone. Mitarbeiterin der Johanniter (H) führte mich zu einem von vielen Impfzimmern. Dies war ein Zimmer wo noch eine Spritze BioNTech vorhanden war.

6. Impfzimmer. Eine Frau nahm meine Papier (I) und eine weitere (J) bat mich, mich zu setzen un den Oberarm frei zu machen.

17:00 Uhr Piks

Warteraum für unmittelbare Reaktion auf die Impfung. Mitarbeiterin (K) kam und schnitt den Papierstreifen vom Handgelenk.

7. Schalter. Ausgangskontrolle (L)

8. Schalter. Abgabe der Papiere (M), die abgeheftet wurden.

17:15 Uhr Verlassen der Halle 25

40 Minuten, acht Schalter und 13 Personen bis zur vollendeten 1. Impfung.

Es war viel los: Habe draußen dreimal für eine Minute die Zahl der Geimpften, welche die Halle verließen gezählt: 8, 8, 7. Das wären 420 bis 480 Impfungen/Stunde an einem Sonntagnachmittag.


Es war ein schöner, sonniger, wenn auch bitterkalter Nachmittag mit einer schönen Radtour einmal quer durch Hannover.

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Science Fiction Film and Failure

In jedem Jahr gibt es die 1-2 Filme, die wirklich als Science Fiction verbleiben. Noch Jahre später werden diese Filme für ihren visuellen Ausdruck und für ihre Ideen geschätzt.
Doch dann gibt es jedes Jahr viele Filme, die von den Verleihern und der Werbung als Science Fiction bezeichnet werden, aber denen Science fehlt und wo die Fiction sehr schwach ist.
Ad astra - Zu den Sternen ist ein negatives Beispiel. Die Geschichte handelt in einer nahen Zukunft, doch mangelt es an wissenschaftlicher Entwicklung. Es ist ein Psychodrama mit großartigen Schauspielern, aber die die Geschichte könnte auch in einem Western erzählt werden. Geradezu peinlich ist die Manie einiger Produzenten und Regiseure, die meinen, das eine Spannung daraus entsteht, dass ein Einzelner die Welt zerstören möchte. Es ist die lauwarme Weltsicht, dass alles OK ist und einzelne Gruppen ("Piraten auf dem Mars" - Was für ein Schwachsinn !) oder Individuen (der Vater der Hauptrolle) diese Normalität gefährden. In Filmen wie Ad astra werden auch ständig Personen getötet, um eine Spannung in eine schlechte Erzählung zu bekommen. Was ist daran spannend darüber zu rätseln, welche Nebenrolle als nächstes sterben wird?

Als ich den Film zum zweiten Mal sah, dachte ich vorher, das ich den Film noch nicht kenne. Irrtum, der Film ist visuell und von seiner Erzählung so austauschbar, dass ich schlicht vergessen hatte, dass ich ihn schon einmal gesehen hatte.

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Ad Astra (USA 2019, 124 min., Regie: James Gray mit Brad Pitt, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland, Liv Tyler)

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Wenn Listen nicht so langweilig wären, würde ich jetzt eine Liste der gelungenen Science Fiction Filme der letzten 10 bis 25 Jahre dranhängen. 

Mittwoch, 2. Dezember 2020

Volksbegehren Artenvielfalt Endergebnis

Bis zum 13. November 2020 wurden Unterschriften zum Volksbegehren Artenvielfalt Niedersachsen von den Wahlämter der Gemeinden auf ihre Gültigkeit überprüft und registriert.

Dies ist mein vierter und abschließender Bericht über das Volksbegehren. Diesmal mit dem Endergebnis.

Insgesamt 162.530 wahlberechtigte 'Niedersachsen*innen unterstützten die erste Phase des Volksbegehrens. Dies entspricht 2,67%. In dieser ersten Phase hätten wir nur 25.000 Unterschriften sammeln müssen, um dann das eigentliche Volksbegehren zu beantragen und dann noch weitere sechs Monate noch intensiver Unterschriften zu sammeln.

Die folgende Karte der Sammelergebnisse in den Landtagswahlkreisen zeigt eine erhebliche Varianz. Wolfsburg (Wahlkreis Nr. 07) war und blieb dem Volksbegehren fern. Nur 0,7% der Wahlberechtigten unterstützen das Volksbegehren. Der Südosten hat mit der Ausnahme der Universitätsstadt Göttingen (Nr. 17) zeigt generell nur eine geringe Zustimmung zu den Zielen des Volksbegehrens. Das Oldenburger Münsterland, wo die industrielle Fleischproduktion das Grundwasser ruiniert, hält auch nicht vom Völksbegehren.


Die höchste Zustimmung zu den Zielen des Volksbegehrens stammt aus der Universitätsstadt Oldenburg (Nr. 62-63) mit 5,71% der Wahlberechtigten. Gute Werte gibt es nördlich und westlich von Bremen und in Buxtehude (Nr. 55). Rund um Hannover (Nr. 24-28) gibt es auch sehr gute Werte.

Die Ziele des Volksbegehrens wurden mit einem Gesetzespaket beschlossen. Es ist offensichtlich, dass die Landesregierung eine Blamage kurz vor der Kommunalwahl vermeiden wollte. Die Motivation der Sammler*innen war sehr hoch und wir hätten bis Juni 2021 trotz Corona und der Propanda der Agrarlobby die notwendigen mehr als 600.000 Unterschriften eingesammelt. 

Nun ist es an uns, der Regierung weiterhin auf die Finger zu schauen, dass die ausführenden Verordnungen keine Verwässerung der neuen Gesetze ermöglichen. Die CDU-Agrar-Lobby ist stark und es ist zu befürchten, dass vor allem mit Übergangsfristen von vielen Jahren das Artensterben erst einmal noch weitergehen wird.

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In einem Kommentar zum Beitrag wurde die Frage gestellt, ob die Bevölökerungsdichte der einzelnen Regionen Niedersachsen einen Einfluss auf das Endergebnis hatte.

Nein! Es gibt keine Korrelation zwischen Bevölkerungsdichte und Unterschriftenquote. Selbst wenn nur die Landkreise mit weniger als 500 Einwohnern/Quadratkilometer betrachtet werden gibt es nur eine Wolke mit wenigen Ausreißern, aber keinen Trend.

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Frühere Berichte mit Karte sind hier zu finden:

Zwischenstand vom 1. August 2020, vom 1. September 2020 und 1. November 2020

Dienstag, 10. November 2020

Volksbegehren Artenvielfalt - Ergebnis

Das Volksbegehren Artenvielfalt Niedersachsen wurde am 10. November beendet. Der niedersächsische Landtag hat den "Niedersächsischen Weg" beschlossen und damit viele Ziele des Volksbegehren übernommen.

Bis zum 1. November 2020 wurden in den Gemeinden bereits 138.118 gültige Unterschriften registriert. Dies entspricht 2,3% der wahlberechtigten Bevölkerung. In diesen ersten Schritt des Volksbegehrens hätten wir nur 25.000 Unterschriften vorlegen müssen, um in Anschluss das eigentliche Volksbegehren zu beginnen. Bis Mitte Juni hätten wir die Zahl der Unterschriften auf über 600.000 Unterschriften entsprechend mindestens 10% der wahlberechtigten Bevölkerung steigern müssen. 

Mit dem Enthusiamus hier in Hannover, wo bereits 10.737 gültige Unterschriften registriert wurden (entsprechend 2,9%) hätten wir auch die notwendigen restlichen Unterschriften geschafft und vermutlich sogar deutlich mehr.



Die Beteiligung am Volksbegehren war in den Regionen sehr unterschiedlich. Die Beteiligung reichte von 0,5% im Wahlkreis 7 Wolfsburg (eigentlich eine Nichtbeteiligung) bis zu 5,1% in den Wahlkreisen 62-63 Oldenburg (Stadt). Artenvielfalt steht nicht auf der Agenda in vielen Landkreisen, die durch landwirtschaftliche Produktion im industrielle Maßstab geprägt sind. Warum es auch kein Thema im Osten des Landes war, bleibt mir ein Rätsel. 

Während in den Städten Oldenburg und Osnabrück (3,4%) viele Stimmen gesammelt wurden, waren es ansonsten die Umlandgemeiden von Hannover (3,4%), Vechta (3,7%), der Landkreis Oldenburg (3,8%), das Alte Land nördlich von Buxtehude (3,3%) Schaumburg (3,4%), Bergen (3,6%) und Bad Pyrmont (3,7%), wo die Sammler*innen auf großen Zuspruch trafen.

Ich freue mich, dass das Ziel des Volksbegehrens weitestgehend erreicht wurde, auch wenn es mich mehr gefreut hätte, wenn wir die Landesregierung noch ein halbes Jahr länger unter Druck gesetzt hätten und damit vermutlich weitere Zeile des Volksbegehrens erreicht hätten. 

Für die Dynamik siehe die beiden früheren Beiträge zum stand des Volksbegehrens am 1. September und am 1. August. Es ist dabei zu beachten, dass der Maßstab für die Farbgebung jeweils angepasst wurde.

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Zahlenquelle: Bestätigte Unterschriften je Wahlkreis nach Information der Landeswahlleiterin veröffentlicht von der Inittiave Volksbgehren Artenvielfalt Niedersachsen.

Freitag, 18. September 2020

Volksbegehren Artenvielfalt - Zwischenstand September

Die Niedersächsische Landeswahlleiterin hat mit erheblicher Verzögerung der Initiative für ein Volksbegehren Artenvielfalt den Zwischenstand für den 1. September 2020 mitgeteilt. 

72.167 Menschen haben bereits eine bestätigte Unterschrift für das Volksbegehren abgeben. Ein großer Erfolg für die Initiativen und die vielen Menschen, die in der Familie, im Bekanntenkreis und auf der Straße Unterschriften sammeln.

Es liegen damit Unterschriften von 1,2 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung vor.

Im folgenden die Quoten für die einzelnen Landtagswahlkreise:

Diese Karte ist ein Update der Karte für den 1. August

Die Farben wurden beibehalten, aber die Legende verändert. Für den ersten August waren es Schritte von 0,4 Prozent zwischen den einzelnen Farben. Es gibt 60% mehr Unterschriften und nun sind es Schritte von 0,6%.

Was hat sich seit Anfang August verändert? Wo wurde erfolgreich gesammelt und wo gibt es eine Stagnation oder relativ gerignen Zuwachs an neuen Unterschriften.

Celle (Wahlkreis 46), Uelzen (WK 47), Cuxhaven (WK 57) Hadeln/Wesermünde (WK 58) und Papenburg (WK 82) wurden jeweils eine Farb-Stufe herabgesetzt.

Oldenburg Stadt (Wahlkreise 62-63), Lingen (WK 80), Leer (WK 83), Emden/Norden (WK 85) und Aurich (WK 86) wurden jeweils eine Farbstufe hoch gesetzt. 

Alle anderen Wahlkreise blieben in ihrer relativen Position zwischen 0,19 Prozent der Wahlberechtigten (WK 11 Salzgitter) und 2,44% (WK 36 Bad Pyrmont).
 

Donnerstag, 20. August 2020

Volksbegehren Artenvielfalt Niedersachsen - Zwischenstand August

Wir sammeln aktuell Unterschriften für das Volksbegehren Artenvielfalt hier in Niedersachsen. Dies ist ein zweiteiliger Prozess: Bis Mitte November müssen 25.000 gültige Unterschriften in den Einwohnermeldeämtern / Wahlämtern vorliegen. Dann können die 200 Initiativen bei der Landeswahlleiterin das eigentliche Volksbegehren beantragen. 

Nach der Genehmigung haben die Initiativen weitere sechs Monate Zeit um zusätzlich zu den Unterschriften der 1. Runde insgesamt 10 Prozent der Wahlberechtigten für eine Landtagswahl um Untersützung zu bitten.

Zum 1. August lagen bereits mehr als 45.000 gültige Unterschriften vor. Der 1. Schritt ist geschafft, dennoch wird wird bis Mitte November weitergesammelt. (Presseerklärung)

Mir liegen die Zahlen der Wahlberechtigten und der bisher als gültig anerkannten Unterschriften je Wahlkreis vor. Diese Zahlen habe ich graphisch umgesetzt:

25.000 Unterschriften entsprechen 0,41% der Wahlberechtigten.

Im Großteil von Niedersachsen wurde diese Quote erreicht. Ausnahmen sind im industriellen Fleischproduktionsbereich, alten SPD-Hochburgen an der Küste und in der Altindustrie (PKW, Stahl), dem Harz und Göttingen (Die Student*innen haben es bisher verschlafen).

Der relativ geringe Anteil in Hannover wird ein Ansporn sein, mehr Unterschriften zu sammeln.

Das Update für den 1. September ist hier zu finden.

Samstag, 25. Januar 2020

Krankheit Nationalismus

Na·ti·o·na·lis·mus (nat͡si̯onaˈlɪsmʊs), Substantiv, m

Nach ICD 12 eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis (F20.3). Im akuten Krankheitsstadium treten bei nationalistischen Menschen eine Vielzahl charakteristischer Störungen auf, die fast alle Bereiche des inneren Erlebens und Verhaltens betreffen, wie Wahrnehmung, Denken, Gefühls- und Gemütsleben, Willensbildung, Psychomotorik und Antrieb.
Die Krankheit wird seit dem frühen 19. Jahrhundert beschrieben. Sie wurde zunächst durch die Luft als Wort-Infektion verbreitet. Individuelle Erkrankungen können zu Epidemien werden und Bewohner von Regionen und Länder gefährden. Im 20. Jahrhundert starben viele Millionen Menschen an den Folgen des Nationalismus.
Heutzutage wird diese Ausbreitung von Worten in digitalen Medien beschleunigt und verstärkt.
Seit 2016 wird die USA von einer schweren Epidemie heimgesucht.

Sonntag, 9. Juni 2019

Europawahl 2019 im Stadtbezirk Hannover Vahrenwald-List

Habe für eine Analyse, die ich der Stadtteilgruppe Vahrenwald-List der Grünen vorstellte, einige Graphiken zur Europawahl erstellt.
Alle Zahlen für Hannover und dem Stadtbezirk Vahrenwald-List sind offizielle Wahlergebnisse, wie sie auf den Seiten der Stadt Hannover für jedes Wahllokale abgerufen werden können. 

1. Die bundesweiten Wahlumfragen der verschiedenen Umfrageinstitute sahen Die GRÜNEN bis kurz vor der Wahl bei 18-19%. Es wurden schließlich 20.5% der gültigen Stimmen und 21 Sitze im Europaparlament.

2. Die Zahl der Einwohner von Hannover nahm zwischen dem 1.1.2014 und dem 1.1.2018 um 17.000 zu. Die Zahl der Wahlberechtigten nahm 3.200 ab.
Die Zahl der gültigen Stimmen nahm um 62.500 zu.
73.600 Wähler setzten ihr Kreuz bei den Grünen (+42.300). Dies entspricht 31.1% der gültigen Stimmen.

3. Es gibt ausgeprägte Hochburgen der Grünen. In Linden (Nord-Mitte-Süd), Calenberger Neustadt, Neustadt und Oststadt waren es jeweils mehr als 38,5%. In diesen Stadtteilen plus Mitte, Südstadt, List und Limmer sind die Grünen die dominante Partei, d.h. hier, dass sie mehr Stimmen erhalten haben als CDU und SPD zusammen.
In der Peripherie haben die Grünen unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielt.

4. Grüne Hochburgen zeichnen sich durch eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche Wahlbeteiligung aus. Außer im großbürgerlichen Isernhagen-Süd (die letzte echte CDU-Hochburg!) sind Stadtteile mit hoher Wahlbeteiligung auch gleich Bereiche mit hohen Grünen Stimmenanteil.

5. Es gibt eine signifikante Korrelation zwischen der Wahlbeteiligung und dem grünen Stimmenanteil. Um so höher die Wahlbeteiligung, um so höher der Anteil der Grünen.
Eine ähnliche klare Korrelation gibt es bei der AfD. Um so höher die Wahlbeteiligung, um so niedriger deren Stimmenanteil.
6. Nun beginnt der Blick auf den Stadtbezirk Vahrenwald-List. Hierzu muss eine Einschränkung gemacht werden. Die Ergebnisse der Wahllokale repräsentieren nur 72,2% der abgegebenen Stimmen. 27,8% der gültigen Stimmen wurden vorab als Briefwahl abgegeben.
Die Grünen sind stärker im Ergebnis der Wahllokale als bei der Briefwahl.
2014 stimmten 19,6% der Briefwähler*innen für die Grünen und 22,1% der Wählenden in den Wahlokalen.
Es gab 2014 sehr ausgeprägte Hochburgen um den Bonifatiusplatz bis hin zur Röntgenstr. Im Norden von Vahrenwald erreichten die Grünen nur wenige Wählende.

7. Der Stadtbezirk hat sich zwischen 2014 und 2019 deutlich verändert. Insbesondere Neubaugebiete haben die Zahl der Wahlberechtigten deutlich erhöht. 

8. Die Grünen haben ihren Stimmanteil um 14% gesteigert. In drei Wahllokalen der List erreichten die Grünen mehr als 50% der Stimmen. in 25 von 33 Wahlokalen in der List und in 6 von 18 Wahllokalen in Vahrenwald waren die Grünen die dominante Partei, d.h. sie erhielten mehr Stimmen als CDU und SPD zusammen.

9. Selbst in einigen Hochburgen kam es zu einer überdurchschnittlichen Verbesserung des grünen Stimmenanteils. Einige Wahllokale in Vahrenwald, wo die Grünen 2014 noch niedrige Stimmanteile hatten, gehören zu den Bereichen mit überdurchschnittlichen Zuwachs.

10. Die letzte Abbildung ist der AfD gewidmet. Mit der Ausnahme des Wahllokals 1008 (eines von sieben Lokalen im Freizeitzentrum Vahrenwald) gilt, dass dort wo die Grünen stark vertreten sind, die AfD unterdurchschnittlich vertreten ist.

11. Eine abschließende Bemerkung zu Briefwahl und Stimmabgabe in einem Wahllokal: 2014 gaben im Stadtbezirk Vahrenwald-List 77,6% der Wählenden ihre Stimme im Wahllokal ab. 2019 waren dies nur noch 73,8%. Der Trend zur vorzeitigen Stimmabgabe nimmt zu. In absoluten Zahlen nahem die Zahl der Briefwählenden von 5.378 auf 8.709 zu.
Es gibt deutliche Unterschiede im Wahlergebnis zwischen den ausgezählten Briefwahlstimmen und den Stimmen in den Wahllokalen. Die Grünen und die AfD mobilisieren ihre Wählenden stärker für eine direkte Stimmabgabe. Der höhere Anteil der Stimmanteile für die "Große" Koalition hat sicherlich mit deren höheren Stimmanteil bei den Wählenden über 60 Jahren zu tun.