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Donnerstag, 7. Juli 2016

Klimawandel und Klimanormalwert CLINO

Die Klimatologie und Meteorologie hat für ihre Wetterstationen langjährige Mittelwerte der jeweiligen Messwerte. Langjährige heißt in diesem Fall 30 Jahre, dies ist die international definierte Periode für Angaben, die sich in Klimadiagrammen finden.
Wenn in den Medien zu hören oder lesen ist, dass ein Monat wärmer/kälter, trockner/nasser, trüber/sonniger war, sollte stets die Referenzperiode beachtet werden. International wird die Klimanormalperiode 1961-1990 (V. CLINO) als Grundlage für klimatische Vergleiche gewählt. Seitdem gibt es zwei weitere Perioden (1971-2000 und 1981-2010).
In meinen Wetterberichten für Hannover verwende ich stets die CLINO-Periode 1961-1990. Es erscheint mir problematisch, dass in der Darstellung vieler Medien als Referenz die Jahre 1981-2010 verwendet werden. Der Klimawandel ist seit den späten 1980-er Jahren signifikant. Jeder Vergleich des aktuellen Wetters mit einer jüngeren Periode rechnet die Abweichung (=Klimawandel) herunter (ein Beispiel aus der Wikipedia).

Zu sehen ist die Veränderung des langjährigen Mittelwerts für drei CLINO-Perioden für den Monat April. Die durchschnittliche Monatstemperatur ist von 7,8° (1961-1990) auf 8,9° (1981-2010) gestiegen. Die durchschnittliche Zahl der Sonnenstunden stieg parallel von 150,2 (1961-1990) auf 166,2 (1981-2010).

Der durchschnittliche monatliche Niederschlag hat deutlich abgenommen, von 49,5 (1961-1990) auf 39,6 mm (1981-2010).

Hier im Blog habe ich ausgeführt, dass der April der signifikante Monat für den regionalen Klimawandel in der Region Hannover ist. Er ist gleichzeitig signifikant wärmer, trockener und sonniger, als der CLINO 1961-1990. Wenn der April 2016 mit dieser Referenz verglichen wird, war der Monat zu warm, zu trocken und ein wenig zu sonnig.

Hier nun im Vergleich, wie sich die drei Messwerte verändern, wenn die verschiedenen CLINO-Perioden angewendet werden.


Von einem leicht zu warmen Monat (+0,7°) wandelt sich der April 2016 durch andere Referenzwerte in einem leicht zu kühlen Monat (-0,4°).


Von einem deutlich zu trockenen Monat (66%) wandelt sich der April 2016 in einen "normalen" Monat (82%).


Die Sonnenscheindauer im April 2016 reduziert sich von 112% des langjährigen Mittels (1961-1990) auf 101% (1981-2010).

Wenn am Ende eines Monats oder Jahres in den Medien eine Aussage zum abgelaufenen Zeitraum gemacht, sollte stets die Klimareferenz hinterfragt werden.

Donnerstag, 27. November 2014

Interstellar 2014 Christopher Nolan

"Do not go gentle into that good night" (Dylan Thomas)
Interstellar (USA, UK 2014), 169 Minuten
Regie: Christopher Nolan

Science Fiction ist oftmals ein Vehikel um Themen außerhalb der technischen oder sozialen Weiterentwicklung der Wirklichkeit darzustellen. Amüsiert erinnere ich mich an Star Trek Voyager, denn mehrmals war der Kern eines Sprichworts das eigentliche Thema einer Folge.

Interstellar von Christopher Nolan beginnt als Dystopie auf der Erde und es wird nach einer Lösung für das Überleben der Menschen außerhalb der Erde gesucht. Es geht aber vor allem um die Familie, die Liebe eines Vaters für seine Kinder und die Frage, wie die Eltern ihre Kinder beeinflussen und wie diese ihre Eltern in Erinnerung behalten. Die Eltern werden zu Geistern in den Familien der Kinder. Die Werte, das Verhalten und die Worte aus der Kindheit werden immer wieder thematisiert und damit wirken sie über ihre Generation hinaus, auch wenn sie nicht anwesend sind.

Dieser SciFi handelt auf der Erde nur an wenigen Orten, aber dennoch wird von einer globalen Katastrophe erzählt. Die Dystopie in den USA (Ernteausfälle, Sandstürme) ist Quark und Christopher Nolan zeigt damit nur einen dramatischen Hintergrund für seine Familien, den Willen zum Überleben und seine Weltraumgeschichte.
In der Weltraumgeschichte werden verschiedene theoretische Konzepte und Theorien thematisiert. Ist Schwerkraft Teil einer 5. Dimension? Was ist Zeit? Gibt es Wurmlöcher und wie würden diese aussehen? Was für physikalische Phänomene sind im Umfeld eines Schwarzen Loches zu erwarten und was passiert in seinem Inneren?

Christopher Nolan hat hierfür großartige visuelle Ideen verwirklicht. Das sind diese Momente, wo man weiß, warum noch so gute private Unterhaltungselektronik kein Kino und seine Raum greifenden Bilder ersetzen kann. Beispielhaft ist die Darstellung des riesigen Raumschiffs als verschwindend kleines Objekt in der Nähe der Ringe des Saturns.
Das gleiche gilt für den Klang. Privat gebe es immer eine akustische Ablenkung, aber im Kino ist die Stille wie auch der Lärm beeindruckend. Dies zeigt sich besonders schön, wenn zwischen einer Außenansicht auf ein Raumfahrzeug und der Kabine hin und her geschnitten wird. Physikalische Belastungen führen zu ohrenbetäubenden Lärm in der Kabine und außen ist pure Stille. Doch leider wurde wie schon so oft im Cinemaxx der Ton deutlich zu laut gedreht. Selbst die normalen Sequenzen sind bereits lauter als notwendig.
Die Musik ist bemerkenswert. Ohne vorherige Informationen saß ich im Kino und ich dachte bei einem Teil der Minimalmusik, dass Philip Glass der Komponist sein müsste. Wie war ich erstaunt, als im Abspann Hans Zimmer genannt wurde.

Leider ist die letzte halbe Stunde nicht ausgegoren (Vater als Geist und Erwachen in der realen Welt der Cooperstation).

"Geh nicht gelassen in die gute Nacht."

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Der Film wird von mir mit 7 von 10 möglichen Punkten bewertet.

Montag, 8. September 2014

Zitat Gisbert Haefs 6 - Grübelei

In den Sammelband "Die Reisen des Mungo Carteret" (2007) werden fünf Kriminalfälle mit Beobachtung und Intuition durch den genannten Detektiv gelöst.
Die Erzählungen stammen aus den Jahren 1989 bis 2007 und handeln in einer fernen Zukunft, in der die Philosophie der Noastoa eine ironische ganzheitliche Sicht auf das Wirken der Menschen und ihrer Zivilisation pflegt.
Hier einer der Sprüche eines Noastoikers:
Man kann aus Versehen glücklich werden und aus Dummheit klug, aber nicht durch Denken gescheit.
(Gisbert Haefs (1989) "Wanderlust", in "Die Reisen des Mungo Carteret", S. 23-24)



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Habe drei Buchnotizen zum Werk und zwei weitere Zitate aus weiteren Werken von Gisbert Haefs gebloggt:

Samstag, 26. April 2014

Bürger schaffen Wissen - citizen science

Das Konzept ist simpel. Viele Menschen beteiligen sich an Forschungsprojekten ohne Fachwissenschaftler zu sein.
Ich kannte dies bisher schon bei der Erforschung der deutschen Sprache (Atlas zur deutschen Alltagssprache) (mein Blog-Beitrag), zur Ausbreitung der Influenza (mein Blog-Beitrag) und die verschiedenen Aktionen von Naturschutzverbänden zur Zählung von Vögeln (NABU Wintervögel oder allgemeiner Singvögel).
Das Museum für Naturkunde in Berlin hat mit Mitteln des Bundesforschungsministeriums bürgerwissenschaftliche Projekte zur Lichtverschmutzung, zur Schmetterlingszählung und zu acht weiteren Themen gebündelt.

Ich kann mich noch an die 1970-er Jahre erinnern, in denen ich viele verschiedene Schmetterlinge im Laufe eines Sommers gesehen habe oder bei Waldspaziergängen die mächtigen Ameisenhaufen mit ihrem Gewimmel bewunderte. Beide Anblicke sind selten geworden. Wie auch der Blick auf die Sterne. "Damals" (es möge bitte nicht so antiquiert klingen) war am Nachthimmel von Brauel nur Richtung Hamburg und Bremen so ein Leuchten zu sehen, aber über mir war die Milchstraße. Diese sah ich in den letzten Jahren nur noch auf dem Land in Finnland und Ungarn.
(Lichtverschmutzung: Vordergrund Licht von Teneriffa lässt Wolke leuchten, Hintergrund Lichter von Gran Canaria und ihre Widerspieglung auf dem Meer)
Erst mit den Ergebnissen von vielen Menschen an vielen Orten wird deutlich, wie die Welt sich verändert. Es macht Spaß sich an solchen Projekten zu beteiligen.
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Dieser Beitrag wurde angeregt von einem Artikel von Manfred Ronzheimer in der taz vom 25. April 2014
Deutschsprachiger Artikel in der Wikipedia zu citizen science .

Donnerstag, 17. April 2014

2000 Afrikanische Hochschullandschaft

Baobab in NO-Tanzania (1987)
Im Wintersemester 1999-2000 arbeitete ich in einer Studiengruppe am Historischen Seminar der Universität Hannover. Wir erstellten ein Schulbuch für die Oberstufe zur außereuropäischen Geschichte.
In diesem Kontext erhielt ich eine Einladung, meine Studienerfahrung von der University of Dar es Salaam als persönliche Anmerkung zu einem Text über die afrikanische Hochschullandschaft zu verwenden.
Zum Sommersemester 2000 erschien die Hochschulzeitzeitschrift Nachlese mit dem Schwerpunkt "Afrika im 21. Jahrhundert". Auf vier Seiten beschrieb ich die Geschichte und Entwicklung der Universitäten in Afrika.
Da diese Publikation nur sehr schwierig zu erreichen ist, habe ich meinen Text nunmehr als pdf auf der Unterseite Wissenschaft verlinkt und das Dokument dort hinterlegt.

Der Text ist 13 Jahre alt und sollte auch so gelesen werden. Doch meine Aussagen zur Entwicklung der Hochschullandschaft ist immer noch gültig.


Hier kann das pdf-Dokument geöffnet und gelesen werden.

Sonntag, 23. Juni 2013

1. Tropentag 2013 in Hannover

Saharische Luft zusammen mit intensiver Sonneneinstrahlung führte am 19. Juni zum ersten Tropentag (=30,0°) des Jahres an der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Hannover-Langenhagen.
Tropentag Hannover, Definition

Tropentage sind in Hannover relativ selten auch wenn diese bedingt durch den Klimwawandel kontinuierlich zunehmen. Im langjährigen Mittel der Jahre 1961-1990 (Normalperiode der Weltorganisation für Meteorologie und Grundlage der weltweit vereinheitlichen Klimadiagramme) waren es 3 Tropentage. Für den Zeitraum 1981-2010 wurden bereits jährlich 6 Tropentage in Hannover registriert. Und dieser Trend hält an: 2001-2010 waren bereits 7,5 Tropentage.
Dies war ein herbeigewehter Tropentag. Die Saharaluft war nur vom 18. Juni an für zweieinhalb Tage prägend. Dann brachte eine Gewitterfront Niederschläge und kühlere Luft, so dass diese Episode sehr plötzlich endete.

Die Werte sind wie auch in all meinen anderen Berichten von der DWD-Wetterstation Hannover-Langenhagen, also einer Station außerhalb der so genannten städtischen Wärmeinsel.
Einer meiner Lehrer war Prof. Wolfgang Eriksen (Klimageographie, UNI Hannover) und er hatte hier im Stadtgebiet von Hannover in den 1970-er Jahren Wärmeinseln von 4° und mehr über den Temperaturen am Stadtrand und der Wetterstation festgestellt. Gebäude und versiegelte Flächen sind Wärmespeicher und die dichte Bebauung verhindert einen schnellen Wärmeaustausch. Diese Ergebnisse wurden seitdem wieder und wieder weltweit in vielen weiteren lokalen Studien bestätigt und so sollte für die Innenstadt von Hannover jeweils 2-4° mehr angenommen werden, als in den Messungen und meinen Darstellungen zu sehen sind.
Mit diesem Zuschlag zu den offiziellen Temperaturmessungen wird auch noch deutlicher, welche negative Bedeutung diese Hitzeperioden für viele Menschen haben. Hohe Temperaturen am Tage führen bereits zu Kreislaufproblemen, aber die dann folgenden Tropennächte (Tiefsttemperatur (=20,0°) bieten den Körper nur wenig Erholung und gefährden damit weiter die Gesundheit.
Tropentag Hannover, Stadtklima, Wärmeinsel

Für die zweite Abbildung habe ich die obige Abbildung an die Aussage über die Wärmeinsel angepasst. Für die farbliche Darstellung wurden die Werte um 2-4° erhöht. Danach sind es drei Tropentage in der Innenstadt gewesen, die von zwei Tropennächten unterbrochen wurden. Der Spitzenwert liegt nun bei 34-36°.

Wenn die Wärmeinsel Stadt berücksichtigt wird, dann sind für Hannover im langjährigen Mittel statt der oben genannten 3 Tropentage jährlich 9-18 Tropentage zu erwarten.
DWD-Wetterdaten der Station Hannover-Langenhagen (über Klima+Umwelt / Klimadaten erfolgt der Zugang zu den kostenfreien Statistiken)

Wolfgang Eriksen "Klimatologisch-ökologische Aspekte der Umweltbelastung Hannovers - Stadtklima und Luftverunreinigung", in: Ders. und Adolf Arnold (Hrsg.) "Hannover und sein Umland", Hannover 1978, S. 251-273.
Wikipedia-Artikel "Städtische Wärmeinsel"
2012 habe ich einen Blick auf die Entwicklung der Zahl der Tropentage der letzten 60 Jahre geworfen. Die durchschnittliche Zahl der Tropentage pro Jahr hat sich verdoppelt (siehe Beitrag Tropentage in Hannover).
In einen weiteren Beitrag zum 1. Tropentag 2015 thematisiere ich die importierte Wärme. Wenn Anfang Juni bereits ein Tropentag in Hannover registriert wird, hat dies oftmals mit einer Warmfront oder warmen Luftströmung zu tun.

Dienstag, 18. Juni 2013

Fiscal-Verbrecher: Portcullis TrustNet Chambers

Ich mache keinen Hehl daraus, dass jene Firmen, welche den Superreichen helfen, Steuern zu hinterziehen, für mich verbrechen sind.
Offshore-Leaks hat nun seine Datenbank der Beteiligungen und Netze von Institutionen und Firmen in den britischen Offshore-"Staaten" wie British Virgin Islands, Guernsey, Cayman Island, etc. veröffentlicht.
Ich habe vor Wochen bereits über die Deutsche Bank und ihre dubiosen Dienstleistungen zur Vermeidung von Steuerzahlungen berichtet.
Das Stichwort Deutsche Bank führt bereits zu vielen Treffern, doch dann versuchte ich einige der Namen, an denen die Deutsche Bank beteiligt ist und stieß dabei auf die Portcullis TrustNet Chambers (P.O. Box 3444 - Road Town, Tortola) auf den British Virgin Island. Dies ist einer der großen Verschleierer von Geldtransaktionen. Unter der genannten Adresse werden die Interessen von 37.338 Investment Ltd, Development Group Ltd, Family Trust, Global Holding Corporations, etc. pp. verwaltet.

Siebenunddreißigtausend! Noch Fragen?

Ach ja Road Town hat etwa 8.500 Einwohner, die Insel Tortola 14.000 und die gesamten British Virgin Islands 31.000 Einwohner.

Bei Wikipedia fand ich die folgende schöne Formulierung:
"Portcullis TrustNet liefert maßgeschneiderte Lösungen für die Verbringung von Vermögen in Steueroasen. Über die Portcullis TrustNet-Group vermittelte die Filiale der Deutschen Bank in Singapur 308 Offshore-Firmen. Neben der Deutschen Bank gehören unter anderem die Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS zu den Geschäftspartnern von Portcullis sowie die Unternehmensberater PricewaterhouseCoopers, Deloitte und KPMG"
(Quelle: Wikipedia-Artikel: Portcullis TrustNet)

Samstag, 9. Februar 2013

versteht nix - doof, dumm und blöd

Im Niederländisch-Unterricht der Volkshochschule haben wir uns auch über "falsche Freunde" unterhalten. Die Linguistik versteht darunter Wörter, die in zwei Sprachen in gleicher oder ähnlicher Schreibweise vorkommen, aber abweichende Bedeutung haben.
Bekannte Beispiele aus benachbarten Sprachen sind u.a. Gymnasium (im Englischen eine Sporthalle), Gift (Geschenk, Gabe im Englischen), Akte (Handlung im Französischen aber mit c), Batterie (Schlagzeug im Französischen), Kamera (Zimmer im Italienischen mit c), Latte (Milch im Italienischen), Firma (Unterschrift im Spanischen), Tapete (Teppich im Portugiesischen), etc., pp.

Doch mir geht es hier um deutsche Wörter, genauer Schimpfwörter, welche im Sinne von "versteht nichts" gebraucht werden.
Doof, dumm und blöd sind viele Menschen, doch zumindest eines dieser Wörter hat im heutigen Niederländischen noch immer dieselbe Wortbedeutung, die es auch einmal im Deutschen hatte.

Doof kommt aus dem Plattdeutschen und bedeutet dort wie auch im Niederländischen taub, nicht hören können. Doof im heutigen Wortsinn heißt im Niederländischen übrigens "stom" und kommt wiederum vom stumm, nicht reden können. Dieses Wort ist im Deutschen die Grundlage für dumm.
Blöd war vor einigen Jahrhunderten ein Wort für schüchtern, zart oder zaghaft und im Niederländischen überlebte es im Wort bloode bis ins 20. Jahrhundert. Die Wortbedeutung hat im Deutschen auch noch geringe Spuren, wenn vom blöden Magen oder der blöden Leber gesprochen wird, dann ist es eine Beschwerde, dass das genannte Organ zu zart und empfindlich ist und Probleme bereitet.

Der Doofe, Dumme und Blöde ist also jemand, der entweder aus körperlichen Schäden oder fehlender Stärke nicht den Erwartungen an notwendiger Gesundheit und Härte entspricht.

Quellen: Grimm "Deutsches Wörterbuch", Kroes "Duitsch Woordenboek", Van Dale "Nederlands", Wikipedia "Liste falscher Freunde"

Dienstag, 3. Juli 2012

Zum Geheimdienst "Verfassungsschutz"

Zum Frühstück höre ich Radio und bei der früh morgendlichen Presseschau fing das Ärgern an. Einige Printmedien, aber auch das Radio verbreiten ein Missverständnis, dass sich in viel zu vielen Köpfen bereits festgesetzt hat.
Der Verfassungsschutz macht vieles, aber er schützt nicht die Verfassung. Der so genannte Verfassungsschutz ist ein Euphemismus.
Definition Euphemismus, Beispiele Euphemismus, Neusprech, Orwell 1984
Es handelt sich um den zentralen Inlandsgeheimdienst und dieser ergänzt die Geheimdienste für die Beobachtung des Auslands (BND) und Militär (MAD). Der "Verfassungsschutz" im Bund und die 16 unabhängigen Geheimdienste gleichen Namens in den Bundesländern schützen nicht die Verfassung, sondern beschädigen diese fortlaufend. Sie unterlaufen die Grundrechte und sind keiner wirklichen Kontrolle unterworfen, wie aktuell einmal mehr festgestellt wird.

Der Charakter des Geheimen beinhaltet das Täuschen, Betrügen und Lügen, die auch als spezifische Berufskrankheit (déformation professionelle) bekannt ist. Einen aktiven "Schlapphut" würde ich deshalb niemals glauben.
Untersuchungsausschüsse, welche Skandale der Geheimdienste untersuchen, unterliegen wiederum der Geheimhaltungspflicht und können deshalb bereits strukturell das grundlegende Problem nicht lösen.
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Euphemismus und Neusprech in der Wikipedia.

Montag, 2. Juli 2012

Abrahamstag = 50. Geburtstag

Nachdem ich zum Abrahamstag eingeladen habe, sollte der Name vielleicht erläutert werden.
Im Neuen Testament der Bibel wird im Johannes-Evangelium im Kapitel 8, Vers 48-59 ein Streit im Tempel zu Jerusalem zwischen den Schriftgelehrten und Jesus erzählt. Dabei stellen die Gelehrten die Fragen: "Du bist noch keine fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?" (Joh.8,57)

Die Fünfzig steht hier nicht für das vollendete 50. Lebensjahr, sondern ist ein Ausdruck für das Erreichen einer bestimmten Reife.

Volkskultur und hier vor allem niederländische Traditionen haben den 50. Geburtstag zum Abrahamstag gemacht.
In der Niederlande mit seinen zum Teil ironischen Traditionen (Scherzgeschenke an Erwachsene zu Weihnachten) wird am 'Abrahamsdag' dem männlichen Geburtstagskind vor sein Haus eine sehr große Figur gestellt, die Abraham darstellen soll. Einer Frau wird eine Figur, welche Sarah - die Ehefrau von Abraham - darstellt, vors Haus gestellt.

So kann man sein Alter nicht verstecken.

Da die Bibel dem Alter von Sarah keine Bedeutung beimisst, ist hier deutlich zu erkennen, wie sich ein Spruch aus der Bibel von seiner eigentlichen Geschichte emanzipiert hat. Es ist eine erfundene Tradition, wie fast alle sogenannte Traditionen.
In den Niederlanden wurden Abraham und Sarah zu Festtagen durch die öffentlich gefeierten 50. Geburtstage von Königin Juliana (30. April 1959) und Prinz Bernhard (29. Juli 1961). Damals etablierten sich diese Namen und seitdem wird dieser Geburtstag in der Niederlande von vielen Menschen als Abrahams/Sarah-Tag gefeiert.

Diese erfundene Tradition wurde über die Jahre erweitert. Der 60. Geburtstag heißt nun Isaak- bzw. Elisabeth-Dag, der 70. Geburtstag ist der Jacob- bzw. Anna-Dag, der 80. Geburtstag der Jozef- bzw. Deborah-Dag, der 90. Geburtstag der Antonius- bzw. Ruth-Dag und schließlich erhielt der 100. Geburtstag den Beinamen Methusalem- bzw. Judith-Dag.

Quellen: Erzählungen der Familie, Bibel und www.abrahamsara.nl

Montag, 14. Mai 2012

Straßennamen-Benennung als Ehrung für Jahrhunderte

(14. Mai 2012)
Straßennamen erinnern mich stets daran, dass die wohl größtmögliche Ehrung bzw. Demütigung, die einem Menschen widerfahren kann, die Benennung eines Ortes, Objektes, Preises, einer Krankheit oder Eigenschaft ist.
Um mit einem negativen Beispiel anzufangen, sei auf den österreichischen Schriftsteller Leopold von Sacher Masoch (1836-1895) verwiesen, der sich bestimmt nicht gewünscht hat, dass der Psychiater Richard von Krafft-Ebing ihn 1896 als Namenspaten für den Masochismus einführte. Aktuell kämpft die Stadt Schmallenberg, dass ein sich ausbreitender Virus bei Schafen, Rindern und Ziegen nach ihr benannt ist, weil dort die ersten Fälle beobachtet wurden. Und das die Spanische Influenza (1918-1920) nicht von Spanien ausging, sollte auch schon lange bekannt sein. Das John Montagu, der vierte Earl of Sandwich (1718-1792) bis heute im Sandwich weiterlebt, ist dagegen eher amüsant. Doch auch eine Inselkette im Südatlantik wurde 1775 von James Cook nach dem Marineminister Sandwich benannt.

Straßennamen in jedem Ort erzählen etwas über seine Geschichte und die Namen auf den Schildern verweisen auf die Personen, die vom Stadtrat als wichtig erachtet wurden. Viele Orte haben aber auch Personennamen auf den Schildern, die keinen Bezug zu diesem Ort haben, aber aus politisch opportunen Gründen, verewigt wurden.
Während der Nazi-Zeit wurden viele Plätze und Straßen umbenannt, um die "neue" Zeit anzuzeigen. In neu bebauten Straßen und Plätzen wurden lebende und tote Götter und Götzen der Nazis geehrt. In Hannover wurden zum Beispiel die zentrale Bahnhofstr. in Adolf-Hitler-Straße und der Corvinusplatz vor der Stadthalle in Hermann-Göring-Platz umbenannt.
1945 bestand die Entnazifizierung u.a. auch darin, dass die alten Straßennamen wieder eingeführt wurden. In den neuen Straßen wurde offensichtlich nicht so genau hingeschaut und so verblieben Personen, die von den Nazis geehrt wurden, auf einigen Straßenschildern. Es fehlte damals auch die Entschlussfreude, die Ehrung von Militaristen und Kolonialisten zu beenden. Die britische Militärverwaltung kannte wohl nicht die unrühmliche Vergangenheit einiger Geehrter.

Sie jetzt wieder von diesen Straßenschildern zu entfernen ist mühsam und oftmals mit erheblichen Protest der Bewohner der Adressen verbunden.
Hier in Hannover war es zum Beispiel der Carl-Peters-Platz in der Südstadt, der seit 1916 diesen Rassisten und Mörder ehrte, der für das Deutsche Kaiserreich die Grundlagen der Kolonie in Ostafrika schuf. Das auf dem Platz von den Nazis errichtete Denkmal wurde schließlich 1988 um einen Text ergänzt und der Platz 1991 nach der Pazifistin, Schriftstellerin und Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner (1843-1914) benannt.

Hannover hat etwa 4.000 Straßen- und Platznamen und aus seiner Tradition als preußischer Garnisonsstandort finden sich noch Krieger und Nazis den Straßenschildern, die nicht geehrt werden sollten:
  • Alfred von Waldersee, verantwortliche General bei der Niederschlagung des so genannten Boxeraufstandes und Ehrenbürger (Walderseestr., Hannover-List, seit 1904)
  • Die dichtende Hitler-Verehrerin und Nazi Agnes Miegel (Miegelweg, Hannover-Badenstedt, seit 1965)
Die Lettow-Vorbeck-Alle (Hannover-Badenstedt, seit 1937), benannt nach Paul von Lettow-Vorbeck, Kommandant in Ostafrika im 1. Weltkrieg, der mit seiner Politik der verbrannten Erde mehr als 100.000 Menschen tötete, ist schon fast Geschichte. Ein wesentlicher Teil wurde bereits 1983 umbenannt und der Rest wird hoffentlich demnächst in Namibia-Allee umbenannt.

Hinzu kommen, all die Namen, die an die koloniale Vergangenheit erinnern sollen. In Hannover ist dies vermutlich auf Erich Obst, dem Autor des 13-bändigen Kolonialhandbuchs (1941-43), der bis 1938 und wieder ab 1945 Professor für Geographie war, zurückzuführen.
Die Erinnerung an die Kolonien in Afrika wurde im sogenannten Afrikaviertel in Hannover-Badenstedt durch die Ostafrikastraße, den Kamerunweg (früher Kamerunstraße, beide seit 1937), den Togoweg und die Windhukstraße (beide seit 1959) und allgemeiner durch den Savannenweg und den Safariweg (beide seit 1965) gepflegt. Früher wurden bereits die Afrikaforscher und Kolonialpolitiker Gustav Nachtigal (N-straße in Hannover-Südstadt, seit 1928) und Hermann Wissmann (W-straße in Hannover-Südstadt, seit 1928 - siehe auch meinen Beitrag zu Wissmann in Bad Lauterberg) mit einem Straßenschild geehrt. Hinzu kamen der Afrikaforscher Gerhard Rohlfs (R-straße in Hannover-Südstadt, seit 1939) und der einflussreiche Hamburger Kolonialhändler und -politiker Adolph Woermann (W-straße in Hannover-Badenstedt, seit 1939)

Nicht jedes Straßenschild muss neu beschriftet werden, manchmal reicht eine Erläuterung um aus einer Ehrung ein Denk-Mal zu machen und die Menschen daran zu erinnern, dass es schon immer Beispiele dafür gab, dass die Falschen geehrt werden.
Doch in Hannover hat man auch noch eine andere Lösung für die falschen Namen auf einem Straßenschild gefunden. Im Fall von Nachtigal und Wissmann gibt es noch andere Personen mit diesem Familiennamen, denen mit einem Straßenschild ein Denkmal gesetzt werden konnte. Jetzt hängen an den Straßenschildern Erläuterungen, die keinen Hinweis auf den ursprünglichen Namensgeber zeigen.
Das letzte kritisiere ich an der Umwidmung, Ohne den Halbsatz (Zunächst nach Gustav Nachtigal benannt, jetzt nach Johann Carl Christoph Nachtigal...) haben Menschen der Gegenwart und der Zukunft keine Möglichkeit die Entwicklung der Erinnerungskultur nachzuvollziehen und sich mit der Geschichte des Ortes und der dort geehrten Personen zu beschäftigen.
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Die Verknüpfungen führen in der Regel zu den biographischen Einträgen in der Wikipedia.
Außerdem sei auf Helmut Zimmermann (1992) "Die Straßennamen der Landeshauptstadt Hannover", Verlag Hahnsche Buchhandlung verwiesen.
Der Streit um die Umbennung der Lettow-Vorbeck-Allee ist in einem Artikel der HAZ (abgerufen am 14.05.2012) zusammengefasst. Bemerkenswert ist dort auch die Inhaltsleere von einigen der trollenden Kommentare.
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Update 2015: Nun werden wieder Straßennamen in Hannover diskutiert. Hinrich Wilhelm Kopf verlor schon die Ehrung, dass der Platz vor dem Landtag nach ihn benannt war. Fritz Beindorff (Pelikan) wird auch die Ehrung verlieren, dass eine Straße zwischen Vier-Grenzen und Eilenriede nach ihn benannt ist. (siehe Blog 9. November 2015)

Dienstag, 1. November 2011

Deutsch und Kiswahili

Aktuell gibt es nach aktuellen Schätzungen sieben Milliarden Menschen. 7.000.000.000. Damit ist die Weltbevölkerung in den letzten 20 Jahren um etwa zwei Milliarden angewachsen. In Europa gibt es keinen natürlichen Bevölkerungszuwachs mehr.
Das heute mehr Menschen in Deutschland leben als vor zwanzig Jahren ist ausschließlich ein Ergebnis der Migration (besonders der etwa 2 Millionen Spätaussiedler).

Als ich Mitte 1988 an der University of Dar es Salaam mein Studium mit einem Kiswahili-Intensivkurs aufnahm, gab es deutlich mehr Deutsch Sprechende auf der Welt als Kiswahili Sprechende. Es war eine exotische Sprache mit viel Potential.
In Tanzania ist sie Amtssprache und nur in der höheren Bildung wird offiziell Englisch verwendet. Kiswahili war damals bereits die Lingua franca (Verkehrssprache) im östlichen Afrika, also auch in Kenya und Teilen von Uganda, Rwanda, Burundi, dem damaligen Zaire, Malawi und Mozambique.
Den etwa 90-100 Millionen Deutsch Sprechenden (BRD, DDR, Österreich, Schweiz, Auslandsdeutsche, u.a.) standen Ende der 1980-er Jahre etwa 50 Millionen Kiswahili Sprechende gegeben über. Ich kann mich daran erinnern, dass es diplomatische Bemühungen gab Deutsch zu einer weiteren Amtssprache der UNO zu machen.
In Tanzania war Kiswahili bereits seit einer Generation Amtssprache und der Anteil der Menschen, die kein Kiswahili konnten, war gering. In Kenya war es bereits auch schon die Verkehrssprache, aber erst seit Anfang der 1990-er Jahre wurde es auch eine offizielle Amtssprache neben Englisch. In Uganda war die Sprache nur in der südlichen Hälfte Verkehrssprache und stand in Konkurrenz zu Luganda und Englisch. Seit 2005 wurde Kiswahili neben Englisch die Amtssprache. In Burundi und Rwanda war und ist Kiswahili eine der Sprachen für den Handel mit den Nachbarländern. Im ehemaligen Zaire war Kiswahili eine Sprache der östlichen Grenzregion zu Ostafrika, ist nun aber auch offiziell eine der Nationalsprachen, die in mehr als Drittel des Landes gesprochen wird. Im Norden von Mozambique und Malawi ist Kiswahili vor allem eine Handelssprache.
Bevölkerungswachstum und die Ausbreitung der Sprache durch staatliche Maßnahmen (Schulunterricht, Sprache der Polizei und Armee) oder durch Handel haben in zwanzig Jahren zu einer erheblichen Zunahme der Kiswahili Sprechenden geführt. Heute gibt es etwa 80 Millionen Kiswahili Sprechende und die Zahl der Deutsch Sprechenden nimmt langsam ab. Aufgrund des Bevölkerungswachstums wird Kiswahili in etwa einem Jahrzehnt bereits an Deutsch vorbeiziehen und es ist wahrscheinlicher, dass Kiswahili siebte UNO-Amtssprache wird als Deutsch.
Elimu haina mwisho 
(Bildung endet nie) 

Referenz: Aktuelle Bevölkerungsschätzungen der UNO

Montag, 31. Oktober 2011

Bullshit - Made in the USA

Eine Bekannte aus den USA sendet mir regelmäßig Artikel, die dort im Netz zirkulieren. Diese reichen von Alltagswissen über Huffington Post und anderen großen Blogbeiträgen bis zu Verschwörungstheorien, Tea Party Ergüssen und Bullshit.

Was ist Bullshit?
Der US-Amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt (Princeton University) versuchte vor einigen Jahren eine Definition in einem langen Essay. Ich habe nun vor kurzem dieses Büchlein gelesen und bin seitdem noch mehr entsetzt über den Bullshit, der in den USA zirkuliert.
Die Website snopes.com startete als Seite, welche urbane Legenden untersuchte. Doch die Menge an merkwürdigen Geschichten ist nunmehr so groß, dass dort auch viele Beispiele für Bullshit zu finden sind.
Doch noch einmal gefragt: Was ist Bullshit?
Prof. Frankfurt unterscheidet prinzipiell zwischen einer Lüge und Bullshit. Wer eine Lüge erzählt, kennt die Wahrheit; wer Bullshit erzählt interessiert sich nicht für die Wahrheit.
"Niemand kann lügen, sofern er nicht glaubt, die Wahrheit zu kennen. Zur Produktion von Bullshit ist solch eine Überzeugung nicht erforderlich". (Harry G. Frankfurt (2006) Bullshit, S. 62-63)
und
"Bullshit ist ein größerer Feind der Wahrheit als die Lüge". (Harry G. Frankfurt (2006) Bullshit, S. 68)

Bullshit vernebelt Hintergründe für eine Handlung. In der Unterhaltungsliteratur ist es Grundlage und legitim Fakten und Fantasie zu verknüpften, doch derjenige der Bullshit schreibt, verbreitet diese als Nachricht ohne Fakten zu kennen oder als aufklärenden Hintergrund (... haben sie gewusst, dass ....). Ähnlich den in den USA so beliebten Verschwörungstheorien bleiben einzelne der erfundenen Details beim Leser hängen und erschweren in der Zukunft die Wahrheit zu erkennen.
Bullshit ist auch im Sinne von Brot und Spiele (hier Spiele) effektiv. Wer Bullshit liest, zweifelhafte Passagen überprüft und/oder den Bullshit weiter verbreitet, hat weniger Zeit sich mit der Wahrheit und Realität zu beschäftigen.
Die mich aus den USA erreichenden Emailschreiben sind oftmals unterhaltsam, aber der Bullshit dazwischen verschwendet unfassbar viel Zeit.

Referenz: Harry G. Frankfurt: (2006) Bullshit. Suhrkamp, 

Freitag, 27. August 2010

Starkregen in Hannover

26.  August 2010 :  7 8 , 8   l / m²
Gestern ging über Hannover ein Dauerregen nieder, der auch immer wieder die Merkmale von Starkregen hatte. Doch was ist eigentlich Starkregen?
Wikipedia liefert das folgende Zitat aus einer amtlichen Definition:
„Regen, der im Verhältnis zu seiner Dauer eine hohe Niederschlagsintensität hat und daher selten auftritt, z. B. im Mittel höchstens zweimal jährlich.“
(nach DIN 4049-3)
In der Richtlinie des Deutschen Wetterdienstes finden sich die folgenden Definitionen:
Von Starkregen wird gesprochen, wenn
  • mehr als   5,0 l/m² in   5 Minuten
  • mehr als   7,1 l/m² in 10 Minuten
  • mehr als 10,0 l/m² in 20 Minuten
  • mehr als 17,1 l/m² in 60 Minuten
fallen.

Eine Wetterwarnung wegen Starkregen wird ausgesprochen, wenn:
  • 10 bis 25 l/m² in einer Stunde oder
  • 20 bis 35 l/m² in sechs Stunden erwartet werden.

Gestern gab es eine Wetterwarnung und in 24 Stunden fielen an der DWD-Wetterstation 10338 Hannover-Langenhagen 78,8 l/m². Es war dies ein intensives Regengebiet, das aus dem Westen kam und dort zu noch höheren Regenmengen führte. An der DWD-Wetterstation Münster-Osnabrück wurden 140 l/m² registriert und noch weiter im Westen in der Hansestadt Deventer wurden viele Straßen überschwemmt, weil die Kanalisation diese Wassermassen nicht mehr bewältigen konnte.

Doch zurück zu Hannover. In der mir vorliegenden Tagesstatistik für die Jahre 1978-2008 gab es erst einen Tag, an dem mehr als 50 l/m² registriert wurde. Am 17. Juli 2002 wurden 76,1 l/m² registriert. Die Messung umfasst den Zeitraum von 05:51 des genannten Tages bis 05:50 des folgenden Tages. Doch damals endete der Dauerregen nicht, sondern am 18. Juli 2002 wurden weitere 22,1 l/m² registriert, also insgesamt 98,2 l/m². Dauerregen und Starkregen wurden auch am 28.-29. Mai 1984 mit insgesamt 80,2 l/m² registriert.

Der Bericht für den ganzen Monat August 2010 entsteht hier.

Freitag, 4. Juni 2010

Hannover Wetter Mai 2010


Der Monat Mai 2010 war in Hannover deutlich zu kühl. Die monatliche Durchschnittstemperatur lag mit 10,3° Celsius immerhin 2,3° unter dem langjährigen Mittel für den Mai. Es war ein grauer Monat mit vielen Wolken verhangenen Tagen, doch viel relativ wenig Niederschlag.
(ein Klick auf diese oder die folgenden Abbildungen zeigt alle Details)
Die erste Abbildung zeigt die täglichen Werte für die Höchsttemperatur (orange-rote Linie), Tiefsttemperatur (hellblaue Linie), die Sonnenstunden (gelbe Fläche) und die Niederschläge in mm (dunkelblaue Balken).


Die Tageshöchsttemperaturen erreichten nur im letzten Monatsdrittel mehr als 20° und die absolute Höchsttemperatur wurde am 23. Mai mit 23,4° gemessen. Es gab einen Frosttag. Am 5. Mai sank die Temperatur auf -0,1°. Am Boden wurde an diesem Tag als Tiefsttemperatur -4,9° gemessen. dies war einer von insgesamt 8 Tagen mit Bodenfrost. Das dieser in manchen Jahren auftretende Bodenfrost nicht mit den journalistisch überhöhten "Eisheiligen" zu tun hat, habe ich in einem anderen Blogeintrag mit einer Vergleichsstatistik widerlegt.

Die tägliche Schwankung zwischen der Tiefst- und Höchsttemperatur ist das eine, doch für einen Vergleich ist die Tagesmitteltemperatur und gleitende Durchschnittswerte über mehrere Tage von größerem Interesse.

Der kälteste Tag war danach der 6. Mai mit nur 5,9° und die wärmste Tag war der 24. Mai mit 15,7°. Ende April (siehe den vorherigen Monatsbericht) wurde bereits eine Tagesmitteltemperatur von 18,8° erreicht. Fast zwei Wochen lang verharrte die Temperatur unter 10°.


In der dritten Abbildung werden die täglichen Abweichungen vom langjährigen Monatsmittel dargestellt. Gleichzeitig wurde ein Mittelwert für jeweils sieben Tage dargestellt. Es gab überhaupt nur sieben Tage an denen der Tagesmittelwert über den Monatsdurchschnittswert von 12,6° lag.


Doch wenn nun die Tagesmittelwerte mit Durchschnittswerten für jeden Tag und den Extremen, den Extremtemperaturen für jeden Tag verglichen werden, dann bleibt der Mai 2010 zwar unterdurchschnittlich, aber nicht wirklich extrem. Nur am 26. wurde ein neuer Kälterekord aufgestellt. Für alle anderen Tage wurden in den letzten 31 Jahren schon tiefere Temperaturen erreicht.

Im Verlauf des Monats wurde in den Medien spekuliert, ob dieser Monat mit seiner dichten Bewölkung an vielen Tagen etwas mit dem Vulkanausbruch auf Island zu tun hat. Die Hypothese lautet, dass die mikroskopisch kleinen Aschepartikel sehr langsam in der Atmosphäre sinken und als Aerosole die Wolkenbildung fördern.
Hierzu einige Zahlen zur Bewölkung in Hannover. Die Meteorologie misst die Bewölkung in Achteln. Dabei wird unterschieden in:
  • 0 = wolkenlos
  • 1/8 = sonnig
  • 2/8 = heiter
  • 3/8 = leicht bewölkt
  • 4/8 = Wolkig
  • 5/8 = bewölkt
  • 6/8 = stark bewölkt
  • 7/8 = fast bedeckt
  • 8/8 = bedeckt
Eine Auswertung der Tageswerte zwischen dem 15. April (2010 Ausstoß der Aschenwolke) und dem 17. Juni für die Jahre 1978-2008 ergibt die folgenden Mengenverteilung:

Es ist dies gar nicht eine so sonnige Zeit des Jahres. In 61 Prozent der Tage war mehr als die Hälfte des Himmels bewölkt. Wolkenlose und sonnige Tage machen nur 9,7 Prozent aller Tage aus.
Auch wenn diese Bewölkungsgrade für jeden einzelnen Tag dargestellt wird, zeichnet sich nur Mitte Mai eine erhöhte Zahl von sonnigen und wolkenlosen Tagen ab.

Ich habe die Bewölkungsgrade gruppiert und jeweils zwei Klassen zusammengefasst. In gelb sind die Werte für 2010 eingetragen. Es fällt schon auf, das vom 26. April bis zum 20. Mai stets mehr als die Hälfte des Himmels bedeckt war. Doch mir sind bisher keine wissenschaftlichen Ergebnisse bekannt, die dies mit Aschepartikeln des Evjafjalla in Verbindung bringen.

Im Mai 2010 gab es 112,3 Sonnenstunden. dies entsprach nur 54% des langjährigen Mittelwerts und erst einmal in den letzten zwanzig Jahren gab es in einem Mai noch weniger Sonnenstunden. An drei Tagen gab es mehr als 10 Stunden Sonnenschein und an 12 Tagen blieb die Sonne hinter den Wolken.

Trotz der vielen Wolken blieb es ein trockener Monat. An 16 Tagen gab es Niederschlag und am 5. sowie 30. Mai gab es heftigen Regen mit jeweils mehr als 10 Liter je Quadratmeter. Insgesamt vielen 51,7 mm, entsprechend 83 Prozent des langjährigen Mittelwerts für den Monat Mai.

Nur am 24. Mai gab es ein Windereignis in Hannover. Es wurde eine Spitzenwert von 19,2 m/s gemessen, was Windstärke 8 (=stürmischer Wind) entspricht.

Wie stets ist meine Datenbasis die öffentlich zugängliche Datenbank des Deutschen Wetterdienst (Rubrik Wetter + Klima, dann links in das Verzeichnis Klimadaten) und alle Angaben sind für die Station 10338 Hannover-Langenhagen. Die Berechnungen von Durchschnittswerten und die Graphiken stammen von mir.
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Die folgenden Symbole führen jeweils direkt zum genannten Bericht:

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Wetterbericht Hannover Januar 2010 . Wetterbericht Hannover Februar 2010 . Wetterbericht Hannover März 2010 . . . . . . . . .
Der Jahresbericht 2009 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2009:

Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Eistage Frosttage Januar 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Eistage Frosttage Februar 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Frosttage März 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Frosttage April 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Eisheilige Starkregen Sommertage Mai 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Sommertage Juni 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Starkregen Tropentage Sommertage Juli 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven August 2009 . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven September 2009 . . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Klimanormalwert Bodentemperatur Eistage Frosttage, Temperaturrekorde, Starkregen, sonnenarm, sonnenlos . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Klimanormalwert Bodentemperatur Eistage Frosttage, Temperaturrekorde
Der Jahresbericht 2008 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2008:
Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven . Hannover Wetter Höchsttemperatur Tiefsttemperatur Sonnenschein Niederschlag Langenhagen Temperaturkurven Klimanormalwert Bodentemperatur Eistage Frosttage
Es gibt außerdem noch ein Blick auf das Wetter in Hannover im Jahre 2007, speziell den Sommer 2007. 2008 habe ich bereits einen Vergleich der Wintertemperaturen in Hannover vorgenommen. Damals basierte alles auf Monatswerten und hatte auch nur wenige Details und aktuell gibt es einen langen Beitrag zum sehr kalten Winter 2009-2010. Im Mai 2010 kam dann noch eine statistische Analyse zur Frage, ob es auch Eisheilige in Hannover gibt, hinzu. Als kleinere Beiträge sind auch noch Graphiken zu den eisigen Tage zum Jahreswechsel 2008/2009 und die eisigen Tage im Dezember 2009 zu finden.