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Sonntag, 22. November 2015

P.D. James - Land der leeren Häuser

Phyllis Dorothy James
Im Land der leeren Häuser
Roman,
aus dem Englischen von Christa Seibicke.

Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachfolger, München 1993

[Original: The Children of Men, Faber and Faber, London 1992]

Für eine Biographie von P.D. James siehe hier.



Das Buch ist ein Science Fiction, der im Jahre 2021 in Großbritannien handelt. Die Geschichte ist nicht mit den technischen Varianten des Science Fiction, wie er von vielen US-amerikanischen Autoren bekannt ist, zu vergleichen. Der allumfassende Positivismus, der aus den USA bekannt ist, löst Probleme der Zukunft mit Maschinen und der Moral der Bibel. Dies ist ein soziologischer Science Fiction. Es wird durchgespielt, wie eine Gesellschaft auf eine Veränderung der Demographie reagiert. Technische Fortschritte werde selten erwähnt, doch dies hat natürlich auch etwas mit dem Aufbau und dem Stil des Romans zu tun.
Der Roman ist in zwei Büchern getrennt. Buch Omega umfasst in 19 Kapiteln den Zeitraum von Januar bis März 2021 und Buch Alpha in 14 weiteren Kapiteln den Oktober 2021. Es ist eine Mischung aus Tagebucheinträgen, die entsprechend Ereignisse nur in einen Kontext vergangener Tage stellen und einer Erzählerin, die manchmal einen Rückblick von 20-30 Jahren vollzieht, aber dies vor allem, um zwischenmenschliche Bindungen zu erklären oder die Biographie der Hauptpersonen zu konturieren.
Ich verzichte darauf, die Unterschiede zwischen dem Buch und seiner gelungenen Verfilmung durch Alfonso Cuaron herauszuarbeiten. Leser kennen mein Credo: Ein Buch ist ein Buch und ein Film ist ein Film. Ein Regisseur nimmt Idee und Atmosphäre eines Buches und versucht dies zu visualisieren. Dafür können selbst wichtige Nebenrollen eines Buches wegfallen, Hauptrollen in einer Person konzentriert werden oder die Eigenschaften einer Hauptperson auf mehrere Schauspieler aufgeteilt werden. Das sind die Freiheiten beim Übergang von einer Kunstform in die andere.

Inhaltsangabe
1. Buch Omega Januar-März 2021
Es beginnt mit dem Tagebucheintrag vom 1. Januar 2021 des Protagonisten Theo Faron. Theo Faron ist Professor für die Geschichte des Viktorianischen Zeitalters an der Universität Oxford. Er ist also Experte für vollendete Ausprägung der bürgerlichen Ideale innerhalb der britischen Monarchie. Er hat an diesem Tag seinen 50. Geburtstag und mit dem Beginn seiner zweiten Lebenshälfte beginnt er wieder ein Tagebuch zu führen.
Er schildert seine Situation und warum es keinen Grund mehr gibt, Geburtstage zu feiern. Seit der Mitte des Jahres 1994 sind alle männlichen Samen unfruchtbar. Die letzten Geburten erfolgten entsprechend 1995. Diese letzten Menschen, die nunmehr alle über 25 Jahre alt sind, werden als Omegas bezeichnet und gefürchtet. Die Zahl der Menschen reduziert sich kontinuierlich und die Menschheit wird in absehbarer Zeit aussterben.
Der nächste Eintrag widmet sich dem neuen Herrscher von Großbritannien. Es gibt noch Länder und die Insellage macht eine Abschottung von dem Rest der Welt möglich. Xan Lyppiatt hat vor etlichen Jahren sich zum Warden of England erklärt und regiert autoritär mit einem kleinen von ihn ernannten Staatsrat das Land. Xan Lyppiatt ist der Cousin von Theo Faron und beide verbinden Jugenderlebnisse. Theo war ein wesentlicher Berater von Xan, nachdem dieser sich zum Warden erklärt hatte. Es wurde ein Punkt in der Entwicklung der Diktatur erreicht, an dem Theo seine Arbeit niederlegte und seitdem auch keinen Kontakt zu seinem Cousin pflegt.
Es folgen weitere Betrachtungen über seine Jugend mit Xan, die persönliche Entwicklung der beiden Cousins, die Eltern sowie seiner Ehe und Tochter. Seine Tochter wurde tragischerweise von ihm als Kleinkind überfahren und getötet. Seine Frau konnte danach nicht mehr mit ihm zusammenleben und ließ sich scheiden.
Im sechsten Kapitel übernimmt die Erzählerin den Handlungsfaden und berichtet von der Restzivilisation, die es noch gibt. So werden zum Beispiel an der Universität alle Rituale im Verhältnis der Personen zueinander und im Jahresablauf weiter gepflegt. Eine junge Frau mit dem Namen Julian wird eingeführt. Sie bittet ihn an einen konspirativen Treffen mit einer kleinen Gruppe von Oppositionellen zu erscheinen und danach seinen Einfluss auf den Warden zu verwenden, um die Kritik und die Forderungen der Gruppe vorzutragen. Er vereinbart einen Termin.
Der nächste Tagebucheintrag widmet sich einem Besuch seines Doktorvaters Jasper Palmer-Smith, der nach seiner Emeritierung sich mit seiner Frau in ein abgelegenes Cottage zurückgezogen hat. Mit Erstaunen erkennt er, dass beide erheblich gealtert sind. Die Regierung garantiert keinen Service mehr außerhalb bestimmter Siedlungen. Mit der abnehmenden Zahl von Menschen wird es immer schwieriger Straßen zu erhalten und die Versorgung mit Gas, Wasser und Strom aufrecht zu erhalten. Jasper und seine Frau Hilda würden gerne bei Theo in Oxford einziehen. Eine erschreckende Vorstellung für Theo, da er die Einsamkeit in seinem mehrgeschossigen alten Haus genießt. Auf dem Rückweg sieht er viele Menschen vor der Universität. Eine US-amerikanische Untergangsevangelistin ist auf Tournee und predigt in Oxford.
Die Erzählerin berichtet vom Treffen mit Julian und der Gruppe von Dissidenten in einer wenig genutzten Dorfkirche. Sie nennen sich selbst die Five Fishes. Es werden die Probleme des Landes erörtert. Die Isle of Man wurde zu einer Deportationsinsel. Gewaltverbrecher und Unruhestifter verschwanden aus der Gesellschaft. Die Staatssicherheitspolizei (SSP) hat eine Diktatur errichtet und kontrolliert alles. Ausländer werden als Zeitgänger bezeichnet und müssen in Arbeitslagern leben. Wenn sie nicht mehr brauchbar sind für das System, werden sie in ihre Heimat abgeschoben. Die Regierung hat den Quietus eingeführt. Der Untergang der Menschheit treibt viele ältere Menschen in den Selbstmord. Mit dem Quietus gibt es eine ritualisierte Form eines Massenselbstmord mit einer feierlichen Verabschiedung. Männer müssen regelmäßig ihre Samen auf Fruchtbarkeit überprüfen lassen und Frauen werden einem gynäkologischen Zwangstest unterzogen, um mögliche wiederkehrende Fruchtbarkeit festzustellen.
Der Gruppe von Dissidenten geht es um Würde. Nicht nur um die Würde der sechs Diskutanten, sondern die Würde der Menschheit und jedes Einzelnen. Theo nimmt die Gruppe nicht sehr ernst und verweist darauf, dass sein Einfluss beim Warden minimal sei. Die Gruppe informiert ihn über den nächsten bekannten Quietus und bittet ihn sich diese Zeremonie anzuschauen und dann zu entscheiden, ob er das Anliegen der Gruppe unterstützt.
Der Quietus findet an einen ehemaligen Badeort statt. Es ist eine erfundene Tradition, die Selbstmörder werden in den Strandkabinen in weiße Gewänder gekleidet. Theo fällt auf, dass diese Senioren offensichtlich mit Medikamenten ruhiggestellt sind. Mit Blaskapelle und unter Aufsicht der SSP ziehen die weiß Gewandeten zu einen Steg und zu dort festgemachten Booten. Er sieht, das jede Person, nachdem sie Platz genommen hat mit den Füßen an den Boden der Boote fest gekettet wird. Diese Boote werden auf die See hinausgezogen und außer Sicht versenkt. Eine Frau bricht aus der Gruppe der Senioren aus und möchte nicht mehr an diesem Massenselbstmord. Er will ihr helfen und erkennt schließlich, dass es sich um die Frau seines Doktorvaters handelt. Sie ist verzweifelt und will so nicht sterben. Die SSP schlägt sie im Wasser blutig und bewusstlos und auch er wird bei seinem Hilfeversuch von der SSP bewusstlos geschlagen. Er erwacht alleine am Strand und zieht sich in ein kleines Hotel zurück. Dort reift die Entscheidung, seinen Cousin den Warden zu treffen. Eine entsprechende Information wird von ihn an einen vorher vereinbarten Platz für die Gruppe der Dissidenten versteckt.
Im Tagebuch behandelt er sein Treffen mit dem Warden und dem Staatsrat in London. Er war  erstaunt, wie schnell er einen Termin erhielt. Die Staatsratsmitglieder wechselten nie. Theo stellt die einzelnen Mitglied vor. Die Erzählerin berichtet vom erfolglosen Gespräch mit dem Staatsrat und einem anschließenden Gespräch mit dem Warden während eines Spaziergangs durch einen Park. Alle Maßnahmen der Regierung sind wohl bedacht und sollen dazu führen, dass die verbliebenen Menschen in Frieden bis zum Ende leben können.
Beim folgenden Treffen mit Julian wird deutlich, woher ihre Motivation stammt. Sie ist tief gläubig und sieht ihre Aufgabe zur Veränderung von Gott gewollt. Da der Warden aller Kritik auswich, formuliert die Dissidentengruppe Five Fishes ein Flugblatt, dass nachts verteilt wird. Theo liest die Forderungen und vernichtet das Blatt.
Im Tagebuch berichtet er von einem Phänomen in einer kinderlosen Gesellschaft. Seine Exfrau hat ihn zu einer Taufe eingeladen. Ihre Katze hat Junge bekommen. Während der Feier wird das Flugblatt diskutiert, das auch dort aufgetaucht ist. Zwei Männer von der Staatssicherheitspolizei suchen ihn auf. Im Gespräch wollen diese von ihm erfahren, was er von den aktuellen Entwicklungen hält. Quietus-Veranstaltungen wurden gestört indem die Rampen zur Einschiffung gesprengt wurden. Theo macht sich Gedanken über diesen Besuch der SSP. Er erkennt, dass er Sympathien für die Gruppe der Dissidenten hat.
Der letzte Eintrag im ersten Buch vom 26. März 2021 berichtet von einer zufälligen Begegnung mit Julian auf dem Wochenmarkt. Er warnt sie vor der SSP, die ihnen auf den Fersen sei. Theo beschließt noch einmal alle ihn bekannten Orte auf dem Festland von Europa zu bereisen.

2. Buch Alpha Oktober 2021
Theo kehrt nach Oxford zurück. Er beschreibt in seinem Tagebuch die besuchten Reiseziele auf dem Festland. Er ruft seine Ex-Frau an, um zu erfahren, ob irgendetwas in den letzten sechs Monaten in England passiert ist. Er beschreibt einen Alptraum, in dem er die Dissidentin Julian mit den Auto tötet.
Miriam aus der Gruppe der Dissidenten besucht ihn und spricht von der ersten Verhaftung. Die Gruppe befindet sich seitdem auf der Flucht und benötigt seine Hilfe. Die Flüchtlinge der Gruppe Five Fishes werden vorgestellt. Julian ist hoch schwanger, doch Theo glaubt, dass dies einer der üblichen Selbstbetrügereien sei, also eine Scheinschwangerschaft.
Er trifft Julian an einem Ort, an dem er in seiner Jugend sich mit heutigen Diktator Xan getroffen hat. Erinnerungen an Gespräche mit Xan, an diesen Ort werden mit den aktuellen Gesprächen verwoben. Er meint, Julian sollte ihre Schwangerschaft melden. Doch für sie ist der Warden und seine Diktatur das Böse, dem sie nicht trauen kann.
Die gemeinsame Flucht beginnt mit einem Besuch im Haus seines Doktorvater Jaspar, sie wollen sich dort verstecken. Das Haus ist totenstill, Jaspar hat Selbstmord mit einem Revolver gemacht und einen Nachricht für Theo hinterlassen. Sie rüsten sich im Haus für Flucht und die Geburt aus und reisen mit den Wagen von Jaspar ab.
Ein Mann aus der Gruppe pocht darauf, dass er der Führer der Gruppe ist, dass seine Fruchtbarkeit ist, die das erste Kind zeugte. Er will den Warden ablösen, um selbst Warden zu werden. Ein Schlagloch unterbricht ihre Flucht. Das beschädigte Auto wird von der Straße entfernt und in einem Wäldchen versteckt, wo es am nächsten Tag repariert wird.
Ihre Weiterfahrt endet an einer Straßensperre einer Omega-Gruppe. Sie zwingen sie an ihren Ritualen teil zu nehmen und verlangen einen von ihnen als Menschenopfer zu töten. Ihr Auto mit all seinen Vorräten wird als Teil des Rituals abgefackelt. Den vier Überlebenden gelingt die Flucht von den Omegas. Julian gesteht dem Anführer, das er nicht der Vater ist, sondern das das Kind von den soeben Geopferten stammt. Ohne Vorräte müssen sich von Früchten aus dem Wald ernähren.
Am nächsten Morgen ist der Anführer verschwunden. Die drei anderen machen Pläne für die weitere Flucht. In einem Ort überfallen sie ein Seniorenpaar in deren Haus. Deren Auto und Materialien für die Geburt werden gestohlen und das Paar gefesselt zurückgelassen.
Ihr neues Ziel ist ein Schlosspark des Warden. Theo kennt in umliegenden Wald eine Hütte. Aus den  Nachrichten erfahren sie, dass die Seniorin tot aufgefunden wurde und das nun drei Personen gesucht werden. Ihr Anführer hat offensichtlich Informationen über die Gruppe weiter gegeben. Die Flucht ist zu Ende, das Auto wird in einem Teich versenkt, Theo wirft sein Tagebuch hinterher und ein Hubschrauber erinnert sie daran, dass die Verfolger nahe sind.
In der Hütte wird alles für die Geburt vorbereitet. Ein Junge wird geboren und die Hebamme Miriam geht los, um Vorräte für die Gruppe zu besorgen. Sie kommt nicht zurück. Theo verlässt die junge Mutter und findet Miriam außerhalb des Waldes ermordet. Er kehrt zur Hütte zurück.
Der Warden Xan erscheint vor der Hütte. Theo spricht mit ihn, erschießt ihn mit einer Kugel seines Freunds Jasper. Theo nimmt den Ring des Warden von der Leiche. Der Staatsrat erscheint und wird kurz zum Baby vorgelassen. Die Mutter bittet darum, dass das Baby getauft wird, was Theo dann auch vollzieht.

Es ist eine Dystopie mit einem offenen Ende. Es wurde ein Kind geboren und damit könnte die Ursache der Dystopie beendet sein. Der Warden of England, als Repräsentant einer Diktatur ist tot. Doch es bleibt unklar, ob sich das politische System ändern wird und die Menschheit überlebt.

Montag, 24. Dezember 2012

Europa: Kinderwunsch und Kinderzahl

Während des EKNT in Heidelberg ging es auch einmal um die Frage des Bevölkerungswachstums in Europa und meine Information über die niedrige Zahl der Kinder je Frau (Fertilitätsrate) stieß auf zweifelnde Blicke.
In Europa gibt es mit vier Ausnahmen keinen natürlichen Bevölkerungswachstum mehr. Ich habe hierzu eine Karte erstellt, welche die Zahl der Kinder je Frau zeigt.

Nur Island, Albanien, Kosovo und die Türkei haben mehr als 2 Kinder je Frau. In der Demographie wird eine Kinderzahl von durchschnittlich 2,1 Kindern je Frau angenommen, damit sich eine Bevölkerung erhält.
Die Werte stammen von der Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen, die regelmäßig Bevölkerungsschätzungen und demographische Kennziffern vorlegt (Quelle). Für einige Territorien (Kosovo und Kleinststaaten) wurde auf Zahlen der Weltbank (Quelle) zurückgegriffen.

Das Bevölkerungswachstum der letzten Jahrzehnte in verschiedenen europäischen Staaten (Frankreich, Großbritannien und Niederlande) ist ausschließlich auf Zuwanderung zurückzuführen.
Zuwanderung alleine reicht aber nicht. Deutschland hat in den letzten Jahren bis auf 2008 stets mehr Zuwanderungen als Fortzüge, doch den steht jedes Jahr ein Geburtendefizit (also mehr Todesfälle als Geburten) von mehr als 100.000 gegenüber. 2011 wurden zum Beispiel 662.685 Menschen in Deutschland geboren, aber 852.328 starben (= -189.643), Quelle: Statistisches Bundesamt.

Doch zurück zu Europa. Hieß es früher, der Osten ist rot, heißt es heute nach meiner Farbauswahl der Osten ist grau. Mit der Ausnahme von Estland, Moldawien, Albanien und vier der Ex-Jugoslawien-Staaten ist in allen Ländern die Zahl der Kinder je Frau auf unter 1,4 gesunken. Bei gleichzeitiger Auswanderung wird in allen diesen Staaten seit mehr als 10 Jahren bereits eine deutliche Bevölkerungsabnahme festgestellt. Deutschland ist wie auch Spanien nur in einer wenig besseren Position. Es gibt in Deutschland auch keine scharfe Differenzierung nach Regionen. Der Landkreis Cloppenburg im Westen von Niedersachsen war lange Zeit Rekordhalter was die Geburtenrate und damit die Zahl der Kinder je Frau angeht. Doch auch dort hat der demographische Wandel begonnen und werden nur noch durchschnittlich 1,9 Kinder je Frau gezählt.

Interessant ist einmal mehr, dass Skandinavien (und Island) plus Großbritannien, Irland und Frankreich den demographischen Wandel abfedern. In Skandinavien ist es sicherlich die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die guten Bildungsmöglichkeiten, welche die Realisierung eines Kinderwunsches erleichtern.

Die Nichtvereinbarkeit von Beruf und Familie wird immer wieder als ein wesentlicher Grund für die geringe Zahl der Kinder je Frau in Deutschland genannt. Wir haben zwar Kinder-Fachgeschäfte, aber Geld alleine macht keine Kinder.

(Foto: JDM, gesehen in Heidelberg, 21.12.2012)

Dienstag, 1. November 2011

Deutsch und Kiswahili

Aktuell gibt es nach aktuellen Schätzungen sieben Milliarden Menschen. 7.000.000.000. Damit ist die Weltbevölkerung in den letzten 20 Jahren um etwa zwei Milliarden angewachsen. In Europa gibt es keinen natürlichen Bevölkerungszuwachs mehr.
Das heute mehr Menschen in Deutschland leben als vor zwanzig Jahren ist ausschließlich ein Ergebnis der Migration (besonders der etwa 2 Millionen Spätaussiedler).

Als ich Mitte 1988 an der University of Dar es Salaam mein Studium mit einem Kiswahili-Intensivkurs aufnahm, gab es deutlich mehr Deutsch Sprechende auf der Welt als Kiswahili Sprechende. Es war eine exotische Sprache mit viel Potential.
In Tanzania ist sie Amtssprache und nur in der höheren Bildung wird offiziell Englisch verwendet. Kiswahili war damals bereits die Lingua franca (Verkehrssprache) im östlichen Afrika, also auch in Kenya und Teilen von Uganda, Rwanda, Burundi, dem damaligen Zaire, Malawi und Mozambique.
Den etwa 90-100 Millionen Deutsch Sprechenden (BRD, DDR, Österreich, Schweiz, Auslandsdeutsche, u.a.) standen Ende der 1980-er Jahre etwa 50 Millionen Kiswahili Sprechende gegeben über. Ich kann mich daran erinnern, dass es diplomatische Bemühungen gab Deutsch zu einer weiteren Amtssprache der UNO zu machen.
In Tanzania war Kiswahili bereits seit einer Generation Amtssprache und der Anteil der Menschen, die kein Kiswahili konnten, war gering. In Kenya war es bereits auch schon die Verkehrssprache, aber erst seit Anfang der 1990-er Jahre wurde es auch eine offizielle Amtssprache neben Englisch. In Uganda war die Sprache nur in der südlichen Hälfte Verkehrssprache und stand in Konkurrenz zu Luganda und Englisch. Seit 2005 wurde Kiswahili neben Englisch die Amtssprache. In Burundi und Rwanda war und ist Kiswahili eine der Sprachen für den Handel mit den Nachbarländern. Im ehemaligen Zaire war Kiswahili eine Sprache der östlichen Grenzregion zu Ostafrika, ist nun aber auch offiziell eine der Nationalsprachen, die in mehr als Drittel des Landes gesprochen wird. Im Norden von Mozambique und Malawi ist Kiswahili vor allem eine Handelssprache.
Bevölkerungswachstum und die Ausbreitung der Sprache durch staatliche Maßnahmen (Schulunterricht, Sprache der Polizei und Armee) oder durch Handel haben in zwanzig Jahren zu einer erheblichen Zunahme der Kiswahili Sprechenden geführt. Heute gibt es etwa 80 Millionen Kiswahili Sprechende und die Zahl der Deutsch Sprechenden nimmt langsam ab. Aufgrund des Bevölkerungswachstums wird Kiswahili in etwa einem Jahrzehnt bereits an Deutsch vorbeiziehen und es ist wahrscheinlicher, dass Kiswahili siebte UNO-Amtssprache wird als Deutsch.
Elimu haina mwisho 
(Bildung endet nie) 

Referenz: Aktuelle Bevölkerungsschätzungen der UNO

Donnerstag, 4. Januar 2007

Alfonso Cuaron 2006 Children of Men

Children of Men (GB/USA 2006, 108 Minuten)
Regie: Alfonso Cuarón

Dystopien können so verstörend sein und dieser Film ist verstörend. Die Welt in 21 Jahren, seit 2009 wurde kein Kind mehr geboren und die älter werdenden Gesellschaften igeln sich ein, drängen alle Zuwanderer als Schmarotzer brutal aus dem Land.
Die Geschichte handelt in London und einigen Regionen Englands. In der schrumpfenden Gesellschaft wird der verbleibende Wohlstand durch rigorose Abschottung geschützt. Nicht nur gegenüber dem Ausland, sondern auch im Land auf Inseln des Wohlstands, die eine Normalität vorspiegeln. Alle Ausländer werden propagandistisch als Feinde des Systems beschrieben, gejagt, inhaftiert um schließlich nach Europa abgeschoben zu werden. Statt einer Festung Europa hat sich die Insel Britannien in eine Festung verwandelt. Der Staat und seine Sicherheitsorgane kontrollieren nur noch einen Ausschnitt der Bevölkerung und des Landes. Aufständische kämpfen gegen die Regierung und Individualisten haben sich eigene Rückzugsräume geschaffen. Die Städte verfallen nicht nur wegen der abnehmenden Bevölkerungszahl. Viele Gebäude vor allem Schulen haben keine Funktion mehr.
Ein Beamter (gespielt von Clive Owen) wird gewaltsam zu seiner ehemaligen Partnerin (Julianne Moore), die nun eine Gruppe von Aufständischen führt, gebracht. Er hatte selbst einmal Sympathien für die Ziele der Gruppe und mit der Frau ein gemeinsames Kind. Eine Influenza-Pandemie tötete das Kleinkind und in der Folge die Beziehung. Desillusioniert funktioniert er nun im System der Regierung. Er wird von ihr aufgefordert, seine persönlichen Beziehungen zu aktivieren, um notwendige Papiere für eine besondere Frau zu besorgen, welche die abgeschottete Insel verlassen möchte.
Die besondere Frau (Clare-Hope Ashitey) ist schwanger. Eine schwarze Ausländerin steht kurz vor der Geburt eines Kindes und wird damit zum Spielball von widerstreitenden Interessen. Einige Aufständische wollen Mutter und Baby als Symbol des Aufstands für ihre Ziele nutzen, aber die Mutter will nur das Land verlassen und im Schutz einer idealistischen, internationalen Organisation, deren reale Existenz bis zum Schluss im Nebel verbleibt, mit ihrem Kind leben.

Der Film ist eine Dystopie und damit ein Beispiel für einen pessimistischen Blick auf die Zukunft. Politische, soziologische und biologische Tendenzen der Gegenwart werden fortgeschrieben und münden in diese fragmentierte Gesellschaft. Es geht um Macht und damit auch stets um das, was in der so genannten Öffentlichkeit der Medien gesagt und gezeigt werden kann. Der Staat bestimmt die Informationen und ihre Interpretation. Ohne Informationsalternativen werden Lügen zur Wahrheit erklärt. Die Ab- und Ausgrenzung von Zuwanderern schränkt auch die Bewegungs- und Informationsfreiheit der Einheimischen ein. Das Land ist mit Kontrollpunkten der Sicherheitskräfte überzogen und ohne exklusive Passierscheine sind keine große Bewegungen möglich. Um ihre Ziele zu erreichen gehen die konkurrierenden Gruppen wortwörtlich über Leichen. Der Staat bekämpft einen permanenten Bürgerkrieg mit allen militärischen Mitteln. Die Aufständischen töten unvermutet und bei Bombenanschlägen ist nicht sicher, ob der Staat dies aus propagandistischen Gründen erlaubte oder sogar selbst durchführte oder ob es Guerilleros waren. Es ist eine sehr gewalttätige Geschichte.
Die Hauptperson ist kein Held, sondern oftmals ein Getriebener oder Flüchtling im eigenen Land.

Der Regisseur Alfonso Cuaròn, der durch seine düstere Version von "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" einen großen Publikum bekannt wurde, erzählt die Geschichte in emotionalen Wellen, welche die Zuschauer immer tiefer in die Zukunftsbilder hineinziehen. Die aggressive Anspannung einer Fluchtsequenz führt zu ruhigen Bildern und Dialogen, die unvermittelt wieder in bedrohliche Situationen umschlagen. Es gibt schockierende Bilder, die im Kino zu großer Anspannung führen und die ruhigen Elemente sind notwendige Erholungspausen. So eine Oase bildet das versteckte Gehöft eines Althippies (Sir Michael Caine), wo ein Blick auf die Vergangenheit geworfen wird und damit viele aufgebaute Fragen beantwortet werden.
Dabei ist die Geschichte, die auf einen Roman von Phyllis D. James (1992 auf Deutsch "Im Land der leeren Häuser“, eine Inhaltsangabe) basiert, ohne Handlungssprünge oder Inkonsequenz seiner Akteure. In Fluchtszenen der Akteuren wird eine Handkamera verwendet, die den Personen dicht folgt. Diese wackeligen Bildern sind anstrengend, schaffen aber den Eindruck, einen Dokumentarfilm aus einem Kriegsgebiet zu sehen. Hierzu tragen auch Nebenhandlungen bei, wenn im Hintergrund Folterungen der Sicherheitskräfte zu sehen sind oder radikale Islamisten mit Maschinengewehren und "Allahu Akbar"-Geschrei einen der ihren zu Grabe tragen.

Es gibt sehr viel interessante Musik zu hören und dies ist nicht nur Filmmusik, sondern oftmals die in der Handlung zu hörende Musik aus Autoradios oder privaten Stereoanlagen. Unter anderen "Ruby Tuesday" in einer Version von Franco Battiato und "Running the World" von Jarvis Cocker. Mindestens einmal kommentieren und pointieren die Texte dieser Lieder die Handlung. Technischer Fortschritt ist in dieser Zukunft nur ein Werkzeug. Bewegliche Werbung auf Linienbussen oder am Zeitungsstand, große durchsichtige TV-Bildschirme an vielen Orten, Elektroautos, ...
Die Geschichte ist voller Symbole. Die junge, schwarze Frau ist eine Madonna, die Hoffnung für alle Menschen bringen kann. Die Aufständischen nennen sich Fishes und verweisen damit auf die Metapher der frühen Christen.

Der Film ist stimmig bis in die Details (die Abzuschiebenden sprechen zum Beispiel eine Vielzahl von zu erkennenden europäischen Sprachen, darunter auch Deutsch). Einer der wenigen Filme, der einen zweiten Besuch im Kino wert ist. Ich gebe ihn 8-9 von 10 möglichen Punkten meiner Werteskala..

Zwei Verknüpfungen zu professionelle Filmkritiken: Andreas Borcholte hat dies für Spiegel-online getan und Dominik Kamalzadeh für meine taz. Warum glaubt eigentlich die taz-Kulturredaktion, dass ihre Filmkritiken stets negativ sein müssen?

Montag, 1. Januar 2007

Raimund Vogels - kultureller Wandel am Beispiel der Musik

Die folgenden Notizen basieren sowohl auf meinen Notizen während des Vortrages und der nachfolgenden Diskussion zwischen dem Publikum und Prof. Vogels sowie der gedruckten Version im Sammelband der Stiftung Niedersachsen »älter – bunter – weniger« Die demografische Herausforderung an die Kultur, Transcript Verlag.
Dies ist meine Wiedergabe und Interpretation des Vortrags von Prof. Vogels.

Demografie und kultureller Wandel am Beispiel der Musik
Prof. Dr. Raimund Vogels ist Vizepräsident der Hochschule für Musik und Theater in Hannover und Lehrstuhlinhaber für Vergleichende Musikwissenschaft und bezeichnet sich selber als Musikethnologe.

Die Vergleichende Musikwissenschaft löste den unilinearen Evolutionismus ab; der von kulturellen Stufen ausging auf dessen Höhe die so genannte klassische Musik gesehen wurde.
"Das zu Grunde liegende Paradigma sah für die europäische Musik die Möglichkeit zur geschichtlichen Entwicklung mit teleologischen Orientierung an Brahms oder Wagner, später Schönberg, als konstitutiv an. Die Kulturen Afrikas und Asiens dagegen repräsentierten frühere Stufen auf dem Weg zur Mehrstimmigkeit. Eine geschichtliche Entwicklung im westlichen Sinne einer Musikhistorie konnte diesen Musikkulturen per definitionem nicht zugestanden werden, für sie blieb nur der statische Erhalt oder, was wahrscheinlicher schien, der Untergang". (Raimund Vogels, S. 163-164 im oben genannten Band)
Diese von Prof. Vogels im Vortrag gewählte Vergangenheitsform wird aber selbst häufig von heutigen Musikstudierenden zunächst nicht akzeptiert, da sie
"(...) von der selbstverständlichen Überlegenheit der westlichen Kunstmusik ausgehen und den Rest der Welt musikalisch für weitgehend primitiv halten (...)." (Raimund Vogels, S. 164, ibid.)
Raimund Vogels gab die folgende Erklärung für dieses kulturelle Überlegenheitsgefühl. Mit der Säkularisierung in der bürgerlichen Gesellschaft erfolgte eine Emanzipation sowohl vom Adel als auch von der Kirche. Im 19. Jahrhundert wurde das "Genie" konstruiert als Projektion des Göttlichen auf den Einzelnen. Damals entstand das Konzept vom Genie in der Wort- und Tonkunst.

Doch wie Prof. Vogels weiter ausführte, kann jede Art von Musik nur im Kontext ihrer gesellschaftlichen Einflussfaktoren verstanden werden. Die so genannte klassische Musik ist essentiell eine Musik der bürgerlichen Gesellschaft. Mit der relativen und absoluten Verkleinerung dieser Gesellschaft kommt ihre idealisierte Musikform in eine Krise.
Seit Jahrzehnten ist eine zunehmende Ausdifferenzierung der Musikformen und ihrer Konsumenten zu sehen. Es gibt keine lineare Entwicklung vom Pophörer in der Jugend zum Klassikhörer als reifer Erwachsener. Mit der zunehmenden Individualisierung in der westlichen Gesellschaft entstehen immer mehr musikalische Szenen mit einer In-group als Promotor. Die Konsumenten von Musik wechseln in der Regel die verschiedenen Szenen und, so formulierte es Prof. Vogels in der Diskussion, die so genannte klassische Musik ist heute nur noch eine von vielen anderen musikalischen Szenen.

Prof. Raimund Vogels hat mir aus der Seele gesprochen, da die Arroganz vieler "Klassik"-Nutzer gegenüber anderen Musikstilen mich immer wieder nervt und er hat mir endlich erklärt, wie diese Arroganz entstehen konnte.

Samstag, 23. Dezember 2006

Bjoern Lomborg und sein Skeptical Environmentalist

Erkki aus Tallinn verwies mich auf einen politischen Autor, der weltweit diskutiert wird, aber bisher nicht zu meiner Kenntnis gelangte. Ich möchte nun auch meinen Senf zu Bjørn Lomborg und seinem „Skeptical Environmentalist“ geben. Eine gute Darstellung findet sich in der Wikipedia, dort finden sich auch notwendige Hinweise auf Pro- und Contra-Informationen.

Bjørn Lomborg, ein Politologe ohne naturwissenschaftliche Grundlagen glaubt, dass die Szenarien zur Erderwärmung, Übervölkerung, kommenden Mangel an Energie, Wasser und Holz und der allgemein beklagte Rückgang in der Biodiversität von Übertreibungen und Fehleinschätzungen geprägt sind.
Da sich das Europa-Kolleg 2006 mit dem Verhältnis Mensch und Natur in der europäischen Kulturgeschichte und Gegenwart beschäftigte, sollte dies auch dort ein Thema werden.
Zu mindestens zwei der oben genannten Fragestellungen meine ich eine qualifizierte Meinung äußern zu können.

A.) Übervölkerung
Wer auf diesem Pferd noch reitet, der reitet auf einem scheintoten Klepper. Seit fast zwanzig Jahren sagt die Demographie, dass in einer absehbaren Zeit eine maximale Weltbevölkerung erreicht wird. Exponentielles Wachstum, wie er noch in den 70er Jahren in dem Wort „Bevölkerungsbombe“ als Warnung tituliert, wird selbst für die afrikanischen Staaten, die heute noch ein jährliches Bevölkerungswachstum von mehr als 2 Prozent pro Jahr haben, nicht mehr erwartet. Sozioökonomische Situation und Kultur bestimmen den Kinderwunsch. Bis auf wenige Ausnahmen haben sich zum Beispiel bisher alle Zuwanderergruppen nach Deutschland innerhalb einer Generation an der regenerative Verhalten der Deutschen angepasst.
Selbst im subsaharischen Afrika gibt es in den Metropolen einen rasanten Trend zu deutlich kleineren Familien. Dies hat etwas mit dem Wunsch nach guter Ausbildung der Kinder und einem sich erhöhenden Heiratsalter zu tun. Wenn dieser Trend mit dem Fakt multipliziert wird, dass bereits in vielen Staaten Afrikas die Urbanisierung die 50-Prozent-Quote überschritten hat, dann sollte deutlich werden, wohin auch dort der demographische Trend läuft.

Thomas Robert Malthus mit seinem „Essay on the Principle of Population as it Affects the Future Improvement of Society“, London (1798; deutscher Titel: Das Bevölkerungsgesetz) war und ist ein wichtiges Buch, um bestimmte Prinzipien der Demographie zu verstehen. Doch es gibt meiner Meinung nach keine Ernst zu nehmenden Neo-Malthusianer.
Lomborg und seine Spekulationen über Bevölkerung und Ernährungssicherung führten zu den Studien über die Tragfähigkeit der Erde als Ganzes und der landwirtschaftlichen Produktionsmöglichkeit einzelner Regionen und Staaten (BTW: Dies war das Thema meines Referates für mein erstes Hauptseminar an der UNI Hannover). Die Berichte an den „Club of Rome“ in den 70-er Jahren und der Bericht „Global 2000“ (1980) an den US-Präsidenten fassen die früheren Erkenntnisse und Spekulationen zusammen. Tragfähigkeitsdebatten der heutigen Zeit sollten die Zerstörung und Verseuchung von Nahrungsmittelproduktionsgebieten einbeziehen. Die Industrialisierung der Produktion (Lachs in der Nordsee; Garnelen in den Tropen, Soja in Brasilien, Schweine in Niedersachsen, etc.) schafft heute größere Probleme für die Nahrungsversorgung als das die Bevölkerungszahl.

B.) Klimawandel
Zum Thema der globalen Erwärmung sollte zwischenzeitlich jeder Zweifel beseitigt sein. Zwei UNI-Kurse zur Klimatologie sind wenig, aber seitdem hat mich die Faszination für Klimastatistiken (Fakten und Trends) nicht verlassen. Lomborg hält die Prognosen für übertrieben und glaubt als Positivist, dass der Mensch der Zukunft die Probleme in den Griff kriegen wird. Selten so gelacht. Das erinnert fatal, an den Dumpfsinn der derzeitigen US-Regierung.
FCKW ist nunmehr seit mehr als einem Jahrzehnt in fast allen Ländern verboten. Bereits vor dem Verbot wurde gesagt, dass die Auswirkungen noch viele Jahr ansteigen würden und die Probleme erst nach Jahrzehnten zurückgehen würden. Eine realistische Einschätzung, wie jährlich immer wieder gemessen wird. Das Ozonloch wuchs nach dem Verbot von FCKW weiter und selbst über dem Nordpol baute sich diese Gefahr weiter auf und das Ozonloch wuchs. Wann diese elementaren Gefahren für Vegetation und Kleintiere (Krill der Antarktis) beseitigt sind, steht zwar nicht in den Sternen, aber es wird noch lange dauern. Ähnlich ist es mit den Trends in der globalen Erwärmung. Die Thermostate wurden vor Jahrzehnten hoch gedreht und seit den 90er Jahren steigen die Temperaturen, weltweit und selbst regional messbar.
Temperaturanstieg Hannover, 30-Jahre-Durchschnittswert, Wetter, Hannover, Temperatur, Erwärmung
Als Statistikfreund eine Abbildung aus meinen Datenbanken. Die Graphik zeigt den gleitenden Temperaturdurchschnitt für Hannover nachdem er durch 10, 20, 30 und 50-Jahre-Filter gelaufen ist. Jeder Punkt repräsentiert 120, 240, 360 bzw. 600 einzelne Werte.
Die Klimatologie benutzt 30-Jahreswerte, aber die beiden anderen Werte zeigen deutlich den Trend. Der 30-jährige Temperaturdurchschnitt (blaue Graph), also die in offiziellen Veröffentlichungen genannte Jahresdurchschnittstemperatur von Hannover erhöhte sich seit Anfang der 1980er Jahre von 8,7°C auf nunmehr bereits 9,4°C. Der 10-Jahres-Durchschnitt (rosa Graph) zeigt aber wo es schon bald hingeht. Selbst ein radikaler Wandel in der Klimapolitik bräuchte zur Durchsetzung mehr als 10 Jahre (siehe Kyoto-Protokoll).
Ein Beispiel: Regenerative Energieerzeugung ist bei uns seit zwanzig Jahren ein Thema, dass auch zu staatlichen Fördermittel führt. Doch erst in den letzten fünf Jahren ist die Energieerzeugung in Bereiche gelangt, die im Vergleich mit anderen Energieträgern eine sinnvolle Darstellung ermöglicht.


Was kann zu Bjørn Lomborg abschließend gesagt werden. Seine Statistik- und Diagrammflut erinnert an Club of Rome und Global2000 und hilft eigene Argumentationen zu überprüfen und klarer zu formulieren. Seine Schlussfolgerungen sind geistige Kurzschlüsse.
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Ein Nachtrag zu Björn Lomborg