Donnerstag, 22. Februar 2007

Kurioser Dialog an der Kasse

Im Discounter an der Ecke führte ein älteren Mann, der vor mir abkassiert wurde, ein kurzes Gespräch mit der etwa gleichaltrigen ihn offensichtlichen persönlich bekannten Kassiererin. Die Frage nach seinen Hunden. Er korrigierte sofort, dass es nur noch ein Hund sei. Der andere musste vor kurzem eingeschläfert werden, wegen hohen Alters und Krankheiten.
Der Mann packte während dieser Worte ein und ich wurde bereits abkassiert. Die Kassiererin meinte zum Schluss, dass dies leider bei Menschen nicht erlaubt ist.
Sie sah mein Erstaunen im Gesicht und ergänzte rhetorisch: Ist doch wahr!
Ich entgegnete, dass Euthanasie in den Niederlanden erlaubt ist und irgendwann bei uns auch möglich ist.

Es war nicht das erste Mal, das ich persönlich höre, dass eine Unterstützung beim Sterben erwünscht ist. Irritiert verließ ich den Laden.

Kommentare:

Stefan hat gesagt…

Ich habe neulich den Film Mar Adentro geschaut, der den Kampf eines gelähmten Mannes, der sein Leben beenden lassen will, gegen die Justiz schildert.

Ich würde sagen, wenn gewährleistet werden kann, dass die betroffene Person den Tod bevorzugt, bin ich mit Euthanasie einverstanden.

Stefan

Ulaya hat gesagt…

Das niederländische Modell mit zwei Ärzten und Bedenkfrist erscheint mir sinnvoll. Wenn ein Mensch mehrmals im vollen Bewusstsein seinen Todeswunsch äussert, sollte man ihn nicht hindern.
Als ich meiner Mutter mein Discounter-Erlebnis am Telefon erzählte, erzählte sie von einen spektakulären Selbstmord, der gerade in ihren Stadt Gesprächsthema ist. Ein städtischer Arzt hat erfahren, dass er wegen Krebs schon bald schmerzhaft sterben wird. Er hatte Zugriff auf den so genannten Giftschrank mit den Medikamenten die schmerzfrei ein Leben beenden. Er tat es.

Stefan hat gesagt…

In meinem gerade laufenden Kurs "Graphischer Ausdruck" an der Uni wird auch viel über die Wechselwirkungen zwischen Menschen, Tieren und ihrem Umfeld gesprochen. Sinneseindrücke haben ja unmittelbar mit dem Inhalt des Kurses zu tun.
Dabei ging es auch um das Verständnis der Menschen vom eigenen Körper - und in dem Zusammenhang erzählte der Vorleser, dass es statistisch belegt sei, dass Ärzte deutlich überdurschnittlich Selbstmord begehen.
In seinem gewohnt provokanten Ton, den ich so schätze, meinte er dann:
"Die wissen, was unser Körper ist. Ein zuckender Klumpen Fleisch, der leicht draufgeht."

Es wundert mich nicht, dass er Arzt das getan hat. Aber ob ich es auch so machen würde - das kommt darauf an, wie schlimm die Auswirkungen der Krankheit mich gequält hätten.

Stefan