Posts mit dem Label ROW werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label ROW werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 16. September 2014

Flugplatz Rotenburg Wümme

In einem Teil der norddeutschen türkischen Community läuft gerade ein Gerücht, das ich hiermit als falsch erklären möchte. Es gibt keinen günstigen Flüge von Rotenburg in die Türkei!

Nordwestlich von Rotenburg / Wümme liegt die Lent-Kaserne der Bundeswehr, die auf einen Vorläufer einer Nazi-Kaserne von 1936 basiert. Seit 1937 gibt es dort ein Flugfeld, auf dem im 2. Weltkrieg Jagdflieger und Bomber stationiert waren. Von hier wurden Angriffe geflogen und 1944 fand ein großer britischer Luft-Angriff statt, der den Flugbetrieb fast beendete.
1958 übernahm die Bundeswehr das Gelände von den Briten und Einheiten der Heeresflieger waren hier stationiert. Statt einer Grasbahn gab es eine befestigte Rollbahn. 1994 wurden die militärischen Einheiten abgelöst und seitdem gibt es nur noch eine zivile Nutzung.

Der Flugplatz Rotenburg / Wümme ist ein Verkehrslandeplatz der Klasse II. Die 800m lange Rollbahn ist für Flieger bis 5,7t zugelassen. Es gibt keinen kommerziellen Flugbetrieb und es sind auch keine Langstrecken-Charterflüge ab Rotenburg bekannt.
- - - - -
AERO-CONSULT bietet in Rotenburg Charterflüge mit Hubschrauber oder Cessna an (Flugziele Bremen, Lüneburger Haide).
Webseite des Flughafens (Kennung EDXQ)
Geschichte des Fliegerhorsts Rotenburg (Die Kaserne ist nach einem viel geehrter NAZI-Soldaten benannt)
PS: Es gibt auch keine internationalen Flüge ab Rotenburg an der Fulda oder Rothenburg op der Tauber

Dienstag, 9. September 2014

Jägerhof in Rotenburg 1966-1967 - Teil 2

Wer kam zum Jägerhof in Rotenburg? Zum einen natürlich die lokalen Jäger, aber eben auch Gäste aus dem Umland.Max Schmeling, Gästebuch, Unterschrift, Jägerhof, Rotenburg
Am Samstag, dem 4. März 1967 war die Familie mal wieder im Jägerhof. Im etwa 40km entfernten Wenzendorf lebte ein prominenter Jäger, der an diesem Nachmittag zu Besuch kam.
Der ehemalige Schwergewichtsboxweltmeister Max Schmeling und einige seiner Freunde kamen in den Rotenburger Jägerhof zum Schießen. Mein Vater bat ihn um eine Unterschrift von ihn und anderen Gästen des Tages. Dieser Zettel wurde in ein leeres Photoalbum meiner Mutter eingeklebt und seitdem hatte der Jägerhof ein Gästebuch. Zwischen den Seiten mit Unterschriften hat meine Mutter Fotos eingeklebt und Zeichnungen angefertigt. Max Schmeling und seine Freunde waren im Frühjahr 1967 mindestens vier Mal Gäste des Jägerhofs.
Tontaubenschießen, Jägerhof, Rotenburg i.H.
Der Kalender und das Gästebuch verzeichnet aber auch Teilnehmende an den Kreis-Waldlaufmeisterschaft 1967, Reisegruppen vom Automobil und Touring Club ATC, DKW, ADAC, der Post, Soldaten und Reservisten verschiedener Einheiten, den Rod and Gun Club der US-Army in Bremerhaven oder einem Bläser-Corps.

Tontaubenschießen
(Hinter diesen Klappen saß ein Jäger, der die Tontauben mit einer Schleuder hochschoss)
Tontauben, Jäger und Sammler
(Neben den Jägern, gab es auch Sammler)
Zu den für uns gesperrten Bereichen gehörten natürlich die Schießbahnen und die Freifläche für das Tontaubenschießen. Wir durften aber nach dem Schießen dort hin, wo die Schützen auf die Tontauben geschossen hatten. Da lagen dann diese große Schrot-Hülsen, die sehr intensiv nach Pulver rochen.

Mehrmals waren meine Schwester und ich in Begleitung einer erwachsenen Person in dem Bereich des Unterholzes, wo die Tontauben hinflogen. Hier wurden dann die nicht getroffenen Tontauben, die für uns Kleinkinder schwer waren eingesammelt und zu Türmen gestapelt. Ein Erwachsener holte die Scheiben ab und vermutlich wurden diese Tontauben dann am nächsten Wochenende wieder für die Schützen hochgeschleudert.








(Außenansicht des Jägerhofs vom Schussfeld für die Tontauben. Zu sehen ist der Wall, der die Schießbahn begrenzte und wir zwei Kinder in der damals wieder einmal populären "Matrosen"-Kleidung)
  Dies ist der zweite Teil eines Textes über den 
            ehemaligen Jägerhof in Rotenburg i.H. 
                           in Gedenken an meinen Vater 
                       Hans-Peter Müller (1939-2013) 
Zum ersten Teil.

Montag, 8. September 2014

Jägerhof Rotenburg in Hannover 1966-1967

Am nördlichen Stadtrand von Rotenburg gab es früher den Jägerhof mit angeschlossener Gastwirtschaft.
Meine Eltern waren für zwei Saisons die Pächter des Betriebs.
Einige persönliche Erinnerungen aus dieser Zeit als Gedenken an meinem Vater Hans-Peter Müller (1939-2013).

 Jägerhof, Rotenburg Wenn man von der Harburger Straße kurz vor dem Ortsausgangsschild rechts in die Brockeler Straße eingebogen war, so führte auf der linken Seite ein Stichweg zum Jägerhof. Man fuhr auf einen Feldweg an einer Koppel mit Schafen vorbei, dann gab es dort Spielgeräte für Kinder und schließlich das niedrige Gebäude mit der überdachten Veranda.
Die Autos parkten direkt davor. Durch die Gastwirtschaft ging es einige Stufen hinab zum Schießstand. Rechts vom Jägerhof war eine offene Wiese, die von Büschen und Bäumen umgeben war. Hier wurde bei Interesse eine Schleuder für Tontauben aufgestellt, welche die Jäger und Gäste im Flug mit großen Schrotpatronen beschossen.
Tontaubenschießen, Tontaube, Schrotmunition
Der Besitzer war F.H. sen., der in Rotenburg seit mindestens 1939 die Kneipe neben dem Capitol-Theater betrieb. Der Pachtvertrag wurde natürlich nicht zwischen meinen Eltern und F.H. abgeschlossen. Wir schrieben das Jahr 1966 und Verträge wurden vom Ehemann Hans-Peter Müller unterzeichnet, auch wenn der Vertrag Arbeit und Verantwortung für beide Ehepartner bedeutete.
Hans-Peter Müller, Jägerhof, Rotenburg, Familie Müller
Meine Schwester und ich verbrachten sehr viele Wochenenden auf dem Gelände des Jägerhofs.Wir hatten absolute Verbotszonen und ansonsten sehr viel Freiheit. Da es ein Feldweg war, der zum Gelände führte und die Autos weder Allrad noch hohe PS-Zahlen hatten, ging von der Zufahrt oder Abfahrt der Schützen vom Gelände keine Gefahr für uns aus. Ich erinnere mich, dass die Schafe mir zunächst riesig vorkamen. Aber ich war da auch erst 4 oder 5 Jahre alt und bin heute vor allem darüber erstaunt, dass ich mich an so etwas erinnern kann.

Im April 1966 hatten meine Eltern erstmals Dienst im Jägerhof. Der Schießstand war vor allem an den Wochenenden geöffnet. Ein Kalender meiner Mutter und ein im Jahre 1967 begonnenes Gästebuch geben einige Informationen über den Jägerhof.
Gästebuch, Jägerhof, Rotenburg, Hannover, Rotenburg i.H., Hans-Peter Müller

Samstags war der Jägerhof vom späten Vormittag bis zum Nachmittag und am Sonntagvormittag bis zur Mittagszeit geöffnet.
Meine Mutter begann irgendwann, unser sonntägliches Mittagessen mit zu bringen. Die Familie des Schießwarts (?) D.H. brachte auch etwas mit und so saßen wir regelmäßig mit sieben Personen an einem Tisch und aßen die aufgewärmte Mahlzeit.
In der Gastwirtschaft gab es die üblichen Getränke und als Essen vor allem Bockwurst mit Toastbrot und Senf sowie selbst gemachte Buletten. Letztere liefen nicht so gut, da zunächst der gleiche Preis anderer Kneipen genommen wurde, aber die Buletten kleiner waren. Meine Mutter erinnert sich daran, dass sie einmal alle selbst gemachten Buletten wieder mit nach Hause nahm.
Bis in den Oktober 1966 war jedes Wochenende der Jägerhof geöffnet und mindestens einmal wurde der Betrieb auch an einem Werktag geöffnet. Der Pachtvertrag war eine große Verpflichtung. Als ich in dieser Zeit Mumps bekam, wurde ich warm eingepackt zum Jägerhof mitgenommen und verbrachte den Tag auf der Veranda.
Ziegenpeter, Mumps

Der Jahresabschluss wurde mit einem Spanferkel-Essen gefeiert.

Im Winter 1966-1967 gab es mindestens zwei Einbrüche in den Jägerhof. Die Tür zur Gaststube wurde nicht geknackt. Es wurden jeweils eines der Fenster zum Beispiel auf der Waldseite zerstört. Der oder die Einbrecher richteten jeweils großen Schaden im Jägerhof an. Da einmal gezielt auch der Waffenschrank aufgebrochen wurde und mindestens eines der Kleinkaliber-Gewehre, die für die Schießbahn ausgeliehen werden konnte, gestohlen wurde, ging es offensichtlich um mehr als Geld. Gestohlen wurden jeweils angefangene Schnapsflaschen und Zigarettenstangen.
Meine Eltern konnten am Ende eines jeden Jägerhof-Tages nicht alle diese Wertsachen mit nach Hause nehmen. Zunächst hatte unsere Familie noch kein Auto und wir wohnten mehr als ein Kilometer entfernt. Auch als dann schließlich ein Auto vorhanden war, gab es weiterhin Probleme. Meine Mutter hatte keinen Führerschein und wenn mein Vater (als Berufssoldat) im Manöver war, musste sie irgendwie die Wertsachen und uns zwei Kinder zum Jägerhof bringen.
Auf der Theke der Gastwirtschaft stand zunächst eine riesige Registrierkasse. Die Tasten waren den verschiedenen angebotenen Getränken und Speisen zugeordnet. Nach dem Eintippen erschien oben die Gesamtsumme. Diese Kasse wurde bei jedem Einbruch aufgebrochen. Natürlich war die Kasse stets leer. Dies scheint schließlich die Einbrecher so weit verärgert zu haben, dass die Kasse mit hinter den Jägerhof genommen wurde und dort zerstört wurde. Es war eine interessante, silbern glänzende Maschine.

Der Jägerhof lag zwar nicht im Wald, war aber nicht an das Wasser- und Abwassersystem der Stadt Rotenburg angeschlossen. Unter dem Gebäude gab es einen kleinen, niedrigen Keller, wo eine Pumpe mooriges Grundwasser für die Spüle und die Toiletten hoch pumpte. Es war ein versteckter, unheimlicher Ort. Von der Gaststube ging es hinter einen Vorhang in eine kleine Küche. Dort wurde dann eine Schiebetür geöffnet und war der dunkle niedrige Raum zu sehen.
Das Wasser war nicht brackig, aber wenn es längere Zeit in der Spüle stand, gab es eine Ablagerung am Beckenrand und -boden. Das Wasser roch und hatte einen unangenehmen Geschmack. Für die Kaffeemaschine, aber auch zum Kochen von Kartoffeln und Gemüse wurde deshalb mitgebrachtes Mineralwasser verwendet.
Abwasser verschwand in einer Sickergrube.

Dieses System von eigener Pumpe für Frischwasser und Sickergrube für die Abwässer gab es auch noch in den frühen 1980-er Jahren in dem Teilen von Brauel, wo wir lebten.
- - - - -
Zum zweiten Teil
- - - - -
Der Jägerhof befindet sich heute weiter im Osten entlang der Brockeler Straße. Auf dem Gelände des Jägerhofs befindet sich nun der Kindergarten Rappelkiste. Hoffentlich haben Sie vor diesem Neubau den Boden ausgekoffert, denn der war sicherlich durch die vielen Reste der Munition verseucht. Auf die Tontaubenscheiben wurde mit Bleischrot geschossen.

Montag, 9. September 2013

Trauer und Hoffnung in der Musik

Der Tod eines nahen Verwandten bewegt mich sehr. Auf der Trauerfeier wurde nach der Zeremonie Frank Sinatra "My Way" gespielt und nun haben mehrere Zeilen eine persönliche Bedeutung:
And now, the end is here
And so I face the final curtain
...
I've lived a life that's full
...
I've loved, I've laughed and cried
I've had my fill, my share of losing
(Text: Paul Anka)
Ja, das war sein Weg.

Seitdem bin ich noch hellhöriger geworden und viele Songs und Lieder wecken Erinnerungen. Viele Beispiele könnten genannt werden. Ich will nicht in der Vergangenheit versinken und fand hierzu Trost bei Ton Steine Scherben:
Und die Tränen von gestern wird die Sonne trocknen,
die Spuren der Verzweiflung wird der Wind verweh'n.
Die durstigen Lippen wird der Regen trösten
(Rio Reiser/Lanrue (1975) "Land in Sicht")

Samstag, 30. Dezember 2006

Budel-Seedorf-Akkoord von 1963

[Dies ist ein Text aus dem Jahre 2006; einige Angaben sind überholt]

Die niederländische Brigade in Seedorf bei Brauel ist ein Kind des Kalten Krieges.

Zwischen 1956 und 1959 baute die Bundeswehr zwischen den beiden Dörfern Seedorf und Brauel eine neue Kaserne für 1.500 Soldaten. Seit dem Beginn des Berliner Mauerbaus am 13. August 1961 gab es Aktivitäten der NATO, die als Abschreckung unter anderen eine niederländische Panzerbrigade mit 3.500 Soldaten östlich der Weser in Hohne und Fallingbostel stationierten. Bis zum Ende des Jahres wurde dieser Alarmzustand aufgehoben und 1962 begannen Gespräche, ob und wo niederländische Einheiten einer Panzerbrigade permanent stationiert werden können.

Mit der westdeutschen Regierung wurde vereinbart, dass es einen Tausch von Kasernen geben würde. Der Standort Budel in Brabant südlich von Eindhoven wurde der deutschen Armee im Tausch gegen eine Kaserne ähnlicher Größe mit zusätzlichen Wohnungen außerhalb der Kaserne angeboten.
Für Seedorf sprach, dass es sich östlich der Weser befindet und von hier leichter Zugang zu den drei großen Truppenübungsplätzen in der Lüneburger Heide besteht.
Am 17. Januar 1963 wurde das Budel-Seedorf-Abkommen / Budel-Seedorf-Akkoord über die Stationierung von Streitkräften zwischen den beiden Verteidigungsministerien abgeschlossen. Im August 1963 erreichte das 103. Verkenningsbataljon (Aufklärungsbataillion) als erste Einheit die Kaserne Seedorf. Bereits seit Mai bezog die Bundeswehr mit drei Batallionen den Legerplaats Budel und am 1. Juli 1963 trafen dort die ersten deutschen Rekruten ein.

In Seedorf waren ständig zwischen 2.000 und 3.000 niederländische Soldaten stationiert. Dies waren vor allem Soldaten der 41. Panzerbrigade, die später zur 41. Leichten Brigade wurde. Die Niederländer bezogen eine Kaserne mit Massenunterkünften, die erheblich erweitert werden mussten. Das kleine Städtchen Zeven hatte damals nur 7.000 Einwohner. Zeven war alleiniger Standort der Unterkünfte außerhalb der Kaserne für Berufssoldaten, Zeitsoldaten, zivile Angestellte und deren Familienangehörige. Die Bundeswehr übergab neben der Kaserne Seedorf 54 Wohnungen in einer Reihensiedlung in Zeven an die niederländische Armee. Alleine 1964 wurden weitere 130 neue Wohneinheiten gebaut. Für die Kinder wurde 1965 die Prins Willem Alexanderschool eröffnet.
Es entstanden schließlich vier Siedlungen mit Reihenhäusern in Zeven und in den 70-er Jahren begannen einzelne Niederländer in dem großen Neubaugebiet zwischen Zeven und Brauel neben deutschen Bauherren ihre Träume von einem Einfamilienhaus zu realisieren. 

Doch zurück zur Geschichte der Niederländer in Zeven und Seedorf. Seit 1990 haben sich die Militärverhältnisse in Westeuropa umfassend geändert. Die Niederlande hat wie fast alle Staaten die Wehrpflicht abgeschafft und als eine Konsequenz die Zahl ihrer Soldaten reduziert. Die deutsche Verteidigungspolitik hält immer noch an der ungerechten Wehrpflicht -zur Erinnerung: jeder Kriegsdienstverweigerer muss Zivildienst leisten, aber nur jeder dritte Nicht-Verweigerer muss zum Militär- fest, dennoch hat sich die Zahl der Soldaten erheblich reduziert. Die offensichtlichste Konsequenz ist die Reduzierung der militärischen Standorte. Erst Abzug und Auflösung einer Kaserne machen deutlich, dass diese oftmals der wichtigste lokale Arbeitgeber war.
Am 15. September 2004 wurde ein Gerücht durch ein Abkommen offiziell. Deutschland und die Niederlande hatten entschieden, dass Seedorf-Budel-Abkommen zu kündigen. Die deutschen Einheiten verließen bis Mitte 2005 den niederländischen Standort Budel und die letzten niederländischen Soldaten verließen Seedorf bis Mitte 2006.


Es gebe noch viel zu sagen zu den Niederländern in Zeven und den umliegenden Gemeinden.
- - - - -
Eine Notiz zu Brauel und Seedorf findet sich hier.