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Sonntag, 8. August 2021

Der schweigende Stern

1960 kam in beiden deutschen Staaten der Science Fiction-Film "Der schweigende Stern" in die Kinos. Es war dies eine Koproduktion zwischen staatlichen Filmstudios aus Polen und der DDR. Es handelt sich um die Verfilmung eines Frühwerks des polnischen Autors Stanislaw Lem (Die Astronauten, 1951). 

Die Handlung ist schnell erzählt:

Die Welt ist friedfertig und Wissenschaftler*innen aller Länder arbeiten zusammen. Eine Metallspule mit Informationen wird in einer unwirtlichen Gegend gefunden und mit dem Tunguska-Explosion von 1908 in Verbindung gesetzt. In einer Teilübersetzung wird klar, dass es sich um eine bedrohliche Nachricht vom Planeten Venus handelt.

Eine geplante Marsmission wird stattdessen zur Venus geschickt. Das Landegebiet ist hochgradig radioaktiv verseucht und es werden Spuren eine ausgelöschten Zivilisation gefunden.

Die Zivilisation auf der Venus wollte die Erde angreifen, das Erkundungsraumschiff explodierte 1908. Auf der Venus fand ein Krieg statt und mit der Waffe, welche die Erde zerstören wollte, löschte sich die Zivilisation aus.

So weit.
Großartig ist, dass dieser Film während des kalten Krieges entstand und ein klares Plädoyer gegen Atomwaffen formuliert. Auf der Venus sind nur noch Schatten von den verdampften Bewohner*innen an einzelnen Wänden vorhanden. Eine klare Referenz zu Hiroshima und Nagasaki, wo auch von einigen Menschen nur noch dieser Schatten blieb. Die Welt ist friedfertig, eine wissenschaftliche Ratsversammlung zeichnet sich vor allem durch ihre Diversität (Männer & Frauen, Alte & Junge aus vielen Ländern) aus. 

Der Spannungsbogen ist gering und die Tricktechnik wirkt kurios, doch es ein angenehmes Gegenstück zu US-Produktionen wie "Invasion of the Body Snatchers" (1956) oder "Village of the Damned" (1960), die subtilen Antikommunismus pflegen.

Der schweigende Stern
DDR / Polen 1960
Regie: Kurt Maetzig
(unter den Schauspielerinnen ist u. a. die junge Eva-Maria Hagen als Reporterin zu sehen)



Donnerstag, 10. März 2016

Fukushima Daiichi und Ignoranz der Atommafia

Am 11. März 2011 zerstörten ein Erdbeben und ein folgender Tsunami drei Atomreaktoren in Fukushima Daiichi. Dies zwang politisch Verantwortliche zu einer Neubewertung der atomaren Stromerzeugung.

Die französische Regierung und die staatliche dominierte Électricité de France eDF, welche die französischen Atomkraftwerke betreibt und neue Projekte für AKWs entwickelt, zogen keine Konsequenzen aus dem GAU in Japan.
Vor der Pariser Weltklimakonferenz hat Frankreich Propaganda für die sichere, saubere Atomkraft gemacht.

Ich sah dies zum Beispiel in Warschau am Schutzzaun der Botschaft.
Dort wurde besonders die Baustelle des neuen Reaktors am Standort Flamanville in der Normandie dargestellt. Es waren einfach schöne Bilder von einer Baustelle, die eDF Kopfschmerzen und finanzielle Probleme bereitet.

Zwei Reaktoren stehen dort bereits und so konnte ohne großen Protest - 700 Menschen arbeiten für das Atomkraftwerk - der Plan für einen dritten Reaktor entwickelt werden. Er sollte 2012 für Gesamtbaukosten von 3,3 Milliarden Euro fertig gestellt werden. Das Datum der Fertigstellung und die Baukosten veränderten sich stetig:
4 Milliarden Euro und 2013 am Netz, 5 Milliarden und 2014 am Netz, 6 Milliarden und 2016 am Netz, 8,5 Milliarden und 2017 am Netz. Aktuell wird eine Inbetriebnahme Ende 2018 verkündet und die Baukosten sollen bis dahin 10,5 Milliarden Euro betragen. Billig war Atomstrom noch nie, ohne staatliche Subventionen zum Beispiel versteckt in der Forschungs-Förderung wäre die Atomkraft aus wirtschaftlichen Gründen schon Geschichte.

Atomkraft zur Stromerzeugung ist in Deutschland demnächst Geschichte. Wir werden auch ohne neue AKWs noch für mehr 100 Jahre ernste Probleme mit dem Atommüll und die Finanzierung seiner sicheren Endlagerung haben. Für den Atommüll in der Asse (schwach- und mittel-radioaktiv) gibt es bereits Zeitpläne bis 2036. Die letzte Schätzung von 2010 geht alleine an diesen kleinen Standort von Kosten von 3,7 Milliarden Euro aus, die fast vollständig vom Steuerzahler bezahlt werden.
Sarkastisch kann gesagt werden, wer einen sicheren Arbeitsplatz sucht, sollte eine Ausbildung in der Atommüllentsorgung oder der Steuerverwaltung anstreben.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Aktueller Euphemismus Fahrrinnenanpassung

Politik und Wirtschaft (und die sie begleitende Werbung) kreieren immer wieder neue Worte (Neologismen), die eindeutige Begriffe neu und freundlicher umschreiben, weil zunächst kein Konnotation mitschwingt.
Aktuell wird vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein Prozess gegen die geplante nunmehr 9. Elbvertiefung statt. Politik und Hamburger Wirtschaft faseln stattdessen von einer Fahrrinnenanpassung. Das geht so weit, dass in einem Interview auf NDR-Kultur ein politischer Befürworter gegenüber dem Journalisten auf das neue Wort bestand, da das alte seiner Meinung nach eindeutig eine Gegnerschaft gegen das Projekt dokumentiert.

Das passt in die Reihe der Wortgeklingel zu denen auch Kernenergie statt Atomkraft kreiert wurde. Wer Atomkraft sagt, ergänzt: Nein, danke!
(Das Wort bestimmt die Richtung: Gesehen in Lisboa)

Samstag, 26. November 2011

Impressionen der Anti-Castor-Proteste Dannenberg 2011

Heute (26.11.2011) fand die Protestdemonstration gegen die CASTOR-Proteste in Dannenberg statt. einige Impressionen:
Auf dem Weg zum Kundgebungsgelände

Landwirtschaftsschule Dannenberg mit Anti-CASTOR-Protestsymbol

LKWs für den Transport der CASTOR-Behälter am Verladebahnhof Dannenberg Ost

dito, siehe auch:


dito.

Polizeiliche Absperrung an der Transportstelle

Fake-CASTOR-Transport

dito

Internationale Solidarität

.. und DIE MAUS sagt dazu

Bäuerlicher Protest

Bäuerlicher Protest gegen den CASTOR-Transport 2011

Ausschnitt aus dem vorherigen Bild

Flattr this

Donnerstag, 24. November 2011

Castor-Festspiele 2011

Das Warmlaufen hat begonnen und die strahlende Fracht ist bereits auf den Gleisen unterwegs.
Am Samstag ist dann die große Solidaritätsdemonstration für die vielen, die aktiv den Transport behindern und damit über die Medien der Politik verdeutlichen, dass die Atommüllfrage(n) nicht beantwortet sind.
Es gibt mehr als 100 Busse, die aus ganz Norddeutschland und vielen anderen Städten an diesem Tag nach Dannenberg fahren, um dort in Sichtweite des Verladekrans der Castoren ihren Protest gegen die Atompolitik auszudrücken.
Es ist martialisch aber auch ein lächerliches Zeugnis unserer Innenpolitik, dass mehr als 15.000 Polizeibeamte als Zuschauer und Akteure an den Castor-Festspielen teilnehmen.

Das Netz bietet im Gegensatz zu anderen Medien ständig aktuelle Informationen:
Ich empfehle:
Wendländischer Gedenkstein für den Gorleben-Treck 1979 in Hannover

Auf ins Wendland!

Mittwoch, 2. November 2011

Dilatorische Angela Merkel

Dilatation (von lateinisch dilatare ‚verlängern, ausdehnen, vergrößern‘) (siehe Wikipedia)

Der tägliche Blick auf die Politik unserer Bundeskanzlerin durch die tageszeitung, Radio-Nachrichten und Tagesschau/Heute offenbart verschiedene Merkmale ihrer Politik. Ihr Ziehvater Birne Kohl war berühmt für sein Aussitzen. Bei Angela Merkel fallen ihre dilatorischen Maßnahmen auf. Berechtigte Forderungen werden über Jahre verschleppt und die Behandlung in Ausschüssen und die wissenschaftliche Begutachtung erzeugen die Illusion, dass sich etwas ändert.

Wenn die große Öffentlichkeit und nicht nur die Polit-Elite Themen diskutiert und erfolgreich außerparlamentarisch in die Nachrichten bringt (Beispiele Ausstieg aus der Atomkraft, Mindestlohn, Frauenquote, Spekulationssteuer), wird dies zunächst nicht ernst genommen, weil es in der Politik oder das was die Bundesregierung dafür hält angeblich wichtigere Themen gibt. Halten die Proteste an, werden Forderungen als illusorisch, unproduktiv oder sogar staatsgefährdend bezeichnet. Das liebste Argument ist dabei, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland dadurch beschädigt oder gefährdet wird.
Dieser Verweigerung folgt dann eine Phase, die durch das Motto "if you can't beat them, join them" geprägt ist. Doch ist dies nur eine scheinbare Kehrtwende, wenn Angela Merkel plötzlich für den Ausstieg aus der Atomkraft, Mindestlohn oder eine Spekulationssteuer ist. Das beginnt damit, dass das ungeliebte Kind als erstes einen neuen Namen bekommt. Börsentransaktionssteuer, Lohnuntergrenze, Beschleunigung der Energiewende sind solche Worthülsen, welche in den Nachrichten auftauchen. Plötzlich definiert die Bundesregierung, wie ein Thema öffentlich diskutiert wird (Diskurshoheit). Mit der Aneignung eines Themas kann die Dilatorin Angela Merkel den Druck aus der öffentlichen Debatte nehmen und viele, die bisher bereit waren für ihre Forderungen mit Unterschriften oder auf einer Demonstration sich zu zeigen, sind beruhigt.

Aktuell ist das Beispiel der Atomkraft. Die halbherzige Stilllegung einiger Atomkraftwerke löst in keiner Weise die Atommüllentsorgung. Doch mit der offiziellen Politik reduziert sich die Zahl der aktiven Atomkraftgegner so weit, dass für den nächsten Castor-Transport nach Gorleben deutlich weniger Demonstranten erwartet werden, als in den Vorjahren. Damit besteht dann auch die Gefahr, dass die Regierung in ihren Bemühungen die Proteste zu kriminalisieren in diesem Jahr wieder Erfolg hat.

Doch zurück zu den dilatorischen Maßnahmen. Mit der Aneignung eines Themas wird dieses von der außerparlamentarischen Öffentlichkeit in die Ausschüsse verdrängt. Hier finden dann Anhörungen statt, werden wissenschaftliche Gutachten bestellt und immer wieder Entscheidungen vertagt, da es weiteren Klärungsbedarf gibt. Es wird Zeit gewonnen. Zeit, die eigentlich nicht notwendig ist, da diese Gutachten und Erfahrungen zur Umsetzung der politischen Forderungen seit Jahren bekannt sind.
Offiziell ist die Bundesregierung nun für die Einführung einer Börsentransaktionssteuer, doch seitdem dies offizielle Regierungspolitik ist, wird nur noch im diplomatischen Hintergrund eine Umsetzung gefordert. Es wird vor allem stets betont, dass andere europäische Regierungen gegen so eine Steuerung der Spekulation sind und deshalb weiter verhandelt werden muss. Diplomatie ist schon immer ein gutes Argument für dilatorische Maßnahmen gewesen. Ähnliches ist für den Mindestlohn zu befürchten. Jetzt beginnen die Verhandlungen und die Zweifel, ob das eine sinnvolle Maßnahme ist.
Doch hier ist es offensichtlich, was damit erreicht werden soll. Es wird Zeit überbrückt, denn plötzlich wird der Bundestagswahlkampf beginnen und die Themen sind nur noch Munition für einen Schlagabtausch auf niedrigsten Niveau und ernsthafte Debatten und schließlich Entscheidungen werden auf die Zeit nach der Wahl und Regierungsbildung verschoben.

Samstag, 19. März 2011

Der GAU in Fukushima-Daiichi und die Informationen

Im Verlauf der letzten Woche gab es viele Sondersendungen und auch das Internet (spiegel.de, taz.de) boten viele Beiträge zum GAU (oder Super-GAU?) im AKW Fukushima-Daiichi, doch war und ist viel zu oft zu hören, dass Informationen nicht bestätigt werden können oder vermutet wird, was vor Ort passiert.
Die wenigen Strahlenwerte, die in den Medien zirkulieren (zum Beispiel hier), beruhigen überhaupt nicht und erinnern an das Vernebeln und Leugnen nach der Tschernobyl-Katastrophe.
Wenn ich von Chikako Yamamoto lese, dass Antiatom-Aktivisten nun ungefragt in das Sperrgebiet fahren, um dort Pflanzen, Erdproben und Wasser zu sammeln, damit dieses in einem unabhängigen Labor getestet werden kann, dann fällt mir sofort Friedrich Zimmermann ein, der als Bundesinnenminister dafür sorgte, dass kurz nach dem extremen Ansteigen der Radioaktivität in Deutschland infolge von Tschernobyl, die Messwerte nicht mehr veröffentlicht werden durften. In Deutschland waren damals alle Geigerzähler ausverkauft und die Menschen fanden unabhängige Labore die Proben testeten und damit die Schweigepolitik der Regierung Kohl konterkarierten.
Aus der Anlage Fukushima-Daiichi gibt es wenige Angaben, weil die Schäden so umfassend sind, dass Menschen nicht nahe an die Reaktoren herankommen. Es wurde sogar schon gemeldet, dass überhaupt nicht bekannt ist, in wie weit die sechs Reaktoren und Abklingbecken beschädigt sind.
Hm, denke ich an das Technologieland Japan, dann denke ich sofort an Roboter. Eine Woche ist vergangen und ich habe bisher noch in keiner Meldung gehört, dass Roboter mit Messgeräten oder zumindest einer Kamera genutzt wurde. Die Luftaufnahmen sind eine Mischung aus Satellitenbilder, Aufnahmen aus den Hubschraubern, die für Löscheinsätze genutzt werden und einmal Aufnahmen einer Drohne. Das dort nicht regelmäßig Drohnen eingesetzt werden ist mir ein Rätsel. Kosten sollten kein Problem sein. Wenn die Drohnen nach so einen Einsatz durch die Strahlung zerstört sind, so wäre dies kein Problem, denn jeder Mensch, der dort vor Ort verstrahlt wird, ist ein Opfer zu viel. Militär und vermutlich auch die Polizei sollte über Drohnen verfügen, die dort eingesetzt verwenden können.
Polemisch kann ich nur empfehlen, dass die niedersächsische Polizei ja die Drohnen, die sie zur Beobachtung der Atomkraftgegner im Wendland verwendet, nach Japan schicken kann.

Und was ich überhaupt verstehe ist, dass es Probleme bei der Versorgung und Evakuierung gibt. Nach Wikipedia hat Japan ein Luftwaffe mit 46.000 Mann und dem entsprechenden Fluggeräten. Transporthubschrauber können nicht nur Löschwasser transportieren, sondern auch die Menschen aus den Notunterkünften in den Westen und Süden evakuieren.

Montag, 14. März 2011

Fukushima Daiichi und Atomdebatte in Deutschland

Ich könnte viel schreiben, doch es geht auch so
oder so
(Zur Geschichte und Nutzung des Symbols siehe smilingsun.org)

Auch in Hannover trafen sich mehrere Hundert Menschen am Bahnhofsplatz um 18 Uhr zu einer Mahnwache. Es war keine Zeit für Reden oder Musik von einer Bühne, sondern für Gespräche, um aus der eigenen Sprachlosigkeit wegen des Super-Gaus herauszufinden.

Dienstag, 9. November 2010

www.kernenergie.de

Schön, das auch ein kreativer Informatiker einen Beitrag zum Anti-Atom-Protest geleistet hat.
gehackte Seite, www.kernenergie.de, Hacker, CASTOR, Atomforum
(Screenshot von der gehackten Seite www.kernenergie.de 09.11.2010 10:04)

Diese Propaganda-Seite der Atommafia (Deutsche Atomforum, Informationskreises KernEnergie und Kerntechnischen Gesellschaft), wird auf den CASTOR-Behältern beworben und wurde kurz nachdem das so genannte Zwischenlager Gorleben erreicht wurde, aus dem Netz genommen.

- - -
Siehe auch meine beiden Berichte:

Sonntag, 7. November 2010

Anti-Atom-Kundgebung im Wendland

(Nachtrag: Ein feiger Kommentar zu diesem Beitrag am Ende)

Am 6. November war die Auftaktkundgebung zu den Protesten gegen den Castortransport und die Atompolitik östlich von Dannenberg im Wendland. Die verschiedenen Antiatom-Aktivitäten in diesem Jahr und die verlogene Atompolitik des Atomministers Röttgen und seiner Chefin (Ur)Angela Merkel ließen bereits erahnen, dass in diesem Jahr viel mehr Menschen sich auf den Weg ins Wendland begeben würden, als in den Vorjahren. Die Mobilisierungskundgebung in Hannover vor zwei Wochen war bereits die größte Demonstrationen gegen Atomkraft in meiner Stadt seit der Jahrhundertwende.
Sowohl die Grünen Hannover, als auch Atomplenum Hannover und Bürgerinitiative Umweltschutz Hannover hatten separat Busse organisiert. Die Grünen hatten sieben Busse und ich saß in einen der sechs Busse der BiU. Es war ungemütliches Wetter angesagt und deshalb und wegen der großen Zahl der erwarteten Demonstranten sowie der Unkalkulierbarkeit der politischen Vorgaben an die Polizei, war mein Rucksack bis über den Rand gefüllt. Ich hatte eine komplette zweite Garnitur zum Wechsel nach natürlicher oder staatlicher Durchnässung in Plastik verpackt dabei.
Doch das Wetter war auf unser Seite, die Fahrt zum Busbahnhof erfolgte noch im leichten Regen, doch zwischen Unterlüß und Blickwedel war der ausgefranste Rand der sich abregnenden Wolken zu sehen. Bei Suderburg waren schließlich blaue Flecken zu erkennen. Doch der Dampf der Zuckerfabrik Uelzen zeugte davon, dass ein kräftiger Wind aus Nordwest kühle Luft heranwehte.
Die Fahrt war sehr gut organisiert. Wir erhielten Pläne, die den Busparkplatz und das Kundgebungsgelände zeigten, sowie eine Information mit Programm und den wesentlichen Telefonnummern für den Notfall. Wegen der großen Zahl der angekündigten Busse (ich las die Zahl 300) wurden die Fahrzeuge aus den verschiedenen Richtungen getrennten Parkplätze zugewiesen. In einem Sternmarsch sollten wir dann zum Kundgebungsgelände zwischen Nebenstedt und Splietau gelangen. Marsch ist schon der richtige Ausdruck. Der verteilte Plan wurde noch erläutert und dabei gesagt, dass es etwa 5km bis zum Kundgebungsplatz sind.
Zeitgleich kamen viele Busse an und als ich mich, nachdem ich kein bekanntes Gesicht gefunden hatte, auf den Weg machte, war der Fußweg dicht gefüllt mit Demonstranten, die sich für mich viel zu langsam in eine Richtung bewegten.
Aus angrenzten Straßen kamen kontinuierlich weitere Personen und die Menschen waren so ordentlich, dass die Wege immer dichter gefüllt wurden. Auf die B191 konnte nicht ausgewichen werden, da dort reger Verkehr herrschte. Die Polizei war nur mit wenigen Personen an den Kreuzungen zu sehen und erst an der Kreuzung mit der Gartower Str., aus der eine weitere dichte Menschenschlange kam, bogen wir in eine für den Verkehr gesperrte Straße ein. Auf diesem letzten Kilometer standen mehrmals Kleinlastwagen am Rande, auf deren Pritsche Musik gemacht wurde. Ich kam ziemlich genau um 13 Uhr auf dem Kundgebungsgelände an und mit dem Beginn des offiziellen Programms kam wirklich die Sonne heraus. Sie hatte keine Kraft mehr, doch gab es erstmals lauten Applaus, der einen erahnen ließ, wie viele Menschen sich auf diesem abgeernteten Maisacker versammelten. Ob es nun 25.000 waren oder sogar mehr als 40.000 ist mir egal. Wir waren sehr viele und das ist wichtig, um den Protest politisch nach außen zu tragen und nach innen das Gefühl zu bekommen, dass wir weder radikal noch alleine sind, mit unserem Ziel Atomkraft zu beenden.
Dies war dann auch der wesentliche Slogan, der mehrmals in Redebeiträgen vom Publikum aufgenommen wurde und Tausendfach über den Platz schallte ABSCHALTEN!

Nach Jahrzehnten mit Demonstrationen und Kundgebungen fanden Kumi Naidoo (Greenpeace International) und die anderen Redner die richtigen Worte, denen ich mit Interesse zuhörte. Ich fand es auch korrekt, dass ein Rechtsanwalt vom Ermittlungsausschuss die Unglaubwürdigkeit von Jürgen Trittin, Claudia Roth und Christa Goetsch (Senatorin in Hamburg) namentlich kritisierte und an Zitate von denen erinnerte, in denen Sie den Protest gegen Atomkraft kritisierten. Alle drei Genannten waren ins Wendland gereist, um hier symbolische Bilder auf Traktoren oder vor der Polizei produzieren zu lassen.
Das kulturelle Programm auf der Bühne war dürftig und deshalb kein weiteres Wort hierzu.
Zur hässlichen Gewalt vor Splietau siehe den Blogeintrag Schwarzer Block vor Splietau in Aktion.

Die Kreativität, die von Transparenten, selbst gemachten T-Shirts und Figuren ausging, war Herz erfrischend. Der Humor war selten sarkastisch oder zynisch. Wortspiele und Ironie ließen mich oftmals lächeln. Auf einem Plakat war einfach Blinky der dreiäugige Fisch aus der Welt Simpsons zu sehen. Und wo anders entdeckte ich natürlich auch Mr. Burns.
Der Rückweg zum Bus erschien fiel länger und war stressig, da wiederum nur die Fuß- und Radwege benutzt wurden. Als dann Demonstranten auch noch an einer roten Ampel stehen blieben, obwohl kein Verkehr zu sehen war, und damit einen der Gründe für das Stocken des Menschenstroms schufen, fasste ich mich in Gedanken an den Kopf.

Wir waren ein bunter Querschnitt eines wesentlichen Teils der Bevölkerung. Es waren Junge und Alte, es waren Einzelne und Familien mit Kindern, es waren freakige Typen und viele Menschen in funktionaler Outdoor-Kleidung. Leider fehlte eine Gruppe mal wieder oder war zumindest so stark unterrepräsentiert, dass ich niemanden sah. Menschen mit Migrationshintergrund habe ich nur Anfang der 1990-er Jahre auf den Kundgebungen gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit gesehen. Gegen Atomkraft sah ich sie noch nie.

Nach halbstündigen Warten verließen wir als einer der letzte Busse den Großparkplatz und kamen nur zwei Mal in eine zähe Verkehrssituation. Radio Freies Wendland berichtete uns aktuell, dass der Transport mehrere Stunden Verspätung hat, da bereits mehrmals erfolgreiche Blockaden zum Stopp oder zu einem Umweg des Sonderzug führten. Ein gelungener Auftakt gegen den Castortransport 2010. Die Kombination von CastorTicker und taz-Ticker gab stets einen guten Überblick über die Aktionen und Meinungen vor Ort. Spiegel online reichte erstmals nicht an diese Berichterstattungsquantität und -qualität heran..
Und alles endete mit einem gelungenen, virtuellen Witz: Als die Castoren in das so genannte Zwischenlager einbogen und der Lobby-Verband Atomforum auf der Verhüllung der Transportbehälter für seine Webseite warb, wurde diese gehackt..

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Ein dümmlicher Kommentar von Anonym erreichte mich um 21:52: Wo ist das Problem? "Man sollte den Zug einfach durchfahren lassen! Wen sich so ein Schwachkopf auf die Schienen legt, gibts eben einen Deppen weniger!". Wäre schön, wenn ich so einen menschenverachtendes Wesen bloßstellen könnte, aber es halt einer von diesen vielen Feiglingen der Anonymität der virtuellen Welt. Er hatte sich mit der IP-Adresse:
net1701.zhbia10p-rtdi01.bluewin.ch eingeloggt. Also ein Feigling aus Zürich, der sich über Swisscom eingeloggt hatte.

Schwarzer Block vor Splietau in Aktion

Am 6. November konnte ich um 15 Uhr zwischen Nebenstedt und Splietau den schwarzen Block in seinen beiden Ausführungen mal wieder in Aktion erleben.
Die Medien und der Großteil der politischen Kommentatoren meinen mit dem schwarzen Block ausschließlich die wüten(d)en jungen Männer, die sich selbst als Autonome oder Revolutionäre verstehen und durch eine uniforme Kleidung und Vermummung glauben, dass sie nicht erkannt werden. Doch es gibt auch noch einen anderen schwarzen Block. Es gibt Einheiten der Polizei, die eine schwarze Uniform tragen, dazu schwarze Schutzhelme mit Visier, schwarzen Mundschutz UND zum Teil sogar noch Hauben, wie sie von Motorradfahrern bekannt sind, die nur noch die Augen zeigen. Das sind wirklich gefürchtete Einheiten, die sehr brutal zuschlagen. Habe vor Jahren erlebt, wie alleine der Anmarsch dieser militärisch gedrillten Spezialeinheiten eine Sitzblockade auf einer Straße auflöste. Es war die schiere Angst, welche die Protestierenden vor einer Begegnung im schnellen Lauf die Kreuzung räumen ließ.

Doch zurück zum Wendland 2010. Die Ursache des Aufmarsches des schwarzen Blocks der Staatsgewalt war zunächst nicht zu erkennen. Es gab viel Unmut, dass die Polizei auf das Kundgebungsgelände drängte. Unterstützt von „normalen“ Einsatzkräften in Kampfuniform (Schutzhelm, Beinpanzer und Oberkörperpanzer –für Bilder siehe hier beim Hersteller, sowie Atemschutzmaske) und voller Bewaffnung (Pistole, Pfefferspraydose, Knüppel) aus Wilhelmshaven (WHV 41 stand auf dem Nackenschutz der Helme) und Hamburg marschierten mehr als hundert Polizisten auf.
Auf der südlichen Kundgebungsfläche hatte sich eine bunte Gruppe von Samba-Trommlern und mehr als tausend Kundgebungsteilnehmer versammelt. Doch es waren auch auffallend viele einheitlich schwarz Gekleidete zu sehen.
Und dann ging es mal wieder sehr schnell. Ein Polizeieinheit drängte in eine Gruppe, worauf panisch Hunderte von Menschen weg rannten. Mindestens zwei Flaschen flogen von außen in diesen Menschenwirbel hinein. Den Werfern aus den so genannten „autonomen“ schwarzen Block war es mal wieder egal, wenn diese Flugobjekte treffen würde. Demonstranten ist es grundsätzlich verboten Schutzkleidung zu tragen und so würde eine Flasche entweder einen geschützten Polizisten oder ungeschützte Demonstranten treffen. Hirnloser kann kein Protest ausgedrückt werden. Die feigen „Autonomen“ zogen sich bei den folgenden Katz- und Mausspiel auch stets als erste zurück, so dass normale Kundgebungsteilnehmer zwischen der Polizei und den maximal 200-300 Vermummten standen. BEF-Einheiten geschützt durch den staatlichen schwarzen Block machten Ausfälle, um Einzelne festzunehmen. Einmal sah ich dann auch eine kleine Wolke und kurz darauf wurde eine Frau in meinem Alter mit Händen vor den Augen von zwei anderen Kundgebungsteilnehmern weggeführt. Das war wohl ein Pfeffersprayeinsatz.
Ein bengalisches Feuer flog in die Richtung der Polizei und nach einem weiteren Zugriff wurden Fahnenstangen und ein Vierkantholz in die Richtung der Polizei geworfen. Das Vierkantholz traf einen Demonstranten im Rücken. Wütende Demonstranten liefen auf den Werfer zu, der sich in meine Richtung mit zwei Kumpanen zurückzog. Ich lief auf den total vermummten Mann zu und beschimpfte ihn als Feigling, der gerade einen Demonstranten verletzt hat. Er sagte mir, ich soll ihn zufrieden lassen, als mich ein nicht Vermummter ansprach und mir vorwarf, dass ich die falsche Person beschimpfe. Ich entgegnete, dass die Polizei hier auch nicht erwünscht ist. Mit diesen wenigen Worten endete diese unerfreuliche Episode für mich.

Die Ursache des Aufmarsches der Polizei war der Versuch einer Gruppe im Schutz der mehreren Zehntausend Teilnehmer aktiv den kommenden Castortransport zu stören. Die Straße, die das Kundgebungsgeländer teilte, ist eine von zwei möglichen Transportstrecken für den Castor vom Verladebahnhof Dannenberg Ost zum so genannten Zwischenlager Gorleben. Es war ein Graben ausgehoben und teilweise bereits der Straßenunterbau entfernt. Doch davon war vor Ort nichts zu sehen, denn eine geschlossene Wand vom staatlichen schwarzen Block verhinderte jeglichen Blick auf die Szene. Erst die Tagesschau zeigte mir die Ursache. Übrigens hatte einer dieser jungen Beamten schwarze Textilien so weit über seine Nase nach oben gezogen, dass nur seine Augen zu sehen waren.


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Mein Bericht über die Gesamtveranstaltung befindet sich hier: Anti-Atom-Kundgebung im Wendland. Ein Screenshot der gehackten Seite www.kernenergie.de der Atom-Mafia findet sich hier. Wesentlich für die Information aus dem Wendland waren in diesem Jahr der CastorTicker und der taz-Ticker.

Freitag, 23. April 2010

Anti-Atom-Kette am 24. April 2010

Gorlebenstein vor dem Pavillon HannoverAm Samstag wird eine Menschenkette vom Schrottreaktor Brunsbüttel (seit 21 Monaten wegen diverser Pannen und Schäden außer Betrieb) über das AKW Brokdorf bis zum Schrottreaktor Krümmel (schon seit mehr als 21 Monate vom Netz) reichen.

Hier der aktuelle Wetterbericht, der nun wirklich auch den letzten Warmduscher zur Teilnahme motivieren sollte. Habe einige Orte auf der Strecke über wetter.com abgefragt:

Leicht bewölkt bis bewölkt, kein Niederschlag bei nachmittags 10-13°.

Kein T-Shirtwetter, aber die Strahlen der Sonne und das Strahlen in den Gesichtern der Menschen links und von dir in der Menschenkette werden uns wärmen.


Für Streckenpläne und Sammelpunkte schaut unter
Anti-Atom-Kette. Ich habe mich für Sammelpunkt 29 in Hamburg-Horn entschieden.

Sonntag, 15. März 2009

Пчелен мед – Honig aus Bulgarien

Im Rahmen meiner Arbeit erhalte ich manchmal als ein „Danke Schön!“ regionale Spezialitäten wie zuletzt die Pastéis de Belém aus Lisboa.
Im Sommer wurde mir ein Glas bulgarischer Honig überreicht.
Ist es nun das ängstlich-politisierte Bewusstsein, dass dazu führte, dass als erster Gedanke aufkam „wie hoch mag die radioaktive Belastung des Honigs sein“?

Geerntet im Jahre 22 nach Tschernobyl sind die Folgeschäden oftmals verdrängt, doch die radioaktive Belastung wird noch über Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte je nach Art der Radionukliden zu messen sein und eine reale Gefahr bedeuten (Für Messergebnisse siehe zum Beispiel Schafe aus Norwegen oder das staatliche Messprogramm in Niedersachsen für Pilze und Wild).

Dennoch ein Danke nach Sofia für den Honig!

Samstag, 20. Dezember 2008

CDU-Erinnerungen an das Wendland

Gestern im Zug. Ein älterer Mann und ein Mann in meinem Alter unterhielten sich lautstark auf der Strecke von Hannover nach Braunschweig. Sie waren gemeinsam eingestiegen, kannten sich, aber hatten sich seit Jahren nicht gesehen und tauschten nun ein Update aus. Ich hatte meine Zeitung, konnte aber bei den sehr klaren Worten manchmal nicht weghören.
Der Ältere war MdL der CDU im Ruhestand (nach 30 Jahren im Nds. Landtag) und der andere kannte ihn aus seinem Heimatort und der Partei. Ich konzentrierte mich auf einen Artikel, doch dann hörte ich die Stichwörter Bayern und Wackersdorf. Der ältere Politiker lobte die CSU für ihren Pragmatismus. Der nicht enden wollende Protest der Anti-AKW-Bewegung hatte die Landesregierung schließlich Abstand von ihren Plänen für eine Wiederaufbereitungsanlage nehmen lassen.
Der ehemalige Landtagsabgeordnete erinnerte sich an die damalige Argumentation seiner Regierung für die Wiederaufbereitung und das Atommülllager im Wendland. Von der Geologie sei das Gelände geeignet gewesen, fabuliert er. Doch die Region wurde gewählt, weil sie am Zonenrand lag, dort nur wenige Menschen lebten und kein großer Protest erwartet wurde.
Was für ein Irrtum!

Tja, Atomkraftgegner und Befürworter der Kernkraft leben in zwei intellektuellen Welten. Fakten werden unterschiedlich bewertet und nur zum Teil überhaupt zur Kenntnis genommen.
Die Erkenntnisse Atomkraft-kritischer Wissenschaftler, die als Geologen oder Physiker an Universitäten und Forschungseinrichtungen tätig waren und sind, wurden lange Jahre von den Befürwortern der Kernkraft und damit der regierenden politischen Elite ignoriert. Hier ist einer der wenigen Lichtblicke der rotgrünen Regierungszeit zu vermerken. Seitdem sind überzeugte Kritiker der Atomkraft endlich auch in den (halb-) staatlichen Kontrollinstitutionen der Atomwirtschaft (Bundesamt für Strahlenschutz, RSK, SSK) vertreten.
Es gibt nun nicht nur mehr "Gut"-achten.

Donnerstag, 20. November 2008

Anti-AKW: WAA Dragahn 1982-85

Als ich vor zehn Tagen mit Freunden in Gorleben war, sprachen wir auch über die Geschichte des Widerstands gegen die Atommafia und ihren diversen Plänen für das Wendland. Ich erwähnte Dragahn und sah nur fragende Gesichter. War da was?
Ja, da war was!
Dragahn gehört zur Gemeinde Karwitz und liegt sieben Kilometer westlich von Dannenberg. Im Süden führt die nun stillgelegte Bahnstrecke Uelzen-Dannenberg vorbei und der Bund besaß in Dragahn eine militärische Altlast (Die Hamburger Waaren-Commissionsgesellschaft AG betrieb von 1938-1945 in Dragahn eine Munitionsfabrik; in der Bundesrepublik wurde dort dann bis in die 1980-er Jahre Munition vernichtet), die über ein Anschlussgleis vom Bahnhof Pudripp zu erreichen war.
Am 1. November 1982 informierte der niedersächsische Ministerpräsident Dr. Ernst Albrecht Kommunalpolitiker im Wendland über seine Pläne in Dragahn eine Wiederaufbereitungsanlage (=WAA) für Atommüll errichten zu lassen. Im Februar 1977 hatte Albrecht hierfür zunächst Gorleben vorgeschlagen, doch der sich schnell entwickelnde Widerstand, der in den Gorleben-Treck nach Hannover mündete führte im Mai 1979 zu einer Regierungserklärung, in der diese Pläne für den Landkreis Lüchow-Dannenberg aufgegeben wurden. 1982 wurde zunächst darauf verwiesen, dass es sich hierbei nur um einen Verzicht des WAA-Standorts Gorleben gehandelt hatte.Gorelbenstein vor dem Pavillon Hannover. Foto: Jürgen D. Müller
(Gorlebenstein vor dem Pavillon in Hannover; Foto: JDM)

Die Deutsche Gesellschaft zur Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen (=DWK) gab dann auch schnell bekannt, dass sie den Standort Dragahn neben den Standort Wackersdorf, Bayern erkunden würden. 1983 gab es dann die ersten großen Demonstrationen gegen diesen Wortbruch des Ministerpräsidenten und vor allem gegen die weiteren Planungen das Wendland zu einem nur mit militärischen Mitteln zu schützenden Atomzentrum zu machen. Strategische Überlegungen waren eine der wesentlichen Grundlagen für die Auswahl des Wendlands.Am 30. April gab es dann ein spektakuläre Aktion von uns Atomkraftgegnern, über die ich mit den gehörigen Abstand nun wohl auch einmal berichtet werden darf. Für einen Tag sollte der Zugang zum Wendland behindert werden. Straßen sollten blockiert werden und damit der Politik gezeigt werden, dass Atomtransporte effektiv behindert werden können. An fünf Stellen sollten symbolische und konkrete Blockaden entstehen. Da alles offen diskutiert wurde, waren die Ordnungskräfte, die mit Sicherheit viele Spitzel unter den Demonstranten hatten, gut informiert und bereits "vor Ort". Doch wir Atomkraftgegner waren und sind nicht straff organisiert; es wurden schnelle Entscheidungen in Kleingruppen getroffen (es gab keine Rädelsführer!) und so wurden am 30. April trotz Verhaftungen von hunderten von AKW-Gegnern immer wieder in wenigen Minuten Blockaden aus den an den Waldrändern liegenden Stapeln von geschlagenen Holz errichtet. Dies geschah an so vielen Stellen und zum Teil mehrere Male an derselben Stelle. Denn nachdem die Polizei eine Blockade weggeräumt hatte und zum nächsten Einsatzort fuhr, wurde das Material "wiederaufgearbeitet" und fertig war die Blockade.
Solche Demonstrationen wurden im Herbst noch einmal wiederholt und am 4. Februar 1985 gab es einen Teilerfolg, als offiziell der Standort Dragahn für die WAA aufgegeben wurden und die DWK nun nur noch in Wackersdorf weiter arbeiten wollte.

Die Blockaden gegen die bisher elf Atomtransporte nach Gorleben haben also ihre Vorläufer. Heute definiert die Politik den Tag X (im kalten, nassen Spätherbst). In den 1980-er Jahrne definierten wir den Tag X.

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Quellen und weitere Informationen: Eigene Erinnerungen; ein autobiographischer Rückblick von Wolfgang Ehmke (29.03.2008) und ein Artikel von Kai Schöneberg zur Geschichte des Standorts Gorleben in der taz (07.11.2008).
Nachträge: Erinnerungen eines CDU-Politikers (Dezember 2008), Impressionen vom Aktionstag gegen die CASTOR-Transporte (November 2011)

Samstag, 15. September 2007

Demo-Kleidung

Hannover gegen NAZIs – Weiter Notizen

„So wie Sie aussehen, kommen Sie durch“
Dies waren die Worte eines Polizeibeamten, der durch Alter und Markierungen auf seiner Uniform einen höheren Rang erwarten ließ und den ich bei meiner Rückkehr zum HCC ansprach, um an der immer noch vorhandenen Sperre der Clausewitzstraße durchzukommen.
Schwarz gekleidete, jüngere Menschen wurden nicht durchgelassen!

Die uniforme Kleidung der radikalen Linke trug ihr den Namen schwarzer Block ein. Sie glauben mit dieser Kleidung, Kapuzenshirts und Sonnenbrille anonym zu bleiben. Wer einmal die hochauflösenden Bilder der Digitalkameras der Polizei gesehen hat, sollte eigentlich wissen, dass dies eine Illusion ist.
Wenn ich zu einer Demonstration gehe, trage ich bunte Kleidung, besonders da das beständige Motto gegen die NAZIs lautet: „ B U N T statt braun“. Ich muss mich nicht vermeintlich verstecken, ich demonstriere meine politische Überzeugung zu einem Thema und möchte öffentlich auch erkannt werden.
Bei meinem letzten Aufenthalt an der Transportstrecke des Castors zwischen Splietau und Klein Gusborn (südliche Transportstrecke von Dannenberg-Ost nach Gorleben) hatte ich sogar bewusst meinen bunten (Grün-Rot-Gelb-Schwarz) Wollpullover angezogen und fiel entsprechend auf. Dies nicht nur im Zeltlager der radikalen Linke, wo ich einen Kaffee tankte, sondern dann auch an der Transportstrecke vor der Kette der Polizeikräfte. Es ist schon ein ungewöhnliches Erlebnis, dass eine schnell vorrückende Kette auf einen zukommt und an einen vorbeizieht, wie ein Baum oder Stein, dem ausgewichen wird.

Das durchdringen einer Polizeikette ist möglich, doch nicht in schwarzer Kleidung.

Auf meiner Fahrradfahrt vom HCC entlang der Clausewitzstraße und der Hans-Böckler-Allee in die Innenstadt war in jeder Nebenstraße eine lange Kette von Polizeifahrzeugen zu sehen und Innenhöfe von öffentlichen Gebäuden waren voll gestellt mit ebensolchen Einsatzfahrzeugen.
Hier ist ein Problem zu formulieren. Die Stadt Hannover hat die Veranstaltung der NPD nicht verhindern können, da es sich um eine legale Partei handelt, doch muss die Polizei den Schutz einer ungewollten Veranstaltung mit solch einem Aufwand betreiben? Weniger wäre mehr und böte der Polizei die Möglichkeit bei Schwierigkeiten mit der Sicherheitslage, die Veranstaltung zu beenden. Andere Polizeidirektoren (zum Beispiel in Göttingen) haben diese Politik betrieben. Die NAZIs kamen aus dem Bahnhof raus und blieben stets in Sichtweite des Bahnhofs. Demonstranten blockierten jeden Weg und jede Straße, so dass die Polizei behauptete, dass sie eine sichere Demo der NAZIs nicht gewährleisten kann und entsprechend deren Auflösung verkündete.
In Hannover waren nach offiziellen Angaben 2.500 PolizistInnen im Einsatz.