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Dienstag, 9. September 2014

Jägerhof in Rotenburg 1966-1967 - Teil 2

Wer kam zum Jägerhof in Rotenburg? Zum einen natürlich die lokalen Jäger, aber eben auch Gäste aus dem Umland.Max Schmeling, Gästebuch, Unterschrift, Jägerhof, Rotenburg
Am Samstag, dem 4. März 1967 war die Familie mal wieder im Jägerhof. Im etwa 40km entfernten Wenzendorf lebte ein prominenter Jäger, der an diesem Nachmittag zu Besuch kam.
Der ehemalige Schwergewichtsboxweltmeister Max Schmeling und einige seiner Freunde kamen in den Rotenburger Jägerhof zum Schießen. Mein Vater bat ihn um eine Unterschrift von ihn und anderen Gästen des Tages. Dieser Zettel wurde in ein leeres Photoalbum meiner Mutter eingeklebt und seitdem hatte der Jägerhof ein Gästebuch. Zwischen den Seiten mit Unterschriften hat meine Mutter Fotos eingeklebt und Zeichnungen angefertigt. Max Schmeling und seine Freunde waren im Frühjahr 1967 mindestens vier Mal Gäste des Jägerhofs.
Tontaubenschießen, Jägerhof, Rotenburg i.H.
Der Kalender und das Gästebuch verzeichnet aber auch Teilnehmende an den Kreis-Waldlaufmeisterschaft 1967, Reisegruppen vom Automobil und Touring Club ATC, DKW, ADAC, der Post, Soldaten und Reservisten verschiedener Einheiten, den Rod and Gun Club der US-Army in Bremerhaven oder einem Bläser-Corps.

Tontaubenschießen
(Hinter diesen Klappen saß ein Jäger, der die Tontauben mit einer Schleuder hochschoss)
Tontauben, Jäger und Sammler
(Neben den Jägern, gab es auch Sammler)
Zu den für uns gesperrten Bereichen gehörten natürlich die Schießbahnen und die Freifläche für das Tontaubenschießen. Wir durften aber nach dem Schießen dort hin, wo die Schützen auf die Tontauben geschossen hatten. Da lagen dann diese große Schrot-Hülsen, die sehr intensiv nach Pulver rochen.

Mehrmals waren meine Schwester und ich in Begleitung einer erwachsenen Person in dem Bereich des Unterholzes, wo die Tontauben hinflogen. Hier wurden dann die nicht getroffenen Tontauben, die für uns Kleinkinder schwer waren eingesammelt und zu Türmen gestapelt. Ein Erwachsener holte die Scheiben ab und vermutlich wurden diese Tontauben dann am nächsten Wochenende wieder für die Schützen hochgeschleudert.








(Außenansicht des Jägerhofs vom Schussfeld für die Tontauben. Zu sehen ist der Wall, der die Schießbahn begrenzte und wir zwei Kinder in der damals wieder einmal populären "Matrosen"-Kleidung)
  Dies ist der zweite Teil eines Textes über den 
            ehemaligen Jägerhof in Rotenburg i.H. 
                           in Gedenken an meinen Vater 
                       Hans-Peter Müller (1939-2013) 
Zum ersten Teil.

Montag, 8. September 2014

Jägerhof Rotenburg in Hannover 1966-1967

Am nördlichen Stadtrand von Rotenburg gab es früher den Jägerhof mit angeschlossener Gastwirtschaft.
Meine Eltern waren für zwei Saisons die Pächter des Betriebs.
Einige persönliche Erinnerungen aus dieser Zeit als Gedenken an meinem Vater Hans-Peter Müller (1939-2013).

 Jägerhof, Rotenburg Wenn man von der Harburger Straße kurz vor dem Ortsausgangsschild rechts in die Brockeler Straße eingebogen war, so führte auf der linken Seite ein Stichweg zum Jägerhof. Man fuhr auf einen Feldweg an einer Koppel mit Schafen vorbei, dann gab es dort Spielgeräte für Kinder und schließlich das niedrige Gebäude mit der überdachten Veranda.
Die Autos parkten direkt davor. Durch die Gastwirtschaft ging es einige Stufen hinab zum Schießstand. Rechts vom Jägerhof war eine offene Wiese, die von Büschen und Bäumen umgeben war. Hier wurde bei Interesse eine Schleuder für Tontauben aufgestellt, welche die Jäger und Gäste im Flug mit großen Schrotpatronen beschossen.
Tontaubenschießen, Tontaube, Schrotmunition
Der Besitzer war F.H. sen., der in Rotenburg seit mindestens 1939 die Kneipe neben dem Capitol-Theater betrieb. Der Pachtvertrag wurde natürlich nicht zwischen meinen Eltern und F.H. abgeschlossen. Wir schrieben das Jahr 1966 und Verträge wurden vom Ehemann Hans-Peter Müller unterzeichnet, auch wenn der Vertrag Arbeit und Verantwortung für beide Ehepartner bedeutete.
Hans-Peter Müller, Jägerhof, Rotenburg, Familie Müller
Meine Schwester und ich verbrachten sehr viele Wochenenden auf dem Gelände des Jägerhofs.Wir hatten absolute Verbotszonen und ansonsten sehr viel Freiheit. Da es ein Feldweg war, der zum Gelände führte und die Autos weder Allrad noch hohe PS-Zahlen hatten, ging von der Zufahrt oder Abfahrt der Schützen vom Gelände keine Gefahr für uns aus. Ich erinnere mich, dass die Schafe mir zunächst riesig vorkamen. Aber ich war da auch erst 4 oder 5 Jahre alt und bin heute vor allem darüber erstaunt, dass ich mich an so etwas erinnern kann.

Im April 1966 hatten meine Eltern erstmals Dienst im Jägerhof. Der Schießstand war vor allem an den Wochenenden geöffnet. Ein Kalender meiner Mutter und ein im Jahre 1967 begonnenes Gästebuch geben einige Informationen über den Jägerhof.
Gästebuch, Jägerhof, Rotenburg, Hannover, Rotenburg i.H., Hans-Peter Müller

Samstags war der Jägerhof vom späten Vormittag bis zum Nachmittag und am Sonntagvormittag bis zur Mittagszeit geöffnet.
Meine Mutter begann irgendwann, unser sonntägliches Mittagessen mit zu bringen. Die Familie des Schießwarts (?) D.H. brachte auch etwas mit und so saßen wir regelmäßig mit sieben Personen an einem Tisch und aßen die aufgewärmte Mahlzeit.
In der Gastwirtschaft gab es die üblichen Getränke und als Essen vor allem Bockwurst mit Toastbrot und Senf sowie selbst gemachte Buletten. Letztere liefen nicht so gut, da zunächst der gleiche Preis anderer Kneipen genommen wurde, aber die Buletten kleiner waren. Meine Mutter erinnert sich daran, dass sie einmal alle selbst gemachten Buletten wieder mit nach Hause nahm.
Bis in den Oktober 1966 war jedes Wochenende der Jägerhof geöffnet und mindestens einmal wurde der Betrieb auch an einem Werktag geöffnet. Der Pachtvertrag war eine große Verpflichtung. Als ich in dieser Zeit Mumps bekam, wurde ich warm eingepackt zum Jägerhof mitgenommen und verbrachte den Tag auf der Veranda.
Ziegenpeter, Mumps

Der Jahresabschluss wurde mit einem Spanferkel-Essen gefeiert.

Im Winter 1966-1967 gab es mindestens zwei Einbrüche in den Jägerhof. Die Tür zur Gaststube wurde nicht geknackt. Es wurden jeweils eines der Fenster zum Beispiel auf der Waldseite zerstört. Der oder die Einbrecher richteten jeweils großen Schaden im Jägerhof an. Da einmal gezielt auch der Waffenschrank aufgebrochen wurde und mindestens eines der Kleinkaliber-Gewehre, die für die Schießbahn ausgeliehen werden konnte, gestohlen wurde, ging es offensichtlich um mehr als Geld. Gestohlen wurden jeweils angefangene Schnapsflaschen und Zigarettenstangen.
Meine Eltern konnten am Ende eines jeden Jägerhof-Tages nicht alle diese Wertsachen mit nach Hause nehmen. Zunächst hatte unsere Familie noch kein Auto und wir wohnten mehr als ein Kilometer entfernt. Auch als dann schließlich ein Auto vorhanden war, gab es weiterhin Probleme. Meine Mutter hatte keinen Führerschein und wenn mein Vater (als Berufssoldat) im Manöver war, musste sie irgendwie die Wertsachen und uns zwei Kinder zum Jägerhof bringen.
Auf der Theke der Gastwirtschaft stand zunächst eine riesige Registrierkasse. Die Tasten waren den verschiedenen angebotenen Getränken und Speisen zugeordnet. Nach dem Eintippen erschien oben die Gesamtsumme. Diese Kasse wurde bei jedem Einbruch aufgebrochen. Natürlich war die Kasse stets leer. Dies scheint schließlich die Einbrecher so weit verärgert zu haben, dass die Kasse mit hinter den Jägerhof genommen wurde und dort zerstört wurde. Es war eine interessante, silbern glänzende Maschine.

Der Jägerhof lag zwar nicht im Wald, war aber nicht an das Wasser- und Abwassersystem der Stadt Rotenburg angeschlossen. Unter dem Gebäude gab es einen kleinen, niedrigen Keller, wo eine Pumpe mooriges Grundwasser für die Spüle und die Toiletten hoch pumpte. Es war ein versteckter, unheimlicher Ort. Von der Gaststube ging es hinter einen Vorhang in eine kleine Küche. Dort wurde dann eine Schiebetür geöffnet und war der dunkle niedrige Raum zu sehen.
Das Wasser war nicht brackig, aber wenn es längere Zeit in der Spüle stand, gab es eine Ablagerung am Beckenrand und -boden. Das Wasser roch und hatte einen unangenehmen Geschmack. Für die Kaffeemaschine, aber auch zum Kochen von Kartoffeln und Gemüse wurde deshalb mitgebrachtes Mineralwasser verwendet.
Abwasser verschwand in einer Sickergrube.

Dieses System von eigener Pumpe für Frischwasser und Sickergrube für die Abwässer gab es auch noch in den frühen 1980-er Jahren in dem Teilen von Brauel, wo wir lebten.
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Zum zweiten Teil
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Der Jägerhof befindet sich heute weiter im Osten entlang der Brockeler Straße. Auf dem Gelände des Jägerhofs befindet sich nun der Kindergarten Rappelkiste. Hoffentlich haben Sie vor diesem Neubau den Boden ausgekoffert, denn der war sicherlich durch die vielen Reste der Munition verseucht. Auf die Tontaubenscheiben wurde mit Bleischrot geschossen.

Montag, 9. September 2013

Trauer und Hoffnung in der Musik

Der Tod eines nahen Verwandten bewegt mich sehr. Auf der Trauerfeier wurde nach der Zeremonie Frank Sinatra "My Way" gespielt und nun haben mehrere Zeilen eine persönliche Bedeutung:
And now, the end is here
And so I face the final curtain
...
I've lived a life that's full
...
I've loved, I've laughed and cried
I've had my fill, my share of losing
(Text: Paul Anka)
Ja, das war sein Weg.

Seitdem bin ich noch hellhöriger geworden und viele Songs und Lieder wecken Erinnerungen. Viele Beispiele könnten genannt werden. Ich will nicht in der Vergangenheit versinken und fand hierzu Trost bei Ton Steine Scherben:
Und die Tränen von gestern wird die Sonne trocknen,
die Spuren der Verzweiflung wird der Wind verweh'n.
Die durstigen Lippen wird der Regen trösten
(Rio Reiser/Lanrue (1975) "Land in Sicht")

Sonntag, 4. März 2012

Musik ist eine Medizin für meine Seele

Mal wieder ein Beitrag mit autobiographischen Anteilen …

Welche Bedeutung Musik für das Glücklichsein hat, habe ich schon öfters geschildert. Dabei ist es egal, ob Musik aus der Konserve kommt oder Live erlebt wird. Es kann einfach das Hören sein, aber besondere Glücksmomente kommen auf, wenn auch noch das Mitsingen dazu kommt oder das Tanzen.

Diese Medizin für die Seele wurde mir scheinbar in die Wiege gelegt, denn ich bin nicht der Einzige in der Familie, dem Musik eine große Freude bereitet, die zu einer Zufriedenheit führen kann, die im Strahlen der Augen zu erkennen ist.
Letztens wurde mir erzählt, wie viel Freude es macht, Lieder aus der Kindheit und Jugend in Gemeinschaft zu singen. Da sah ich dies besondere Leuchten in den Augen. Dies sah ich wieder, nachdem im Radio ein Klassiker lief und hierzu alleine getanzt wurde. Glück hat viele Facetten und ich sah danach einen glücklichen Menschen.

Die Freude des Mitsingens habe ich hier bereits thematisiert. Meine Konzertberichte sind nicht nur eine Kritik der von mir besuchten Konzerte, sondern auch oftmals eine Dokumentation der Freude.
Über das Tanzen (besonders Kpatcha, Reggae, Kpanlogo, Freestyle, etc.) könnte ich so viel erzählen und werde ich wohl auch in Zukunft berichten.

Es klingt so banal, aber es gibt einfache Wahrheiten: Musik ist eine Medizin für meine Seele.

Freitag, 9. April 2010

Digitale und virtuelle Welt für Senioren

Für ältere Menschen aus Norddeutschland ist die digitale und virtuelle Welt mit ihren Computern, dem Internet und den modernen Formen der Kommunikation eine fremde Welt. Dies alleine schon, da in dieser Welt das Englische, das uns allen so geläufig erscheint, bisher eigentlich nur aus der Werbung und der Alltagssprache bekannt ist. In ihrer Schulzeit in den 1950-er Jahre oder früher gab es noch kein Englisch. Sie wuchsen dennoch zweisprachig auf. In der Familie und mit den Freunden wurde Platt gesnakt und in der Schule musste dann Hochdeutsch gesprochen und geschrieben werden.
Doch auch eine Rentnerin geht nun Shopping in Geschäften und weiß das wenn vom Job gesprochen wird, es um die Arbeitsstelle geht. Doch andere Wörter aus der Computerwelt sind so fremd, dass man zwar bereits ihre ungefähre Funktion kennt, aber zum Beispiel nicht weiß, dass Brauser und Gugel anders geschrieben werden. Das mich hier niemand falsch versteht, ich mache mich nicht lustig über diese deutsche Schreibweise aus Unwissenheit und das erste Beispiel hat sogar einen Charme wie Händy (siehe meinen Beitrag hierzu).

Wieder einmal führe ich eine Seniorin in die virtuelle Welten ein. Die Teile dieser technischen Moderne, die einen unmittelbaren Nutzwert haben, sind bereits bekannt und werden entsprechend genutzt. Sei es das Handy mit seinen Adressenbüchern und den Kurzwahlen oder sei es speziell die SMS-Funktion mit dem lernenden Wörterbuch. Eine digitale Kamera wird auch bereits benutzt, aber die gleichzeitige und bevorzugte Verwendung einer einfachen Kamera für Rollfilme zeigt, dass hier noch keine wirklichen Vorteile in der digitalen Technik entdeckt wurden.

Das kann sich jetzt mit einen neuen Computer ändern. Dieses großartige Geschenk ist nun eingerichtet und alle angesammelten digitalen Datensätze wurden überspielt. Gemeinsam wurden die knapp 1.000 digitalen Fotos, die in den letzten Jahren eine kritische Auswahl überstanden haben, so sortiert, dass sie auf den Rechner auch von der Seniorin wiedergefunden werden. Der nächste Schritt wäre nun die Installation eines Bildbearbeitungsprogramms. Dann hätten die digitalen Bilder einen besonderen Reiz, da sie nun beschnitten und kombiniert werden könnten.
Ähnlich verhält es sich mit Texten. OpenOffice ist bereit und nun muss der Wert der ständigen Veränderung und Ergänzung von Texten gelernt und geübt werden.

Für das Internet werden Firefox und AntiVir genutzt. Hier muss viel gelernt werden. Was sind Lesezeichen, was sind Cookies, was sind Tabs? Wenn AntiVir dann einmal eine unerwünschte Datei entdeckt, was tun?
Das lässt sich alles erklären, doch nur eigene Erfahrung -ohne daneben stehende Hilfe- wird weiter führen und nächste Schritte ermöglichen.
Eine Call-by-Call-Verbindung mit einem 56K-Modem (ja so etwas gibt es immer noch!) wurde eingerichtet und die Telekom-Rechnungen der nächsten Monate werden dann Grundlage einer Entscheidung sein, ob sich eine Flatrate lohnt.

Diesmal habe ich sofort virtuelle Konten angelegt. Die Seniorin kann nun bei MS-Live Chatten, hat unter einem lustigen Kunstnamen ein Konto bei Facebook und heute bekommt sie auch noch eine echte Emailadresse bei Googlemail. Verwandte und Freunde wurden auf dem digitalen Weg bereits über diese Aktivitäten informiert und nun wird daraus langsam ein Netz gewebt, damit sie überhaupt mit anderen Chatten oder über Facebook sich austauschen kann.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Romantische Erinnerung an die frühen 1980-er Jahren

Es brauchte nicht viel, um eine romantische Stimmung oder Gespräche über romantische Gefühle zu beginnen. Tolkien war populär und wurde von allen im Freundeskreis gelesen. Sally Oldfield hatte hierzu passende Musik; weite Kleidung aus Naturfasern war damals mal wieder in und viele Stunden wurde geklönt: Im Zimmer bei Kerzenlicht und heute unvorstellbaren Mengen von Tee, auf einem Spaziergang im Urwald des Hasbruch oder in der Abgeschiedenheit des Heidenwall bei Dehlthun.
Es war ein besonderes Glück, diese Zeit in Ganderkesee, Immer und Bookholzberg. Freunde um sich zu wissen, noch naiv fröhlich alles aber auch wirklich alles zu erzählen. Dabei nur wenig Sorge oder Angst um die Zukunft spüren und die letzten Punks mit ihrer No-Future-Attitude in der Delmenhorster "City" blieben stets fremd.
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Natürlich war das damals auch die Zeit meiner Politisierung (Friedensdemonstrationen, BI Umweltschutz), doch die zuvor geäußerten Gedanken kamen, als ich nach langer Zeit die Musik von Sally Oldfield hörte. Siehe auch in der linken Spalte das Thema/Schlagwort: "Biographie"

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…
Du sprichst mir aus dem Herzen Auch Zeven...Brauel gehört dazu....die schönsten Wochenenden meiner Jugend waren dort. Mit Dir und unseren Freunden......und Fee...erinnerst Du Dich an Fee?
13. Februar 2010 12:32

Ulaya hat gesagt…
Fee war das nicht ein kleiner, weißer Hund? Oder kommt nun langsam die Altersschwäche im Kopf?
Und ansonsten, ach ja: Brauel.
Frühstück an großer Tafel im Garten, der lange Spaziergang mit euch durch "meine" Landschaft, die Spiele draußen wie drinnen und die Küche, in der Marion und Biggie und ??? Zwiebelkuchen und Pizza zauberten. Rockpalast war der Anlass, aber stets nur im Hintergrund.
Meine Mutter wurde richtig sentimental, als wir vor Jahren mal über diese Wochenenden redeten. Die haben auch ihr Spaß gemacht.
14. Februar 2010 00:16

Sonntag, 26. April 2009

Brauel – Ein Besuch nach 20 Jahren

Über Ostern haben meine Mutter, meine Schwester und ich einen Spaziergang in Brauel gemacht.
Brauel war auch damals in den 1970-er Jahren bereits nur noch ein Stadtteil von Zeven und über mehrere Jahre rückte die Stadt durch die Ausweisung von Baugrundstücken immer näher an das Dorf heran.
Wenn man auf dem Braueler Weg sich den Ort nähert, sieht man die derzeitigen Grenzen als klare Linien. Doch dieses Brauel mit dem alten Ortskern war nicht mein Brauel.
Mein Brauel war nur über den schmalen Weg hinter Buhrfeinds Hof zu erreichen. Es ging hinunter in das Tal der Oste, das jährlich geflutet war und zu großen Umwegen für uns führte, und dann über eine kleine Holzbrücke.
Hier war bereits eine Änderung zu sehen. Die Brücke war auf beiden Seiten durch Polder vor der Benutzung durch Autos geschützt. Es gab auch zu unserer Zeit schon Idioten, aber offensichtlich werden diese nun vor sich selbst geschützt, dass sie nicht mit ihrem Auto die Brücke zum Einsturz bringen.
Rechts der Oste lag der Friedhof, eine Siedlung für Flüchtlinge und Vertriebene sowie die Ziegelei Siedlung mit ihren aufgelassenen Tongruben und den Mehrfamilienhäusern für die Arbeiter.
Hier hatte sich viel verändert, denn die Kinder von damals waren nun Erwachsen wie wir und hatten zum Teil hinter den Elternhäusern ihre eigenen Häuser gebaut. Auch war ein ehemaliger Acker als Bauland erschlossen und von protzigen Bauten bedeckt.
Vorbei! Denn wir lebten „Auf der Ziegelei“, also in der Peripherie der anderen Seite des Dorfes. Wir hatten Kontakte zum und in das Dorf, aber wir blieben Außenseiter
Die beiden Häuser waren die Heimat von uns, einem Fahrer des Folgebetriebs der Ziegelei und seiner Frau, einem uralten Ehepaar und einem alten Paar, die als Flüchtlinge nach Brauel gekommen waren. Von 1974-79 lebten wir im grauen Haus.
Hier und in den Bücherwelten verlebte ich meine Jugend. Der Blick aus dem Küchenfenster zeigte Weiden und einen moorigen kleinen Wald.
Bäume, die ich gepflanzt hatte, waren nun auf eine Größe von 5 bis 8 Meter hochgewachsen. Und meine Kastanie vor dem grauen Haus zeugt davon, dass diese Siedlung seit Jahren unbewohnt war. Der mit Ziegelsteinen ausgelegte Weg vor der Küche war dicht mit Efeu bedeckt und Büsche und Bäume verdeckten die Fenster. Wir gingen nicht den einen Schritt weiter und verzichteten darauf, Zugang in das leere Gebäude zu erlangen.
Auf die Frage, wenn du sehr viel Geld hast, würdest du dann eines der Häuser kaufen, kam sofort ein klares NEIN.

Die Häuser sind nicht nur jetzt in einem erbärmlichen Zustand, sondern auch damals war es schwer, die einzelnen Zimmer mit den Öfen zu heizen. Im Winter waren nicht nur Eisblumen von außen an den Scheiben, sondern die Scheiben waren von beiden Seiten vereist. Die Rahmen waren verrottet und in einem kalten Winter war morgens vor dem Anfeuern der Öfen mit Zeitung und Holzscheiten sogar Eis an den Wänden.
Diese kleine Siedlung ist nicht an die Kanalisation angeschlossen und Wasser stammt von einer eigenen Pumpe. Elektrizität war vorhanden, aber es gab nur einen Telefonanschluss für alle fünf Wohnungen. Die Nebengebäude waren so baufällig, dass offiziell das Betreten verboten war. Es gab Löcher in den Zwischendecken und die sehr lauten Geräusche in der Wand und auf den Dachboden konnten nicht von Mäusen stammen. Das waren größere Tiere.
Wir hatten Katzen, wovon vor allem die große Landkatze verschiedene Tierarten (Ratten, junge Kaninchen, Marder) als Beute vor der Küchentür ablegte.
Unsere beiden Hunde wollten Auslauf haben und so machte ich täglich lange Spaziergänge über die Wiesen. Das Beobachten und Interesse für die Natur (inkl. Wetter) hat hier ihren Ursprung.

Es war eine bitterarme, harte Zeit, dennoch habe ich viele schöne Erinnerungen an unser Leben "An der Ziegelei" in Brauel.

Freitag, 13. März 2009

Nau Haka und Taranga von Arthur Iriti

Hat das mal wieder gedauert!

Meine Mutter hatte zu Beginn der 1970-er Jahre mit dem Tonbandgerät aus dem Radio (damals gab es nur NDR in guter Qualität) Musik aus Ozeanien aufgenommen, die der Redakteur
Wolf-Dieter Stubel immer wieder einmal spielte. Diese Aufnahmen von drei Stücken wurden manchmal abgespielt und sind bestimmt einer der Gründe (neben Harry Belafonte), dass ich schon früh eine Affinität zu Trommelmusik entwickelte.

Meine Mutter fragte mich erstmals vor etwa fünf Jahren, ob ich diese Musik besorgen kann. Hm, in der Zeit des sich entwickelnden Internets sollte dies eigentlich nicht zu schwer sein. Jedoch waren die Suchbegriffe „Ozeanien“ und „Musik“ natürlich viel zu weit gefasst.

Anhand der alten Aufnahme war es auch nicht möglich, eine Schätzung des Aufnahmejahres zu machen. Ozeanien ist groß und bloß weil die Musik auch in der Sendung von Hamburg nach Tahiti gelaufen ist, reichte der Suchbegriff Tahiti nicht aus.
Vor knapp über einen Jahr begann der zweite Suchanlauf und dies führte mit dem wachsenden Internet zu noch mehr Funden, ohne das dabei ein Volltreffer war. Jedoch fand ich damals den Hawaiian War Chant, der während der Welle der Tiki-Kultur rund um der Annexion von Hawaii als 50. US-Staat populär wurde. Arthur Lyman, Spike Jones und Tom und Jimmy Dorsey haben interessante Varianten dieses Klassikers eingespielt.
Im Sommer 2008 ging dann ein Schreiben an Wolf-Dieter Stubel, der aber nie antwortete. Im Herbst fand ich einen neuseeländischen Plattenversand, der diverse Tonträger mit Hörbeispielen aus Tahiti anbot. Auf der CD „Drums of Bora Bora and Songs of Tahiti“ klang die Musik endlich ähnlich wie auf der alte Tonbandaufnahme.

UND heute habe ich die Musik gefunden:
Orchestra Arthur Iriti „Iaora Tahiti“ (1969).
Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Album von Mouse on Mars von 1995.
Nau Haka und Taranga sind die beiden Stücke, die ich viele Dutzend Mal gehört habe. Habe die CD gleich bestellt und bin schon gespannt, was mich sonst noch so erwartet.
Der Titel dieses Beitrags führt zur jpc-Seite, wo Ausschnitte aus den einzelnen Stücke angehört werden können.



1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

    Sie sind ein Schatz! Genau das hab ich schon seit gut 30 Jahren gesucht!! nicht mal Tony M. hats vollständig. KLASSE!!!
    22. August 2009 18:47

Montag, 29. September 2008

Urlaub in Le Barcarés, Frankreich 1

Für dreizehn Nächte war ich Zelten auf dem Campingplatz L'Embouchure in der Gemeinde Le Barcarés und es entstand wirklich ein Urlaubsgefühl.

Es fing relativ anstrengend an. Ich hatte mich bei meiner Schwester und ihren Mann eingeladen, die zusammen zum wiederholten Mal in die östlichen Pyrenäen (Département Pyrénées-Orientales) fahren wollten.
Meine Nichte und ihr Partner wollten dort auch Urlaub machen und mit ihnen bin ich von Deventer an die Mittelmeerküste gefahren. Nachdem am 6. September der Wagen und ein Dachgepäckträger eng bepackt und danach in einer Parkgarage abgestellt wurde, klingelte um 3 Uhr morgens der Wecker. Es war vorher ein sehr unruhiger Schlaf. die Wohnung liegt in der Altstadt und die Nacht vom Samstag auf den Sonntag ist natürlich PARTY und entsprechend viel Lärm auf den Straßen. Die Kaffeemaschine fing an zu sprotzen und spucken. Die Brötchen oder das was die Niederländer als solche bezeichnen waren bereits am Vorabend belegt. Eine Tasse Kaffee im Stehen und dann ging es zum Parkhaus, das in seiner offenen Struktur mich an einen übergroßen Hamsterkäfig erinnerte. Um Viertel vor vier hatten wir es wirklich geschafft, dass der Wagen rollte. Die Route war in einem Routenplaner eingegeben und dessen Angaben wurden befolgt, was manchmal irritierend war.
Der Nachthimmel ist zu dieser Stunde einfach wunderschön. Der Gürtel des Orion glitzerte. Es war kühl, aber dies kann auch einfach an den fehlenden Schlaf gelegen haben. Unsere Fahrtroute sollte uns über einen Teil von Deutschland führen und es war fest geplant, dass wir die 1.400 Kilometer bis zum Abend hinter uns bringen würden. Orion war sehr lange zu sehen. Selbst als die Morgendämmerung schon weit fortgeschritten war, sah ich die wesentlichen Sterne immer noch. Kurz vor 7 Uhr ging dann die Sonne auf. Da waren wir bereits durch Deutschland durch und in Luxemburg. Hier wurde erstmals getankt und Fahrerwechsel vorgenommen.
Wir erlebten in Luxemburg ein sprachliches Missverständnis. Die Schilder waren zweisprachig, Französisch und Letzeburgisch. Ein Hinweisschild verwies auf eine Deviation, die uns eine Auffahrt auf eine Schnellstraße verwehte. Dieses mit Draht über die Hinweisschilder befestigte rote Schild fand sich nicht mehr an der nächsten Kreuzung. Hier war stattdessen ein weiteres rotes Schild über den Schildern mit den Titel Dikrech zu lesen. Wir folgten diesen Hinweis, wie auch drei rumänische LKW. Das Navigationsgerät forderte uns an jeder größeren Kreuzung auf, nun abzubiegen und schließlich kam sogar die Aufforderung umzukehren. Wir folgten der Beschilderung für etwa zwanzig Kilometer bis schließlich ein reguläres Hinweisschild uns darauf hinwies, dass es nur noch wenige Kilometer bis Dikrech sind. Aha, das ist also eine Ortschaft! Wir wendeten und folgten nun den Angaben des Navi und kamen nach mehr als zehn Kilometern endlich zur gesuchten Schnellstraße, die tatsächlich in einer Richtung nicht zu befahren war. Doch unsere Richtung war frei und endlich ging es wieder nach Süden.

Ich bin dann eingedöst und wachte erst an der ersten Péage Station bei Nancy auf. Wir fuhren auf den Parkplatz der direkt dahinter liegenden Raststätte und mir wurde gesagt, dass unsere Reise ein vorläufiges Ende hat, da die elektronische Anzeige des Polo einen Schaden im Auspuffbereich anzeigte und nach dem Handbuch dieses Zeichen bedeutete, dass die Fahrt abgebrochen werden sollte und ein Fachmann das Problem beheben soll. Wir streckten und reckten uns erst einmal, Morgentoilette und dann fingen die Telefonate mit der Versicherung, den VW-Service-Center und dem niederländischen Automobilclub an. Eine halbe Stunde später war klar, dass an diesem Sonntagvormittag weder ein Service-Center einen Techniker schicken würde, noch das ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt wird. Ich war in Urlaub und hatte mich mental bereits auf eine Übernachtung in Nordfrankreich eingestellt. Ein letztes Telefonat ergab schließlich ein "Go", da die Warnanzeige nur in Orange leuchtet. Es wurde uns gesagt, dass erst wenn die Anzeige in Rot leuchtet, wir die Fahrt abbrechen sollten. Eine pragmatische Lösung, denn etwa 100 Kilometer später ging das Warnlicht aus.
Was war so auf der Fahrtstrecke zu sehen? Wir fuhren an den vier AKWs von Cattenom, deren Kühltürme Wolken in den Himmel sandten, vorbei. In den Vogesen waren sehr deutliche Spuren des Waldsterbens zu sehen. Die Autobahn führte auch an Vittel vorbei, dass uns allen von seiner Mineralwasserquelle bekannt ist. Südlich von Lyon passierten wir noch einmal einen AKW-Komplex. Offensichtlich treten in Frankreich die AKWs steht in Blöcken auf. Von einer Autobahn ist nicht viel Landschaft zu sehen. Zweimal waren die Alpen in der Ferne zu sehen. Bei Nimes bogen wir nach Westen ab und hinter Narbonne war dann immer wieder das Mittelmeer zu sehen. Über Leucate fuhren wir auf einer Landzunge schließlich in unser Ziel Le Barcarés. Das Navi kannte unsere gesuchte Adresse nicht, aber im Ort gab es Hinweise, wo die Campuingplätze liegen. Im Süden liegen 12 Campingplätze und unser war der erste, wo wir an der Straße bereits von der Familie empfangen wurden.
Es war kurz vor Sonnenuntergang und statt vieler Worte ging es sofort auf die Suche nach einen Stellplatz für mich. Mir wurden drei verschiedene Plätze gesucht und mit Blick auf die Dämmerung und der Suche nach guten Bäumen für die Hängematte fand ich schnell meinen Platz.
Hier war es deutlich wärmer als in Deventer. Der Aufbau des Zeltes ließ den Schweiß perlen. Mir wurde alles zur Verfügung gestellt: Zelt, Luftmatratze, Stromversorgung inklusive Lampe und das gesamte Campinggeschirr. Ich hatte nur das übliche Gepäck und Geld mitgebracht.
Meine Schwester bekochte uns (wie auch an vielen der folgenden Abende) ganz lecker. Wir machten noch einen Nachtspaziergang zum Meer, dass nur wenige Hundert Meter entfernt war, aber ich zog mich danach frühzeitig in das Zelt zurück und versuchte zu schlafen.

Montag, 1. Oktober 2007

Beginn eines Auslandsstudiums

Gestern erfuhr ich im Chat, dass eine portugiesische Abiturientin der Deutschen Schule Lissabon nun ihren Studienplatz der Medizin an der Universität Göttingen antreten wird. Sie schrieb, "in den letzten tagen habe ich angst davor gekriegt". Dies führte mich zu Gedanken, wie ich früher die Fremde erfahren habe.

Als ich mein Studium an der Universität Dar es Salaam (=UDSM) antrat, hatte ich keine Angst, sondern nur Neugier und gespannte Erwartung. Einen Kulturschock hatte offensichtlich eine meiner Mitreisenden, die auf der Taxifahrt vom Flughafen zur Universität einen Weinkrampf bekam. War das Elend mit seinen Slums und Squatters, das links und rechts von der Straße zu sehen war oder war es das Erkennen, das Partner und Familie fast unerreichbar waren?

Kommunikation war damals im Jahre 1988 im sozialistischem Land Tanzania ein echtes Problem. Ein funktionierendes Telefon zu finden, einen fairen Preis auszuhandeln und dann mit Echo und schlechter Stimme eine vertraute Stimme zu hören, erschien mir so irreal, dass ich während des ganzen Jahres es nie versuchte; erst einige Jahre später nutzte ich von Ghana ein Telefon -Zeitverzögerung und Echo machten telefonieren zu einen kuriosen Erlebnis. Mobiltelefonie und Internet waren noch nicht bekannt und so verblieben nur Briefe und Telegramme, wobei erstere nur eine 95-Prozent-Beförderungsgarantie (galt für beide Richtungen) hatten.
Ernüchternd kann im Nachhinein festgestellt werden, dass wir drei deutschen Studierenden jeweils unsere Partner durch Entfremdung verloren und nach diesem extremen Erlebnis eine Erneuerung der Beziehungen nach der Rückkehr nicht mehr möglich war.


Ich erlebte meinen Kulturschock nach meiner Rückkehr nach Hannover. Es dauerte Monate bis ich mich an die Geschwindigkeit des Verkehrs und der nie vorhandenen Zeit für ein Gespräch gewöhnt hatte. Es gab auch in Tanzania schnelle Autos und dicht befahrene Straßen, dass war aber in keiner Weise mit Deutschland zu vergleichen. Das man täglich an der UDSM mit mehreren Dutzend Menschen kurze Gespräche führte, erschien mir zunächst kein Verlust in Hannover, da es sich zumeist um höfliche Floskeln handelte. Doch plötzlich nur noch 2-3 Gespräche am Tag zu führen war irritierend.


Dennoch verstehe ich die angehende Mediziner, denn Sie verlässt den Ort ihrer Kindheit und Jugend. Als ich nach Tanzania aufbrach hatte ich bereits seit fast acht Jahren außerhalb der Familie an verschiedenen Orten gelebt.

Mittwoch, 19. September 2007

Klassik im Georgengarten

Während meine niederländische Familie mal wieder zu Besuch war, fand vor dem Wilhelm-Busch-Museum im Georgengarten das jährliche Klassik-Open-Air der Chopin-Gesellschaft statt.
Da wird die Studentenwiese von einem ganz anderen Publikum belegt. Das Bürgertum macht Picknick mit Möbel und reichhaltigen Körben. die Mehrheit stellen natürlich Menschen wie wir, denn das Bürgertum ist schon lange eine Minderheit.
Der Himmel sah nicht vielversprechend aus. Es war ein Tag für wind- und regendichte Kleidung. Wir stopften jeweils ein Kissen in eine Plastiktüte als Sitz und machten uns auf den Weg. Wir kamen sehr pünktlich an und kurz nachdem wir uns gesetzt hatten, fing das Konzert an.

Es wurde zuerst ein frühes Werk von George Gershwin gegeben, dass seine Qualität als Musical- und Filmmusik-Komponist zeigte. Die Instrumente erzählten Geschichten. Ähnlich war das folgenden Stück "Candide" von Leonard Bernstein am ehesten als erzählende Musik zu bezeichnen.
Das folgende Konzert für Trompete und Orchester in Es-Dur von Joseph Haydn fiel dagegen in seiner Musikalität und in der Qualität seiner Ausführung deutlich herab. Vor den abschließenden Variationen über ein Thema von Paganini op. 43 von Sergei Rachmaninow hatte sich bereits eine regenschwere Wolke abgezeichnet und als die ersten Tropfen fielen, war die Musik für uns nicht interessant genug und so machten wir uns auf den Weg zurück in die Wohnung.

Donnerstag, 13. September 2007

Reisetipp Elbfähre

Am Strand zu stehen und in die scheinbare Unendlichkeit des Wassers zu schauen, hat etwas Meditatives. Dies gilt auch schon im Kleinen, wenn es der Elbstrand ist und nach bereits einem Kilometer Schleswig-Holstein den Ausblick begrenzt. Eine besondere Freude ist es, mit einem Boot oder einer Fähre eines der großen Gewässer zu befahren. Trotzdem wird dies nur selten verwirklicht, da die Elbfähre von Wischhafen nach Glückstadt etwa 30 Kilometer von Stade entfernt ist und mal eben €3,00 (+ €2,00 für Fahrradmitnahme) für eine Hin- und Rückfahrt kostet. Es gibt eine billige Alternative, für eine Fahrt auf der Elbe, die mir bis vor einer Woche nicht bekannt war. Das Niedersachsenticket ist auf allen Linien in Bremen und Hamburg gültig. Wir waren mit der Familie in Hamburg und nutzten S-Bahn, U-Bahn und eine Elbfähre. Genau, von den Landungsbrücken verkehren vier Linien der HADAG, die mit einen normalen Fahrschein der HVV oder eben dem Niedersachsenticket genutzt werden können. Wir fuhren von den Landungsbrücken mit drei Stopps die längste Strecke elbabwärts bis zum Endpunkt Finkenwerder und von dort zurück bis nach Altona. Insgesamt fast eine Stunde auf dem Wasser auf dem oberen offenen Deck. Wir fuhren dicht am Fischmarkt und Blankenese vorbei. OK, eine Hafenrundfahrt bietet viel Information, aber eben auch viel Gedöns und kostet außerdem pro Person €9,00. Wir kennen Hamburg seit der Kindheit und brauchen diese Anekdoten nicht und ich sah glückliche Menschen in Altona von der Fähre steigen.

Montag, 1. Januar 2007

Genealogie im Kirchspiel Scheeßel

Als ich vor 28 Jahren mit der Familienforschung begann und zunächst Standesämter und einzelne Pfarrämter um Informationen zu meinen Vorfahren bat, war nicht abzusehen, wie weit dies Kreise ziehen. Heute haben ich zu 535 Personen mit 91 Familiennamen aus 76 Ortschaften Datenblätter in einer digitalen Datenbank, die in HTML erstellt wurde. Jedes Datenblatt hat Verknüpfungen nach oben und unten, so dass in der Regel nicht nur die unmittelbaren Ahnen erfasst sind, sondern die jeweilige Familie mit allen Kindern. Wenn ich dann irgendwann eine eigene Website habe, werde ich dort alle Datenbögen vor 1850 (also die übergroße Mehrheit) veröffentlichen.

Es gibt ein natürliches Ende der Familienforschung. Kirchenbücher sind die wichtigste Quelle für die Genealogie. Diese Kirchbücher liegen in der Regel erst nach dem 30-jährigen Krieg vor. Dort werden Taufen, Konfirmationen, Kopulationen (= Aufgebote und anschließende Eheschließungen) und Begräbnisse schriftlich dokumentiert. Die Qualität dieser Bücher hängt natürlich vom jeweiligen Schriftführer ab. Einige notierten nur die wesentlichen Daten des Wer-Wann-Wo, andere verwiesen auf Zusammenhänge und Besonderheiten und notierten am Jahresende noch eine abschließende Bemerkung.
Das Internet bietet neue Möglichkeiten der Recherche und gibt Hinweise auf weitere Datenbestände in Kirchenbuch- und staatlichen Archiven. Gedruckte Publikationen, die genealogische Angaben enthalten, sind natürlich stets nach besten Wissen erstellt, aber Korrekturen der eigenen Forschung können nicht aufgenommen werden. Ich werde in dieser neuen Rubrik einige genealogische Erkenntnisse aus meiner Forschung veröffentlichen. Da Familienforscher sehr genau suchen, werden sie meine folgenden Einträge mit Sicherheit über Google finden.
Meine Vorfahren stammen im Wesentlichen aus zwei Regionen. Auf der mütterlichen Seite ist es das Kirchspiel Scheeßel zwischen Hamburg und Bremen und die unmittelbare Umgebung. Auf der väterlichen Seite sind es Dörfer zwischen Braunschweig und dem Elm, genauer Hachum, Gilzum und Evessen und das weitere Umland.

Im Kirchspiel Scheeßel wurde endogam geheiratet. Für die frühesten Einträge habe ich das Kirchenbuch statistisch ausgewertet. Zwischen 1655 und 1708 wurden 831 Eheschließungen im Kopulationsregister registriert, nur in 37 Fällen stammte einer der Partner nicht aus dem Kirchspiel Scheeßel. Dies sind nur 4,5 Prozent! Eine auswärtige Heirat war häufiger, das Kirchbuch verzeichnet natürlich nur die Trauungen in Scheeßel; wenn jemand aus dem Kirchspiel Scheeßel auswärtig heiratete, ist dies in der Regel nicht in Scheeßel verzeichnet. 
Von den 37 Hochzeiten mit Auswärtigen wurde in zwei Fällen pauschal als Herkunft Militär angegeben, ansonsten stammten fast alle aus unmittelbar benachbarten Kirchspielen, also Brockel, Gyhum, Fintel, Sottrum, usw. Das Kirchspiel Scheeßel ist groß und somit ist die Gefahr von Inzucht relativ gering gewesen und die Kirchgemeinde hat im Zweifelsfall hierzu auch eine dokumentierte Überprüfung der Verwandtschaftsverhältnisse der potentiellen Ehepartner vorgenommen.

Bestimmte Familiennamen sind mit bestimmten Ortschaften und oftmals mit bestimmten Höfen verbunden. Alle bisher bekannten Personen mit den Familiennamen Kracke haben einen Bezug zum Kracken-Vollhof in Wohlsdorf, Kirchspiel Scheeßel. Ähnlich verhält es sich mit dem Namen Lüdemann, der stets zu verschiedenen Höfen in Abbendorf, Kirchspiel Scheeßel führt. Auch der häufige Name Meyer lässt sich in vielen Fällen auf klar zu identifizierende Höfe in mehreren Dörfern des Kirchspiels Scheeßel zurückführen.
Im folgenden Eintrag dokumentiere ich die Genealogie von Harm Hinrich Meyer, meinem Ururururgroßvater, der im frühen 19. Jahrhundert das Rittergut Veerse als Pächter bzw. Verwalter betrieb und dort am 5. Juli 1845 gestorben ist.
Um so weiter ich in meiner Suche zurückging, um so wahrscheinlich wurde es, dass eine Familie mehrmals auftaucht. Die oben gezeigte schematische Darstellung verzeichnet nur sieben Generation und umfasst in der Spitze bereits 64 Personen einer Generation. Von mir bis zum 30-jährigen Krieg sind es rund 12 Generationen dies entspricht dann 2.048 Personen in der ältesten Generation.

Siehe auch meine Notiz zum Thema Genealogie und Auswanderung.