Posts mit dem Label Rumänien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rumänien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 16. März 2013

You Are My Sunshine - EK-Erinnerungen

Ein Text über den Sonnenschein

In jedem Jahr habe ich mindestens einen Sonnenschein kennen gelernt, eine Person, die durch ihre Art oder ihr Lächeln auch bei mir ein Lächeln erzeugte und so bereits zum Frühstück den jeweiligen Tag zu einem guten Tag machte.
Es waren dies die "Good Vibrations" oder anders ausgedrückt, das "ich kann dich gut riechen" als Gegensatz zum "den kann ich nicht riechen".
Wenn ich nun auf die Namensliste der zehn Jahrgänge schaue, erzeugen einige Namen weiterhin ein Lächeln, da die positive Erinnerung überwiegt. Es gab Jahre in denen es mehr Sonnenschein gab und Jahre mit weniger; auch war es nicht immer "die", sondern manchmal auch "el", "le" oder "il".

Die moderne Kommunikation und unsere jährlichen EKNT (2013 heißt das Ziel Budapest) erlauben mir, in Kontakt zu bleiben und zu beobachten, wie die Alumni nach der Schule ihren Weg durch die Hochschule oder Universität finden.

Sonntag, 25. November 2012

Horror und Grauen

Horror ist seit Jahrzehnten ein Genre im Kino und in der gedruckten Unterhaltung. Ich kann nicht behaupten, dass mich dieses Genre wirklich interessiert, da mangelnde Phantasie noch nie mein Problem war und ich mir so schon immer Schrecken und Abscheu vorstellen konnte.
Doch jetzt habe ich mal wieder einen Schauerroman gelesen, wo einige Szenen meine Sinne am Abend so weit schärften, dass ein Grauen im Dunklen jenseits der Nachttischleuchte entstand.

Die Gänsehaut bei den Horrorgeschichten in der Sammlung der Gebrüder Grimm war nicht angenehm. Erst mit Edgar A. Poe fand sich ein Autor, der mich auch in seinen dunklen Phantasien ansprach. H. P. Lovecraft geht einen Schritt weiter und seine anregenden Andeutungen sind wahrlich nicht als Bettlektüre geeignet. Wer einen Albtraum provozieren möchte, der hat hier, wie ich erfahren konnte, ein sicheres Mittel.
Es sind die Andeutungen und nicht die konkreten Schilderungen, welche das Grauen über das Lesen hinaus fördern. Viele der Horrorfilme, in die ich nachts im TV hinein flipperte, sind viel zu konkret. Wenn Verletzungen, Verstümmelungen und Töten gezeigt wird, erzeugt dies bei mir nur Ekel. Der Mangel an Vertrauen in die Phantasie der Zuschauer ist beschämend.
Der Schrecken (Auftritt des Grauen) in diesen Produktionen erinnert nur an Erschrecken in Kindheit und Jugend und ist in fast allen Filmen klar zu erwarten und damit kein Schrecken. Das macht viele der Genre-Filme berechenbar.

Horror und Schrecken scheinen sich einer Definition zu entziehen. Ich habe schon viele persönliche Bemerkungen darüber gehört, was andere Menschen erschrickt, gruselt oder sogar ängstigt. Es soll jetzt keine Küchenpsychologie gepflegt werden, denn ich sehe vor allem eine sehr große Bandbreite von Erfahrungen, ab wann jemand Ekel, Schrecken, Grauen und Horror empfinden.
Mein Grauen hat sicherlich mit Erfahrungen aus der Kindheit zu tun.

Der Schauerroman, der mich zu diesen Zeilen führte, ist:

Elizabeth Kostova (2005)
Der Historiker
Berlin: Bloomsbury.

Dies ist ein Roman über den Fürsten Vlad III., der einer der historischen Quellen für den Dracula-Mythos ist. Die ersten zwei Teile des Romans sind wirklich unterhaltsam, leider sinkt dann die Qualität der Erzählung.
Es gibt einen Wikipedia-Eintrag zum Roman, der aber (Warnung!) die gesamte Geschichte verrät.

Samstag, 11. Juni 2011

Der europäische Gedanke wird zerredet

Im befreundeten Blog von Filipe wird eine Debatte zum europäische Gedanken gewünscht. Die Europäerinnen und Europäer unter meinen Leser sollten deshalb mal hier vorbeischauen und einen Beitrag leisten.

- - - - -
Mein Beitrag, der eigentlich in Filipes Blog erscheinen sollte, ist zu lang für die Kommentarspalte, die nur 4.096 Zeichen umfassen darf, deshalb folgt er hier:

Ich stimme Filipe zu. Es ist eine veritable Krise.

Die so genannten reichen Länder polemisieren gegen die so genannten armen Länder. Deutschland ist reich, auch wenn die Zahl der verarmten und armen Menschen anwächst (da in der internationalen Statistik das wachsende BIP zählt, und da unsere Reichen heute viel reicher sind als vor 10 Jahren, geht es "uns Deutschen" viel besser als vor 10 Jahren). Unsere Kanzlerin, ihre Regierung aber auch große Teile der Opposition lassen es an Solidarität nicht nur mangeln, sondern tun so (und reden in populistischen Anfällen=intellektuellen Ausfällen) als wäre die Krise von den "Armen" Ländern zu verantworten.
Die wirtschaftliche Krise in den mediterranen Ländern Europas ist nur zum Teil hausgemacht. Es ist banal, wird aber scheinbar immer wieder gerne in der öffentlichen Debatte falsch dargestellt. Es verschwindet kein Geld in Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal. Geld verschwindet nicht, Geld wechselt nur seinen Besitzer. Es ist im Interesse der Rating-Agenturen, Staaten in den Bankrott zu schreiben, da sie dann als Berater damit Geld verdienen. Die Zinsen für Staatsanleihen werden am freien Markt gebildet, obwohl dies auch im europäischen Verbund möglich wäre. Es sollte stets öffentlich thematisiert werden, wohin die Gelder schließlich fließen. Deutsche Banken (u.a.) verdienen sehr viel an der Krise.
Die europäische Krise ist auch und vor allem eine demokratische Krise, denn die Elite (und dies beinhaltet Regierung und parlamentarische Opposition) hat den Schaden durch ihre Kombination von Liberalisierung und angeblicher haushaltspolitischer Austerität den Staat um seine Einnahmen gebracht. Der schon geisteskrank anmutende Wachstumsfetischismus, der die Grundlage diese Sekte (denn es kann kein unendliches Wachstum auf einer endlichen Welt geben und nur Sekten glauben an das Unmögliche) würde alle finanziellen Probleme lösen. Ich musste mich schon an den Kopf fassen, als ich bei den anderen wirtschaftlichen Blasen las, dass Akteure glaubten, dass ein Spekulationsfeuer mehr als ein Strohfeuer ist.
Wirtschaftlich sollten die Staaten es als eine Chance sehen. Vor allem Griechenland ist in seiner internationalen Bewertung so tief gesunken, dass es nun einen großen Schnitt machen kann. Spekulationssteuern (Börsentransaktionssteuern) werden seit Jahren international nicht nur von ATTAC gefordert. Dies wird dann stets von der jeweiligen Regierung nicht weiter verfolgt, da ihnen die Wirtschaft verdeutlicht, was für umfassende Schäden ein Alleingang bedeuten kann. Es würden dann internationale Investitionen abgezogen und keine neuen kommen. Seien wir doch ehrlich, es sind oftmals keine Investitionen (mittel- oder langfristig Ziele) sondern Spekulationen (kurzfristig viel Geld gewinnen). Griechenland, aber auch Spanien und Portugal können nicht weiter verlieren. Sie haben die Chance mit so einer Steuer, die Gefahr von weiteren Strohfeuern in ihren Ländern zu reduzieren. Und dann gibt es natürlich noch die Möglichkeit diejenigen zur Kasse zu beten, die an der vorherigen Spekulation sich dumm und dämlich verdient haben. Das sind keine anonymen Institutionen und Fonds, welche die Blase aufgebaut haben, sondern dahinter stehen Firmen und Manager, die sich auch benennen lassen.
Doch dann bin ich wieder pessimistisch, denn die griechische Politik-Elite ist genauso korrupt, wie in Deutschland, etc.
Ich halte es deshalb auch für keinen Zufall, dass sowohl in Griechenland (googelt mal Aganaktisméni) oder Spanien (Democracia Real Ya) basisdemokratische Bewegungen die bestehenden politischen Parteien herausfordern.

Doch zurück zu Europa und hier vor allem der EU. Es gibt eine europäische Idee und viele von uns glauben an eine europäische Identität. Diese Idee muss von der EU gepflegt und gehegt werden und dies bedeutet, dass die EU sich viel stärker um das europäische ihrer Identität kümmern muss. Es kann nicht angehen, dass es große moralische Erklärungen gibt, aber, dass wenn ein EU-Mitglied diese Grundsätze verletzt, dies nicht offiziell kommentiert wird. Wenn Dänemark Grenzkontrollen will, OK, dann sollen sie auch das Schengenabkommen kündigen und ihrer Bevölkerung klar machen, dass es keine unilaterale Politik innerhalb der EU gibt. Wenn internationaler Handel, Transithandel und internationaler Tourismus als spezielle Form der internationalen Wirtschaft plötzlich wieder Hemmnisse spürt, wird sich dies schnell in Dänemark bemerkbar machen und die aufgehetzte dänische Bevölkerung begreifen, dass geistige Brandstifter systematisch die politische Kultur im Land vergiftet haben.
Oder wenn die polnische und rumänische Regierung lügend behaupten, dass sie keine Foltergefängnisse für die CIA unterhielten, obwohl dies vom Europa-Rat bewiesen wurde. Warum nicht einmal das Stimmrecht eines Landes in der EU für einige Monate suspendieren und EU-Zuschüsse reduzieren. Europa lebt von einer Idee zivilisatorischer Fortschritte und wer auf diese pfeift, sollte befristeter Sanktionen unterliegen.
Die EU sollte mehr als eine Wirtschaftsunion sein!

Freitag, 7. September 2007

Kunst in Sibiu 2

Das heutige Brukenthal-Museum in Sibiu / Hermannstadt ist ein Beispiel für die Vorläufer der Museen. Baron Samuel von Brukenthal (1721-1803) war der regionale Fürst und wie viele Mitglieder des Hochadels ein Kunstsammler.
Kunst meinte damals Malerei (hier einige Beispiele aus dem Museum), Bildhauerei und Sammlungen von Münzen, Waffen und Kuriosa aus aller Welt, die von europäischen Kunsthandwerkern bearbeitet wurden. Letzteres wurde in so genannten Kunstkammern oder Kunstkammerschränken gesammelt und Interessenten vorgeführt. Kunstkammerschränke waren in ihrer Zusammenstellung wiederum eine Kunst und wurden entsprechend als Stillleben gemalt.
Georg Hinz (1630-88) Galantarul; Sibiu / Hermannstadt, Brukenthal-MuseumGeorg Hinz (1630-88) Galantarul

Der Brukenthal Palast ist ein gelungenes Beispiel für die Architektur der Barockzeit und bietet als Gebäude bereits einige Höhepunkte.
Das Brukenthal-Museum versammelt eine bunte Sammlung von Münzen, Objekten und Gemälden, deren einzig verbindendes Element die Zeit ihrer Anschaffung war. Hier war ein Gemälde der folgenden Frau zu finden.
Johann Martin Stock 1775 Marie Antoinette; Sibiu / Hermannstadt, Brukenthal-MuseumJohann Martin Stock (1742-1800) Marie Antoinette, 1775

Auch sofort die Frau erkannt? Ich sah das Bild und dachte sofort, dass ist doch die Vorgängerin von Paris Hilton, der aktuell von Sofia Coppola ein eigenwilliges filmisches Denkmal gesetzt wurde. Marie Antoinette, die Frau ohne Kopf.
Marie Antoinette; Sibiu / Hermannstadt, Brukenthal-MuseumDies ist nur einer von vielen Beiträgen meiner Osteuropareise; siehe unter anderen:

Sonntag, 2. September 2007

Moderne Kunst in Sibiu

Ein Besuch im Alten Rathaus, dem heutigen Stadtmuseum von Sibiu (Casa de Cultura a Municipiului Sibiu).

Im Rahmen der Kampagne Europäische Kulturhauptstadt wurde eine Ausstellung zur Entwicklung der rumänischen Moderne bis zur Herausbildung der Avantgarde in den 30-er und 40-er Jahren gezeigt.



Es gab vier Bilder, die mich wirklich bewegten und beeindruckten:


  • Arthur Segal mit seinem Bild Interieur von 1911 in einen Stil, der mich an Impressionismus erinnerte;Arthur Segal 1911 Interieur
  • Arthur Segal (geboren 1875 in Jassy – 1944 in London gestorben) studierte in Berlin, Paris und München. Als freier Künstler und später Lehrer einer eigener Malschule wirkt er zunächst in München und von 1904 bis 1933 (mit kurzen Unterbrechungen in Ascona und Zürich). Als politischer Künstler emigriert er über Mallorca nach London, wo er in einem Deutschen Luftangriff stirbt. Das Bild entstand als er Mitglied der „Berliner Secession“ war. Nach dem 1. Weltkrieg war Mitglied der Dada-Bewegung. Mehr Details zu seinem Leben finden sich in der Berlinischen Galerie
  • Rodica Maniu Spalatorese / Waescherinnen (1918) war leider nicht zu photographieren, da es schlecht ausgeleuchtet war
  • M. H. Maxy Constructii / Konstruktion (1923)Maximilian Herman Maxy 1923 Constructii / Konstruktion
  • Maximilian Herman Maxy wurde am 26. Oktober 1895 in Braila geboren und starb am 19. Juli 1971 in Bukarest. Er bekannt sein Kunststudium in Bukarest und wurde 1922 in Berlin ein Schüler von Arthur Segal. Die letzten Ausläufer des Kubismus finden sich im ersten Bild. Nach seiner Rückkehr nach Bukarest wurde er Mitglied der Contimporanul group und nahm an deren großen Ausstellungen teil. Gleichzeitig war er Mitglied der Grupul de Arta Noua und einer der Mitbegründer der Academy of Modern Decorative Arts, die sich ausdrücklich als ein rumänisches Bauhaus verstanden. Nach dem 2. Weltkrieg war er Direktor des Kunstmuseums in Bukarest und machte stilistische Zugeständnisse zu den Wünschen der neuen Kommunistischen Regierung. Mehr Details zu Maxy bietet Artnet
  • M. H. Maxy Piata Sf. Gheorghe in Carje/ St. Georghe Platz mit den Krücken (1935)Maximilian Herman Maxy  1935 Piata Sf. Gheorghe in Carje / St. Georghe Platz mit den Krücken

In der Ausstellung wurden Bilder aus allen Schaffensphasen von M.H. Maxy gezeigt und es war damit seine Entwicklung zu sehen. Am Ende der Ausstellung war ein Werk aus den 50-er Jahren zu sehen. In seiner bemühten sozialistischen Art mit Hammer und Sichel erschien es mir als eine ironische Referenz an die Ästhetik von Parteiplakaten. Als ich dieses Werk sah, konnte ich mir nicht vorstellen, dass er das wirklich ernst gemeint hat, aber die Kurzbiographie gibt eine andere Information.
Die Fotos wurden ohne Blitzlicht in der Ausstellung aufgenommen. Die Beleuchtung der Bilder war ungleichmäßig, so dass einzelne Bilder gut ausgeleuchtet und andere wiederum ungleichmäßig oder im Extrem sogar so ungeschickt beleuchtet wurden, dass es Spiegelungen einiger Farben gab. Das Bild von Rodica Maniu konnte aus diesen technischen Gründen nicht photographiert werden.

Dies ist nur einer von vielen Beiträgen meiner Osteuropareise; siehe unter anderen:

Montag, 18. Juni 2007

Poprad nach Budapest

Reisetagebuch Osteuropa 2007

31. Mai - 1. Juni

Poprad -
Kosice -
Budapest -
Bucuresti


(Mein Gepäckberg in Kosice)



(Wasserdruckbehälter im Norden von Ungarn)

Montag, 4. Juni 2007

Die Strassen von Bukarest

Reisetagebuch Osteuropa 2007

Bukarest war anstrengend!
Nachdem ich 28 Stunden in der Stadt war, kann ich gleich mehrere Gründe für diesen dramatischen Einstieg nennen. Bucuresti ist groß (2 Millionen Einwohner) und entsprechend verwirrend. Alleine die Innenstadt hat mehrere zentrale Plätze, die alle mehrmals gequert wurden, ohne das sich eine “mental map” aufbaute. Alles ist auf das Auto ausgerichtet, aber im Gegensatz etwa zu den USA mit seiner car-only-Fortbewegung ist es in Bukarest chaotisch und aggressiv. Für uns Fußgänger gibt es oftmals selbst an wichtigen Straßen mit Läden nur einen Weg von einen Meter Breite, der durch Metallstangen im Abstand von einem Meter dieses Refugium von der Straße trennt. Da die Stangen weit auf dem Fußweg eingelassen sind, reduziert sich diese Schutzzone auf eine Breite von 60-80 Zentimeter. Und dieser “Weg” fordert die gesamte Aufmerksamkeit. Der Untergrund von Beton oder Asphalt hat sich seit seiner Fertigstellung in grauen Vorzeit verändert. Zerbrochen, abgesenkt und mit Schlamm gefüllt oder durch Wurzeln von Bäumen angehoben. Wer seinen Blick vom Weg nimmt, kann vielleicht interessante, angegraute Häuser aus einer Vielzahl von Epochen sehen und manchmal bewundern, aber gefährdet dann seine Knöchel.
Und dann kreuzt eine Straße den Weg. Fußgängerampeln und Zebrastreifen sind nur diskrete Hinweise für die sich nicht im Blech bewegenden Zeitgenossen, dass hier eine Überquerung versucht werden kann. PS-starke Autos halten nicht und hupen sich ihr Recht auf freie Fahrt des Stärkeren und Geschützten. Ältere, Behinderte und Mütter mit Kindern haben nur wenig Chancen n den wenigen Sekunden der Grünphase (die ja außerdem von vielen Autos missachtet wird) eine vier- bis achtspurige oftmals unübersichtliche Kreuzung zu queren. Erst nach mehreren Sekunden Grünphase für Fußgänger sind auch die letzten Automobilisten, die bei dunkelorange (=rot!) ihre Fahrt fortgesetzt haben, auf ihren Weg und kurz drauf gibt es bereits wieder Grün für die Fahrer. Ich beobachtete einmal eine Mutter mit einem Kind von 4-6 Jahren, die zwei Versuche startete, aber beide abbrach und dann hatten die Autos auch wieder offiziell GRÜN und es wäre Selbstgefährdung auf die Straße zu treten.
Habe es selbst bereits mehrmals erlebt, dass Fahrer (männlich, zumeist relativ jung) in großer Geschwindigkeit auf einen zugeschossen kommen und wenn sie nicht wild hupend ihren Weg erzwingen, dann mit quietschenden Reifen unmittelbar vor dem Zebrastreifen stoppen. Adrenalin pur aus der Sicht eines Gehenden. Das ist nicht Rumänien, das ist Bucuresti. Ich sitze hier in Sibiu und hier sind die Blechbesitzer zivilisiert und halten so offensichtlich am Zebrastreifen, dass ich zunächst irritiert war.
Die Stahlstangen, welche die Straße von den Fußgängern trennen sind zwingend. Nur die wichtigsten Straßen haben diesen Schutz und in den Nebenstraßen parken immer wieder Autos auf dem Fußweg von Hauswand bis Bordsteinkante, so dass auf die mörderische Straße ausgewichen werden muss, um diese 
Hindernisse zu umgehen.

Der öffentliche Verkehr in Form von Bussen und Straßenbahnen ist sicherer, aber hat keine eigenen Fahrspuren und entsprechend stehen die Fahrzeuge an den Kreuzungen im chaotischen Stau. Apropos Bus, da hatte ich ein schlechtes Erlebnis. Meine Gastgeberin hatte mir beschrieben, wo ich welchen Bus besteigen soll, um schnell in die mehrere Kilometer entfernte Innenstadt zu gelangen. Sie sagte mir auch wie viel dies kosten würde. Tja, da war nur ein Problem. An der angegebenen Bushaltestelle war der Kiosk, in dem Fahrscheine verkauft werden, geschlossen und es gab keine Automaten. Am Wochenende gibt es sehr eingeschränkte Verkaufszeiten und viele Kioske haben gleich ganz geschlossen. Das sah ich zunächst nicht als ein Problem an, der ich hatte meine Gastgeberin so verstanden (wie sich später herausstellte missverstanden), dass ich im Bus beim Fahrer meinen Fahrschein kaufen könnte. Der Bus kam und ich stieg und stellte fest, dass der Fahrer vollständig von den Passagieren getrennt ist und auch keine Kommunikation möglich war. Einer der Gründe hierfür war, dass aus der Fahrerkabine sehr laute Musik schalte und der Fahrer relaxt ein längeres Telefongespräch führte. Im überfüllten Bus sah ich nur Automaten zum Abstempeln bereits gekaufter Fahrscheine. Ich stand mit meinen zwei 1 RON-Scheinen verloren im vorderen Bereich und überlegte, wie ich das Problem lösen könnte, als der Bus los fuhr.
Unter dem Stress einer ungewollten Schwarzfahrt fuhr ich den langen Weg in die Innenstadt, wo der Freund meiner Gastgeberin mich treffen wollte und mir die Stadt zeigen wollte. Die Innenstadt war bereits erreicht, als drei Kontrolleurinnen den Bus betraten und allen Passagieren ihre Dienstmarke zeigten. Ich war einer von zwei Passagieren ohne gültigen Fahrschein und musste zunächst meinen Personalausweis abgeben. An der nächsten Haltestelle verließen wir fünf den Bus und ich erklärte einer Kontrolleurin mein Problem. Die mich befragende Frau sprach ein sehr rudimentäres Englisch sagte aber das was auch Kontrolleure in Hannover sagen würden. Die Begründung für eine Fahrt ohne Fahrschein ist unerheblich und so musste ich 40 neue Lei für eine Fahrt ohne Fahrschein bezahlen. Glücklicherweise nicht mehr, denn ich hatte nur noch etwas mehr als 60 Lei dabei.
Um das Kapitel Verkehr in der Millionenstadt Bucuresti abzuschließen möchte ich noch meine Beobachtungen während einer U-Bahnfahrt hinzufügen. Vom Hauptbahnhof war ich mit ein Mal umsteigen zur Universität gefahren. Es war dies für mich eine beständige aggressive Situation. Überall laufende und schubsende Menschen, die durch schmale Gänge drängten, um ihre Verbindungen zu erreichen. Die U-Bahnen waren voll und auf der großen Fläche zwischen den beidseitigen Türen gab es nur wenig Möglichkeiten, sich irgendwo festzuhalten.

Das war jetzt sehr viel Negatives über Bucuresti. Vielleicht ist die Stadt einfach zu groß für mich. Ich mag auch nicht Berlin aber im Widerspruch hierzu liebe ich London!

Die Schönheit der Stadt Bukarest zeigt sich in den Menschen, den Parks, einzelnen Gebäuden und Häuserzeilen.

Donnerstag, 28. Dezember 2006

Gastbeitrag aus Bukarest

Vorwort: Als im Oktober 2005 wieder einmal die so genannten Fortschrittsberichte der EU über Bulgarien und Rumänien veröffentlicht wurden, habe ich deutsche Artikel und Kommentare an ausgewählte Personen in Rumänien gesandt und um eine Stellungnahme gebeten. Cristina aus Sibiu (Hermannstadt) hat ein kleines Essay geschrieben (Februar 2006), das ich hiermit mit ihrer Zustimmung veröffentliche. Herzlichen Dank an Cristina!
- - - - -
Die Herausforderung Rumänien
Als ich im Oktober 2005 mein Bukarest-Abenteuer begann, wollte ich als erstes das Lipscani-Viertel sehen. Ich hatte mich in der neuen Wohnung eingerichtet, ich musste nicht mehr über die Aufnahmeprüfung nachdenken und ich hatte Lust, Bukarest zu erforschen. In meinem Kopf hatte ich schon ein Bild von Lipscani: Rumänien zwischen den Weltkriegen, die aufgewühlte Vergangenheit, ... .
Was habe ich gefunden? Ruine, Kitsch, Armut und Verfall. Wenn man ein historisch geprägtes Viertel besucht, erwartet man Geschichte, Nostalgie, Menschen, die aus einer anderen Epoche zu kommen scheinen, Gebäude, die Bewunderung hervorrufen. In Lipscani findet man die harte Realität der rumänischen Unterschicht, die Gleichgültigkeit der rumänischen Gesellschaft. Am Beispiel der Menschen, die hier leben und „arbeiten“, erkennt man, dass die Geschichte den Menschen das Überleben nicht erleichtert. Die Unstimmigkeit zwischen Erwartungen und Realität sind flagrant und das vertiefte nur die negative Überraschung.

In Siebenbürgen sagt man, „Die Erde dreht sich anders in Bukarest“. Das habe ich eigentlich nie ernst genommen. Dies lag wahrscheinlich daran, weil ich nie länger als zwei Tage in Bukarest geblieben bin. Aber das Leben lässt weniges ungelöst. Ich wohne jetzt in Bukarest und bin täglich mit den Unterschieden zwischen Hermannstadt und Bukarest konfrontiert. Obwohl auch in Hermannstadt noch vieles verbessert werden kann, ist diese Stadt verglichen mit Bukarest die (rumänische) Definition der Normalität. Und ich sage das nicht nur weil es meine Heimatstadt ist. Termine werden (meistens) eingehalten; Regeln werden (oft) befolgt; die Menschen räumen im Winter den Schnee vor ihren Häusern weg; die Fußgänger überqueren die Straße bei grünem Licht; wenn die lokale Behörde eine Ausbesserung beginnt, dann gibt es auch einen Arbeitsplan, u.a. Aus diesem Hintergrund (und auch anderem) empfinde ich Bukarest als sehr chaotisch. Man kann sich auf sehr weniges stützen und das erschwert das Leben der Menschen erheblich. Viele haben sich daran gewöhnt, viele sehen es als normal an und wenige versuchen etwas zu ändern. Und die Lage der Sachen in Bukarest sagt natürlich eine Menge über die Wirklichkeit des ganzen Landes. Die Theorie sagt, es hänge alles mit der orientalischen Mentalität zusammen. Ich glaube es ist oberflächlich und ein leugnen der Verantwortung, wenn die heutigen Probleme nur auf die Vergangenheit geschoben werden. Immer öfter habe ich den Eindruck, dass Menschen eigentlich gar nicht selbst bestimmen können. Ich bestreite nicht, dass Gespenster der Vergangenheit uns heute noch heimsuchen (orientalische Einflüsse, Kommunismus). Wir können es uns aber nicht leisten, auch diesmal diese „Umstände“ als Ursache für unsere Misserfolge zu beschuldigen. Es ist Zeit, endlich selbst die Verantwortung zu übernehmen und zu bestimmen, in welche unsere Zukunft liegen soll.

Was Rumäniens Wahrnehmung in Europa und im Allgemeinen angeht, kann ich verstehen, dass es schwer ist, sich ein klares Bild zu machen. Rumänien ist ein Land der Mischungen und hat nicht ein einheitliches Bild (oder auch nur ein Bild), um es der Welt vorzustellen. Das so genannte „country brand“ war Thema unzähliger Diskussionen, die aber keine Lösung gebracht haben.

Die hohen Preise - die niedrigen Löhne; die hohe Platzierung Rumäniens auf der Korruptionsskala - die unendliche Debatte im Land über Korruption und wie man sie vermindern kann; die Villen am Stadtrand von Bukarest - die Mehrheit der Bevölkerung, die in Wohnblocks lebt; die Lieblingsaussage der Rumänen: "Es geht auch so" - die "Überanwendung" einiger EU-Normen; dies sind nur einige Gegensätze, die in Rumänien zu finden sind.

Rumänien ist nicht besser aus Hermannstadt oder aus Bukarest zu verstehen. Beide sind Facetten einer Darstellung eines Landes. Man sollte also begreifen, dass Rumänien nicht durch eindeutige Beschreibungen charakterisiert werden kann. Man wird immer Beispiele und Gegenbeispiele finden können. Rumänien ist eben ein Land, wo viele Gegensätze zu finden sind, und genau das gehört zu unserer Identität.

- - - - -
Eine Reaktion von Stefana aus Bukarest, 13. Februar 2006:

Ich habe ungefähr 15 Jahre in Bukarest gelebt und musste vor nicht allzu langer Zeit feststellen, dass mir diese Stadt unbekannter vorkommt als jede andere Stadt. Bukarest zu entdecken bedarf nicht nur einiger Spaziergänge durch die wohl bekannten Areale der Großstadt so wie Lipscani oder andere Zonen mit sogenanntem historischem Wert. Ich muss leider fast beschämt zugeben das ich nach 15 Jahren in Bukarest kaum die wahren Schätze (falls man sie so nennen kann) gesehen habe. Ich fing an diese Stadt erst kennen zu lernen, nachdem ich beschlossen hatte, Architektur zu studieren.

Bukarest ist eine Stadt die aus Extremen besteht. Hinter Hochhäusern aus der kommunistischen Zeit und grausam kitschigen Bauten verstecken sich viele wertvolle architektonische Schätze, die diese Stadt ausmachen. Ich mache jedem, der Bukarest zum ersten Mal besucht, einen Vorschlag um aus diesem Klischee der Stadt der Armut und Gleichgültigkeit zu entkommen. Versucht an einem sonnigen Tag die Calea Victoriei (eine der größten Straßen Bukarest) entlang zu laufen und einfach zu betrachten was einem auffällt. Ohne Führung oder Gesellschaft, ohne jedwelchen Kommentar oder einer Erklärung. Ich bin der Meinung, Bukarest muss nicht verstanden werden, muss nicht erforscht werden, diese Stadt muss einfach so wahrgenommen werden, wie sie ist. Es stimmt, dass das Viertel Lipscani die ganze unverständliche Wahrheit Bukarests in sich trägt, aber in gleicher Weise macht dies auch die Calea Victoriei und diese beiden total entgegengesetzten Definitionen Bukarests -denn ich erlaube mir zu behaupten, dass diese zwei Viertel jeder in sich Bukarest definieren- bestätigen das schon zu oft ausgesprochene Zitat "je mehr sie von Rumänien wissen, umso weniger werden sie es verstehen". und es gibt noch viele andere Beispiele, die die unverständlichen Gegensätze dieses Landes darstellen, nicht nur zwei Viertel in Bukarest. Ich behaupte weiter, dass dieses Land nicht verstanden werden muss, weil es nicht verstanden werden kann. Für die, die es erlebt haben, scheint alles seine Logik und seine Regeln zu haben, für die Anderen eben nicht. Versucht einfach nicht mehr danach zu suchen ... es wäre sinnlos ...