Eine biographische Notiz.
1988-1989 I was one of three German exchange students at the University of Dar es Salaam, Tanzania. I studies African History on B.A. level and some Urban Geography.
The Tanzanian government believed in socialism, at least in public.
At the university each and everyone had to attend for one term a lecture on marxism. It was strange to listen to quotations of Karl Marx. Since then I have a Russian print of one volume of the collected works of Karl Marx and Friedrich Engels.
I read the theses on Feuerbach with the famous quotation:
(11.
Die Philosophen haben die Welt nur verschiedene interpretiert, es kommt darauf an sie zu verändern.)
The philosophers have only interpreted the world in various ways; the point is to change it.
I remember that on a few occasions we students from the USA, Tanzania and I had some discussions about the lecture and some quotations from the book.
The lecture was dogmatic. After insulting all idealistic thoughts I stopped to go there.
I learned a lot at the University of Dar es Salaam but I did not became a marxist.
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Sonntag, 6. Mai 2018
Sonntag, 6. März 2016
Schulbücher und die Realität
In der taz am wochenende thematisiert Ralf Pauli das Problem von Schulbüchern, die nicht mehr die Realität widerspiegeln. In vielen Lehrbüchern gibt es weiterhin die Deutschen und die Anderen, auch wenn heute mehr als ein Drittel der Schülerinnen und Schüler einen sogenannten Migrationshintergrund haben.
Schulbücher sind eine Ware. Ihr Angebot basiert auf den Lehrplänen der Bundesländer und der Nachfrage durch die Schulen. Lehrpläne werden regelmäßig angepasst und wenige Jahre später finden sich diese Veränderungen in den Publikationen der Schulbuchverlage.
Doch gibt es eine Persistenz in Themen, Beispielen und Wortwahl.
In den 1990-er Jahren habe ich dies als Mitglied einer Arbeitsgruppe am Historischen Seminar erlebt. Damals gab es einen neuen Lehrplan "Geschichte in der SEK II". Außereuropäische Geschichte war als ein Thema vorgesehen.
Unsere Gruppe erarbeitete Beispiele aus der Geschichte Mexikos, Chinas und mehrerer afrikanischer Territorien für die Schule. Selbst leitete ich die Afrika-Gruppe. Wir wollten weg von der bis dahin in den Schulbüchern gelehrten Kolonialgeschichte.
Kontakte mit Schulbuchverlagen führten zumindest zu einem Seminar am Braunschweiger Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung. Dort stellten wir den Wissenschaftlern vom Institut und anderen Universitäten unsere Zwischenergebnisse vor. Wir fanden keinen Verlag, gewannen aber einen Buchpreis der UNI Hannover für unser Projekt.
Unser 148-Seiten-Schulbuch wurde 2002 als kostenfreier Download veröffentlicht. Selbst habe ich das Kapitel "Afrika gibt es nicht" verfasst. Die vier Afrika-Beispiele sind einzeln über die Seiten des Historischen Seminars zu erreichen:
Pierre-Marie Courdouen "Zwischen zwei Kolonialreichen - Algerien im 19. Jahrhundert"
Gunnar Meyer "Transatlantischer Sklavenhandel - Das Beispiel Dahomey" (heutige Benin)
Birgit Niemeyer "Der Maji-Maji-Krieg" (heutige Tanzania)
Mark Holthoff "Mfecane" (heutige Südafrika)
Doch zurück zum taz-Artikel. Die aktuellen Schulbücher reproduzieren Stereotype. Migration wird als ein Problem für Deutschland und für die Zuwandernden dargestellt. Dieses Bild hat etwas mit den bereits erwähnten langen Vorlauf einer Publikation zu tun.
Die Gesellschaft verändert sich, Jahre später wird als Reaktion darauf im Kultusministerium eine Anpassung der Lehrpläne initiiert. Bis diese erstellt sind und die Schulbuchverlage ihre Publikationen anpassen vergehen wieder einige Jahre. Am Ende hinken Schulbücher der Realität mehr als ein Jahrzehnt hinterher.
Im Fall der Kolonialgeschichte, die sich seit den 1960-er Jahren in der Forschung über eine kritische Kolonialgeschichte zur außereuropäischen Geschichte (1980-er Jahre) entwickelte, war dieser Prozess Anfang des 21. Jahrhunderts noch nicht in den Lehrmaterialien für Schulen angekommen. Texte in Schulbüchern begannen, Kolonialgeschichte kritisch zu beleuchten und waren etwa 30 Jahre hinter der wissenschaftlichen Diskussion.
Schulbücher sind eine Ware. Ihr Angebot basiert auf den Lehrplänen der Bundesländer und der Nachfrage durch die Schulen. Lehrpläne werden regelmäßig angepasst und wenige Jahre später finden sich diese Veränderungen in den Publikationen der Schulbuchverlage.
Doch gibt es eine Persistenz in Themen, Beispielen und Wortwahl.
In den 1990-er Jahren habe ich dies als Mitglied einer Arbeitsgruppe am Historischen Seminar erlebt. Damals gab es einen neuen Lehrplan "Geschichte in der SEK II". Außereuropäische Geschichte war als ein Thema vorgesehen.Unsere Gruppe erarbeitete Beispiele aus der Geschichte Mexikos, Chinas und mehrerer afrikanischer Territorien für die Schule. Selbst leitete ich die Afrika-Gruppe. Wir wollten weg von der bis dahin in den Schulbüchern gelehrten Kolonialgeschichte.
Kontakte mit Schulbuchverlagen führten zumindest zu einem Seminar am Braunschweiger Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung. Dort stellten wir den Wissenschaftlern vom Institut und anderen Universitäten unsere Zwischenergebnisse vor. Wir fanden keinen Verlag, gewannen aber einen Buchpreis der UNI Hannover für unser Projekt.
Unser 148-Seiten-Schulbuch wurde 2002 als kostenfreier Download veröffentlicht. Selbst habe ich das Kapitel "Afrika gibt es nicht" verfasst. Die vier Afrika-Beispiele sind einzeln über die Seiten des Historischen Seminars zu erreichen:
Pierre-Marie Courdouen "Zwischen zwei Kolonialreichen - Algerien im 19. Jahrhundert"
Gunnar Meyer "Transatlantischer Sklavenhandel - Das Beispiel Dahomey" (heutige Benin)
Birgit Niemeyer "Der Maji-Maji-Krieg" (heutige Tanzania)
Mark Holthoff "Mfecane" (heutige Südafrika)
Doch zurück zum taz-Artikel. Die aktuellen Schulbücher reproduzieren Stereotype. Migration wird als ein Problem für Deutschland und für die Zuwandernden dargestellt. Dieses Bild hat etwas mit den bereits erwähnten langen Vorlauf einer Publikation zu tun.
Die Gesellschaft verändert sich, Jahre später wird als Reaktion darauf im Kultusministerium eine Anpassung der Lehrpläne initiiert. Bis diese erstellt sind und die Schulbuchverlage ihre Publikationen anpassen vergehen wieder einige Jahre. Am Ende hinken Schulbücher der Realität mehr als ein Jahrzehnt hinterher.
Im Fall der Kolonialgeschichte, die sich seit den 1960-er Jahren in der Forschung über eine kritische Kolonialgeschichte zur außereuropäischen Geschichte (1980-er Jahre) entwickelte, war dieser Prozess Anfang des 21. Jahrhunderts noch nicht in den Lehrmaterialien für Schulen angekommen. Texte in Schulbüchern begannen, Kolonialgeschichte kritisch zu beleuchten und waren etwa 30 Jahre hinter der wissenschaftlichen Diskussion.
Mittwoch, 24. Februar 2016
Fehlende Andenken und diffuse Erinnerungen
Manche Erinnerungen brauchen eine materielle Unterstützung.
Es gab Tage und sogar Wochen, in denen Erlebnisse, Beobachtungen und interessante Gespräche, in so dichter Reihenfolge auf mich einstürzten, dass nicht genügend Zeit zur Reflektion blieb.
Das sind Zeiten gewesen, die heute durch Tagebucheinträge, Briefe und Postkarten, die ich damals geschrieben habe, wieder aufleben könnten. Fotos oder andere Andenken in der Form von Eintrittskarten, Fahrkarten, Rechnungen und anderen konkreten Materialien könnten mir dabei helfen.
Ich habe Lücken in meiner Erinnerung, zum Beispiel der Sommer 1981. Meine letzten Sommerschulferien und ich fuhr alleine von Ganderkesee aus mit einem Interrail-Ticket in das südliche Europa, ich hatte kein wirkliches Ziel, keine Stadt, die ich unbedingt besuchen wollte. Die deutsche Bahn führte mich zur niederländischen Grenze und dann reiste ich auf der Route NL - BE - FR - ES - PT - ES - FR - CH - DE - CH - FR - LUX - BE - NL um nach weniger als drei Wochen wieder an meinem Ausgangspunkt zu sein.
Die deutsche Bahn gab eine Prämie (waren es 10, 20 oder mehr DM?) für das ausgefüllte kleine Interrail-Heftchen, wenn es zum Abschluss bei der Bahn abgegeben wurde. Ich war Schüler, hatte sehr viel Geld für diesen Urlaub ausgegeben, knapp bei Kasse und nahm das Angebot an. Dieses einzigartige Dokument verschwand hinter einem Schalter. Ich war ohne Fotoapparat unterwegs und so bleiben mir als Andenken wenige Stempel in meinem ersten Reisepass, eine schwer zu lesende Rechnung aus Portugal und verblassende Erinnerungen.
(Junger Mann mit Ostafrika-Karte und tropischer Raupe an einer Straße in den nördlichen Pare-Bergen, Tanzania)
Eine ähnliche Lücke gibt es im Sommer 1987 als ich nach meiner Landung in Nairobi, nachts mit einem Überlandbus nach Mombasa fuhr und von dort mit einem kleineren Bus weiter nach Malindi, wo ich einige Tage blieb. Von hier ging es über Tanga (wieder mehrere Tage) und Moshi in die nördlichen Pare-Berge, wo ich für vier Wochen in einem Dorf mit anderen Deutschen an einem kleinem Projekt teilnahm. Die rauschhaften Eindrücke meiner ersten Reise zu unseren Nachbarkontinent und durch Teile von Kenya und Tanzania schrieb ich detailliert in mein Tagebuch. Dieses wurde mir auf der Hinreise nach Shigatini zusammen mit einem kleinen Rucksack in Moshi gestohlen.
Das war so frustrierend, dass es dauerte bis ich ein neues Tagebuch begann und ich schreib nur wenig über die Tage vor dem Neubeginn. Unsere vier Wochen im Dorf und eine folgende Rundreise durch Tanzania hatten nur wenige Ruhezeiten. Viele Erinnerungen gingen verloren oder überlagern sich. Wenn mir meine Mutter nicht meinen ersten Brief aus Kenya wieder gegeben hätte (hier ist er wiedergegeben), dann könnte ich die Begeisterung nur schwer rekonstruieren.
Es gab Tage und sogar Wochen, in denen Erlebnisse, Beobachtungen und interessante Gespräche, in so dichter Reihenfolge auf mich einstürzten, dass nicht genügend Zeit zur Reflektion blieb.
Das sind Zeiten gewesen, die heute durch Tagebucheinträge, Briefe und Postkarten, die ich damals geschrieben habe, wieder aufleben könnten. Fotos oder andere Andenken in der Form von Eintrittskarten, Fahrkarten, Rechnungen und anderen konkreten Materialien könnten mir dabei helfen.
Ich habe Lücken in meiner Erinnerung, zum Beispiel der Sommer 1981. Meine letzten Sommerschulferien und ich fuhr alleine von Ganderkesee aus mit einem Interrail-Ticket in das südliche Europa, ich hatte kein wirkliches Ziel, keine Stadt, die ich unbedingt besuchen wollte. Die deutsche Bahn führte mich zur niederländischen Grenze und dann reiste ich auf der Route NL - BE - FR - ES - PT - ES - FR - CH - DE - CH - FR - LUX - BE - NL um nach weniger als drei Wochen wieder an meinem Ausgangspunkt zu sein.
Die deutsche Bahn gab eine Prämie (waren es 10, 20 oder mehr DM?) für das ausgefüllte kleine Interrail-Heftchen, wenn es zum Abschluss bei der Bahn abgegeben wurde. Ich war Schüler, hatte sehr viel Geld für diesen Urlaub ausgegeben, knapp bei Kasse und nahm das Angebot an. Dieses einzigartige Dokument verschwand hinter einem Schalter. Ich war ohne Fotoapparat unterwegs und so bleiben mir als Andenken wenige Stempel in meinem ersten Reisepass, eine schwer zu lesende Rechnung aus Portugal und verblassende Erinnerungen.
(Junger Mann mit Ostafrika-Karte und tropischer Raupe an einer Straße in den nördlichen Pare-Bergen, Tanzania)Eine ähnliche Lücke gibt es im Sommer 1987 als ich nach meiner Landung in Nairobi, nachts mit einem Überlandbus nach Mombasa fuhr und von dort mit einem kleineren Bus weiter nach Malindi, wo ich einige Tage blieb. Von hier ging es über Tanga (wieder mehrere Tage) und Moshi in die nördlichen Pare-Berge, wo ich für vier Wochen in einem Dorf mit anderen Deutschen an einem kleinem Projekt teilnahm. Die rauschhaften Eindrücke meiner ersten Reise zu unseren Nachbarkontinent und durch Teile von Kenya und Tanzania schrieb ich detailliert in mein Tagebuch. Dieses wurde mir auf der Hinreise nach Shigatini zusammen mit einem kleinen Rucksack in Moshi gestohlen.
Das war so frustrierend, dass es dauerte bis ich ein neues Tagebuch begann und ich schreib nur wenig über die Tage vor dem Neubeginn. Unsere vier Wochen im Dorf und eine folgende Rundreise durch Tanzania hatten nur wenige Ruhezeiten. Viele Erinnerungen gingen verloren oder überlagern sich. Wenn mir meine Mutter nicht meinen ersten Brief aus Kenya wieder gegeben hätte (hier ist er wiedergegeben), dann könnte ich die Begeisterung nur schwer rekonstruieren.
Samstag, 23. Januar 2016
Stadtteilladen Edenstraße Hannover List
In den 1980-er Jahren gab es in der List den Stadtteilladen Edenstraße als ein lokales Zentrum für verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen und Interessen.
Hier formierte sich auch die Grüne Stadtteilgruppe, als Vorläufer von zwei der heutigen Ortsverbände. Wir waren ein größerer Kreis, der vermutlich vielen anderen damals entstehenden grünen und alternativen Gruppen entsprach. Es waren Leute aus den K-Gruppen der 1970-er, Frauen- und Friedensbewegte, Umweltschützer und einfach Menschen, denen ihr Stadtteil am Herzen lag.
Im regelmäßigen Gesprächskreis, der oftmals in der Kneipe endete (Plümecke oder Spektakel), entstanden Strukturen. Wir wählten einen Vorstand und erhielten vom entstandenen Stadtverband die Aufgabe die Mitgliedsbeiträge zu kassieren. Es wurden Aktionen organisiert (zum Beispiel: Umfrage zu Gefahren von Radfahrern, Anfahrten zu Anti-Atom-Aktionen) und oft standen wir in der Lister Meile und machten die Grünen bekannt.
Das ist jetzt 30+ Jahre her. Die Grünen Hannover luden aktuell langjährige Mitglieder zu einer Feier und es erschienen mehrere Dutzend Personen neben den Gewählten aus dem Vorstand, Stadtrat, Landtag und Bundestag.
Ich suchte, aber nicht ein bekanntes Gesicht aus meiner Zeit im Stadtteilladen war zu finden. Das sind dann wohl die Häutungen der Partei. Einzelne Beschlüsse auf Bundesebene haben immer wieder langjährige Mitglieder dazu motiviert, die Partei zu verlassen. Es kamen neue Menschen hinzu, aber mit jedem frühen Mitglied ging auch ein Teil des Idealismus verloren. Es gab ideologisch verbohrte "alte" Grüne, die zusammen mit den Idealisten als Fundamentalisten diffamiert wurden. Heute ist alles so rational und realistisch, dass nur noch selten das Feuer, wie ich es bei Petra Kelly erleben konnte, auflodert.
Ich bin und bleibe als Idealist dabei. Einem Vorstandsmitglied sagte ich, dass meine Aufgabe (im Wahlkampf) sei, mir bekannte Ehemalige zur Wahl zu motivieren, wohl darauf vertrauend, dass sie weiterhin Grün wählen.
Hier formierte sich auch die Grüne Stadtteilgruppe, als Vorläufer von zwei der heutigen Ortsverbände. Wir waren ein größerer Kreis, der vermutlich vielen anderen damals entstehenden grünen und alternativen Gruppen entsprach. Es waren Leute aus den K-Gruppen der 1970-er, Frauen- und Friedensbewegte, Umweltschützer und einfach Menschen, denen ihr Stadtteil am Herzen lag.
Im regelmäßigen Gesprächskreis, der oftmals in der Kneipe endete (Plümecke oder Spektakel), entstanden Strukturen. Wir wählten einen Vorstand und erhielten vom entstandenen Stadtverband die Aufgabe die Mitgliedsbeiträge zu kassieren. Es wurden Aktionen organisiert (zum Beispiel: Umfrage zu Gefahren von Radfahrern, Anfahrten zu Anti-Atom-Aktionen) und oft standen wir in der Lister Meile und machten die Grünen bekannt.
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| (Grafitto der Friedensbewegung der 1980-er Jahre in der Edenstr. "entspannt euch!", Foto: JDM) |
Das ist jetzt 30+ Jahre her. Die Grünen Hannover luden aktuell langjährige Mitglieder zu einer Feier und es erschienen mehrere Dutzend Personen neben den Gewählten aus dem Vorstand, Stadtrat, Landtag und Bundestag.
Ich suchte, aber nicht ein bekanntes Gesicht aus meiner Zeit im Stadtteilladen war zu finden. Das sind dann wohl die Häutungen der Partei. Einzelne Beschlüsse auf Bundesebene haben immer wieder langjährige Mitglieder dazu motiviert, die Partei zu verlassen. Es kamen neue Menschen hinzu, aber mit jedem frühen Mitglied ging auch ein Teil des Idealismus verloren. Es gab ideologisch verbohrte "alte" Grüne, die zusammen mit den Idealisten als Fundamentalisten diffamiert wurden. Heute ist alles so rational und realistisch, dass nur noch selten das Feuer, wie ich es bei Petra Kelly erleben konnte, auflodert.
Ich bin und bleibe als Idealist dabei. Einem Vorstandsmitglied sagte ich, dass meine Aufgabe (im Wahlkampf) sei, mir bekannte Ehemalige zur Wahl zu motivieren, wohl darauf vertrauend, dass sie weiterhin Grün wählen.
Dienstag, 9. September 2014
Jägerhof in Rotenburg 1966-1967 - Teil 2
Wer kam zum Jägerhof in Rotenburg? Zum einen natürlich die lokalen Jäger, aber eben auch Gäste aus dem Umland.
Am Samstag, dem 4. März 1967 war die Familie mal wieder im Jägerhof. Im etwa 40km entfernten Wenzendorf lebte ein prominenter Jäger, der an diesem Nachmittag zu Besuch kam.
Der ehemalige Schwergewichtsboxweltmeister Max Schmeling und einige seiner Freunde kamen in den Rotenburger Jägerhof zum Schießen. Mein Vater bat ihn um eine Unterschrift von ihn und anderen Gästen des Tages. Dieser Zettel wurde in ein leeres Photoalbum meiner Mutter eingeklebt und seitdem hatte der Jägerhof ein Gästebuch. Zwischen den Seiten mit Unterschriften hat meine Mutter Fotos eingeklebt und Zeichnungen angefertigt. Max Schmeling und seine Freunde waren im Frühjahr 1967 mindestens vier Mal Gäste des Jägerhofs.
Der Kalender und das Gästebuch verzeichnet aber auch Teilnehmende an den Kreis-Waldlaufmeisterschaft 1967, Reisegruppen vom Automobil und Touring Club ATC, DKW, ADAC, der Post, Soldaten und Reservisten verschiedener Einheiten, den Rod and Gun Club der US-Army in Bremerhaven oder einem Bläser-Corps.
Zu den für uns gesperrten Bereichen gehörten natürlich die Schießbahnen und die Freifläche für das Tontaubenschießen. Wir durften aber nach dem Schießen dort hin, wo die Schützen auf die Tontauben geschossen hatten. Da lagen dann diese große Schrot-Hülsen, die sehr intensiv nach Pulver rochen.
Mehrmals waren meine Schwester und ich in Begleitung einer erwachsenen Person in dem Bereich des Unterholzes, wo die Tontauben hinflogen. Hier wurden dann die nicht getroffenen Tontauben, die für uns Kleinkinder schwer waren eingesammelt und zu Türmen gestapelt. Ein Erwachsener holte die Scheiben ab und vermutlich wurden diese Tontauben dann am nächsten Wochenende wieder für die Schützen hochgeschleudert.

Am Samstag, dem 4. März 1967 war die Familie mal wieder im Jägerhof. Im etwa 40km entfernten Wenzendorf lebte ein prominenter Jäger, der an diesem Nachmittag zu Besuch kam.
Der ehemalige Schwergewichtsboxweltmeister Max Schmeling und einige seiner Freunde kamen in den Rotenburger Jägerhof zum Schießen. Mein Vater bat ihn um eine Unterschrift von ihn und anderen Gästen des Tages. Dieser Zettel wurde in ein leeres Photoalbum meiner Mutter eingeklebt und seitdem hatte der Jägerhof ein Gästebuch. Zwischen den Seiten mit Unterschriften hat meine Mutter Fotos eingeklebt und Zeichnungen angefertigt. Max Schmeling und seine Freunde waren im Frühjahr 1967 mindestens vier Mal Gäste des Jägerhofs.
Der Kalender und das Gästebuch verzeichnet aber auch Teilnehmende an den Kreis-Waldlaufmeisterschaft 1967, Reisegruppen vom Automobil und Touring Club ATC, DKW, ADAC, der Post, Soldaten und Reservisten verschiedener Einheiten, den Rod and Gun Club der US-Army in Bremerhaven oder einem Bläser-Corps.
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| (Hinter diesen Klappen saß ein Jäger, der die Tontauben mit einer Schleuder hochschoss) |
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| (Neben den Jägern, gab es auch Sammler) |
Mehrmals waren meine Schwester und ich in Begleitung einer erwachsenen Person in dem Bereich des Unterholzes, wo die Tontauben hinflogen. Hier wurden dann die nicht getroffenen Tontauben, die für uns Kleinkinder schwer waren eingesammelt und zu Türmen gestapelt. Ein Erwachsener holte die Scheiben ab und vermutlich wurden diese Tontauben dann am nächsten Wochenende wieder für die Schützen hochgeschleudert.
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| (Außenansicht des Jägerhofs vom Schussfeld für die Tontauben. Zu sehen ist der Wall, der die Schießbahn begrenzte und wir zwei Kinder in der damals wieder einmal populären "Matrosen"-Kleidung) |
Dies ist der zweite Teil eines Textes über den
ehemaligen Jägerhof in Rotenburg i.H.
in Gedenken an meinen Vater
Hans-Peter Müller (1939-2013)
Zum ersten Teil.
Montag, 8. September 2014
Jägerhof Rotenburg in Hannover 1966-1967
Am nördlichen Stadtrand von Rotenburg gab es früher den Jägerhof mit angeschlossener Gastwirtschaft.
Meine Eltern waren für zwei Saisons die Pächter des Betriebs.
Einige persönliche Erinnerungen aus dieser Zeit als Gedenken an meinem Vater Hans-Peter Müller (1939-2013).
Wenn man von der Harburger Straße kurz vor dem Ortsausgangsschild rechts in die Brockeler Straße eingebogen war, so führte auf der linken Seite ein Stichweg zum Jägerhof. Man fuhr auf einen Feldweg an einer Koppel mit Schafen vorbei, dann gab es dort Spielgeräte für Kinder und schließlich das niedrige Gebäude mit der überdachten Veranda.
Die Autos parkten direkt davor. Durch die Gastwirtschaft ging es einige Stufen hinab zum Schießstand. Rechts vom Jägerhof war eine offene Wiese, die von Büschen und Bäumen umgeben war. Hier wurde bei Interesse eine Schleuder für Tontauben aufgestellt, welche die Jäger und Gäste im Flug mit großen Schrotpatronen beschossen.

Der Besitzer war F.H. sen., der in Rotenburg seit mindestens 1939 die Kneipe neben dem Capitol-Theater betrieb. Der Pachtvertrag wurde natürlich nicht zwischen meinen Eltern und F.H. abgeschlossen. Wir schrieben das Jahr 1966 und Verträge wurden vom Ehemann Hans-Peter Müller unterzeichnet, auch wenn der Vertrag Arbeit und Verantwortung für beide Ehepartner bedeutete.
Meine Schwester und ich verbrachten sehr viele Wochenenden auf dem Gelände des Jägerhofs.Wir hatten absolute Verbotszonen und ansonsten sehr viel Freiheit. Da es ein Feldweg war, der zum Gelände führte und die Autos weder Allrad noch hohe PS-Zahlen hatten, ging von der Zufahrt oder Abfahrt der Schützen vom Gelände keine Gefahr für uns aus. Ich erinnere mich, dass die Schafe mir zunächst riesig vorkamen. Aber ich war da auch erst 4 oder 5 Jahre alt und bin heute vor allem darüber erstaunt, dass ich mich an so etwas erinnern kann.
Im April 1966 hatten meine Eltern erstmals Dienst im Jägerhof. Der Schießstand war vor allem an den Wochenenden geöffnet. Ein Kalender meiner Mutter und ein im Jahre 1967 begonnenes Gästebuch geben einige Informationen über den Jägerhof.
Samstags war der Jägerhof vom späten Vormittag bis zum Nachmittag und am Sonntagvormittag bis zur Mittagszeit geöffnet.
Meine Mutter begann irgendwann, unser sonntägliches Mittagessen mit zu bringen. Die Familie des Schießwarts (?) D.H. brachte auch etwas mit und so saßen wir regelmäßig mit sieben Personen an einem Tisch und aßen die aufgewärmte Mahlzeit.
In der Gastwirtschaft gab es die üblichen Getränke und als Essen vor allem Bockwurst mit Toastbrot und Senf sowie selbst gemachte Buletten. Letztere liefen nicht so gut, da zunächst der gleiche Preis anderer Kneipen genommen wurde, aber die Buletten kleiner waren. Meine Mutter erinnert sich daran, dass sie einmal alle selbst gemachten Buletten wieder mit nach Hause nahm.
Bis in den Oktober 1966 war jedes Wochenende der Jägerhof geöffnet und mindestens einmal wurde der Betrieb auch an einem Werktag geöffnet. Der Pachtvertrag war eine große Verpflichtung. Als ich in dieser Zeit Mumps bekam, wurde ich warm eingepackt zum Jägerhof mitgenommen und verbrachte den Tag auf der Veranda.
Der Jahresabschluss wurde mit einem Spanferkel-Essen gefeiert.
Im Winter 1966-1967 gab es mindestens zwei Einbrüche in den Jägerhof. Die Tür zur Gaststube wurde nicht geknackt. Es wurden jeweils eines der Fenster zum Beispiel auf der Waldseite zerstört. Der oder die Einbrecher richteten jeweils großen Schaden im Jägerhof an. Da einmal gezielt auch der Waffenschrank aufgebrochen wurde und mindestens eines der Kleinkaliber-Gewehre, die für die Schießbahn ausgeliehen werden konnte, gestohlen wurde, ging es offensichtlich um mehr als Geld. Gestohlen wurden jeweils angefangene Schnapsflaschen und Zigarettenstangen.
Meine Eltern konnten am Ende eines jeden Jägerhof-Tages nicht alle diese Wertsachen mit nach Hause nehmen. Zunächst hatte unsere Familie noch kein Auto und wir wohnten mehr als ein Kilometer entfernt. Auch als dann schließlich ein Auto vorhanden war, gab es weiterhin Probleme. Meine Mutter hatte keinen Führerschein und wenn mein Vater (als Berufssoldat) im Manöver war, musste sie irgendwie die Wertsachen und uns zwei Kinder zum Jägerhof bringen.
Auf der Theke der Gastwirtschaft stand zunächst eine riesige Registrierkasse. Die Tasten waren den verschiedenen angebotenen Getränken und Speisen zugeordnet. Nach dem Eintippen erschien oben die Gesamtsumme. Diese Kasse wurde bei jedem Einbruch aufgebrochen. Natürlich war die Kasse stets leer. Dies scheint schließlich die Einbrecher so weit verärgert zu haben, dass die Kasse mit hinter den Jägerhof genommen wurde und dort zerstört wurde. Es war eine interessante, silbern glänzende Maschine.
Der Jägerhof lag zwar nicht im Wald, war aber nicht an das Wasser- und Abwassersystem der Stadt Rotenburg angeschlossen. Unter dem Gebäude gab es einen kleinen, niedrigen Keller, wo eine Pumpe mooriges Grundwasser für die Spüle und die Toiletten hoch pumpte. Es war ein versteckter, unheimlicher Ort. Von der Gaststube ging es hinter einen Vorhang in eine kleine Küche. Dort wurde dann eine Schiebetür geöffnet und war der dunkle niedrige Raum zu sehen.
Das Wasser war nicht brackig, aber wenn es längere Zeit in der Spüle stand, gab es eine Ablagerung am Beckenrand und -boden. Das Wasser roch und hatte einen unangenehmen Geschmack. Für die Kaffeemaschine, aber auch zum Kochen von Kartoffeln und Gemüse wurde deshalb mitgebrachtes Mineralwasser verwendet.
Abwasser verschwand in einer Sickergrube.
Dieses System von eigener Pumpe für Frischwasser und Sickergrube für die Abwässer gab es auch noch in den frühen 1980-er Jahren in dem Teilen von Brauel, wo wir lebten.
- - - - -
Zum zweiten Teil
- - - - -
Der Jägerhof befindet sich heute weiter im Osten entlang der Brockeler Straße. Auf dem Gelände des Jägerhofs befindet sich nun der Kindergarten Rappelkiste. Hoffentlich haben Sie vor diesem Neubau den Boden ausgekoffert, denn der war sicherlich durch die vielen Reste der Munition verseucht. Auf die Tontaubenscheiben wurde mit Bleischrot geschossen.
Meine Eltern waren für zwei Saisons die Pächter des Betriebs.
Einige persönliche Erinnerungen aus dieser Zeit als Gedenken an meinem Vater Hans-Peter Müller (1939-2013).
Wenn man von der Harburger Straße kurz vor dem Ortsausgangsschild rechts in die Brockeler Straße eingebogen war, so führte auf der linken Seite ein Stichweg zum Jägerhof. Man fuhr auf einen Feldweg an einer Koppel mit Schafen vorbei, dann gab es dort Spielgeräte für Kinder und schließlich das niedrige Gebäude mit der überdachten Veranda.Die Autos parkten direkt davor. Durch die Gastwirtschaft ging es einige Stufen hinab zum Schießstand. Rechts vom Jägerhof war eine offene Wiese, die von Büschen und Bäumen umgeben war. Hier wurde bei Interesse eine Schleuder für Tontauben aufgestellt, welche die Jäger und Gäste im Flug mit großen Schrotpatronen beschossen.

Der Besitzer war F.H. sen., der in Rotenburg seit mindestens 1939 die Kneipe neben dem Capitol-Theater betrieb. Der Pachtvertrag wurde natürlich nicht zwischen meinen Eltern und F.H. abgeschlossen. Wir schrieben das Jahr 1966 und Verträge wurden vom Ehemann Hans-Peter Müller unterzeichnet, auch wenn der Vertrag Arbeit und Verantwortung für beide Ehepartner bedeutete.
Meine Schwester und ich verbrachten sehr viele Wochenenden auf dem Gelände des Jägerhofs.Wir hatten absolute Verbotszonen und ansonsten sehr viel Freiheit. Da es ein Feldweg war, der zum Gelände führte und die Autos weder Allrad noch hohe PS-Zahlen hatten, ging von der Zufahrt oder Abfahrt der Schützen vom Gelände keine Gefahr für uns aus. Ich erinnere mich, dass die Schafe mir zunächst riesig vorkamen. Aber ich war da auch erst 4 oder 5 Jahre alt und bin heute vor allem darüber erstaunt, dass ich mich an so etwas erinnern kann.
Im April 1966 hatten meine Eltern erstmals Dienst im Jägerhof. Der Schießstand war vor allem an den Wochenenden geöffnet. Ein Kalender meiner Mutter und ein im Jahre 1967 begonnenes Gästebuch geben einige Informationen über den Jägerhof.
Samstags war der Jägerhof vom späten Vormittag bis zum Nachmittag und am Sonntagvormittag bis zur Mittagszeit geöffnet.
Meine Mutter begann irgendwann, unser sonntägliches Mittagessen mit zu bringen. Die Familie des Schießwarts (?) D.H. brachte auch etwas mit und so saßen wir regelmäßig mit sieben Personen an einem Tisch und aßen die aufgewärmte Mahlzeit.
In der Gastwirtschaft gab es die üblichen Getränke und als Essen vor allem Bockwurst mit Toastbrot und Senf sowie selbst gemachte Buletten. Letztere liefen nicht so gut, da zunächst der gleiche Preis anderer Kneipen genommen wurde, aber die Buletten kleiner waren. Meine Mutter erinnert sich daran, dass sie einmal alle selbst gemachten Buletten wieder mit nach Hause nahm.
Bis in den Oktober 1966 war jedes Wochenende der Jägerhof geöffnet und mindestens einmal wurde der Betrieb auch an einem Werktag geöffnet. Der Pachtvertrag war eine große Verpflichtung. Als ich in dieser Zeit Mumps bekam, wurde ich warm eingepackt zum Jägerhof mitgenommen und verbrachte den Tag auf der Veranda.
Der Jahresabschluss wurde mit einem Spanferkel-Essen gefeiert.
Im Winter 1966-1967 gab es mindestens zwei Einbrüche in den Jägerhof. Die Tür zur Gaststube wurde nicht geknackt. Es wurden jeweils eines der Fenster zum Beispiel auf der Waldseite zerstört. Der oder die Einbrecher richteten jeweils großen Schaden im Jägerhof an. Da einmal gezielt auch der Waffenschrank aufgebrochen wurde und mindestens eines der Kleinkaliber-Gewehre, die für die Schießbahn ausgeliehen werden konnte, gestohlen wurde, ging es offensichtlich um mehr als Geld. Gestohlen wurden jeweils angefangene Schnapsflaschen und Zigarettenstangen.
Meine Eltern konnten am Ende eines jeden Jägerhof-Tages nicht alle diese Wertsachen mit nach Hause nehmen. Zunächst hatte unsere Familie noch kein Auto und wir wohnten mehr als ein Kilometer entfernt. Auch als dann schließlich ein Auto vorhanden war, gab es weiterhin Probleme. Meine Mutter hatte keinen Führerschein und wenn mein Vater (als Berufssoldat) im Manöver war, musste sie irgendwie die Wertsachen und uns zwei Kinder zum Jägerhof bringen.
Auf der Theke der Gastwirtschaft stand zunächst eine riesige Registrierkasse. Die Tasten waren den verschiedenen angebotenen Getränken und Speisen zugeordnet. Nach dem Eintippen erschien oben die Gesamtsumme. Diese Kasse wurde bei jedem Einbruch aufgebrochen. Natürlich war die Kasse stets leer. Dies scheint schließlich die Einbrecher so weit verärgert zu haben, dass die Kasse mit hinter den Jägerhof genommen wurde und dort zerstört wurde. Es war eine interessante, silbern glänzende Maschine.
Der Jägerhof lag zwar nicht im Wald, war aber nicht an das Wasser- und Abwassersystem der Stadt Rotenburg angeschlossen. Unter dem Gebäude gab es einen kleinen, niedrigen Keller, wo eine Pumpe mooriges Grundwasser für die Spüle und die Toiletten hoch pumpte. Es war ein versteckter, unheimlicher Ort. Von der Gaststube ging es hinter einen Vorhang in eine kleine Küche. Dort wurde dann eine Schiebetür geöffnet und war der dunkle niedrige Raum zu sehen.
Das Wasser war nicht brackig, aber wenn es längere Zeit in der Spüle stand, gab es eine Ablagerung am Beckenrand und -boden. Das Wasser roch und hatte einen unangenehmen Geschmack. Für die Kaffeemaschine, aber auch zum Kochen von Kartoffeln und Gemüse wurde deshalb mitgebrachtes Mineralwasser verwendet.
Abwasser verschwand in einer Sickergrube.
Dieses System von eigener Pumpe für Frischwasser und Sickergrube für die Abwässer gab es auch noch in den frühen 1980-er Jahren in dem Teilen von Brauel, wo wir lebten.
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Zum zweiten Teil
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Der Jägerhof befindet sich heute weiter im Osten entlang der Brockeler Straße. Auf dem Gelände des Jägerhofs befindet sich nun der Kindergarten Rappelkiste. Hoffentlich haben Sie vor diesem Neubau den Boden ausgekoffert, denn der war sicherlich durch die vielen Reste der Munition verseucht. Auf die Tontaubenscheiben wurde mit Bleischrot geschossen.
Montag, 19. Mai 2014
Schnorcheln vor Zanzibar 1989
Ein scharfer Schmerz wie von einer Schnittverletzung war am Oberarm zu spüren. Mein lauter Schrei beendete für mich die Idylle an der Ostküste von Unguja (=Zanzibar Hauptinsel).
Der Schmerz vervielfachte sich als ich panisch in einer rudernden Bewegung meinen Arm von der unsichtbaren Quelle weg riss. Ich sah es noch nicht, aber ich hatte die Nesseln einer Tentakel einer Qualle berührt und mit der drehenden Bewegung die Nessel um meinen Oberarm gewickelt.
Der Schnorchel wurde ausgespuckt und ich rief um Hilfe. einer meiner amerikanischen Freunde kam angeschwommen, sah die Ursache und entfernte die Ursache der Schmerzen. Ich bewegte mich zu dem kleinen Ruderboot, und kam mit der Hilfe des lokalen Fischers ins Trockene. Ein roter Streifen lief um meinen Arm herum und schmerzte so sehr, dass ich mich jetzt wunderte, wie ich trotzdem damit zum Boot geschwommen und ins Boot gekommen war. Die Nerven waren so überreizt, dass der Arm nicht zu gebrauchen war.
Wir waren eine kleine Gruppe von ausländischen Studierenden der University of Dar es Salaam, die im März 1989 einen Kurzurlaub auf der Insel machten. Wir waren zunächst in Stone Town gewesen und hatten von dort eine Bootstour nach Changuu gemacht und dort die Aldabra-Riesenschildkröten bewundert.
In der Stadt hatten wir den Busbahnhof mit seinem Dala Dala-Fahrzeugen gesehen und da kam die Idee auf, die Stadt zu verlassen und einige Nächte an der Ostküste zu verbringen. Ein Dala Dala war damals ein sehr robuster kleiner LKW mit deutlich sichtbaren Blattfedern, auf dessen Ladefläche vier Bankreihen befestigt waren. Eine Abdeckung schützte vor der Sonne und auf der Ladefläche wurden neben den Menschen auch Waren transportiert. Es gab nur einen Dala Dala am Tag, der in einem Bogen über den Süden der Insel zur Ostküste fuhr.
Bereits kurz hinter der Stadt endete der befestigte Weg und der LKW schaukelte und sprang vollbesetzt über sandige Pisten. Der Weg war so schlecht, dass das Fahrzeug nie wirklich schnell fahren konnte. Dagegen wurden die Holzbänke schnell unbequem.
Unser Ziel war irgendwo bei Bwejuu. Wir wollten an der Ostküste Baden und die Schönheiten eines Korallenriffs erleben. Jemand hatte den Tipp bekommen, dass an unserm Ziel einige Fischer ein Gasthaus anbieten. 1989 gab es noch keinen nennenswerten Tourismus weder auf Zanzibar noch in Tanzania. Wazungu (=weiße Menschen) waren in der Regel Entwicklungshelfer, Missionare, Entwicklungsexperten, Diplomaten, Händler oder eben wie wir im akademischen Austausch (als Dozenten oder Studierende).
Der Dala Dala hielt und wir verließen mit unserm Gepäck Richtung Küste die Sandpiste. Heute klingt es wie eine Idylle. Das Geräusch vom LKW entschwand nach Norden und gingen unter Palmen auf die wenigen weißen Häuser zu. Der Indische Ozean im Hintergrund leuchtete im Sonnenschein. Einer der US-Freunde konnte leidlich Kiswahili und fragte nach einer Unterkunft. Eine Reservierung oder Buchung war undenkbar, wir waren an einem Ort, wo es kein Telefon gab und der tägliche Dala Dala auf seiner Hinfahrt und Rückfahrt das einzige Motorfahrzeug war.
Wir fanden eine Unterkunft und verteilten uns auf die drei oder vier Zimmer der einfachen gekalkten Unterkunft. Der Fischer kassierte vorab und fragte gleich, was wir denn Essen und Trinken wollten. Natürlich Fisch und Reis statt des immer wieder in der UNI-Mensa servierten Ugali na Maharage (rote Bohnen mit fester Maispampe und ein-zwei Stücken Fleisch).
Wir waren glücklich in dieser absoluten Ruhe und vor dem Abend auch das erste Mal am Strand und im Wasser. Auch dort ein einziges Postkartenbild. Weißer Sandstrand, kleinen Wellen (wegen des vorgelagerten Riffs) und große Kokos-Palmen, die sich zum Strand neigten.
Der Fischer fragte uns am nächsten Morgen, was wir denn an diesen Tag essen wollten und wir fragten nach Hummer. Er sagte dazu, dass er den wirklich im Wasser suchen muss und so dieses Speise teurer sein würde. Doch was war teuer im Jahre 1989 in Ostafrika. Für uns nichts und wir waren arme Studierende mit kleinen Stipendien und wenig Taschengeld. Doch wir hatten Geld und waren alleine schon deshalb relativ reich. Der Fischer bot auch an, dass wir bei ihm Schnorchel und Taucherbrillen leihen könnten und er mit uns am Nachmittag, wenn die Sonne nicht mehr gefährlich ist, mit uns zum Riff raus fahren könnte.
Es war bis zu dem Vorfall mit dem Nesseln einer Qualle ein wunderbares Erlebnis. Wir wurden vor den scharfen Kanten des Riffs gewarnt. Die Kraft der Wellen brach sich hier und so war wirklich manchmal das Riff zu spüren. Was jeder von uns mit den Taucherbrillen gesehen hat, kann nicht in Worte gefasst werden. Es gibt unbeschreibliche Schönheit.
Am Ende unserer Tour hatten alle rote Stellen. Ich am Arm von der Qualle und wir alle am Oberkörper und den Beinen von der Sonne.
Der Schmerz vervielfachte sich als ich panisch in einer rudernden Bewegung meinen Arm von der unsichtbaren Quelle weg riss. Ich sah es noch nicht, aber ich hatte die Nesseln einer Tentakel einer Qualle berührt und mit der drehenden Bewegung die Nessel um meinen Oberarm gewickelt.
Der Schnorchel wurde ausgespuckt und ich rief um Hilfe. einer meiner amerikanischen Freunde kam angeschwommen, sah die Ursache und entfernte die Ursache der Schmerzen. Ich bewegte mich zu dem kleinen Ruderboot, und kam mit der Hilfe des lokalen Fischers ins Trockene. Ein roter Streifen lief um meinen Arm herum und schmerzte so sehr, dass ich mich jetzt wunderte, wie ich trotzdem damit zum Boot geschwommen und ins Boot gekommen war. Die Nerven waren so überreizt, dass der Arm nicht zu gebrauchen war.
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| (Blick vom Wasser auf unsere Unterkunft) |
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| (Stone Town, Zanzibar, Unguja, März 1989) |
Bereits kurz hinter der Stadt endete der befestigte Weg und der LKW schaukelte und sprang vollbesetzt über sandige Pisten. Der Weg war so schlecht, dass das Fahrzeug nie wirklich schnell fahren konnte. Dagegen wurden die Holzbänke schnell unbequem.
Unser Ziel war irgendwo bei Bwejuu. Wir wollten an der Ostküste Baden und die Schönheiten eines Korallenriffs erleben. Jemand hatte den Tipp bekommen, dass an unserm Ziel einige Fischer ein Gasthaus anbieten. 1989 gab es noch keinen nennenswerten Tourismus weder auf Zanzibar noch in Tanzania. Wazungu (=weiße Menschen) waren in der Regel Entwicklungshelfer, Missionare, Entwicklungsexperten, Diplomaten, Händler oder eben wie wir im akademischen Austausch (als Dozenten oder Studierende).
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| (Unguja, Zanzibar Ostküste kurz nach Sonnenaufgang, März 1989) |
Wir fanden eine Unterkunft und verteilten uns auf die drei oder vier Zimmer der einfachen gekalkten Unterkunft. Der Fischer kassierte vorab und fragte gleich, was wir denn Essen und Trinken wollten. Natürlich Fisch und Reis statt des immer wieder in der UNI-Mensa servierten Ugali na Maharage (rote Bohnen mit fester Maispampe und ein-zwei Stücken Fleisch).
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| (Kokospalme an der Ostküste von Unguja, Zanzibar, März 1989 |
Der Fischer fragte uns am nächsten Morgen, was wir denn an diesen Tag essen wollten und wir fragten nach Hummer. Er sagte dazu, dass er den wirklich im Wasser suchen muss und so dieses Speise teurer sein würde. Doch was war teuer im Jahre 1989 in Ostafrika. Für uns nichts und wir waren arme Studierende mit kleinen Stipendien und wenig Taschengeld. Doch wir hatten Geld und waren alleine schon deshalb relativ reich. Der Fischer bot auch an, dass wir bei ihm Schnorchel und Taucherbrillen leihen könnten und er mit uns am Nachmittag, wenn die Sonne nicht mehr gefährlich ist, mit uns zum Riff raus fahren könnte.
Es war bis zu dem Vorfall mit dem Nesseln einer Qualle ein wunderbares Erlebnis. Wir wurden vor den scharfen Kanten des Riffs gewarnt. Die Kraft der Wellen brach sich hier und so war wirklich manchmal das Riff zu spüren. Was jeder von uns mit den Taucherbrillen gesehen hat, kann nicht in Worte gefasst werden. Es gibt unbeschreibliche Schönheit.
Am Ende unserer Tour hatten alle rote Stellen. Ich am Arm von der Qualle und wir alle am Oberkörper und den Beinen von der Sonne.
Donnerstag, 17. April 2014
2000 Afrikanische Hochschullandschaft
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| Baobab in NO-Tanzania (1987) |
In diesem Kontext erhielt ich eine Einladung, meine Studienerfahrung von der University of Dar es Salaam als persönliche Anmerkung zu einem Text über die afrikanische Hochschullandschaft zu verwenden.
Zum Sommersemester 2000 erschien die Hochschulzeitzeitschrift Nachlese mit dem Schwerpunkt "Afrika im 21. Jahrhundert". Auf vier Seiten beschrieb ich die Geschichte und Entwicklung der Universitäten in Afrika.
Da diese Publikation nur sehr schwierig zu erreichen ist, habe ich meinen Text nunmehr als pdf auf der Unterseite Wissenschaft verlinkt und das Dokument dort hinterlegt.
Der Text ist 13 Jahre alt und sollte auch so gelesen werden. Doch meine Aussagen zur Entwicklung der Hochschullandschaft ist immer noch gültig.
Hier kann das pdf-Dokument geöffnet und gelesen werden.
Sonntag, 6. April 2014
Vincent - Puzzelnde Entspannung
Ein Monatswechsel liegt hinter mir. Das erste Quartal endet mit dem Einsendeschluss von Förderanträgen für einen kleinen Auftraggeber. Da mir einige Unterlagen und Angaben erst relativ spät zur Verfügung standen, war das letzte Wochenende ein konzentriertes Arbeiten und wirklich stressig.
Wochenende sollte eigentlich für ruhige Tage stehen, für Tage an denen die mentalen Speicher wieder aufgeladen werden.
Ich lud meine Speicher ab Dienstag auf, saß auf meinem Teppichboden und konzentrierte mich auf etwas ganz Anderes.
Vor kurzem erwarb ich ein zerhacktes Gemälde eines sehr geschätzten Künstlers. Vaas met de twaalf zonnebloemen (1888) in 1.500 Teilen.
Im Original 91 × 72 cm puzzelte ich ein Bild von annähernd gleicher Größe, wenn auch die Farben in der Reproduktion deutlich von den Abbildungen in Bildbänden abwichen.
Besonders beeindruckend war das Dreidimensionale im Gemälde. Selbst auf den einzelnen Puzzleteilen war zu erkennen, dass hier Schicht über Schicht die Farbe angehäuft wurde.
Und das machte diese Entspannung zu einer konzentrierten Herausforderung. Zum Teil ist der einzelne Pinselstrich zu sehen, aber dies ist keine Hilfe bei der Zuordnung von zwei benachbarten Teilen. Es sind so viele unterschiedliche Pinselstriche in verschiedene Richtungen mit immer wieder anderen Farbvariationen. Konturen, die großen Farbunterschiede und Beschädigungen am Gemälde gaben dem wachsenden Puzzle eine Struktur.
Puzzeln ist eine große Entspannung, gerade wegen seiner Notwendigkeit sich zu konzentrieren. Wenn für eine Stunde oder mehr das Auge nach den Unterschieden und Besonderheiten einzelner Teile sucht, dann ist da kein Platz, um über Probleme, die sich im Moment nicht lösen lassen, nachzudenken. Und große Puzzle wie das Beschriebene bieten Entspannung über mehrere Tage.
Als Jugendlicher habe ich mit meiner Mutter am Nachmittag verschiedene großformatige Bilder gepuzzelt. Da saß man still am Esszimmertisch zusammen und hatte die kleinen Freuden, wenn wieder ein Teil identifiziert und eingefügt wurde (siehe den Blog-Beitrag Puzzeln von Ende 2007). Schule und andere Aspekte des Alltags rückten in die Ferne.
Gestern Vormittag war das Puzzle fertig und ich kann schreiben: Ich habe Kraft getankt!
Wochenende sollte eigentlich für ruhige Tage stehen, für Tage an denen die mentalen Speicher wieder aufgeladen werden.
Ich lud meine Speicher ab Dienstag auf, saß auf meinem Teppichboden und konzentrierte mich auf etwas ganz Anderes.
Vor kurzem erwarb ich ein zerhacktes Gemälde eines sehr geschätzten Künstlers. Vaas met de twaalf zonnebloemen (1888) in 1.500 Teilen.
Im Original 91 × 72 cm puzzelte ich ein Bild von annähernd gleicher Größe, wenn auch die Farben in der Reproduktion deutlich von den Abbildungen in Bildbänden abwichen.
Besonders beeindruckend war das Dreidimensionale im Gemälde. Selbst auf den einzelnen Puzzleteilen war zu erkennen, dass hier Schicht über Schicht die Farbe angehäuft wurde.
Und das machte diese Entspannung zu einer konzentrierten Herausforderung. Zum Teil ist der einzelne Pinselstrich zu sehen, aber dies ist keine Hilfe bei der Zuordnung von zwei benachbarten Teilen. Es sind so viele unterschiedliche Pinselstriche in verschiedene Richtungen mit immer wieder anderen Farbvariationen. Konturen, die großen Farbunterschiede und Beschädigungen am Gemälde gaben dem wachsenden Puzzle eine Struktur.Puzzeln ist eine große Entspannung, gerade wegen seiner Notwendigkeit sich zu konzentrieren. Wenn für eine Stunde oder mehr das Auge nach den Unterschieden und Besonderheiten einzelner Teile sucht, dann ist da kein Platz, um über Probleme, die sich im Moment nicht lösen lassen, nachzudenken. Und große Puzzle wie das Beschriebene bieten Entspannung über mehrere Tage.
Als Jugendlicher habe ich mit meiner Mutter am Nachmittag verschiedene großformatige Bilder gepuzzelt. Da saß man still am Esszimmertisch zusammen und hatte die kleinen Freuden, wenn wieder ein Teil identifiziert und eingefügt wurde (siehe den Blog-Beitrag Puzzeln von Ende 2007). Schule und andere Aspekte des Alltags rückten in die Ferne.
Gestern Vormittag war das Puzzle fertig und ich kann schreiben: Ich habe Kraft getankt!
Freitag, 4. April 2014
Qualitätstest für einen Einkaufskorb
Der Qualitätstest für einen Einkaufskorb, einen Beutel aus Plastik, Baumwolle oder Jute oder einer großen Einkaufstasche mit Rollen (Trolley, "Hackenporsche") ist die Realität. Hält das Behältnis für den regelmäßigen Einkauf in Supermärkten auch mal größere Gewichte aus und wie lange kann es genutzt werden, bis es nur noch Müll ist.
Ein geflochtenen Einkorbskorb aus Malawi kann 20 Jahre halten!
Der abgebildete Einkaufskorb hat heute sein Ende erreicht und dies ist sein Nachruf.
Gekauft habe ich den Korb am Straßenrand irgendwo zwischen Mzuzu und Nkhata Bay im nördlichen Malawi im April 1994. Vermutlich ist er aus dem Schilf geflochten, das in den Feuchtgebieten am Malawi-See wächst.
Ich habe es noch in guter Erinnerung. Ich war mit einem englischen Kollegen auf dem Weg zu einer der Wähler-Registrierungsstellen. Malawi stand damals vor dem politischen Umbruch. Kamuzu Banda, der Diktator (offizieller Titel "Präsident") auf Lebenszeit war nur noch eine Scheintote Marionette einer Gruppe von Politikern. Mit dem Drohmittel der Einstellung der Entwicklungshilfe war eine Demokratisierung erzwungen wurden. Die erste demokratische Wahl seit der Unabhängigkeit des Landes 30 Jahre zuvor stand bevor und wir waren offizielle Langzeit-Wahlbeobachter der EU. Von uns wurde der gesamte Prozess von der Registrierung der Wähler, der Wahlkampf und natürlich die Wahlen begleitet und regelmäßig gingen Berichte an die UN-Wahlsekretariat in der Hauptstadt Lilongwe. Wir fuhren auf einer dieser durch Entwicklungshilfe gebauten Straßen, die viel zu groß und breit für den damals existierenden Verkehr war. Nach einer der weiten Kurven, die uns im Slalom langsam runter zum See führte, war die improvisierte Verkaufsstelle zu sehen. Solche Verkaufsstände, an denen Gemüse oder Handwerk verkauft wurde, gab es immer wieder am Straßenrand.
Es waren mehrere Frauen, die dort am Straßenrand saßen und Körbe und Matten in verschiedenen Formen und Größen flochten. Ich wählte lange und zahlte schließlich umgerechnet 1-2 DM für den Korb. Eine gute Investition.
Ein geflochtenen Einkorbskorb aus Malawi kann 20 Jahre halten!
Der abgebildete Einkaufskorb hat heute sein Ende erreicht und dies ist sein Nachruf.
Gekauft habe ich den Korb am Straßenrand irgendwo zwischen Mzuzu und Nkhata Bay im nördlichen Malawi im April 1994. Vermutlich ist er aus dem Schilf geflochten, das in den Feuchtgebieten am Malawi-See wächst.
Ich habe es noch in guter Erinnerung. Ich war mit einem englischen Kollegen auf dem Weg zu einer der Wähler-Registrierungsstellen. Malawi stand damals vor dem politischen Umbruch. Kamuzu Banda, der Diktator (offizieller Titel "Präsident") auf Lebenszeit war nur noch eine Scheintote Marionette einer Gruppe von Politikern. Mit dem Drohmittel der Einstellung der Entwicklungshilfe war eine Demokratisierung erzwungen wurden. Die erste demokratische Wahl seit der Unabhängigkeit des Landes 30 Jahre zuvor stand bevor und wir waren offizielle Langzeit-Wahlbeobachter der EU. Von uns wurde der gesamte Prozess von der Registrierung der Wähler, der Wahlkampf und natürlich die Wahlen begleitet und regelmäßig gingen Berichte an die UN-Wahlsekretariat in der Hauptstadt Lilongwe. Wir fuhren auf einer dieser durch Entwicklungshilfe gebauten Straßen, die viel zu groß und breit für den damals existierenden Verkehr war. Nach einer der weiten Kurven, die uns im Slalom langsam runter zum See führte, war die improvisierte Verkaufsstelle zu sehen. Solche Verkaufsstände, an denen Gemüse oder Handwerk verkauft wurde, gab es immer wieder am Straßenrand.
Es waren mehrere Frauen, die dort am Straßenrand saßen und Körbe und Matten in verschiedenen Formen und Größen flochten. Ich wählte lange und zahlte schließlich umgerechnet 1-2 DM für den Korb. Eine gute Investition.
Mittwoch, 26. Februar 2014
Zitat Peter Bieri aka Pascal Mercier 2 - Enttäuschte Erwartung
Nur zu oft habe ich gelesen und gehört (und damit schließlich gelernt?), dass man keine zu großen Erwartungen haben sollte. Enttäuschungen würden folgen. Hier nun mal eine andere Sicht:
Ein weiteres Zitat aus demselben Buch zum Thema Reisen und eine Filmnotiz zur Verfilmung des Romans durch Bille August.
Wodurch, wenn nicht durch Enttäuschung, sollten wir entdecken, was wir erwartet und erhofft haben? Und worin, wenn nicht in dieser Entdeckung, sollte Selbsterkenntnis liegen? Wie also sollte einer ohne Enttäuschung Klarheit über sich selbst gewinnen können?
(Pascal Mercier (2004) Nachtzug nach Lissabon, btb, S.368)
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| (Schimpanse im Zoo Hannover im ersten wärmenden Sonnenschein, Februar 2014) |
Ein weiteres Zitat aus demselben Buch zum Thema Reisen und eine Filmnotiz zur Verfilmung des Romans durch Bille August.
Samstag, 18. Januar 2014
Arno Schmidt zum Vorlesen - KAFF auch MARE CRISIUM
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| (Logo auf dem Einband von Imre Reiner) |
Es ist Arno Schmidts erstes Werk, dass zwei Erzählebenen klar vom Drucksatz voneinander trennt. Eine Handlung in einem kleinen Dorf Norddeutschlands und eine Handlung auf dem Mond in Raumstationen der USA und der Sowjetunion im Mare Crisium. Die zweite Handlung ist eine Erzählung, die der Protagonist für seine Freundin im Dorf erfindet. Gespräche, Erlebnisse, Beobachtungen und Fragen im Dorf fließen in die Handlung auf dem Mond ein.
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| (Die Erzählebenen auf jeder Seite: links KAFF | rechts MARE CRISIUM) |
Die Geschichte ist schwer zu lesen! Arno Schmidt nutzt verschiedene Mundarten (platt auf der Erde, schlesischer Dialekt) und einige US-Namen werden konsequent in deutscher Aussprache geschrieben (Dschordsch, Schar=lieh). Der phonetische Stil aller nicht hochdeutschen Begriffe in den Dialogen ließ mich beim ersten Lesen immer wieder stocken. Erst als ich begriff, dass Dialoge auch vom Leser gesprochen werden sollen, wurde der Inhalt deutlich.
Das war kurios. Ich las einen Roman, wo ich von Zeit zu Zeit mir selbst Passagen vorlas.
Das macht eine besondere Qualität von diesem Buch aus.
Arno Schmidt hatte eine lange Erfahrung mit dem Verfassen von literarischen "Hörspielen" und nun wurde der Leser zum Akteur. Es ist übrigens ein Buch, das als Ganzes vorgelesen werden kann.
Für mich ist das Buch auch ein Teil meiner Biographie. Im Frühjahr 1988 packte ich meine Sachen für ein Studienjahr an der University of Dar es Salaam in Tanzania. Ich bin wirklich nur mit wenig mehr als 20kg Gepäck losgeflogen. Nur ein deutsches Buch sollte mich begleiten und es war KAFF auch MARE CRISIUM. Im Goethe-Institut konnte ich zwar auch am freien Mittwochnachmittag deutsche Zeitungen und Zeitschriften lesen, aber an der UNI waren da nur Gespräche mit den zwei deutschen Studentinnen, Tagebucheinträge, Briefe aus und nach Deutschland und eben Arno Schmidts Roman, die mich mit meiner Sprache verbanden. Und dort in Tanzania habe ich meiner großen Liebe bei ihrem Besuch fast das ganze Buch vorgelesen.
- - - - - - - - - -
Zitate von Arno Schmidt (aus verschiedenen Werken):
- zum Militär
- zur Unsterblichkeit
- zur christlich-abendländischen Kultur
- Wahrheit und höfliche Lügen
- zum Nutzwert von Kirchen
- lautmalerische Romananfänge
- Unendlichkeit der literarischen Themen
- Lesen als Gespräch unter Freunden
- Europäische Kultur
Samstag, 28. Dezember 2013
Jahresabrechnung 2013
Soeben habe ich meinen Jahresbrief 2013 fertig gestellt und an die Familie und Freunde versandt. Wer den Text lesen möchte, braucht nur eine Notiz via Elektropost oder Gesichterbuch zu schicken.
Hier gibt es nur einen Rückblick auf Blogbeiträge des Jahres. die öffentliche Person ist schließlich eine andere, als der reale Mensch.
Politik regt mich weiterhin auf und an. Da lag natürlich auch an der Landtagswahl in Niedersachsen, den damit verbundenen Outen von Nazis, der Bundestagswahl mit unserer Bundeskanzlerinverwalterin und hier in Hannover der zusätzlichen Wahl des Oberbürgermeisters. Die Dummheit der SPD und das Geblubber und Schweigen vom Bundespr.(ediger) Gauck ließen mich den Kopf schütteln. Dabei gab es interessante Ansätze wie die 1. EU-Bürgerinitiative oder die Offenlegung der NSA-Spitzeleien oder das Fiskalverbrecher im Netz recherchiert werden können.
Der Tod meines Vaters führte zu Erinnerungen und Trauerarbeit.
Doch es gab auch schöne Momente auf dem Spielplatz, in der Turnhalle und mehrmals im Zoo.
Meine Reisen führten mich in diesem Jahr gleich zweimal nach Berlin, nach London, Königswinter, Budapest zum Europäischen Traum, Stade und Deventer.
Die monatlichen Wetterberichte, der nicht enden wollende Winter 2012/2013 aber auch einen Beitrag über den regionalen Klimawandel am Beispiel des Monats April und den generellen Temperaturanstieg sind auch als Kommentare auf dümmliche Bemerkungen von Klimaskeptikern zu lesen.
Ich kramte ein wenig in meinen Erinnerungen und fand meinen allerersten Brief von meiner ersten Reise nach Ostafrika (1987) und als eine Alumna über ihre Probleme mit einem Studentenvisum berichtete fiel mir mein Erlebnis aus Dar es Salaam (1988/89) ein. Eine Wiedergängerin erinnerte mich an den Beißkrampf der 1980-er Jahre pflegte. Ich musste auch an die Grußkultur in Tanzania denken und ein unangenehmes Erlebnis in Johannesburg vor 18 Jahren.
Kino war nur dreimal Thema, einmal The Hobbit und dann der Nachzug nach Lissabon und Star Trek. Filme gab es vor allem auf DVD, wie zum Beispiel Spielbergs Terminal. Ich fand einen Hinweis auf eine Screwball-Komödie im Netz, die vollständig, im Original und vor allem ohne Werbepausen genossen werde kann.
Musik war öfters das Thema: Die hannöversche Formation fint stellte ihre 1. EP vor. Das Duo SEA+AIR gab eine wunderschöne Show. Beim digitalen Aufräumen stolperte ich über meinen Konzertbericht Roger Water 2002 und während meiner Arbeit auf der Fête de la Musique Hannover über einen Achim Reichel Song meiner Jugend. Musik gefiel auch im Netz, doch Hand gemachte Live-Musik wie vom französischen Yalta Club oder von MINE sind etwas Besonderes.
Ich habe viel gelesen, aber nicht so viel darüber geschrieben. Im Winter wurden eine Märchensammlung von Charles Perrault gelesen und im Herbst ein Sachbuch über "normale" US-Amerikaner. Literatur hinterließ Spuren in meiner Zitatesammlung, wie zum Beispiel Bemerkenswertes von Arno Schmidt (hier und hier), Pascal Mercier, William Shakespeare, Gisbert Haefs, Douglas Adams oder Doris Lessing.
Mal sehen was 2014 bringt.
Hier gibt es nur einen Rückblick auf Blogbeiträge des Jahres. die öffentliche Person ist schließlich eine andere, als der reale Mensch.
Politik regt mich weiterhin auf und an. Da lag natürlich auch an der Landtagswahl in Niedersachsen, den damit verbundenen Outen von Nazis, der Bundestagswahl mit unserer Bundes
Der Tod meines Vaters führte zu Erinnerungen und Trauerarbeit.
Doch es gab auch schöne Momente auf dem Spielplatz, in der Turnhalle und mehrmals im Zoo.
Meine Reisen führten mich in diesem Jahr gleich zweimal nach Berlin, nach London, Königswinter, Budapest zum Europäischen Traum, Stade und Deventer.
Die monatlichen Wetterberichte, der nicht enden wollende Winter 2012/2013 aber auch einen Beitrag über den regionalen Klimawandel am Beispiel des Monats April und den generellen Temperaturanstieg sind auch als Kommentare auf dümmliche Bemerkungen von Klimaskeptikern zu lesen.
Ich kramte ein wenig in meinen Erinnerungen und fand meinen allerersten Brief von meiner ersten Reise nach Ostafrika (1987) und als eine Alumna über ihre Probleme mit einem Studentenvisum berichtete fiel mir mein Erlebnis aus Dar es Salaam (1988/89) ein. Eine Wiedergängerin erinnerte mich an den Beißkrampf der 1980-er Jahre pflegte. Ich musste auch an die Grußkultur in Tanzania denken und ein unangenehmes Erlebnis in Johannesburg vor 18 Jahren.
Kino war nur dreimal Thema, einmal The Hobbit und dann der Nachzug nach Lissabon und Star Trek. Filme gab es vor allem auf DVD, wie zum Beispiel Spielbergs Terminal. Ich fand einen Hinweis auf eine Screwball-Komödie im Netz, die vollständig, im Original und vor allem ohne Werbepausen genossen werde kann.
Musik war öfters das Thema: Die hannöversche Formation fint stellte ihre 1. EP vor. Das Duo SEA+AIR gab eine wunderschöne Show. Beim digitalen Aufräumen stolperte ich über meinen Konzertbericht Roger Water 2002 und während meiner Arbeit auf der Fête de la Musique Hannover über einen Achim Reichel Song meiner Jugend. Musik gefiel auch im Netz, doch Hand gemachte Live-Musik wie vom französischen Yalta Club oder von MINE sind etwas Besonderes.
Ich habe viel gelesen, aber nicht so viel darüber geschrieben. Im Winter wurden eine Märchensammlung von Charles Perrault gelesen und im Herbst ein Sachbuch über "normale" US-Amerikaner. Literatur hinterließ Spuren in meiner Zitatesammlung, wie zum Beispiel Bemerkenswertes von Arno Schmidt (hier und hier), Pascal Mercier, William Shakespeare, Gisbert Haefs, Douglas Adams oder Doris Lessing.
Mal sehen was 2014 bringt.
Dienstag, 17. Dezember 2013
Studentenvisum Tanzania 1988
Aus aktuellem Anlass eine Erinnerung an eine befremdliche Verwaltung:
Im Juni 1988 landete ich mit einem normalen Visum auf dem Flughafen Dar es Salaam, obwohl ich vor hatte, für ein Jahr zu bleiben. Mir wurde in Hannover empfohlen, die notwendigen Aufenthaltspapiere für ein Studienjahr in Tanzania vor Ort zu besorgen.
Es dauerte Tage bis ich einen Studentenausweis der University of Dar es Salaam hatte und mit diesem und weiteren Papieren der UNI ging es zum Immigration Office. Wir ausländischen Studierenden füllten dort Formulare aus und sollten einen Monat später wieder kommen.
Als Ausländer mit einem normalen Visum musste ich sowieso jeden Monat einmal bei einem Immigration Office vorsprechen und dort nach Zahlung einer Gebühr einen frische Stempeleindruck in meinen Reisepass zu bekommen.
Ende August war immer noch nicht entschieden, ob wir im Land bleiben dürfen. Ich meine mich zu erinnern, dass der Beamte hinter den Schalter ein kleines Geschenk erbat, damit er sich für mich engagiert. Ich bat darum meine Unterlagen zu sehen, um zu prüfen, ob alles notwendige in meiner Akte war. Der Officer verschwand in ein Hinterzimmer, wo Mitarbeiter hinter Stapeln von Mappen saßen. Er fand meine und ich sah sofort, dass außer meinen Eintragungen bisher niemand irgend etwas mit den Papieren gemacht hatte. Verärgert ging es zurück zur Universität.
Korruption braucht zwei. Den Beamter, der "Etwas" möchte und den Bürger, der bereeit ist dieses "Etwas" zu geben. In Tanzania hieß das magische Wort "Chai". Das meint eigentlich Tee und muss auch nicht immer ein Synonym für Geld sein. Es konnte auch wirklich der Wunsch nach einer bezahlten Pause mit einer Einladung zu Tee und Backwaren (Maandazi oder Chapati) sein, aber eben auch die Aufforderung zu einem stillen (Tee-) Gespräch über die Summe, der zu zahlenden Bestechung. Da ich aus Prinzip nicht zahle, hatte ein korrupter Beamter ein Problem (und ich zunächst auch).
Ich weiß nicht mehr, ob ich mich nur in der UNI-Verwaltung oder auch in der Deutschen Botschaft beschwerte, aber es dauerte nicht lange und ich sollte wieder im Immigration Office vorsprechen.
Nach fast drei Monaten Aufenthalt erhielt ich schließlich meine Resident Permit C für das gesamte Studienjahr.
Das wurde gefeiert!
- - - - -
Und nur ein Jahr zuvor, war ich erstmals in Kenya. und in Tanzania. Die Geschichte, wie ich das Stipendium für die Universität bekam, lässt sich nicht in wenigen Worten erzählen, doch wird sicher irgendwann hier erscheinen.
Im Juni 1988 landete ich mit einem normalen Visum auf dem Flughafen Dar es Salaam, obwohl ich vor hatte, für ein Jahr zu bleiben. Mir wurde in Hannover empfohlen, die notwendigen Aufenthaltspapiere für ein Studienjahr in Tanzania vor Ort zu besorgen.
Es dauerte Tage bis ich einen Studentenausweis der University of Dar es Salaam hatte und mit diesem und weiteren Papieren der UNI ging es zum Immigration Office. Wir ausländischen Studierenden füllten dort Formulare aus und sollten einen Monat später wieder kommen.Als Ausländer mit einem normalen Visum musste ich sowieso jeden Monat einmal bei einem Immigration Office vorsprechen und dort nach Zahlung einer Gebühr einen frische Stempeleindruck in meinen Reisepass zu bekommen.
Ende August war immer noch nicht entschieden, ob wir im Land bleiben dürfen. Ich meine mich zu erinnern, dass der Beamte hinter den Schalter ein kleines Geschenk erbat, damit er sich für mich engagiert. Ich bat darum meine Unterlagen zu sehen, um zu prüfen, ob alles notwendige in meiner Akte war. Der Officer verschwand in ein Hinterzimmer, wo Mitarbeiter hinter Stapeln von Mappen saßen. Er fand meine und ich sah sofort, dass außer meinen Eintragungen bisher niemand irgend etwas mit den Papieren gemacht hatte. Verärgert ging es zurück zur Universität.
Korruption braucht zwei. Den Beamter, der "Etwas" möchte und den Bürger, der bereeit ist dieses "Etwas" zu geben. In Tanzania hieß das magische Wort "Chai". Das meint eigentlich Tee und muss auch nicht immer ein Synonym für Geld sein. Es konnte auch wirklich der Wunsch nach einer bezahlten Pause mit einer Einladung zu Tee und Backwaren (Maandazi oder Chapati) sein, aber eben auch die Aufforderung zu einem stillen (Tee-) Gespräch über die Summe, der zu zahlenden Bestechung. Da ich aus Prinzip nicht zahle, hatte ein korrupter Beamter ein Problem (und ich zunächst auch).
Ich weiß nicht mehr, ob ich mich nur in der UNI-Verwaltung oder auch in der Deutschen Botschaft beschwerte, aber es dauerte nicht lange und ich sollte wieder im Immigration Office vorsprechen.
Nach fast drei Monaten Aufenthalt erhielt ich schließlich meine Resident Permit C für das gesamte Studienjahr.
Das wurde gefeiert!
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Und nur ein Jahr zuvor, war ich erstmals in Kenya. und in Tanzania. Die Geschichte, wie ich das Stipendium für die Universität bekam, lässt sich nicht in wenigen Worten erzählen, doch wird sicher irgendwann hier erscheinen.
Montag, 9. September 2013
Trauer und Hoffnung in der Musik
Der Tod eines nahen Verwandten bewegt mich sehr. Auf der Trauerfeier wurde nach der Zeremonie Frank Sinatra "My Way" gespielt und nun haben mehrere Zeilen eine persönliche Bedeutung:
Seitdem bin ich noch hellhöriger geworden und viele Songs und Lieder wecken Erinnerungen. Viele Beispiele könnten genannt werden. Ich will nicht in der Vergangenheit versinken und fand hierzu Trost bei Ton Steine Scherben:
And now, the end is hereJa, das war sein Weg.
And so I face the final curtain
...
I've lived a life that's full
...
I've loved, I've laughed and cried
I've had my fill, my share of losing
(Text: Paul Anka)
Seitdem bin ich noch hellhöriger geworden und viele Songs und Lieder wecken Erinnerungen. Viele Beispiele könnten genannt werden. Ich will nicht in der Vergangenheit versinken und fand hierzu Trost bei Ton Steine Scherben:
Und die Tränen von gestern wird die Sonne trocknen,
die Spuren der Verzweiflung wird der Wind verweh'n.
Die durstigen Lippen wird der Regen trösten
(Rio Reiser/Lanrue (1975) "Land in Sicht")
Sonntag, 8. September 2013
Beißkrampf - Emanzen
Es gibt sie noch. In den frühen 1980-er wurden sie im Freundeskreis sowohl von Männern als auch von Frauen als Kampf-Emanzen und von "Chauvis" und Genervten auch schon mal als Krampf-Emanzen bezeichnet. Es war ihr Beißkrampf, der zu diplomatischen Verhandlungen statt entspannten Gesprächen führte.
Ein falsches Wort und schon war man Chauvinist und Frauenunterdrücker. Ironie war diesen Frauen unbekannt oder sie waren zumindest humorlos in Anwesenheit eines Manns.
Dieses Beißkrampf habe ich seitdem nur zum Thema Israel erlebt. Jede kritische Bemerkung über israelische Politik im Allgemeinen oder über mörderische Aktionen der israelischen "Sicherheits"-Kräfte führte zum Vorwurf, ein Antisemit zu sein.
Nun traf ich mal wieder eine Kampf-Emanze und musste an früher denken!
Ich saß in einem großen Kreis mit verschiedenen kleine Gesprächsgruppen. Nicht alle Personen waren mir bekannt. In einer Ausführung erzählte ich etwas aus meiner Biographie und sagte HauptmietER. Sofort kam der Biss "gab es keine Hauptmieterin"? Ich kannte die Frau nicht, schaltete auf Ironie und verwendete nun bewusst eine "männliche" Sprache. Sie korrigierte mich noch mehrmals, schien aber die Sinnlosigkeit zu erkennen.
Ich muss beim Schreiben dieser Zeilen noch darüber Grinsen, was für einen katastrophalen Eindruck ich hinterließ. Meine Freundinnen drumherum kennen mich gut genug, um zu verstehen, dass erzwungene politische Korrektheit mir ein Graus ist und ich dann auf Ironie schalte.
- - - - -
Ein nicht-ironisch gemeinter feministischer Literaturtipp aus Norwegen:
Gerd Brandenberg (1980) Die Töchter Egalias. Ein Roman über den Kampf der Geschlechter. Berlin: Olle und Wolter. [Gerd ist in Norwegen ein Frauenvorname!]
Ein falsches Wort und schon war man Chauvinist und Frauenunterdrücker. Ironie war diesen Frauen unbekannt oder sie waren zumindest humorlos in Anwesenheit eines Manns.
Dieses Beißkrampf habe ich seitdem nur zum Thema Israel erlebt. Jede kritische Bemerkung über israelische Politik im Allgemeinen oder über mörderische Aktionen der israelischen "Sicherheits"-Kräfte führte zum Vorwurf, ein Antisemit zu sein.
Nun traf ich mal wieder eine Kampf-Emanze und musste an früher denken!
Ich saß in einem großen Kreis mit verschiedenen kleine Gesprächsgruppen. Nicht alle Personen waren mir bekannt. In einer Ausführung erzählte ich etwas aus meiner Biographie und sagte HauptmietER. Sofort kam der Biss "gab es keine Hauptmieterin"? Ich kannte die Frau nicht, schaltete auf Ironie und verwendete nun bewusst eine "männliche" Sprache. Sie korrigierte mich noch mehrmals, schien aber die Sinnlosigkeit zu erkennen.
Ich muss beim Schreiben dieser Zeilen noch darüber Grinsen, was für einen katastrophalen Eindruck ich hinterließ. Meine Freundinnen drumherum kennen mich gut genug, um zu verstehen, dass erzwungene politische Korrektheit mir ein Graus ist und ich dann auf Ironie schalte.
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Ein nicht-ironisch gemeinter feministischer Literaturtipp aus Norwegen:
Gerd Brandenberg (1980) Die Töchter Egalias. Ein Roman über den Kampf der Geschlechter. Berlin: Olle und Wolter. [Gerd ist in Norwegen ein Frauenvorname!]
Sonntag, 7. Juli 2013
Ein Geburtstagserlebnis aus Südafrika
Wenn Einer eine Reise tut ...Meine bisher schlimmste Erfahrung an meinem Geburtstag ist nicht, dass ich wieder ein Jahr älter bin sondern ein bewaffneter Überfall.
Wir schrieben das Jahr 1995 und ich war auf einer halbjährigen Forschungsreise zu Archiven und Bibliotheken in Nairobi, Harare, Pretoria, Johannesburg und Kapstadt. Von Montags bis Freitags war ich jede mögliche Arbeitsstunde entweder in der Bibliothek für Medizinforschung, auf dem Gelände der Witwatersrand-Universität oder im Nationalarchiv in Pretoria. Auf den Touren hatte ich in Johannesburg bereits Buchläden und ein Antiquariat entdeckt.
Mein Geburtstag fiel 1995 auf einen Samstag und mein Vermieter in Midrand gab mir eine Mitfahrgelegenheit zum Taxi Stand Halfway House an der Autobahn Pretoria-Johannsburg. Ich wollte mir selbst etwas zum Geburtstag schenken (Bücher, Kleidung, CDs) und hatte entsprechend etwa umgerechnet 200 DM dabei. Für den Nachmittag vereinbarten wir ein Treffen in einem Einkaufszentrum um gemeinsam zurück zu fahren.
Sie sagen Taxi in Südafrika, doch es sind die hier bekannten Transporter, in die vier Sitzbänke eingebaut wurden. Gedrängt wie Sardinen in der Dose werden 14-18 Passagiere mitgenommen. Die Federung der Fahrzeuge verwies stets darauf, dass wir überladen waren. Es war oft schmutzig und die Taxis fuhren viel zu schnell. In jeder schnell gefahrenen Kurve neigte sich das Fahrzeug zur Seite.
Ich hatte damals schon Erfahrungen aus fünf anderen subsaharischen Ländern und mir war bekannt, warum Verkehrsunfälle stets gleich mehrere Tote und viele Schwerverletzte forderten. Nicht nur auf den langen Strecken zwischen den Städten mahnten ausgebrannte Karosserien von Kleinbussen, dass hohe Geschwindigkeit lebensgefährlich sein kann.
Meine Endstation war der Wanderers Taxi Rank in der Nähe vom Bahnhof Johannesburg. Mit meinen gewachsenen Ortskenntnissen hatte ich mir einen Weg Richtung Universität gemerkt, wo ich Straßenhändler mit Büchern gesehen hatte. Ich ging auf fast leeren Straßen auf der Smit Street bis zum YMCA, wo ich hügelaufwärts in die Rissik Street bog, um oben über die De Korte Street zum Ziel zu gelangen. Rissik Street ist eine von den Ausfallstraßen aus der Innenstadt und passiert auf dem Hügel das brutalistische Civic Centre.
Es war verwunderlich, es war etwa 9:30 Uhr und in diesem Moment fuhr kein Auto die vierspurige Straße hinauf oder die zweispurige Straße hinab.
Ich war relaxed und bummelte. Erstmals hörte ich Stimmen hinter mir und von links überholte mich einer und von rechts zwei schwarze Jugendliche. Einer sprach mich an, aber ich ignorierte ihn. Und dann ging alles sehr schnell und ich kann nur feststellen, dass mir einige Sekunden abhanden gekommen sind. Also habe ich nur einige Schnappschüsse:- Einer der Jugendlichen war vor mir und ich blickte in eine 20-25cm Klinge eines Messers, das nicht sehr sauber war. Es war eine breite Klinge, breiter als mein Bowie-Knife.
- Ich ging halbwegs zu Boden und fühlte eine Hand in meiner rechten Hosentasche, die nach meinem Portemonnaie langte.
- Ich stand auf und blickte mich um. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich im Zeitlupentempo bewegte. Die ersten drei bewegten sich hügelaufwärts und als ich mich umdrehte sah ich weitere 6-7, die sich in drei Gruppen aufspalten; 2-3 bogen um die Ecke des CVJM und die anderen entschwanden auch schnell.
Viel später stellte ich fest, dass ich offensichtlich als Tourist zu erkennen war. Birkenstock mit weißen Socken, Wollpullover locker über die Schultern und in einem Tempo gehend, das anzeigt, dass ich Zeit habe.
Es war früh am Morgen und sie konnten erwarten, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch viel Geld mit mir führte. Sie hatten recht, aber mein Geld war natürlich nicht nur in der Börse. Ich hatte es verteilt auf Börse (40-70 Rand), rechte Hosentasche, Hemdtasche und Innentasche des Rucksacks (400 Rand). Das hatte ich während meines Studienjahres in Dar es Salaam gelernt. Geld verteilen, so dass stets Reserven für ein Taxi vorhanden bleiben.
Der materielle Verlust war gering, aber der Vertrauensverlust nicht zu messen. Später in der Innenstadt und auch im "Boulders" Einkaufszentrum in Midrand/Halfway House wurde ich unruhig, wenn ich in meinem Augenwinkeln einen überholenden Schwarzer sah.
Ich ging nach dem Überfall meinen geplanten Weg weiter und besorgte mir in einer Post Briefmarken. Hier schrieb ich auch eine erste Notiz über den Überfall. Die Straßenhändler, die ich in der Woche gesehen hatte, waren am Samstag nicht da. Mein Geschenk war im Universitätsviertel nicht zu finden.
Ich ging in die Innenstadt. Mein nervöser Blick suchte stets nach Straßen, wo andere Menschen gingen und ich meinte, dass an Straßenkreuzungen einige Männer mich genau taxierten. Ich war auf der Suche nach zwei Antiquariate an der Market Street, von denen ich gehört hatte.Die Bürgersteige waren belebt, aber ich sah zuerst keine weiße Gesichter. Während der ganzen Zeit in der Innenstadt sah ich höchstens vier oder fünf Weiße, die bis auf eine Ausnahme (Polizistin) alle offensichtlich von ihrer Bekleidung Touristen waren.
Ich fand ein Antiquariat doch es war verriegelt und verrammelt wie auch viele andere Geschäfte. Nur einmal ging ich in ein Geschäftszentrum und hoffte dort einen Pullover zu finden. Es war Winter in Johannesburg und ich hatte nur wenig warme Kleidung dabei. Natürliche Fasern und Erdfarben fanden sich, aber es war sehr modisch geschnitten. Ich bevorzuge ewige Muster, Farben und Designs.
Zwei Männer die mit mir in das Geschäftszentrum kamen, hatten entweder das gleiche Ziel oder verfolgten mich. Ich war immer noch vom Überfall geprägt und verließ die Innenstadt bereits gegen 11 Uhr. Ein "Taxi" brachte mich zurück nach Midrand und damit zurück zum beschützten Umfeld der Boulder Mall.
Ich bummelte durch die Geschäfte, fand aber immer noch nichts. Mit einem Stapel von Zeitungen und zwei Postkarten ging es in ein chinesisches Schnell-Restaurant. Ich hoffte auf was Leckeres, die Mahlzeit war nicht mau, aber auch nicht berühmt. Der Hauptgang wurde in einer essbaren Schale serviert. Eine gute Idee, die ich bis dahin noch nicht kannte.
Als ich das Restaurant verließ, war immer noch viel Zeit bis zur verabredeten Rückfahrt. Auf die Schnelle wurden noch zwei Postkarten gefüllt, wo ich versuchte meinen Schock zu formulieren.
Und dann ging es ins Kino: Batman Forever. Ein Comic mit lebenden Schauspielern. Hier war nichts zu analysieren, sondern nur etwas zum Gucken. Der Ton war viel zu laut, aber ich wollte im Film verschwinden und vergessen und dass gelang.
Danach ging es mit meinen Vermietern zurück. Sie hatten noch etwas vor und so leerte ich am Abend alleine eine Flasche Sekt. Ein merkwürdiger Geburtstag.
Freitag, 28. Juni 2013
Erinnerung an Aloha Heja He von Achim Reichel
Auf der Fête de la Musique Hannover 2013 betreute ich eine Bühne und damit auch die Band SHADOW aus Hodenhagen. Diese hatten mir vorab ihre Setlist geschickt und da las ich, dass sie u.a. Aloha Heja He spielen würden. Da kam bereits bei der Planung für die Bühne InkluVision Vorfreude auf.
Die Musik von Achim Reichel lernte ich so nach und nach kennen. Aufgewachsen in den 1970-er Jahren am Rande von Brauel gab es nur zwei Radiosender: NDR2 und BFBS. Im Haus war fast immer das Radio in der Küche (NDR2) zu hören und auf der Terrasse lief am Nachmittag oftmals der britische Militärsender. Der Hamburger Sender spielte natürlich auch die Lieder des "Hamburgers" Achim Reichel und so hörte ich 1978 seine Interpretation von Herr von Ribeck auf Ribeck im Havelland von Theodor Fontane.
Ich wurde unabhängig, doch immer wenn ich meine Mutter besuchte, war dort das Radio in der Küche und NDR2. So hörte ich seit 1981 Der Spieler, seit 1986 Steaks und Bier und Zigaretten und eben seit 1991 Aloha Heja He. Beim so seltenen Hören dieses Liedes erfasst mich immer wieder eine Wehmut, die ich bewusst erhalte. Gute Lieder, Texte, Bilder und Filme werden nicht zu oft genossen, damit sich ihre Schönheit nicht abnutzt.
Meine Reaktion auf dieses Lied hat sicherlich etwas mit kindlicher und jugendlicher Musikerfahrung zu tun. Wenn einmal im Radio Musik vom Harry Belafonte (Day-O, Matilda) oder vom Orchester Arthur Iriti aus Tahiti (Nau Haka, Taranga) lief, wurde die Musik lauter gestellt.
Das Lied ist melancholisch und dennoch fröhlich. Es wird eine Stimmung der Kolonialzeit aufgebaut, ohne das es peinlich ist.
Grundlage ist die Erinnerung an Auftritte für das Goethe-Institut in Indonesien im November 1986.
Jetzt habe ich erstmals den Text von Aloha Heja He gelesen. In der letzten Strophe gibt es rätselhafte Passagen.
Ich hab das Paradies gesehn
es war um neunzehnhundertzehn
der Steuermann hatte Matrosen am Mast
und den Zahlmeister ha'm die Gonokokken vernascht
aber sonst war'n wir bei bester Gesundheit
Paradies 1910 = Referenz an das Paradies-Stereotyp, dass seit der deutschen Kolonialzeit mit Südostasien und Ozeanien verbunden wird. Die Jahreszahl scheint keine weitere Bedeutung zu haben und entspringt vermutlich den Motto "reim dich oder ich schlag dich"
Matrosen am Mast = Seemannsausdruck für Filzläuse
Gonokokken = Erreger der Gonorrhoe/des Trippers
Bei der Recherche zu diesem Lied verstand ich, warum einige meiner Bekannten peinlich berührt waren, als ich sagte, dass ich dieses Lied schätze. Es scheint sich innerhalb der Subgruppe der Ballermänner zu einem der Sauflieder schlechthin entwickelt zu haben. Das war mir nicht bekannt und es gibt bestimmt noch weitere Lieder, die ich schätze und die von Party-Bands zu Saufliedern verhunzt wurden.
Der Auftritt der Band SHADOW war wunderbar und viele sangen die Refrains ihrer Lieder mit. Aloha Heja He wurde weiter gesungen, als das Stück auf der Bühne bereits zu Ende war. Es war eine ausgelassene Stimmung.
- - - - -
# Auf der offiziellen Webseite macht Achim Reichel viele Bemerkungen zu jedem seiner Alben.
# Aloha in der Wikipedia
Die Musik von Achim Reichel lernte ich so nach und nach kennen. Aufgewachsen in den 1970-er Jahren am Rande von Brauel gab es nur zwei Radiosender: NDR2 und BFBS. Im Haus war fast immer das Radio in der Küche (NDR2) zu hören und auf der Terrasse lief am Nachmittag oftmals der britische Militärsender. Der Hamburger Sender spielte natürlich auch die Lieder des "Hamburgers" Achim Reichel und so hörte ich 1978 seine Interpretation von Herr von Ribeck auf Ribeck im Havelland von Theodor Fontane.
Ich wurde unabhängig, doch immer wenn ich meine Mutter besuchte, war dort das Radio in der Küche und NDR2. So hörte ich seit 1981 Der Spieler, seit 1986 Steaks und Bier und Zigaretten und eben seit 1991 Aloha Heja He. Beim so seltenen Hören dieses Liedes erfasst mich immer wieder eine Wehmut, die ich bewusst erhalte. Gute Lieder, Texte, Bilder und Filme werden nicht zu oft genossen, damit sich ihre Schönheit nicht abnutzt.
Meine Reaktion auf dieses Lied hat sicherlich etwas mit kindlicher und jugendlicher Musikerfahrung zu tun. Wenn einmal im Radio Musik vom Harry Belafonte (Day-O, Matilda) oder vom Orchester Arthur Iriti aus Tahiti (Nau Haka, Taranga) lief, wurde die Musik lauter gestellt.
Das Lied ist melancholisch und dennoch fröhlich. Es wird eine Stimmung der Kolonialzeit aufgebaut, ohne das es peinlich ist.
Grundlage ist die Erinnerung an Auftritte für das Goethe-Institut in Indonesien im November 1986.
Jetzt habe ich erstmals den Text von Aloha Heja He gelesen. In der letzten Strophe gibt es rätselhafte Passagen.
Ich hab das Paradies gesehn
es war um neunzehnhundertzehn
der Steuermann hatte Matrosen am Mast
und den Zahlmeister ha'm die Gonokokken vernascht
aber sonst war'n wir bei bester Gesundheit
Paradies 1910 = Referenz an das Paradies-Stereotyp, dass seit der deutschen Kolonialzeit mit Südostasien und Ozeanien verbunden wird. Die Jahreszahl scheint keine weitere Bedeutung zu haben und entspringt vermutlich den Motto "reim dich oder ich schlag dich"
Matrosen am Mast = Seemannsausdruck für Filzläuse
Gonokokken = Erreger der Gonorrhoe/des Trippers
Bei der Recherche zu diesem Lied verstand ich, warum einige meiner Bekannten peinlich berührt waren, als ich sagte, dass ich dieses Lied schätze. Es scheint sich innerhalb der Subgruppe der Ballermänner zu einem der Sauflieder schlechthin entwickelt zu haben. Das war mir nicht bekannt und es gibt bestimmt noch weitere Lieder, die ich schätze und die von Party-Bands zu Saufliedern verhunzt wurden.
Der Auftritt der Band SHADOW war wunderbar und viele sangen die Refrains ihrer Lieder mit. Aloha Heja He wurde weiter gesungen, als das Stück auf der Bühne bereits zu Ende war. Es war eine ausgelassene Stimmung.
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# Auf der offiziellen Webseite macht Achim Reichel viele Bemerkungen zu jedem seiner Alben.
# Aloha in der Wikipedia
Donnerstag, 25. April 2013
Windel-Athleten
Heute war ich das zweite Mal als Begleitung für die beiden Kurzen beim Sport. Hannover 96 bietet in seiner Gymnastik-Abteilung Bewegung und Sport für Kleinkinder ab dem vollendeten 1. Lebensjahr an. Jede Woche gibt es 45 Minuten für die "Windel-Athleten" in einer Sporthalle in der Südstadt.
Es sind etwa 25 Erwachsene und Kleinkinder, die sich zunächst mit Musik rhythmisch aufwärmen, bevor die Erwachsenen nach Anleitung verschiedene Elemente zum Klettern, Balancieren, Springen und Hüpfen, Verstecken und Toben aufbauen.
Es geht immer wieder ums Entdecken und mit helfender Hand Hindernisse anzugehen, die im zweiten, dritten Anlauf vielleicht nur noch einen helfenden Finger brauchen und schließlich auch alleine ausprobiert werden.
Der Hit des heutigen Nachmittags war eine Kombination von Bank, Kasten und großer Matte. Über eine Bank sollten die Kleinen hoch zu einem Kasten in über einen Meter Höhe robben oder an einer Hand geführt hochgehen. Oben auf den Kasten war eine hohe Matte angelehnt und damit eine Rutsche nach unten. Wenn einer der Kleinen sich oben auf den Kasten aufstellte, war sein Kopf deutlich höher als die der Betreuenden. Es ging darum, die Kinder zu einer seitlichen Rolle über die Kante zu motivieren, so dass sie auf den Bauch mit den Füßen zuerst runter rutschen. Da war beim ersten Versuch Panik im Gesicht, doch unten angekommen, war da ein Strahlen und ein Rennen zurück zur Bank, um wieder nach oben zu gelangen.
Als ich vor zwei Wochen erstmals mit der Mutter als Begleitung dabei war, gab es eine schwankende Fläche, welche die größte Herausforderung und schließlich Freude wurde. Eine Bank war mit Gymnastik-Bändern in einen Barren eingehängt. Die Barren waren genau auf die Höhe der Kinder, wenn sie auf dieser Bank standen, eingestellt. Das Problem war, dass diese Bank sowohl in der Horizontalen als auch in der Vertikalen schwankte. Der ängstliche Griff zu den Barren wurde zum vertrauensvollen Griff und nach mehreren Anläufen ging einer der beiden ohne weitere Unterstützung von einem Ende der Bank zum anderen.
Ein schönes Merkmal dieser Sporteinheit ist, dass viele der begleitenden Erwachsenen nicht nur auf ihr Kind achten, so dass sich an einigen, der von uns aufgebauten Elementen, die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilte.
Im letzten Bericht hatte ich von den Problemen der Straßenquerung berichtet. Das wird nun konsequent angegangen. Wenn einer der beiden nicht an die Hand genommen werden will, dann muss er die Straße im Kinderwagen überqueren. Der Wagen ist keine Strafe, aber die beiden scheinen bereits abwägen zu können zwischen Kinderwagensitz und der Freiheit selbst zu gehen. Denn wenn ich vor einer Straßenquerung meine Hand hinhielt, wurde diese diesmal ohne Protest genommen und erst nach dem Besteigen der anderen Bordsteinkante wieder losgelassen.
Die Freude der Beschäftigung und der Beobachtung der beiden Kleinen hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich tief in mir weiß, dass dies für mich die letzte Chance ist, zu erleben, wie zwei Individuen sich in die Welt einfinden.
Der eigene Kinderwunsch blieb unerfüllt, da es nun mal einen Partner braucht und ich wohl ein Topf ohne Deckel bleibe.
Das letzte halbe Jahr war eine besondere Zeit und ich hoffe, dass die nächsten Monate ähnlich intensive Erlebnisse bringen. Vom Krabbeln zum Gehen, das Entdecken der Welt, das Entdecken der eigenen Möglichkeiten, es ist und bleibt eine Freude.
- - - - -
Dies war der vierte Beitrag der Kategorie KINDERKRAM über die beiden von mir betreuten Kleinkinder. Andere Beiträge:
Sandkiste (13 Monate), Babysitting (15 Monate), Kinderspielplatz (19 Monate), Zoobesuch (21 Monate), Türverriegelung (2 Jahre, 5 Monate), aus der Perspektive eines Kindes und (fehlende) Energie (2 Jahre, 5 Monate).
Es sind etwa 25 Erwachsene und Kleinkinder, die sich zunächst mit Musik rhythmisch aufwärmen, bevor die Erwachsenen nach Anleitung verschiedene Elemente zum Klettern, Balancieren, Springen und Hüpfen, Verstecken und Toben aufbauen.
Es geht immer wieder ums Entdecken und mit helfender Hand Hindernisse anzugehen, die im zweiten, dritten Anlauf vielleicht nur noch einen helfenden Finger brauchen und schließlich auch alleine ausprobiert werden.
Der Hit des heutigen Nachmittags war eine Kombination von Bank, Kasten und großer Matte. Über eine Bank sollten die Kleinen hoch zu einem Kasten in über einen Meter Höhe robben oder an einer Hand geführt hochgehen. Oben auf den Kasten war eine hohe Matte angelehnt und damit eine Rutsche nach unten. Wenn einer der Kleinen sich oben auf den Kasten aufstellte, war sein Kopf deutlich höher als die der Betreuenden. Es ging darum, die Kinder zu einer seitlichen Rolle über die Kante zu motivieren, so dass sie auf den Bauch mit den Füßen zuerst runter rutschen. Da war beim ersten Versuch Panik im Gesicht, doch unten angekommen, war da ein Strahlen und ein Rennen zurück zur Bank, um wieder nach oben zu gelangen.
Als ich vor zwei Wochen erstmals mit der Mutter als Begleitung dabei war, gab es eine schwankende Fläche, welche die größte Herausforderung und schließlich Freude wurde. Eine Bank war mit Gymnastik-Bändern in einen Barren eingehängt. Die Barren waren genau auf die Höhe der Kinder, wenn sie auf dieser Bank standen, eingestellt. Das Problem war, dass diese Bank sowohl in der Horizontalen als auch in der Vertikalen schwankte. Der ängstliche Griff zu den Barren wurde zum vertrauensvollen Griff und nach mehreren Anläufen ging einer der beiden ohne weitere Unterstützung von einem Ende der Bank zum anderen.
Ein schönes Merkmal dieser Sporteinheit ist, dass viele der begleitenden Erwachsenen nicht nur auf ihr Kind achten, so dass sich an einigen, der von uns aufgebauten Elementen, die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilte.
Im letzten Bericht hatte ich von den Problemen der Straßenquerung berichtet. Das wird nun konsequent angegangen. Wenn einer der beiden nicht an die Hand genommen werden will, dann muss er die Straße im Kinderwagen überqueren. Der Wagen ist keine Strafe, aber die beiden scheinen bereits abwägen zu können zwischen Kinderwagensitz und der Freiheit selbst zu gehen. Denn wenn ich vor einer Straßenquerung meine Hand hinhielt, wurde diese diesmal ohne Protest genommen und erst nach dem Besteigen der anderen Bordsteinkante wieder losgelassen.
Die Freude der Beschäftigung und der Beobachtung der beiden Kleinen hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich tief in mir weiß, dass dies für mich die letzte Chance ist, zu erleben, wie zwei Individuen sich in die Welt einfinden.
Der eigene Kinderwunsch blieb unerfüllt, da es nun mal einen Partner braucht und ich wohl ein Topf ohne Deckel bleibe.
Das letzte halbe Jahr war eine besondere Zeit und ich hoffe, dass die nächsten Monate ähnlich intensive Erlebnisse bringen. Vom Krabbeln zum Gehen, das Entdecken der Welt, das Entdecken der eigenen Möglichkeiten, es ist und bleibt eine Freude.
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Dies war der vierte Beitrag der Kategorie KINDERKRAM über die beiden von mir betreuten Kleinkinder. Andere Beiträge:
Sandkiste (13 Monate), Babysitting (15 Monate), Kinderspielplatz (19 Monate), Zoobesuch (21 Monate), Türverriegelung (2 Jahre, 5 Monate), aus der Perspektive eines Kindes und (fehlende) Energie (2 Jahre, 5 Monate).
Samstag, 30. März 2013
Habari Garni oder typisch Deutsch
Bin nun seit mehr als drei Jahrzehnten mit dem Konzept der so genannten interkulturellen Kommunikation vertraut. Nicht auf einer akademischen Ebene, sondern als Realität der Kommunikation (Worte, Gesten, Mimik) mit Menschen, die in anderen Kulturen aufgewachsen sind.
Dies förderte zum einen die Herausbildung einer Identität, da diese sich fast immer in Abgrenzung zu Anderen herausbildet. Oder wie ich im Europa-Kolleg gelernt habe (nun doch akademisch): die Identität aus der Alterität.
Das Andere zeigt dann, was diese (und ich als kritischer Selbstbeobachter) als typisch Deutsch bezeichnen und fördert eine Auseinandersetzung mit den Stereotypen.
Dies fängt bereits beim begrüßenden small talk an.
Es war zu Beginn meines zweiten Tanzania-Aufenthalts als ich zur Einführung in ein Studienjahr an der Universität Dar es Salaam Kiswahili lernte. In diesem Intensivkurs erfuhr ich dass Begegnungen und Begrüßung viel freundlicher beginnen können, als ich es aus dem Deutschen gewohnt war.
Es war befremdlich. Egal, was gefragt wurde, stets wurde eine positive Antwort erwartet und gegeben. Es brauchte einige Monate bis ich das Begrüßungsritual verstand, es kam mir wie ein Abtasten vor. Doch es wurde stets ein Eis (merkwürdiges Bild für die feuchten Tropen!) gebrochen und danach konnte ein Gespräch oder gleich das Verabschiedungsritual beginnen.
Studierende haben ihre eigenen Grüße. Das gilt für Deutschland, wo ich bereits des öfteren in der Etymologie den Hinweis fand, dass ein Wort, eine Konnotation oder eine Phrase vor ein, zwei oder mehr Jahrhunderten im studentischen Milieu entstanden ist. An der Chuo Kikuu cha Dar es Salaam war es u. a. der Gruß "Habari kuku" (hast du Nachrichten von den Hühnern?). Ich habe es in meiner damaligen Naivität nur als ein Scherz verstanden, doch erfuhr ich aktuell von einer damaligen Mitstudentin den Hintergrund. Hühnerfleisch war in vielen Familien etwas Besonderes und entsprechend war die Frage nach den Hühnern, ob es wirtschaftlich so gut geht, dass man Fleisch essen kann.
Das Jahr zuvor war ich mehr als einem Monat in einem Dorf in den nördlichen Pare-Bergen und dort hatte ich diesen Gruß nie gehört und auch erlebt, wie selten Fleisch gegessen wurde.
Nach Monaten hörte ich endlich auch einen Gruß, der mir vertrauter klang, als die ständige positive Bestätigung. Es nervte manchmal schon, dass egal, wie es einen ging, stets nur positive Antworten "erlaubt" waren. An der Universität wurde die höfliche Frage nach Nachrichten - zu welchem Thema auch immer - manchmal mit "hivi hivi" und einer schaukelnden Drehung aus dem Handgelenk beantwortet. Die Antwort kannte ich bisher nur aus dem Französischen - "comme ci, comme ça", das mit dem Englischen "so-so" und unserm "geht so" zu übersetzen wäre.
Ich wurde schließlich wahrscheinlich als ein unhöflicher Mensch angesehen, da ich von da an viel zu oft mit "hivi hivi" antwortete. Doch das war mir irgendwann egal, denn ich wollte entweder ein Gespräch führen oder meine Ruhe haben und meinen Gedanken nachhängen.
Die begrüßenden Worten im Deutschen wie ich es kenne, sind viel direkter und akzeptiert viele Antworten, die zu einer Nachfrage einladen. Diesem wurde ich mir erst während meinem Auslandsjahr voll bewusst.
Thanx to Karen and Charlie for there Feedback and comments on some of my memories about our year at the UDSM. "Vipi mambo?"
- - - - -
Da ich auch schon früher über Grüße geschrieben habe, verweise ich auf den Beitrag zu zwei Beispielen von poetischen Grüßen und den Beitrag über missverständliche Gesten.
Dies förderte zum einen die Herausbildung einer Identität, da diese sich fast immer in Abgrenzung zu Anderen herausbildet. Oder wie ich im Europa-Kolleg gelernt habe (nun doch akademisch): die Identität aus der Alterität.
Das Andere zeigt dann, was diese (und ich als kritischer Selbstbeobachter) als typisch Deutsch bezeichnen und fördert eine Auseinandersetzung mit den Stereotypen.
Dies fängt bereits beim begrüßenden small talk an.
Es war zu Beginn meines zweiten Tanzania-Aufenthalts als ich zur Einführung in ein Studienjahr an der Universität Dar es Salaam Kiswahili lernte. In diesem Intensivkurs erfuhr ich dass Begegnungen und Begrüßung viel freundlicher beginnen können, als ich es aus dem Deutschen gewohnt war.
Es war befremdlich. Egal, was gefragt wurde, stets wurde eine positive Antwort erwartet und gegeben. Es brauchte einige Monate bis ich das Begrüßungsritual verstand, es kam mir wie ein Abtasten vor. Doch es wurde stets ein Eis (merkwürdiges Bild für die feuchten Tropen!) gebrochen und danach konnte ein Gespräch oder gleich das Verabschiedungsritual beginnen.
Studierende haben ihre eigenen Grüße. Das gilt für Deutschland, wo ich bereits des öfteren in der Etymologie den Hinweis fand, dass ein Wort, eine Konnotation oder eine Phrase vor ein, zwei oder mehr Jahrhunderten im studentischen Milieu entstanden ist. An der Chuo Kikuu cha Dar es Salaam war es u. a. der Gruß "Habari kuku" (hast du Nachrichten von den Hühnern?). Ich habe es in meiner damaligen Naivität nur als ein Scherz verstanden, doch erfuhr ich aktuell von einer damaligen Mitstudentin den Hintergrund. Hühnerfleisch war in vielen Familien etwas Besonderes und entsprechend war die Frage nach den Hühnern, ob es wirtschaftlich so gut geht, dass man Fleisch essen kann.
Das Jahr zuvor war ich mehr als einem Monat in einem Dorf in den nördlichen Pare-Bergen und dort hatte ich diesen Gruß nie gehört und auch erlebt, wie selten Fleisch gegessen wurde.
Nach Monaten hörte ich endlich auch einen Gruß, der mir vertrauter klang, als die ständige positive Bestätigung. Es nervte manchmal schon, dass egal, wie es einen ging, stets nur positive Antworten "erlaubt" waren. An der Universität wurde die höfliche Frage nach Nachrichten - zu welchem Thema auch immer - manchmal mit "hivi hivi" und einer schaukelnden Drehung aus dem Handgelenk beantwortet. Die Antwort kannte ich bisher nur aus dem Französischen - "comme ci, comme ça", das mit dem Englischen "so-so" und unserm "geht so" zu übersetzen wäre.
Ich wurde schließlich wahrscheinlich als ein unhöflicher Mensch angesehen, da ich von da an viel zu oft mit "hivi hivi" antwortete. Doch das war mir irgendwann egal, denn ich wollte entweder ein Gespräch führen oder meine Ruhe haben und meinen Gedanken nachhängen.
Die begrüßenden Worten im Deutschen wie ich es kenne, sind viel direkter und akzeptiert viele Antworten, die zu einer Nachfrage einladen. Diesem wurde ich mir erst während meinem Auslandsjahr voll bewusst.
Thanx to Karen and Charlie for there Feedback and comments on some of my memories about our year at the UDSM. "Vipi mambo?"
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Da ich auch schon früher über Grüße geschrieben habe, verweise ich auf den Beitrag zu zwei Beispielen von poetischen Grüßen und den Beitrag über missverständliche Gesten.
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