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Sonntag, 10. März 2019

Wahlprognose Europaparlament Grüne Fraktion

Es gibt eine neue Webseite, welche die Prognosen für die Wahl zum Europa-Parlament zusammenführt.
https://europeanelectionsstats.eu
Mich interessiert eigentlich nur, wie sich die künftige Fraktion Grüne/Europäische Freie Allianz zusammensetzt. Zur Zeit hat diese Fraktion 52 Mitglieder, wovon 41 Mitglied einer Partei sind, die sich in der Europäischen Grünen Partei zusammengeschlossen haben.
52 Mitglieder aus 27 Parteien (plus zwei parteilos) aus 18 Ländern.

Nach der aktuellen Prognose von Mitte Mai wird die neue Fraktion sich nur noch aus 49 Mitgliedern aus 14 Ländern zusammensetzen.



Bisher Prognose
Belgien 2 4
Dänemark 1 1
Deutschland 13 20
Estland 1 0
Finnland 1 2
Frankreich 6 6
Italien 1 0
Kroatien 1 0
Lettland 1 1
Litauen 1 3
Luxemburg 1 1
Niederlande 2 3
Österreich 3 1
Slowenien 1 0
Spanien 5 3
Schweden 4 2
Ungarn 2 1
Vereinigte Königreich 6 9
GESAMT 52 49
Bulgarien, Griechenland, Irland, Malta, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Tschechien, Zypern von 0 zu 0.

Ich habe verzichtet Malta und Zypern auf der Karte darzustellen, da in diesen Ländern wie auch in den grau dargestellten Ländern grüne Politik keine Chance hat.
Erfolgreiche grüne Parteien gibt es eigentlich nur im zentralen Westeuropa und Finnland. Die litauische Bauernpartei ist nur den Namen nach auch eine grüne Partei.
Das macht das ungewöhnliche des EU-Parlaments aus. Ohne Hürde erhalten viele Parteien einen Sitz im EU-Parlament.
Ich werde weiterhin die Webseite auswerten und diesen Beitrag aktualisieren oder weitere Beträge daraus erstellen.

Dienstag, 1. Januar 2019

2018 - wärmste Jahr in Hannover

Die Station Hannover-Langenhagen des Deutsche Wetterdienst  hat die Tageswerte für Silvester veröffentlicht und es ist wohl keine Überraschung, dass auch für Hannover gesagt werden kann:
2018 war das wärmste Jahr seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen.
Dargestellt sind die Jahresdurchschnittstemperaturen, der fünfjährige Durchschnitt und der 30-jährige-Durchschnitt, der 2018 erstmals die 10°-Grenze überschritt.

Die Top 5 Jahre bei den Temperaturen sind aktuell:
2018: 11,15°
2014: 11,14°
2015: 10,88°
2000: 10,75°
1999: 10,61° 
Die Referenztemperatur (Klimanormalwert) ist der Mittelwert für die Jahre 1961-1990. 8,9°, das Jahr 2018 war 2,25° zu warm.
(siehe auch den vorherigen Beitrag)

Es gab schon andere warme Jahre, aber seit den 1990-er Jahren wird immer wieder neue Rekorde aufgestellt. Seit 1936 steht die Wetterstation des heutigen DWD am Flughafen Hannover-Langenhagen. Frühere Werte sind entsprechend nicht vollumfänglich vergleichbar. Es gab vor 1936 nur ein warmes Jahr, das in die TOP 5 aufrücken würde. Doch dieses Jahr war eine Singularität im Vergleich zu den Vorjahren und den folgenden Jahren:
(1867: 9,0°) 1868: 10,74° (1869: 9,39°).

Die Veränderung der Temperatur ist nur ein Aspekt des reginalen Klimawandels, doch der einzige, der allen Menschen die Veränderung zeigt.
(Messwerte von der Webseite der DWD. Berechnung von Durchschnittswerten und Graphiken vom Autor)

Samstag, 7. Juli 2018

Farbenwechsel-Deutschland-Belgien


Man nehme eine nicht mehr benutzte Deutschlandfahne und schneide den schwarzen Streifen ab.
Die nun getrennten Teile drehe man um Uhrzeigersinn um 90° und befestige den schwarzen Streifen vor dem gelben.
Die deutsche Fahne hat das Format 3 x 5, die belgische 2 x 3.
Entsprechend muss die Fahne beschnitten werden.
Es entstehen zwei Fahnen, die man nun beim Halbfinalspiel der Herrenfußball-WM nutzen kann.

Viel Spaß!

Samstag, 5. Mai 2018

Alkohol - Schottische Verhältnisse in Deutschland

Schottland hat als erstes Land einen Minimalpreis für Alkohol vorgeschrieben.
Eine Einheit von 10 ml reinen Alkohol muss mindestens 50 Pence kosten. Dies entspricht aktuell 57 Cent.

Dann fing ich an zu rechnen, was für Preise müssten in Deutschland verlangt werden?

Bier (Pilsener) 4,8 bis 4,9 Vol.% Alkohol.
Alkohol hat ein spezifisches Gewicht  0,78934 g/cm³.
48 bis 49 * 0,78934 = 37,9-38,7 gr je Liter
Eine Halbliterflasche müsste entsprechend mindestens 1,08 Euro
Eine Knolle (0,33) 0,72 Euro
Ein Kasten (10 l) 21,66 Euro
kosten.

Rotwein mit 12 bis 13,5 Vol.%
94,7 bis 106,6 gr je Liter
Eine Standardflasche von 0,75l müsste für Minimum 4,05 bis 4,56 Euro verkauft werden.

Das harte Zeug hat 32 bis 48 Vol.%
entsprechend 252,6 bis 378,9 gr je Liter
Der Mindest-Preis für einen Flachmann mit 0,1l Inhalt lege zwischen 1,89 und 2,16 Euro.

Zum Vergleich: Eine Halbliterflasche Herrenhäuser Pilsener kostet im Supermarkt 0,60 bis 0,79 Euro und am nächsten Kiosk 0,96 Euro.
Ich denke, dass die schottische Idee gut für Deutschland wäre.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Deutsche Tornados für den Irak

Ich lese gerade in einer Meldung der Deutschen Presseagentur dpa, dass die Bundeswehr von ihren letzten funktionierenden Tornados sechs in den Irak verlegen wird. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass von derzeit 93 Tornados, nur 66 im Betrieb und davon nur 29 einsatzbereit sind.
Eine proportionale Darstellung.
Als Anti-Militarist musste ich zunächst lachen, aber die Bundeswehr wird den Kriegseintritt Deutschlands leider dafür nutzen, dass weitere Milliarden an die Rüstungsindustrie gezahlt werden.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Beobachtungen vom Deutschen Jahrmarkt in Hannover

Niedersachsen ist in diesem Jahr für die Ausrichtung des Fests zum Tag der Deutschen Einheit verantwortlich und in Hannover wurde ein großer Festbereich rund um das Neue Rathaus, dem Maschpark und der Hälfte der Maschseeufer eingerichtet und für den Verkehr gesperrt.

Die Feier begann am 2. Oktober und damit an einem Werktag mit seinem üblichen Feierabendverkehr. Die Sperrung der vierspurigen Straßen vorm Neuen Rathaus und entlang des Maschsses hat Konsequenzen. Bisher dachte ich, dass Lesen eine Grundvoraussetzung zum Erwerb eines Führerscheins sei. Die Feier und die umfangreichen Sperrungen werden seit Wochen in den Zeitungen und auf Tafeln an den Straßen angekündigt. Radio, TV und Internet informieren, aber diese Nachrichten haben sehr viele Menschen nicht erreicht. Oder wie ist zu erklären, dass so viele Autos sich rund um die Sperrungen stauten?

Heute war ein guter Tag für ein Spaziergang über das Festgelände. Die heutige Eröffnung war offensichtlich auch nicht wirklich bekannt. Im Bereich, wo sich niedersächsische Institutionen und Firmen vorstellen, habe ich Stände gesehen, an denen mehr Menschen mit Namensschild standen, als Besucher. Es war noch so leer, dass auch Prominente (Regionspräsident Hauke Jagau, Doris Schröder-Köpf, MdL oder Innenminister Boris Pistorius), sofort zu erkennen waren, weil Mitarbeiter sie umgaben. Diese Cluster fielen auf.
Niedersachsen hat in Anlehnung an das EU Motto "In Vielfalt geeint" für die zwei Festtage das Motto "Vereint in Vielfalt" gewählt. Es fiel sofort auf, dass Immigranten und Immigration, nicht nur eigene Präsentationen hatten, sondern dieses Themenfeld erfreulichweise auch in anderen Darstellungen niedersächsischer Institutionen und Ministerien immer wieder auftauchte.

Die Meile der Bundesländer war laaaaangweilig. Ich hatte bereits befürchtet, dass dies vor allem ein Schaulaufen der jeweiligen Tourismusverbände sein würde. Dies wurde nur ergänzt durch länderspezifische Imbisse, Brauereien und Werbung für Firmen und für zwei Bundesländer wurden Frauen in Trachten gesteckt (und dies waren nicht Bayern oder Baden-Württemberg). OK, hier konnte ich einen aktuellen Stadtplan von Bremerhaven abgreifen, aber ansonsten war es oftmals eher peinlich.
Wohl wissend über die herausragende Qualität deutscher Pop-Musik war ich entsetzt, was für Musik einzelne Bundesländer anboten. Kann sein, dass diese Musiker in den Bundesländern geschätzt werden, aber müssen es wirklich kleine Bands sein, die populäre US-Folk und -Pop nachspielen (Brandenburg, Rheinland-Pfalz). Wenn ein Bundesland schon so ein Aufwand betreibt, um sich selbst darzustellen, dann könnten sie auch gute Künstler einkaufen. Ich meine nicht unbedingt die Stars aus TV und Radio, aber TV Noir und die Pop-Musik-Studiengänge bieten für jedes Bundesland entsprechende Künstler, die sogar auf Deutsch singen können (siehe zum Beispiel MINE).

Angenehm waren die Gespräche an den besuchten Ständen. Noch war kein Stress und die Menschen waren freundlich.

Zurück ging es durch den stehenden Verkehr, der durch die Dummheit der Autofahrer, die in die Kreuzungen hineinfuhren, begründet war. Als Radler ging es im Zickzack über die Kreuzungen, auf denen sich bei meinen Grünphasen kein Auto bewegen konnte.
Deutsche Einheit, Hannover 2014

Dienstag, 2. September 2014

Sachsen - Gescheiterte Demokratisierung

Was wollen die Menschen im Sachsen? Die erschreckende Wahlbeteiligung von 49,2% lässt Demokraten ratlos mit dem Kopf schütteln.
3,376 Millionen waren aufgerufen den neuen Landtag zu wählen (Landeswahlleiter). Nur 1,660 Millionen gaben ihre Stimme ab und davon auch noch 22.281 ungültig. Die im neuen Landtag vertretenen Parteien repräsentieren nur 41,8% der Wahlberechtigten.

Am fehlenden Angebot kann es nicht gelegen haben. In Sachsen gab es mit der Linken und der NPD gleich beide Parteien im Landtag, die exemplarisch für linke und rechte Überzeugungen stehen. Zugleich war bereits vor der Wahl klar, dass die konservativ-populistische bis national-liberale Sammlung AfD in den Landtag einziehen würde.
Auf den Stimmzettel fanden sich auch die Piraten, die grüne Konkurrenz Tierschutz, zwei weitere rechte Parteien, die Freien Wähler und die (Spaß-)PARTEI.

Die größeren Parteien (und ich zähle hierzu auch die nicht mehr im Landtag vertretenen NPD+FDP) haben an diese sonstigen Parteien sowohl Stimmen abgegeben, als auch von dort Stimmen gewonnen. Besonders deutlich sticht hier die AfD heraus.

Diese und die folgende Abbildung basieren auf Zahlen von ARD und Infratest dimap und wurden einem Beitrag im Spiegel entnommen. Die Abbildungen sind vom Blogautor.

Der Austausch mit der Gruppe der Nichtwähler war deutlich. CDU und FDP verloren jeweils alleine mehr Stimmen an diese Gruppe, als die AfD dort mobilisieren konnte. Bemerkenswert ist auch der Verlust der NPD. 10.000 Wahlberechtige wurden vom Auftritt der Nazis im Landtag desillusioniert.  

Die Wählerwanderung zu den Nichtwählern ist möglicherweise der Schlüssel zur Erklärung der niedrigen Wahlbeteiligung. Gerade bürgerliche Wähler waren von der bisher regierenden farblosen CDU-FDP-Regierung so enttäuscht, dass diese beiden Parteien für sie nicht mehr wählbar waren, aber der Populismus der AfD auch keine Alternative darstellt.
Es ist also Demokratiemüdigkeit. Die Wähler sind gelangweilt von "Ihren" bevorzugten Parteien.
Ich sehe als Kur für diese Müdigkeit nur eine Senkung der Hürde für den Einzug in die Parlamente. Die vollständige Aufhebung der Prozent-Klausel für die Europawahl, hat dort den Trend zu immer niedriger Wahlbeteiligung gebrochen.

Selbst wenn nur eine 1-Prozent-Hürde formuliert würde, hätten CDU+SPD weiterhin die absolute Mehrheit in Sachsen, aber NPD, FDP, Tierschutz, Piraten und Freie Wähler wären auch vertreten. Neben der Unruhe, die diese Vielfalt erzeugt, sehe ich vor allem eine wachsende Motivation seine politische Ziele in Parlamente zu tragen. In Sachsen würde es weniger als 20.000 Stimmen benötigen, um als Repräsentant im Landtag seine Ziele öffentlich bekannt zu machen. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte besagt, dass Spinner und Nazis nur einmal auftrumpfen und dann entweder nicht mehr gewählt werden oder deutliche Einbußen bei der Stimmenzahl erleben.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Europa und Europawahlen

Wahlergebnisse können wirklich lustig sein. Fast jedem Parteivertreter gelingt es aus einem Ergebnis, mag es auch noch so schlecht sein, etwas Positives zu ziehen. Da wird dann der "Genosse" Trend zitiert und darauf verwiesen, dass Prognosen noch schlechtere Werte erwarten ließen. Oder es wird ein Vergleich zur "???"-Wahl (die letzte Wahl im Land oder Bund) gezogen. Oder man vergleicht seinen Verlust mit den viel höheren Verlusten eines politischen Gegners. Doch die Vergleichsebene sollte natürlich die vorherige Wahl zum gleichen Parlament sein.

Wirtschaftliche Krisen in mehr als einem EU-Staat oder eben die Europawahl lassen aber auch ernsthafte Gedanken zu. Die Krise in Griechenland führte zu interessanten Essays über den (Zu-)Stand der EU. Der französische Philosoph Étienne Balibar schrieb aktuell in der LE MONDE diplomatique ein Plädoyer für Europa.

Doch zurück zum deutschen Wahlergebnis (Bundeswahlleiter). Die Kombination von Europawahl und Kommunalwahl bzw. Volksabstimmungen in einigen Bundesländern hat die Wahlbeteiligung erhöht. Obwohl sich die Zahl der Wahlberechtigten um mehr als 200.000 reduzierte, gingen mehr als 2,91 Millionen mehr von Ihnen zur Wahl. Die Wahlbeteiligung stieg auf immer noch traurige 48,1 Prozent. Da fast 100.000 weniger ihre Stimme ungültig machten, wurden 3 Millionen Stimmen (oder 11,4 Prozent) mehr Stimmen unter den Wahlvorschlägen zu verteilen. Von den etablierten Parteien erhielten nur SPD, CDU und Linke mehr Stimmen als 2009. Die FDP hat ihren Sinn (=Macht!) verloren und verlor Zweidrittel oder 1,9 Millionen ihrer Wahlstimmen. Die beiden anderen Verlierer waren die CSU und die Grünen.
Wenn die 3 Millionen zusätzlichen Stimmen als Maßstab für den Erfolg der Wählermobilisierung genommen wird, dann hat tatsächlich nur die SPD mit 2,5 Millionen zusätzlichen Stimmen gewonnen.

Der andere Sieger ist die AfD mit ihrem xenophoben, antifeministischen, chauvinistischen und EURO-kritischen Wahlkampf (2 Millionen Stimmen).
Ausgehend von einer Mindeststeigerung der eigenen Stimmen von 11,4 Prozent gab es nur wenige "Gewinner" unter den ehemals sonstigen Parteien: Die Piraten steigerten ihre Stimmenanzahl um 85 Prozent, Die Tierschutzpartei um 26 Prozent und die ÖDP um 37 Prozent. Hinzu kommen weitere Parteien, die 2009 nicht zur Europawahl angetreten waren, wie die Nazi-Partei und die Spaßpartei. Parteien unter 100.000 Stimmen werden bei dieser Betrachtung außen vor gelassen. Der Wahlerfolg der Nazis (301.000 Stimmen, 1 Sitz im Europaparlament) relativiert sich dadurch, dass die konkurrierenden REP 238.000 Stimmen verlor.

Nach der alten Sperrklausel von 5% wären nur 25,7 der 29,3 Millionen gültigen Stimmen im Europaparlament berücksichtigt wurden (entsprechend 87,7% der abgegebenen Stimmen). Nach der vom Bundesverfassungsgericht einkassierten reduzierten 3% Sperrklausel hätte sich die Quote auf 91,1% erhöht. Tatsächlich wurden nun 98,2% der gültigen Stimmen für die Sitzverteilung berücksichtigt. Die etablierten Parteien jammern, denn die CDU/CSU hätte nach dem alten Wahlrecht fünf Sitze mehr im Parlament. Auch der Block SPD-Grüne-Linke hätte fünf Sitze mehr.

Meiner Meinung nach ist es aber wichtiger, dass jeder Wahlberechtigte die Chance hat, dass die Partei seiner Wahl auch im Parlament vertreten ist.

Montag, 28. April 2014

Militärbeobachter in der Ukraine

(Foto: OSCE.org)
Mehrere Bundeswehrsoldaten werden von Separatisten in Slawjansk im Osten der Ukraine gefangen gehalten. Da taucht die Frage auf, was machen NATO-Soldaten dort. Die Ukraine ist nicht Mitglied der NATO und wird es nicht werden.

Als diese Frage im Facebook gestellt wurde, wurde sofort darauf hingewiesen, dass es neben den diplomatischen Missionen auch Waffenkontrollen und Militärreform und -kooperation als erklärte Programme der OSZE gibt.
In der deutschen Presse werden die gefangenen Soldaten als OSZE-Militärbeobachter (Der Spiegel, taz) oder europäischen Militärinspekteure (FAZ) bezeichnet.

Die FAZ ist korrekt, aber Spiegel und taz irren und folgt den Verlautbarungen der Nebelwerfer vom Auswärtigen Amt. Es gibt keine OSZE-Militärmission in der Ukraine. Die Militärs sind im Rahmen von bilateralen Verträgen zwischen der Ukraine und den Herkunftsländern der Soldaten vor Ort.
Die OSZE führt in der Ukraine eine Beobachtungsmission durch. Die folgenden Informationen sind alle von der OSZE-Webseite:
OSCE Special Monitoring Mission to Ukraine

Who we are

The Mission consists of over 100 civilian unarmed monitors from OSCE participating States; they are supported in their work by local staff from Ukraine. The team works on a shift basis to ensure cover on the ground 24 hours a day, seven days a week. The Mission’s Head Office is in Kyiv; monitors have been deployed to Kherson, Odessa, Lviv, Ivano-Frankivsk, Kharkiv, Donetsk, Dnepropetrovsk, Chernivtsi, and Luhansk.
(Quelle)

Mandate
The monitors are mandated to contribute to reducing tensions and to help foster peace, stability and security. The Mission engages with authorities at all levels, as well as civil society, ethnic and religious groups and local communities to facilitate dialogue on the ground. The Mission will gather information and report on the security situation, establish and report facts in response to specific incidents, including those concerning alleged violations of fundamental OSCE principles.
(Quelle)

What we do
Conflict prevention and resolution
Developments in Ukraine since November 2013 have resulted in tension and unrest in parts of the country. The Mission is being deployed following a request to the OSCE by Ukraine’s government and a consensus agreement by all 57 OSCE participating States. The monitors are to contribute to reducing tensions and fostering peace, stability and security. They also help to monitor and support the implementation of all OSCE principles and commitments.
(Quelle)
In vier Tweets der OSCE, die auch auf der eigenen Webseite wiederholt werden, wird der Status der Soldaten betont:
1/4 Comms with military observers in Donetsk region lost.Team not OSCE monitors but sent by States under Vienna Doc on military transparency
2/4 All members of the OSCE Special Monitoring Mission and OSCE/ODIHR election observers are safe and accounted for
3/4 Military verification team - led by Germans – and composed of 8 members – 4 Germans, 1 Czech, 1 Danish, 1 Polish, 1 Swedish
4/4 Military verification team sent following invitation from Ukraine under terms of Vienna Document 2011
19:35 - 25. Apr. 2014
(Quelle)

Die Soldaten stammen aus OSCE-Ländern, aber deshalb ist es noch keine OSCE-Mission. (Wenn ich als Bürger eines Staates, der Mitglied der UN ist etwas mache, ist dies schließlich auch UN-Mission.)

Als Teilnehmer einer OSZE-Mission in Zenica, Bosnien (Kommunalwahl 1997) habe ich damals in langen Gesprächen erlebt, dass keiner von uns für zwei Herren im Einsatz war. Wir wurden von der OSZE bezahlt und nur die erhielten unsere Berichte zur Situation in den Dörfern.

Die OSZE verspielt in der Ukraine ihren guten Ruf, wenn sie akzeptiert, dass ihre Mitgliedsstaaten statt "civilian unarmed monitors" (Siehe oben: WHO WE ARE) NATO-Soldaten zum Einsatz bringen und diesen unwidersprochen als OSZE-Mission akzeptiert.
Militärs können in dieser bürgerkriegsähnlichen Situation keine politische Beruhigung bringen.
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Damit es kein Missverständnis gibt. Ich verachte den Kriegstreiber Putin und seine Marionetten im Osten und Süden der Ukraine.

Sonntag, 23. März 2014

Polizeiliche Überreaktion oder Gefahr in Verzug

Die folgende Geschichte passierte am Freitag in einer kleinen Stadt in Niedersachsen und die Informationen stammen von mehreren Personen aus dem unmittelbaren Umfeld des Geschehens.

Gegen Mittag  fuhr ein mit mehreren Beamten besetzter Polizeibulli bei den Nachbarn in die Auffahrt, dann wieder runter und hielt schließlich in der Einfahrt der Zeugin. Es klingelte bei einem Nachbar und nach dem Geräusch des Türöffners waren Stiefeltritte von mehreren Männern zu hören, die zum Nachbarn in der Wohnung darüber gingen.
Es war eine polizeiliche Anzeige eingegangen. Seine Fensterscheibe zum Balkon war von außen an zwei Stellen beschädigt wurden. Irgend etwas war dagegen geschossen wurden. Mit der Anzeige wollte der Nachbar gewährleisten, dass der Vermieter ihn nicht für diesen Schaden haftbar macht. Als mögliche Quelle wurde das etwa 10 Meter entfernte Fenster in der ersten Etage des Nachbarhauses ausgemacht, wo der Anzeigende manchmal Kinder der Nachbarn sah. Von dort wurde scheinbar etwas herüber geworfen oder geschossen, dass zu diesen Schäden geführt hatte.
Die Polizisten gingen deutlich hörbar die Treppe herunter, der Bulli fuhr wieder in die Auffahrt des Nachbarn und mit vier Beamten gingen sie ins Nachbarhaus. Dort war nur der ungefähr fünfzehnjährige Sohn anwesend. Ein Beamter blieb bei dem Kind und die anderen Beamten durchsuchten die Räume und klopften u.a. auch die Wände ab, um mögliche Verstecke aufzuspüren. Der Junge sagte immer wieder, "Ich habe keine Pistole". Es wurde keine Waffe gefunden und die Polizisten verließen das Haus und fuhren davon.
Der Sohn rief seinen Großvater an, der sofort erschien und den schockierten Jugendlichen beruhigte, bis schließlich die Mutter mit den anderen Kindern wieder zurück kam.
Mit Unterstützung der Nachbarin (eine der Quellen dieser Geschichte) gingen alle gemeinsam zur Wohnung des Anzeigenden, der sie herein ließ. Er war auch erschrocken über diesen polizeilichen Einsatz. Er wollte sich nur absichern und hatte die falsche Lösung gewählt. Die Nachbarn haben natürlich eine Haftpflichtversicherung für Schäden, die ihre Kinder anrichten. Warum die Polizei annahm, dass eine Schusswaffe verwendet wurde, obwohl es keine Einschusslöcher gab, sondern nur Spuren von etwas, das an zwei Stellen die Scheibe so massiv getroffen hat, dass diese nun ersetzt werden muss, bleibt ein Rätsel.
Verteidiger der Polizei werden jetzt denken. Da war Gefahr in Verzug und der Einsatz angemessen.

Ich denke, es war eine polizeiliche Überreaktion gegen die einzige türkisch-stämmige Familie in der Nachbarschaft und natürlich wurde damit auch behördlicher Rufmord begangen. Viele der Nachbarn in der Straße sind normale, xenophobe Deutsche und die betroffene Familie hat selbst nach Jahren nur wenige Kontakte in der Straße aufbauen können. Diese Nachbarn werden auch diesen Einsatz gesehen haben und nach den schwachsinnigen Motto "wo viel Rauch, da auch Feuer", ihre ablehnende Haltung gegen die "Türken" in der Straße bestätigt finden.

Samstag, 18. Januar 2014

Arno Schmidt zum Vorlesen - KAFF auch MARE CRISIUM

(Logo auf dem Einband von Imre Reiner)
Von den Romanen von Arno Schmidt empfehle ich stets KAFF auch MARE CRISIUM (1960). Es ist ein Buch, das mit großem Vergnügen mehrmals zu lesen ist.
Es ist Arno Schmidts erstes Werk, dass zwei Erzählebenen klar vom Drucksatz voneinander trennt. Eine Handlung in einem kleinen Dorf Norddeutschlands und eine Handlung auf dem Mond in Raumstationen der USA und der Sowjetunion im Mare Crisium. Die zweite Handlung ist eine Erzählung, die der Protagonist für seine Freundin im Dorf erfindet. Gespräche, Erlebnisse, Beobachtungen und Fragen im Dorf fließen in die Handlung auf dem Mond ein.
(Die Erzählebenen auf jeder Seite: links KAFF | rechts MARE CRISIUM)
Es ist eine Geschichte mit dunklem Humor über das Leben im Dorf und in Deutschland allgemein und eine Farce mit satirischen Elementen auf dem Mond.
Die Geschichte ist schwer zu lesen! Arno Schmidt nutzt verschiedene Mundarten (platt auf der Erde, schlesischer Dialekt) und einige US-Namen werden konsequent in deutscher Aussprache geschrieben (Dschordsch, Schar=lieh). Der phonetische Stil aller nicht hochdeutschen Begriffe in den Dialogen ließ mich beim ersten Lesen immer wieder stocken. Erst als ich begriff, dass Dialoge auch vom Leser gesprochen werden sollen, wurde der Inhalt deutlich.
Das war kurios. Ich las einen Roman, wo ich von Zeit zu Zeit mir selbst Passagen vorlas.
Das macht eine besondere Qualität von diesem Buch aus.

Arno Schmidt hatte eine lange Erfahrung mit dem Verfassen von literarischen "Hörspielen" und nun wurde der Leser zum Akteur. Es ist übrigens ein Buch, das als Ganzes vorgelesen werden kann.

Für mich ist das Buch auch ein Teil meiner Biographie. Im Frühjahr 1988 packte ich meine Sachen für ein Studienjahr an der University of Dar es Salaam in Tanzania. Ich bin wirklich nur mit wenig mehr als 20kg Gepäck losgeflogen. Nur ein deutsches Buch sollte mich begleiten und es war KAFF auch MARE CRISIUM. Im Goethe-Institut konnte ich zwar auch am freien Mittwochnachmittag deutsche Zeitungen und Zeitschriften lesen, aber an der UNI waren da nur Gespräche mit den zwei deutschen Studentinnen, Tagebucheinträge, Briefe aus und nach Deutschland und eben Arno Schmidts Roman, die mich mit meiner Sprache verbanden. Und dort in Tanzania habe ich meiner großen Liebe bei ihrem Besuch fast das ganze Buch vorgelesen.
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Zitate von Arno Schmidt (aus verschiedenen Werken):
Und schließlich meine Empfehlung für die Erzählung "Tina oder über die Unsterblichkeit" für all die Menschen, die Arno Schmidt erst entdecken wollen.

Freitag, 17. Januar 2014

... über Bösgläubigkeit

Im Kontext der öffentlich wieder entdeckten Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt diskutiert die CSU eine "Lex Gurlitt", welches bei Bösgläubigkeit Verjährung aussetzt.  Ich hielt das Wort zunächst für einen Scherz, aber die Juristerei hat viele solcher sprachlicher Kuriosa.
bös|gläu|big [ˈbøːzglɔɪ̯bɪç] ist zum Beispiel jemand, der etwas besitzt, obwohl ihm bekannt ist, dass er dazu nicht berechtigt ist, da es einen anderen Eigentümer gibt. 
Zur Bösgläubigkeit fallen mir gleich noch mehr Beispiele ein:
  • bösgläubig sind Wähler der FDP, die davon ausgehen müssen, dass dieser Verein zum Schaden der Allgemeinheit handelt; 
  • bösgläubig sind Politiker und Finanzberater, die ihre Kunden davor schützen, das widerrechtlich im Ausland verstecktes und nicht versteuertes Vermögen entdeckt wird; 
  • bösgläubig ist Bundespräsident Gauck, wenn er seinem Publikum von der guten Seite der Neoliberalismus  überzeugen möchte;
  • [die Liste kann sicherlich weiter ergänzt werden]

Freitag, 3. Januar 2014

Buch: Alex Capus - 2007 - Eine Frage der Zeit

Lake Tanganyika, Colonial Borders, Tanganyikasee, Deutsch-Ostafrika, Kigoma, Albertville Es ist die Geschichte zweier Männer und ihrer Schiffe. Einmal sahen sie sich aus 100 Meter Entfernung jeweils durch ein Fernglas, ansonsten wussten sie nichts von den anderen. Die beiden Geschichten beginnen in Papenburg und auf dem Gambia.
Die Kolonialzeit und schließlich der 1. Weltkrieg bringen beide zum Tanganyikasee. Der eine als deutscher Schiffsbaumeister, der mit einem kleinen Team das zerlegte Dampfschiff Götzen von Papenburg durch Deutsch-Ostafrika nach Kigoma zum See bringt. Es wurde dort wieder zusammengebaut und erst see- und schließlich kriegstüchtig gemacht. Der andere reist als britischer Marineoffizier mit zwei kleinen Dampfbooten über Südafrika und Rhodesien durch den belgischen Kongo zum Tanganyikasee, um deutsche Schiffe zu zerstören.
Es ist ein angenehmer Plauderton und mit großer Freude wurde bemerkt, dass viele Aspekte der späten deutschen Kolonialzeit und die Orte der Handlung gut recherchiert sind. Selbst die Regenzeit, die jede Arbeit in eine Pause zwingt, ist realistisch geschildert.
Es ist kein kolonialkritisches Werk, es wird aus den Perspektiven der weißen Akteure erzählt und die afrikanische Bevölkerung erscheint nur dort, wo sie außerhalb der Scheuklappen der Akteure erscheint. Doch es geht in diesen Roman schließlich auch um diese Scheuklappen.

Alex Capus
Eine Frage der Zeit
btb-Verlag, München 2010, 350 Seiten

Freundliche Bahnreisende

Der Amsterdam-Berlin-Express war pünktlich und er war sehr voll. In Hannover standen wohl an die hundert Personen auf dem Bahnsteig und warteten darauf, einzusteigen. Nur wenige verließen den Zug und entsprechend wurde es noch voller. Wirklich jeder Sitzplatz war besetzt, selbst die Klappsitze im Fahrradwaggon. In diesem Waggon wurde bis auf eine kleine Gasse, der gesamte Boden mit Gepäck und darauf sitzenden Personen bedeckt.

Und?

Wo ist die Nachricht?

Zwei Stunden Fahrt unter diesen Bedingungen und kein böses Wort, noch nicht einmal als die Schaffnerin die Fahrkarten kontrollierte. Stattdessen immer wieder sogar ein Lächeln.

Und da behaupte noch jemand, dass wir Deutschen nur Nörgeln können.

Samstag, 28. Dezember 2013

Jahresabrechnung 2013

Soeben habe ich meinen Jahresbrief 2013 fertig gestellt und an die Familie und Freunde versandt. Wer den Text lesen möchte, braucht nur eine Notiz via Elektropost oder Gesichterbuch zu schicken.
Hier gibt es nur einen Rückblick auf Blogbeiträge des Jahres. die öffentliche Person ist schließlich eine andere, als der reale Mensch.

Politik regt mich weiterhin auf und an. Da lag natürlich auch an der Landtagswahl in Niedersachsen, den damit verbundenen Outen von Nazis, der Bundestagswahl mit unserer Bundeskanzlerinverwalterin und hier in Hannover der zusätzlichen Wahl des Oberbürgermeisters. Die Dummheit der SPD und das Geblubber und Schweigen vom Bundespr.(ediger) Gauck ließen mich den Kopf schütteln. Dabei gab es interessante Ansätze wie die 1. EU-Bürgerinitiative oder die Offenlegung der NSA-Spitzeleien  oder das Fiskalverbrecher im Netz recherchiert werden können.

Der Tod meines Vaters führte zu Erinnerungen und Trauerarbeit.
Doch es gab auch schöne Momente auf dem Spielplatz, in der Turnhalle und mehrmals im Zoo.

Meine Reisen führten mich in diesem Jahr gleich zweimal nach Berlin, nach London, Königswinter, Budapest zum Europäischen Traum, Stade und Deventer.

Die monatlichen Wetterberichte, der nicht enden wollende Winter 2012/2013 aber auch einen Beitrag über den regionalen Klimawandel am Beispiel des Monats April und den generellen Temperaturanstieg sind auch als Kommentare auf dümmliche Bemerkungen von Klimaskeptikern zu lesen.

Ich kramte ein wenig in meinen Erinnerungen und fand meinen allerersten Brief von meiner ersten Reise nach Ostafrika (1987) und als eine Alumna über ihre Probleme mit einem Studentenvisum berichtete fiel mir mein Erlebnis aus Dar es Salaam (1988/89) ein. Eine Wiedergängerin erinnerte mich an den Beißkrampf der 1980-er Jahre pflegte. Ich musste auch an die Grußkultur in Tanzania denken und ein unangenehmes Erlebnis in Johannesburg vor 18 Jahren.

Kino war nur dreimal Thema, einmal The Hobbit und dann der Nachzug nach Lissabon und Star Trek. Filme gab es vor allem auf DVD, wie zum Beispiel Spielbergs Terminal. Ich fand einen Hinweis auf eine Screwball-Komödie im Netz, die vollständig, im Original und vor allem ohne Werbepausen genossen werde kann.  

Musik war öfters das Thema: Die hannöversche Formation fint stellte ihre 1. EP vor. Das Duo SEA+AIR gab eine wunderschöne Show. Beim digitalen Aufräumen stolperte ich über meinen Konzertbericht Roger Water 2002 und während meiner Arbeit auf der Fête de la Musique Hannover über einen Achim Reichel Song meiner Jugend. Musik gefiel auch im Netz, doch Hand gemachte Live-Musik wie vom französischen Yalta Club oder von MINE sind etwas Besonderes.

Ich habe viel gelesen, aber nicht so viel darüber geschrieben. Im Winter wurden eine Märchensammlung von Charles Perrault gelesen und im Herbst ein Sachbuch über "normale" US-Amerikaner. Literatur hinterließ Spuren in meiner Zitatesammlung, wie zum Beispiel Bemerkenswertes von Arno Schmidt (hier  und hier), Pascal Mercier, William Shakespeare, Gisbert Haefs, Douglas Adams oder Doris Lessing.

Mal sehen was 2014 bringt.

Freitag, 20. September 2013

Hybris: Muttis Raute in Berlin

Es gibt "Kunstwerke", die ich selbst gesehen haben muss, damit ich glaube, dass es sie gibt. Im Netz waren mir schon Varianten des Plakats untergekommen, aber ich dachte stets, dass dies irgendwelche Manipulationen sind, die vor allem das Lachen fördern sollen. Die Merkel-Raute hat sogar einen eigenen Foto-Manipulations-Blog.
 
Wenn Parteipropaganda zu groß wird, dann wird eine intelligent gemeinte Werbekampagne zu einem Symbol von Hybris.
Größenwahn kommt vor dem Fall.
Angela Merkel, CDU, Berlin Hbf, Hauptbahnhof, Raute, Muttis Raute, Riesenplakat, Wahlwerbung, Propaganda
(Foto: JDM / verändert / Berlin 18. September 2013)
Vor dem Hauptbahnhof Berlin, auf 70 x 20 Meter: Muttis Raute.
Sie wird wohl wiedergewählt werden.

Von den Variationen des Plakats gefällt mir die Burns-Raute am Besten:

Donnerstag, 25. Juli 2013

Bundes-Pr. Gauck zum NSA-Skandal


Stille kann befremdlich sein. Da haben wir einen Bundespr., der monothematisch alles unter dem Thema Freiheit behandelt, doch noch immer gibt es keinen Kommentar von ihm zum bisher größten Angriff auf die Freiheit der Deutschen seit dem Jahre 2000.
Doch er hat ja so wenig Zeit, muss zum Beispiel heute am 25. Juli zur Eröffnung der Wagner-Festspiele nach Bayreuth, um sich dort mit dem Rest der politischen Elite an staatlicher Geldverschwendung zu ergötzen.
(Originalfoto: WikiCommons, 2009 Sebastian Hillig. Von mir beschnitten und durch Sprech- bzw. Gedankenblase ergänzt)

Freiheit ist mehr als die Reisefreiheit und die Freiheit der Kunst.
Das digitale Zeitalter mit seinem Internet 2.0, E-Mails, sozialen Netzwerken, etc. ist diesen Herren und der Dame ein Neuland, dass noch zu erforschen ist.
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Nachtrag: Endlich! Am 25. Juli sagte Joachim Gauck in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse:
"Die Angst, unsere Telefonate oder Mails würden von ausländischen Nachrichtendiensten erfasst und gespeichert, schränkt das Freiheitsgefühl ein - und damit besteht die Gefahr, dass die Freiheit an sich beschädigt wird"
(Quelle: PNP 25.07.2013)
Es besteht also Hoffnung, dass es auch mal ein Interview mit einer ernsthaften Zeitung (SZ, Zeit, Spiegel, taz) gibt. Ernsthaft meint hier, dass Redakteure auch mal nachfragen und hinterfragen.Ein kurzes Statement ist angenehm , aber es sollte doch ein wenig mehr sein.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Datensammelwut

Moderne Technik verführt. Der US-Geheimdienst NSA sammelt Daten (Faxe, E-Mails, Telefondaten). Das ist seine Aufgabe und deshalb ist das Erstaunen und die Empörung über das Programm Prism für mich nur bedingt verständlich.

Hier in Deutschland wird auch gesammelt. Von der jeweiligen Landespolizei in den 16 Bundesländern, der Bundespolizei, den 17 Inlandsgeheimdiensten und anderen Institutionen. Sie nennen es präventiv, doch tatsächlich geht es im Kontext von Demonstrationen um Einschüchterung und Kriminalisierung.
Früher war das langwierig. Eine ED-Behandlung dauert und auch die Weitergabe der "Perso"-Daten über Funk bindet "Sicherheits"-Kräfte. Handy-Daten waren zunächst zu komplex. Im Wendland wurde während der jährlichen CASTOR-Festspiele das Handynetz abgeschaltet, um die Kommunikation der Demonstranten zu behindern.
Heute wird die ID-Karte an Polizeisperren gescannt und eine Funkzellenanfrage registriert Handy-Standorte und alle Verbindungen. Die moderne Technik schüchtert mich nicht ein, da die Masse der Daten das System fluten.

Dennoch möchte man schon wissen, was so in den staatlichen Datenspeichern gesammelt wurde und nicht gelöscht wurde.

Ich habe viele der genannten Datenerfassungen zum Teil mehrmals persönlich erlebt. Es waren stets friedliche Demonstrationen gegen Atommüll, Atommüllproduzenten, US-Atomraketen, Diktatorenbesuche, NATO-Manöver, etc.

Die taz verweist nun auf die Datenschutz-Plattform datenschmutz.de. Dort kann mit wenigen Klicks eine unverfänglich formulierte aber zwingende Datenauskunft an verschiedene staatliche Einrichtungen formuliert werden.

Das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung wird nicht immer gewahrt und "Sicherheits"-Behörden muss durch solche Anfragen von vielen Personen immer wieder klar gemacht werden, dass Datensammeln kein Selbstzweck ist.

Übrigens wird auf diesem Weg keine Informationen aus der nicht-digitalen Vergangenheit bekannt und bis zu einer Löschung von Daten ist es dann noch ein langer juristischer Weg.

Bundesdatenschutzgesetz
§ 19 Auskunft an den Betroffenen
(1) Dem Betroffenen ist auf Antrag Auskunft zu erteilen über
1. die zu seiner Person gespeicherten Daten, auch soweit sie sich auf die Herkunft dieser Daten beziehen,
2. die Empfänger oder Kategorien von Empfängern, an die die Daten weitergegeben werden, und
3. den Zweck der Speicherung. (...)
(Vollständiger Text auf dem Server des BM Justiz)

Montag, 25. Februar 2013

rki-Grippeweb sucht Teilnehmende

Das Robert-Koch-Institut, Berlin (rki) ist in Deutschland für die Berichterstattung über die Influenza verantwortlich. Hier finden sich die wöchentlichen Zahlen der klinisch-labordiagnostisch bestätigten Influ­en­za­fälle, der Fallzahlen von akuten Atemwegserkrankungen aus einem großen Kreis von primärmedizinischen Praxen und seit dieser Saison die Zahlen von Individuen, die im Grippeweb zusammengefasst sind.
Die ersten beiden Ebenen helfen bereits bei der Feststellung der zeitlichen und räumlichen Verteilung der Influenzafälle in der jährlichen Saison.
Influenza ist eine lebensgefährliche Krankheit an der und seinen Sekundärerkrankungen etwa ein Prozent der hospitalisierten Fälle stirbt. Für die Influenza-Saison 2008-2009 werden vom rki etwa 19.000 Tote geschätzt (Jahresbericht 2011-2012, S. 38).
Die Epidemiologie, Morbidität und Mortalität der Influenza wird weiterhin nicht voll verstanden und so sind weitere Datenquellen erwünscht.
Das Robert-Koch-Institut sucht Freiwillige, die wöchentlich melden, ob in ihrem Haushalt eine neue akute Atemwegserkrankung ausgebrochen ist. Wer aktuelle Forschung unterstützen möchte sollte sich beim Grippeweb registrieren.
(Modell des Influenza-Virus, Abb. aus der Wikipedia)

Zu meiner persönlichen Motivation verweise ich auf meine langjährige Forschung zur Spanischen Influenza 1918-1920. Zwei kleinere Schriften sind auch hier im Blog zu finden (Unterseite Wissenschaft).
Mit der Influenza-Saison 2012/13 stieg die Zahl der Teilnehmenden am GrippeWeb deutlich an:
(Abbildung aus GrippeWeb beim RKI)
Citizen Science, die Beteiligung von sehr viele Menschen an diesem Forschungsprojekt, wird hoffentlich helfen, einige der Rätsel dieser Krankheit und ihrer Ausbreitung zu lösen.

Montag, 24. Dezember 2012

Europa: Kinderwunsch und Kinderzahl

Während des EKNT in Heidelberg ging es auch einmal um die Frage des Bevölkerungswachstums in Europa und meine Information über die niedrige Zahl der Kinder je Frau (Fertilitätsrate) stieß auf zweifelnde Blicke.
In Europa gibt es mit vier Ausnahmen keinen natürlichen Bevölkerungswachstum mehr. Ich habe hierzu eine Karte erstellt, welche die Zahl der Kinder je Frau zeigt.

Nur Island, Albanien, Kosovo und die Türkei haben mehr als 2 Kinder je Frau. In der Demographie wird eine Kinderzahl von durchschnittlich 2,1 Kindern je Frau angenommen, damit sich eine Bevölkerung erhält.
Die Werte stammen von der Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen, die regelmäßig Bevölkerungsschätzungen und demographische Kennziffern vorlegt (Quelle). Für einige Territorien (Kosovo und Kleinststaaten) wurde auf Zahlen der Weltbank (Quelle) zurückgegriffen.

Das Bevölkerungswachstum der letzten Jahrzehnte in verschiedenen europäischen Staaten (Frankreich, Großbritannien und Niederlande) ist ausschließlich auf Zuwanderung zurückzuführen.
Zuwanderung alleine reicht aber nicht. Deutschland hat in den letzten Jahren bis auf 2008 stets mehr Zuwanderungen als Fortzüge, doch den steht jedes Jahr ein Geburtendefizit (also mehr Todesfälle als Geburten) von mehr als 100.000 gegenüber. 2011 wurden zum Beispiel 662.685 Menschen in Deutschland geboren, aber 852.328 starben (= -189.643), Quelle: Statistisches Bundesamt.

Doch zurück zu Europa. Hieß es früher, der Osten ist rot, heißt es heute nach meiner Farbauswahl der Osten ist grau. Mit der Ausnahme von Estland, Moldawien, Albanien und vier der Ex-Jugoslawien-Staaten ist in allen Ländern die Zahl der Kinder je Frau auf unter 1,4 gesunken. Bei gleichzeitiger Auswanderung wird in allen diesen Staaten seit mehr als 10 Jahren bereits eine deutliche Bevölkerungsabnahme festgestellt. Deutschland ist wie auch Spanien nur in einer wenig besseren Position. Es gibt in Deutschland auch keine scharfe Differenzierung nach Regionen. Der Landkreis Cloppenburg im Westen von Niedersachsen war lange Zeit Rekordhalter was die Geburtenrate und damit die Zahl der Kinder je Frau angeht. Doch auch dort hat der demographische Wandel begonnen und werden nur noch durchschnittlich 1,9 Kinder je Frau gezählt.

Interessant ist einmal mehr, dass Skandinavien (und Island) plus Großbritannien, Irland und Frankreich den demographischen Wandel abfedern. In Skandinavien ist es sicherlich die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die guten Bildungsmöglichkeiten, welche die Realisierung eines Kinderwunsches erleichtern.

Die Nichtvereinbarkeit von Beruf und Familie wird immer wieder als ein wesentlicher Grund für die geringe Zahl der Kinder je Frau in Deutschland genannt. Wir haben zwar Kinder-Fachgeschäfte, aber Geld alleine macht keine Kinder.

(Foto: JDM, gesehen in Heidelberg, 21.12.2012)