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Sonntag, 10. März 2019

Wahlprognose Europaparlament Grüne Fraktion

Es gibt eine neue Webseite, welche die Prognosen für die Wahl zum Europa-Parlament zusammenführt.
https://europeanelectionsstats.eu
Mich interessiert eigentlich nur, wie sich die künftige Fraktion Grüne/Europäische Freie Allianz zusammensetzt. Zur Zeit hat diese Fraktion 52 Mitglieder, wovon 41 Mitglied einer Partei sind, die sich in der Europäischen Grünen Partei zusammengeschlossen haben.
52 Mitglieder aus 27 Parteien (plus zwei parteilos) aus 18 Ländern.

Nach der aktuellen Prognose von Mitte Mai wird die neue Fraktion sich nur noch aus 49 Mitgliedern aus 14 Ländern zusammensetzen.



Bisher Prognose
Belgien 2 4
Dänemark 1 1
Deutschland 13 20
Estland 1 0
Finnland 1 2
Frankreich 6 6
Italien 1 0
Kroatien 1 0
Lettland 1 1
Litauen 1 3
Luxemburg 1 1
Niederlande 2 3
Österreich 3 1
Slowenien 1 0
Spanien 5 3
Schweden 4 2
Ungarn 2 1
Vereinigte Königreich 6 9
GESAMT 52 49
Bulgarien, Griechenland, Irland, Malta, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Tschechien, Zypern von 0 zu 0.

Ich habe verzichtet Malta und Zypern auf der Karte darzustellen, da in diesen Ländern wie auch in den grau dargestellten Ländern grüne Politik keine Chance hat.
Erfolgreiche grüne Parteien gibt es eigentlich nur im zentralen Westeuropa und Finnland. Die litauische Bauernpartei ist nur den Namen nach auch eine grüne Partei.
Das macht das ungewöhnliche des EU-Parlaments aus. Ohne Hürde erhalten viele Parteien einen Sitz im EU-Parlament.
Ich werde weiterhin die Webseite auswerten und diesen Beitrag aktualisieren oder weitere Beträge daraus erstellen.

Mittwoch, 12. August 2015

Sternschnuppen im August

Ich habe hier bereits mehrmals über die Beobachtung des Sternschnuppenschwarms der Perseiden berichtet. Es war immer wieder beeindruckend, egal ob ich mit Alumni des Europa-Kollegs in Barcelona, Lissabon, Tallinn oder am Balaton zum Himmel schaute oder ob ich es hier in Hannover trotz der Lichtverschmutzung versuchte.
Die Erde zieht jedes Jahr im Hochsommer durch Schweifspuren des Kometen Swift-Tuttle. Diese Staubteilchen sind dann als Sternschnuppen zu sehen. Für uns auf der Erde sieht es so aus, als wenn die Sternschnuppen aus dem Sternbild Perseus kommen. Wer in diese Richtung schaut, wird auf jeden belohnt werden.
Zum Höhepunkt des jährlichen Spektakels um den 12. August können bei guter Sicht Dutzende Sternschnuppen unterschiedlicher Leuchtintensität gesehen werden. Wir haben am Balaton in einer Stunde mehr als 50 Sternschnuppen bewundern können.
Der Radiant, also der scheinbare Ursprung der Sternschnuppen kann schnell gefunden werden.
Dargestellt ist ein Ausschnitt vom nördlichen Sternenhimmel. Ich habe die wesentlichen Sternen der scheinbaren Helligkeit entsprechend in unterschiedlicher Größe dargestellt.
Ausgangspunkt ist der allen bekannte sogenannte große Wagen links unten auf der Abbildung. Die Strecke zwischen seinen beiden hinteren Sternen wird mal fünf genommen und führt zum Polarstern, der Deichsel des kleinen Wagens. Darüber ist das flache W (oder M) von Kassiopeia zu sehen. Auffällig ist in der Nähe Capella, einer der hellsten Sterne am Himmel. Der Blick auf Kassiopeia und Capella führt annähernd zum schwer zu erkennenden Sternzeichen Perseus rechts oben auf der Abbildung.
Eine sternenklare Nacht, eine günstige Mondphase wie 2015, eine Decke, nette Menschen und ein leckeres Getränk und schon kann das Sternschnuppenzählen beginnen.

Dienstag, 11. November 2014

Katalonien und die Unabhängigkeit

Haben sie oder haben sie nicht?

In Katalonien fand eine Volksbefragung zu einer möglichen Unabhängigkeit statt. In dem Jubel über eine 80-prozentige Zustimmung mischen sich Zweifel.
Diese sind nicht in der Idee einer Unabhängigkeit begründet, denn die Autonome Region Katalonien ist wirtschaftlich so stark, dass sie auch als eigener Staat existieren könnte.

Katalonien hat eine wahlberechtigte Bevölkerung von 5,4 bis 6,2 Millionen. Dieser große Unterschied in der Definition, wer wahlberechtigt ist und wer nicht, resultiert aus der Frage, ab welchem Alter man ins Wahllokal darf und welche "Katalanen" abstimmen dürfen. Dies war nur eine Abstimmung in Katalonien, aber mehrere hunderttausend Katalanen leben außerhalb von Katalonien.

Bei der letzten Wahl zum Regionalparlament von Katalonien am 25. November 2012, gab es 3,7 Millionen Wählende (Wahlbeteiligung von 68%) und 3,6 Millionen gültige Stimmen.
Nun haben 1.861.753 für die Unabhängigkeit gestimmt, dass wäre 2012 eine Zustimmungsrate von 52% gewesen. Wenn die höhere Zahl von Wahlberechtigten angenommen würde, wären dies aber nur 44%.
Die Gegner einer Unabhängigkeit haben mit den Füßen abgestimmt und sind nicht zu dieser Abstimmung gegangen. Wenn es tatsächlich eine Volksabstimmung geben würde, dann würden diese Gegner
  • um Stimmen werben und 
  • auch zur Wahl gehen.
Schottland hat gezeigt, dass mit einer Angstkampagne (Katalonien würde durch seine Unabhängigkeit die EU und den Euro-Raum verlassen und ein neuen Antrag auf Aufnahme kann von Rest-Spanien über Jahre verzögert werden), Zweifel gesät werden können und diese zusammen mit den überzeugten Gegnern könnten dazu führen, dass eine Mehrheit für einen Verbleib in Spanien votiert.

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Siehe auch Wikipedia.

Samstag, 16. November 2013

Prestige-Katastrophe 2002 - Keiner schuldig

Diese Woche wurde einmal mehr die Prestige-Umweltkatastrophe vom November 2002 vor Gericht aufgearbeitet (siehe aktuellen Artikel). Damals  havarierte der Tanker "Prestige" vor der galicischen Küste, wurde auf Anweisung spanischen Autoritäten auf den Atlantik geschleppt, wo das Schiff zerbrach und sank. In der Folge verteilten sich mehr als 50.000 Tonnen Schweröl im Meer und wurden in Portugal, Spanien und Frankreich angeschwemmt. Fischfang wurde verboten, unzählige Wasservögel starben und die Strände waren nicht mehr zu nutzen.
Diese Katastrophe führte zu einer der größten Freiwilligen-Aktionen in Europa. Tausende Freiwillige -ohne Unterstützung der konservativen spanischen Regional- und Landesregierung-  reisten im Frühjahr 2003 an die betroffenen Strände und begannen mit den Aufräumarbeiten.
(Foto: Ana Brunbeck - Denkmal für die Freiwilligen in San Vicente del Mar, Galicien)
Das Thema "Prestige" ist tief in der Erinnerung der betroffenen Bevölkerung verankert. Ich musste bei der aktuellen Berichterstattung an die vorbereitenden Hausarbeiten zum Europa-Kolleg 2006 denken. Gleich drei der 20 Abiturientinnen und Abiturienten aus 12 Ländern schrieben über diese Katastrophe. Der Blog zum EK06 ist weiterhin online und ich verweise deshalb auf die Texte einer Schülerin aus Lissabon, und Schülern aus Bilbao und Barcelona.
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Die deutsche Wikipedia erwähnt die Freiwilligen nur in einem Foto. Die englische Wikipedia hat wenigstens ein paar Zeilen zum Beitrag der Freiwilligen, zwei der Freiwilligen haben im Schweizer Magazin "Das Magazin", Ausgabe 6/2013 ein sarkastisches Resümee gezogen. Der Text von Christian Schmidt wird mit großformatigen Fotos von Manuel Bauer illustriert.

Samstag, 16. März 2013

You Are My Sunshine - EK-Erinnerungen

Ein Text über den Sonnenschein

In jedem Jahr habe ich mindestens einen Sonnenschein kennen gelernt, eine Person, die durch ihre Art oder ihr Lächeln auch bei mir ein Lächeln erzeugte und so bereits zum Frühstück den jeweiligen Tag zu einem guten Tag machte.
Es waren dies die "Good Vibrations" oder anders ausgedrückt, das "ich kann dich gut riechen" als Gegensatz zum "den kann ich nicht riechen".
Wenn ich nun auf die Namensliste der zehn Jahrgänge schaue, erzeugen einige Namen weiterhin ein Lächeln, da die positive Erinnerung überwiegt. Es gab Jahre in denen es mehr Sonnenschein gab und Jahre mit weniger; auch war es nicht immer "die", sondern manchmal auch "el", "le" oder "il".

Die moderne Kommunikation und unsere jährlichen EKNT (2013 heißt das Ziel Budapest) erlauben mir, in Kontakt zu bleiben und zu beobachten, wie die Alumni nach der Schule ihren Weg durch die Hochschule oder Universität finden.

Freitag, 9. September 2011

Wo ich am 11.09.2001 war

Das die Anschläge vom 11. September 2011 die Welt verändert haben, wird wohl niemand bezweifeln, der bereits vor diesem Tag bewusst lebte. Es lässt sich in gleich mehreren Themenfeldern der internationalen Politik, Wirtschaft und des Zusammenlebens ein klare Trennlinie zwischen vor/nach diesem Tag ziehen. Einem Tag, der auch in unserem US-amerikanisierten Land oftmals mit dem Kürzel 9/11 bezeichnet wird.
Wie auch bei anderen weltbewegenden Ereignissen (Mondlandung, Tsunami) kommt im Gespräch irgendwann die Frage „und wo warst du, als dich die Nachricht erreichte?“.

Ich war im Industriegebiet von Fallingbostel, Niedersachsen. Ich saß in einem großen Besprechungszimmer eines multinationalen Betriebs und redete mit Arbeitern und Angestellten über die Geschichte der Anwerbung und Immigration von ausländischen Arbeitskräften.
Zu der Zeit arbeitete ich in einem Ausstellungsprojekt der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung zur Zuwanderung nach Niedersachsen seit 1945. Es war ein Termin mit älteren Arbeitnehmern, die in den späten 1960-er Jahren in Spanien angeworben wurden. Meine Aufgabe war es, mögliche Exponate und Interviewpartner für die Landesausstellung einzuwerben. Ich hatte bereits das Projekt vorgestellt und meine Gesprächspartner erzählten in relativ entspannter Atmosphäre aus ihren Biographien. Auf den Tisch lagen bereits einzelne alte Arbeitsgeräte, die damals verwendet wurden.
Plötzlich öffnete sich die Tür, ein Mitarbeiter schaute rein und sagt ganz aufgeregt, dass da ein Flugzeug in ein Hochhaus in New York geflogen ist. Wir schauten ihn an und schauten uns an, aber es wurde kein Wort gesagt. Das Unverständnis erkennend, schloss sich die Tür auch wieder schnell. Wir waren für 1-2 Minuten abgelenkt, sprachen dann aber wieder über das weite Thema Migration und die Schwierigkeiten der Integration.
Der besuchte Industriebetrieb hat vorbildlich gehandelt und für die neuen Arbeiter schon damals Deutschkurse organisiert. Einer der Arbeiter erklärte sich zu diesem Zeitpunkt bereit, dass wir seine Biographie als langes Interviews aufnehmen können und für Texte in der Ausstellung verwenden dürfen. Irgendwann war alles gesagt und ich verließ den Betrieb.

Ich hatte an diesen Nachmittag noch einen weiteren Gesprächstermin in der Stadt. Jemand hatte Exponate für die Gruppe der Flüchtlinge und Vertriebene der Jahre 1945-1950 angeboten und wollte mich vom Werkseingang abholen.
Er kam verspätet und fragte gleich, ob ich schon die Nachricht gehört habe. Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass es kein Unfall, sondern ein Terroranschlag war. Ich hatte davon bisher wenig gehört. In diesem Moment konnte ich nur wenig entgegnen. Wir fuhren zu seinem Haus und hörten unterwegs eine Dauernachrichtensendung. Im Haus wurde zunächst der Fernseher angeschaltet und ich sah zum ersten Mal, wie das zweite Flugzeug in einen Turm des WTC flog und dort explodierte. Wir redeten nicht über den Anlass meines Besuchs, sondern sahen gemeinsam für eine unbestimmte Zeit Fernsehen, sahen den Einsturz des ersten Turms und wieder und wieder den Einschlag des 2. Flugzeugs.
Irgendwann konnte ich diese Bilder nicht mehr sehen. Ich bat schließlich darum, dass wir uns von diesen sprachlos machenden Nachrichten lösen und zum Thema meines Besuchs kommen.
Mir wurden verschiedene Exponate gezeigt. Es gab sogar Einmachgläser, die 1945 auf der Flucht mitgenommen wurden. Ich kann mich heute gar nicht mehr erinnern, ob auch nur ein Exponat dieser Familie für die Ausstellung ausgewählt wurde. Ich hatte aber alle möglichen Objekte notiert und ließ mich dann zum Bahnhof fahren.
Nach langem Warten kam schließlich eine Regionalbahn, die an jeder Milchkanne haltend, mich schließlich zurück nach Hannover brachte. Auf dieser langsamen Annäherung an die Stadt begann ich die Nachricht aus den USA zu verarbeiten.
Ich war nicht alleine im Zug, immer wieder stiegen Menschen zu und aus und manchmal  unterbrachen Gesprächsfetzen meine Gedanken. Da stiegen zum Beispiel zwei aufgeregte männliche Jugendliche ein, die sich über das Gesehene unterhielten. Die gewählten Worte ließen mich zunächst vermuten, dass sie über einen Action Film oder ein Computerspiel sprachen, doch es ging um die Bilder aus New York.
In mir stieg eine Angst auf, denn es war mir sofort klar, dass die Ereignisse in den USA zu einem Krieg führen würden. Zu einem Krieg, der plötzlich anfangen könnte und durch die Solidarität unter den Angreifern und den Angegriffenen viele Länder betreffen würde. Eine konservative US-Regierung mit einer unberechenbaren Führung, konnte auch einfach mal so einen Angriff fliegen. Es war dies eine Angst, die ich seit der Friedensbewegung der frühen 1980-er Jahre nicht mehr gespürt habe.
Der US-Krieg gegen den Terror (Fortsetzung des Krieges gegen Drogen) begann dann später und hatte wenig bis gar nichts mit den Tätern und ihrer Organisation zu tun.
... und damit gebe ich die Eingangsfrage an meine regelmäßigen Leserinnen und Leser weiter: Wo warst du, als dich die Nachricht von den Terror-Anschlägen erreichte?

Freitag, 17. Juni 2011

Diego Guerrero y El Solar de Artistas und OqueStrada beim Masala 2011

Doppelkonzert: Diego Guerrero y El Solar de Artistas aus Spanien und OqueStrada aus Portugal (28. Mai 2011, 21 Uhr Pavillon Hannover

Der Madrileño Diego Guerrero wurde als Flamenco-Sänger angekündigt und dies war in jedem Song zu hören. Doch es wurde nur 1-2 Mal ein Flamenco gespielt. Mehrere Mitglieder der Band sind Jazz-Musiker und so wurde der für den Flamenco typische Gesangsstil vor allem als ein weiteres „Instrument“ genutzt.
Das Konzert war relativ ruhig und dies sowie das relativ hohe Durchschnittsalter im Publikum, das wohl von den Organisatoren erwartet wurde, hatten dazu geführt, dass der gesamte Saal bestuhlt war. Es kostete sechs Euro mehr, um eine definierte Platzkarte zu bekommen. Einige Plätze blieben unbesetzt und nach Konzertbeginn rückten die Platzkartenhalter auf die freien Plätze zusammen und damit wurden an den Rändern der Sitzreihen einige Stühle frei.
Offensichtlich sehe ich bereits so alt aus, dass mir einer der freien Plätze angeboten wurde. 8-)

Doch zurück zur Musik. Mindestens einer der Musiker stammte aus Kuba und brachte die dort populäre Variante der Rumba in einige Stücke mit ein. Besagter Kubaner sang auch zwei Stücke. Es gab viele Soli aller Musiker. In beiden genannten Fällen nahm sich der Flamenco-Sänger zurück und trat in den Hintergrund oder an den Rand der Bühne. Der Sänger war sehr jung und wenn ich es richtig verstanden hatte, war sein erstes Konzert in Deutschland. Die Kommunikation mit dem Publikum erfolgte im gebrochenen Englisch und nachdem er auf Spanisch nachgefragt hatte, ob denn im Publikum Spanisch verstanden wird und ein sehr lautstarkes „SI“ als Antwort kam, vor allem in seiner Muttersprache. Die raue, fast heisere Stimme von Diego Guerrero brachte viel Gefühl in seine Lieder. Da es ein Doppelkonzert war, gab es leider nur eine Zugabe.
Auf der eigenen Website von Diego Guerrero und bei YouTube gibt es mehrere Videos von Konzerten

Von OqueStrada wurde auf den Facebook-Seiten vom Masala ein Live-Video von der YouTube-Plattform empfohlen. Das war viel versprechend. Es war eine Festivalband mit Show-Elementen zu erwarten. Musikalisch werden Lissabon und Fado oftmals verbunden, doch natürlich gibt es viel mehr Musikstile in dieser Stadt am Tejo.
Im Video war bereits zu sehen, dass die Band mit einem Akkordeon, einer Fado-Gitarre und einem Skiffle-Bass (Plastik-Waschwanne mit Besenstil und Band als Saite) drei auffällige Instrumente hat, doch wirklich auffällig war vor allem die Sängerin Marta Miranda. Sie machte immer wieder Tanzschritte, manchmal nur angedeutet, aber oftmals auch quer über die ganze Bühne und damit meine ich jetzt nicht nur Hüftschwung oder so, sondern sie tanzte mit koketten Bewegungen wirklich Schrittfolgen und hatte dabei so eine positive Ausstrahlung, dass es jeweils lautstarke begeisterte Reaktionen aus dem Publikum gab.
Die ist deshalb so bemerkenswert, weil während des ersten Konzerts in ruhigen Passagen neben der Musik nur schwach im Hintergrund die Lüftung zu hören war. Das Publikum wollte jeden einzelnen Klang hören und wurde nur laut in seinem Applaus nach jedem Stück.
Bei OqueStrada tanzte ich manchmal mit, doch auf der Bühne wurde eine Show geboten und so verhinderte mein Blick auf die Bühne, dass ich mich in die Musik fallen ließ.
Der Bassist war auch Sänger und sang im Rap-Stil auf Französisch. Er wurde vorgestellt, als einer von den vielen Europäern, die in den letzten Jahrzehnten nach Portugal reisten und dort blieben. Die Band selbst stammt aus den Stadtteil im Rücken von Christus, auf der südlichen Seite des Tejo. Sie sehen sich im Gegensatz zur historischen Innenstadt und den neuen Vierteln im Norden des Tejo. Es klang wie der Lokalstolz, wie er hier auch für das Viertel in Bremen, Linden in Hannover oder SO36 in Berlin bekannt ist.

In der Band war Marta Miranda die Sängerin und Tänzerin, aber es war nicht MM & OqueStrada. Sie ist ein Teil der Band. Wenn sie nicht sang, ging sie aus dem Scheinwerferlicht und stand im Hintergrund oder am Rand und der Trompeter Sandra Manuel war überhaupt nur zu sehen, wenn er seinen Einsatz hatte.
Es wurden locker Zitate aus Popklassikern ("Mony, Mony", "Dancing with myself" [beide Billy Idol]) in ein Stück eingeflochten und ein Bekannter meinte sogar einmal die Titelmelodie von "The Exorcist" zu erkennen. Das ist dann ein spezieller Spaß. Das war ein wunderbares Konzert und für mich ein schöner Abschluss für das diesjährige Festival. Die CD der Band ist eine fröhliche Erinnerung an diesen Abend und dreht und dreht sich.
Zwei sehr schöne Beispiel von dieser CD "Tasca Beat" (2010) sind hier bei YouTube zu hören: Oxalá te veja und Agarrem-me. Und hier geht es zur Webseite von OqueStrada.
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Zurück zum Beitrag Masala 2011 mit Verknüpfungen zu den anderen Konzerten.

Samstag, 11. Juni 2011

Der europäische Gedanke wird zerredet

Im befreundeten Blog von Filipe wird eine Debatte zum europäische Gedanken gewünscht. Die Europäerinnen und Europäer unter meinen Leser sollten deshalb mal hier vorbeischauen und einen Beitrag leisten.

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Mein Beitrag, der eigentlich in Filipes Blog erscheinen sollte, ist zu lang für die Kommentarspalte, die nur 4.096 Zeichen umfassen darf, deshalb folgt er hier:

Ich stimme Filipe zu. Es ist eine veritable Krise.

Die so genannten reichen Länder polemisieren gegen die so genannten armen Länder. Deutschland ist reich, auch wenn die Zahl der verarmten und armen Menschen anwächst (da in der internationalen Statistik das wachsende BIP zählt, und da unsere Reichen heute viel reicher sind als vor 10 Jahren, geht es "uns Deutschen" viel besser als vor 10 Jahren). Unsere Kanzlerin, ihre Regierung aber auch große Teile der Opposition lassen es an Solidarität nicht nur mangeln, sondern tun so (und reden in populistischen Anfällen=intellektuellen Ausfällen) als wäre die Krise von den "Armen" Ländern zu verantworten.
Die wirtschaftliche Krise in den mediterranen Ländern Europas ist nur zum Teil hausgemacht. Es ist banal, wird aber scheinbar immer wieder gerne in der öffentlichen Debatte falsch dargestellt. Es verschwindet kein Geld in Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal. Geld verschwindet nicht, Geld wechselt nur seinen Besitzer. Es ist im Interesse der Rating-Agenturen, Staaten in den Bankrott zu schreiben, da sie dann als Berater damit Geld verdienen. Die Zinsen für Staatsanleihen werden am freien Markt gebildet, obwohl dies auch im europäischen Verbund möglich wäre. Es sollte stets öffentlich thematisiert werden, wohin die Gelder schließlich fließen. Deutsche Banken (u.a.) verdienen sehr viel an der Krise.
Die europäische Krise ist auch und vor allem eine demokratische Krise, denn die Elite (und dies beinhaltet Regierung und parlamentarische Opposition) hat den Schaden durch ihre Kombination von Liberalisierung und angeblicher haushaltspolitischer Austerität den Staat um seine Einnahmen gebracht. Der schon geisteskrank anmutende Wachstumsfetischismus, der die Grundlage diese Sekte (denn es kann kein unendliches Wachstum auf einer endlichen Welt geben und nur Sekten glauben an das Unmögliche) würde alle finanziellen Probleme lösen. Ich musste mich schon an den Kopf fassen, als ich bei den anderen wirtschaftlichen Blasen las, dass Akteure glaubten, dass ein Spekulationsfeuer mehr als ein Strohfeuer ist.
Wirtschaftlich sollten die Staaten es als eine Chance sehen. Vor allem Griechenland ist in seiner internationalen Bewertung so tief gesunken, dass es nun einen großen Schnitt machen kann. Spekulationssteuern (Börsentransaktionssteuern) werden seit Jahren international nicht nur von ATTAC gefordert. Dies wird dann stets von der jeweiligen Regierung nicht weiter verfolgt, da ihnen die Wirtschaft verdeutlicht, was für umfassende Schäden ein Alleingang bedeuten kann. Es würden dann internationale Investitionen abgezogen und keine neuen kommen. Seien wir doch ehrlich, es sind oftmals keine Investitionen (mittel- oder langfristig Ziele) sondern Spekulationen (kurzfristig viel Geld gewinnen). Griechenland, aber auch Spanien und Portugal können nicht weiter verlieren. Sie haben die Chance mit so einer Steuer, die Gefahr von weiteren Strohfeuern in ihren Ländern zu reduzieren. Und dann gibt es natürlich noch die Möglichkeit diejenigen zur Kasse zu beten, die an der vorherigen Spekulation sich dumm und dämlich verdient haben. Das sind keine anonymen Institutionen und Fonds, welche die Blase aufgebaut haben, sondern dahinter stehen Firmen und Manager, die sich auch benennen lassen.
Doch dann bin ich wieder pessimistisch, denn die griechische Politik-Elite ist genauso korrupt, wie in Deutschland, etc.
Ich halte es deshalb auch für keinen Zufall, dass sowohl in Griechenland (googelt mal Aganaktisméni) oder Spanien (Democracia Real Ya) basisdemokratische Bewegungen die bestehenden politischen Parteien herausfordern.

Doch zurück zu Europa und hier vor allem der EU. Es gibt eine europäische Idee und viele von uns glauben an eine europäische Identität. Diese Idee muss von der EU gepflegt und gehegt werden und dies bedeutet, dass die EU sich viel stärker um das europäische ihrer Identität kümmern muss. Es kann nicht angehen, dass es große moralische Erklärungen gibt, aber, dass wenn ein EU-Mitglied diese Grundsätze verletzt, dies nicht offiziell kommentiert wird. Wenn Dänemark Grenzkontrollen will, OK, dann sollen sie auch das Schengenabkommen kündigen und ihrer Bevölkerung klar machen, dass es keine unilaterale Politik innerhalb der EU gibt. Wenn internationaler Handel, Transithandel und internationaler Tourismus als spezielle Form der internationalen Wirtschaft plötzlich wieder Hemmnisse spürt, wird sich dies schnell in Dänemark bemerkbar machen und die aufgehetzte dänische Bevölkerung begreifen, dass geistige Brandstifter systematisch die politische Kultur im Land vergiftet haben.
Oder wenn die polnische und rumänische Regierung lügend behaupten, dass sie keine Foltergefängnisse für die CIA unterhielten, obwohl dies vom Europa-Rat bewiesen wurde. Warum nicht einmal das Stimmrecht eines Landes in der EU für einige Monate suspendieren und EU-Zuschüsse reduzieren. Europa lebt von einer Idee zivilisatorischer Fortschritte und wer auf diese pfeift, sollte befristeter Sanktionen unterliegen.
Die EU sollte mehr als eine Wirtschaftsunion sein!

Montag, 28. September 2009

Europa-Kolleg in Malaga, Andalusien

Das Europa-Kolleg traf sich Anfang September in Málaga und ich hatte die Freunde dabei zu sein. Einige meiner Tagebuchnotizen von diesem Urlaub sind auf den folgenden Seiten zu finden:
Es gibt keine Notizen zu unserer Reise nach Gibraltar und zur Alhambra de Granada. Von diesen Fahrten gibt es viele Fotos. 15 Fotos habe ich nun bei Facebook eingestellt. Stefan und Jakov ihre Bilder sind nun auch bei Facebook zu finden.
Unser Besuch im Museo Picasso Málaga ist auch nicht in Worten gefasst und leider gibt es auch keine Fotos, da dies dort verboten war. Doch ein Besuch lohnt sich, ein Bild bleibt in guter Erinnerung, doch gerade dieses war dann auf keiner der Postkarten im Museumladen zu finden.
(Impression vom kleinen Affenfelsen = Gibraltar)

(es war sonnig und warm in Granada)
(Blick aus der Alhambra auf einen Teil von Granada)

Y ahora?

Malaga – letzte Impressionen

Morgens erscheint im Gegenlicht die Sierra Nevada schemenhaft im Hintergrund und machte mich stets aufs neue neugierig auf eine Wanderung.

Seit dem 10. September änderte sich das Wetter. Wir saßen zu dritt auf dem Balkon und schauten in die Wolken. Wir redeten über Zirruswolken und ich erinnerte an die Faustregel, dass zerrissene Federwolken einen Wetterumschwung anzeigen. S. ließ sein frisches Wissen über Wolken vom Stapel und identifizierte mindestens vier verschiedenen Wolkenarten. Für mich war nur klar, dass mein Erfahrungswissen aus Norddeutschland hier vielleicht nicht anwendbar sei.
Zwei Tage später war die Sonne am Nachmittag nur noch für Stunden zu sehen und ein Unwetter zog vom Landesinneren mit dunklen Wolken und Donner heran, dann aber küstenparallel nach Osten ab.
Der Himmel bezieht sich weiter und ein (er-)frischenden Wind treibt vertrocknete Blätter vor sich hin.
Die Kronen der Palmen am Strand sind in ständiger Bewegung und der Wind bläst den hoch feinen Sand so hoch, dass vom Balkon der Blick auf den Hafen bis über die genannten Kronen getrübt ist.
Im Hafen sah ich wieder eines dieser mehrgeschossigen Kreuzfahrtschiffe (ups, da hätte ich beinahe Kreuzfahrer geschrieben und mich den unseligen Kreuzrittern genähert). Fast jeden Tag scheint eine Reisegesellschaft in Málaga anzulegen und ihre 500-2.000 zahlungskräftigen Touristen für Stunden in die Stadt oder ihr Umland zu entlassen. Eine Basssirene ertönte dreimal und schon bewegte sich das schwimmende, umgekippte Hochhaus aus dem Hafen.

Als ich bereits im Flughafen war, kam aus den dunklen Wolken erstmals doch wirklich ein Nieselregen. Ein schöner Abschluss für einen zweiwöchigen Urlaub in Málaga. Hierhin werde ich sicherlich zurückkehren.
Als wir schließlich am Steigen waren, konnte ich einen Blitz sehen, der hinter Malaga aufleuchtete. Auf dem Meer sah ich viele Schaumkronen. Von oben konnte man die Mündungen der Barrancos klar erkennen. Das Unwetter hatte im Osten von Málaga bereits zu heftigen Regen geführt und immer wieder war eine Schmutzfahne zu sehen, die von der Küste wenige hundert Meter ins Meer reichte und nach Osten sich auflöste. Deutliche Folgen der Erosion nach langer Trockenheit, die selbst aus Tausenden Metern Flughöhe klar zu sehen waren.

Alcazaba de Malaga und die Stadt

Im Palast der Nasriden in der Alcazaba de Málaga ist ein Musterbeispiel für die Visualisierung der Archäologie am Beispiel der Töpferei in der islamischen Zeit zu sehen:
Die Werkzeuge der Wissenschaft, die Fundstellen, die Funde, die Skizzen, die graphische Rekonstruktion von Keramik aus Scherben, die tatsächliche Rekonstruktion. Dies alles Schritt für Schritt in getrennten Vitrinen in einem Rundgang durch den Palast.

Weiter ging es mit den Grundlagen der Keramik vor Ort (Rohstoffe), dem Töpfern bis zum Brennen, einem rekonstruierten Brennofen, die Nutzung der Keramik und schließlich seinem Handel.
Zum Schluss gab es viele keramische Funde zu bestaunen.
Was leider fehlt, war, die Mehrsprachigkeit und mehr Infos über die Bewohner dieser Burg (Zahl, soziale Zusammensetzung, Lebenssituation (Bad, Schlaf, Toiletten)).
(Foto: Stefan R.)
Die gesamte Anlage ist trotz ihrer christlichen Überprägung und Nachnutzung bis ins 19. Jahrhundert immer noch in ihrer alten Struktur zu erahnen und zu bewundern. Die Wasserkünste mit ihren vielen kleinen Kanälen und Springbrunnen schaffen beim Aufstieg zum Palast immer wieder diese angenehmen Orte, in denen das Wasser murmelt und plätschert.
(Foto: Stefan R.)
Eine erste Pause verbrachte ich im Schatten in einem römischen Amphitheater, dass unter der Alcazaba lag. In der Buchhandlung Cultura Andalucia gab es eine Vielzahl von wissenschaftlichen Büchern zu Aspekten der Archäologie, Geschichte und Ethnologie, doch aus mir nicht erfindlichen Gründen, fand ich in keinem der Regale ein Buch über die Alcazaba de Málaga.

Mein Spaziergang durch die Altstadt führt an deren nördlichen Rand entlang. Hier stieß ich auf eine moderne Markthalle. Die Moderne kann aber nicht den besonderen Geruch der vielen Fischhändler verdrängen. Es war ein quirliger Ort. Eine Straße später stieß ich auf einen ungewöhnlichen Laden. Eine Kartoffelchipsmanufaktur! Hier ließ ich mir eine Tüte füllen und die Frische dieses Produkts war ein Erlebnis. Mein Mittagessen wurde in einer sehr lauten Pueblo Bar eingenommen. Der Mittagstisch mit reichhaltiger Fischsuppe und frittiertem Fisch plus ein Getränk kostete dort nur 7 Euro. Das war dann tatsächlich ein Preis wie beim Mittagstisch in deutschen Betrieben. Bevor ich wieder zur Casa reiste, ging ich noch ins Kaufhaus El Corte Inglés wo ich Ruhe, kühle Luft und ein sauberes Klo fand. Mein Ziel noch ein schönes Hemd zu kaufen war hier nicht möglich. Dieses Kaufhaus kannte in der Herrenabteilung nur Markenartikelstände und wenn ein Hemd als Angebot angepriesen wurde, sollte es immer noch 40 Euro kosten. Das ist halt nicht meine Welt.

Shopping in Malaga

Dann war ich alleine. Ich fuhr einmal mehr nach der Siesta in die Stadt mit dem festen Ziel zu Shoppens. Es ging durch Nebenstraßen und alle Läden boten nichts, was meinen Blick festhielt. Dann stand ich plötzlich vor einem Laden mit originellen T-Shirts der Marke Phineas (nicht mit der Disney-Figur verwandt), von der ich davor noch nie etwas gehört hatte.
Viele interessante Motive, doch leider nur wenig in XL. Coole T-Shirts werden offensichtlich nur für schlanke Menschen produziert.
Cambia las reglas de juego

Im Bus dachte ich über die Stadt nach und Malaga ist eine laute Stadt mit viel Müll und Staub.

Wegen der Hitze haben alle Wohnungen Klimaanlagen unter vielen Zimmern an der Außenwand hängen. Sie sind ein Grund für einen konstanten Geräuschpegel und mit ihren Wasserflecken, die einzige Quelle von Feuchtigkeit, was dann auch gleich den Staub erklärt, der nach vielen Monaten Trockenheit leicht zu erklären ist.
Mülleimer sind überall zu sehen, aber die Leute werfen vieles einfach so auf die Straße, wo es regelmäßig von Straßenkehrern aufgelesen wird. Gestern sah ich einen temporären Markt, wo die letzten Textil-Händler ihre Stände abbauten. Auf der vorbeiführenden Straße, die ich im Bus befuhr, lagen die Plastikverpackungen und –Tüten so dicht, dass die Straße bedeckt war. Der Verkehr und die heiße Luft wirbelten an einer Kreuzung leichtes Plastik auf.

In Málaga leben die Menschen in 6, 8, 10 und sogar 14-geschossigen Wohntürmen. In Deutschland wären diese Wohntürme ein Teil der Segregation mit einem hohen Anteil an sozial Deklassierten. Doch hier gibt es auch in Gated Communities der Mittelschicht sechs- und mehrgeschossige Wohnhäuser mit Eingängen, die zu 24 oder mehr Wohnungen führen.
Unsere Casa hatte einen Eingang für 24 Parteien und alle, die man vor oder in einem Fahrstuhl oder im Treppenhaus traf, wurden freundlich gegrüßt.

Sevilla (für L.)

Du hast nichts verpasst, wenn du weder

  • lange Busfahrten
  • Märsche ohne Pause bei 35-39° Celsius
  • vergebliche Suche nach dem Eingang in die Kathedrale mit dem arabischen Turm
  • Staub
  • noch Erschöpfung
magst. Das ist zwar bitter, aber nicht so bitter.
(Impression aus dem Palast. Foto: Jakov S.)

Aber leider muss ich sagen, dass die Real Alcázar Sevilla fast genauso beeindruckend war, wie die Alhambra de Granada und in seinen Details (hier besonders die Wandteppiche) mich noch mehr ansprach.


Verfremdung

Nach 50 Seiten Weltensammler mit seinen Beschreibungen von Gerüchen, Geräuschen und Licht war mir Málaga noch fremder als es sowieso ist.
Die Geräusche mit ihren Wortfetzen, die von draußen zu hören waren, ließen sich als Straßenverkehr und unverständliche Sprache identifizieren.
(Foto: Jakov S.)

Seesternstachel und verbrannte Haut

Spät ging es los. Wir hatten mal wieder bis zum Zenit die Zeit vertrödelt, als es endlich zur S-Bahn ging. Ich ging voraus hatte mir den Weg gemerkt und nach einem Halt in einem Supermercado zur Proviantierung standen wir am Zugang zu der neuen S-Bahnstation Victoria Kent. Für nur 2,05 Euro für ein Rückfahrtticket (noch billiger als der billige Bus) waren die ersten drei Tarifzonen zu erreichen und unser Ziel Benalmádena lag am Anfang der dritten Zone. Wir hatten Glück, die S-Bahn verkehrt nur alle 30 Minuten und wir betraten weniger als 10 Minuten vor der Abfahrt die Station. Der erste an uns vorbeirollende Waggon war voll, so wie dann auch alle folgenden. Viele Menschen hatten Koffer und große Taschen dabei, weshalb ich damit rechnete, dass nach der Station Aeropuerto für uns Sitzplätze frei werden würden. Die Reisenden verließen dann erst in Torremolinos den Zug und uns blieben nur wenige Minuten für einen entspannten Blick auf die Straße.
GoogleMaps bestätigt es, Malaga ist ein Kern einer küstenparallelen Siedlung, die über Marbella hinausgeht und nur dort Lücken aufweist, wo (noch) nicht gebaut werden kann und beiderseits des lärmintensiven Flughafens Málaga.
Als wir in Benalmádena - Arroyo de la Miel ausstiegen, war klar, wie wir zum Strand gehen müssen. Wir waren mehrere Dutzend Meter über den Meterspiegel und nahmen eine Route nach unten, die leider zweimal parallel zur Küste verlief und uns in diesen Momenten keinen Meter näher an den Strand brachte.
Vorbei an einem Hindu-Tempel folgten wir schließlich drei Mädels, die Handtücher dabei hatten. Sie waren zielstrebig und kannten ihren Weg. Mein Scherz, ob wir ihnen auch folgen sollten, wenn sie in einen der Apartmenttürme gehen würden, erzeugte keinen Lacher, aber die drei bogen kurz darauf wirklich in ein Grundstück mit einer 15-geschossigen Wand von Balkonen ab.
Hier war jedoch bereits ein Strandzugang am Ende der steilen Straße zu erahnen, da nur noch Bäume vor dem Meer zu sehen waren.
Am Strand führte ich die Anderen zu einer Gruppe von Palmen. Mein Bedürfnis von Schatten war allen verständlich und hier hatten wir auch das Glück ein wenig Gras vorzufinden.
Die Idee, auf den Strand die Schlappen auszuziehen, war nicht gut. Der gräulich-helle sehr feine Sand war heiß. Trotz einer dicken Hornhaut reichten bereits wenige Meter bis die Hitze zu spüren war. Es war eins ehr schneller Gang zu den Palmen.
Kaum lagen Handtücher und Rucksäcke entschwand die halbe Gruppe zur wilden See, die sich auf Höhe der Palmen an Felsen brach, aber links und rechts davon gab es eine Bucht, wo die großen Wellen auf den Strand rollten. Ich zögerte zu lange und als ich in die linke Bucht ging, in der ich die anderen vermutete, waren sie(vor allem ohne Brille) nicht mehr zu sehen. Da andere in der Brandung und dahinter, dort wo sich die Wellen auftürmten ihren Spaß hatten, ging ich ohne Begleitung ins Wasser. Es waren Wellen, wie ich sie seit Puerto de la Cruz auf Tenerife nicht mehr erlebt hatte. Nach den Brechen hatten die Wellen noch so viel Kraft und Höhe, dass es ein Kampf war, auf den Beinen zu bleiben. Die Brecher waren an einer Kante, an der mit einem Schritt das Wasser in einem Wellental von Kniehoch zu Hüpfhoch vertiefte. Hier erwischten einen nur die großen Brecher, die sich bereits vor dieser Kante, die normalen Wellen stiegen auf über Schulterhöhe und brachen sich direkt hinter einen.
Statt einem Spiel in den Wellen, spielten die Wellen mit mir.
Mit einem Adrenalinkick ging ich heraus und sah die einzige Nichtschwimmerin in unserer Gruppe in der Nähe am Strand. Wir versuchten nun zu zweit in der Brandung das Meer zu erleben, doch die Wellen waren einfach zu groß und kräftig.
Da ich in der anderen Bucht mehr Kinder gesehen hatte, hoffte ich dort ruhige Brandung zu finden und wir gingen in den auflaufenden Wellen dorthin. Doch auch hier spielten die Wellen mit uns und Sie verlor gleich zweimal in einem Brecher jeglichen Halt und wurde an Land gespült. Das war dann kein Spaß mehr und kein Weg, die Angst vorm Wasser abzubauen.
Bis auf diese Momente im Wasser, war ich stets im Schatten, doch indirektes Sonnenlicht und die doppelte Bestrahlung im Wasser erreichte mich im Übermaß.
(Selbst im September kann es heiß in Málaga sein; Werte der Station Málaga Aeropuerto)

Am Strand erlebten wir erstmals auch die Dienstleister, die dort ihren Lebensunterhalt verdienten und die an unserem Strand in Málaga bisher nicht aufgefallen waren. Da waren zum einen die afrikanischen Männer, die von Sonnenbrillen und kleinen Taschen angefangen, viele Waren anboten, bis zu spanischen oder lateinamerikanischen Männer, die einen Kühlkasten geschultert hatten und Wasser und andere Erfrischungen anpriesen. Doch hier gab es auch Asiatinnen, die Massage anboten.


Gleich zwei von uns hatten eine Begegnung mit einem Seestern oder einer anderen Quelle von kleinen, feinen Stacheln, die unerreichbar in Zehen, Ballen und Hacke zurückblieben. Die Schmerzen in den Zehen führten zwei zu einer Apotheke
In einer Strandbar mit schrecklicher Malle-Musik aßen wir Touristen Touristengerichte zu Touristenpreisen, bevor es wieder zurück zum Strand und nun zum kindlichen Spiel (Kanäle, Staudämme) mit dem auflaufenden Wasser ging. Es wurde schon dunkel als wir schließlich den Hang aufwärts zur S-Bahn zurückkehrten.

In der Casa wurden die Stachel inspiziert und die Füße in ein warmes, desinfizierendes Essigbad getaucht. Der Körper würde in wenigen Tagen diese Fremdkörper wieder freigeben und die Rötung um einen dunklen Punkt zeigte zwar eine Entzündung, doch selbst diese sollte ohne weitere Behandlung schnell wieder abklingen.
Vorm Spiegel im Bad zeigte sich die Verbrennung aller Vitiligo-Flecken und des Brustkorbs. Intensive Spannung der Haut hatte so etwas bereits vermuten lassen.
(Beispiel für Vitiligo)

Dennoch war es ein schöner Tag am Strand! Y ahora?

Konsequenz vor Melilla

Dann waren wir doch nur zu fünft, die sich am Abend zum Hafen aufmachten, um die Nachtfähre nach Melilla zu nehmen. Einige Stunden vor Abfahrt gingen wir an dem Schiff vorbei, um am Fahrkartenschalter unsere telefonischen Reservierungen in reale, bezahlte Fahrkarten zu verwandeln. Von außen gab es keinen schriftlichen Hinweis darauf, dass das Gebäude, was wir ansteuerten, auch das richtige war, doch wie Reisende Aussehende standen vor der Längsseite mit Gepäck und es war dann auch die Halle mit zwei unterschiedlichen Schaltern mit Wartenden.
Am Schalter war es die gleiche verschnarchte Geschwindigkeit wie ich sie an Schaltern in Dar es Salaam oder Accra erlebt hatte. Wir waren wirklich kurz vor Afrika, nur hatten die hier Computer, die offensichtlich nichts vereinfachten oder beschleunigten. Doch mit einer Gruppe vergeht jedes Warten angenehm. Wir kamen dran, nur um zu erfahren, dass wir in der falschen Schlange standen und wechselten zum Ende der anderen Schlange.
Die neue Wartezeit verbrachte ich mit dem Lesen der verschiedenen bi- und trilingualen Hinweistafeln und –texte, aber entweder gab es eine Hafengeheimsprache oder ich fand einfach nicht den Hinweis, dass wir nun in der richtigen Schlange standen. Wissens, das für Residents Spezialtarife gelten, ging ich interessiert die Liste aller Tarife durch und fand dann auch die Spalte, die anzeigte, dass diese Gruppe mehr als 30 Euro für einen Rückfahrschein bezahlen muss. Ich war irritiert, dass neben den Transportkosten noch drei weitere Spalten (Hafengebühr, Servicepauschale, BAF) zu finden war. Das Internet hatte uns Kosten von 59,40 bis 82,40 für eine normale Reise oder für eine Kombination von Normal- und Expressfähre genannt. Letzteres war so schon bitter. 82 Euro für einen Aufenthalt von etwa acht Stunden, um nach der Rückkehr nach Málaga auch den Rückflug zu erreichen.
Zweifel kamen auf. Standen Zeit, Neugier und Spaß in einem vernünftigen Verhältnis zu den erwarteten Ausgaben? Ich schlug vor, dass wir eine Kostenobergrenze definieren. Es wurden Zahlen genannt und als wir schließlich am Schalter dran waren, Reservierungsnummer und Pässe durchgereicht hatten, erfuhren wir, dass die Grenze überschritten wurde und ließen uns die Ausweise zurückgeben und standen wieder auf der Straße.
Ein Fehler? Vielleicht!

Heute beim Schreiben diese Zeilen fällt mir ein, dass wir keinen Solidaritätspakt abgeschlossen hatten, wie damals für die Fähre HEL-TLN-HEL oder zwei Tage später im Real Alcazar in Sevilla. Wir hätten 66,60 bzw. 89 Euro gezahlt. Wenn wir 68-70 Euro in den Topf geworfen hätten, wären es nur 73-81 Euro für die Expressversion gewesen.

Das ist zwar bitter, aber nicht so bitter. Was macht man mit so einer angefangenen Nacht und dem gesparten Geld?


Wir gingen sehr gut Essen, danach durch die spätabendliche Stadt zur Kathedrale, wo es noch einen Nachtisch gab und hörten schließlich das doppelte Signal der abfahrenden Fä
hre. Erst jetzt riefen in der Casa an, um unsere unerwartete Rückkehr anzukündigen.


Es war ein schöner Abend!

Donnerstag, 17. September 2009

Von HAJ via PMI nach AGP

Als Beitrag möglichen Stress zu reduzieren, hatte ich mir vorgenommen, mehr als zwei Stunden vor dem Abflug am Schalter von Air Berlin zu erscheinen. Mit diesem Zeitplan schuf ich mir Stress.
Duschen, Putzen von Bad und Klo, ein letzter Abwasch und plötzlich waren nur noch 25 Minuten um meinen Kaffee zu trinken und gefrühstückt hatte ich auch noch nicht. Also Stullen geschmiert und letztmalig meine Pflanzen gewässert. Erst auf der Straße merkte ich deutlich, dass eines der Räder am Koffer nicht immer rollte, so schleifte ich meine etwa 20 kg zum Lister Platz und zog mehrmals eine schwarze Spur.
Mein kümmerliches Frühstück aus dem restlichen Knäcke mit viel NN-Creme und Banane (oder die Kunst systematisch vor einer Reise alles Verderbliche zu essen) wurde in der S-Bahn begonnen.
Am Schalter hieß es dann, dass sich der Abflug verzögert. Die Umsteigezeit auf Mallorca reduzierte sich nach Angaben der Frau am Schalter auf weniger als eine halbe Stunde. Doch mir wurde gesagt, dass dies zu schaffen sein und mir wurden entsprechend Boarding-Karten bis Malle und bis Málaga gegeben.
Ich hatte alles versucht, aber mein Koffer wog 20,7 kg, was kann ich hinter mir lassen?
Ich lungerte im Flughafen herum, aß meine Reste, las, doch die Unruhe führte mich immer wieder zur elektronischen Anzeige. Zwischendurch zeigte die Anzeige, dass der Flug vielleicht nicht ganz so verspätet starten würde, doch dieser Optimismus wurde wieder aufgehoben und ich war froh, als endlich die Maschine, die mich auf einer ersten Etappe bis PMI bringen sollte, ihre Passagiere entließ.
Die Zeit im internationalen Bereich verging und mit dem Wissen, dass die Zeit zwischen der Ankunft in PMI und dem Weiterflug nach Málaga sehr knapp wird und ich entsprechend in einem fremden Flughafen hetzen würde, nahm ich Platz. Es war deshalb kein entspannter Flug und die Minuten zwischen Andocken in PMI und der ersten Bewegung in der Schlange der Passagiere verging zäh. Murphy ließ grüßen, ich hatte keine Zeit, saß in Reihe 25 und wartete weiter, dass die Bewegung auch mich erreichte. In den Gängen drängte ich mich an entspannten Urlaubern vorbei und stand plötzlich im Flughafen. Mein Blick suchte eine Anzeigetafel oder andere Hinweise auf meine Weiterreise. An dem Gate aus dem ich stürmte, stand als nächstes Flugziel MALAGA.
Verfluchte, ignorante Air Berlin-Deppen am Check-In in Hannover! Das hätte die Frau doch wissen können, dass das Flugzeug aus Hannover nach Palma de Mallorca dann weiter nach Málaga fliegt. Ich hätte einen entspannten Flug gehabt.
Die negative Energie hätte ich heraus schreien können, steckte ich dann aber ersatzweise in einen langen Spaziergang durch den Terminal und stieg erst wieder in das Flugzeug als die Schlange der Einsteigenden sich langsam auflöste.
(Foto: Stefan R.)

In Málaga erwartete mich Wärme und als ich endlich mein Gepäck in den Händen hatte, war auch bereits ein weiterer Teilnehmer aus Mainz gelandet und so fuhren wir gemeinsam in die Stadt und schleppten unser Gepäck mit einem Halt zum Wassertanken und für einen Snack an einem Día Discounter (Air Berlin hat kein Mittagessen im Preis inbegriffen) zur Casa in der Residencia San Carlos, wo wir freudig begrüßt wurden.

Eine Dusche später war die Welt wieder schön und nachdem spät am Abend ein weiterer Teilnehmer aus Dublin ankam ging es im Dunklen erstmals an den SEHR nahen Strand zum Plantschen und Schwimmen.

Mittwoch, 2. September 2009

EKNT09 Malaga


. . . und wieder trifft sich das Europa-Kolleg. Teilnehmende aus den Jahrgängen 2004 bis 2008 sind in Málaga oder auf dem Weg dorthin.

Nun sind wir nur zu zehnt (SkyEurope ist pleite und vier von uns strandeten auf dem Flugplatz Prag) und sind aus Heidelberg, Mainz, Hannover, Helsinki, Barcelona, Budapest, Tartu, München und Dublin angereist.

Wir waren bereits in Gibraltar und in der Alhambra de Granada und es gibt Unmengen von Fotos von dort, aus Málaga und hier speziell vom Pool und vom Strand, der tatsächlich in Sichtweite ist.

Die Gespräche sind gehaltvoll und lustig und gestern (sprich heute Morgen) ging es auf den Sonnenaufgang zu.

Nachtrag: Und dann ging es noch ins wunderschöne Sevilla.
Viel zu sehen, riechen, schmecken, hören und zu bereden, beschreiben, erinnern.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Crianza Tinto aus Navarra von 2003

Was für eine leckere Entdeckung! Der Gewinncoupon von einem der Table-Quiz-Abende 2008 wurde endlich beim Weinladen "Federweißer" am Lindener Marktplatz eingelöst. Ich bat um einen kräftigen Rotwein wie einem Chianti oder Spätburgunder. Italienischer Chianti Classico ist kostbar und eine Flasche hätte mehr als die 12 Euro vom Gutschein gekostet. Auf die Frage nach einer Alternative wurde mir spanischer Rotwein empfohlen.
Ich ließ mir zwei verschiedene Crianza Tinto einpacken, legte noch ein wenig auf die Gewinnsumme drauf und war gespannt.
Gestern öffnete ich nun den Crianza Rotwein 2003 von Marco Real aus Olite in Navarra. Die spanischen und englischen Informationen sprachen von einem 12 Monate in Eichenfässer gelagerten Rotwein aus Tempranillo und Cabernet Sauvignon Trauben. Mit 14,5%vol. war ein sehr schwerer Wein zu erwarten.
Ach, dieser Duft und dann der erste Schluck. Mein Mund war voller Frucht, ich dachte an Brombeeren und andere Leckereien. als ich das Glas hinstellte, zog der Wein klare Schlieren auf dem Glas. Ein gutes Zeichen!
Und der Wein ist bekömmlich und außer dem Alkohol gut verträglich.

Ich kann mich nur noch einmal wiederholen: Was für eine leckere Entdeckung!

Samstag, 8. September 2007

Licor de Avellanas

Als ich zuletzt vor 20 Monaten auf Teneriffa war, habe ich dort an einer kleinen Wanderung durch eine Vulkanlandschaft teilgenommen. Die Tour endete mit einen kleinen Imbiss, der mit einem regionalem Likör abgeschlossen wurde.
Es war dies ein Licor de Avellanas der Firma Teichenné aus Tarragona mit 24% Vol. Alc. Im Reisegepäck führte ich eine große Flasche Ron Miel und eine kleine Flasche Licor de Avellanas nach Hannover.

Zusammen mit der Familie wurde nun dieser gekühlte Haselnussslikör auf Eis verkostet. Eigentlich bin ich kein Freund von Likör, da der Geschmack den Alkoholgehalt kaschiert. Dieser Likör ist aber etwas Besonderes und dies nicht nur, weil ich hiermit eine Erinnerung verbinde.

Nach zwei Besuchen meiner niederländischen Verwandtschaft ist die kleine Flasche leer und damit ein weiterer Grund vorhanden endlich wieder nach Teneriffa oder einer bisher nicht besuchten kanarischen Insel zu reisen.