Sonntag, 20. Februar 2011

Creole-Wettbewerb im Pavillon Hannover – Tag 1

Am Freitag und Samstag fanden die Wettbewerbskonzerte zum Creole – Globale Musik aus Niedersachsen & Bremen im Kulturzentrum Pavillon in Hannover statt und zwei Bands dürfen nun zum Bundeswettbewerb nach Berlin fahren. Zwei Dutzend Bewerbungen lagen vor und zehn Bands wurden ausgewählt und waren nun eingeladen in jeweils 20 Minuten ihren Beitrag und ihr Verständnis von Weltmusik vorzustellen.
Dies ist bereits das dritte Mal, dass der Creole ausgelobt wird. Als vor vier Jahren dieser Wettbewerb erstmals durchgeführt wurde gab es mit dem Trillke Trio (hier CD-Kritik) eine echte Entdeckung zu feiern.
Die Bands definieren ihre Musik selbst. Es ist schon lustig, diese Selbstbeschreibungen zu lesen, da sich keine ähnelt und zum Teil die Liebe zum Neologismus gepflegt wird. Das ganze Festival war für mich ein Deaf Date, also keine der Bands war mir vorher bekannt. Hier meine subjektiven Eindrücke.

1. Hòlabesh (Oriental-Balkan-Salsa)
Es ist eine schwierige Aufgabe ein Festival zu eröffnen. Dies war auch in den ersten zwei Songs zu hören. Herausragend war die Pianistin Szilvia Csaranko und der Schlagzeuger und Sänger Kaveh Madadi. Ihre Interpretation von Weltmusik verarbeite Latin, Balkan und Mediterrane Musik. Was leider fehlte, war eine echte Spielfreude, die dem Publikum vermittelt wurde. Es war eine relativ kalte Band. Dennoch lag die Messlatte nach dieser Gruppe schon sehr hoch.

2. Indigo Masala (Acoustic-Asian-Fusion)
Die Braunschweiger Formation schaffte neue Klänge. Die Kombination von Sitar, Tabla und Accordion hatte ich bisher noch nicht gehört. Hinzu kam, dass alle drei die Kunst der verbalen Percussion, wie sie seit den Auftritten des Karnataka College of Percussion auch in Deutschland bekannt sind, pflegten. Der Witz von Yogendra übertrug sich schnell auf das Publikum. Er machte launige Zwischenkommentare und der vierte Song über die asiatische Küche als Rap führte zur Begeisterungsrufen. Im Wechsel wurden von den Musiker Speisen genannt und dies klang wirklich wie ein Lied mit Melodie und Rhythmus.

3. Nio + Fivepeace (Urban-Folk-Pop)
Eine Kombination von einer usbekischen Sängerin und einem deutschen Gitarristen klingt zunächst sehr interessant. Leider missfielen mir gleich mehrere Elemente dieses Auftritts. Es fing schon damit an, dass der Gesang mit starken Hall unterstützt wurde. Nilufar Omon hat eine großartige Stimme, doch die wurde durch diesen gewählten Effekt an den Rand gedrängt. Der Gitarrist klang nicht außergewöhnlich. Seine Technik gab es in den 1970-er und 1980-er Jahren in der deutschen politischen Szene der Liedermacher gleich mehrmals. Nur das vierte Stück war großartig. Ich musste meine Augen schließen, um diese herausragende Kombination von Gesang und Gitarre voll genießen zu können.

4. Folk Inn (Floating-World-Folk)
Diese Bremer Band leiht sich überall Rhythmen und Melodien und ist im besten Sinne eine Partyband. Es wurde mediterrane und irisch-amerikanische Musik gespielt. Dabei war der zweite Song ein Square Dance, welcher der Band erlaubte, das Publikum für sich einzunehmen. Ein zerknautschter Strohhut ging durch das Publikum und jeder der diesen Hut aufgesetzt bekam, sollte aufstehen und YII-HAA rufen. Das machte sehr viele mit Begeisterung mit.Optisch war die Band eine Zumutung. Weiße Hosenträger über schwarzen schwarzen Hemden an Hosen, die von Gürteln gehalten wurden sind fast so schlimm wie weiße Socken in Sandalen.

5. Osiris T. (Nu-Celtic-Rock)
Der erste Abend endete mit einer akustischen Herausforderung, die sich viele nach einem Song verweigerten. Die Band hat in ihrer Szene einen Ruf, aber diese Szene war nur in sehr geringer Zahl im Saal zu finden. Gothic mit seinen maskenhaften Gesichtszügen mag zwar auch traditionelle schottische Musik verarbeiten, aber die Band war auf dem falschen Festival. Ob die Musik technisch gut war, kann ich beurteilen, mir gefiel sie einfach nicht. Das Posing gehört vielleicht bei diesem Stil dazu, wirkte aber lächerlich. Ich beteiligte mich nach den zweiten Song an der Abstimmung mit den Füßen. Im Foyer waren bereits Dutzend Zuschauer und vor dem Ende des Auftritts waren wir deutlich über 100 Personen, die zum auch noch deftige Sprüche über diesen Auftritt machten.

Im Gespräch drückte ich Freude über die festgelegte Reihenfolge aus. Die Vorstellung, was wohl passiert wäre, wenn Osiris T. früher gespielt hätte, war sehr unbehaglich.

Am Ende des Abend hatte ich zwei gute Bands gesehen und ging mit einer CD mit sechs Stücken von Hòlabesh nach Hause.
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Der zweite Abend und die Preisverleihung werden in weiteren Blog-Beiträgen geschildert.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Eines Tages fragte der kleine Maulwurf seinen Maulwurfpapa: “ Papa, warum beschäftigen sich so viele Maulwürfe mit Dingen, von denen sie so wenig verstehen ? “
„Wie meinst du das ?“, fragte der Maulwurfpapa.
„Naja“, sagte der kleine Maulwurf, „ so viele von uns versuchen zu beschreiben, wie der Horizont aussieht und die Farbe der Wolken. Manche sagen sogar, dass das Licht eine bestimmte Farbe haben muss, sonst wäre es kein richtiges Licht.“
Der Maulwurfpapa dachte nach, dann sagte er: „ Vielleicht tun sie das alles nur, weil sie noch nie den Horizont oder das Licht gesehen haben.“

Ulaya hat gesagt…

Anonym stammt aus dem Landkreis Wolfenbüttel, der Heimat der Band Osiris T.

Anonym hat gesagt…

Leider konnte ich das Festival nicht besuchen doch der Auftritt von Osiris T. hätte mich denke ich am meisten Interessiert. Nach dem was ich vorher gelesen und bei Youtube gesehen hatte muss es etwas schräger und abgedrehter sein, aber wie Ulaya bei „Nio + Fivepeace“ erwähnte gibt es immer vieles was einfach schon da war. Wenn ich Hannes Wader's oder Biermann's Gitarre hören will schmeiß ich eine meiner CD's oder Platten rein und höre das Original. :-)

Aber Danke für die Rezension des Abends. Zur weiteren Info: Ich komme aus Salzgitter (bevor auch das veröffentlicht wird) und möchte noch meine Enttäuschung über das respektlose Verhalten von Ulaya in Sachen Anonymität und Privatsphäre äußern.

Ulaya hat gesagt…

Ich schreibe selbst Kommentare auf den Seiten von spiegel.de, taz.de, etc. stets mit meinen echten Namen und einem link zum Blog.