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Sonntag, 10. März 2019

Wahlprognose Europaparlament Grüne Fraktion

Es gibt eine neue Webseite, welche die Prognosen für die Wahl zum Europa-Parlament zusammenführt.
https://europeanelectionsstats.eu
Mich interessiert eigentlich nur, wie sich die künftige Fraktion Grüne/Europäische Freie Allianz zusammensetzt. Zur Zeit hat diese Fraktion 52 Mitglieder, wovon 41 Mitglied einer Partei sind, die sich in der Europäischen Grünen Partei zusammengeschlossen haben.
52 Mitglieder aus 27 Parteien (plus zwei parteilos) aus 18 Ländern.

Nach der aktuellen Prognose von Mitte Mai wird die neue Fraktion sich nur noch aus 49 Mitgliedern aus 14 Ländern zusammensetzen.



Bisher Prognose
Belgien 2 4
Dänemark 1 1
Deutschland 13 20
Estland 1 0
Finnland 1 2
Frankreich 6 6
Italien 1 0
Kroatien 1 0
Lettland 1 1
Litauen 1 3
Luxemburg 1 1
Niederlande 2 3
Österreich 3 1
Slowenien 1 0
Spanien 5 3
Schweden 4 2
Ungarn 2 1
Vereinigte Königreich 6 9
GESAMT 52 49
Bulgarien, Griechenland, Irland, Malta, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Tschechien, Zypern von 0 zu 0.

Ich habe verzichtet Malta und Zypern auf der Karte darzustellen, da in diesen Ländern wie auch in den grau dargestellten Ländern grüne Politik keine Chance hat.
Erfolgreiche grüne Parteien gibt es eigentlich nur im zentralen Westeuropa und Finnland. Die litauische Bauernpartei ist nur den Namen nach auch eine grüne Partei.
Das macht das ungewöhnliche des EU-Parlaments aus. Ohne Hürde erhalten viele Parteien einen Sitz im EU-Parlament.
Ich werde weiterhin die Webseite auswerten und diesen Beitrag aktualisieren oder weitere Beträge daraus erstellen.

Samstag, 16. März 2013

You Are My Sunshine - EK-Erinnerungen

Ein Text über den Sonnenschein

In jedem Jahr habe ich mindestens einen Sonnenschein kennen gelernt, eine Person, die durch ihre Art oder ihr Lächeln auch bei mir ein Lächeln erzeugte und so bereits zum Frühstück den jeweiligen Tag zu einem guten Tag machte.
Es waren dies die "Good Vibrations" oder anders ausgedrückt, das "ich kann dich gut riechen" als Gegensatz zum "den kann ich nicht riechen".
Wenn ich nun auf die Namensliste der zehn Jahrgänge schaue, erzeugen einige Namen weiterhin ein Lächeln, da die positive Erinnerung überwiegt. Es gab Jahre in denen es mehr Sonnenschein gab und Jahre mit weniger; auch war es nicht immer "die", sondern manchmal auch "el", "le" oder "il".

Die moderne Kommunikation und unsere jährlichen EKNT (2013 heißt das Ziel Budapest) erlauben mir, in Kontakt zu bleiben und zu beobachten, wie die Alumni nach der Schule ihren Weg durch die Hochschule oder Universität finden.

Donnerstag, 19. April 2012

Filmkritik - Iron Sky - Timo Vuorensola 2012

WARNUNG! Es werden Details des Films genannt. 

Jungs geht ins Kino, das ist ein Film für euch!

Wie kritisiert man eine Film-Satire, die gleich mehrere Genres höchst unterhaltsam umfasst. Denn Iron Sky ist nicht nur eine Satire auf SF-Filme, sondern auch auf Trash-Movies und Kriegsfilme und macht sich umfassend über die reaktionären Republikaner in den USA lustig.
Lustig wäre schon mal ein Stichwort, denn der Film ist lustig, auch wenn viele Witze nicht zu lautem Lachen führen. Alle Namen von Personen, Objekten und Orten sind Anspielungen, die um so lustiger sind, um so mehr Hintergründe bekannt sind. Es ist keine Komödie!

In den 70-er des 20. Jahrhunderts gab es einen so genannten Spruch über die damals noch jungen Neo-Nazis, dass diese ja hinter den Mond leben und keine Ahnung vom Leben in der Realität haben. Dies und eine der wirklich skurrilen Verschwörungstheorien über das Ende von Nazi-Deutschland, welche in Neuschwabenland und Neuberchtesgaden in der Antarktis oder eben auf dem Mond ihre Kräfte sammelten, ist eine von vielen Ausgangsideen dieses Films.

Ja, die Nazis leben auf der dunklen Seite des Mondes und haben damit die gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen der letzten 70 Jahre verpasst. Alle Menschen sind Arier und Menschen mit abweichender Hautfarbe sind unbekannt. Für den Transport werden Kübelwagen (aka Volkswagen Käfer) und Seitenwagenmotorräder (BMW) genutzt. Die Zuse-Rechenmaschine wurde zum Computer, aber es fand nicht der Schritt zur radikalen Verkleinerung der Bauelemente statt. In der Nazi-Mondbasis sehen die Lautsprecher noch aus wie sich öffnende große Tüten.
Die ganze Ausstattung der Siedlung und die Teile der Maschinen, die gezeigt werden, erinnern an Kriegsfilme der 1950-er Jahre und verweisen auf den Stil des Steampunk der seit den späten 1980-er Jahren immer mehr retro-futuristische Bilder ins Kino (u.a. Stadt der verlorenen Kinder, Wild Wild West, Hellboy) brachte.
Angriff der Mond-Nazis. Quelle: http://www.ironsky.net/
Nazi-Satiren haben es in Deutschland schwer. Da schwingen bei uns scheinbar immer wieder die zwei antrainierte Fragen mit
"Darf man darüber Witze machen? - Darf ich darüber lachen?"
Wenn der "deutsche Gruß" mit den Worten Heil Kortzfleisch, Sieg Heil oder Heil Hitler begleitet  oder ein Schwarzer als Neger bezeichnet wird, steckt das Lachen fest.

Die Bösen
Das wäre dann einer dieser stillen Witze, der durch Namen des Führer Kortzfleisch, eine Anspielung auf den überzeugten Nazi General Joachim von Kortzfleisch, noch eine besondere Note erhält. Für diese Rolle wurde Udo Kier gewonnen, der den Bösewicht überzeugend spielt. Was gleich zum Thema Trash führt. In Trash Genre gibt es Darsteller, die so steif agieren, dass dies bereits zum Lachen führt. Der zweite Nazi-Bösewicht (es kommen noch bösen Frauen auf der Erde hinzu) SS-Offizier Klaus Adler -gespielt von Götz Otto- zeigt mit seinem einen Gesicht ohne Ausdruck wie minimalistisch Trash sein kann. Der dritte Bösewicht auf dem Mond ist der verrückte Wissenschaftler, der sicher nicht nur zufällig Ähnlichkeit mit Albert Einstein hat (wieder die Frage: "Darf man darüber lachen?", natürlich!).
Die Bösewichte auf der Erde können lauter belacht werden. Die US-Präsidentin ohne Namen, gespielt von Stephanie Paul, ist eindeutig die reaktionäre Republikanerin Sarah Palin, die an der Seite von John McCain 2008 US-Vizepräsidentin werden wollte und als Tea Party-Drohung auch im Hintergrund des diesjährigen US-Präsidentschaftswahlkampf steht. Ihre Dummheit war bereit im damaligen Wahlkampf sehr unterhaltsam. Hier ist sie die machtbewusste Präsidentin, die mit einer Mondlandung ihre Wiederwahlkampagne sichern möchte und von den Nazis deren Sprachstil übernimmt. Die gezeigte Wahlkampfrede nutzt einerseits die Sprachschablonen der Nazis, zeigt aber gleichzeitig einen Auftritt eines US-Präsidentschaftskandidaten, wie er aus dem US-Wahlkampf hundertfach auch nach Deutschland übertragen wird.
Die andere böse Frau ist die Wahlkampfmanagerin der Präsidentin (gespielt von Peta Sergeant), die zum einen Idee mit der Mondlandung eines schwarzen Astronauten entwickelte und später im Film einen Krieg gegen die Alien-Nazis als Garantie für die Wiederwahl vom Kriegsraumschiff "George W. Bush" anführt (was an den Krieg gegen Albanien im Film "Wag the Dog" erinnert).
Ich verrate nicht viel, wenn ich schreibe, dass alle fünf genannten Bösewichte die Handlung nicht überleben und dennoch gibt es kein Happyend (?).
Eine der Guten. Quelle: http://www.ironsky.net/
Die Guten
Eigentlich gibt es nur zwei positive Protagonisten, die beide nicht wirklich sehr schlau sind.
Da wäre die Tochter des bösen Wissenschaftlers Renate Richter (gespielt von Julia Dietze), welche als idealistische Lehrerin den auf den Mond geborenen Kindern die Nazi-Ideologie und für die Welteroberung die englische Sprache beibringt. Sie ist die Verlobte des als Nachfolger des Führers aufgebauten Klaus Adler. Sie ist soweit Erd-Expertin, wie Sandra Bullock als Lt. Lenina Huxley in Demolition Man Expertin für die 1990-er Jahre ist. Artefakte und Medienkonserven werden mit der Geschichte und der Realität verwechselt.
Und dann ist dort Christopher Kirby als schwarzer Astronaut James Washington. Er ist kein Astronaut sondern Weltraumtourist im Propaganda-Auftrag der US-Präsidentin. Er soll einfach nur schön und schwarz sein und damit neue Wählerschichten erschließen. Er hat keine Ahnung von Raumfahrt, Politik oder Geschichte und nachdem er auf den Mond "arisiert" wurde (bleiche Hautfarbe und blonde, glatte Haare), ist auf zurück auf der Erde nicht mehr das bekannte Model sondern wird zu einem weißen Stadtstreicher, der vor den Nazis hinter dem Mond warnt.

Der finnische Regisseurs Timo Vuorensola und sein Team haben nicht nur die genannten Hauptrollen mit vielen kleinen Anspielungen gefüllt, sondern zitieren auch sonst ausgiebig vor allem aus dem Kanon der großen SF-Serien. Es gibt Verweise auf Alien, 2001 und vor allem auf Star Trek, womit Timo Vuorensola über zehn Jahre mit drei Star Wreck-Produktionen bekannt wurde. (kostenloser Download des letztes Star Wreck Film über archive.org)
Stanley Kubriks Dr. Seltsam war gleich mindestens zwei Mal zu sehen. Nicht nur in der Rolle des arisierten James Washington, der als er dem Führer präsentiert wird, einen zuckenden rechten Arm hat weil er den Hitlergruß unterdrücken will und natürlich in der langen Schlusssequenz, in der bereits der Abspann zu lesen ist.

Es könnte noch viel mehr geschrieben werden, so über die Filmmusik der slowenischen Industrial Band Laibach (die Mond-Nazis auf der tragen statt des Hakenkreuzes das Logo der Band am Oberarm), über weitere Filmzitate und wie Kürzungen den Inhalt eines Films verkehren können (Chaplins Großer Diktator), über Reichsflugscheiben und Zeppeline, über US-Politik, die von den Simposns bekannten kleinen Beschriftungswitze, Nord-Korea und den UN-Sicherheitsrat, ...

... Doch ich ende mal hier und denke, dass dies ein Film ist, der wegen der Vielzahl von Anspielungen zu einem Kultfilm wird, der von seinen Fans wieder und wieder angeschaut wird.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Film ein großes Publikum in den USA findet, da dort Satire nur von einer Minderheit geschätzt wird.
Ich selber gebe dem Film eine 7 (gut mit Einschränkungen) auf meiner von 0-10 reichenden Filmbewertungsskala, doch wenn ich den Film ein zweites und drittes Mal gesehen habe, erhält er vielleicht eine höhere Wertung.

Iron Sky (Finnland, Deutschland, Australien 2012, 93 Minuten)

Mehr kann über den langsam wachsenden Wikipedia-Artikel und die werbende Seite zum Film erfahren werden.
Auf soundcloud.com kann der Song "Under The Iron Sky" von Laibach angehört werden.
- - -
Nachtrag:
Nach neun Wochen hatte der Film in 17 Ländern bereits mehr als 900.000 Besucher. Das Budget für Iron Sky lag bei 7,5 Mio. Euro, wovon 1,2 Mio. Euro durch Crowd Investment und Crowd Funding eingesammelt wurden. Das war sicherlich eine lohnende Investition für die Fans dieser Produktion. Office Mojo verzeichnet einen Gesamtumsatz von mehr als 9 Millionen US-Dollar.

Samstag, 8. Oktober 2011

Paradies am Kattilajärvi

Aus dem Tagebuch zum EKNT11 Talsinki. 10. August 2011

Um 14 Uhr begann dann die Fahrt ins Paradies. Es ging nach Eden, ein Mökki in einem Naturschutzpark nördlich von Espoo. Wir fuhren von Kamppi mit einem Linienbus los und mussten in Espoo umsteigen. Es wurde ländlich und als wir am Nuuksion Pitkäjärvi vorbeifuhren war die Schönheit des Ziels schon zu erahnen. Wir stiegen an der Haltestelle Nuuksio aus und gingen einen befestigen Waldweg nach Nordosten. Es war ein langer Weg, der führte uns zunächst zum Kattilajärvi- einem See im schönsten Sonnenlicht. Das Auto mit den Lebensmitteln und dem Schlüssel zum Mökki war noch nicht da. Einige waren sehr schnell vom Steg im kühlen Wasser und schwammen zu einer Plattform hinaus.
Der Kattilajärvi war tief. Bereits einen Meter vom Steg entfernt war das Wasser mehr als zwei Meter tief, wie einer der Großen mit Händen über den Kopf dokumentierte, als er sich hinstellte und selbst die ausgetreckten Hände unter der Oberfläche verschwanden. Wir waren schließlich mit so vielen Menschen im Wasser, dass die schwimmende Plattform durch unser Gewicht einige Zentimeter unter die Wasseroberfläche gedrückt wurde. Vom Ufer konnte also der Eindruck entstehen, dass einige dort auf dem Wasser stehen oder sitzen. Ähnliches haben wir dann später am schwimmenden Steg versucht und mit mehr als einem Dutzend Personen auf dem Steg verschwand ein Teil im Wasser.
Das Auto kam und wir folgten den Wagen bis zu einem Parkplatz, wo jeder einen Packen nahm und über Felsen und schmalste Wege zum versteckten Mökki ging. Das Mökki war für Gruppen ausgelegt. Es gab eine sehr große gemeinschaftliche Schlaffläche in der 1. Etage und im Erdgeschoss einen langen Tisch mit Bänken, eine große Küche und ein kleines Zimmer mit zwei Betten für die Betreuer. War zwar keiner, aber ohne Widerspruch fand ich dort meinen Schlafplatz.
Die Toilette war ein Plumpsklo etwa 50 Meter entfernt in einem weiteren Holzhaus. Noch einmal mehrere Dutzend Meter entfernt war dann auch die obligatorische Sauna. Es war ein Freude für einige von uns, Holz für die Sauna zu sägen und zu hacken. Eine Gruppe bereitete ein Fischgericht und nach dem Essen begann das Saunen. Aus kulturellen Gründen wurde beschlossen, dass die Sauna nur mit Badekleidung oder Hüfthandtuch aufgesucht werden sollte, da Nacktsauna für einige wohl zu fremd gewesen wäre. Das Saunen zog sich über viele Stunden hin. Die letzten begannen im Mökki Zimtschnecken herzustellen und gingen erst danach zum Schwitzen.
Es wurde dann noch ein Spieleabend, auch wenn ich davon nur wenig mitbekam, weil ich bei zunehmender Müdigkeit mich zurückzog. Am nächsten Morgen war Frühstück und Putzen angesagt und danach gab es noch ein weiteres Bad im Kattilajärvi bevor wir die etwa vier Kilometer zurück zur Straße und damit zur Bushaltestelle gingen.
Ein schöner Tag im Paradies lag hinter uns.

Ein weiterer Beitrag aus dem Reisetagebuch EKNT11 Talsinki.

Freitag, 19. August 2011

EKNT11-Talsinki

... und wieder trafen sich die Alumni des EK. Diesmal in Helsinki und Tallinn (=Talsinki), der zweigeteilten Metropole im Nordosten. Es gab mal wieder einen Rekord bei der Anzahl der Teilnehmenden und der Erfolg dieser Nachtreffen wächst zu einen Organisationsproblem.

Dies war mein zweiter Aufenthalt in Talsinki. Im Juni 2006 war ich erstmals zu einem EKNT, auch wenn es damals noch nicht so hieß, in der Metropole und habe darüber in mehreren Beiträgen gebloggt:
Überfahrt von Helsinki nach Tallinn, Beobachtungen in Tallinn, Kreuzfahrer erobern die Stadt, Fahrt zu einem Mökki und die dortige Idylle, fremde Sprache und die Leckerei Korvapuusti.
Neue Blogbeiträge folgen!

- Ich beginne mal mit dem Spruch zum EKNT11 von der a capella-Band Basta "Flaminco".  
Klapp die Hand !

Schau mal hier auf deren Webseite: www.basta-online.de

Martins T-Shirt "Lost in Helsinki" ist endgültig ausverkauft, wie ich im Laden des Labels mentalwear erfahren habe. Dort oder über ihre Webseite gibt es aber auch noch andere geniale Textilien (Brain Wash, Benzodiazepine, etc.).
# # # # #
Andere Beiträge zum EKNT11:

Montag, 7. April 2008

Winter Helsinki - Tallinn - Hannover

Die Seiten des Deutschen Wetterdienstes bieten auch monatliche Werte für eine Auswahl von Orten auf allen Kontinenten. Dieser Blick über den Tellerrand ist stets wieder erhellend.
Der Winter 2007-08 in Hannover war einmal mehr ein Beispiel für das Ausbleiben eines typischen Winters, wie er durch die langjährigen Datenreihen und deren Durchschnittswerten (Klimanormalwert) zu erwarten wäre. Den Winter der letzten mehr als 50 Jahre in Hannover hatte ich bereits hier geschildert.
In diesem Winter wurden mir von Freunden mehrmals auch etwas über das Ausbleiben des Winters im Osten der baltischen See gemeldet.
(Ein Klick und schon sind die Details zu sehen)

Die Abbildung 1 zeigt die monatlichen Durchschnittstemperaturen für Helsinki, Tallinn und Hannover. Hannover fällt in dieser Darstellung natürlich heraus, da die beiden gewählten Städte a) stärker vom kontinentalen Klima beeinflusst sind und sich b) 6-7° (entsprechend etwa 700 km) weiter im Norden befinden. Deshalb auch gleich weiter zur nächsten Abbildung.
(Ein Klick und schon sind die Details zu sehen)

Diese zeigt die Abweichung der eben dargestellten monatlichen Durchschnittstemperatur vom Klimanormalwert. Während bei uns im Januar eine positive Abweichung von 4,7° erreicht wurde, verzeichnen beide nördlichen Städte für gesamten Winter eine positive Abweichung von 5,0° mit einem Extremwert für Februar 2008, als in beiden Städten der Monat +7,0° zu warm war.

Donnerstag, 22. November 2007

Scandinavian Music Group 2006 Hölmö rakkaus Ylpeä sydän

Scandinavian Music Group

2006

Hölmö rakkaus
Ylpeä sydän









Diese herausragende Popmusik aus Finnland lernte ich auf einer Fahrt von Helsinki nach Lahti kennen. Wir saßen zu vier in einen fabrikneuen Golf und waren auf den Weg zu einem Mökki. Die Autobahn 4 / E75 ist ein Kunstkörper in dieser Moränenlandschaft; scheinbar schnurgerade zieht sich die Straße hin. Martin hatte verschiedene CDs mitgenommen und legte irgendwann die Scandinavian Music Group ein (siehe Reisebericht und Erlebnis Mökki)
Kraftvolle Popmusik, die deutliche Anleihen am Rock, Ambient und manchmal Folk nimmt, tönte aus den Lautsprechern. Martin fing an zu erzählen, dass die Band eine der Weiterentwicklungen der sehr erfolgreichen Band Ultra Bra (1994-2001) ist und Hölmö rakkaus Ylpeä sydän nicht erst ihr erstes Album ist. Das war zu hören. Die Songs sind komplex arrangiert, optimal abgemischt ohne dabei glatt zu werden. Drei Musiker und eine Sängerin, in klassischer Instrumentierung mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang. Alle Lieder sind auf Finnisch. Ich kann kein Finnisch, doch das führte bereits in Finnland und auch hier in Hannover zu keiner Eintrübung im Genuss.

Zu einigen Lieder der CD habe ich noch einige Notizen gemacht.
  • 1. Valmis # Es fängt atmosphärisch an mit akustischer Gitarre und der wunderbaren Stimme von Terhi Kokkonen
  • 2. Hölmö rakkaus # Das ist große Popmusik!
  • 3. Ylpeä sydän # Das ist ein Lied für Reisen. Das Schlagzeug imitiert den Rhythmus eines Zuges der regelmäßig über die Gleislücken rumpelt. Dazu ein kräftiger Basslauf und wen wundert es dann noch, dass auch das Musikvideo (siehe unten) viele Reisebilder versammelt
  • 4. Katu päättyy aurinkoon # Sehr getragene Musik.
  • 5. Ota minusta puolet # Saubere Rockmusik
  • 6. Vierailla kallioilla # Einmal mehr Musik für Reisen, sehr viel Atmosphäre. Musik um sich in seine Kopfhörer zu verkriechen
  • 7. Opin valehtelemaan #
  • 8. Ilman sinua olen lyijyä # Das ist fast schon zu süss!
  • 9. Solmu # Rockmusik
  • 10. Etten säikytä kaloja # Akustische Gitarre und Gesang, das Keyboard unterstützt die Stimmung. Die Stimme der Sängerin wurde zum Teil gedoppelt und sie singt mit leicht erhöhter Tonlage eine zweite Stimme. Das Lied hat nur einen Makel, es ist viel zu kurz und es das Ende der CD.
Letzteres ist vielleicht auch die einzige umfassende Kritik an dieser Musik. Viele Stücke zeigen ein großes Potential, dass aber nicht in kurzen 3-4 Minuten auszuschöpfen ist.


2006 gehörten zur
Scandinavian Music Group:
Terhi Kokkonen - Gesang
Joel Melasniemi - Gitarren
Antti Lehtinen - Schlagzeug
Anssi Växby - Bass
In den Videos und auf den Konzerten sind auch weitere Musiker dabei.

Bisher wurden vier reguläre und diverse Promo-CDs vorgelegt:
  • Onnelliset kohtaa (2002)
  • Nimikirjaimet (2004)
  • Hölmö rakkaus ylpeä sydän (2006)
  • Missä olet Laila? (2007)
Leider muss festgehalten werden, dass diese Musik, obwohl die Band bei BMG-Sony Finland unter Vertrag steht, nicht in Deutschland zu kaufen ist. Wer keine Conncetions nach Finnland hat, kann diese wunderbare Musik nur auf den folgenden Internetseiten kennen lernen.

Auf der eigenen Website www.scandinavianmusicgroup.com können die Musikvideos zu Hölmö rakkaus und Ylpeä sydän heruntergeladen werden.

Die Gruppe hat natürlich auch eine eigene MySpace-Seite, auf der mehrere Stücke vom aktuellen und vom den hier besprochenen Album zu hören sind. Vieläkö soitan banjoa? vom gerade erschienenen Album Missä olet Laila? erzeugt eine ähnliche Stimmung, wie einzelne Stücke von Calexico. Auf YouTube ist hierzu ein Video zu sehen, wo diese Country-Stimmung zusammen mit Bildern einer USA-Reise gezeigt werden. auf You Tube finden sich sowohl erbärmliche Privatmitschnitte von Konzerten der SMG, als auch zwei weitere Musikvideos zu Stücken vom Album Onnelliset kohtaa (2002) zu hören und zu sehen.

Bisher gibt es nur finnische Wikipedia-Einträge zu SMG und Ultra Bra, die erheblich gekürzt auch auf Englisch vorliegen. Hier geht es zum SMG-Eintrag.

Mittwoch, 3. Januar 2007

Zimtgefahren in Finnland

Eine der Folgen von zu vielen Zimtsternen mit Cumarin sind übrigens Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Benommenheit. Wenn also nach einer freundschaftlichen oder betrieblichen Weihnachtsfeier am nächsten Morgen der Kopf schmerzt und sich alles dreht, muss die Ursache nicht beim billigen erwärmten Rotwein liegen, sondern kann auch in einer Übermaß an Zimtsternen liegen.

Einige Kulturen sind von der Cumarin-Gefährdung besonders betroffen, z.B. Besucher und Bewohner von Helsinki. Die finnische Backkunst kennt Köstlichkeiten, die zu einem Zimt-Großverbrauch führen.

Wenn man sich zum Beispiel in oder vor das Café Esplanad am Kauppatori setzt, dann sollte man zu seiner Kaffeespezialität unbedingt eine im Café selbstgemachte Zimtschnecke essen. Diese Korvapuusti sind nicht mit unseren Zimtschnecken zu vergleichen, da sie von ihrer Größe eine ganze Mahlzeit darstellen und mit ihren mehreren Löffeln Zimt und den Hagelzucker von den Kalorien wahrscheinlich auch eine Mahlzeit ersetzen. Diese Leckerei konnte ich im Juni mit FreundInnen und Freuden genießen.

Ich hoffe nur, dass die Finnen den guten Ceylon-Zimt verwenden.
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Siehe deshalb auch:
Kumarin / Cumarin im Zimt

Montag, 1. Januar 2007

Temperatur Helsinki Juni 2006

Unser Aufenthalt im Nordosten von Europa war von sehr schönen Wetter geprägt. Da wir uns oft in den Innenstädten aufhielten, kamen zwei Faktoren zum tragen: 1. Das so genannte Stadtklima, dass in dicht bebauten Gebieten zu einer Erhöhung der Temperatur von 2-5 Grad über das Umland führt und 2. das subjektive Temperaturempfinden, was fälschlicherweise von vielen als "gefühlte Temperatur" missverstanden wird. Wir wurden bereits am Flughafen im kurzärmligen Hemd empfangen, während wir Mitteleuropäer es als frisch empfanden. Es gab dann in den folgenden Tagen für Finnland sehr hohe Temperaturen, so dass dies auch eine der Hauptschlagzeilen der Boulevardpresse wurde. So warm war es aber nicht! Ich habe die exakten meteorologischen Werte für Helsinki im Netz recherchiert. Diese Werte stammen wie überall auf der Welt aus einer so genannten "Englischen Hütte" einer international genormten meteorologischen Station. Die Temperatur wird im doppelten Schatten (Licht und Wind) in zwei Meter Höhe gemessen. Nur der 13. Juni war meteorologisch ein Sommertag, sprich die Höchsttemperatur lag über dem Grenzwert von 25° Celsius (genau 25,3°).
Die verschiedenen Werte wurden zu einer Graphik umgearbeitet. Die Tiefsttemperatur wurde jeweils gegen 3 Uhr morgens erreicht und die Höchsttemperatur jeweils gegen 15 Uhr.

Eine Idylle in Finnland am Saimaa

Im Schatten auf der Terrasse eines kleinen Holzhauses (in Finnland Mökki genannt). 15 Meter vom See entfernt, der durch eine frische Brise bewegt wird. 
Eine große, schwarze Waldameise läuft an meinem Tagebuch vorbei. Ich horche. Von den drei Reisebegleitern, die im oberen Haupthaus ihr Quartier bezogen haben, ist nichts zu hören. Nur Rauschen im Wald mit seinen Fichten, Birken und Kiefern. Manchmal sind vereinzelte Vogelstimmen zu hören.

Das Wasser scheint tief zu sein. Im Ruderboot waren immer wieder auch richtige Wellen zu spüren. Die große Hitze der letzten Tage hat den See noch nicht einmal oberflächlich erwärmt. Bis zu den Knie im Wasser war es gerade noch erträglich. Als wir in der Nacht die Sauna nutzten, war mir das Wasser zu kalt, um vollständig unterzutauchen.  
Die nüchterne Angaben: 28° 20´ E, 61° 47`N, ein nördlicher Ausläufer des Enonvesy in der Nähe von Tuonilahti. 
Wetterdienst: Luft 26-29 Grad, Ostsee: 11 Grad Celsius. Der See wird nicht viel wärmer gewesen sein.

Von Espoo Richtung Sulkava

Nur noch zu dritt fuhren wir früh los, um in der Innenstadt von Helsinki eine vierte Mitreisende einzusammeln. Das Einbahnstraßensystem im Zentrum ist noch komplexer als in Hannover. Während man bei uns immer wieder auf dem Innenstadtring geführt wird, erschienen mir die Straßen am Hauptbahnhof wie zwei Außenringe in einem Labyrinth. Man nähert sich dem Ziel bis auf wenige Meter, muss am Ziel vorbeifahren und erst nach zweimaligen Abbiegen und mehreren Hundert Meter Fahrt ist ein Wechsel auf die andere Straße möglich, die uns zum Treffpunkt führte.
Glücklicherweise war ich der Beifahrer. Als Kartenkundiger sollte ich im Zielgebiet aus Karten und einer Skizze die notwendigen Ansagen links-rechts-gradeaus machen. Bis dahin hatte ich den besten Platz zum Beobachten.
Es dauerte lange bis über verschiedene Ausfallstraßen endlich die Autobahn Richtung Nordosten erreichten. Die Größe von Helsinki wird in so einem Moment deutlich. Nach den letzten Vororten fuhren wir auf einer breiten Verkehrsschneise mit mehrspuriger neuer Bahnstrecke einer wenig genutzten Grünzone und der Autobahn. Diese Schneise war mindestens 200 Meter breit und müsste auch aus dem Weltall als Narbe in den Wäldern zu sehen sein.
Die Bahn war durch die immer wieder auftauchende Felsen gesprengt und überbrückte Niederungen auf Betondämmen oder Stelzen. Es erinnerte an die Spuren in der Landschaft, die für den ICE in Deutschland entstanden waren. Mir wurde gesagt, dass es in Finnland keine vergleichbaren Schnellzüge über durchschnittlich 100 km/h gibt. Irgendwann nahm die Bahn einen anderen Verlauf und die Autobahn war auf beiden Seiten nur noch von einem breiten Graben, folgenden leicht geneigten Damm und den Elchzäunen begrenzt.
Ein Elch auf der Straße wäre ein sehr gefährliches Hindernis, da wegen der hohen Beine im Fall eines Zusammenpralls der Körper des Tieres durch die Windschutzscheibe gedrückt wird mit den absehbaren Folgen. Es gibt für den Elch spezielle Wildwechsel. Hier stehen Bewegungsmelder, die Warnsignale für die Fahrbahnen geben und Lichtmasten ansteuern.
Vorbildlich wurde nach zwei Stunden Fahrt eine Pause an einer Rast- und Tankstelle gemacht. Erstmals war etwas billiger als in Deutschland. Ein Becher Kaffee und ein sehr großes Gebäck für zusammen nur €3,60.
In der letzten Stadt vor unserem Ziel (Ju-va und nicht Dschu-va) wurde ein Supermarkt angesteuert, um alles Notwendige für das Sommerhaus und eine Grillmahlzeit in der finnischen "Wildnis" zu besorgen. Wir waren schon seit geraumer Zeit im Saimaa-Gebiet; dieser Seenplatte auf einer Grundmoräne. Immer wieder waren links oder rechts kleine und mittelgroße Seen zu sehen, doch erst eine genaue Karte zeigt, dass viele dieser Wasserflächen die Ausläufer eines der großen Seen sind.
Von der Autobahn ging es auf eine Landstraße, von dort auf eine Kreisstraße, wo die anliegenden Häuser als Hausnummer die Kilometerangabe der Straße hatten. Schließlich bogen wir auf eine Piste. Doch es ging noch rauer. Nachdem wir im ersten Anlauf den Waldweg verpasst hatten (der war einfach zu unbedeutend!) ging es auf diesen, bis wir auf einen noch kleineren Trampelpfad abbogen. Unser Fahrer machte sich Sorgen, da nun deutliche Fahrgeräusche vom Unterboden des neuen Familienwagens zu hören waren. Doch es waren nur kleine Äste und trockene Gräser des erhöhten Mittelteils des Pfades, die den Unterbodenschutz berührten.
Die Verantwortung für ein fabrikneues Auto war schon groß und entsprechend intensiv der Stress. Am Ziel machte das Fahrzeug noch lange Geräusche und unsere Beruhigung, dass dies nur die nachlaufende Klimaanlage sein, wirkte zunächst nicht. Doch wir waren da und vor uns lag ein Ausläufer eines Sees, dessen Größe nicht zu erahnen war und ein Mökki (=Sommerhaus) einer befreundeten Familie.

Von Helsinki nach Tallinn

Wir waren nur 25 Stunden in Tallinn, aber wie bereits in Espoo und Helsinki gab es so viel zu sehen und eine so engagierte Begleitung und Betreuung durch Marina, Olga und Erkki, dass keine Zeit blieb, etwas zu schreiben. In meinem Notizbuch finden sich oftmals nur Stichwörter und zwischen diesen Passagen Lücken von mehreren Tagen. Es war ein wunderschöner Kurzurlaub und es tat gut mehr als eine Woche mit diesen grundsätzlich optimistischen jungen Europäerinnen und Europäern zu verbringen.
Mit der Laura, einem Tragflächenboot der Linda-Line ging es ab 12:00 Uhr die kurze Strecke über die Ostsee nach Tallinn. Die Ostseeküste ist hier keine Linie, sondern ein allmähliches Ausdünnen von Inseln und Felsen im Wasser. Als wir nach mehr als einer Viertelstunde endlich die offene See erreichten, wurde Gas gegeben und das Boot preschte über die Wellen und es waren statt der Wellen nur kurze Stöße zu spüren.

Was eine Nebelbank ist, war einmal im Vorbeifahren zu sehen. Eine etwa 10 Meter hohe Wolke lag auf der Ostsee wie ein festes Objekt und die Sicht endete am Nebel wie an einer Wand.
Wer schnell genervt ist, wenn um ihn herum ständig Mobiltelefone klingeln, darf nicht in den Nordosten fahren. In der 1. Klasse hatte jeder ein Handy und ich war vermutlich der einzige, der während der 90 Minuten kein Gespräch führte.

Wir verließen die Schengen-EU und nach einer Passkontrolle in Helsinki, standen wir auch in Tallinn vor der Einlasskontrolle. Fühlte mich an DDR-Zeiten erinnert. Blick auf Reisepass, Blick ins Gesicht, Blick auf Reisepass, Blick ins Gesicht, Blick auf Reisepass, Blick ins Gesicht. Ich durfte passieren.

Von Hannover nach Espoo

Um neun Uhr begann am 7. Juni 2006 meine Reise nach Helsinki und Tallinn.

Mein kleiner Rollkoffer war so weit gefüllt, dass keine Lücken zu fühlen waren und gleichzeitig sah die Sporttasche durch ihre pralle Füllung auch schwer aus, aber darin waren nur eine zusammengerollte Schlafunterlage und ein Daunenschlafsack.

Auf dem Bahnsteig von Hannover war zum einen die lächerliche Ansage zu hören "Willkommen in der Stadt der FIFA WM-Spiele" (oder so ähnlich) und die übliche Information, dass unser ICE nach Berlin einige Minuten Verspätung haben wird.
Als nächstes sah ich bereits meine Reisebegleiterin, die einen riesigen, roten Koffer hinter sich herzog. In einigen freundlichen und unterhaltsamen Wortwechsel verging die Zeit so schnell, dass plötzlich unser Zug da war und wir unsere Fensterplätze einnehmen konnten. Beide packten wir unsere Zeitungen aus (Zeit und taz), aber es gab so viel zu erzählen, dass die Blätter ungelesen in Berlin wieder eingepackt wurden.
Von der Fahrt gibt es wenig zu berichten, außer das die Elbe nach den langen Regentagen über die Ufer getreten war und in der Aue die gefluteten ehemaligen Totarme zu sehen waren.
Wir redeten und redeten über Rotenburg, die kleinen Gemeinschaften, die sich vor dem Abitur bilden und irgendwie flocht ich hierzu Erkenntnisse aus der Familienforschung ein.

In Berlin war es dann eine kontinuierliche Bewegung vom Glaspalast Hauptbahnhof (nicht beeindruckt!) über den S-Bahnhof Friedrichstr. zu einer U-Bahn-Station auf den Weg nach Alt-Tegel und schließlich in einen Bus zum Flughafen. Die letzte Etappe musste bereits kurz vor den Landebahnen sein, da zwei Düsenjets sehr niedrig über die Haltestelle flogen. Wir hatten diesen Weg gewählt, da wir dies kostenfrei mit unseren Bahnticket fahren konnten, der Sonderbus mit irgendeinen englischer Spezialnamen hätte extra gekostet.

In Tegel waren es wie wohl auf jeden Flughafen schier endlose Gänge, in denen lange Schlangen vor Schaltern zu Urlaubszielen unseren Weg immer wieder aufhielten. Dafür ging es dann sehr schnell am Schalter von Blue1. Meine Mitreisende legte ihren Ausweis vor und ich kramte in meinen Rucksack nach dem Zettel mit der Geheimnummer und der Kunden-ID und legte parallel meinen Pass vor. Das war alles nicht nötig. Mit den Angaben der Mitreisenden wurde der von mir getätigte Kauf von zwei Flugtickets auf den Bildschirm angezeigt und mein Pass bestätigte mich als den richtigen Mitreisenden. Unsere drei Gepäckstücke wogen nur etwa 32 kg, also war Platz für 8 kg Mitbringsel (4 kg Bärenfleisch und ???) und dann waren wir frei.

Meine Mitreisende wollte noch mal schnell prüfen, ob es am Rückreisetag einen billigen Weiterflug nach Westdeutschland gibt, da sie am Folgetag bereits einen persönlichen Geschäftstermin vereinbart hatte. Ups, plötzlich stellte sich heraus, dass der Rückreisetag falsch erinnert wurde und ihr Termin am Rückreisetag lag. Viel Aufregung, da nun ein früherer Rückflug gefunden werden musste und dies natürlich auch die Reisepläne der Gruppe verändern würde.
Mit der Überzeugung dies besser in Helsinki zu klären, ging es in die internationale Zone. Der Flieger war noch nicht da, doch eine halbe Stunde vor Abflug kam ein kleiner Düsenflieger an unserer Gate. Es war ein kurzes (vielleicht 20 Reihen), schmales (links und recht vom Gang je zwei Sitze) Flugzeug und wir saßen kurz hinter den Düsen.

Blue1 ist die billige Variante innerhalb der SAS. Es gab dennoch freie Zeitungen, jedoch noch nicht einmal Kaffee. In der Ansage (Finnisch/Schwedisch/Englisch) wurde auch betont, dass jede Zahlung bargeldlos erfolgen muss. Tja, wir flogen in ein Hochtechnologieland, in dem Plastikkarten DIE Währung sind.

Während des Fluges waren die Mecklenburger Seenplatte und die Ostseeküste in Wolkenlöchern zu sehen. Als wieder Inseln und Küste zu sehen waren, war dies vermutlich erst Schweden, da wir erst eine Stunde in der Luft war. Es dauerte dann noch einmal so lange bis der Ohrendruck signalisierte, dass wir im Sinkflug durch Wolken bereits Finnland überquerten. Als unterhalb der Wolkengrenze Gebäude zu sehen waren, zeigten diese Gewerbe, Kleinstsiedlungen und dann waren da wenige Felder und Wald und noch mehr Wald und nur Verkehrslinien fielen zunächst als strukturbildende Linien auf. Doch dann waren regelmäßige Strukturen im Wald zu sehen, da immer wieder einzelne Hektar abgeerntet waren. Die Forsten zeigten regelmäßige Waldungen, die durch ihre Farben auf unterschiedliches Alter verwiesen.

Bei der Landung rumpelte es kurz und dieser Flieger reduzierte spürbar seine Geschwindigkeit. Es kommt mir dann immer alles so schnell vor, auch wenn es ein Warten am Gepäckband ist. Ich schob den Wagen raus und erwartete unseren Gastgeber und eine weitere Mitreisende aus Düsseldorf zu sehen. Da lächelte aber zunächst "nur" unser Gastgeber.

Es gab die Horrorgeschichte, dass die Vierte im Bunde, die eigentlich zwei Stunden vor uns ankommen sollte, erst noch kommen würde, da es ein technisches Problem gab. Der Flieger hatte in Düsseldorf beim Startversuch einen Motorschaden und musste zurück an ein Gate. Es ging dann für sie erst mit fast drei Stunden Verspätung nach Helsinki.

Es war kühl in Helsinki, vielleicht 12-15 Grad und wir wurden im kurzärmeligen Hemd empfangen. Sommer in Finnland! Als die verspätete Mitreisende eintraf, fror sie sichtlich. Nicht nur, weil sie krank war, sondern sie war von einem französischen Ort und mehr als 25 Grad über Düsseldorf in den kühlen Norden geflogen.

Es waren dann doch noch einmal eine mehr als halbstündige Autofahrt nach Espoo und auf der Stadtautobahn war erstmals ein Schild mit der Warnung vor Elchen zu sehen. Dies Schild kannte ich bisher nur als Scherz von IKEA oder als Beutestück von Skandinavienreisenden.