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Freitag, 19. Juni 2015

Waterloo, Napoleon und Scheeßel

Meine Vorfahren stammen von der einen Seite aus dem Kirchspiel Scheeßel zwischen Hamburg und Bremen. Zum Ende der Franzosenzeit war dies ein Teil des Kantons Rotenburg im Arrondissement Bremen des Departments Wesermündung.
Die französische Besetzung und Verwaltung erreichte konkret jeden Haushalt. Die Besetzung bedeutete zum Beispiel die Einquartierung von französischen Soldaten. Erstmals wurden systematisch alle jungen Männer gemustert und aus den Geburts-Jahrgängen 1786 bis 1794 wurden Dutzende für den Feldzug gegen Russland eingezogen, von denen die Mehrzahl nicht wiederkehrte.

Beides hat den Kirchbüchern von Scheeßel Spuren hinterlassen. Es sind dies die indirekten Nachrichten in den Beerdigungsregistern.
So starben im Juni 1810 drei französische Soldaten bei Badeunfällen in der Wümme und im September 1810 erschoss sich ein Soldat. Im folgenden Jahr kam es zu einen weiteren Badeunfall und zu einem Totschlag nach einem Streit in einer Gastwirtschaft.
1815 waren auch Soldaten aus Scheeßel als Teil des Bremervörder Landwehrbataillons an der Schlacht in Belgien beteiligt.
Lütje Volckmer, Sohn von Häusling(1) Caspar Volckmer in Oldenhöven (23 Jahre). Soldat im Bremervörder Landwehrbatallion. In der Bataille bei Mont St. Jean hat ihm eine Kanonenkugel das rechte Bein abgerissen, woran er gestorben ist. Begraben am 19. Juni nach Kriegesbrauch bei Waterloo in Braband.
Johann Behrens, Sohn von weiland
(2) Hinrich Behrens, Baumann(3) zu Abbendorf (Nemannshaus) und Dorothea geb. Tietje. War Soldat beim Bremervörder Landwehrbatallion, gestorben im Hospital von Bois de Boulogne bei Paris im Hospital, 22 Jahr, 5 Monate, 9 Tage, Ruhr Krankheit, 3 Wochen gelitten, den 5. October nach Kriegesbrauch beerdigt.
Claus Christoph Heitmann, Sohn von Hinrich Heitmann, Kötner
(4) in Veerse und Adelheit. Soldat im Bremervörder Batallion, gestorben im Hospital Neuilly bei Paris im Generalhospital, 25 Jahr 5 Monate 3 Tage, Ruhr Krankheit, 14 Tage krank gewesen, den 9. October nach Kriegesbrauch beerdigt.
(1) Tagelöhner
(2) verstorben
(3) Bauer mit Hofstelle
(4) Kleinbauer
Es war die allgemeine Wehrpflicht (zunächst der Franzosen und dann der Norddeutschen), die erstmals einen Krieg in jede Gemeinde und in fast jede Familie trug.

Diese drei Todesfälle dokumentieren eindringlich was auch im Allgemeinen gilt. In der Frühen Neuzeit war fast jede größere Kriegsverletzung tödlich. Sei es durch Blutverlust, sei es durch Entzündungen. Seuchen breiteten sich in der Etappe aus und es gibt Beispiele dafür, dass mehr Soldaten an Krankheiten starben, als an kriegerischen Verletzungen.
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Quellen: Kirchbücher Scheeßel, Beerdigungsregister, 1810-1815 (keine wortwörtliche Wiedergabe, deshalb auch nicht als Zitat markiert);
Hinrich Meyer "Geschichte des Kirchspiels Scheeßel", 1955;
Gemeinde Scheeßel "Chronik Kirchspiel Scheeßel", 1997.

Dienstag, 11. März 2014

Skurrile Taufnamen

Die Ev.-luth Kirchgemeinden in der List (Apostel, Dreifaltigkeit, Markus) geben viermal im Jahr den Blickpunkt heraus, der dann in meinem Briefkasten landet.

Die Kirchennachrichten interessieren mich trotz meiner Mitgliedschaft nur wenig, aber ich schaue immer wieder mit Befremden und Amusement auf das Verzeichnis der Taufen. Der unbedingte Wille vieler Eltern ihren Kindern ihre Individualität im Namen mitzugeben ist dabei offensichtlich.

Schon als Jugendlicher hörte ich die Geschichte, wie man überprüfen kann, ob ein gewünschter Name oder der sich daraus ableitende Spitzname in der Realität verwendet werden kann. Es hieß damals, man sollte ich folgende Situation vorstellen. Als Elternteil reagiert man auf das Klingeln, öffnet die Haustür und schaut auf Freunde des eigenen Kindes. Sie Fragen, "kann xxxxx zum Spielen rauskommen". In der Liste sind gleich mehrere Namen, wo das xxxxx nicht durch diesen ausgewechselt werden kann, wo Eltern sich ein Denkmal gesetzt und ihren Kindern ein Bärendienst erwiesen haben.
  
Habe mal die Namen der letzten drei Jahre der Tauflisten der oben genannten Kirchgemeinden betrachtet.

Es sind sicherlich nicht nur die 15% Menschen mit Migrationshintergrund, die ihren Kindern Namen ihrer Heimatländer geben. Ein schöner Urlaub, die große Liebe, etc. wird im Namen eines Kindes dokumentiert.

Bei der Namensgebung spielt sicherlich auch die Kindheit der Eltern eine Rolle. Wenn ich an die Kinderbücher von Astrid Lindgren denke, dann denke ich auch an Lotta (aus der Krachmacherstraße), Annika (die Freundin von Pippi Langstrumpf), Ronja (Räubertochter), Ole (aus Bullerbü), Namen, die sich in der Liste finden lassen.

Sicherlich finden sich auch Namen von populären Personen des öffentlichen Lebens (Musik, Film, TV) in der Liste. Mitte bis Ende der 80-er Jahre gab es tatsächlich Eltern, die ihre Kinder Boris (Becker) oder Stefanie (Graf) nannten. Und die Generation der Hogwarts-Kinder steckt nun in der Pubertät.

Interessant ist auch die Verschreibkunst und kreative Variationsfreude. Es gibt viele Möglichkeiten den Namen Matthäus (Matthias) zu schreiben, und mit Matheo, Mathis, Mats, Matthes, Matthias, Matthis, Matti, Mattis finden sich gleich acht Varianten bei den Taufen der letzten drei Jahren. Bei den Mädchen ist eine Variation bei Amalia, Amelie, Emilia, Emilie, Emily oder auch bei Elena, Helen, Helena, Helene und besonders schön bei Josefine, Josephin, Josephine zu finden.

Natürlich gab und gibt es Moden bei der Namensgebung. Aus der Genealogie ist mir die Übername von Namen der Regierenden bekannt (zum Beispiel Georg, als die Welfen den britischen Thron bestiegen). Sehr populäre Namen der 1970-er Jahre wie Andreas oder Stefan fehlen in aktuellen Listen. In der List sind Emma (5x), Ida (5x), Katharina (6x), Marie (11x), Sophie (10x) bei den lutherischen Eltern als Mädchennamen und Alexander (6), Benjamin (5x), Johann (5x), Maximilian (5), Moritz (6x) und Tim (5x) als Jungennamen beliebt.
Das ist dann aber auch die wichtige Einschränkung die Auflistung ist eine Auflistung der Taufnamen der Ev.-luth. Kirchen in der List. Die drei Kirchen haben aktuell rund 8.100 Mitglieder. Für ganz Hannover ist bekannt, dass die Mitglieder der Ev.-luth Kirche nur noch etwa ein Drittel der Bevölkerung ausmachen.

Sonntag, 11. März 2007

Genealogie Meyer im Kirchspiel Brockel

Stefan fragte einmal, was solche Einträge sollen. Familienforscher verfolgen jede Spur und so werden Sie über Google die Angaben in den folgenden Beitrag finden. Es ist gute Tradition, dass eigene Suchergebnisse anderen Personen zur Verfügung gestellt wird. Nur über diesen Austausch sind eigene Mißinterpretationen von Eintragungen, echte Fehler und fehlende Angaben zu korrigieren. Auch ich habe schon Hinweise und Informationen auf den Seiten von Robert Inselmann und der Familien Hoops und Eckhof gefunden.

Ich habe hier bereits über Harm Hinrich Meyer (Nr. 96), der zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Pächter und Verwalter des Ritterguts Veerse im Kirchspiel Scheeßel genannt wird, berichtet. Hier kommen weitere Angaben zu seiner Personen und seinen Vorfahren.
Um die Übersicht über die vielen ähnlich klingenden Namen zu erleichtern, habe ich den Namen meine genealogische Ziffer vorangestellt. Wenn ich die Nr. 1 habe, dann hat mein Vater die Nr. 2, meine Mutter die Nr. 3, meine Großeltern die Nr. 4-7, die Urgroßeltern Nr. 8-15, usw. Nr. 96 ist entsprechend mein Ur-ur-ur-ur-Großvater. Geschwister erhalten zu dieser Nummer einen Buchstaben in der Reihenfolge ihrer Geburt. Wenn die Reihenfolge nicht bekannt ist, wird der Buchstabe x verwendet.


Die Eltern von (Nr. 96) Harm Hinrich Meyer waren (Nr. 192) Daniel Meyer aus Brockel und (Nr. 193) Margaretha Dorothea geborene Heitmann aus Bellen im Kirchspiel Brockel. Harm Hinrich wurde als letztes von sechs Kindern am 6. August 1781 auf dem Rittergut Trochel, Kirchspiel Brockel geboren, wo die Eltern als Häuslinge lebten und arbeiteten.
Das Ehepaar hatte sich nach ihrer Hochzeit am 9. Januar 1763 zunächst als Häuslinge in Bellen niedergelassen. Die Ehe war eine Pflicht, denn die Braut war bereits im sechsten Monat schwanger. In Bellen wurden die ersten fünf Kinder bis 1774 geboren. Wann und warum es zum Umzug nach Trochel kam, ist nicht bekannt, doch Harm Hinrich war ein Nachzügler. Seine Mutter war zu seiner Geburt bereits 43 Jahre alt, was damals ein ungewöhnliches Alter für eine Mutter war.

(Nr. 192) Daniel Meyer wurde als fünftes und letztes Kind des Häuslings (Nr. 384) Claus Meyer aus Brockel und seiner Frau (Nr. 385) Catharina geborene Grobrügge aus Bothel, Kirchspiel Brockel am 16. September 1726 in Brockel geboren. Wieder ein Beispiel für eine späte Geburt, denn die Mutter war bereits 45 Jahre alt. Das Ehepaar hatte insgesamt fünf Kinder, die alle in Brockel geboren wurden: (Nr. 192a) Anna Catharina Meyer (* 1. November 1716); (Nr. 192b) Claus Henrich Meyer (* 23. Dezember 1717); (Nr. 192c) Christian Meyer (* 11. Mai 1720) und (Nr. 192d) Johann Joachim Meyer (* 6. November 1722).

(Nr. 193) Margaretha Dorothea Heitmann wurde als zehntes Kind des Pastorenmeyers (Nr. 386) Johann Henrich Heitmann mit seiner zweiten Ehefrau (Nr. 387) Anna Magdalena geborene Heitmann aus Brockel am 10. März 1738 in Bellen geboren. Für die Mutter war es im Alter von 40 Jahren das sechste und letzte Kind. Von den zehn Kindern starben bereits drei als Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren. Mit ihrer Hochzeit folgte die Braut ihrer älteren Schwester (Nr. 193d) Marie Mette Heitmann, die 1755 den älteren Bruder ihres Bräutigams (Nr. 192c) Christian Meyer geheiratet hatte. Das Geschwister einer Familie Geschwister einer anderen Familie heirateten, war damals nicht ungewöhnlich.

Margaretha Dorothea und Daniel Meyer lebten bis zu ihren Lebensende auf Trochel. Daniel Meyer starb dort am 29. März 1793 im Alter von 66 Jahren an der Brustwassersucht. Zwei der Kinder etablierten sich auf dem Rittergut. Der älteste Sohn (Nr. 96c) Johann Friedrich Meyer heiratete am 6. Juli 1794 die Tochter des Gutsverwalters Johann Rulf (der Eintrag kann auch als Rolf oder Wolf gelesen werden) Anna Maria Rulf. Die Tochter (Nr. 96d) Anna Dorothea Meyer heiratet am 16. August 1795 in zweiter Ehe den Sohn des Gutsverwalters Johann Harm Rulfs. Margaretha Dorothea Meyer geborene Heitmann starb am 1. April 1807 im Alter von 69 Jahren an der Brustkrankheit einer von vielen Umschreibungen für die Tuberkulose.

(Nr. 384) Claus Meyer wurde am 29. Februar 1684 als Kind des Pastorenschäfers (Nr. 768) Jochim Meyer und seiner Frau (Nr. 769) Adelheid getauft. Der Name der Frau wird bei keiner der vier aufgefundenen Geburten genannt. Erst im Beerdigungsregister wird der Vorname Adelheid genannt. Durch einen Eintrag im Copulationsregister wird dokumentiert, dass es mindestens fünf Kinder in dieser Familie gab, die alle in Brockel getauft wurden: (Nr. 384a) Johann Henrich Meyer (geboren etwa 1676); (Nr. 384b) Cord Meyer (* 28. November 1680); (Nr. 384c) Anna Alheid Meyer (* 24. Mai 1687) und (Nr. 384d) Elisabeth Meyer (* 14. September 1690). Die Letztgenannte verstarb bereits im Alter von drei Jahren. Die Hochzeit von Jochim Meyer und Adelheid N.N. erfolgte nach 1668 und ist nicht dokumentiert. Das Copulationsregister für das Kirchspiel Brockel beginnt erst im Jahre 1680.
Claus Meyer heiratete am 28. Dezember 1715 (Nr. 385) Catharina Grobrügge aus dem benachbarten Dorf Bothel. Da beide keinen Hof geerbt hatten, kam es erst spät zu einer Hochzeit. Der Bräutigam war bereits 31 und die Braut 34 Jahre alt. Mit diesen späten Hochzeiten wurde gesellschaftlich verhindert, dass Familien ohne eigenen Hof viele Kinder bekommen.
Claus Meyer starb am 4. Februar 1729 kurz vor Vollendung seines 45. Lebensjahres.


(Nr. 385) Catharina Grobrügge wurde am 2. Februar 1681 als Kind von (Nr. 770) Johann Grobrügge aus Bothel und seiner nicht namentlich genannten Frau in Brockel getauft. Die Eltern bewirtschafteten das Jurgens Haus und waren einer der Luttermannschen Käter, also Kothsaßen oder Köthner (Kleinbauern), die dem Hause Luttermann zins- und dienstpflichtig waren. Es sind fünf Kinder aus dieser Ehe bekannt: (Nr. 385a) Magdalena Anna Grobrügge (* 24. Januar 1668); (Nr. 385b) Anna Grobrügge (19. September 1669); (Nr. 385c) Maria Elisabeth Grobrügge (* 26. Januar 1679) und (Nr. 385d) Johann Grobrügge (9. Dezember 1683). Die Hochzeit der Eltern erfolgte vor dem Beginn des Copulationsregisters.
Catharina Grobrüge starb am 27. Juli 1729 im Alter von 48 Jahren.

(Nr. 386) Johann Henrich Heitmann wurde im Oktober 1692 in Bellen als erstes Kind des Baumanns (Nr. 772) Jürgen Heitmann und seiner Frau (Nr. 773) Metta Catharina Böhling geboren und am 30. Oktober in Brockel getauft. Bellen war eine kleine Ortschaft, die zu dieser Zeit nur aus zwei Höfen bestand, was die Identifizierung der Kinder dieser Ehe trotz des häufigen Familiennamens Heitmann erleichtert. Es wurden acht Kinder in die Familie geboren: (Nr. 386a) Anna Maria Heitmann (* 26. Dezember 1694); (Nr. 386b) Margaretha Heitmann (* 15. November 1696); (Nr. 386c) Johann Jürgen Heitmann (* 17. April 1698); (Nr. 386d) Jacob Heitmann (* 30. April 1700); (Nr. 386e) Henrich Hans Heitmann (* 12. März 1702); (Nr. 386f) Anna Metta Heitmann (* 30. November 1704) und schließlich (Nr. 386g) Joachim Heitmann (* 16. Februar 1707). (Nr. 386) Johann Henrich Heitmann am 1. November 1714 Anna Vajen aus dem südlich gelegenen Kirchspiel Wittorf. Von 1715 bis 1722 wurden vier Kinder geboren und am 8. Februar 1724 starb die Ehefrau. Bereits am 2. November 1724 heiratete der Witwer Johann Henrich Heitmann (Nr. 387) Anna Magdalena Heitmann aus Brockel, mit der er sechs weitere Kinder hatte.
Johann Henrich Heitmann starb am 31. Oktober 1759 in Bellen im Alter von 67 Jahren.

(Nr. 387) Anna Magdalena Heitmann wurde 26. Februar 1697 als Kind des Junckern-Meyer (Nr. 774) Johann Henrich Heidmann aus Brockel und seiner Frau (Nr. 775) Anna geborene Röhrs aus Bothel geboren. Es lassen sich fünf Geburten nachweisen. Zuerst wurde 1694 eine weibliche (Nr. 387a) Totgeburt verzeichnet und dann wurden (Nr. 387b) Henrich Heitmann (* 19. November 1695, der am selben Tag verstarb), (Nr. 387c) Johann Henrich Heitmann (* 8. August 1700, der im Alter von 16 Monaten starb) und (Nr. 387d) Henrich Heitmann geboren.
Anna Magdalena Heitmann starb am 3. September 1775 in Bellen im Alter von 78 Jahren.

Zu den Ahnen der
Nr. 384 bis 387 liegen mir über Eintragungen in den Heirats- und Beerdigungsregistern Angaben vor. Doch diese und die nächste Generation sind in dem Zeitbereich, wo erst so nach und nach die Dokumentation in den verschiedenen Kirchbüchern beginnt. Vieles ist lückenhaft. 

Samstag, 10. März 2007

Genealogische Forschung in Hannover

Die Genealogie bürgerlicher Familien basiert auf Daten von den Standesämtern (seit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs) und den Eintragungen in den Kirchenbüchern. Letztere setzen hier in der Regel erst nach dem 30-jährigen Krieg ein, doch es gibt auch Gemeinden in Norddeutschland, die in den folgenden Kriegen geplündert wurden, so dass Kirchenbücher verschwanden oder zerstört wurden.

Nicht alle Kirchgemeinden sind bereit, interessierten Familienforscher direkten Zugang zu den zum Teil mehr als 300-jährigen Bücher zu erlauben. Ein Großteil aller Kirchenbücher wurde verfilmt und liegt in ausgewählten Archiven auf Microfiche vor. Für einen Großteil der niedersächsischen evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden sind diese Verfilmungen in Hannover und Wolfenbüttel zugänglich. Im Hauptstaatsarchiv Wolfenbüttel liegen die Verfilmungen des ehemaligen Herzogtums Braunschweig. Im Kirchenbuchamt der Stadtkirchenkanzlei des Ev.-luth. Stadtkirchenverband Hannover (Hildesheimer Straße 165) sind die Bücher der ehemaligen Regierungsbezirken Hannover und Lüneburg vorhanden. Für einen Tagesbeitrag von €6,00 kann dort nach telefonischer Anmeldung (98 78 555) an einem der Lesegeräte gearbeitet werden. Der Arbeitsbereich ist nur 6,5 Stunden geöffnet.
Leider muss man sagen, dass viele Microfiche nach mehreren Jahrzehnten Benutzung so sehr beschädigt sind, dass manchmal ganze Seiten nicht zu lesen sind.

Meine Familie stammt mütterlicherseits vor allem aus den Kirchspielen Scheeßel und Brockel und viele Angaben habe ich über Microfiche recherchiert.
Als ich im Februar einmal wieder einen Tag im Kirchenbuchamt verbrachte, musste ich eine bei der späteren Auswertung meiner Notizen, eine Frustration der ungewöhnlichen Art feststellen.
Die handschriftlichen Eintragungen sind schwer zu lesen und jeder schriftführende Pastor hat eine individuelle Sauklaue (mit einer Ausnahme: Pastor Ungewitter in Scheeßel!). Auge und Gehirn brauchen jeweils eine halbe Stunde bis die Lesegeschwindigkeit akzeptabel wird. Dennoch ist es eine zeitaufwändige Suche und ich bin normalerweise froh, wenn ich am Ende eines Tages mehrere Dutzend Einträge gefunden, entziffert und abgeschrieben habe. Die gefundenen Angaben werden nicht vor Ort mit dem bestehenden Datenbestand abgeglichen, da jede Minute zählt.
Als ich zu Hause die etwa 30 Datensätze mit den bestehenden über 1.000 Datensätzen verglich, musste ich feststellen, dass sich Probleme der vorherigen Suchtage wiederholt hatten. Für einige Zweige der Familie habe ich bereits die frühestmögliche Angaben gesucht. Dieser Vorgang wurde nun wiederholt und ich hatte verschiedene Dublette erstellt. Es kamen nur marginale neue Informationen hinzu.

Was würde ich mich freuen, wenn ich endlich wieder Zugang zu den Originalen erlangen könnte.

Montag, 1. Januar 2007

Genealogie Müller Hachum Gilzum Evessen

Einmal mehr möchte ich Daten meiner Vorfahren hier veröffentlichen. Familienforscher suchen nach Details und vielleicht findet ein Google-Nutzer auf diesem Wege den folgenden Eintrag und gibt mir weitere Hinweise auf meine Familie. Schreibt einen Kommentar und ich würde mich per Email oder Telefon melden.
Details werden aus Gründen des Personenschutzes erst ab der Generation 5 genannt.


Mein Familie erhielt ihren Namen MÜLLER wahrscheinlich im Herzogtum Braunschweig. Die ersten Spuren meiner Vorfahren stammen aus den drei zusammengehörigen Ortschaften Hachum – Gilzum und Evessen in der gleichnamigen Vogtei. Hinzu kommen Spuren aus dem benachbarten Lucklum, Sambleben und Veltheim an der Ohe.

Mein Vater wurde 1939 in Braunschweig, sein Vater 1914 in Bevenrode, was heute ein Ortsteil von Braunschweig ist, und seine Mutter in Schöningen geboren. Die Urgroßeltern stammen aus Evessen und Wendhausen und heirateten 1913 in Bevenrode. Mein Urgroßvater wurde 1883 in Evessen geboren und starb 1916 auf einem französischen Schlachtfeld.

Sein Vater, mein Ururgroßvater, Johann Heinrich Andreas Müller wurde am 31. Januar 1841 in Evessen geboren als erstes Kind von Heinrich Christian Müller und seiner Ehefrau Dorothee Juliane Henriette geborene Litge. Im Alter von 32 Jahren heiratete er Johanne Luise Henriette Kiehne, die am 16. April 1845 ebenfalls in Evessen geboren wurde. JHA Müller starb am 15. August 1885 in Evessen im Alter von 44 Jahren.

Heinrich Christian Müller wurde am 16. Oktober 1809 in Evessen geboren als erstgeborenes Kind von Christian Matthias Müller und seiner Ehefrau Johanne Juliane Pauline geborene Gries. Bei der Taufe am 22. Oktober in der Kirche zu Evessen waren als Gevattern Christian Wolf aus Gilzum, Dorothee Köchy aus Evessen und Heinrich Müller aus Hachum anwesend. Im Alter von 29 Jahren heiratete er Dorothee Henriette Litge, die am 24. November 1813 in Sambleben geboren wurde. HC Müller starb am 23. Juli 1885 in Evessen im Alter von 75 Jahren.

Christian Matthias Müller wurde am 14. November 1771 in Hachum geboren als drittes Kind von Johann Christian Müller und seiner Ehefrau Dorothea Christina geborene Müller. Als Gevattern wurden bei der Taufe am 17. November Christian Bertram, Matthias Otto und Catharina Becker genannt. Im Alter von 29 Jahren heiratete er Lucia Brüggemann, Tochter des verstorbenen Schusters Johann Andreas Brüggemann aus Veltheim an der Ohe. Er hatte zwei Kinder mit ihr aber die Frau und die erstgeborene Tochter verstarben nach wenigen Jahren. Als Witwer heiratete er im Alter von 35 Jahren Johanne Juliane Pauline Gries, Tochter des Schuhmachermeisters Johann Heinrich Gries aus Evessen. Bei der Taufe des Sohnes Heinrich Christian Müller im Jahre 1809 wurde sein Beruf als Häusling angegeben. Es wurden noch zwei weitere Kinder in dieser zweiten Ehe geboren und im Kirchbuch von Evessen werden als weitere Berufe Dienstknecht und Schuster genannt. Es war also eine arme Familie. CM Müller starb am 22. März 1855 in Evessen im Alter von 83 Jahren.

Johann Christian Müller wurde im April 1736 in Hachum geboren als sechstes Kind von Hans Hinrich Müller und seiner Ehefrau Ilsabe Bertrams aus Hachum. Im Alter von etwa 28 Jahren heiratete er Dorothea Christina Müller, Tochter von Christian Müller aus x. Als Beruf wurde in den Kirchbüchern von Hachum Schneidermeister genannt. In der Ehe wurden fünf Kinder geboren, von denen eines als Säugling und eine unverheiratete Tochter im Alter von 22 Jahre frühzeitig verstarben. JC Müller starb am 13. Dezember 1810 am Gallenfieber in Hachum im Alter von 74 Jahren.

Hans Hinrich (Johann Henrich) Müller wurde am 6. Januar 1694 in Lucklum geboren als Kind von Heinrich Müller / Möller und einer namentlich nicht genannten Ehefrau. Im Alter von 28 Jahren heiratete er Ilsabe Bertrams, die am 2. Januar 1700 als Tochter des Halbspänners Hinrich Bertram und Annen Marien Meyer beide aus Hachum geboren wurde. In der Ehe wurden sieben Kinder geboren von denen drei frühzeitig verstarben.

Heinrich Müller, mein Ur-ur-ur-ur-ur-ur-ur-Großvater wurde vor 1676 geboren, heiratete eine nicht genannte Frau, die am 6. Mai 1731 verstarb. Er wurde bei der Hochzeit meines Ahnen als Tagelöhner zu Lucklum verzeichnet. H Müller ist später als seine Frau gestorben.

In den drei zusammengehörigen Orten Evessen – Hachum – Gilzum gab es im 17. und 18. Jahrhundert zwei Familien mit dem Namen Müller. Bisher wurde keine eindeutige gemeinsame Verwandtschaftslinie festgestellt. Es gab eine arme (meine) Familie, die als Tagelöhner und einfache Handwerker ihr Leben fristeten, erst spät heiraten und entsprechend wenige Kinder bekamen und es gab eine reiche, etablierte Familie, die als Lehrer, Küster, Höfner und Krüger verzeichnet sind.
Der Ursprung unseres Familiennamens Müller könnte (Vorsicht: Hypothese!) in Hachum liegen. Alte Akten verzeichnen, dass im Norden des Dorfes auf einen etwa zehn Meter über dem Umland liegenden Hügel vor etwa 400 Jahren eine Windmühle lag. Das Urkundenbuch der Stadt Braunschweig verzeichnet im Jahre 1575 Matthias Schmitt als Windmüller in Hachum. Im Verlauf des 30-jährigen Krieges wurde diese Windmühle zerstört und nie wieder aufgebaut. Nur der Name auf den Landkarten Windmühlenberg erinnert an die Mühle. Dies könnte der Ursprung des Namens sein und würde gleichzeitig die Verarmung der Müller in Hachum erklären.

In der damaligen patriarchalischen Gesellschaft tauchen Frauen namentlich nur bei der Hochzeit auf, danach heißt es dann nur noch des ... Müllers Ehefrau ein Kind geboren und selbst bei der Beerdigung wird zum Teil kein Namen genannt und der Todesfall nur kurz als ... Müllers Ehefrau begraben. Dies erschwert entsprechend die Suche nach Verbindungen.

Zur Genealogie von Harm Hinrich Meyer aus Veerse

Zur frühen Geschichte des Kirchspiel Scheeßel gibt es zwei wesentliche Publikationen. Hinrich Meyer veröffentlichte 1955 die Geschichte des Kirchspiels Scheeßel, die als unveränderter Nachdruck noch einmal 1980 aufgelegt wurde. Die Gemeinde Scheeßel veröffentlichte 1997 die voluminöse Chronik Kirchspiel Scheeßel.

Zu meinem Ururururgroßvater Harm Hinrich Meyer aus Veerse findet sich im Band von Hinrich Meyer der Hinweis, dass das Rittergut Veerse von 1778 bis 1800 im Besitz der adeligen Familie von Weyhe war, dann an den Rittmeister Karl Friedrich von Scheither vom Rittergut Trochel erworben wurde, der es jedoch bereits 1804 zurück an die Familie von Weyhe gab. "Von ihm ist der Besitz lange Jahre an eine Familie Meyer aus Magdeburg verpachtet" (S. 246). Auch die Chronik Kirchspiel Scheeßel notiert in der tabellarischen Zusammenstellung der Besitzer des Ritterguts Veerse "1804 Verpachtung an Familie Meyer in Magdeburg" (S. 148).
Diese Angaben sind falsch!

Harm Hinrich Meyer kam aus Trochel im Kirchspiel Brockel in unmittelbarer Nachbarschaft zu Veerse und nicht aus dem fernen Magdeburg.
Sein Vater Daniel Meyer war nach 1771 Häusling, also ein Arbeiter auf dem Rittergut Trochel. Daniel Meyer stammte direkt aus Brockel und war mit seiner Frau Margaretha Dorothea Heitmann aus Bellen, Kirchspiel Brockel und den in Bellen geborenen Kindern Catharina Elisabeth Meyer (* 28.12.1764), Johann Friedrich Meyer (* 13.07.1767) und Anna Dorothea Meyer (* 22.02.1771) nach Trochel gezogen. Der erstgeborene Sohn Johann Hinrich Meyer (* 29.04.1763) war bereits am 4. Februar 1767 als Kleinkind in Bellen gestorben. Auf Trochel wurde am 1. September 1774 Johann Daniel Meyer und am 6. August 1781 gebar die nunmehr 43-jährige Mutter Harm Hinrich Meyer, der zwei Tage später in der Kirche von Brockel getauft wurde. Sowohl der zweitgeborene Sohn Johann Friedrich Meyer, als auch die zweite Tochter Anna Dorothea Meyer heirateten 1794 bzw. 1795 in die Familie des Hofmeyers auf Trochel ein. Die Eltern und Großeltern von Daniel Meyer stammen auch aus dem Kirchspiel Brockel. Hierzu wird es einen weiteren Beitrag geben.

Der jüngste Sohn Harm Hinrich Meyer verließ die Familie und fand Arbeit auf einen weiteren Rittergut der Familie von Scheither in Vinzelberg (Herzlichen Dank an den Genealogen J.E.W.Meyer, der mich darauf hingewiesen hat). Sein persönliches Glück stammte aus 15km von Vinzelberg entfernten Berkau, Kirchspiel Salzwedel. Hier liegt auch die Ursache des publizierten Fehlers. Berkau liegt im Magdeburgischen, also einer anderen Oberherrschaft.
Am 29. April 1804 heiratet Harm Hinrich Meyer Maria Elisabeth Röhl aus Berkau (* 08.01.1782) und am 27.08.1805 wird dort auch der erste Sohn Heinrich Meyer geboren. Die Gründe für die Rückkehr nach Trochel mit seiner jungen Familie sind nicht überliefert. Doch musste die Familie von Scheither im Rahmen eines familiären Konkurses ihre Rittergüter 1805 verkaufen. 
Als am 3. Juni 1808 die Tochter Charlotte Maria Meyer auf Trochel geboren wird, ist Harm Hinrich Meyer Verwalter des Ritterguts. Diese Tochter stirbt als Säugling am 11. Mai 1809. Als Verwalter von Trochel wächst die Familie sehr schnell. Johann Friedrich Meyer (* 23.02.1810) -mein Urururgroßvater-, Georg Meyer (* 16.04.1812), August Meyer (19.10.1814) und schließlich Friederike Caroline Meyer (29.06.1817) werden auf Trochel geboren.
Die Familie muss zu einen gewissen Reichtum gekommen sein, denn zwischen 1817 und 1821 zieht die Familie offiziell als Pächter auf das Rittergut Veerse. Hier wächst die Familie noch weiter, zunächst wird Rebecca Dorothea Meyer (* 17.06.1821) und als letztes Kind Cathrina Wilhelmine Meyer (* 31.01.1824) geboren.
Der Betrieb des Rittergutes war offensichtlich schwierig.
Als 1830 die Ernte im gesamten Königreich Hannover wegen äußerst ungünstiger Witterung sehr dürftig ausfällt, gewährt König Wilhelm IV. für seine betroffenen Untertanen einen Kredit für den Kauf von Saat- und Brotkorn. Im Kirchspiel Scheeßel greifen 22 Personen auf diesen Kredit zurück. Der Pächter Harm Hinrich Meyer zu Veerse erhielt im Frühjahr 1831 24 Himten (Hohlmaß für Getreide von jeweils etwa 31l) Buchweizen zur Aussaat, die im Herbst zurückgezahlt wurden.
Als Senior wird Harm Hinrich Meyer dann nur noch als Gutsaufseher bezeichnet und mit demselben Titel wird erstmals 1846 auch sein vierter Sohn August bei der Geburt dessen ersten Kindes bezeichnet. Harm Hinrich Meyer und sein Sohn August sind nach 1852, als die Familie des Müllers von der Scheeßeler Mühle das Rittergut Veerse kauft, nur noch Häuslinge. Harm Hinrich Meyer stirbt am 5. Juli 1845 auf Veerse an Auszehrung. Seine Frau zieht im hohen Alter zu einem der Kinder nach Scheeßel, wo sie am 4. Dezember 1859 verstirbt.

Mein Urururgroßvater Johann Friedrich Meyer war bereits vor 1837 nach Scheeßel gezogen, wo er am 5. Januar 1837 Engel Tamke aus Scheeßel heiratete und eine Anbauernstelle übernahm und als Schlachter tätig war. Er zeugte fünf Kinder, davon eine Tochter unehelich mit der späteren Frau seines ältesten Bruders.
Sein zweiter Sohn Adolf Friedrich Meyer (* 24.02.1844) -mein Ururgroßvater- wurde hauptberuflich Schlachter und heiratete Margarethe Riebesell aus Jeersdorf, mit der er nur einen Sohn (Friedrich) hatte. Die Frau starb früh und in zweiter Ehe wurde Engel Bellmann aus Westerholz geheiratet. Es wurde kein weiteres Kind geboren.
Aus Gründen des Datenschutzes sind alle weiteren Angaben ohne Datum.
Mein Urgroßvater Friedrich Meyer heiratete Christina Catherina Heitmann aus Scheeßel. Es wurden fünf Kinder geboren. Friedrich Joachim Georg Meyer, Helene Margarete Christina Meyer, Walter Hinrich Meyer, Ernst Hermann Meyer und als letztes Kind mein Großvater Hermann Wilhelm Heinrich Meyer. Mein Urgroßvater starb 1915 im 1. Weltkrieg an der Ostfront und sein Sohn Walter Hinrich Meyer 1944 im 2. Weltkrieg in Russland.

Genealogie im Kirchspiel Scheeßel

Als ich vor 28 Jahren mit der Familienforschung begann und zunächst Standesämter und einzelne Pfarrämter um Informationen zu meinen Vorfahren bat, war nicht abzusehen, wie weit dies Kreise ziehen. Heute haben ich zu 535 Personen mit 91 Familiennamen aus 76 Ortschaften Datenblätter in einer digitalen Datenbank, die in HTML erstellt wurde. Jedes Datenblatt hat Verknüpfungen nach oben und unten, so dass in der Regel nicht nur die unmittelbaren Ahnen erfasst sind, sondern die jeweilige Familie mit allen Kindern. Wenn ich dann irgendwann eine eigene Website habe, werde ich dort alle Datenbögen vor 1850 (also die übergroße Mehrheit) veröffentlichen.

Es gibt ein natürliches Ende der Familienforschung. Kirchenbücher sind die wichtigste Quelle für die Genealogie. Diese Kirchbücher liegen in der Regel erst nach dem 30-jährigen Krieg vor. Dort werden Taufen, Konfirmationen, Kopulationen (= Aufgebote und anschließende Eheschließungen) und Begräbnisse schriftlich dokumentiert. Die Qualität dieser Bücher hängt natürlich vom jeweiligen Schriftführer ab. Einige notierten nur die wesentlichen Daten des Wer-Wann-Wo, andere verwiesen auf Zusammenhänge und Besonderheiten und notierten am Jahresende noch eine abschließende Bemerkung.
Das Internet bietet neue Möglichkeiten der Recherche und gibt Hinweise auf weitere Datenbestände in Kirchenbuch- und staatlichen Archiven. Gedruckte Publikationen, die genealogische Angaben enthalten, sind natürlich stets nach besten Wissen erstellt, aber Korrekturen der eigenen Forschung können nicht aufgenommen werden. Ich werde in dieser neuen Rubrik einige genealogische Erkenntnisse aus meiner Forschung veröffentlichen. Da Familienforscher sehr genau suchen, werden sie meine folgenden Einträge mit Sicherheit über Google finden.
Meine Vorfahren stammen im Wesentlichen aus zwei Regionen. Auf der mütterlichen Seite ist es das Kirchspiel Scheeßel zwischen Hamburg und Bremen und die unmittelbare Umgebung. Auf der väterlichen Seite sind es Dörfer zwischen Braunschweig und dem Elm, genauer Hachum, Gilzum und Evessen und das weitere Umland.

Im Kirchspiel Scheeßel wurde endogam geheiratet. Für die frühesten Einträge habe ich das Kirchenbuch statistisch ausgewertet. Zwischen 1655 und 1708 wurden 831 Eheschließungen im Kopulationsregister registriert, nur in 37 Fällen stammte einer der Partner nicht aus dem Kirchspiel Scheeßel. Dies sind nur 4,5 Prozent! Eine auswärtige Heirat war häufiger, das Kirchbuch verzeichnet natürlich nur die Trauungen in Scheeßel; wenn jemand aus dem Kirchspiel Scheeßel auswärtig heiratete, ist dies in der Regel nicht in Scheeßel verzeichnet. 
Von den 37 Hochzeiten mit Auswärtigen wurde in zwei Fällen pauschal als Herkunft Militär angegeben, ansonsten stammten fast alle aus unmittelbar benachbarten Kirchspielen, also Brockel, Gyhum, Fintel, Sottrum, usw. Das Kirchspiel Scheeßel ist groß und somit ist die Gefahr von Inzucht relativ gering gewesen und die Kirchgemeinde hat im Zweifelsfall hierzu auch eine dokumentierte Überprüfung der Verwandtschaftsverhältnisse der potentiellen Ehepartner vorgenommen.

Bestimmte Familiennamen sind mit bestimmten Ortschaften und oftmals mit bestimmten Höfen verbunden. Alle bisher bekannten Personen mit den Familiennamen Kracke haben einen Bezug zum Kracken-Vollhof in Wohlsdorf, Kirchspiel Scheeßel. Ähnlich verhält es sich mit dem Namen Lüdemann, der stets zu verschiedenen Höfen in Abbendorf, Kirchspiel Scheeßel führt. Auch der häufige Name Meyer lässt sich in vielen Fällen auf klar zu identifizierende Höfe in mehreren Dörfern des Kirchspiels Scheeßel zurückführen.
Im folgenden Eintrag dokumentiere ich die Genealogie von Harm Hinrich Meyer, meinem Ururururgroßvater, der im frühen 19. Jahrhundert das Rittergut Veerse als Pächter bzw. Verwalter betrieb und dort am 5. Juli 1845 gestorben ist.
Um so weiter ich in meiner Suche zurückging, um so wahrscheinlich wurde es, dass eine Familie mehrmals auftaucht. Die oben gezeigte schematische Darstellung verzeichnet nur sieben Generation und umfasst in der Spitze bereits 64 Personen einer Generation. Von mir bis zum 30-jährigen Krieg sind es rund 12 Generationen dies entspricht dann 2.048 Personen in der ältesten Generation.

Siehe auch meine Notiz zum Thema Genealogie und Auswanderung.

Donnerstag, 28. Dezember 2006

Genealogie und Emigration

Was genau der Anlass dafür war, dass vor mehr als 25 Jahren das Hobby Genealogie aufgenommen wurde, wäre nur mit sehr vielen Worten zu erklären.
In Kürze: Geschichte war bereits an der Realschule eines meiner liebsten Fächer (neben Mathematik und Erdkunde!). Wie vermutlich alle Familienforscher suchte ich nicht nur nach Familiendaten, sondern nach einer Verortung von Ereignissen und Prozessen. Die Kriege des 17.-20. Jahrhundert und andere katastrophalen Ereignisse finden sich in allen Kirchenbüchern und Ortschroniken und deshalb natürlich auch in meiner Familie.

Hintergründe und Geschichten haben in Norddeutschland eine natürliche Grenze. Erst nach dem 30-jährige Massenmord begannen die Pfarrer in Büchern Taufen, Kopulationen (= so wurden damals Hochzeiten genannt) und Beerdigungen für ihr Kirchspiel zu dokumentieren. Meine Familiengeschichte setzt auf der väterlichen Seite 1650 in Hachum, 1653 in Evessen und auf der mütterlichen Seite 1655 in Scheeßel und 1661 in Brockel ein.
Nachdem zunächst nur ausgewählte kirchliche Ereignisse niedergeschrieben wurden, werden ab etwa 1700 alle Geburten, also auch die Totgeburten erwähnt. Doch natürlich sind dies nicht alle Personen. Es gab stets Personen außerhalb der von dem Pfarrer kontrollierten Kirchgemeinde. Fremde, Juden und Adelige tauchen wenn überhaupt nur am Rande auf. Und ein großer demographischer Prozess hinterließ fast keine Spuren: Emigration!

Es wurden nun einige Daten zur Auswanderung aus dem Amt Rotenburg aus verschiedenen Quellen zusammengestellt. Hier wie auch in vielen anderen Regionen Deutschlands sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung zwischen 1830 und 1930 vor allem in die USA ausgewandert. Wenn es kein besonderes Interesse durch den Pfarrer gab, blieb das Verlassen des Kirchspiels unerwähnt. Auswanderer erscheinen nur als Remigranten und was heute als Heiratsmigration bezeichnet wird, wenn Sie auf Besuch erscheinen und vor Ort ihre Jugendliebe heiraten und mit ihr in die Staaten entschwinden.
Von den mehr als 500 Personendatensätze zu Vorfahren meiner Familie, die bisher gesammelt wurde, gab es bisher keinen Hinweis auf Auswanderung aus einer der Familien.
Nun fand sich beim Abgleich der Daten ein Cousin meines Urururgroßvaters Jacob Heitmann (1824-1877). Sein Großvater mütterlicherseits war Hinrich Meyer (1764-1801), Hofinhaber des einstelligen Vollhofs zu Varel nördlich von Scheeßel. Von diesen Hof stammt Harm Hinrich Meyer, der 1864 über Bremerhaven in die USA auswanderte und 1874 in Manhattan Catharina Maria Hesse aus dem benachbarten Kirchspiel Brockel heiratete.

Endlich habe ich einmal dieses Massenphänomen in meiner Familie lokalisieren können. Hi, hi und jetzt will ich natürlich auch wissen, ob Nachfahren dieses Meyer-Zweiges in den USA leben.