Posts mit dem Label Europa werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Europa werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 10. März 2019

Wahlprognose Europaparlament Grüne Fraktion

Es gibt eine neue Webseite, welche die Prognosen für die Wahl zum Europa-Parlament zusammenführt.
https://europeanelectionsstats.eu
Mich interessiert eigentlich nur, wie sich die künftige Fraktion Grüne/Europäische Freie Allianz zusammensetzt. Zur Zeit hat diese Fraktion 52 Mitglieder, wovon 41 Mitglied einer Partei sind, die sich in der Europäischen Grünen Partei zusammengeschlossen haben.
52 Mitglieder aus 27 Parteien (plus zwei parteilos) aus 18 Ländern.

Nach der aktuellen Prognose von Mitte Mai wird die neue Fraktion sich nur noch aus 49 Mitgliedern aus 14 Ländern zusammensetzen.



Bisher Prognose
Belgien 2 4
Dänemark 1 1
Deutschland 13 20
Estland 1 0
Finnland 1 2
Frankreich 6 6
Italien 1 0
Kroatien 1 0
Lettland 1 1
Litauen 1 3
Luxemburg 1 1
Niederlande 2 3
Österreich 3 1
Slowenien 1 0
Spanien 5 3
Schweden 4 2
Ungarn 2 1
Vereinigte Königreich 6 9
GESAMT 52 49
Bulgarien, Griechenland, Irland, Malta, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Tschechien, Zypern von 0 zu 0.

Ich habe verzichtet Malta und Zypern auf der Karte darzustellen, da in diesen Ländern wie auch in den grau dargestellten Ländern grüne Politik keine Chance hat.
Erfolgreiche grüne Parteien gibt es eigentlich nur im zentralen Westeuropa und Finnland. Die litauische Bauernpartei ist nur den Namen nach auch eine grüne Partei.
Das macht das ungewöhnliche des EU-Parlaments aus. Ohne Hürde erhalten viele Parteien einen Sitz im EU-Parlament.
Ich werde weiterhin die Webseite auswerten und diesen Beitrag aktualisieren oder weitere Beträge daraus erstellen.

Samstag, 7. Juli 2018

Farbenwechsel-Deutschland-Belgien


Man nehme eine nicht mehr benutzte Deutschlandfahne und schneide den schwarzen Streifen ab.
Die nun getrennten Teile drehe man um Uhrzeigersinn um 90° und befestige den schwarzen Streifen vor dem gelben.
Die deutsche Fahne hat das Format 3 x 5, die belgische 2 x 3.
Entsprechend muss die Fahne beschnitten werden.
Es entstehen zwei Fahnen, die man nun beim Halbfinalspiel der Herrenfußball-WM nutzen kann.

Viel Spaß!

Montag, 19. Dezember 2016

Glasfaserverkabelung in Europa

Die OECD hat vor einigen Tagen eine Säulengraphik zur Quote der Glasfaserverkabelung in ausgewählten Ländern veröffentlicht. Das sah nicht beeindruckend aus.
Ich habe die Zahlen mal in eine Europa-Karte übertragen und damit natürlich einige OECD-Länder ausgelassen.

Ich bin überzeugt, dass diese Darstellung noch deutlicher zeigt, wie weit Deutschland technologisch zurückliegt.

Die nackten Zahlen:

fiber/total pen
Israel 0,0%
United Kingdom 0,0%


Colombia 3,0%
Greece 0,2%
Belgium 0,2%
Ireland 0,4%
Germany 1,5%
Austria 1,6%
Italy 2,5%
France 5,3%
Poland 5,4%
Chile 5,4%
Canada 7,4%
Australia 9,5%
Mexico 10,4%
United States 11,0%
New Zealand 11,1%
Netherlands 13,7%
Luxembourg 15,3%
Czech Republic 16,0%
Hungary 16,3%
Turkey 17,6%
OECD 19,4%
Switzerland 19,9%
Spain 23,3%
Denmark 23,6%
Slovenia 24,5%
Finland 26,1%
Portugal 26,6%
Slovak Republic 27,0%
Iceland 27,3%
Norway 33,2%
Estonia 34,1%
Sweden 48,9%
Latvia 60,7%
Korea 71,3%
Japan 73,3%
 (Quelle: OECD)

Mittwoch, 24. Februar 2016

Fehlende Andenken und diffuse Erinnerungen

Manche Erinnerungen brauchen eine materielle Unterstützung.
Es gab Tage und sogar Wochen, in denen Erlebnisse, Beobachtungen und interessante Gespräche, in so dichter Reihenfolge auf mich einstürzten, dass nicht genügend Zeit zur Reflektion blieb.
Das sind Zeiten gewesen, die heute durch Tagebucheinträge, Briefe und Postkarten, die ich damals geschrieben habe, wieder aufleben könnten. Fotos oder andere Andenken in der Form von Eintrittskarten, Fahrkarten, Rechnungen und anderen konkreten Materialien könnten mir dabei helfen.
Ich habe Lücken in meiner Erinnerung, zum Beispiel der Sommer 1981. Meine letzten Sommerschulferien und ich fuhr alleine von Ganderkesee aus mit einem Interrail-Ticket in das südliche Europa, ich hatte kein wirkliches Ziel, keine Stadt, die ich unbedingt besuchen wollte. Die deutsche Bahn führte mich zur niederländischen Grenze und dann reiste ich auf der Route NL - BE - FR - ES - PT - ES - FR - CH - DE - CH - FR - LUX - BE - NL um nach weniger als drei Wochen wieder an meinem Ausgangspunkt zu sein.
(Habe vor Jahren mal versucht, einige Orte meiner Tour zu benennen)
Die deutsche Bahn gab eine Prämie (waren es 10, 20 oder mehr DM?) für das ausgefüllte kleine Interrail-Heftchen, wenn es zum Abschluss bei der Bahn abgegeben wurde. Ich war Schüler, hatte sehr viel Geld für diesen Urlaub ausgegeben, knapp bei Kasse und nahm das Angebot an. Dieses einzigartige Dokument verschwand hinter einem Schalter. Ich war ohne Fotoapparat unterwegs und so bleiben mir als Andenken wenige Stempel in meinem ersten Reisepass, eine schwer zu lesende Rechnung aus Portugal und verblassende Erinnerungen.
(Junger Mann mit Ostafrika-Karte und tropischer Raupe an einer Straße in den nördlichen Pare-Bergen, Tanzania)

Eine ähnliche Lücke gibt es im Sommer 1987 als ich nach meiner Landung in Nairobi, nachts mit einem Überlandbus nach Mombasa fuhr und von dort mit einem kleineren Bus weiter nach Malindi, wo ich einige Tage blieb. Von hier ging es über Tanga (wieder mehrere Tage) und Moshi in die nördlichen Pare-Berge, wo ich für vier Wochen in einem Dorf mit anderen Deutschen an einem kleinem Projekt teilnahm. Die rauschhaften Eindrücke meiner ersten Reise zu unseren Nachbarkontinent und durch Teile von Kenya und Tanzania schrieb ich detailliert in mein Tagebuch. Dieses wurde mir auf der Hinreise nach Shigatini zusammen mit einem kleinen Rucksack in Moshi gestohlen.
Das war so frustrierend, dass es dauerte bis ich ein neues Tagebuch begann und ich schreib nur wenig über die Tage vor dem Neubeginn. Unsere vier Wochen im Dorf und eine folgende Rundreise durch Tanzania hatten nur wenige Ruhezeiten. Viele Erinnerungen gingen verloren oder überlagern sich. Wenn mir meine Mutter nicht meinen ersten Brief aus Kenya wieder gegeben hätte (hier ist er wiedergegeben), dann könnte ich die Begeisterung nur schwer rekonstruieren.

Freitag, 27. März 2015

Ewige Sommerzeit.

Es werden wieder die Uhren gestellt und im Gesichterbuch wurde über den Un/Sinn der halbjährlich wechselnden Zeiten gepostet.
Ich würde mir wünschen, dass wir final auf die Sommerzeit umstellen. Auf das längere Tageslicht am Abend möchte ich nicht verzichten und wenn es dann in der dunklen Jahreszeit am Morgen länger dunkel ist, so macht mir das nichts aus. Ich brauche am Morgen kein schwaches, natürliches Tageslicht. Mir reicht ein Kaffee und die Aussicht, dass selbst im Herbst und Frühjahr am Nachmittag noch Tageslicht ist.

Doch dann sollte das System in Europa grundsätzlich verbessert werden. Ich meine damit eine Rückkehr zur Lokalzeit. Die Welt ist in 24 Zeitzonen aufgeteilt, die nicht unbedingt ihrer geographischen Lage entsprechen. Eine Stunde entspricht 15 Längengraden. Die Referenz für UTC ist Greenwich im Osten von London. Die Grenzen dieser Zeitzone müsste eigentlich 7,5° westlich und 7,5° östlich davon verlaufen. Damit wären die Niederlande, Belgien, Frankreich und Spanien in derselben Zeitzone, wie das Vereinigte Königreich und nicht in unser MEZ-Zone. Portugal würde sogar in der westlich anschließenden Zeitzone liegen und damit würde dieses Land mit Irland und Island westlich von UTC einsortiert. 
Europa, Zeitzonen, MEZ, UTC
Satirisch könnte dann auch gleich die echte Lokalzeit eingeführt werden, so dass die Mittagszeit an allen Orten mit dem Zenit der Sonne übereinstimmt. Jeder Längengrad entspricht 4 Minuten Abweichung von der Referenz von Greenwich. London 13.00 Uhr entspricht dann Amsterdam 13:20 Uhr, Oldenburg 13:33 Uhr, Hannover 13:39 Uhr und Berlin 13:53 Uhr. In Lissabon wäre es dann erst 12:23 Uhr.

Samstag, 18. Oktober 2014

Kein EKNT Warszawa / Poznan

Da hat mich der Streik der Lokführer kalt erwischt.
Das Europa-Kolleg hat mich in den letzten Jahren in viele europäische Länder geführt (FIN, EST, CZ, SK, RO, ES (2007), ES (2009), PT, wieder FIN und EST, IT, HU und diesen Sommer wieder IT wie mehr als ein Dutzend Blogbeiträge dokumentieren).
Seit dem Frühjahr gaben es zunächst Gedankenspiele und dann Planungen für eine Reise in den Osten. M. hatte mich nach Warschau eingeladen und J. vorgeschlagen, dass ich auf dieser Reise in Posen einen Zwischenstopp mache.
Zunächst war der Sommer anvisiert, doch das ließ sich nicht realisieren. Mit Frühbucher ist so eine Reise H-B-W und zurück für weniger als 100 Euro möglich. Ich buchte früh und mit BahnCard25 waren es dann nur €84,75. Dafür hatte ich gebundene Züge und für die Rückfahrt sogar einen direkten EN-Liegewagen gebucht.
Es sind scheinbar politische Erwägungen, welche das Management der Bahn dazu bewegen, welche Linien trotz des Streiks bedient werden. Einige gut ausgelastete Linien werden nicht befahren und andere schwach besetzte Linien verkehren. Der EC Berlin-Warschau und auch der IC Berlin-Amsterdam werden nicht bedient. Es sind dies zwei stets gut gefüllte Züge. Von einem weiß ich es aus langjähriger Erfahrung und vom anderen wurde mir dies von meinem Gastgeber in Warschau gesagt.

Als Veranstaltungsorganisator suchte ich in den Ersatzfahrplänen nach einem Plan B. Ich muss um 11 Uhr den EC an der ersten polnischen Station erreichen, den nur für den habe ich Platzkarte. Also Abfahrt um Mitternacht in H nach B, fünf Stunden Aufenthalt in B, dann mit einem Regionalzug nach Frankfurt/Oder und dann mit einem anderen Zug die 5-10 km zur ersten polnischen Station. Tja, die Bahn setzt keine Zugführer auf den letzten Kilometern ein.

Plan A und B waren nicht umsetzbar. Am Schalter wurde gar nicht erst versucht, im Dschungel der Informationen nach einer Alternative C zu suchen. Ohne Formular, nur mit einer Unterschrift, die den Empfang des Gelds bestätigt, erhielt ich meine €84,75 zurück.

Was bleibt. Stunden der Gedankenspiele, Recherche und Planung und vor allem dabei stets die Vorfreude. Wenn ich nächster Jahr nach Warschau fahre, bin ich bereits mit vielen Vorabinformationen versehen. Schade für den Moment, aber es gibt einen weiteren Versuch (und wieder Vorfreude).

Samstag, 16. August 2014

Treffen des Europa-Kollegs in Firenze

Und wieder ist ein große Gruppe aus vielen europäischen Ländern auf dem Weg um sich zu treffen. In diesem Jahr ist das Ziel Firenze und eine weitere toskanische Stadt.
Das Europa-Kolleg ist kein Reiseverstalter, aber ich habe durch diesen erlesenen Kreis seit 2006 Reisen nach Helsinki, Tallinn, Praha, Poprad, Bucuresti, Sibiu, Barcelona, Malaga, Lisboa, Talsinki, Genova und Budapest unternommen.
Wir treffen uns, stabilisieren und erneuern unsere Kontakte und Freundschaften, Feiern, haben aber jeweils ein Kulturprogramm und zuletzt auch fast schon offizielle Termine. Ich erinnere mich gerne an das Folk-Festival in Viru, wo Tjörk auftrat oder das ungewöhnliche Theaterstück in Praha, die Museen in der europäischen Kulturhauptstadt Sibiu und anderen erhebenden und unterhaltsamen Programmpunkten.

In Tallinn und Budapest besichtigten wir u.a. das Parlament und in diesem Jahr gibt es europäische Hochkultur in den Uffizien und ein Besuch im Historischen Archiv der Europäischen Union, in Nachbarschaft zum Europäischen Universitäts-Institut.

Ein europäisches Netz von vielen - für mich persönlich das wichtigste - wird gepflegt. 

Der Beitrag wird fortgesetzt.

Ein erster Beitrag über die Anreise. Als überzeugter Bahnreisender muss ich bekennen, dass die Sitzwagen im deutschen CNL so schlecht sind, dass ich ausdrücklich die Buchung eines Liegewagens empfehle.
In der Stadt finden sich neben den üblichen, langweiligen Tags von ach so coolen jungen Männern, echte Street Art. Der Künstler Blub arbeitet mit Verfremdung und vergänglichem Material. "K" (?) macht Graffiti, aber diese sind auch vergänglich, wie das Thema seiner Kunst (LOVE EXIT oder doch EXIT LOVE). In einen weiteren Beitrag stelle ich noch andere Beispiele für Paste-Up und Schablonen vor.
Firenze ist ein lebendes Museum der Kunst!

Kunst und Kultur findet sich überall. In den kirchlichen Gebäuden und Museen befindet sich die geschätzte Hochkultur, doch in Nebenstraßen oder in Privatwohnungen findet sich Kulturelles, was manchmal Kunsthandwerk und manchmal Kunst ist. Moderne Notwendigkeiten (Stromversorgung, Entlüftung, u.a.) greifen dabei manchmal radikal ein. Da stellt sich die Frage, was soll erhalten werden und was nicht? Ist die katholische Kleiderordnung wichtiger als der Erhalt der Farben von Freskos und Gemälden?

Nördlich des Flughafen Firenze befindet sich die offizielle Wetterstation der Region Toscana und der Italienischen Forschungsrates.
Das LAMMA "Laboratorio di Meteorologia Modellistica Ambientale" veröffentlicht eine Auswahl von meteorologischen Messwerten (Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Wind, etc.). In unserer Stadtwohnung in Via Cavour war es aufgrund der urbanen Wärmeinsel sicherlich 2-4° wärmer als am Flughafen. Entsprechend kann festgestellt werden, dass vom 19. bis zum 26. August mit der Ausnahme des 22. alle Nächte Tropennächte waren. Mit den ausnahmen des 16. und 23. August waren alle Tage Tropentagen. Doch da im langjährigen Durchschnitt für den gesamten August Nachttemperaturen von 18,0° und am Tagestemperaturen von  29,4° errechnet wurden, war es nicht ungewöhnlich heiß. Nach der gleichen Datenbasis schwankte die Luftfeuchtigkeit zwischen einem täglichen Minimum von 30-40% und einem Maximum von 80-90%. An vielen Tagen gab es eine hohen UV-Belastung (6 auf dem UV-Index)

Dienstag, 5. August 2014

Arno Schmidt Zitate - 8 - Europäische Kultur

Schriftsteller schreiben mehr als von ihnen zu Lebzeiten in Büchern, Magazinen und Zeitungen veröffentlicht werden. Tagebücher und Briefe sind oftmals für die Nachwelt archiviert, um den Menschen hinter seinem Werk zu erkennen.
Von Arno Schmidt liegen zum Beispiel viele Briefentwürfe, Durchschläge von Briefen und maschinenschriftliche Abschriften vor, die sicherlich nicht zufällig seit seiner Entscheidung als Schriftsteller zu leben, von ihm und seiner Frau Alice gesammelt wurden. Die Briefe sind keine zufälligen Funde nach seinem Tod. Hier nun einmal ein Zitat nicht aus einem Werk sondern aus einem "privaten" Brief an seinem Freund seit der Gymnasialzeit:
Das auszeichnende am Mensch ist der Geist; noch genauer: die kulturellen Leistungen. Ich, ein Kind Europas, und europäischer Kultur voll, wünsche, dass diese erhalten, und wenn möglich sogar gefördert werde: zu diesem Zwecke machte (und mache) ich mich mit diesen unvergänglichen Leistungen bekannt, weise immer wieder auf sie hin, (...)
(Arno Schmidt an Heinz Jerofsky, Cordingen 6. August 1950. Zitiert nach Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach (Hrsg.) »Und nun auf, zum Postauto!« Briefe von Arno Schmidt, Suhrkamp, S. 25)

- - - - - - - - - -
Weitere Zitate von Arno Schmidt:
Und schließlich meine Empfehlung für die Erzählung "Tina oder über die Unsterblichkeit" für all die Menschen, die Arno Schmidt erst entdecken wollen und für den Roman "KAFF auch MARE CRISIUM", der sich vortrefflich zum Vorlesen eignet.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Europawahl 2014 in Hannover

Im dritten Teil meiner Betrachtung der Wahlergebnisse der Europawahl 2014 schaue ich auf Hannover und seine Stadtteile. (1. Teil Deutschland / 2. Teil Niedersachsen) Alle folgenden Zahlen stammen von der Wahlseite der Stadt Hannover - Sachgebiet Wahlen und Statistik.
Es geht noch einmal um die Frage, ob die Wahlbeteiligung einen Einfluss auf das Wahlergebnis extremistischer Parteien hat. Hannover hat eine extreme Varianz der Wahlbeteiligung. In den beiden großbürgerlich geprägten Stadtteilen Isernhagen-Süd und Waldheim gab es eine Wahlbeteiligung von 61,3%. In den eher "sozial schwachen" Stadtteilen Hainholz (20,7%) und Mühlenberg (22,7%) gaben weniger als ein Viertel der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.
In der ganzen Stadt waren es nur 39%, womit Hannover zu den Regionen mit einer schlechten Wahlbeteiligung in Niedersachsen und Deutschland zählt.
Die erste Abbildung zeigt die Wahlbeteiligung in den Stadtteilen. Die genannten Stadtteile sind mit kräftigen Farben markiert. Weitere Stadtteile mit einer deutlich überdurchschnittlichen Wahlbeteiligung (hell grüne Farbe) sind Seelhorst, Heideviertel, Waldhausen, Bult, Zoo und Linden-Mitte. Mit der Ausnahme des zuletzt genannten Stadtteils sind die anderen Stadtteile auch als bürgerlich bis großbürgerlich geprägt zu bezeichnen. Linden-Mitte ist a) hoch politisiert und b) hier lebt die grün-alternative Bourgeoisie, also das "neue" Bürgertum.
Weniger als ein Drittel der Wahlberechtigten (orange Farbe) der Stadtteile Limmer, Wülfel, Vahrenheide, Sahlkamp, Leinhausen, Wülferode, Ricklingen, Ledeburg, Nordhafen, Stöcken, Mitte, Vahrenwald, Badenstedt und Kleefeld gingen zur Wahl. Einige der genannten Stadtteile haben Großwohnanlagen, in denen sich sozial Probleme konzentrieren (viele HARTZ-IV-Empfänger) und die nicht nur an der Europawahl wenig Interesse zeigen.

Die Frage ist nun, sind diese orange und roten eingefärbten Stadtteile auch die Basis für rechtsextreme Parteien.

Es wurden die Wahlergebnisse von NPD, REP und Pro NRW zusammengefasst. Alle drei Parteien sind erklärter Maßen ausländerfeindlich, anti-islamisch und gegen die EU und überhaupt alles was sie nicht verstehen. Es ist schon auffällig, dass viele der Stadtteile mit niedriger Wahlbeteiligung auch überdurchschnittlich oft rechtsextreme Parteien wählten. Die Farbgebung entspricht der Wahlanalyse für die Stadt Hannover zur Landtagswahl 2013.
In einer Kreuztabelle wurden die Wahlbeteiligung mit dem Wahlergebnis der Rechtsextremen korreliert.
Es ist eine Korrelation zu sehen, auch wenn es Ausreißer gibt. So hat hat das großbürgerlich geprägte Isernhagen-Süd die höchste Wahlbeteiligung, aber gleichzeitig wählten auch 0,9% rechtsextrem.

Eine weitere Kreuztabelle wurde für Wahlbeteiligung und den Stimmenanteil der Eurogegner von der AfD erstellt.
Hier gibt es keine signifikante Korrelation! Die beiden höchsten Wahlergebnisse wurden in Leinhausen (Wahlbeteiligung 29,7%, AfD 9,4% der Stimmen) und Isernhagen-Süd (61,3% Wahlbeteiligung, AfD 9,3% der Stimmen) festgestellt.

Zum Abschluss meiner Betrachtung noch einen Blick auf Extreme und Kuriosa:
  • Im Wahllokal Hainholz 2 gingen von 1.536 Wahlberechtigten nur 150 zur Wahl. Dies entspricht einer Wahlbeteiligung von 9,9%. Kann hier überhaupt noch von einer Beteiligung gesprochen werden? Von diesen wenigen wählten 3,4% Rechtsextreme und 6,7% AfD.
  • Im Wahllokal Linden-Nord 10 gab es eine Wahlbeteiligung von 45,6%. Von den gültigen Stimmen entfielen 37,2% auf die Grünen, 28,3% auf die SPD, 14,2% auf die Linke, 6,7% auf die CDU, 4,5% auf die PARTEI und 3,7% auf die Piraten. Die FDP erhielt eine Stimme (=0,2%).

Europawahl 2014 in Niedersachsen

Ein Blick auf die Ergebnisse der Wahlen zum Europäischen Parlament am 25. Mai 2014 in Niedersachsen zeigt einige Besonderheiten zu früheren Wahlen.
Die Aufhebung der Sperrklausel durch das Bundesverfassungsgericht hat eine deutliche Auswirkung. Die Wahlberechtigten sind nicht mehr gezwungen, das geringere Übel zu wählen.

Am Beispiel der "grünen" Wähler lässt sich dies erläutern:
Wähler, die konsequent ökologisch orientiert sind, brauchen nicht mehr die Grünen zu wählen, sondern können nun auch entweder die Partei Mensch Umwelt Tierschutz oder die Ökologisch Demokratischen Partei wählen. In Deutschland verloren die Grünen 56.000 Stimmen, die Tierschutzpartei gewann 77.000 Stimmen hinzu und die ÖDP weitere 50.000. Es war bestimmt keine direkte sogenannte Wählerwanderung, aber diese drei Parteien schöpfen aus der gleichen ideologischen Quelle.
Dies lässt sich ähnlich für Niedersachsen feststellen (prozentualer Verlust der Grünen, Gewinn der Tierschutzpartei und der ÖDP).

Ähnliche Aussagen lassen sich mit den ideologischen Gruppen "konservativ" (CDU-FDP-AfD) und "irgendwie links" (SPD-Linke) feststellen.

Vor der Wahl wurde vehement zur Wahl aufgerufen. Die treibende These ist dabei: Eine hohe Wahlbeteiligung reduziert den prozentualen Anteil der populistischen Parteien . Diese Populisten haben eine absehbare Wählerschaft und bei höherer Wahlbeteiligung reduziert sich deren Anteil. Soweit die These.

Ich habe diese These für Niedersachsen überprüft. Es wurden die Wahlbeteiligung mit verschiedenen Parteien oder ideologischen Gruppen (Rechtsextreme) korreliert. In Niedersachsen gab es zwischen den Landkreisen eine sehr große Varianz der Wahlbeteiligung. In Emden gingen nur 35,9% der Wahlberechtigten zur Wahl. Für ganz Niedersachsen wurde eine Quote von 49,1% erreicht. Positiver Ausreißer war der Landkreis Rotenburg / Wümme mit 55,5%.
Für keine der etablierten Parteien (CDU-SPD-GRÜNE-LINKE-FDP) lässt sich ein Zusammenhang feststellen. Für die Euro-Gegner AfD zeigt sich auch keine Korrelation:


Selbst für die radikale Linke (DKP-MLPD) und Rechte (NPD+REP+ProNRW) ist keine Korrelation zu erkennen.
Der negative Rekordwert bei den Rechtsextremen liegt bei 1,6% im Landkreis Helmstedt bei einer Wahlbeteiligung von 42,4%. Der positive Wert bei 0,4% in der Grafschaft Bentheim bei einer Wahlbeteiligung von 51,1%. Doch Helmstedt ist ein schlechtes Beispiel, weil es dort verfestigte Nazi-Strukturen gibt. Wie in der Darstellung des Landtagswahlergebnis 2013 festgestellt wurde, muss der Blick auf die Ebene der Wahlbezirke und zum Teil der Wahllokale fokussiert werden, um eindeutige Korrelationen zwischen Wahlbeteiligung und Wahlergebnisse von extremistischen Parteien zu sehen.

In einen weiteren Beitrag beantworte ich diese Frage für Hannover.

Europa und Europawahlen

Wahlergebnisse können wirklich lustig sein. Fast jedem Parteivertreter gelingt es aus einem Ergebnis, mag es auch noch so schlecht sein, etwas Positives zu ziehen. Da wird dann der "Genosse" Trend zitiert und darauf verwiesen, dass Prognosen noch schlechtere Werte erwarten ließen. Oder es wird ein Vergleich zur "???"-Wahl (die letzte Wahl im Land oder Bund) gezogen. Oder man vergleicht seinen Verlust mit den viel höheren Verlusten eines politischen Gegners. Doch die Vergleichsebene sollte natürlich die vorherige Wahl zum gleichen Parlament sein.

Wirtschaftliche Krisen in mehr als einem EU-Staat oder eben die Europawahl lassen aber auch ernsthafte Gedanken zu. Die Krise in Griechenland führte zu interessanten Essays über den (Zu-)Stand der EU. Der französische Philosoph Étienne Balibar schrieb aktuell in der LE MONDE diplomatique ein Plädoyer für Europa.

Doch zurück zum deutschen Wahlergebnis (Bundeswahlleiter). Die Kombination von Europawahl und Kommunalwahl bzw. Volksabstimmungen in einigen Bundesländern hat die Wahlbeteiligung erhöht. Obwohl sich die Zahl der Wahlberechtigten um mehr als 200.000 reduzierte, gingen mehr als 2,91 Millionen mehr von Ihnen zur Wahl. Die Wahlbeteiligung stieg auf immer noch traurige 48,1 Prozent. Da fast 100.000 weniger ihre Stimme ungültig machten, wurden 3 Millionen Stimmen (oder 11,4 Prozent) mehr Stimmen unter den Wahlvorschlägen zu verteilen. Von den etablierten Parteien erhielten nur SPD, CDU und Linke mehr Stimmen als 2009. Die FDP hat ihren Sinn (=Macht!) verloren und verlor Zweidrittel oder 1,9 Millionen ihrer Wahlstimmen. Die beiden anderen Verlierer waren die CSU und die Grünen.
Wenn die 3 Millionen zusätzlichen Stimmen als Maßstab für den Erfolg der Wählermobilisierung genommen wird, dann hat tatsächlich nur die SPD mit 2,5 Millionen zusätzlichen Stimmen gewonnen.

Der andere Sieger ist die AfD mit ihrem xenophoben, antifeministischen, chauvinistischen und EURO-kritischen Wahlkampf (2 Millionen Stimmen).
Ausgehend von einer Mindeststeigerung der eigenen Stimmen von 11,4 Prozent gab es nur wenige "Gewinner" unter den ehemals sonstigen Parteien: Die Piraten steigerten ihre Stimmenanzahl um 85 Prozent, Die Tierschutzpartei um 26 Prozent und die ÖDP um 37 Prozent. Hinzu kommen weitere Parteien, die 2009 nicht zur Europawahl angetreten waren, wie die Nazi-Partei und die Spaßpartei. Parteien unter 100.000 Stimmen werden bei dieser Betrachtung außen vor gelassen. Der Wahlerfolg der Nazis (301.000 Stimmen, 1 Sitz im Europaparlament) relativiert sich dadurch, dass die konkurrierenden REP 238.000 Stimmen verlor.

Nach der alten Sperrklausel von 5% wären nur 25,7 der 29,3 Millionen gültigen Stimmen im Europaparlament berücksichtigt wurden (entsprechend 87,7% der abgegebenen Stimmen). Nach der vom Bundesverfassungsgericht einkassierten reduzierten 3% Sperrklausel hätte sich die Quote auf 91,1% erhöht. Tatsächlich wurden nun 98,2% der gültigen Stimmen für die Sitzverteilung berücksichtigt. Die etablierten Parteien jammern, denn die CDU/CSU hätte nach dem alten Wahlrecht fünf Sitze mehr im Parlament. Auch der Block SPD-Grüne-Linke hätte fünf Sitze mehr.

Meiner Meinung nach ist es aber wichtiger, dass jeder Wahlberechtigte die Chance hat, dass die Partei seiner Wahl auch im Parlament vertreten ist.

Montag, 28. April 2014

Militärbeobachter in der Ukraine

(Foto: OSCE.org)
Mehrere Bundeswehrsoldaten werden von Separatisten in Slawjansk im Osten der Ukraine gefangen gehalten. Da taucht die Frage auf, was machen NATO-Soldaten dort. Die Ukraine ist nicht Mitglied der NATO und wird es nicht werden.

Als diese Frage im Facebook gestellt wurde, wurde sofort darauf hingewiesen, dass es neben den diplomatischen Missionen auch Waffenkontrollen und Militärreform und -kooperation als erklärte Programme der OSZE gibt.
In der deutschen Presse werden die gefangenen Soldaten als OSZE-Militärbeobachter (Der Spiegel, taz) oder europäischen Militärinspekteure (FAZ) bezeichnet.

Die FAZ ist korrekt, aber Spiegel und taz irren und folgt den Verlautbarungen der Nebelwerfer vom Auswärtigen Amt. Es gibt keine OSZE-Militärmission in der Ukraine. Die Militärs sind im Rahmen von bilateralen Verträgen zwischen der Ukraine und den Herkunftsländern der Soldaten vor Ort.
Die OSZE führt in der Ukraine eine Beobachtungsmission durch. Die folgenden Informationen sind alle von der OSZE-Webseite:
OSCE Special Monitoring Mission to Ukraine

Who we are

The Mission consists of over 100 civilian unarmed monitors from OSCE participating States; they are supported in their work by local staff from Ukraine. The team works on a shift basis to ensure cover on the ground 24 hours a day, seven days a week. The Mission’s Head Office is in Kyiv; monitors have been deployed to Kherson, Odessa, Lviv, Ivano-Frankivsk, Kharkiv, Donetsk, Dnepropetrovsk, Chernivtsi, and Luhansk.
(Quelle)

Mandate
The monitors are mandated to contribute to reducing tensions and to help foster peace, stability and security. The Mission engages with authorities at all levels, as well as civil society, ethnic and religious groups and local communities to facilitate dialogue on the ground. The Mission will gather information and report on the security situation, establish and report facts in response to specific incidents, including those concerning alleged violations of fundamental OSCE principles.
(Quelle)

What we do
Conflict prevention and resolution
Developments in Ukraine since November 2013 have resulted in tension and unrest in parts of the country. The Mission is being deployed following a request to the OSCE by Ukraine’s government and a consensus agreement by all 57 OSCE participating States. The monitors are to contribute to reducing tensions and fostering peace, stability and security. They also help to monitor and support the implementation of all OSCE principles and commitments.
(Quelle)
In vier Tweets der OSCE, die auch auf der eigenen Webseite wiederholt werden, wird der Status der Soldaten betont:
1/4 Comms with military observers in Donetsk region lost.Team not OSCE monitors but sent by States under Vienna Doc on military transparency
2/4 All members of the OSCE Special Monitoring Mission and OSCE/ODIHR election observers are safe and accounted for
3/4 Military verification team - led by Germans – and composed of 8 members – 4 Germans, 1 Czech, 1 Danish, 1 Polish, 1 Swedish
4/4 Military verification team sent following invitation from Ukraine under terms of Vienna Document 2011
19:35 - 25. Apr. 2014
(Quelle)

Die Soldaten stammen aus OSCE-Ländern, aber deshalb ist es noch keine OSCE-Mission. (Wenn ich als Bürger eines Staates, der Mitglied der UN ist etwas mache, ist dies schließlich auch UN-Mission.)

Als Teilnehmer einer OSZE-Mission in Zenica, Bosnien (Kommunalwahl 1997) habe ich damals in langen Gesprächen erlebt, dass keiner von uns für zwei Herren im Einsatz war. Wir wurden von der OSZE bezahlt und nur die erhielten unsere Berichte zur Situation in den Dörfern.

Die OSZE verspielt in der Ukraine ihren guten Ruf, wenn sie akzeptiert, dass ihre Mitgliedsstaaten statt "civilian unarmed monitors" (Siehe oben: WHO WE ARE) NATO-Soldaten zum Einsatz bringen und diesen unwidersprochen als OSZE-Mission akzeptiert.
Militärs können in dieser bürgerkriegsähnlichen Situation keine politische Beruhigung bringen.
- - - - -
Damit es kein Missverständnis gibt. Ich verachte den Kriegstreiber Putin und seine Marionetten im Osten und Süden der Ukraine.

Sonntag, 27. April 2014

EU-Gegner im europäischen Parlament

Es sind nur noch wenige Wochen bis zur Neuwahl des europäischen Parlaments. In den Medien wird immer wieder betont, dass EU-Gegner bei dieser Wahl in mehreren Ländern einen großen Stimmanteil erreichen werden (siehe zum Beispiel LE MONDE diplomatique)

Wer sind diese EU-Gegner?
Front National (FR), Alternative für Deutschland, NPD (beide DE), Unabhängigkeitspartei (UK), Partei für Freiheit (NL), Morgenröte (GR), Freiheitlichen (AT) und Jobbik (HU) sind wohl die bekanntesten Vertreter, die nicht nur gegen die EU polemisieren, sondern die EU in der jetzigen Form ablehnen und bekämpfen.
Das Europäische Parlament veröffentlicht Prognosen für die Wahl und ordnet die genannten EU-Gegner drei verschiedenen Fraktionen und den Fraktionslosen zu. Dies basiert zum einen auf der jetzigen Zuordnung zu einer Fraktion oder im Fall einer Partei, die noch nicht im Parlament vertreten ist, der von der Partei erklärten Zuordnung zu einer Gruppe. Election.de oder PollWatch2014 geben Details und Wikipedia hilft bei der Identifizierung der Parteinamen und Dutzenden von Abkürzungen.

Es gemahnt an den von George Orwell im Roman 1984 eingeführten Begriff des Neusprech, wenn man die Namen dieser Fraktionen hört.

"Europa der Freiheit und Demokratie" (EFD). Zu dieser Fraktion gehören die Unabhängigkeitspartei (UK), 5-Sterne-Bewegung (IT) und neben der Volkspartei (DK) weitere kleine Parteien.

In der "Europäischen Allianz für Freiheit" (EAF) finden sich die Front Nation (FR), Lega Nord (IT), Partei für Freiheit (NL), Flämische Interessen (BE), Freiheitliche Partei (AT) und die Schweden Demokraten und eine estnische Partei.

Die nächste Gruppe nennt sich "Fraktion Europäische Konservative und Reformisten" (ECR). Aus Deutschland würden die Alternative für D, die ÖDP und die Freien Wähler sich dieser Gruppe anschließen. Hinzu kommen die Torys (UK), die Kaczyński-Partei (PL), die Demokratische Bürgerpartei (CZ) und weitere kleine Gruppen.

Bei den Fraktionslosen finden sich als EU-Gegner die NPD (DE), die von Ian Painsley gegründeten DUP (UK), Morgenröte (GR), Ataka (BG) und weitere auch in ihren jeweiligen Ländern relativ unbedeutende Parteien.

Den offenen EU-Gegner von EFD und EAF werden mehr als 10% der Sitze des Europaparlaments zugetraut.

In der folgenden Karte stelle ich den Anteil der erwarteten Sitze der EU-Gegner an der Gesamtzahl der Sitze eines Landes dar. Hierfür haben ich die Zahlen für die Fraktionen EFD und EAF zusammengefasst und um bekannte EU-Gegner aus den Fraktionen Konservative + Reformisten (wie zum Beispiel AfD) und Fraktionslose (zum Beispiel NPD, Morgenröte, Jobbik, Ataka) hinzugezählt.
EU-Gegner, AfD, NPD, Jobbik, UKIP, PVV, Europäisches Parlament, EP, EP14 Die Karte basiert auf den oben genannten Quellen (Stand Ende April). Den EU-Gegner werden summarisch 107 der 751 Sitze im Parlament prognostiziert.
Die Karte gibt Grund zur Freude und zur Enttäuschung. Es gibt mehrere Länder, wo es keine Partei gibt, die einen Wahlkampf gegen die EU macht, aber eben auch die Sorgenkinder Italien (34% der prognostizierten Sitze für EU-Gegner), Großbritannien (30%) Frankreich (28%) und die Niederlande (27%) um nur die Länder mit mehr als 25 Sitzen im EP zu nennen.
X X X X X X X X X X   UPDATE 20.05.14  X X X X X X X X X X X
EU-Gegner, Rechtsextreme, Nationalparteien, Europaparlament, Europawahl
PollWatch2014 hat eine letzte Zusammenstellung aktueller Prognosen vor der Wahl veröffentlicht. Danach würden sowohl in Kroatien, als auch in Slowenien die EU-Gegner nicht ins Parlament gewählt werden. In Ungarn scheint Jobbik auch schwächer zu werden, dafür ist in Dänemark der Einfluss der gewachsen. Nun wird auch den EU-Gegnern aus Tschechien eine Vertretung im Europa-Parlament zugetraut.
Nachdem nunmehr gleich in mehreren Länder den EU-Gegnern mehr als 30% vorhergesagt werden, habe ich in der Karte eine neue Kategorie eingeführt.
Im Folgenden die Prognosen für alle Länder mit 20 oder mehr Sitzen im zukünftigen Europa-Parlament:
  • Belgien: 1 Sitz für Vlaams Belang, entsprechend 4,8% der belgischen Sitze
  • Deutschland: 6 Sitze für AfD und 1 Sitz für NPD, entsprechend 7,3%
  • Frankreich: 23 Sitze für Front National und 1 Sitz für Debout la République, entsprechend 32,4%
  • Griechenland: 2 Sitze für Chrysi Aygi und 1 Sitz für Anexartitoi Ellines, entsprechend 14,3%
  • Italien: 19 Sitze für Movimento a 5 Stelle und 4 Sitze für Lega Nord, entsprechend 31,5%
  • Niederlande: 4 Sitze für Partij voor de Vrijheid und 3 Sitze für ChristenUnie/SGP, entsprechend 26,9%
  • Polen: 5 Sitze für Nowa Prawica, entsprechend 9,8%
  • Portugal: 0 Sitze für EU-Gegner
  • Rumänien: 0 Sitze für EU-Gegner
  • Schweden: 1 Sitz für Sverigedemokraterna, entsprechend 5%
  • Spanien: 0 Sitze für EU-Gegner
  • Tschechien: 2 Sitze für Úsvit přímé demokracie Tomia Okamury, entsprechend 9,5%
  • Ungarn: 4 Sitze für JOBBIK, entsprechend 19,0%
  • Vereinigtes Königreich: 24 Sitze für UK Independent Party und 1 Sitz für Democratic Unionist Party, entsprechend 34,2% der britischen Euroaparlamentssitze.
Nach dieser Prognose werden EU-Gegner mit 117 Sitze im Europaparlament vertreten sein. Das sind 15,6% aller Abgeordneten in Brüssel und Strasbourg.

Wenn die Freunde der EU einen mit Sinn gefüllten Wahlkampf führen würden, könnte eine erhöhte Wahlbeteiligung dieses Problem reduzieren. Denn es ist nun mal bekannt, dass Gegner besser mobilisieren als Befürworter.
Doch wer sich den Wahlkampf und die Plakate in Deutschland anschaut, erkennt das die ökologischen Sozialchristen CDU/CSU-SPD-GRÜNE kein wirkliches Interesse an dieser Wahl haben. Dümmliche Sprüche ohne wirklichen Bezug zur europäischen Politik dominieren und wäre ein guter Grund nicht zur Wahl zu gehen.

Doch alle sollten zur Wahl gehen oder Briefwahl machen.

Montag, 3. März 2014

Europawahl am 25. Mai 2014 ohne Hürde

Das Bundesverfassungsgericht hat am 26. Februar 2014 die neu formulierte Drei-Prozent-Sperrklausel zur nächsten Europawahl am 25. Mai 2014 für verfassungswidrig erklärt. Diese Klausel ist ein schwerwiegender "Eingriff in die Grundsätze der Wahlrechtsgleichheit und Chancengleichheit" (Pressemitteilung BVG)

Die fehlende Wahlrechtsgleichheit ist ein zunehmendes Problem nicht nur bei den Wahlen zum Europa-Parlament. Bei der Bundestagswahl scheiterten gleich zwei Parteien knapp an der Fünf-Prozent-Sperrklausel und zusammen mit den anderen kleineren Parteien sind 6.859.439 oder 15,7% der gültigen Stimmen nicht im Bundestag repräsentiert. Die GroKo steht für 67,6% und die Opposition für 17,1% der gültigen Stimmen.
Eine Wahlrechtsreform zum Bundestag oder zu den Länderparlamenten mit einer auszuhandelnden 2 oder 3-Prozenthürde wird es nicht geben, da die etablierten Parteien genau wissen, dass sie die Verlierer sein werden.

Was bedeutet nun die Aufhebung aller Sperrklauseln für die Wahl zum Europaparlament? Zur letzten Wahl am 7. Juni 2009 traten 32 Parteien und Gruppierungen an. Natürlich werden auch ohne Sperrklausel nicht alle gültigen Stimmen berücksichtigt. Deutschland hat aktuell 99 Sitze im Europaparlament, ein Sitz entspricht theoretisch 1,01% der Stimmen.
Wahlbeteilgigung, Wahlgerechtigkeit, verfallene Wahlstimmen, Sperrklausel, Europawahl 2009, Europawahl 2014

Dargestellt ist die zunehmende Wahlgerechtigkeit bei Absenkung und schließlich Abschaffung der Sperrklausel basierend auf dem Wahlergebnis von 2009.
CDU, SPD, GRÜNE, FDP, CSU und LINKE erhielten zusammen 23,5 Millionen Stimmen. Dies entspricht 87,3 der gültigen Stimmen oder anders gesagt, 2,8 Millionen WählerInnen sind nicht im Europaparlament repräsentiert. (Datengrundlage: Bundeswahlleiter)
Bei einer 1%-Sperrklausel wären die Stimmen für die Nazis von den Republikanern, die Tierschutzpartei, die Familienpartei, die Freien Wähler und den Piraten hinzugekommen. Nun wären 24,8 Millionen oder 92,2% der gültigen Stimmen berücksichtigt wurden. Selbst bei einer 1-Prozent-Hürde blieben 1,5 Millionen Wählerinnen außen vor. Ganz ohne Hürde kämen nur noch die Stimmen für die Rentnerpartei dazu. Entsprechend 25,3 Millionen oder 95,9% der gültigen Stimmen.  Auf die anderen 20 Parteien und Gruppierungen entfielen weitere 1,1 Millionen Wahlstimmen.

Die etablierten Parteien verlieren Sitze im Parlament und damit Einfluss. Das amtliche Ergebnis sah die folgende Verteilung der 99 deutschen Sitze im Europa-Parlament.
CDU    34
SPD     23
Grüne  14
FDP     12
CSU      8
Linke     8
Ohne Sperrklausel würden sich die 99 Sitze wie folgt verteilen:
CDU    32 (minus 2)
SPD     22 (minus 1)
Grüne  12 (minus 2)
FDP     11 (minus 1)
CSU      7 (minus 1)
Linke     8
REP 1, Tier 1, Familie 1, Freie Wähler 2, Piraten 1, Rentner 1
(eigene Berechnung)

Die GRÜNEN verlieren wie auch die CDU zwei Sitze. Bei den GRÜNEN liegt es daran, dass sie prozentual bei einer 5-Prozent-Sperrklausel Anspruch auf 13,6 Sitze hatten.

Doch es würden weit mehr als die ausgewiesenen 7 Sitze an andere Parteien und Gruppierungen gehen. Der Wähler ist taktisch. Nur Überzeugungstäter und Protestwähler stimmen für ihre Partei bzw. gegen die wie auch immer definierten etablierten Parteien ohne Rücksicht darauf, ob diese die Sperrklausel überwinden oder nicht.
Mit dem Wissen, dass kleine Parteien eine Chance haben, würden viele konservative Grüne die ÖDP wählen, viele Rechtsradikale in CDU und CSU, Nazi-Parteien wählen und die FDP auf ihre tatsächliche Klientel von 1-3 Prozent zurückfallen.
Die Anti-Europa-Partei AfD wird auf jeden Fall im nächsten Europa-Parlament repräsentiert sein und erst das Ergebnis wird zeigen, ob Protestwähler, die bisher etablierte Parteien gewählt haben, nun nicht mehr die AfD wählen, da diese auf jeden Fall ins Parlament kommt.

Ein angenehmer Nebeneffekt der fehlenden Sperrklausel ist eine zu erwartende deutliche Zunahme bei der Wahlbeteiligung. Die etablierten Parteien hoffen darauf, das sie mit höherer Mobilisierung das Schreckgespenst der vielen Kleinen auch klein halten können. Und, die Kleinen und Neuen haben eine neue Motivation noch mehr ihre Ziele bekannt zu machen, da sie eine echte Chance haben, ins Parlament gewählt zu werden. Es werden nur noch etwa 300.000 Stimmen für einen Sitz im Europaparlament benötigt.

Samstag, 4. Januar 2014

LE MONDE diplomatique Dezember 2013

Empfehlungen auf lange Artikel und Essays in der diplo, die auf deren Webseite frei verfügbar sind:


  • Der französische Journalist Laurent Geslin schreibt unter dem Titel "Staat und Mafia in Bulgarien" über die zunehmende Hoffnungslosigkeit der bulgarischen Bevölkerung. Es hat in den letzten 20 Jahren viele Regierungswechsel gegeben, aber die Politik hat sich nur wenig verändert. Ein größer werdender Teil der Bevölkerung verarmt und hat auch nur wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die TIM-Holding kontrolliert wesentliche Teile der Wirtschaft. Hieraus machte der Volksmund: "Jedes Land hat seine Mafia. In Bulgarien hat die Mafia ein Land."
  • In einen Kurzartikel schreibt er unter dem Titel "Bruderland Mazedonien" über eine Gruppe, die wie andere Ideologen in Ungarn oder Rumänien Grenzen neu ziehen wollen, um ehemalige Größe wieder zu erreichen. Man könnte darüber schmunzeln, wenn diese Leute es nicht so ernst meinten und dies mit allen Gewalt durchsetzen wollen.
  • Benoît Bréville und Pierre Rimbert schreiben über den Spieltrieb der modernen Wirtschaft und wie wir damit für einen Konkurrenzkampf konditioniert werden. Gamification oder Spielifizierung appeliert an den Spieltrieb, der in uns wohnt und der nun dafür genutzt wird, um die Produktivität zu erhöhen oder Informationen zu sammeln. Symbolische Gewinne, die in keinem Verhältnis zur Zahl der Spielenden oder den Aufwand stehen, motivieren zusätzlich. Es gibt bereits Restaurants und Supermärkte, in denen die individuelle Leistung der Angestellten durch die digitale Wettbewerbe gesteigert wird. Wer nicht mithält, verdient weniger und dessen Job ist gefährdet.
  • Der Vorsitzende der griechischen Syriza-Partei Alexis Tsipras hielt am 4. November 2013 in Austin, Texas eine Rede über Europa und die Krise in Griechenland (Wir Europäer). Einleitend sagt er bereits, dass einige der Fragen, die er stellt, nicht mehr in Brüssel oder Frankfurt (EZB) gehört  werden, obwohl diese wesentlich sind, um die Eurozone und die EU aus der Krise zu führen. Er stellt wie viele vor ihm fest, dass Europa die leitende Idee, die Narrative abhanden gekommen ist. Die Ziele nach 1945 wurden weitestgehend verwirklicht, aber wo soll es nun hingehen. Europapolitik verkommt immer mehr zu einer Finanzpolitik, die wiederum in ihren gnadenlosen Durchsetzung Armut und Verelendung fördert und damit Tendenzen zu einer Ablehnung des Staatenbundes verstärkt.
Es finden sich auch noch Artikel über die Hintergründe der politischen Unruhen in Pakistan, Venezuela nach dem Tod von Hugo Cháves, der Monetarisierung der Natur, Abtreibungsgegener in den USA, kanadische Softwareentwicklung, die Geschichte von Computerspielen und die Frage wieviel Realität in einem Computerspiel einfließen sollte.

Ich kann es nur wieder betonen. Es lohnt sich am zweiten Freitag des Monats die taz zu kaufen. Denn dann liegt die aktuelle LE MONDE diplomatique bei.

Facebook - Karten und Statistiken

Alle meine Beiträge zur Entwicklung der Zahl der Mitglieder von Facebook in Europa und Afrika (mit einem speziellen Beitrag zu Libyen) zwischen 2008 und 2012 sind umgezogen in mein Archiv mit dem Namen BRAUEL (genaue Verknüpfungen unter den folgenden beiden Karten!).

Damit sind auch die Graphiken und die Karten dort zu finden. Als letzte Referenz an diese statistische Betrachtung die allerletzten Karten für Afrika und Europa von 2013. Eine signifikante Zunahme der Facebookkonten war eigentlich nur noch in den Ländern zu beobachten, in denen es eine niedrige Quote gab. Facebook hat in vielen Ländern seine Sättigungsgrenze erreicht:

1. Facebook in Afrika 2013
facebook Afrique 2013, facebook Africa 2013, facebook Afrika 2013, Facebook, Gesichterbuch, Kunden, Mitglieder, Mitgliederzahl, Afrika, Afrique, Africa
Frühere Karten zur Ausbreitung von Facebook in Afrika finden sich hier für 2010-2011, hier für 2011, hier für 2012 und hier eine Abbildung zu Libyen 2010-2012.
 
2. Facebook in Europa 2013
Facebook Europa 2013, Facebook Europe 2013, Gesichterbuch Europa 2013, Europe, Europa, Facebook, 2013
Weitere Karten zur Ausbreitung von Facebook in Europa finden sich hier für 2008, hier für 2010, hier für 2011 und hier für 2012.

Samstag, 28. Dezember 2013

Jahresabrechnung 2013

Soeben habe ich meinen Jahresbrief 2013 fertig gestellt und an die Familie und Freunde versandt. Wer den Text lesen möchte, braucht nur eine Notiz via Elektropost oder Gesichterbuch zu schicken.
Hier gibt es nur einen Rückblick auf Blogbeiträge des Jahres. die öffentliche Person ist schließlich eine andere, als der reale Mensch.

Politik regt mich weiterhin auf und an. Da lag natürlich auch an der Landtagswahl in Niedersachsen, den damit verbundenen Outen von Nazis, der Bundestagswahl mit unserer Bundeskanzlerinverwalterin und hier in Hannover der zusätzlichen Wahl des Oberbürgermeisters. Die Dummheit der SPD und das Geblubber und Schweigen vom Bundespr.(ediger) Gauck ließen mich den Kopf schütteln. Dabei gab es interessante Ansätze wie die 1. EU-Bürgerinitiative oder die Offenlegung der NSA-Spitzeleien  oder das Fiskalverbrecher im Netz recherchiert werden können.

Der Tod meines Vaters führte zu Erinnerungen und Trauerarbeit.
Doch es gab auch schöne Momente auf dem Spielplatz, in der Turnhalle und mehrmals im Zoo.

Meine Reisen führten mich in diesem Jahr gleich zweimal nach Berlin, nach London, Königswinter, Budapest zum Europäischen Traum, Stade und Deventer.

Die monatlichen Wetterberichte, der nicht enden wollende Winter 2012/2013 aber auch einen Beitrag über den regionalen Klimawandel am Beispiel des Monats April und den generellen Temperaturanstieg sind auch als Kommentare auf dümmliche Bemerkungen von Klimaskeptikern zu lesen.

Ich kramte ein wenig in meinen Erinnerungen und fand meinen allerersten Brief von meiner ersten Reise nach Ostafrika (1987) und als eine Alumna über ihre Probleme mit einem Studentenvisum berichtete fiel mir mein Erlebnis aus Dar es Salaam (1988/89) ein. Eine Wiedergängerin erinnerte mich an den Beißkrampf der 1980-er Jahre pflegte. Ich musste auch an die Grußkultur in Tanzania denken und ein unangenehmes Erlebnis in Johannesburg vor 18 Jahren.

Kino war nur dreimal Thema, einmal The Hobbit und dann der Nachzug nach Lissabon und Star Trek. Filme gab es vor allem auf DVD, wie zum Beispiel Spielbergs Terminal. Ich fand einen Hinweis auf eine Screwball-Komödie im Netz, die vollständig, im Original und vor allem ohne Werbepausen genossen werde kann.  

Musik war öfters das Thema: Die hannöversche Formation fint stellte ihre 1. EP vor. Das Duo SEA+AIR gab eine wunderschöne Show. Beim digitalen Aufräumen stolperte ich über meinen Konzertbericht Roger Water 2002 und während meiner Arbeit auf der Fête de la Musique Hannover über einen Achim Reichel Song meiner Jugend. Musik gefiel auch im Netz, doch Hand gemachte Live-Musik wie vom französischen Yalta Club oder von MINE sind etwas Besonderes.

Ich habe viel gelesen, aber nicht so viel darüber geschrieben. Im Winter wurden eine Märchensammlung von Charles Perrault gelesen und im Herbst ein Sachbuch über "normale" US-Amerikaner. Literatur hinterließ Spuren in meiner Zitatesammlung, wie zum Beispiel Bemerkenswertes von Arno Schmidt (hier  und hier), Pascal Mercier, William Shakespeare, Gisbert Haefs, Douglas Adams oder Doris Lessing.

Mal sehen was 2014 bringt.