"Die so friedlich wirkenden Schwimmbäder sind in Wirklichkeit Kampfzonen. (...) Es gibt eine Etikette, aber die einen kennen sie nicht, die halten halten sie nicht ein. Selbst wer sich umsichtig benimmt, provoziert gelegentlich aggressive Reaktionen."Im Lister Bad ist es relativ stressfrei zwischen den Berufstätigen (bis etwa 8 Uhr) und den Rentnern (ab etwa 9 Uhr).
Ilija Trojanow (2016) Meine Olympiade. Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen, S. 44
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Dienstag, 2. August 2016
Zitat Trojanow Bahnschwimmen
Es gibt nur sehr eingeschränkte Zeiten, in denen Bahnschwimmen möglich, denn wie Ilija Trojanow so schön formuliert:
Dienstag, 8. März 2016
Science Fiction aus der Sowjetunion
Science Fiction 1
Wissenschaftlich-phantastische
Erzählungen aus Rußland
(Übersetzung: Ruth Elisabeth Riedt)
piper paperback, München 1963
Es handelt sich um neun Kurzgeschichten, die 1958 bis 1960 in Moskau erschienen.
Sie wurden in einer Phase geschrieben, als die russische Raumfahrt im Wettbewerb mit der US-amerikanischen die Nase vorne hatte (Sputnik, 1957). Positivismus prägt die Geschichten und es ist ein Blick in einer Zukunft, die fast immer bereits wieder Vergangenheit ist.
Im letzten Jahr wurde dieser Blick in die Zukunft international gefeiert, als die US-Filmserie "Zurück in die Zukunft" (1985-1990) wieder in die Kinos kam. Der zweite Teil dieser Trilogie handelte im Jahre 2015 und mit Amüsement wurde nun dieser Film mit der Wirklichkeit verglichen. Was konnten die Autoren vor 26 Jahren erahnen, wo lagen sie total falsch.
Drei der Geschichten, die ich hier als 2., 4. und 5. vorstelle, möchte ich ausdrücklich empfehlen. Die Mehrzahl dieser sowjetischen Erzählungen handeln in einer nahen Zukunft ohne Jahreszahl.
Nur die erste Geschichte "Erwachen im 20. Jahrtausend" von Wladimir Sawtschenko wagt einen großen Sprung in die Zukunft. Nach den persönlichen negativen Erlebnissen des 1. und 2. Weltkriegs und der Angst vor einem 3. lässt sich der Protagonist in der Wüste Gobi in einer Metallkapsel einfrieren, um in einer besseren Zukunft wieder zu erwachen.
Doch es gibt den modernen Menschen, der zum Beispiel riesige Naturschutzgebiete ausgewiesen hat, die er beobachtet und so das Auftauchen des Vorzeitmenschen aus dem Jahre 1952 registriert und ihn rettet.
Anatolij Dnjeprow hat mit der "Insel der Krebse" eine anti-militaristische Geschichte geschrieben. Lernende und sich selbst reproduzierende Maschinen sind weiterhin Zukunft. Die Geschichte wurde 1975 für das ZDF verfilmt und war für mich als 13-jähriger eine Horrorgeschichte (vollständiger Text der Erzählung).
Auf einer Insel werden kleine mechanische Krebse ausgesetzt, die mit Solarenergie betrieben in ihren Inneren Rohstoffe so weit verarbeiten können, dass neue Krebse entstehen. Über die Generationen entwickeln sich verschiedene Formen und Größen. Irgendwann sind die Rohstoffe erschöpft, die Krebse kannibalisieren sich und ihre Vielzahl wird von immer größeren Exemplaren verdrängt. Eine Parabel für die einzelnen Staaten, die sich bekämpfen und die Erde ausbeuten. Doch am Ende existiert nur noch ein hoch gerüsteter Staat, der nun seinen Hunger auf anderen Welten beseitigen will.
Ein ähnliches Motiv wählten die Gebrüder Arkadij und Boris Strugazkij für ihre Erzählung "Der weiße Konus Alaids". Die Menschheit hat bereits viele der Planeten und ihrer Monde erreicht. Wissenschaftlicher haben ein "Ei" entwickelt, dass als Pionier auf unbekannten Welten landen soll. Mit Sensoren ausgestattet analysiert diese lernende Maschine zunächst die gesamte Umgebung ihres Standorts, um dann aus den erkannten Rohstoffen ein Habitat für nachkommende Menschen zu bauen. Das Ei ist noch in der Entwicklung und die Geschichte handelt auf der dünn besiedelten Insel Schumschu (nördliche Kurilen). Alles verläuft, wie im Labor programmiert, bis es zur Explosion kommt. Der Mensch hat in seinen Kriegen an vielen Stellen Waffen hinterlassen, so dass selbst die Geschichte eine Insel vor ihrer Nutzung erforscht werden sollte. Das Ideal der technischen Weiterentwicklung vernachlässigt die kulturelle Entwicklung.
Ein lernender Computer, der ein Bewusstsein erlangt, ist die Grundlage einer weiteren Erzählung von Anatolij Dnjeprow, "Maschine ER, Modell Nr. 1". Die Maschine wird täglich mit Tageszeitungen gefüttert, deren Information gewinnträchtige Blicke in die nahe Zukunft ermöglichen. Als der Besitzer durch diese Prognosen zu reich und gierig wird, begreift die Maschine, dass der Besitzer im nächsten Schritt den Computer durch ein besseres, teureres Modell ersetzen wird.
Viktor Saparin "Der Himmelskulu" spielt mit dem Gegensatz der Betrachtung einer Erforschung aus der Sicht der "überlegenen" Forscher von der Erde und den Einheimischen, welche diese Fremden in ihr Verständnis der Welt einfügen wollen.
Das Heroische in Georgij Gurewitsch "Das Infra des Drachens" ruiniert beinahe seine Raumfahrterzählung, die über unser Sonnensystem hinausführt.
Eine weitere Erzählung der Gebrüder Arkadij und Boris Strugazkij handelt von Experimenten mit den menschlichen Gehirn. In "Die sechs Streichhölzer" geht es darum, dass die scheinbar wenig genutzten Teile des Gehirn durch Neutrinos angeregt werden sollen.
Es ist dies eine eher schwache Erzählung, wie auch die beiden von mir nicht erwähnten Geschichten (Inhaltsübersicht).
Die hier versammelten Science Fiction sind Unterhaltungsliteratur. Selbstironisch möchte ich mit einer Perle aus "Das Infra des Drachens" enden:
Wissenschaftlich-phantastische
Erzählungen aus Rußland
(Übersetzung: Ruth Elisabeth Riedt)
piper paperback, München 1963
Es handelt sich um neun Kurzgeschichten, die 1958 bis 1960 in Moskau erschienen.
Sie wurden in einer Phase geschrieben, als die russische Raumfahrt im Wettbewerb mit der US-amerikanischen die Nase vorne hatte (Sputnik, 1957). Positivismus prägt die Geschichten und es ist ein Blick in einer Zukunft, die fast immer bereits wieder Vergangenheit ist.
Im letzten Jahr wurde dieser Blick in die Zukunft international gefeiert, als die US-Filmserie "Zurück in die Zukunft" (1985-1990) wieder in die Kinos kam. Der zweite Teil dieser Trilogie handelte im Jahre 2015 und mit Amüsement wurde nun dieser Film mit der Wirklichkeit verglichen. Was konnten die Autoren vor 26 Jahren erahnen, wo lagen sie total falsch.
Drei der Geschichten, die ich hier als 2., 4. und 5. vorstelle, möchte ich ausdrücklich empfehlen. Die Mehrzahl dieser sowjetischen Erzählungen handeln in einer nahen Zukunft ohne Jahreszahl.
Nur die erste Geschichte "Erwachen im 20. Jahrtausend" von Wladimir Sawtschenko wagt einen großen Sprung in die Zukunft. Nach den persönlichen negativen Erlebnissen des 1. und 2. Weltkriegs und der Angst vor einem 3. lässt sich der Protagonist in der Wüste Gobi in einer Metallkapsel einfrieren, um in einer besseren Zukunft wieder zu erwachen.
"Ein einziger Wahnsinniger kann so viel Unheil anrichten, dass tausend Weise uns nicht davor zu retten vermögen"18.000 Jahre später ist die Wüste eine Waldsteppe und es gibt keine Hinweise auf menschliches Leben. Der Mensch hat sich scheinbar selbst ausgerottet. Stattdessen leben Menschenaffen im Wald, die erste Werkzeuge benutzen und in der Graslandschaft auf ihren Hinterbeinen gehen. Diese sehen ihn als Feind und greifen ihn an.
(S. 15f.)
Doch es gibt den modernen Menschen, der zum Beispiel riesige Naturschutzgebiete ausgewiesen hat, die er beobachtet und so das Auftauchen des Vorzeitmenschen aus dem Jahre 1952 registriert und ihn rettet.
Anatolij Dnjeprow hat mit der "Insel der Krebse" eine anti-militaristische Geschichte geschrieben. Lernende und sich selbst reproduzierende Maschinen sind weiterhin Zukunft. Die Geschichte wurde 1975 für das ZDF verfilmt und war für mich als 13-jähriger eine Horrorgeschichte (vollständiger Text der Erzählung).
Auf einer Insel werden kleine mechanische Krebse ausgesetzt, die mit Solarenergie betrieben in ihren Inneren Rohstoffe so weit verarbeiten können, dass neue Krebse entstehen. Über die Generationen entwickeln sich verschiedene Formen und Größen. Irgendwann sind die Rohstoffe erschöpft, die Krebse kannibalisieren sich und ihre Vielzahl wird von immer größeren Exemplaren verdrängt. Eine Parabel für die einzelnen Staaten, die sich bekämpfen und die Erde ausbeuten. Doch am Ende existiert nur noch ein hoch gerüsteter Staat, der nun seinen Hunger auf anderen Welten beseitigen will.
Ein ähnliches Motiv wählten die Gebrüder Arkadij und Boris Strugazkij für ihre Erzählung "Der weiße Konus Alaids". Die Menschheit hat bereits viele der Planeten und ihrer Monde erreicht. Wissenschaftlicher haben ein "Ei" entwickelt, dass als Pionier auf unbekannten Welten landen soll. Mit Sensoren ausgestattet analysiert diese lernende Maschine zunächst die gesamte Umgebung ihres Standorts, um dann aus den erkannten Rohstoffen ein Habitat für nachkommende Menschen zu bauen. Das Ei ist noch in der Entwicklung und die Geschichte handelt auf der dünn besiedelten Insel Schumschu (nördliche Kurilen). Alles verläuft, wie im Labor programmiert, bis es zur Explosion kommt. Der Mensch hat in seinen Kriegen an vielen Stellen Waffen hinterlassen, so dass selbst die Geschichte eine Insel vor ihrer Nutzung erforscht werden sollte. Das Ideal der technischen Weiterentwicklung vernachlässigt die kulturelle Entwicklung.
Ein lernender Computer, der ein Bewusstsein erlangt, ist die Grundlage einer weiteren Erzählung von Anatolij Dnjeprow, "Maschine ER, Modell Nr. 1". Die Maschine wird täglich mit Tageszeitungen gefüttert, deren Information gewinnträchtige Blicke in die nahe Zukunft ermöglichen. Als der Besitzer durch diese Prognosen zu reich und gierig wird, begreift die Maschine, dass der Besitzer im nächsten Schritt den Computer durch ein besseres, teureres Modell ersetzen wird.
Viktor Saparin "Der Himmelskulu" spielt mit dem Gegensatz der Betrachtung einer Erforschung aus der Sicht der "überlegenen" Forscher von der Erde und den Einheimischen, welche diese Fremden in ihr Verständnis der Welt einfügen wollen.
Das Heroische in Georgij Gurewitsch "Das Infra des Drachens" ruiniert beinahe seine Raumfahrterzählung, die über unser Sonnensystem hinausführt.
Eine weitere Erzählung der Gebrüder Arkadij und Boris Strugazkij handelt von Experimenten mit den menschlichen Gehirn. In "Die sechs Streichhölzer" geht es darum, dass die scheinbar wenig genutzten Teile des Gehirn durch Neutrinos angeregt werden sollen.
Es ist dies eine eher schwache Erzählung, wie auch die beiden von mir nicht erwähnten Geschichten (Inhaltsübersicht).
Die hier versammelten Science Fiction sind Unterhaltungsliteratur. Selbstironisch möchte ich mit einer Perle aus "Das Infra des Drachens" enden:
"Es ist durchaus kein Verdienst, sich mit unzeitgemäßen Probleme abzugeben."
(S. 220)
Sonntag, 22. November 2015
P.D. James - Land der leeren Häuser
Phyllis Dorothy James
Im Land der leeren Häuser
Roman,
aus dem Englischen von Christa Seibicke.
Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachfolger, München 1993
[Original: The Children of Men, Faber and Faber, London 1992]
Für eine Biographie von P.D. James siehe hier.
Das Buch ist ein Science Fiction, der im Jahre 2021 in Großbritannien handelt. Die Geschichte ist nicht mit den technischen Varianten des Science Fiction, wie er von vielen US-amerikanischen Autoren bekannt ist, zu vergleichen. Der allumfassende Positivismus, der aus den USA bekannt ist, löst Probleme der Zukunft mit Maschinen und der Moral der Bibel. Dies ist ein soziologischer Science Fiction. Es wird durchgespielt, wie eine Gesellschaft auf eine Veränderung der Demographie reagiert. Technische Fortschritte werde selten erwähnt, doch dies hat natürlich auch etwas mit dem Aufbau und dem Stil des Romans zu tun.
Der Roman ist in zwei Büchern getrennt. Buch Omega umfasst in 19 Kapiteln den Zeitraum von Januar bis März 2021 und Buch Alpha in 14 weiteren Kapiteln den Oktober 2021. Es ist eine Mischung aus Tagebucheinträgen, die entsprechend Ereignisse nur in einen Kontext vergangener Tage stellen und einer Erzählerin, die manchmal einen Rückblick von 20-30 Jahren vollzieht, aber dies vor allem, um zwischenmenschliche Bindungen zu erklären oder die Biographie der Hauptpersonen zu konturieren.
Ich verzichte darauf, die Unterschiede zwischen dem Buch und seiner gelungenen Verfilmung durch Alfonso Cuaron herauszuarbeiten. Leser kennen mein Credo: Ein Buch ist ein Buch und ein Film ist ein Film. Ein Regisseur nimmt Idee und Atmosphäre eines Buches und versucht dies zu visualisieren. Dafür können selbst wichtige Nebenrollen eines Buches wegfallen, Hauptrollen in einer Person konzentriert werden oder die Eigenschaften einer Hauptperson auf mehrere Schauspieler aufgeteilt werden. Das sind die Freiheiten beim Übergang von einer Kunstform in die andere.
Inhaltsangabe
1. Buch Omega Januar-März 2021
Es beginnt mit dem Tagebucheintrag vom 1. Januar 2021 des Protagonisten Theo Faron. Theo Faron ist Professor für die Geschichte des Viktorianischen Zeitalters an der Universität Oxford. Er ist also Experte für vollendete Ausprägung der bürgerlichen Ideale innerhalb der britischen Monarchie. Er hat an diesem Tag seinen 50. Geburtstag und mit dem Beginn seiner zweiten Lebenshälfte beginnt er wieder ein Tagebuch zu führen.
Er schildert seine Situation und warum es keinen Grund mehr gibt, Geburtstage zu feiern. Seit der Mitte des Jahres 1994 sind alle männlichen Samen unfruchtbar. Die letzten Geburten erfolgten entsprechend 1995. Diese letzten Menschen, die nunmehr alle über 25 Jahre alt sind, werden als Omegas bezeichnet und gefürchtet. Die Zahl der Menschen reduziert sich kontinuierlich und die Menschheit wird in absehbarer Zeit aussterben.
Der nächste Eintrag widmet sich dem neuen Herrscher von Großbritannien. Es gibt noch Länder und die Insellage macht eine Abschottung von dem Rest der Welt möglich. Xan Lyppiatt hat vor etlichen Jahren sich zum Warden of England erklärt und regiert autoritär mit einem kleinen von ihn ernannten Staatsrat das Land. Xan Lyppiatt ist der Cousin von Theo Faron und beide verbinden Jugenderlebnisse. Theo war ein wesentlicher Berater von Xan, nachdem dieser sich zum Warden erklärt hatte. Es wurde ein Punkt in der Entwicklung der Diktatur erreicht, an dem Theo seine Arbeit niederlegte und seitdem auch keinen Kontakt zu seinem Cousin pflegt.
Es folgen weitere Betrachtungen über seine Jugend mit Xan, die persönliche Entwicklung der beiden Cousins, die Eltern sowie seiner Ehe und Tochter. Seine Tochter wurde tragischerweise von ihm als Kleinkind überfahren und getötet. Seine Frau konnte danach nicht mehr mit ihm zusammenleben und ließ sich scheiden.
Im sechsten Kapitel übernimmt die Erzählerin den Handlungsfaden und berichtet von der Restzivilisation, die es noch gibt. So werden zum Beispiel an der Universität alle Rituale im Verhältnis der Personen zueinander und im Jahresablauf weiter gepflegt. Eine junge Frau mit dem Namen Julian wird eingeführt. Sie bittet ihn an einen konspirativen Treffen mit einer kleinen Gruppe von Oppositionellen zu erscheinen und danach seinen Einfluss auf den Warden zu verwenden, um die Kritik und die Forderungen der Gruppe vorzutragen. Er vereinbart einen Termin.
Der nächste Tagebucheintrag widmet sich einem Besuch seines Doktorvaters Jasper Palmer-Smith, der nach seiner Emeritierung sich mit seiner Frau in ein abgelegenes Cottage zurückgezogen hat. Mit Erstaunen erkennt er, dass beide erheblich gealtert sind. Die Regierung garantiert keinen Service mehr außerhalb bestimmter Siedlungen. Mit der abnehmenden Zahl von Menschen wird es immer schwieriger Straßen zu erhalten und die Versorgung mit Gas, Wasser und Strom aufrecht zu erhalten. Jasper und seine Frau Hilda würden gerne bei Theo in Oxford einziehen. Eine erschreckende Vorstellung für Theo, da er die Einsamkeit in seinem mehrgeschossigen alten Haus genießt. Auf dem Rückweg sieht er viele Menschen vor der Universität. Eine US-amerikanische Untergangsevangelistin ist auf Tournee und predigt in Oxford.
Die Erzählerin berichtet vom Treffen mit Julian und der Gruppe von Dissidenten in einer wenig genutzten Dorfkirche. Sie nennen sich selbst die Five Fishes. Es werden die Probleme des Landes erörtert. Die Isle of Man wurde zu einer Deportationsinsel. Gewaltverbrecher und Unruhestifter verschwanden aus der Gesellschaft. Die Staatssicherheitspolizei (SSP) hat eine Diktatur errichtet und kontrolliert alles. Ausländer werden als Zeitgänger bezeichnet und müssen in Arbeitslagern leben. Wenn sie nicht mehr brauchbar sind für das System, werden sie in ihre Heimat abgeschoben. Die Regierung hat den Quietus eingeführt. Der Untergang der Menschheit treibt viele ältere Menschen in den Selbstmord. Mit dem Quietus gibt es eine ritualisierte Form eines Massenselbstmord mit einer feierlichen Verabschiedung. Männer müssen regelmäßig ihre Samen auf Fruchtbarkeit überprüfen lassen und Frauen werden einem gynäkologischen Zwangstest unterzogen, um mögliche wiederkehrende Fruchtbarkeit festzustellen.
Der Gruppe von Dissidenten geht es um Würde. Nicht nur um die Würde der sechs Diskutanten, sondern die Würde der Menschheit und jedes Einzelnen. Theo nimmt die Gruppe nicht sehr ernst und verweist darauf, dass sein Einfluss beim Warden minimal sei. Die Gruppe informiert ihn über den nächsten bekannten Quietus und bittet ihn sich diese Zeremonie anzuschauen und dann zu entscheiden, ob er das Anliegen der Gruppe unterstützt.
Der Quietus findet an einen ehemaligen Badeort statt. Es ist eine erfundene Tradition, die Selbstmörder werden in den Strandkabinen in weiße Gewänder gekleidet. Theo fällt auf, dass diese Senioren offensichtlich mit Medikamenten ruhiggestellt sind. Mit Blaskapelle und unter Aufsicht der SSP ziehen die weiß Gewandeten zu einen Steg und zu dort festgemachten Booten. Er sieht, das jede Person, nachdem sie Platz genommen hat mit den Füßen an den Boden der Boote fest gekettet wird. Diese Boote werden auf die See hinausgezogen und außer Sicht versenkt. Eine Frau bricht aus der Gruppe der Senioren aus und möchte nicht mehr an diesem Massenselbstmord. Er will ihr helfen und erkennt schließlich, dass es sich um die Frau seines Doktorvaters handelt. Sie ist verzweifelt und will so nicht sterben. Die SSP schlägt sie im Wasser blutig und bewusstlos und auch er wird bei seinem Hilfeversuch von der SSP bewusstlos geschlagen. Er erwacht alleine am Strand und zieht sich in ein kleines Hotel zurück. Dort reift die Entscheidung, seinen Cousin den Warden zu treffen. Eine entsprechende Information wird von ihn an einen vorher vereinbarten Platz für die Gruppe der Dissidenten versteckt.
Im Tagebuch behandelt er sein Treffen mit dem Warden und dem Staatsrat in London. Er war erstaunt, wie schnell er einen Termin erhielt. Die Staatsratsmitglieder wechselten nie. Theo stellt die einzelnen Mitglied vor. Die Erzählerin berichtet vom erfolglosen Gespräch mit dem Staatsrat und einem anschließenden Gespräch mit dem Warden während eines Spaziergangs durch einen Park. Alle Maßnahmen der Regierung sind wohl bedacht und sollen dazu führen, dass die verbliebenen Menschen in Frieden bis zum Ende leben können.
Beim folgenden Treffen mit Julian wird deutlich, woher ihre Motivation stammt. Sie ist tief gläubig und sieht ihre Aufgabe zur Veränderung von Gott gewollt. Da der Warden aller Kritik auswich, formuliert die Dissidentengruppe Five Fishes ein Flugblatt, dass nachts verteilt wird. Theo liest die Forderungen und vernichtet das Blatt.
Im Tagebuch berichtet er von einem Phänomen in einer kinderlosen Gesellschaft. Seine Exfrau hat ihn zu einer Taufe eingeladen. Ihre Katze hat Junge bekommen. Während der Feier wird das Flugblatt diskutiert, das auch dort aufgetaucht ist. Zwei Männer von der Staatssicherheitspolizei suchen ihn auf. Im Gespräch wollen diese von ihm erfahren, was er von den aktuellen Entwicklungen hält. Quietus-Veranstaltungen wurden gestört indem die Rampen zur Einschiffung gesprengt wurden. Theo macht sich Gedanken über diesen Besuch der SSP. Er erkennt, dass er Sympathien für die Gruppe der Dissidenten hat.
Der letzte Eintrag im ersten Buch vom 26. März 2021 berichtet von einer zufälligen Begegnung mit Julian auf dem Wochenmarkt. Er warnt sie vor der SSP, die ihnen auf den Fersen sei. Theo beschließt noch einmal alle ihn bekannten Orte auf dem Festland von Europa zu bereisen.
2. Buch Alpha Oktober 2021
Theo kehrt nach Oxford zurück. Er beschreibt in seinem Tagebuch die besuchten Reiseziele auf dem Festland. Er ruft seine Ex-Frau an, um zu erfahren, ob irgendetwas in den letzten sechs Monaten in England passiert ist. Er beschreibt einen Alptraum, in dem er die Dissidentin Julian mit den Auto tötet.
Miriam aus der Gruppe der Dissidenten besucht ihn und spricht von der ersten Verhaftung. Die Gruppe befindet sich seitdem auf der Flucht und benötigt seine Hilfe. Die Flüchtlinge der Gruppe Five Fishes werden vorgestellt. Julian ist hoch schwanger, doch Theo glaubt, dass dies einer der üblichen Selbstbetrügereien sei, also eine Scheinschwangerschaft.
Er trifft Julian an einem Ort, an dem er in seiner Jugend sich mit heutigen Diktator Xan getroffen hat. Erinnerungen an Gespräche mit Xan, an diesen Ort werden mit den aktuellen Gesprächen verwoben. Er meint, Julian sollte ihre Schwangerschaft melden. Doch für sie ist der Warden und seine Diktatur das Böse, dem sie nicht trauen kann.
Die gemeinsame Flucht beginnt mit einem Besuch im Haus seines Doktorvater Jaspar, sie wollen sich dort verstecken. Das Haus ist totenstill, Jaspar hat Selbstmord mit einem Revolver gemacht und einen Nachricht für Theo hinterlassen. Sie rüsten sich im Haus für Flucht und die Geburt aus und reisen mit den Wagen von Jaspar ab.
Ein Mann aus der Gruppe pocht darauf, dass er der Führer der Gruppe ist, dass seine Fruchtbarkeit ist, die das erste Kind zeugte. Er will den Warden ablösen, um selbst Warden zu werden. Ein Schlagloch unterbricht ihre Flucht. Das beschädigte Auto wird von der Straße entfernt und in einem Wäldchen versteckt, wo es am nächsten Tag repariert wird.
Ihre Weiterfahrt endet an einer Straßensperre einer Omega-Gruppe. Sie zwingen sie an ihren Ritualen teil zu nehmen und verlangen einen von ihnen als Menschenopfer zu töten. Ihr Auto mit all seinen Vorräten wird als Teil des Rituals abgefackelt. Den vier Überlebenden gelingt die Flucht von den Omegas. Julian gesteht dem Anführer, das er nicht der Vater ist, sondern das das Kind von den soeben Geopferten stammt. Ohne Vorräte müssen sich von Früchten aus dem Wald ernähren.
Am nächsten Morgen ist der Anführer verschwunden. Die drei anderen machen Pläne für die weitere Flucht. In einem Ort überfallen sie ein Seniorenpaar in deren Haus. Deren Auto und Materialien für die Geburt werden gestohlen und das Paar gefesselt zurückgelassen.
Ihr neues Ziel ist ein Schlosspark des Warden. Theo kennt in umliegenden Wald eine Hütte. Aus den Nachrichten erfahren sie, dass die Seniorin tot aufgefunden wurde und das nun drei Personen gesucht werden. Ihr Anführer hat offensichtlich Informationen über die Gruppe weiter gegeben. Die Flucht ist zu Ende, das Auto wird in einem Teich versenkt, Theo wirft sein Tagebuch hinterher und ein Hubschrauber erinnert sie daran, dass die Verfolger nahe sind.
In der Hütte wird alles für die Geburt vorbereitet. Ein Junge wird geboren und die Hebamme Miriam geht los, um Vorräte für die Gruppe zu besorgen. Sie kommt nicht zurück. Theo verlässt die junge Mutter und findet Miriam außerhalb des Waldes ermordet. Er kehrt zur Hütte zurück.
Der Warden Xan erscheint vor der Hütte. Theo spricht mit ihn, erschießt ihn mit einer Kugel seines Freunds Jasper. Theo nimmt den Ring des Warden von der Leiche. Der Staatsrat erscheint und wird kurz zum Baby vorgelassen. Die Mutter bittet darum, dass das Baby getauft wird, was Theo dann auch vollzieht.
Es ist eine Dystopie mit einem offenen Ende. Es wurde ein Kind geboren und damit könnte die Ursache der Dystopie beendet sein. Der Warden of England, als Repräsentant einer Diktatur ist tot. Doch es bleibt unklar, ob sich das politische System ändern wird und die Menschheit überlebt.
Im Land der leeren Häuser
Roman,
aus dem Englischen von Christa Seibicke.
Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachfolger, München 1993
[Original: The Children of Men, Faber and Faber, London 1992]
Für eine Biographie von P.D. James siehe hier.
Das Buch ist ein Science Fiction, der im Jahre 2021 in Großbritannien handelt. Die Geschichte ist nicht mit den technischen Varianten des Science Fiction, wie er von vielen US-amerikanischen Autoren bekannt ist, zu vergleichen. Der allumfassende Positivismus, der aus den USA bekannt ist, löst Probleme der Zukunft mit Maschinen und der Moral der Bibel. Dies ist ein soziologischer Science Fiction. Es wird durchgespielt, wie eine Gesellschaft auf eine Veränderung der Demographie reagiert. Technische Fortschritte werde selten erwähnt, doch dies hat natürlich auch etwas mit dem Aufbau und dem Stil des Romans zu tun.
Der Roman ist in zwei Büchern getrennt. Buch Omega umfasst in 19 Kapiteln den Zeitraum von Januar bis März 2021 und Buch Alpha in 14 weiteren Kapiteln den Oktober 2021. Es ist eine Mischung aus Tagebucheinträgen, die entsprechend Ereignisse nur in einen Kontext vergangener Tage stellen und einer Erzählerin, die manchmal einen Rückblick von 20-30 Jahren vollzieht, aber dies vor allem, um zwischenmenschliche Bindungen zu erklären oder die Biographie der Hauptpersonen zu konturieren.
Ich verzichte darauf, die Unterschiede zwischen dem Buch und seiner gelungenen Verfilmung durch Alfonso Cuaron herauszuarbeiten. Leser kennen mein Credo: Ein Buch ist ein Buch und ein Film ist ein Film. Ein Regisseur nimmt Idee und Atmosphäre eines Buches und versucht dies zu visualisieren. Dafür können selbst wichtige Nebenrollen eines Buches wegfallen, Hauptrollen in einer Person konzentriert werden oder die Eigenschaften einer Hauptperson auf mehrere Schauspieler aufgeteilt werden. Das sind die Freiheiten beim Übergang von einer Kunstform in die andere.
Inhaltsangabe
1. Buch Omega Januar-März 2021
Es beginnt mit dem Tagebucheintrag vom 1. Januar 2021 des Protagonisten Theo Faron. Theo Faron ist Professor für die Geschichte des Viktorianischen Zeitalters an der Universität Oxford. Er ist also Experte für vollendete Ausprägung der bürgerlichen Ideale innerhalb der britischen Monarchie. Er hat an diesem Tag seinen 50. Geburtstag und mit dem Beginn seiner zweiten Lebenshälfte beginnt er wieder ein Tagebuch zu führen.
Er schildert seine Situation und warum es keinen Grund mehr gibt, Geburtstage zu feiern. Seit der Mitte des Jahres 1994 sind alle männlichen Samen unfruchtbar. Die letzten Geburten erfolgten entsprechend 1995. Diese letzten Menschen, die nunmehr alle über 25 Jahre alt sind, werden als Omegas bezeichnet und gefürchtet. Die Zahl der Menschen reduziert sich kontinuierlich und die Menschheit wird in absehbarer Zeit aussterben.
Der nächste Eintrag widmet sich dem neuen Herrscher von Großbritannien. Es gibt noch Länder und die Insellage macht eine Abschottung von dem Rest der Welt möglich. Xan Lyppiatt hat vor etlichen Jahren sich zum Warden of England erklärt und regiert autoritär mit einem kleinen von ihn ernannten Staatsrat das Land. Xan Lyppiatt ist der Cousin von Theo Faron und beide verbinden Jugenderlebnisse. Theo war ein wesentlicher Berater von Xan, nachdem dieser sich zum Warden erklärt hatte. Es wurde ein Punkt in der Entwicklung der Diktatur erreicht, an dem Theo seine Arbeit niederlegte und seitdem auch keinen Kontakt zu seinem Cousin pflegt.
Es folgen weitere Betrachtungen über seine Jugend mit Xan, die persönliche Entwicklung der beiden Cousins, die Eltern sowie seiner Ehe und Tochter. Seine Tochter wurde tragischerweise von ihm als Kleinkind überfahren und getötet. Seine Frau konnte danach nicht mehr mit ihm zusammenleben und ließ sich scheiden.
Im sechsten Kapitel übernimmt die Erzählerin den Handlungsfaden und berichtet von der Restzivilisation, die es noch gibt. So werden zum Beispiel an der Universität alle Rituale im Verhältnis der Personen zueinander und im Jahresablauf weiter gepflegt. Eine junge Frau mit dem Namen Julian wird eingeführt. Sie bittet ihn an einen konspirativen Treffen mit einer kleinen Gruppe von Oppositionellen zu erscheinen und danach seinen Einfluss auf den Warden zu verwenden, um die Kritik und die Forderungen der Gruppe vorzutragen. Er vereinbart einen Termin.
Der nächste Tagebucheintrag widmet sich einem Besuch seines Doktorvaters Jasper Palmer-Smith, der nach seiner Emeritierung sich mit seiner Frau in ein abgelegenes Cottage zurückgezogen hat. Mit Erstaunen erkennt er, dass beide erheblich gealtert sind. Die Regierung garantiert keinen Service mehr außerhalb bestimmter Siedlungen. Mit der abnehmenden Zahl von Menschen wird es immer schwieriger Straßen zu erhalten und die Versorgung mit Gas, Wasser und Strom aufrecht zu erhalten. Jasper und seine Frau Hilda würden gerne bei Theo in Oxford einziehen. Eine erschreckende Vorstellung für Theo, da er die Einsamkeit in seinem mehrgeschossigen alten Haus genießt. Auf dem Rückweg sieht er viele Menschen vor der Universität. Eine US-amerikanische Untergangsevangelistin ist auf Tournee und predigt in Oxford.
Die Erzählerin berichtet vom Treffen mit Julian und der Gruppe von Dissidenten in einer wenig genutzten Dorfkirche. Sie nennen sich selbst die Five Fishes. Es werden die Probleme des Landes erörtert. Die Isle of Man wurde zu einer Deportationsinsel. Gewaltverbrecher und Unruhestifter verschwanden aus der Gesellschaft. Die Staatssicherheitspolizei (SSP) hat eine Diktatur errichtet und kontrolliert alles. Ausländer werden als Zeitgänger bezeichnet und müssen in Arbeitslagern leben. Wenn sie nicht mehr brauchbar sind für das System, werden sie in ihre Heimat abgeschoben. Die Regierung hat den Quietus eingeführt. Der Untergang der Menschheit treibt viele ältere Menschen in den Selbstmord. Mit dem Quietus gibt es eine ritualisierte Form eines Massenselbstmord mit einer feierlichen Verabschiedung. Männer müssen regelmäßig ihre Samen auf Fruchtbarkeit überprüfen lassen und Frauen werden einem gynäkologischen Zwangstest unterzogen, um mögliche wiederkehrende Fruchtbarkeit festzustellen.
Der Gruppe von Dissidenten geht es um Würde. Nicht nur um die Würde der sechs Diskutanten, sondern die Würde der Menschheit und jedes Einzelnen. Theo nimmt die Gruppe nicht sehr ernst und verweist darauf, dass sein Einfluss beim Warden minimal sei. Die Gruppe informiert ihn über den nächsten bekannten Quietus und bittet ihn sich diese Zeremonie anzuschauen und dann zu entscheiden, ob er das Anliegen der Gruppe unterstützt.
Der Quietus findet an einen ehemaligen Badeort statt. Es ist eine erfundene Tradition, die Selbstmörder werden in den Strandkabinen in weiße Gewänder gekleidet. Theo fällt auf, dass diese Senioren offensichtlich mit Medikamenten ruhiggestellt sind. Mit Blaskapelle und unter Aufsicht der SSP ziehen die weiß Gewandeten zu einen Steg und zu dort festgemachten Booten. Er sieht, das jede Person, nachdem sie Platz genommen hat mit den Füßen an den Boden der Boote fest gekettet wird. Diese Boote werden auf die See hinausgezogen und außer Sicht versenkt. Eine Frau bricht aus der Gruppe der Senioren aus und möchte nicht mehr an diesem Massenselbstmord. Er will ihr helfen und erkennt schließlich, dass es sich um die Frau seines Doktorvaters handelt. Sie ist verzweifelt und will so nicht sterben. Die SSP schlägt sie im Wasser blutig und bewusstlos und auch er wird bei seinem Hilfeversuch von der SSP bewusstlos geschlagen. Er erwacht alleine am Strand und zieht sich in ein kleines Hotel zurück. Dort reift die Entscheidung, seinen Cousin den Warden zu treffen. Eine entsprechende Information wird von ihn an einen vorher vereinbarten Platz für die Gruppe der Dissidenten versteckt.
Im Tagebuch behandelt er sein Treffen mit dem Warden und dem Staatsrat in London. Er war erstaunt, wie schnell er einen Termin erhielt. Die Staatsratsmitglieder wechselten nie. Theo stellt die einzelnen Mitglied vor. Die Erzählerin berichtet vom erfolglosen Gespräch mit dem Staatsrat und einem anschließenden Gespräch mit dem Warden während eines Spaziergangs durch einen Park. Alle Maßnahmen der Regierung sind wohl bedacht und sollen dazu führen, dass die verbliebenen Menschen in Frieden bis zum Ende leben können.
Beim folgenden Treffen mit Julian wird deutlich, woher ihre Motivation stammt. Sie ist tief gläubig und sieht ihre Aufgabe zur Veränderung von Gott gewollt. Da der Warden aller Kritik auswich, formuliert die Dissidentengruppe Five Fishes ein Flugblatt, dass nachts verteilt wird. Theo liest die Forderungen und vernichtet das Blatt.
Im Tagebuch berichtet er von einem Phänomen in einer kinderlosen Gesellschaft. Seine Exfrau hat ihn zu einer Taufe eingeladen. Ihre Katze hat Junge bekommen. Während der Feier wird das Flugblatt diskutiert, das auch dort aufgetaucht ist. Zwei Männer von der Staatssicherheitspolizei suchen ihn auf. Im Gespräch wollen diese von ihm erfahren, was er von den aktuellen Entwicklungen hält. Quietus-Veranstaltungen wurden gestört indem die Rampen zur Einschiffung gesprengt wurden. Theo macht sich Gedanken über diesen Besuch der SSP. Er erkennt, dass er Sympathien für die Gruppe der Dissidenten hat.
Der letzte Eintrag im ersten Buch vom 26. März 2021 berichtet von einer zufälligen Begegnung mit Julian auf dem Wochenmarkt. Er warnt sie vor der SSP, die ihnen auf den Fersen sei. Theo beschließt noch einmal alle ihn bekannten Orte auf dem Festland von Europa zu bereisen.
2. Buch Alpha Oktober 2021
Theo kehrt nach Oxford zurück. Er beschreibt in seinem Tagebuch die besuchten Reiseziele auf dem Festland. Er ruft seine Ex-Frau an, um zu erfahren, ob irgendetwas in den letzten sechs Monaten in England passiert ist. Er beschreibt einen Alptraum, in dem er die Dissidentin Julian mit den Auto tötet.
Miriam aus der Gruppe der Dissidenten besucht ihn und spricht von der ersten Verhaftung. Die Gruppe befindet sich seitdem auf der Flucht und benötigt seine Hilfe. Die Flüchtlinge der Gruppe Five Fishes werden vorgestellt. Julian ist hoch schwanger, doch Theo glaubt, dass dies einer der üblichen Selbstbetrügereien sei, also eine Scheinschwangerschaft.
Er trifft Julian an einem Ort, an dem er in seiner Jugend sich mit heutigen Diktator Xan getroffen hat. Erinnerungen an Gespräche mit Xan, an diesen Ort werden mit den aktuellen Gesprächen verwoben. Er meint, Julian sollte ihre Schwangerschaft melden. Doch für sie ist der Warden und seine Diktatur das Böse, dem sie nicht trauen kann.
Die gemeinsame Flucht beginnt mit einem Besuch im Haus seines Doktorvater Jaspar, sie wollen sich dort verstecken. Das Haus ist totenstill, Jaspar hat Selbstmord mit einem Revolver gemacht und einen Nachricht für Theo hinterlassen. Sie rüsten sich im Haus für Flucht und die Geburt aus und reisen mit den Wagen von Jaspar ab.
Ein Mann aus der Gruppe pocht darauf, dass er der Führer der Gruppe ist, dass seine Fruchtbarkeit ist, die das erste Kind zeugte. Er will den Warden ablösen, um selbst Warden zu werden. Ein Schlagloch unterbricht ihre Flucht. Das beschädigte Auto wird von der Straße entfernt und in einem Wäldchen versteckt, wo es am nächsten Tag repariert wird.
Ihre Weiterfahrt endet an einer Straßensperre einer Omega-Gruppe. Sie zwingen sie an ihren Ritualen teil zu nehmen und verlangen einen von ihnen als Menschenopfer zu töten. Ihr Auto mit all seinen Vorräten wird als Teil des Rituals abgefackelt. Den vier Überlebenden gelingt die Flucht von den Omegas. Julian gesteht dem Anführer, das er nicht der Vater ist, sondern das das Kind von den soeben Geopferten stammt. Ohne Vorräte müssen sich von Früchten aus dem Wald ernähren.
Am nächsten Morgen ist der Anführer verschwunden. Die drei anderen machen Pläne für die weitere Flucht. In einem Ort überfallen sie ein Seniorenpaar in deren Haus. Deren Auto und Materialien für die Geburt werden gestohlen und das Paar gefesselt zurückgelassen.
Ihr neues Ziel ist ein Schlosspark des Warden. Theo kennt in umliegenden Wald eine Hütte. Aus den Nachrichten erfahren sie, dass die Seniorin tot aufgefunden wurde und das nun drei Personen gesucht werden. Ihr Anführer hat offensichtlich Informationen über die Gruppe weiter gegeben. Die Flucht ist zu Ende, das Auto wird in einem Teich versenkt, Theo wirft sein Tagebuch hinterher und ein Hubschrauber erinnert sie daran, dass die Verfolger nahe sind.
In der Hütte wird alles für die Geburt vorbereitet. Ein Junge wird geboren und die Hebamme Miriam geht los, um Vorräte für die Gruppe zu besorgen. Sie kommt nicht zurück. Theo verlässt die junge Mutter und findet Miriam außerhalb des Waldes ermordet. Er kehrt zur Hütte zurück.
Der Warden Xan erscheint vor der Hütte. Theo spricht mit ihn, erschießt ihn mit einer Kugel seines Freunds Jasper. Theo nimmt den Ring des Warden von der Leiche. Der Staatsrat erscheint und wird kurz zum Baby vorgelassen. Die Mutter bittet darum, dass das Baby getauft wird, was Theo dann auch vollzieht.
Es ist eine Dystopie mit einem offenen Ende. Es wurde ein Kind geboren und damit könnte die Ursache der Dystopie beendet sein. Der Warden of England, als Repräsentant einer Diktatur ist tot. Doch es bleibt unklar, ob sich das politische System ändern wird und die Menschheit überlebt.
Freitag, 5. Juni 2015
Zitat Salman Rushdie - Bücherwelten
Sonntag, 15. Februar 2015
Jules Verne 1887 Der Weg nach Frankreich
Die Freunde der Romane und Erzählungen von Jules Verne wissen aus seiner Biographie und aus Bibliographien, dass einige seiner Werke nicht ins Deutsche übersetzt wurden.
Dies umfasste u. a. LE CHEMIN DE FRANCE aus dem Jahre 1887. Nun liegen gleich zwei Übersetzungen vor. Einmal die Übersetzung von Gudrun Hermle (Verlag Sven R. Schulz, Berlin 2012) und eine Gruppenübersetzung unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Junkerjürgen, die im ABLIT Verlag (München 2013) erschien. Die vollständige bibliographische Angabe findet sich am Ende dieses Beitrags.
Eine Gruppe von Studierenden aus Frankreich und Deutschland am Institut für Romanistik der UNI Regensburg schuf die deutsche Fassung unter der Leitung eines Übersetzers (Prof. Junkerjürgen) eines weiteren bisher nicht übersetzten Roman von Jules Verne. Eine der Übersetzerinnen informierte mich frühzeitig über das Projekt und so wurde mir durch Subskription sofort nach Drucklegung ein Exemplar zugeschickt.
Dies als Vorwort, doch ich möchte hier den Roman vorstellen.
Der Weg nach Frankreich schildert die Flucht einer kleinen Gruppe von Franzosen und Nachkommen von ausgewanderten Protestanten aus Frankreich von Belzig im preußischen Brandenburg ins nördliche Lothringen im Sommer 1792.
Es gibt oftmals einen Ich-Erzähler bei Jules Verne, doch hier ist es etwas besonders, da der Erzähler kein Gebildeter ist, sondern ein Sohn eines Bauern aus der Picardie, der erst im Alter von 31 Lesen und dann Schreiben lernte.
Es ist also eine bewusst einfache Sprache, die oftmals einen mündlichen Erzählstil folgt.
Wesentlich ist auch der sprachliche Hintergrund der Picardie mit seinen regional typischen Redensarten und Ausdrücken. Hier zeigt sich besonders gelungen die Gruppenübersetzung durch junge Menschen aus Frankreich und Deutschland. Die einen können die Redensarten und regionale Ausdrücke überhaupt als solche erkennen und die zugrunde liegenden Bilder recherchieren, während die anderen Formulierungen und Bilder im Deutschen benennen, die dem entsprechen. Oftmals werden diese sprachlichen Besonderheiten durch Anführungszeichen betont und mit dem Zusatz "wie wir in der Picardie sagen" ergänzt. Dies betont noch stärker den mündlichen Erzählstil, da der Erzähler seine Geschichte für seine in ganz Frankreich beheimateten Freunde niederschreibt.
Erzählt wird die Geschichte von einem alten Mann von 66 Jahren, der von seinem 18. bis 54. Lebensjahr vom einfachen Soldaten bis zum Hauptmann aufstieg. Der Offiziersrang hing davon ab, dass man Lesen und Schreiben kann, weshalb die beginnende Alphabetisierung während der Handlung so eine große Bedeutung hat. Der Rückblick nach 35 Jahren bedeutet auch, dass der Erzähler den historischen Kontext der Konflikte und ihres Ausgangs kennt. Dieses Springen zwischen der Handlung und erläuternden historischen Rückblenden und Verweisen auf die Zukunft ist das dritte Merkmal dieses Erzählstils.
Das letzte Merkmal der Erzählung ist der sehr persönliche Ton, die dem Erzähler gegeben wurde. Dieser ist oftmals pathetisch und für einen modernen Leser nur dadurch zu ertragen, dass man sich in diesen Momenten an den gewählten Erzählstil erinnert.
Der Erzähler, seine ältere Schwester, ein älterer französischer Händler und seine erwachsene Tochter werden des Landes verwiesen, weil Preußen dem revolutionären Frankreich den Krieg erklärt hatte. Die preußische Regierung gab ihnen hierfür einen Pass, eine vorgegebene Route, die an jeden dort genannten Ort abgestempelt werden musste und ihnen dafür maximal 20 Tage zustand. Die Ausweisung wird zur Flucht auf der gleichen Route, als der deutsche Verlobte, der französischen Tochter und dessen Mutter sich ihnen anschließen. Der junge Mann war zum Militärdienst eingezogen wurden, hatte einen handfesten Streit mit einem Offizier und war nun als zum Tode verurteilter Deserteur auf der Flucht in das Land seiner Ahnen.
Als Widerpart gibt es zum einen den deutschen Offizier, der auch die junge Frau begehrte und Kopfgeldjägern. Da aus vielen östlichen Landesteilen Truppen und ihr Gefolge zur französischen Grenze ziehen, ist es ein wiederkehrendes Trennen und Wiederfinden zwischen den Ausgewiesenen und Flüchtenden auf der Route.
Der Pathos der Akteure zum Ende hin ist für einen modernen Leser gewöhnungsbedürftig.
Hier ist eine kleine Schwäche dieser Ausgabe. Neben den Originalillustrationen von Georges Roux wurden auch neue Zeichnungen angefertigt. Doch zum einen wurden die 35 Originale nicht in den Text eingefügt, sondern nur als Anhang geliefert und zum anderen wurden zwei Landkarten des Originals überhaupt nicht wiedergegeben. Eine oder mehrere, auch neu gezeichnete Karten würden manchmal das Lesen erleichtern, wo es jetzt nur Aufzählungen von Orten und Staaten des deutschen, politischen Flickenteppichs sind. Auch das Finale rund um den Argonnerwald würde durch eine klare Karte besser nachzuvollziehen sein. Die neu gefertigte Skizze mag zwar künstlerisch wertvoll sein, ist aber kartographisch unleserlich.
Der Roman erschließt die Person Jules Verne als französischen Patrioten, der durch die Ereignisse des Deutsch-Französischen Krieges 1870-71 seinen Widerwillen gegen die Deutschen, genauer die Preußen und ihr Verhalten zu Papier bringt. Diese anti-deutsche Tonfall ist es auch, der damals die deutschen Herausgeber in Wien und Berlin davon abhielt, diesen Roman in ihr deutsches Gesamtwerk von Jules Verne aufzunehmen. Es werden auch wirklich einige der üblen Eigenschaften des preußischen Militarismus und des deutschen Untertanengeistes dargestellt. Im Nachwort dieser Ausgabe schreibt der Verne-Biograph und -Übersetzer Volker Dehs (Ko-Herausgeber der Briefe zwischen J. Verne und seinen Herausgebern Hetzel sen. und jun.), dass der zeitgleich publizierte Roman Die fünfhundert Millionen der Begum, der den deutschen Militarismus anprangert, übersetzt wurde.
Es sollte mehr von diesen Kollektivübersetzungen mit Menschen aus der Originalsprache und dem Deutschen geben. Deutsche Lektoren machen gute Arbeit, aber dieser Ansatz ist sehr vielversprechend. Andere Kollektivübersetzungen mit regem Austausch im Team haben schließlich bereits einen hohen Standard definiert, wie in der Edgar A. Poe-Ausgabe von Hans Wollschläger und Arno Schmidt (und Anderen) und seinen publizieren Begleittexten zu sehen ist.
Jules Verne
Der Weg nach Frankreich
Gruppenübersetzung unter der Leitung von Ralf Junkerjürgen
Erschienen zusammen mit
Der Graf von Chanteleine
und einem Nachwort von Volker Dehs
Reihe Avventura Mediterranea Band 5
Ablit Verlag, München, 2013, S. 129-324 und 394-465.
ISBN: 978-3-935410-18-2
Dies umfasste u. a. LE CHEMIN DE FRANCE aus dem Jahre 1887. Nun liegen gleich zwei Übersetzungen vor. Einmal die Übersetzung von Gudrun Hermle (Verlag Sven R. Schulz, Berlin 2012) und eine Gruppenübersetzung unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Junkerjürgen, die im ABLIT Verlag (München 2013) erschien. Die vollständige bibliographische Angabe findet sich am Ende dieses Beitrags.
Eine Gruppe von Studierenden aus Frankreich und Deutschland am Institut für Romanistik der UNI Regensburg schuf die deutsche Fassung unter der Leitung eines Übersetzers (Prof. Junkerjürgen) eines weiteren bisher nicht übersetzten Roman von Jules Verne. Eine der Übersetzerinnen informierte mich frühzeitig über das Projekt und so wurde mir durch Subskription sofort nach Drucklegung ein Exemplar zugeschickt.
Dies als Vorwort, doch ich möchte hier den Roman vorstellen.
Der Weg nach Frankreich schildert die Flucht einer kleinen Gruppe von Franzosen und Nachkommen von ausgewanderten Protestanten aus Frankreich von Belzig im preußischen Brandenburg ins nördliche Lothringen im Sommer 1792.
Es gibt oftmals einen Ich-Erzähler bei Jules Verne, doch hier ist es etwas besonders, da der Erzähler kein Gebildeter ist, sondern ein Sohn eines Bauern aus der Picardie, der erst im Alter von 31 Lesen und dann Schreiben lernte.
Es ist also eine bewusst einfache Sprache, die oftmals einen mündlichen Erzählstil folgt.
Wesentlich ist auch der sprachliche Hintergrund der Picardie mit seinen regional typischen Redensarten und Ausdrücken. Hier zeigt sich besonders gelungen die Gruppenübersetzung durch junge Menschen aus Frankreich und Deutschland. Die einen können die Redensarten und regionale Ausdrücke überhaupt als solche erkennen und die zugrunde liegenden Bilder recherchieren, während die anderen Formulierungen und Bilder im Deutschen benennen, die dem entsprechen. Oftmals werden diese sprachlichen Besonderheiten durch Anführungszeichen betont und mit dem Zusatz "wie wir in der Picardie sagen" ergänzt. Dies betont noch stärker den mündlichen Erzählstil, da der Erzähler seine Geschichte für seine in ganz Frankreich beheimateten Freunde niederschreibt.
Erzählt wird die Geschichte von einem alten Mann von 66 Jahren, der von seinem 18. bis 54. Lebensjahr vom einfachen Soldaten bis zum Hauptmann aufstieg. Der Offiziersrang hing davon ab, dass man Lesen und Schreiben kann, weshalb die beginnende Alphabetisierung während der Handlung so eine große Bedeutung hat. Der Rückblick nach 35 Jahren bedeutet auch, dass der Erzähler den historischen Kontext der Konflikte und ihres Ausgangs kennt. Dieses Springen zwischen der Handlung und erläuternden historischen Rückblenden und Verweisen auf die Zukunft ist das dritte Merkmal dieses Erzählstils.
Das letzte Merkmal der Erzählung ist der sehr persönliche Ton, die dem Erzähler gegeben wurde. Dieser ist oftmals pathetisch und für einen modernen Leser nur dadurch zu ertragen, dass man sich in diesen Momenten an den gewählten Erzählstil erinnert.
Der Erzähler, seine ältere Schwester, ein älterer französischer Händler und seine erwachsene Tochter werden des Landes verwiesen, weil Preußen dem revolutionären Frankreich den Krieg erklärt hatte. Die preußische Regierung gab ihnen hierfür einen Pass, eine vorgegebene Route, die an jeden dort genannten Ort abgestempelt werden musste und ihnen dafür maximal 20 Tage zustand. Die Ausweisung wird zur Flucht auf der gleichen Route, als der deutsche Verlobte, der französischen Tochter und dessen Mutter sich ihnen anschließen. Der junge Mann war zum Militärdienst eingezogen wurden, hatte einen handfesten Streit mit einem Offizier und war nun als zum Tode verurteilter Deserteur auf der Flucht in das Land seiner Ahnen.
Als Widerpart gibt es zum einen den deutschen Offizier, der auch die junge Frau begehrte und Kopfgeldjägern. Da aus vielen östlichen Landesteilen Truppen und ihr Gefolge zur französischen Grenze ziehen, ist es ein wiederkehrendes Trennen und Wiederfinden zwischen den Ausgewiesenen und Flüchtenden auf der Route.
Der Pathos der Akteure zum Ende hin ist für einen modernen Leser gewöhnungsbedürftig.
Hier ist eine kleine Schwäche dieser Ausgabe. Neben den Originalillustrationen von Georges Roux wurden auch neue Zeichnungen angefertigt. Doch zum einen wurden die 35 Originale nicht in den Text eingefügt, sondern nur als Anhang geliefert und zum anderen wurden zwei Landkarten des Originals überhaupt nicht wiedergegeben. Eine oder mehrere, auch neu gezeichnete Karten würden manchmal das Lesen erleichtern, wo es jetzt nur Aufzählungen von Orten und Staaten des deutschen, politischen Flickenteppichs sind. Auch das Finale rund um den Argonnerwald würde durch eine klare Karte besser nachzuvollziehen sein. Die neu gefertigte Skizze mag zwar künstlerisch wertvoll sein, ist aber kartographisch unleserlich.
Der Roman erschließt die Person Jules Verne als französischen Patrioten, der durch die Ereignisse des Deutsch-Französischen Krieges 1870-71 seinen Widerwillen gegen die Deutschen, genauer die Preußen und ihr Verhalten zu Papier bringt. Diese anti-deutsche Tonfall ist es auch, der damals die deutschen Herausgeber in Wien und Berlin davon abhielt, diesen Roman in ihr deutsches Gesamtwerk von Jules Verne aufzunehmen. Es werden auch wirklich einige der üblen Eigenschaften des preußischen Militarismus und des deutschen Untertanengeistes dargestellt. Im Nachwort dieser Ausgabe schreibt der Verne-Biograph und -Übersetzer Volker Dehs (Ko-Herausgeber der Briefe zwischen J. Verne und seinen Herausgebern Hetzel sen. und jun.), dass der zeitgleich publizierte Roman Die fünfhundert Millionen der Begum, der den deutschen Militarismus anprangert, übersetzt wurde.
Es sollte mehr von diesen Kollektivübersetzungen mit Menschen aus der Originalsprache und dem Deutschen geben. Deutsche Lektoren machen gute Arbeit, aber dieser Ansatz ist sehr vielversprechend. Andere Kollektivübersetzungen mit regem Austausch im Team haben schließlich bereits einen hohen Standard definiert, wie in der Edgar A. Poe-Ausgabe von Hans Wollschläger und Arno Schmidt (und Anderen) und seinen publizieren Begleittexten zu sehen ist.
Jules Verne
Der Weg nach Frankreich
Gruppenübersetzung unter der Leitung von Ralf Junkerjürgen
Erschienen zusammen mit
Der Graf von Chanteleine
und einem Nachwort von Volker Dehs
Reihe Avventura Mediterranea Band 5
Ablit Verlag, München, 2013, S. 129-324 und 394-465.
ISBN: 978-3-935410-18-2
Sonntag, 1. Februar 2015
Buch: Sven Böttcher (2011) Prophezeiung
Sven Böttcher
Prophezeiung
Kiepenheuer & Witsch
2011
446 Seiten.
Science Fiction schreibt manchmal Informationen und Entwicklungen der Gegenwart einfach nur fort. Es besteht dann die Gefahr, dass die Geschichte in wenigen Jahren überholt und für Leser uninteressant sein wird.
Dieses Dilemma hatte ich zuletzt beim Roman ZERO von Marc Elsberg (2014) beschrieben. Dort ging es um den Trend der Selbstoptimierung, in dem Menschen individuelle Daten über soziale Netzwerke und Apps an nicht durchschaubare Datensammelfirmen geben. Doch wird dies in 5 oder 10 Jahren noch jemand interessieren oder aufregen, wenn die Datenabgabe eine Grundbedingung für Vergünstigungen ist und Verweigerer mit schlechten Service oder höheren Ausgaben bestraft werden?
Sven Böttcher hat einen Thriller zur Klimaforschung und den daraus resultierenden politischen und wirtschaftlichen Folgen geschrieben. "Prophezeiung" verarbeitet das Wissen der Klimaforschung vor dem Jahr 2010.
Das ist nach dem 4. Sachstandsbericht des UN-Weltklimarates IPCC. Im IPCC-Bericht werden u.a. auch Kippelemente diskutiert, die den Klimawandel radikal beschleunigen. Die IPCC diskutiert Prognosen der globalen Temperatur am Ende des 21. Jahrhunderts und damit Eisschmelze und den daraus erfolgenden Meeresspiegelanstieg.
Im Roman Prophezeiung kalkuliert ein geheimes Rechenzentrum aus globalen Messwerten und einer Verkettung von natürlichen Zyklen (Sonnenflecken, Schwankung der Erdachse, Entfernung Erde-Sonne, etc.), dass der Kipppunkt des Klimawandels jetzt erreicht ist. Es wird eine Klimakatastrophe mit mehr als 100 Millionen Toten in einem Jahr vorhergesagt.
Sven Böttcher entfaltet ein Panoptikum von Haupt- und Nebenpersonen, die viele der vor einem Jahrzehnt vertretenen Positionen zum Klimawandel, seinen Ursachen, seinen Folgen und den Möglichkeiten zum Eingreifen repräsentieren.
Leider setzt der Autor einen Schwerpunkt auf Positionen der Klimakritiker, also der "Wissenschaftler" und Politiker, die den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel klein reden und vor allen natürlichen Ursachen betonen. Es gab Fehler im 4. IPCC-Bericht, aber diese wurden bestätigt und korrigiert und die Fachwissenschaftler betonen den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel. Vielen der Kritiker konnte zwischenzeitlich nachgewiesen werden, dass diese von der "alten" Energieindustrie (Kohle, Öl, Gas) finanziert wurden.
Der Roman ist spannend und lesenswert. Es gibt Idealisten, Pragmatiker, Selbstdarsteller und Menschen, die über Leichen gehen, um ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen zu schützen. Es wird aus drei Perspektiven erzählt. Der Zusammenbruch der Systeme für Strom, Abwasser, Lebensmittel- und allgemeinen Warenverkehr führt zu Panik, Plünderungen und Flucht aus den Küstenregionen, in denen das Wasser sehr schnell steigt. Einige Beschreibungen des Chaos sind abstoßend, aber die Masse Mensch wird wohl so reagieren, wenn es um das Überleben geht und jeder andere Mensch zu einem Konkurrenten von Essen und Trinken wird.
Die Zivilisation ist nur eine Firnis der modernen Gesellschaften wie bei längeren Stromausfällen immer wieder in den Nachrichten dokumentiert wird. Es ist erschreckend wie scheinbar "normale" Menschen die Gelegenheit zum Plündern ergreifen und andere Menschen angreifen.
Der Roman wurde 2011 veröffentlicht und wird bald veraltet sein. In 10-20 Jahren wird es wieder ein spannender Roman sein, wenn dieser Blick auf eine Zukunft nur noch Fiktion ist.
Prophezeiung
Kiepenheuer & Witsch
2011
446 Seiten.
Science Fiction schreibt manchmal Informationen und Entwicklungen der Gegenwart einfach nur fort. Es besteht dann die Gefahr, dass die Geschichte in wenigen Jahren überholt und für Leser uninteressant sein wird.
Dieses Dilemma hatte ich zuletzt beim Roman ZERO von Marc Elsberg (2014) beschrieben. Dort ging es um den Trend der Selbstoptimierung, in dem Menschen individuelle Daten über soziale Netzwerke und Apps an nicht durchschaubare Datensammelfirmen geben. Doch wird dies in 5 oder 10 Jahren noch jemand interessieren oder aufregen, wenn die Datenabgabe eine Grundbedingung für Vergünstigungen ist und Verweigerer mit schlechten Service oder höheren Ausgaben bestraft werden?
Sven Böttcher hat einen Thriller zur Klimaforschung und den daraus resultierenden politischen und wirtschaftlichen Folgen geschrieben. "Prophezeiung" verarbeitet das Wissen der Klimaforschung vor dem Jahr 2010.
Das ist nach dem 4. Sachstandsbericht des UN-Weltklimarates IPCC. Im IPCC-Bericht werden u.a. auch Kippelemente diskutiert, die den Klimawandel radikal beschleunigen. Die IPCC diskutiert Prognosen der globalen Temperatur am Ende des 21. Jahrhunderts und damit Eisschmelze und den daraus erfolgenden Meeresspiegelanstieg.
Im Roman Prophezeiung kalkuliert ein geheimes Rechenzentrum aus globalen Messwerten und einer Verkettung von natürlichen Zyklen (Sonnenflecken, Schwankung der Erdachse, Entfernung Erde-Sonne, etc.), dass der Kipppunkt des Klimawandels jetzt erreicht ist. Es wird eine Klimakatastrophe mit mehr als 100 Millionen Toten in einem Jahr vorhergesagt.
Sven Böttcher entfaltet ein Panoptikum von Haupt- und Nebenpersonen, die viele der vor einem Jahrzehnt vertretenen Positionen zum Klimawandel, seinen Ursachen, seinen Folgen und den Möglichkeiten zum Eingreifen repräsentieren.
Leider setzt der Autor einen Schwerpunkt auf Positionen der Klimakritiker, also der "Wissenschaftler" und Politiker, die den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel klein reden und vor allen natürlichen Ursachen betonen. Es gab Fehler im 4. IPCC-Bericht, aber diese wurden bestätigt und korrigiert und die Fachwissenschaftler betonen den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel. Vielen der Kritiker konnte zwischenzeitlich nachgewiesen werden, dass diese von der "alten" Energieindustrie (Kohle, Öl, Gas) finanziert wurden.
Der Roman ist spannend und lesenswert. Es gibt Idealisten, Pragmatiker, Selbstdarsteller und Menschen, die über Leichen gehen, um ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen zu schützen. Es wird aus drei Perspektiven erzählt. Der Zusammenbruch der Systeme für Strom, Abwasser, Lebensmittel- und allgemeinen Warenverkehr führt zu Panik, Plünderungen und Flucht aus den Küstenregionen, in denen das Wasser sehr schnell steigt. Einige Beschreibungen des Chaos sind abstoßend, aber die Masse Mensch wird wohl so reagieren, wenn es um das Überleben geht und jeder andere Mensch zu einem Konkurrenten von Essen und Trinken wird.
Die Zivilisation ist nur eine Firnis der modernen Gesellschaften wie bei längeren Stromausfällen immer wieder in den Nachrichten dokumentiert wird. Es ist erschreckend wie scheinbar "normale" Menschen die Gelegenheit zum Plündern ergreifen und andere Menschen angreifen.
Der Roman wurde 2011 veröffentlicht und wird bald veraltet sein. In 10-20 Jahren wird es wieder ein spannender Roman sein, wenn dieser Blick auf eine Zukunft nur noch Fiktion ist.
Mittwoch, 17. Dezember 2014
Film: Der Hobbit - Teil 3
Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere
(NZ, UK, USA 2014, 144 Minuten)
Regie: Peter Jackson
Zum Ende dieser Triologie ist einmal mehr zu beobachten, dass nach einem guten 1. Teil, einem schwachen 2. Teil, ein guter 3. Teil zu sehen war.
Peter Jackson und sein Team haben technische und inhaltliche Ideen umgesetzt, welche den Film oftmals zu einem Genuß machen.
Da wäre als wesentliches Element die 3D-HFR-Technik, die für den Hobbit verwirklicht wurde.
Ich sah den Film in einem sehr großen Kino, in dem die Leinwand das gesamte, durch die 3D-Brille eingeschränkte Blickfeld einnahm. Peter Jackson nutzt immer wieder das ganze Bild. Dann ist nicht nur das Zentrum, wo sich die Handlung weiterentwickelt, klar zu sehen, sondern der Zuschauende kann auch links und rechts Aktivitäten und Landschaft sehen.
Das sind dann die Momente, in denen man real auf einen Kinosessel sitzt, aber eigentlich auf einer Burgmauer oder einem Fenstersims lehnt und Alles beobachtet. Diese Freiheit des Zuschauenden machte Avatar 2009 so besonders und wurde seitdem in anderen 3D-Filmen vermisst.
Denn es sind nicht die auf den Zuschauer gerichteten Waffen, welche eine angenehme 3D-Illusion ermöglichen, sondern die Landschaft, die Tiefenschärfe zum Beispiel in den Hallen unterm Berg Erebor. Nebel und Schneeflocken vor und hinter der Handlung sind ein besonderer Effekt (zuerst bei Hugo von Martin Scorsese gesehen).
Herausragend ist die Darstellung des Kampfes zwischen Galadriel und dem Necromancer (=Sauron) in den Ruinen von Dol Guldur. Da zieht es einen in das Bild, ein großartiger Effekt.
Inhaltlich war die große Frage bei dem gesamten Filmprojekt, wie Peter Jackson und seine Drehbuchschreiber die Verknüpfung gelingt zwischen der Handlung vom Hobbit und der 60 Jahre später einsetzenden Geschichte Herr der Ringe (=HdR). Bereits ab dem ersten Teil werden Figuren der Handlung hinzugefügt, die im Hobbit noch nicht vorgesehen waren, aber wesentlich im HdR sind. Die Auftritte von Legolas, Galadriel und Saruman sind nicht vorgesehen. Der Grundcharakter der Elben wird anders dargestellt, als von Tolkien beschrieben. Es sind nicht die fröhlichen, singenden Wesen, die von Bilbo geliebt werden, sondern strenge Kämpfer.
Doch mit dem Mantra "ein Buch ist ein Buch - und ein Film ist ein Film" sind diese Eingriffe in die geschriebene Handlung kein Problem. Wer glaubt, dass ein Buch, egal ob ein Roman oder eine Erzählung verfilmt werden kann, negiert den grundsätzlichen Unterschied zwischen diesen beiden Formen der Imagination.
Es gibt eine schlüssige Handlung und der Hobbit wird zu einer Geschichte, die indirekt in den HdR einführt. J.R.R. Tolkien hat dies selbst auch gemacht. Das Original vom Hobbit von 1937 wurde 1951 und 1966 überarbeitet, um einen roten Faden zum entstehenden und veröffentlichten Herr der Ringe zu schaffen. Dieser rote Faden wurde von Peter Jackson nun zu einem Tau verstärkt.
Leider gibt es wie bereits im zweiten Teil lächerliche Sequenzen. Im zweiten Teil lachte das Publikum bei der Flucht der Zwerge in Fässer. Im dritten Teil ist es der Kampf zwischen dem Elben Legolas und dem Ork Bolg.
Es erinnert an ein Computerspiel. Schwerkraft und Logik werden ausgesetzt, es gibt sogar Fehler in der Kontinuität bis der Kampf auf der zunächst übersichtlichen "Brücke" länger und länger dauert. Das sind die Momente, wo der Spannungsbogen über dehnt wird.
Peter Jackson ist kein Regisseur für lustige Filme und wenn mal gelacht wird, dann ist es Wortwitz, Slapstik oder eben unfreiwillig lustig ist.
Peter Jackson zeigt seine Qualität, wenn er an die Vorstellungskraft der Zuschauenden appelliert. Nicht alles muss bis ins Detail gezeigt werden. Dies fällt bei der sehr langen Schlacht der fünf Völker angenehm auf. Es ist ein Gemetzel, aber nur selten verweilt das Auge der Kamera auf das konkrete Töten. Oftmals sind die Folgen eines Schwertstreichs oder einer anderen Waffe nur durch Umfallen einer Figur zu sehen. Natürlich gibt es grausame Szenen, aber es wird der Ekel der aktuellen Hollywood-Krawall-Filme für Jugendliche und junge Männer nicht strapaziert.
Die Musik von Howard Shore akzentuiert die Handlung und vermeidet eine Überwältigung wie Hans Zimmer im dritten Teil der Batman-Trilogie von Christopher Nolan.
Sehr schön ist der Abspann, wenn auch der dafür komponierte Song The Last Goodbye - gesungen von Billy Boyd (=Pippin im HdR) - ziemlich kitschig ist. Hinter den durchlaufenden Namen werden Zeichnungen gezeigt, die an Orte, Personen und Elemente des Films und der Triologie erinnern.
Diese Zeichnungen setzen diesem Film-Märchen ein würdiges Ende.
Dieser dritte Teil vom Hobbit erhält von mir 8 von 10 möglichen Punkten meiner Bewertungsskala.
- - - - -
Nach Angaben der Filmförderungsanstalt war der dritte Teil mit mehr als 6,066 Millionen Besuchern in Deutschland nicht ganz so erfolgreich wie der 1. (6,689) und 2. Teil (6,098).
(NZ, UK, USA 2014, 144 Minuten)
Regie: Peter Jackson
Zum Ende dieser Triologie ist einmal mehr zu beobachten, dass nach einem guten 1. Teil, einem schwachen 2. Teil, ein guter 3. Teil zu sehen war.
Peter Jackson und sein Team haben technische und inhaltliche Ideen umgesetzt, welche den Film oftmals zu einem Genuß machen.
Da wäre als wesentliches Element die 3D-HFR-Technik, die für den Hobbit verwirklicht wurde.
Ich sah den Film in einem sehr großen Kino, in dem die Leinwand das gesamte, durch die 3D-Brille eingeschränkte Blickfeld einnahm. Peter Jackson nutzt immer wieder das ganze Bild. Dann ist nicht nur das Zentrum, wo sich die Handlung weiterentwickelt, klar zu sehen, sondern der Zuschauende kann auch links und rechts Aktivitäten und Landschaft sehen.
Das sind dann die Momente, in denen man real auf einen Kinosessel sitzt, aber eigentlich auf einer Burgmauer oder einem Fenstersims lehnt und Alles beobachtet. Diese Freiheit des Zuschauenden machte Avatar 2009 so besonders und wurde seitdem in anderen 3D-Filmen vermisst.
Denn es sind nicht die auf den Zuschauer gerichteten Waffen, welche eine angenehme 3D-Illusion ermöglichen, sondern die Landschaft, die Tiefenschärfe zum Beispiel in den Hallen unterm Berg Erebor. Nebel und Schneeflocken vor und hinter der Handlung sind ein besonderer Effekt (zuerst bei Hugo von Martin Scorsese gesehen).
Herausragend ist die Darstellung des Kampfes zwischen Galadriel und dem Necromancer (=Sauron) in den Ruinen von Dol Guldur. Da zieht es einen in das Bild, ein großartiger Effekt.
Inhaltlich war die große Frage bei dem gesamten Filmprojekt, wie Peter Jackson und seine Drehbuchschreiber die Verknüpfung gelingt zwischen der Handlung vom Hobbit und der 60 Jahre später einsetzenden Geschichte Herr der Ringe (=HdR). Bereits ab dem ersten Teil werden Figuren der Handlung hinzugefügt, die im Hobbit noch nicht vorgesehen waren, aber wesentlich im HdR sind. Die Auftritte von Legolas, Galadriel und Saruman sind nicht vorgesehen. Der Grundcharakter der Elben wird anders dargestellt, als von Tolkien beschrieben. Es sind nicht die fröhlichen, singenden Wesen, die von Bilbo geliebt werden, sondern strenge Kämpfer.
Doch mit dem Mantra "ein Buch ist ein Buch - und ein Film ist ein Film" sind diese Eingriffe in die geschriebene Handlung kein Problem. Wer glaubt, dass ein Buch, egal ob ein Roman oder eine Erzählung verfilmt werden kann, negiert den grundsätzlichen Unterschied zwischen diesen beiden Formen der Imagination.
Es gibt eine schlüssige Handlung und der Hobbit wird zu einer Geschichte, die indirekt in den HdR einführt. J.R.R. Tolkien hat dies selbst auch gemacht. Das Original vom Hobbit von 1937 wurde 1951 und 1966 überarbeitet, um einen roten Faden zum entstehenden und veröffentlichten Herr der Ringe zu schaffen. Dieser rote Faden wurde von Peter Jackson nun zu einem Tau verstärkt.
Leider gibt es wie bereits im zweiten Teil lächerliche Sequenzen. Im zweiten Teil lachte das Publikum bei der Flucht der Zwerge in Fässer. Im dritten Teil ist es der Kampf zwischen dem Elben Legolas und dem Ork Bolg.
Es erinnert an ein Computerspiel. Schwerkraft und Logik werden ausgesetzt, es gibt sogar Fehler in der Kontinuität bis der Kampf auf der zunächst übersichtlichen "Brücke" länger und länger dauert. Das sind die Momente, wo der Spannungsbogen über dehnt wird.
Peter Jackson ist kein Regisseur für lustige Filme und wenn mal gelacht wird, dann ist es Wortwitz, Slapstik oder eben unfreiwillig lustig ist.
Peter Jackson zeigt seine Qualität, wenn er an die Vorstellungskraft der Zuschauenden appelliert. Nicht alles muss bis ins Detail gezeigt werden. Dies fällt bei der sehr langen Schlacht der fünf Völker angenehm auf. Es ist ein Gemetzel, aber nur selten verweilt das Auge der Kamera auf das konkrete Töten. Oftmals sind die Folgen eines Schwertstreichs oder einer anderen Waffe nur durch Umfallen einer Figur zu sehen. Natürlich gibt es grausame Szenen, aber es wird der Ekel der aktuellen Hollywood-Krawall-Filme für Jugendliche und junge Männer nicht strapaziert.
Die Musik von Howard Shore akzentuiert die Handlung und vermeidet eine Überwältigung wie Hans Zimmer im dritten Teil der Batman-Trilogie von Christopher Nolan.
Sehr schön ist der Abspann, wenn auch der dafür komponierte Song The Last Goodbye - gesungen von Billy Boyd (=Pippin im HdR) - ziemlich kitschig ist. Hinter den durchlaufenden Namen werden Zeichnungen gezeigt, die an Orte, Personen und Elemente des Films und der Triologie erinnern.
Diese Zeichnungen setzen diesem Film-Märchen ein würdiges Ende.
Dieser dritte Teil vom Hobbit erhält von mir 8 von 10 möglichen Punkten meiner Bewertungsskala.
- - - - -
Nach Angaben der Filmförderungsanstalt war der dritte Teil mit mehr als 6,066 Millionen Besuchern in Deutschland nicht ganz so erfolgreich wie der 1. (6,689) und 2. Teil (6,098).
Freitag, 14. November 2014
Marc Elsberg 2014 ZERO - eine Buchempfehlung
Die Aktualität eines Buches fördert den Verkauf, kann aber auch dazu führen, dass bereits wenige Jahre nach dem Erscheinen, dass Buch unverständlich und uninteressant ist. Das ist bei diesem Buch zu erwarten.
Marc Elsberg schreibt über das Sammeln von digitalen Daten und mögliche Begehrlichkeiten und Konsequenzen. Visuelle und akustische Daten werden automatisch gesammelt, aber die einzugebenden Daten werden von den Menschen freiwillig zur Verfügung gestellt.
Facebook und andere sogenannte soziale Netzwerke, die alles außer sozial sind, leben davon, dass die Nutzer ein persönliches Profil anlegen, was sie durch Statusmeldungen und Ergänzungen erweitern. Doch es sind nicht nur diese öffentlichen Profile, sondern auch weitere persönliche Informationen, die freiwillig abgegeben werden. Da sind zum Beispiel die Kundenkarten, die für einen marginalen Rabatt Menschen motivieren, Unternehmen zu zeigen, was sie wann und wo für Produkte und Dienstleistungen erwerben. Oder die verschiedenen Programme zur Selbstoptimierung, die immer mehr Menschen freiwillig verwenden. Zum Beispiel beim Sport (Laufleistung, Blutdruck, Puls), wo Daten nicht nur auf dem umgehängten Messgerät sondern auch gleich online gesammelt werden. Oder die Bewegungsprofile, die durch die Triangulation von Handys möglich sind oder noch schlimmer die Gesichtserkennungssoftware, die Bildern aus Überwachungskameras einzelnen Personen zuordnet.
Hier setzt der Roman ein. Er erzählt von einer Mutter und Journalistin, die kritisch registriert, dass ihre fast erwachsene Tochter einem Unternehmen über verschiedene Apps eine Vielzahl von Daten zur Verfügung stellt. Alle Daten werden freiwillig abgegeben, damit eine individualisierte Software durch die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten konkrete Tipps für Entscheidungen und Aktivitäten geben kann.
Diese neu entwickelten ActApps führen zu einem Unternehmen, dass in wenigen Jahren Hunderte von Millionen Nutzer gewinnt (siehe Facebook, WhatsApp und andere) und bei Regierungen und Geheimdienste Begehrlichkeiten schafft. Und dann gibt es die Gegenspieler, die vor dieser Macht über die Menschen, ihre Wünsche und Handlungen warnen (=ZERO).
Wer in den letzten Jahren die Entwicklung der digitalen Welt und den zunehmenden Datenmissbrauch verfolgt hat, wird Probleme haben, die Beschreibung der verschiedenen Ebenen des Datensammelns zu ertragen, aber nach etwa 50 Seiten ist alles in der sich entwickelnden Handlung erklärt.
ActApps manipulieren Menschen mit dem erklärten Ziel, ihr Leben zu verbessern. Doch damit wird natürlich auch Werbung (=Information) für einen bestimmten Lebensstil (=Konsumerismus) und Produkte betrieben.
Das erinnert an die Realität. Ich sage stets im Scherz, wenn sich die Modeindustrie einig ist, dass lila Zipfelmützen modisch sind, werden sich viele Menschen lila Zipfelmützen aufsetzen. Schöne Belege finden sich in den letzten Jahren, als junge Frauen anfingen, grob gestrickte "Kaffeewärmer" als Kopfbedeckung zu tragen.
Es wird im Roman immer wieder vor der Gefahr der Paranoia gewarnt, aber spätestens seit den Enthüllungen durch Edward Snowden sollte allgemein bekannt sein, dass Regierungen pauschal von allen Menschen und gezielt von vielen Millionen Menschen Daten sammeln und Profile anlegen.
Der Roman springt unvermittelt zwischen verschiedenen Ebenen und Akteuren. Da ist die britische Journalistin, die zunehmend und immer schneller das Ende der Privatsphäre erlebt. Da ist die Tochter und ihre Freunde, die zunächst selbstverständlich mit jeder ihnen gebotenen Software arbeiten, aber schließlich auch Zweifel bekommen. Die jungen Menschen leben in der realen Welt, sind aber praktisch die gesamte Zeit online und liefern rund um die Uhr Daten, damit die ausgewählten Apps immer genauere Handlungsvorschläge machen können. Dann sind da der Gründer des expandierten Unternehmens und seine Führungskräfte, sowie sein Sicherheitsteam, dass die gesammelten Daten gegen die Menschen einsetzt. Und da ist die Polizei mit ihrem scheinbaren Überblick (in London gibt es mehr als 100.000 öffentliche Kameras) und die Geheimdienste, die über Leichen gehen. Und die Gruppe ZERO, die immer wieder die Firma, die Medien und die Geheimdienste/Regierungen bloßstellen und jedes Statement mit Paraphrase nach Cato dem Älteren enden lässt "Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Datenkraken zerschlagen werden müssen."
Mehr will ich über die Geschichte nicht erzählen. Marc Elsberg hat einen rasanten Erzählstil, der zum Ende so sehr an Tempo aufnimmt, dass ich als Leser eine Pause einlegen musste, weil mein Puls unangenehm anstieg. Das Ende ist dann wieder ruhig und bei diesem Thema kein Happy End. Es ist ein Kriminalroman mit sehr wenigen Elementen des Science Fiction.
Lest das Buch! Lest es jetzt! Acht Tage einer Entdeckung der digitalen Überwachungsmöglichkeiten und ihrer Konsequenzen.
Marc Elsberg "ZERO - Sie wissen, was du tust", Blanvalet Verlag München, 2014, 480 Seiten.
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Ein Gespräch mit Marc Elsberg und Thomas Hillenbrand (Autor von Drohnenland, 2014) findet sich in der taz vom 2. August 2014
Marc Elsberg schreibt über das Sammeln von digitalen Daten und mögliche Begehrlichkeiten und Konsequenzen. Visuelle und akustische Daten werden automatisch gesammelt, aber die einzugebenden Daten werden von den Menschen freiwillig zur Verfügung gestellt.
Facebook und andere sogenannte soziale Netzwerke, die alles außer sozial sind, leben davon, dass die Nutzer ein persönliches Profil anlegen, was sie durch Statusmeldungen und Ergänzungen erweitern. Doch es sind nicht nur diese öffentlichen Profile, sondern auch weitere persönliche Informationen, die freiwillig abgegeben werden. Da sind zum Beispiel die Kundenkarten, die für einen marginalen Rabatt Menschen motivieren, Unternehmen zu zeigen, was sie wann und wo für Produkte und Dienstleistungen erwerben. Oder die verschiedenen Programme zur Selbstoptimierung, die immer mehr Menschen freiwillig verwenden. Zum Beispiel beim Sport (Laufleistung, Blutdruck, Puls), wo Daten nicht nur auf dem umgehängten Messgerät sondern auch gleich online gesammelt werden. Oder die Bewegungsprofile, die durch die Triangulation von Handys möglich sind oder noch schlimmer die Gesichtserkennungssoftware, die Bildern aus Überwachungskameras einzelnen Personen zuordnet.
Hier setzt der Roman ein. Er erzählt von einer Mutter und Journalistin, die kritisch registriert, dass ihre fast erwachsene Tochter einem Unternehmen über verschiedene Apps eine Vielzahl von Daten zur Verfügung stellt. Alle Daten werden freiwillig abgegeben, damit eine individualisierte Software durch die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten konkrete Tipps für Entscheidungen und Aktivitäten geben kann.
Diese neu entwickelten ActApps führen zu einem Unternehmen, dass in wenigen Jahren Hunderte von Millionen Nutzer gewinnt (siehe Facebook, WhatsApp und andere) und bei Regierungen und Geheimdienste Begehrlichkeiten schafft. Und dann gibt es die Gegenspieler, die vor dieser Macht über die Menschen, ihre Wünsche und Handlungen warnen (=ZERO).
Wer in den letzten Jahren die Entwicklung der digitalen Welt und den zunehmenden Datenmissbrauch verfolgt hat, wird Probleme haben, die Beschreibung der verschiedenen Ebenen des Datensammelns zu ertragen, aber nach etwa 50 Seiten ist alles in der sich entwickelnden Handlung erklärt.
ActApps manipulieren Menschen mit dem erklärten Ziel, ihr Leben zu verbessern. Doch damit wird natürlich auch Werbung (=Information) für einen bestimmten Lebensstil (=Konsumerismus) und Produkte betrieben.
Das erinnert an die Realität. Ich sage stets im Scherz, wenn sich die Modeindustrie einig ist, dass lila Zipfelmützen modisch sind, werden sich viele Menschen lila Zipfelmützen aufsetzen. Schöne Belege finden sich in den letzten Jahren, als junge Frauen anfingen, grob gestrickte "Kaffeewärmer" als Kopfbedeckung zu tragen.
Es wird im Roman immer wieder vor der Gefahr der Paranoia gewarnt, aber spätestens seit den Enthüllungen durch Edward Snowden sollte allgemein bekannt sein, dass Regierungen pauschal von allen Menschen und gezielt von vielen Millionen Menschen Daten sammeln und Profile anlegen.
Der Roman springt unvermittelt zwischen verschiedenen Ebenen und Akteuren. Da ist die britische Journalistin, die zunehmend und immer schneller das Ende der Privatsphäre erlebt. Da ist die Tochter und ihre Freunde, die zunächst selbstverständlich mit jeder ihnen gebotenen Software arbeiten, aber schließlich auch Zweifel bekommen. Die jungen Menschen leben in der realen Welt, sind aber praktisch die gesamte Zeit online und liefern rund um die Uhr Daten, damit die ausgewählten Apps immer genauere Handlungsvorschläge machen können. Dann sind da der Gründer des expandierten Unternehmens und seine Führungskräfte, sowie sein Sicherheitsteam, dass die gesammelten Daten gegen die Menschen einsetzt. Und da ist die Polizei mit ihrem scheinbaren Überblick (in London gibt es mehr als 100.000 öffentliche Kameras) und die Geheimdienste, die über Leichen gehen. Und die Gruppe ZERO, die immer wieder die Firma, die Medien und die Geheimdienste/Regierungen bloßstellen und jedes Statement mit Paraphrase nach Cato dem Älteren enden lässt "Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Datenkraken zerschlagen werden müssen."
Mehr will ich über die Geschichte nicht erzählen. Marc Elsberg hat einen rasanten Erzählstil, der zum Ende so sehr an Tempo aufnimmt, dass ich als Leser eine Pause einlegen musste, weil mein Puls unangenehm anstieg. Das Ende ist dann wieder ruhig und bei diesem Thema kein Happy End. Es ist ein Kriminalroman mit sehr wenigen Elementen des Science Fiction.
Lest das Buch! Lest es jetzt! Acht Tage einer Entdeckung der digitalen Überwachungsmöglichkeiten und ihrer Konsequenzen.
Marc Elsberg "ZERO - Sie wissen, was du tust", Blanvalet Verlag München, 2014, 480 Seiten.
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Ein Gespräch mit Marc Elsberg und Thomas Hillenbrand (Autor von Drohnenland, 2014) findet sich in der taz vom 2. August 2014
Montag, 3. November 2014
Henning Mankell Zitat - Schlafende Stadt
"(...), trat ans Fenster und schaute hinunter auf die leere, nächtliche Straße. Alle Straßen gleichen sich bei Nacht, (...). Man erwartet, dass jemand kommt. Aber die Leere bleibt bestehen."
(Henning Mankell (1997) Mittsommermord, Übersetzung Wolfgang Butt, Zsolnay 2000, S. 457)
Mittwoch, 8. Oktober 2014
Buch: Stanley Ellin 1961 Sanfter Schrecken
Stanley Ellin, Mystery Stories, New York: Simon and Schuster, 1956
(Deutsch von Arno Schmidt
"Sanfter Schrecken.10 ruchlose Geschichten",
Stuttgart: Goverts, 1961)
Links Titelbild der Ausgabe Deutsche Buch-Gemeinschaft, 1963, rechts Titelbild der Haffmans-Ausgabe 1992
Es war eine Bemerkung in einem Brief von Arno Schmidt an seinen Freund (!) Wilhelm Michels über die Erzählungen, die mich zu diesem Buch führte:
"einige haben (...) Ähnlichkeit mit POE"Der Band versammelt Erzählungen, die seit 1948 erschienen sind. Es sind alles Kriminalgeschichten, immer geht es um Todesfälle, aber stets bergen die Geschichten eine wirkliche Überraschung. Die feine Komposition der Mehrzahl der Geschichten zeigt die Meisterschaft des Autors. Es ist nichts Serielles und auch die Überraschungen bleiben ungewöhnlich. Im Vorwort seiner Herausgeber wird die Entstehung einer Erzählung geschildert. Stanley Ellin brauchte zum Teil Dutzende Anläufe bis der erste Absatz einer Geschichte ihn befriedigte und nun die Erzählung beginnen konnte.
(Arno Schmidt der Briefwechsel mit Wilhelm Michels, Bargfelder Ausgabe Briefe II, S.193)
Die deutsche Fassung ist eine von den "Brotarbeiten" des Schriftstellers Arno Schmidt. Schmidt'sche Idiosynkrasien finden sich immer wieder, wenn er zum Beispiel im ersten Satz gleich zwei seiner typischen Wortkonstruktionen "linoleumbefußbodeten, messingbebettstellten" (Hochleistungswerkzeuge GmbH, S. 37) einfügt.
Es sind Geschichten aus einer Zeit der USA, wo das alte, streng hierarchisch nach dem Reichtum der Eltern gegliederte System auf die moderne Gesellschaft mit ihrer Technik, Anonymität und extremen Arbeitsteilung trifft. Fünf Geschichten erzählen von Angestellten, die selbst verheiratet, alleine sind.
Die Poe-Qualität rührt von der Konstruktion der ungewöhnlichen Todesfälle, von denen gleich vier Versuche im "perfekten Verbrechen" sind.
Stanley Ellin sollte neu entdeckt werden. Dieser Sammelband, der 1992 neu bei Haffmans aufgelegt wurde, ist eher in der Bibliothek oder einem Antiquariat zu finden, als im Buchhandel.
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SPOILER-ALARM - Warnung! Die Handlung der Erzählungen wird bekannt!
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Fettdruck verweist auf den Titel der Erzählung- Die Spezialität des Hauses führt einen Angestellten mit seinem Vorgesetzten in ein Restaurant, in dem alleinstehende Männer zu Abend essen. Es gibt jeden Abend nur eine Speise, die aber von den Stammgästen stets geschätzt wird. Der Wirt und Koch lässt niemanden in die Küche und so ist jeder Abend eine Überraschung. Die Stammgäste freuen sich vor allem auf die Spezialität des Hauses, die nur alle paar Monate einmal serviert wird.
- Hochleistungswerkzeuge GmbH erzählt von einen pedantischen Angestellten, der nach seiner Arbeitslosigkeit eine Stelle als Wirtschaftsanalyst antritt, ohne seinen Auftraggeber zu kennen. Ihn erreichen Aufträge und Materialien, die er bearbeitet und wofür er wöchentlich einen Umschlag mit Bargeld erhält. Diese monotone Tätigkeit stellt sich als Probe für eine größere Aufgabe heraus.
- Im Tod am Weihnachtsabend wird ein Witwer besucht, der in seiner Trauer über den Tod seiner Frau sich in seinem Haus versteckt. Es sollte wie ein Unfall aussehen, aber sowohl der Witwer als auch der Freund sind da anderer Ansicht.
- In der geordneten Welt des Mr. Appleby tut sich diesem eine Möglichkeit auf, wie er seinen Antiquitätenladen mit dem Erbe seiner Frau erhalten kann.
- Das Huneker-Gambit behandelt das Leben eines gelangweilten Angestellten, der Schach für sich entdeckt. Seine Frau hemmt jede gesellschaftliche Aktivität und nimmt ihn jede Freude. Er wird zum Schachfanatiker und lernt, da er kein Spielpartner hat, gegen sich selber Schach zu spielen und rutscht in die Schizophrenie.
- Von allem das Beste ist was sich ein Angestellter wünscht, aber was weder sein Gehalt noch seine soziale Stellung ihn ermöglicht. Ein reicher Schnösel ermöglicht ihn sich in dessen Kopie zu verwandeln, also die gleiche Kleidung, Sprache und Gestik sich anzueignen. Damit steht ihn eine neue Welt offen und auch die Chance in die Familie seines Arbeitgebers aus der Oberschicht einzuheiraten. (Hier musste ich an Tell-Tale Heart von Poe denken)
- Ein einsamer Angestellter, der in einer schlechten Mietskasene mit dünnen Wänden lebt wird zum Verräter. Er hört die Konflikte eines Ehepaares, bekommt Mitleid mit der Frau und verliebt sich in diese. Es kommt zu einem Todesfall und der Versicherungsangestellte wird zum Detektiv, der dafür sorgt, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird.
- Die Gesellschaft in der Villa ist für den verheirateten Gastgeber eine einzige Qual. Nicht nur das sein Leben als populärer Theater-Schauspieler eine einzige Wiederholung von Szenen und Wörtern ist, sondern auch in seinem Privatleben gibt es nicht endende Wiederholungen. Seine geliebte will ihn davon befreien und seine Frau will dies verhindern.
- Ein Börsenmakler nimmt jeden Tag den Spezialzug Börsenpfeil für die Fahrt zwischen ländlicher Idylle und großstädtischem Büro. Eine ungeplante frühe Heimkehr zeigt ihn seine Frau mit ihrem Geliebten auf den Weg zum Bahnhof. Sein Plan für einen perfekten Mord soll den Geliebten töten.
- Der Augenblick der Entscheidung ist das Ende eines Kampfes zwischen einen arroganten, selbstsicheren Mitglied der Oberschicht und einem Menschen, der als Illusionist gelernt hat, Menschen zu durchschauen und diese dann zu manipulieren. (Hier sind verschiedene Erzählungen von Poe als Vorbild zu erahnen).
Nicht alle Geschichten werden zu Ende erzählt. Nach der Überraschung ist klar, wie die Geschichte wahrscheinlich weiter geht. Die Spannung bleibt damit über den letzten Punkt erhalten.
Kurzrezension im SPIEGEL 12/1962
Biographie von Stanley Ellin in der Wikipedia (ich empfehle die ausführlichere Version in der englischen Ausgabe)
Dienstag, 16. September 2014
Xu Bing - Book From The Ground
Xu Bing
Book from the ground
from point to point
Massachusetts Museum of Contemporary Art: The MIT Press, Cambridge 2013
(Erstauflage ohne Untertitel, Guangxi Normal University Press, 2012)
Wie lässt sich ein Buch beschreiben, dass ohne Buchstaben auskommt. Der chinesische Künstler Xu Bing hat über einen Zeitraum von 10 Jahren Piktogramme gesammelt und auf 112 Seiten 24 Stunden im Leben von Mr. Black nacherzählt.
Es ist die alltägliche Geschichte eines Büroangestellten, der um 7 Uhr geweckt wird und bis 9 Uhr an seinem Arbeitsplatz in einem Bürohochhaus ankommt, sich irgendwie durch den Arbeitstag mogelt, seinen Abend plant und feiert, sehr spät nach Hause kommt, noch fernsieht, von einer Mücke am Einschlafen gehindert, kurz und unruhig schläft, nach einem Alptraum nicht mehr einschlafen kann, stattdessen am Computer spielt, bis er merkt, dass er sich für die Arbeit fertig machen muss und damit für ihn der nächste Tag beginnt.
Es werden alle Aktivitäten, selbst das Banale gezeigt. Mit Amüsement sah ich, dass er "auf Arbeit" sehr unproduktiv ist.
Das klingt zunächst nicht wirklich interessant, doch der Spaß dieser Geschichte liegt nicht in der Handlung, sondern wie diese erzählt wird. Wie der Lesende die Piktogramme entschlüsselt und lernt zwischen Dialogen sowie Gedanken und Träumen zu unterscheiden.
Viele Piktogramme sind geläufig. Die 24 Kapitel sind mit der jeweiligen Uhrzeit überschrieben. Im Kapitel erinnern weitere Ziffernblätter immer wieder an die aktuelle Zeit und wie lange manche Aktivitäten dauern. Die unterschiedlichsten Smileys informieren über die Gefühle des Protagonisten und seiner Gesprächspartner. Und dann gibt es die weiter über Tausend anderen Zeichen, die es Xu Bing erlauben ganze Sätze mit Nebensätzen und Einschüben zu "schreiben".
Doch es ist kein Schreiben, auch kein Zeichnen, denn es sind geläufige Piktogramme, es ist eher wie bei einem Zeichensetzer oder Drucker die Auswahl der Buchstaben, die in den Drucksatz gesetzt werden.
Um mal ein Beispiel aus seiner Morgenaktivität zu beschreiben. Aus 11 Piktogrammen, 9 Satzzeichen und 4 Pfeilen entsteht durch Xu Bing ein Satz: Er drückt auf den An-Knopf des Radios, wo er den Wetterbericht hört, der zunächst Regen, gefolgt von Aufheiterungen und wieder Regen bei sinkenden Temperaturen vorhersagt, er denkt dabei, dass er seinen Regenschirm brauchen wird.
Das Buch ist Kunst und sollte nicht in einem Zug dechiffriert werden. Ich empfehle es für den Nachttisch und jeden Abend können 1-2 Stunden von Herrn Black beobachtet werden.
(Für Sara, die mir ein Druckexemplar dieses Kunstwerks aus Cambridge, MA mitgebracht hat)
Webseite von Xu Bing und des Verlags.
Book from the ground
from point to point
Massachusetts Museum of Contemporary Art: The MIT Press, Cambridge 2013
(Erstauflage ohne Untertitel, Guangxi Normal University Press, 2012)
Wie lässt sich ein Buch beschreiben, dass ohne Buchstaben auskommt. Der chinesische Künstler Xu Bing hat über einen Zeitraum von 10 Jahren Piktogramme gesammelt und auf 112 Seiten 24 Stunden im Leben von Mr. Black nacherzählt.
Es ist die alltägliche Geschichte eines Büroangestellten, der um 7 Uhr geweckt wird und bis 9 Uhr an seinem Arbeitsplatz in einem Bürohochhaus ankommt, sich irgendwie durch den Arbeitstag mogelt, seinen Abend plant und feiert, sehr spät nach Hause kommt, noch fernsieht, von einer Mücke am Einschlafen gehindert, kurz und unruhig schläft, nach einem Alptraum nicht mehr einschlafen kann, stattdessen am Computer spielt, bis er merkt, dass er sich für die Arbeit fertig machen muss und damit für ihn der nächste Tag beginnt.
Es werden alle Aktivitäten, selbst das Banale gezeigt. Mit Amüsement sah ich, dass er "auf Arbeit" sehr unproduktiv ist.
Das klingt zunächst nicht wirklich interessant, doch der Spaß dieser Geschichte liegt nicht in der Handlung, sondern wie diese erzählt wird. Wie der Lesende die Piktogramme entschlüsselt und lernt zwischen Dialogen sowie Gedanken und Träumen zu unterscheiden.
Viele Piktogramme sind geläufig. Die 24 Kapitel sind mit der jeweiligen Uhrzeit überschrieben. Im Kapitel erinnern weitere Ziffernblätter immer wieder an die aktuelle Zeit und wie lange manche Aktivitäten dauern. Die unterschiedlichsten Smileys informieren über die Gefühle des Protagonisten und seiner Gesprächspartner. Und dann gibt es die weiter über Tausend anderen Zeichen, die es Xu Bing erlauben ganze Sätze mit Nebensätzen und Einschüben zu "schreiben".
Doch es ist kein Schreiben, auch kein Zeichnen, denn es sind geläufige Piktogramme, es ist eher wie bei einem Zeichensetzer oder Drucker die Auswahl der Buchstaben, die in den Drucksatz gesetzt werden.
Um mal ein Beispiel aus seiner Morgenaktivität zu beschreiben. Aus 11 Piktogrammen, 9 Satzzeichen und 4 Pfeilen entsteht durch Xu Bing ein Satz: Er drückt auf den An-Knopf des Radios, wo er den Wetterbericht hört, der zunächst Regen, gefolgt von Aufheiterungen und wieder Regen bei sinkenden Temperaturen vorhersagt, er denkt dabei, dass er seinen Regenschirm brauchen wird.
Das Buch ist Kunst und sollte nicht in einem Zug dechiffriert werden. Ich empfehle es für den Nachttisch und jeden Abend können 1-2 Stunden von Herrn Black beobachtet werden.
(Für Sara, die mir ein Druckexemplar dieses Kunstwerks aus Cambridge, MA mitgebracht hat)
Webseite von Xu Bing und des Verlags.
Dienstag, 5. August 2014
Arno Schmidt Zitate - 8 - Europäische Kultur
Schriftsteller schreiben mehr als von ihnen zu Lebzeiten in Büchern, Magazinen und Zeitungen veröffentlicht werden. Tagebücher und Briefe sind oftmals für die Nachwelt archiviert, um den Menschen hinter seinem Werk zu erkennen.
Von Arno Schmidt liegen zum Beispiel viele Briefentwürfe, Durchschläge von Briefen und maschinenschriftliche Abschriften vor, die sicherlich nicht zufällig seit seiner Entscheidung als Schriftsteller zu leben, von ihm und seiner Frau Alice gesammelt wurden. Die Briefe sind keine zufälligen Funde nach seinem Tod. Hier nun einmal ein Zitat nicht aus einem Werk sondern aus einem "privaten" Brief an seinem Freund seit der Gymnasialzeit:
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Weitere Zitate von Arno Schmidt:
Von Arno Schmidt liegen zum Beispiel viele Briefentwürfe, Durchschläge von Briefen und maschinenschriftliche Abschriften vor, die sicherlich nicht zufällig seit seiner Entscheidung als Schriftsteller zu leben, von ihm und seiner Frau Alice gesammelt wurden. Die Briefe sind keine zufälligen Funde nach seinem Tod. Hier nun einmal ein Zitat nicht aus einem Werk sondern aus einem "privaten" Brief an seinem Freund seit der Gymnasialzeit:
Das auszeichnende am Mensch ist der Geist; noch genauer: die kulturellen Leistungen. Ich, ein Kind Europas, und europäischer Kultur voll, wünsche, dass diese erhalten, und wenn möglich sogar gefördert werde: zu diesem Zwecke machte (und mache) ich mich mit diesen unvergänglichen Leistungen bekannt, weise immer wieder auf sie hin, (...)
(Arno Schmidt an Heinz Jerofsky, Cordingen 6. August 1950. Zitiert nach Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach (Hrsg.) »Und nun auf, zum Postauto!« Briefe von Arno Schmidt, Suhrkamp, S. 25)
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Weitere Zitate von Arno Schmidt:
- zum Militär
- zur Unsterblichkeit
- zur christlich-abendländischen Kultur
- Wahrheit und höfliche Lügen
- zum Nutzwert von Kirchen
- lautmalerische Romananfänge
- Unendlichkeit der literarischen Themen
- Lesen als Gespräch unter Freunden
Sonntag, 9. März 2014
Lyrik von Tina Halein
Arno Schmidt machte die vergessene Mainzer Schriftstellerin Tina Halein (1801-1877) zur Titelheldin seiner Erzählung Tina oder über die Unsterblichkeit.
Trotz dieser Wiederentdeckung bleibt Sie eine vergessene Lyrikerin.
Dietmar Noering hat 1987 einige ihrer Gedichte neu herausgegeben und mit einer Biographie ergänzt.
In diesem Band stieß ich auf den folgenden schönen Vers, der die Wehmut und das träumerische beim Anblick des Mondes besingt:
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Trotz dieser Wiederentdeckung bleibt Sie eine vergessene Lyrikerin.
Dietmar Noering hat 1987 einige ihrer Gedichte neu herausgegeben und mit einer Biographie ergänzt.
In diesem Band stieß ich auf den folgenden schönen Vers, der die Wehmut und das träumerische beim Anblick des Mondes besingt:
Ein Blick in diese Auswahl lohnt sich!Zeiget unsern Blicken
Wesen halb verhüllt;
Zeiget, o Entzücken,
Ferner Lieben Bild.
(Tina Halein (1825) Der Mond, letzter Vers)
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- Dietmar Noering (Hrsg.) Kathinka Zitz - Tina Halein - Wahre Freiheit - Gedichte und Prosa, Frankfurt am Main: Bangert
+ Metzler, 1987. - Wikipedia zu Tina Halein
- Mein Blogbeitrag zur Erzählung Tina oder über die Unsterblichkeit
- Das gesamte Gedicht Der Mond.
Samstag, 18. Januar 2014
Arno Schmidt zum Vorlesen - KAFF auch MARE CRISIUM
![]() |
| (Logo auf dem Einband von Imre Reiner) |
Es ist Arno Schmidts erstes Werk, dass zwei Erzählebenen klar vom Drucksatz voneinander trennt. Eine Handlung in einem kleinen Dorf Norddeutschlands und eine Handlung auf dem Mond in Raumstationen der USA und der Sowjetunion im Mare Crisium. Die zweite Handlung ist eine Erzählung, die der Protagonist für seine Freundin im Dorf erfindet. Gespräche, Erlebnisse, Beobachtungen und Fragen im Dorf fließen in die Handlung auf dem Mond ein.
![]() |
| (Die Erzählebenen auf jeder Seite: links KAFF | rechts MARE CRISIUM) |
Die Geschichte ist schwer zu lesen! Arno Schmidt nutzt verschiedene Mundarten (platt auf der Erde, schlesischer Dialekt) und einige US-Namen werden konsequent in deutscher Aussprache geschrieben (Dschordsch, Schar=lieh). Der phonetische Stil aller nicht hochdeutschen Begriffe in den Dialogen ließ mich beim ersten Lesen immer wieder stocken. Erst als ich begriff, dass Dialoge auch vom Leser gesprochen werden sollen, wurde der Inhalt deutlich.
Das war kurios. Ich las einen Roman, wo ich von Zeit zu Zeit mir selbst Passagen vorlas.
Das macht eine besondere Qualität von diesem Buch aus.
Arno Schmidt hatte eine lange Erfahrung mit dem Verfassen von literarischen "Hörspielen" und nun wurde der Leser zum Akteur. Es ist übrigens ein Buch, das als Ganzes vorgelesen werden kann.
Für mich ist das Buch auch ein Teil meiner Biographie. Im Frühjahr 1988 packte ich meine Sachen für ein Studienjahr an der University of Dar es Salaam in Tanzania. Ich bin wirklich nur mit wenig mehr als 20kg Gepäck losgeflogen. Nur ein deutsches Buch sollte mich begleiten und es war KAFF auch MARE CRISIUM. Im Goethe-Institut konnte ich zwar auch am freien Mittwochnachmittag deutsche Zeitungen und Zeitschriften lesen, aber an der UNI waren da nur Gespräche mit den zwei deutschen Studentinnen, Tagebucheinträge, Briefe aus und nach Deutschland und eben Arno Schmidts Roman, die mich mit meiner Sprache verbanden. Und dort in Tanzania habe ich meiner großen Liebe bei ihrem Besuch fast das ganze Buch vorgelesen.
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Zitate von Arno Schmidt (aus verschiedenen Werken):
- zum Militär
- zur Unsterblichkeit
- zur christlich-abendländischen Kultur
- Wahrheit und höfliche Lügen
- zum Nutzwert von Kirchen
- lautmalerische Romananfänge
- Unendlichkeit der literarischen Themen
- Lesen als Gespräch unter Freunden
- Europäische Kultur
Donnerstag, 16. Januar 2014
ARTE TV - 100 Jahre Arno Schmidt
Die rauchige Stimme von Mechthild Großmann, die vielen aus den Münster-TATORT bekannt ist, beginnt diese gelungene Dokumentation anlässlich des 100. Geburtstags von Arno Schmidt. Sie spricht Zitate aus dem Werk des viel zu wenig bekannten Großmeisters der deutschen Sprache. Die Auswahl vermittelt eine Idee vom Humor des Autors, denn nur Wenige wissen, wie oft die Sprachspiele und Anspielungen eine Freude vermitteln, die bis zum lauten Lachen führen kann.
Es ist ein Produktion von Radio Bremen und ARTE TV (Regie: Oliver Schwehm). Wie zu oft, lief die Erstausstrahlung zu einer Zeit, wenn viele Interessierte bereits ihre Glotze abgestellt haben (22:35 bis 23:35 Uhr). Doch ARTE TV bot den Film für sieben Tage, auf seiner Webseite an.
Als kritischer Fan der Literatur von Arno Schmidt war ich begeistert. Ich kenne die Hörfunkbeiträge von Arno Schmidt, aber mir war bisher nicht bekannt, dass es auch Filmaufnahmen gibt, in denen er über die deutsche Literatur spricht.
Der Literaturwissenschaftler und Mäzen Jan Philipp Reemstma spricht über seine erste Begegnung und Wenzel Storch über seine kindliche Neugier, die ihn zu Arno Schmidt führte. Was die französische Schriftstellerin Marie Darrieussecq in dieser Dokumentation zu suchen hat, bleibt ein Rätsel. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie das Werk von Arno Schmidt tatsächlich kennt.
Doch davon sollte sich keiner gestört fühlen und nun die Dokumentation anschauen, so lange sie noch online ist.
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Ich habe in diesem Blog bereits mehr als ein Dutzend mal etwas über Arno Schmidt geschrieben, darunter einige Zitate, über zwei Lesungen (u.a. Zettels Traum), den Briefwechsel mit seinen wenigen Freunden und mein Unverständnis, dass er immer noch nicht zum Kanon im Fach Deutsch der gymnasialen Oberstufe gehört.
Es ist ein Produktion von Radio Bremen und ARTE TV (Regie: Oliver Schwehm). Wie zu oft, lief die Erstausstrahlung zu einer Zeit, wenn viele Interessierte bereits ihre Glotze abgestellt haben (22:35 bis 23:35 Uhr). Doch ARTE TV bot den Film für sieben Tage, auf seiner Webseite an.

Als kritischer Fan der Literatur von Arno Schmidt war ich begeistert. Ich kenne die Hörfunkbeiträge von Arno Schmidt, aber mir war bisher nicht bekannt, dass es auch Filmaufnahmen gibt, in denen er über die deutsche Literatur spricht.
Der Literaturwissenschaftler und Mäzen Jan Philipp Reemstma spricht über seine erste Begegnung und Wenzel Storch über seine kindliche Neugier, die ihn zu Arno Schmidt führte. Was die französische Schriftstellerin Marie Darrieussecq in dieser Dokumentation zu suchen hat, bleibt ein Rätsel. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie das Werk von Arno Schmidt tatsächlich kennt.
Doch davon sollte sich keiner gestört fühlen und nun die Dokumentation anschauen, so lange sie noch online ist.
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Ich habe in diesem Blog bereits mehr als ein Dutzend mal etwas über Arno Schmidt geschrieben, darunter einige Zitate, über zwei Lesungen (u.a. Zettels Traum), den Briefwechsel mit seinen wenigen Freunden und mein Unverständnis, dass er immer noch nicht zum Kanon im Fach Deutsch der gymnasialen Oberstufe gehört.
- zum Militär
- zur Unsterblichkeit
- zur christlich-abendländischen Kultur
- Wahrheit und höfliche Lügen
- zum Nutzwert von Kirchen
- lautmalerische Romananfänge
- Unendlichkeit der literarischen Themen
- Lesen als Gespräch unter Freunden
- Europäische Kultur
Freitag, 3. Januar 2014
Buch: Alex Capus - 2007 - Eine Frage der Zeit

Es ist die Geschichte zweier Männer und ihrer Schiffe. Einmal sahen sie sich aus 100 Meter Entfernung jeweils durch ein Fernglas, ansonsten wussten sie nichts von den anderen. Die beiden Geschichten beginnen in Papenburg und auf dem Gambia.Die Kolonialzeit und schließlich der 1. Weltkrieg bringen beide zum Tanganyikasee. Der eine als deutscher Schiffsbaumeister, der mit einem kleinen Team das zerlegte Dampfschiff Götzen von Papenburg durch Deutsch-Ostafrika nach Kigoma zum See bringt. Es wurde dort wieder zusammengebaut und erst see- und schließlich kriegstüchtig gemacht. Der andere reist als britischer Marineoffizier mit zwei kleinen Dampfbooten über Südafrika und Rhodesien durch den belgischen Kongo zum Tanganyikasee, um deutsche Schiffe zu zerstören.
Es ist ein angenehmer Plauderton und mit großer Freude wurde bemerkt, dass viele Aspekte der späten deutschen Kolonialzeit und die Orte der Handlung gut recherchiert sind. Selbst die Regenzeit, die jede Arbeit in eine Pause zwingt, ist realistisch geschildert.
Es ist kein kolonialkritisches Werk, es wird aus den Perspektiven der weißen Akteure erzählt und die afrikanische Bevölkerung erscheint nur dort, wo sie außerhalb der Scheuklappen der Akteure erscheint. Doch es geht in diesen Roman schließlich auch um diese Scheuklappen.
Alex Capus
Eine Frage der Zeit
btb-Verlag, München 2010, 350 Seiten
Kurzgeschichte: Elke Heidenreich (1992) Erika
Elke Heidenreich, Erika oder der verborgene Sinn des Lebens, Ausgabe mit Illustrationen von Michael Sowa (2002), 46 Seiten (in einer Normalschriftausgabe vermutlich weniger als 20 Seiten)
Diese Kurzgeschichte vom Plüschschwein Erika, die von ihrer zeitweiligen Besitzerin Veronika erzählt wird, lehrt etwas über den Sinn des Lebens. Zum Beispiel, dass man loslassen soll, wenn etwas vorbei ist und wer mit offenen Augen durchs Leben geht, anderen Menschen Trost und Freude geben kann.
Erika ist ein lebensgroße Sau aus weichem, rosa Plüsch, die von Berlin über Mailand nach Lugano als kurioses Weihnachtsgeschenk mitgenommen wird und alleine schon wegen ihrer Größe auf dem Weg zum Flughafen, im Flughafen und Flugzeug, im Mailänder Bahnhof und im Zug zu vielfältigen positiven Reaktionen führt. Die Summe dieser Glückmomente führen dazu, dass sich das Ziel der Reise verändert und in einer Hotelküche endet, wo sich ein neuer Besitzer findet. Veronika fährt zurück nach Berlin und hat etwas gelernt.
Diese Kurzgeschichte vom Plüschschwein Erika, die von ihrer zeitweiligen Besitzerin Veronika erzählt wird, lehrt etwas über den Sinn des Lebens. Zum Beispiel, dass man loslassen soll, wenn etwas vorbei ist und wer mit offenen Augen durchs Leben geht, anderen Menschen Trost und Freude geben kann.
Erika ist ein lebensgroße Sau aus weichem, rosa Plüsch, die von Berlin über Mailand nach Lugano als kurioses Weihnachtsgeschenk mitgenommen wird und alleine schon wegen ihrer Größe auf dem Weg zum Flughafen, im Flughafen und Flugzeug, im Mailänder Bahnhof und im Zug zu vielfältigen positiven Reaktionen führt. Die Summe dieser Glückmomente führen dazu, dass sich das Ziel der Reise verändert und in einer Hotelküche endet, wo sich ein neuer Besitzer findet. Veronika fährt zurück nach Berlin und hat etwas gelernt.
Samstag, 28. Dezember 2013
Jahresabrechnung 2013
Soeben habe ich meinen Jahresbrief 2013 fertig gestellt und an die Familie und Freunde versandt. Wer den Text lesen möchte, braucht nur eine Notiz via Elektropost oder Gesichterbuch zu schicken.
Hier gibt es nur einen Rückblick auf Blogbeiträge des Jahres. die öffentliche Person ist schließlich eine andere, als der reale Mensch.
Politik regt mich weiterhin auf und an. Da lag natürlich auch an der Landtagswahl in Niedersachsen, den damit verbundenen Outen von Nazis, der Bundestagswahl mit unserer Bundeskanzlerinverwalterin und hier in Hannover der zusätzlichen Wahl des Oberbürgermeisters. Die Dummheit der SPD und das Geblubber und Schweigen vom Bundespr.(ediger) Gauck ließen mich den Kopf schütteln. Dabei gab es interessante Ansätze wie die 1. EU-Bürgerinitiative oder die Offenlegung der NSA-Spitzeleien oder das Fiskalverbrecher im Netz recherchiert werden können.
Der Tod meines Vaters führte zu Erinnerungen und Trauerarbeit.
Doch es gab auch schöne Momente auf dem Spielplatz, in der Turnhalle und mehrmals im Zoo.
Meine Reisen führten mich in diesem Jahr gleich zweimal nach Berlin, nach London, Königswinter, Budapest zum Europäischen Traum, Stade und Deventer.
Die monatlichen Wetterberichte, der nicht enden wollende Winter 2012/2013 aber auch einen Beitrag über den regionalen Klimawandel am Beispiel des Monats April und den generellen Temperaturanstieg sind auch als Kommentare auf dümmliche Bemerkungen von Klimaskeptikern zu lesen.
Ich kramte ein wenig in meinen Erinnerungen und fand meinen allerersten Brief von meiner ersten Reise nach Ostafrika (1987) und als eine Alumna über ihre Probleme mit einem Studentenvisum berichtete fiel mir mein Erlebnis aus Dar es Salaam (1988/89) ein. Eine Wiedergängerin erinnerte mich an den Beißkrampf der 1980-er Jahre pflegte. Ich musste auch an die Grußkultur in Tanzania denken und ein unangenehmes Erlebnis in Johannesburg vor 18 Jahren.
Kino war nur dreimal Thema, einmal The Hobbit und dann der Nachzug nach Lissabon und Star Trek. Filme gab es vor allem auf DVD, wie zum Beispiel Spielbergs Terminal. Ich fand einen Hinweis auf eine Screwball-Komödie im Netz, die vollständig, im Original und vor allem ohne Werbepausen genossen werde kann.
Musik war öfters das Thema: Die hannöversche Formation fint stellte ihre 1. EP vor. Das Duo SEA+AIR gab eine wunderschöne Show. Beim digitalen Aufräumen stolperte ich über meinen Konzertbericht Roger Water 2002 und während meiner Arbeit auf der Fête de la Musique Hannover über einen Achim Reichel Song meiner Jugend. Musik gefiel auch im Netz, doch Hand gemachte Live-Musik wie vom französischen Yalta Club oder von MINE sind etwas Besonderes.
Ich habe viel gelesen, aber nicht so viel darüber geschrieben. Im Winter wurden eine Märchensammlung von Charles Perrault gelesen und im Herbst ein Sachbuch über "normale" US-Amerikaner. Literatur hinterließ Spuren in meiner Zitatesammlung, wie zum Beispiel Bemerkenswertes von Arno Schmidt (hier und hier), Pascal Mercier, William Shakespeare, Gisbert Haefs, Douglas Adams oder Doris Lessing.
Mal sehen was 2014 bringt.
Hier gibt es nur einen Rückblick auf Blogbeiträge des Jahres. die öffentliche Person ist schließlich eine andere, als der reale Mensch.
Politik regt mich weiterhin auf und an. Da lag natürlich auch an der Landtagswahl in Niedersachsen, den damit verbundenen Outen von Nazis, der Bundestagswahl mit unserer Bundes
Der Tod meines Vaters führte zu Erinnerungen und Trauerarbeit.
Doch es gab auch schöne Momente auf dem Spielplatz, in der Turnhalle und mehrmals im Zoo.
Meine Reisen führten mich in diesem Jahr gleich zweimal nach Berlin, nach London, Königswinter, Budapest zum Europäischen Traum, Stade und Deventer.
Die monatlichen Wetterberichte, der nicht enden wollende Winter 2012/2013 aber auch einen Beitrag über den regionalen Klimawandel am Beispiel des Monats April und den generellen Temperaturanstieg sind auch als Kommentare auf dümmliche Bemerkungen von Klimaskeptikern zu lesen.
Ich kramte ein wenig in meinen Erinnerungen und fand meinen allerersten Brief von meiner ersten Reise nach Ostafrika (1987) und als eine Alumna über ihre Probleme mit einem Studentenvisum berichtete fiel mir mein Erlebnis aus Dar es Salaam (1988/89) ein. Eine Wiedergängerin erinnerte mich an den Beißkrampf der 1980-er Jahre pflegte. Ich musste auch an die Grußkultur in Tanzania denken und ein unangenehmes Erlebnis in Johannesburg vor 18 Jahren.
Kino war nur dreimal Thema, einmal The Hobbit und dann der Nachzug nach Lissabon und Star Trek. Filme gab es vor allem auf DVD, wie zum Beispiel Spielbergs Terminal. Ich fand einen Hinweis auf eine Screwball-Komödie im Netz, die vollständig, im Original und vor allem ohne Werbepausen genossen werde kann.
Musik war öfters das Thema: Die hannöversche Formation fint stellte ihre 1. EP vor. Das Duo SEA+AIR gab eine wunderschöne Show. Beim digitalen Aufräumen stolperte ich über meinen Konzertbericht Roger Water 2002 und während meiner Arbeit auf der Fête de la Musique Hannover über einen Achim Reichel Song meiner Jugend. Musik gefiel auch im Netz, doch Hand gemachte Live-Musik wie vom französischen Yalta Club oder von MINE sind etwas Besonderes.
Ich habe viel gelesen, aber nicht so viel darüber geschrieben. Im Winter wurden eine Märchensammlung von Charles Perrault gelesen und im Herbst ein Sachbuch über "normale" US-Amerikaner. Literatur hinterließ Spuren in meiner Zitatesammlung, wie zum Beispiel Bemerkenswertes von Arno Schmidt (hier und hier), Pascal Mercier, William Shakespeare, Gisbert Haefs, Douglas Adams oder Doris Lessing.
Mal sehen was 2014 bringt.
Sonntag, 17. November 2013
Doris Lessing - Zitate 3 - Bücherwelten
Doris Lessing ist am 17. November 2013 gestorben. Statt eines Nachrufs ein weiteres Zitat von ihr, was verdeutlicht, warum ihre Bücherwelt so viel geben kann:
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Weitere Zitate aus dem Werk von Doris Lessing (1919-2013)
Werde selber Kurzartikel zu einigen ihrer Romane schreiben, die über die kurzen Bemerkungen in meiner Doris Lessing-Bibliographie hinausgehen.
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| (Quelle: Wikimedia, Foto: Elke Wetzig- Doris Lessing 2006 in Köln) |
"Und so kniete sie, ihrem dringenden Bedürfnis nach den richtigen Worten folgend, vor dem Bücherschrank; denn es ist eine bemerkenswerte Tatsache, dass die Kritik von Leuten des Schlages wie ihre Eltern, Bekannten, Predigern, Lehrern, Politikern und Leuten, die für die Zeitung schrieben, sie unberührt ließ, während die mitleidlose Beschreibung einer Figur, die ihr ähnlich war, in einem sie auf Tage in einen Zustand begieriger Seelenerforschung zu versetzen vermochte.Ein wirklich guter Nachruf von Lorna Sage findet sich im Guardian.
(...)
Was sagt mir das über mein Leben?"
(Doris Lessing - 1965 - Eine richtige Ehe, S. 101)
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Weitere Zitate aus dem Werk von Doris Lessing (1919-2013)
- ein Zitat aus dem Das Goldene Notizbuch / The Golden Notebook zum Thema Weltpolitik;
- ein kritisches Zitat zum Wunsch sich von der Welt abzuschließen, indem mit Kopfhörern die akustische Realität übertönt und ausgeschlossen wird.
Werde selber Kurzartikel zu einigen ihrer Romane schreiben, die über die kurzen Bemerkungen in meiner Doris Lessing-Bibliographie hinausgehen.
Mittwoch, 5. Juni 2013
Towel Day 2013
Es war Towel Day 2013 und kein Raumschiff hat mich von unserem Planeten mitgenommen.
Douglas Noël Adams (1952-2001) hat uns viel zu früh verlassen.
Douglas Noël Adams (1952-2001) hat uns viel zu früh verlassen.
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