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Sonntag, 31. Januar 2016

Russische Propaganda aus Hannover

Jarina Kajafa von der taz aus Berlin berichtet über das russische Internetportal "The Insider" . Diese unabhängige Webseite überprüft Meldungen der Russischen Medien und entdeckt dabei immer wieder einmal Fälschungen.
Der Fall Lisa aus Berlin (angebliche Entführung und Vergewaltigung einer 13-jährigen durch "Südländer") ging durch russische Medien und wurde schließlich auch in Deutschland thematisiert und als Falschmeldung bekannt. Das perfide war hierbei, dass in den russischen Beiträgen angebliche Angehörigen von Lisa als Zeugen für ihr Leid die Stimmung anheizten.

So einen Fall gibt es in den russischen Medien auch aus Hannover (14. Januar 2016).
Eine junge, blonde Frau, die sich Viktoria Schmidt nennt, berichtete im russischen Militär-Sender Swesda von einer Bekannten, die als Putzfrau in einer Flüchtlingsunterkunft in Hannover arbeitete, dort durch Bewohner der Unterkunft vergewaltigt und ermordet wurde. Der Fall soll sich im Oktober 2015 zugetragen haben und lief damals durch soziale Medien. Die Polizei Hannover erklärte auf Rückfrage am 12. Oktober 2015, dass dieser Bericht erfunden wurde.
The Insider hat die Geschichte durch wenige Anrufe aufgeklärt. Die Russland-Deutsche Viktoria Schmidt ist eine Schauspielerin mit Namen Natalya (Наталья), die zusammen mit dem Kameramann Oleg Cherkasov diesen Bericht auf Bestellung hergestellt hat. Sie verlangt für so eine Geschichte 500 Euro und der Kameramann weitere 200 Euro. Es sind billige Fälschungen, die Intelligenzflüchtlinge für wahr halten.
Diese russische Propaganda gegen deutsche Politik ist WI - DER - LICH !!!

Die HAZ und der NDR haben am 3. Februar über diesen Hoax berichtet.
(Foto: JDM. Graffito in Hannover. Die billige "Schauspielerin" Natalya X. nennt sich vielleicht "Künstlerin")

Freitag, 20. November 2015

Deutschland - Niederlande 0 : 0

17.11.2015. Beobachtungen auf dem Weg zu einem Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen die niederländische Elftal im Niedersachsenstadion.

Kurzfristig hatte ich eine Freikarte geschenkt bekommen und mit einem Freund und seinen Kollegen trafen wir uns in einer Gastwirtschaft, um dann als größere Gruppe zum Spiel zu gehen. In den vier Tagen seit dem Terroranschlägen in Paris war es zunächst nicht sicher, ob das Spiel stattfinden soll. Eine Absage des Spiels wäre im Interesse der Terroristen, da damit die Angst vor dem Terror offensichtlich auch uns erreicht hätte.
In der Stunde in der Gastwirtschaft blickte ich durch die großen Fenster auf den Friedrichswall, auf dem sich langsam das Verkehrschaos der unbelehrbaren Autofahrer entfaltete. Unterbrochen wurde dieses Stop+Go alle paar Minuten durch Blaulicht, wenn wieder mal eine Kolonne von kleinen Polizei-Mannschaftswagen sich ihren Weg Richtung Stadion bahnten.
Anderthalb Stunden vor dem Anpfiff machten wir uns auf den etwa einen Kilometer langen Fußweg zum Stadion. Vor der Gastwirtschaft stand auf ein Busspur ein Sonderbus mit dem Ziel Stadion, der aber leer war. Als wir als Gruppe losgehen wollten sprach uns ein Mann an, der sagte, dass das Spiel abgesagt sei. Er sei gerade mit diesem Bus gekommen und der Busfahrer hatte dies gesagt und alle Passagiere zum Verlassen des Busses aufgefordert.
Keiner mochte dem Mann glauben und die Mehrheit zückte ihr Smartphone und suchte nach weiteren Informationen im Internet. Es fand sich zunächst keine Bestätigung. Eine Seite berichtete über einen leeren Koffer, dessen Harmlosigkeit aber bereits wenige Minuten später festgestellt wurde.
Wir brachen auf. Auf der anderen Straßenseite kamen wenige Menschen aus der Richtung vom Stadion. Kurz bevor wir den Maschteich sehen konnte versperrte ein Pulk von Menschen unseren Weg. Aus dieser Gruppe kamen immer wieder Menschen, die an uns vorbeigingen und nüchtern sagten, das Spiel ist abgesagt. Die Polizei versperrte weiträumig den Zugang und forderte zur Rückkehr auf.
Wir standen zusammen, die Mehrheit konsultierte ihre Smartphones und widersprüchliche Informationen wurden halblaut vorgelesen.
Dann eben kein Fußball. Mir fiel auf, dass alle, aber auch wirklich alle ruhig blieben. Nicht nur in unserer Gruppe, sondern auch die Menschen, die an uns vorbei sich vom Stadion entfernten. Es war kein Fluchen zu hören oder irgendein Zeichen von Sorge oder Angst. Ich sah einige telefonieren und aus den Gesprächsfetzen war zu erahnen, dass die vorzeitige Heimkehr angekündigt wurde.
Wir gingen zurück in die Gastwirtschaft. Dort wurde nach kurzer Zeit eine Leinwand heruntergefahren und eine Live-Schaltung eines TV-Senders von der Pressekonferenz mit unseren Innenministern (Bund und Niedersachsen) und dem Polizeipräsidenten gezeigt. Da hörte ich die merkwürdige Worte von T.d.M., der uns beruhigen wollte, aber nichts sagen wollte. Erst sein Nachsatz "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern" förderte die Verunsicherung.

Hoffentlich wird das Freundschaftsspiel gegen die Niederlande auch im zweiten Versuch in Hannover stattfinden. Ich würde mich freuen, ins Stadion zu gehen.

Freitag, 14. November 2014

Marc Elsberg 2014 ZERO - eine Buchempfehlung

Die Aktualität eines Buches fördert den Verkauf, kann aber auch dazu führen, dass bereits wenige Jahre nach dem Erscheinen, dass Buch unverständlich und uninteressant ist. Das ist bei diesem Buch zu erwarten.

Marc Elsberg schreibt über das Sammeln von digitalen Daten und mögliche Begehrlichkeiten und Konsequenzen. Visuelle und akustische Daten werden automatisch gesammelt, aber die einzugebenden Daten werden von den Menschen freiwillig zur Verfügung gestellt.

Facebook und andere sogenannte soziale Netzwerke, die alles außer sozial sind, leben davon, dass die Nutzer ein persönliches Profil anlegen, was sie durch Statusmeldungen und Ergänzungen erweitern. Doch es sind nicht nur diese öffentlichen Profile, sondern auch  weitere persönliche Informationen, die freiwillig abgegeben werden. Da sind zum Beispiel die Kundenkarten, die für einen marginalen Rabatt Menschen motivieren, Unternehmen zu zeigen, was sie wann und wo für Produkte und Dienstleistungen erwerben. Oder die verschiedenen Programme zur Selbstoptimierung, die immer mehr Menschen freiwillig verwenden. Zum Beispiel beim Sport (Laufleistung, Blutdruck, Puls), wo Daten nicht nur auf dem umgehängten Messgerät sondern auch gleich online gesammelt werden. Oder die Bewegungsprofile, die durch die Triangulation von Handys möglich sind oder noch schlimmer die Gesichtserkennungssoftware, die Bildern aus Überwachungskameras einzelnen Personen zuordnet.

Hier setzt der Roman ein. Er erzählt von einer Mutter und Journalistin, die kritisch registriert, dass ihre fast erwachsene Tochter einem Unternehmen über verschiedene Apps eine Vielzahl von Daten zur Verfügung stellt. Alle Daten werden freiwillig abgegeben, damit eine individualisierte Software durch die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten konkrete Tipps für Entscheidungen und Aktivitäten geben kann.
Diese neu entwickelten ActApps führen zu einem Unternehmen, dass in wenigen Jahren Hunderte von Millionen Nutzer gewinnt (siehe Facebook, WhatsApp und andere) und bei Regierungen und Geheimdienste Begehrlichkeiten schafft. Und dann gibt es die Gegenspieler, die vor dieser Macht über die Menschen, ihre Wünsche und Handlungen warnen (=ZERO).
Wer in den letzten Jahren die Entwicklung der digitalen Welt und den zunehmenden Datenmissbrauch verfolgt hat, wird Probleme haben, die Beschreibung der verschiedenen Ebenen des Datensammelns zu ertragen, aber nach etwa 50 Seiten ist alles in der sich entwickelnden Handlung erklärt.
ActApps manipulieren Menschen mit dem erklärten Ziel, ihr Leben zu verbessern. Doch damit wird natürlich auch Werbung (=Information) für einen bestimmten Lebensstil (=Konsumerismus) und Produkte betrieben.
Das erinnert an die Realität. Ich sage stets im Scherz, wenn sich die Modeindustrie einig ist, dass lila Zipfelmützen modisch sind, werden sich viele Menschen lila Zipfelmützen aufsetzen. Schöne Belege finden sich in den letzten Jahren, als junge Frauen anfingen, grob gestrickte "Kaffeewärmer" als Kopfbedeckung zu tragen.

Es wird im Roman immer wieder vor der Gefahr der Paranoia gewarnt, aber spätestens seit den Enthüllungen durch Edward Snowden sollte allgemein bekannt sein, dass Regierungen pauschal von allen Menschen und gezielt von vielen Millionen Menschen Daten sammeln und Profile anlegen.

Der Roman springt unvermittelt zwischen verschiedenen Ebenen und Akteuren. Da ist die britische Journalistin, die zunehmend und immer schneller das Ende der Privatsphäre erlebt. Da ist die Tochter und ihre Freunde, die zunächst selbstverständlich mit jeder ihnen gebotenen Software arbeiten, aber schließlich auch Zweifel bekommen. Die jungen Menschen leben in der realen Welt, sind aber praktisch die gesamte Zeit online und liefern rund um die Uhr Daten, damit die ausgewählten Apps immer genauere Handlungsvorschläge machen können. Dann sind da der Gründer des expandierten Unternehmens und seine Führungskräfte, sowie sein Sicherheitsteam, dass die gesammelten Daten gegen die Menschen einsetzt. Und da ist die Polizei mit ihrem scheinbaren Überblick (in London gibt es mehr als 100.000 öffentliche Kameras) und die Geheimdienste, die über Leichen gehen. Und die Gruppe ZERO, die immer wieder die Firma, die Medien und die Geheimdienste/Regierungen bloßstellen und jedes Statement mit Paraphrase nach Cato dem Älteren enden lässt "Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Datenkraken zerschlagen werden müssen."

Mehr will ich über die Geschichte nicht erzählen. Marc Elsberg hat einen rasanten Erzählstil, der zum Ende so sehr an Tempo aufnimmt, dass ich als Leser eine Pause einlegen musste, weil mein Puls unangenehm anstieg. Das Ende ist dann wieder ruhig und bei diesem Thema kein Happy End. Es ist ein Kriminalroman mit sehr wenigen Elementen des Science Fiction.

Lest das Buch! Lest es jetzt! Acht Tage einer Entdeckung der digitalen Überwachungsmöglichkeiten und ihrer Konsequenzen.

Marc Elsberg "ZERO - Sie wissen, was du tust", Blanvalet Verlag München, 2014, 480 Seiten.
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Ein Gespräch mit Marc Elsberg und Thomas Hillenbrand (Autor von Drohnenland, 2014) findet sich in der taz vom 2. August 2014

Montag, 28. April 2014

Militärbeobachter in der Ukraine

(Foto: OSCE.org)
Mehrere Bundeswehrsoldaten werden von Separatisten in Slawjansk im Osten der Ukraine gefangen gehalten. Da taucht die Frage auf, was machen NATO-Soldaten dort. Die Ukraine ist nicht Mitglied der NATO und wird es nicht werden.

Als diese Frage im Facebook gestellt wurde, wurde sofort darauf hingewiesen, dass es neben den diplomatischen Missionen auch Waffenkontrollen und Militärreform und -kooperation als erklärte Programme der OSZE gibt.
In der deutschen Presse werden die gefangenen Soldaten als OSZE-Militärbeobachter (Der Spiegel, taz) oder europäischen Militärinspekteure (FAZ) bezeichnet.

Die FAZ ist korrekt, aber Spiegel und taz irren und folgt den Verlautbarungen der Nebelwerfer vom Auswärtigen Amt. Es gibt keine OSZE-Militärmission in der Ukraine. Die Militärs sind im Rahmen von bilateralen Verträgen zwischen der Ukraine und den Herkunftsländern der Soldaten vor Ort.
Die OSZE führt in der Ukraine eine Beobachtungsmission durch. Die folgenden Informationen sind alle von der OSZE-Webseite:
OSCE Special Monitoring Mission to Ukraine

Who we are

The Mission consists of over 100 civilian unarmed monitors from OSCE participating States; they are supported in their work by local staff from Ukraine. The team works on a shift basis to ensure cover on the ground 24 hours a day, seven days a week. The Mission’s Head Office is in Kyiv; monitors have been deployed to Kherson, Odessa, Lviv, Ivano-Frankivsk, Kharkiv, Donetsk, Dnepropetrovsk, Chernivtsi, and Luhansk.
(Quelle)

Mandate
The monitors are mandated to contribute to reducing tensions and to help foster peace, stability and security. The Mission engages with authorities at all levels, as well as civil society, ethnic and religious groups and local communities to facilitate dialogue on the ground. The Mission will gather information and report on the security situation, establish and report facts in response to specific incidents, including those concerning alleged violations of fundamental OSCE principles.
(Quelle)

What we do
Conflict prevention and resolution
Developments in Ukraine since November 2013 have resulted in tension and unrest in parts of the country. The Mission is being deployed following a request to the OSCE by Ukraine’s government and a consensus agreement by all 57 OSCE participating States. The monitors are to contribute to reducing tensions and fostering peace, stability and security. They also help to monitor and support the implementation of all OSCE principles and commitments.
(Quelle)
In vier Tweets der OSCE, die auch auf der eigenen Webseite wiederholt werden, wird der Status der Soldaten betont:
1/4 Comms with military observers in Donetsk region lost.Team not OSCE monitors but sent by States under Vienna Doc on military transparency
2/4 All members of the OSCE Special Monitoring Mission and OSCE/ODIHR election observers are safe and accounted for
3/4 Military verification team - led by Germans – and composed of 8 members – 4 Germans, 1 Czech, 1 Danish, 1 Polish, 1 Swedish
4/4 Military verification team sent following invitation from Ukraine under terms of Vienna Document 2011
19:35 - 25. Apr. 2014
(Quelle)

Die Soldaten stammen aus OSCE-Ländern, aber deshalb ist es noch keine OSCE-Mission. (Wenn ich als Bürger eines Staates, der Mitglied der UN ist etwas mache, ist dies schließlich auch UN-Mission.)

Als Teilnehmer einer OSZE-Mission in Zenica, Bosnien (Kommunalwahl 1997) habe ich damals in langen Gesprächen erlebt, dass keiner von uns für zwei Herren im Einsatz war. Wir wurden von der OSZE bezahlt und nur die erhielten unsere Berichte zur Situation in den Dörfern.

Die OSZE verspielt in der Ukraine ihren guten Ruf, wenn sie akzeptiert, dass ihre Mitgliedsstaaten statt "civilian unarmed monitors" (Siehe oben: WHO WE ARE) NATO-Soldaten zum Einsatz bringen und diesen unwidersprochen als OSZE-Mission akzeptiert.
Militärs können in dieser bürgerkriegsähnlichen Situation keine politische Beruhigung bringen.
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Damit es kein Missverständnis gibt. Ich verachte den Kriegstreiber Putin und seine Marionetten im Osten und Süden der Ukraine.

Donnerstag, 25. Juli 2013

Bundes-Pr. Gauck zum NSA-Skandal


Stille kann befremdlich sein. Da haben wir einen Bundespr., der monothematisch alles unter dem Thema Freiheit behandelt, doch noch immer gibt es keinen Kommentar von ihm zum bisher größten Angriff auf die Freiheit der Deutschen seit dem Jahre 2000.
Doch er hat ja so wenig Zeit, muss zum Beispiel heute am 25. Juli zur Eröffnung der Wagner-Festspiele nach Bayreuth, um sich dort mit dem Rest der politischen Elite an staatlicher Geldverschwendung zu ergötzen.
(Originalfoto: WikiCommons, 2009 Sebastian Hillig. Von mir beschnitten und durch Sprech- bzw. Gedankenblase ergänzt)

Freiheit ist mehr als die Reisefreiheit und die Freiheit der Kunst.
Das digitale Zeitalter mit seinem Internet 2.0, E-Mails, sozialen Netzwerken, etc. ist diesen Herren und der Dame ein Neuland, dass noch zu erforschen ist.
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Nachtrag: Endlich! Am 25. Juli sagte Joachim Gauck in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse:
"Die Angst, unsere Telefonate oder Mails würden von ausländischen Nachrichtendiensten erfasst und gespeichert, schränkt das Freiheitsgefühl ein - und damit besteht die Gefahr, dass die Freiheit an sich beschädigt wird"
(Quelle: PNP 25.07.2013)
Es besteht also Hoffnung, dass es auch mal ein Interview mit einer ernsthaften Zeitung (SZ, Zeit, Spiegel, taz) gibt. Ernsthaft meint hier, dass Redakteure auch mal nachfragen und hinterfragen.Ein kurzes Statement ist angenehm , aber es sollte doch ein wenig mehr sein.

Freitag, 12. Juli 2013

NSA als Gedankenstütze - taz-perlen 6

"Wie viel einfacher wäre es, die Geheimdienste programmierten eine passende Daten-App zum kostenlosen Download. Oder, wenn das zu teuer ist, reicht mir auch die Handynummer des für mich zuständigen NSA-Kundenbetreuers."
(Franco Zotta "Sammlung fürs Sieb", taz DIE WAHRHEIT, 12. Juli 2013)

Donnerstag, 27. Juni 2013

Die Medien und der Whistleblower Edward Snowden

Einmal mehr möchte ich auf einen Kommentar in der taz verweisen. Martin Kaul erinnerte unter der Überschrift "Gebt uns Popcorn!" daran, dass sich fast alle Medien weigern, über die Skandale der digitalen Ausforschung durch PRISM (NSA der USA) und Tempora (GCHQ der UK) zu berichten. Stattdessen wird eine Personality-Show rund um die Flucht von Edward Snowden vor den genannten Geheimdienste veranstaltet.
Es gibt LIVE-Schaltungen zum Flughafen, wo darüber spekuliert wird, wo er nun ist und wohin er schließlich auf welchem Weg reist. Gleichzeitig speichern staatliche Behörden E-Mails, Telefonate, etc. in einem Umfang, dass sicherlich Ehemalige der STASI über diese technischen Möglichkeiten staunen und die Chuzpe der Anwendung erblassen lässt.
 vom 27. Juni 2013, Titelseite.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Datensammelwut

Moderne Technik verführt. Der US-Geheimdienst NSA sammelt Daten (Faxe, E-Mails, Telefondaten). Das ist seine Aufgabe und deshalb ist das Erstaunen und die Empörung über das Programm Prism für mich nur bedingt verständlich.

Hier in Deutschland wird auch gesammelt. Von der jeweiligen Landespolizei in den 16 Bundesländern, der Bundespolizei, den 17 Inlandsgeheimdiensten und anderen Institutionen. Sie nennen es präventiv, doch tatsächlich geht es im Kontext von Demonstrationen um Einschüchterung und Kriminalisierung.
Früher war das langwierig. Eine ED-Behandlung dauert und auch die Weitergabe der "Perso"-Daten über Funk bindet "Sicherheits"-Kräfte. Handy-Daten waren zunächst zu komplex. Im Wendland wurde während der jährlichen CASTOR-Festspiele das Handynetz abgeschaltet, um die Kommunikation der Demonstranten zu behindern.
Heute wird die ID-Karte an Polizeisperren gescannt und eine Funkzellenanfrage registriert Handy-Standorte und alle Verbindungen. Die moderne Technik schüchtert mich nicht ein, da die Masse der Daten das System fluten.

Dennoch möchte man schon wissen, was so in den staatlichen Datenspeichern gesammelt wurde und nicht gelöscht wurde.

Ich habe viele der genannten Datenerfassungen zum Teil mehrmals persönlich erlebt. Es waren stets friedliche Demonstrationen gegen Atommüll, Atommüllproduzenten, US-Atomraketen, Diktatorenbesuche, NATO-Manöver, etc.

Die taz verweist nun auf die Datenschutz-Plattform datenschmutz.de. Dort kann mit wenigen Klicks eine unverfänglich formulierte aber zwingende Datenauskunft an verschiedene staatliche Einrichtungen formuliert werden.

Das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung wird nicht immer gewahrt und "Sicherheits"-Behörden muss durch solche Anfragen von vielen Personen immer wieder klar gemacht werden, dass Datensammeln kein Selbstzweck ist.

Übrigens wird auf diesem Weg keine Informationen aus der nicht-digitalen Vergangenheit bekannt und bis zu einer Löschung von Daten ist es dann noch ein langer juristischer Weg.

Bundesdatenschutzgesetz
§ 19 Auskunft an den Betroffenen
(1) Dem Betroffenen ist auf Antrag Auskunft zu erteilen über
1. die zu seiner Person gespeicherten Daten, auch soweit sie sich auf die Herkunft dieser Daten beziehen,
2. die Empfänger oder Kategorien von Empfängern, an die die Daten weitergegeben werden, und
3. den Zweck der Speicherung. (...)
(Vollständiger Text auf dem Server des BM Justiz)

Samstag, 3. November 2012

OSS 117 ist unterhaltsamer als James Bond 007

OSS 117 - Der Spion, der sich liebte (Frankreich 2006, Regie Michel Hazanavicius, 99 Minuten)

Vor einigen Monaten sah ich durch Zufall im Spätprogramm eines unser Kultursender (ARTE / 3SAT) die Geheimagenten-Persiflage 0SS 117 : Rio ne répond plus - Er selbst ist sich genug (2009). Ich hatte von diesen Film schon gelesen, da Regisseur und Hauptdarsteller Jean Dujardin als nächste Produktion den Oscar prämierten Stummfilm "The Artist" vorlegten. Gestern sah ich nun auf 3SAT OSS 117: Le Caire nid d'espions – Der Spion, der sich liebte (2006).

Das OSS ist das Office of Strategic Services, einer der US-Geheimdienste während des 2. Weltkrieges, doch der Geheimagent Hubert Bonisseur de La Bath a.k.a. OSS 117 arbeitet für den französischer Auslands-Geheimdienst Service de Documentation Extérieure et de Contre-Espionnage (SDECE, 1944-1982).
Grundlage der Persiflage sind die mehr als 200 Romane, die von Jean Brochet, seiner Frau und deren beiden Kindern seit 1949 geschrieben wurden. Seit 1957 wurden einzelne Geschichten verfilmt und damit ist OSS 117 in beiden Fällen mehrere Jahre früher als Ian Flemings James Bond 007 als Roman und Verfilmung im Geschäft.

Doch geht es nicht um diese Massenproduktion (11 Filme), sondern um eine zum Teil liebevolle Persiflage von Gentleman-Agenten-Filmen der 1950-er und 1960-er Jahre. Es werden also die Serien OSS 117, James Bond und Jerry Cotton gewürdigt.

Es ist schreiend komisch. Dies liegt sicherlich daran, dass Oliver Kalkofe die Synchronfassung schrieb und Jean Dujardin als OSS 117 wunderbar seine Unwissenheit durch Lachen, ein breites Grinsen oder Schweigen überspielt. Denn OSS 117 ist nicht wirklich helle. Es sind die Zufälle, die ihn zu einen wichtigen Agenten der Franzosen machten.
Der Film wurde in den letzten Jahren gedreht und schafft es die Filmtechnik von vor 50 Jahren zu kopieren. Fahrszenen sind so offensichtlich vor einer Leinwand gespielt, Großansichten zeigen deutlich den Modellcharakter wenn ein Flug gezeigt wird oder sich OSS 117 den Pyramiden nähert. Das unterscheidet die Arbeit vom Regisseur Michel Hazanavicius und seinem Hauptdarsteller Dujardin zum Beispiel von den Bond-Persiflagen mit Rowan Atkinson in der Hauptrolle, der selbst als Johnny English stets nur seinen Mr. Bean variiert.

Der Originaltitel verweist bereits darauf, dass OSS 117 eine Aufgabe im Spionagenest Kairo erfüllen muss. Der Geheimagent Hubert Bonisseur de La Bath ist ein selbstverliebter, französischer Nationalist, der keine Ahnung von Weltpolitik hat. Er ist so offen und naiv in seinem kolonialen, paternalistischen Auftreten gegenüber Nicht-Europäern, dass mir manchmal zunächst das Lachen im Halse stecken blieb. Er ist chauvinistisch (in allen ! seinen Wortbedeutungen) und steht hier dem frühen James Bond in nichts nach. Wenn er seine Vorurteile über andere Nationalitäten, Religionen und Sexualität äußert, dann sieht man das Unverständnis in seinen Dialogpartner, die nicht glauben können und irgendwann peinlich bis ärgerlich reagieren, was für ein Unsinn geredet wird.
Apropos, die Frauen drehen sich nach ihn um und OSS 117 weiß dies und genießt es. Es gibt einen wesentlichen Unterschied zu James Bond, seine Bettszenen (Vorspiel) sind viel unterhaltsamer und stilecht zu den 1960-er Jahren wird nichts gezeigt.

Alle anderen wesentlichen Motive der Agentenfilme (Verfolgungsjagden zu Fuß oder mit einem Auto, Tuxedo oder Smoking-Szenen mit der Oberschicht, Unterwasserabenteuer) werden genutzt. Die Unterwasserszene ohne Taucherausrüstung ist absurd lang und hat sogar einmal einen visuellen Hinweis auf Pirates of the Caribbean.
Trotz der Unwissenheit des Agenten in fast allen wesentlichen Momenten, hat er Spezialwissen . Er kann zwar zunächst kein Arabisch, aber sein "Hyroglyphisch" befreit aus einer Situation und im Verlauf des Films spricht er mehr und mehr Arabisch. Auch dies sehe ich als Referenz an andere Agentenfilme, welche unfassbares Spezialwissen bei den Agenten zeigen.
Der Erfolg des Films hängt nicht nur an Jean Dujardin, sondern auch an Bérénice Bejo als weibliche Partnerin bzw. Gegenerin Larmina El Akmar Betouche, die 2011 die weibliche Hauptrolle in "The Artist" spielte.

Tja, und warum hatte ich vor diesen beiden großartigen TV-Abenden noch nie eine Szene aus den Filmen gesehen? Oliver Kalkhofe hat einen großen Namen in Deutschland und mit seiner Persiflage der Edgar Wallace-Filme im Hintergrund, hätten die Filme doch ein Erfolg werden müssen.
Denkste, die Filme liefen niemals im deutschen Kinoprogramm.
Ich habe schon oft von Direct-to-DVD-Produktionen gehört, doch dies sind dann oftmals B und noch öfter C-Filme, die als Sequel oder Genre-Film ein Motiv wieder und wieder ausschlachten. Warum dieser in Frankreich mit mehr als 2 Millionen Zuschauern erfolgreiche Film vor dem deutschen Publikum versteckt wurde, bleibt mir ein Rätsel.

Offizielle deutsche Webseite zum Film "OSS 117 - Der Spion, der sich liebte"
Wikipedia-Artikel zur Serie OSS 117 und zum Film "OSS 117 - Der Spion, der sich liebte".

Donnerstag, 4. Januar 2007

Geheimgefängnis Szymany in Polen

(Dies ist ein Blogbeitrag von 2007!)

Seitdem der Jurist
Dick Marty Anfang Juni 2006 seinen angeforderten Bericht über geheime Gefängnisse und illegale Personentransporte der CIA an die Parlamentarische Versammlung des Europarates vorgelegt hat, sind einige Orte, dieses geheimen Netzwerkes konkret benannt.

Zum Beispiel Szymany in Polen. In der waldigen Landschaft Masurens liegt der angeblich stillgelegte Militärflugplatz Szymany (heute: Port Lotniczy mazury). Er befindet sich etwa fünfzig Kilometer südöstlich von Olsztyn.
Wegbeschreibung: Nationalstraße 53 von Olsztyn 46 Kilometer bis Szczytno, dort nach Süden Richtung Wietbark abbiegen, nach etwa 10 Kilometern wird der kleine Ort Szymany erreicht, hier biegt eine Asphaltstraße nach Westen direkt in den dichten Wald und nach fünf Kilometern ist die Militärsperre vor dem Flughafen erreicht. GoogleEarth müsste dieses Areal zeigen, meine Karte von 1989 verzeichnet noch nicht einmal den Flughafen (Kalter Krieg!). Koordinaten: 53° 28' 55" N 20° 56' 16" O
(GoogleMaps: Der alte und neue Flughafen und das benachbarte Szymany)

Es gibt Augenzeugen und Beweise dafür, dass auf dem Flughafen Szczytno-Szymany (polnisch: Port Lotniczy mazury) mehrmals Flugzeuge des CIA landeten (Artikel von Paul Flückiger, der auch auf polnische Lokalmedien zurückgreift). Interessanterweise behauptet die polnische Regierung, dass nach ihren Logbüchern niemals eines der gesehen und registrierten Flugzeuge verzeichnet ist. Flieger, die nicht verzeichnet werden dürfen, sind auch in keinem Verzeichnis (näheres in den oben verknüpften Bericht von Dick Marty).

Was mich dabei so wütend macht und deshalb schreibe ich überhaupt darüber, ist der Umstand, dass die polnische und die rumänische Regierung (hier Flughafen Timisoara) ein völkerrechtswidriges System einer selbstgerechten Institution, die bekannt ist für eine Vielzahl von Verbrechen gegen die Menschlichkeit (CIA. Es sei an die vielen Beispiele aus Südamerika erinnert) bekannt ist, unterstützen und damit das absolute Folterverbot und das völkerrechtliche Prinzip keine Verhaftung ohne Anklage unterlaufen. Auf der Ebene der EU ist dies kein öffentliches Thema. Alleine aus diesem Grund hätten beide Regierungen abgemahnt werden müssen.

Nachtrag: Siehe auch meinen weiteren Beitrag zu CIA-Retention und Folter
Aktuell: Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte zur polnischen Unterstützung der CIA-Folter