Posts mit dem Label London werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label London werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 28. Dezember 2013

Jahresabrechnung 2013

Soeben habe ich meinen Jahresbrief 2013 fertig gestellt und an die Familie und Freunde versandt. Wer den Text lesen möchte, braucht nur eine Notiz via Elektropost oder Gesichterbuch zu schicken.
Hier gibt es nur einen Rückblick auf Blogbeiträge des Jahres. die öffentliche Person ist schließlich eine andere, als der reale Mensch.

Politik regt mich weiterhin auf und an. Da lag natürlich auch an der Landtagswahl in Niedersachsen, den damit verbundenen Outen von Nazis, der Bundestagswahl mit unserer Bundeskanzlerinverwalterin und hier in Hannover der zusätzlichen Wahl des Oberbürgermeisters. Die Dummheit der SPD und das Geblubber und Schweigen vom Bundespr.(ediger) Gauck ließen mich den Kopf schütteln. Dabei gab es interessante Ansätze wie die 1. EU-Bürgerinitiative oder die Offenlegung der NSA-Spitzeleien  oder das Fiskalverbrecher im Netz recherchiert werden können.

Der Tod meines Vaters führte zu Erinnerungen und Trauerarbeit.
Doch es gab auch schöne Momente auf dem Spielplatz, in der Turnhalle und mehrmals im Zoo.

Meine Reisen führten mich in diesem Jahr gleich zweimal nach Berlin, nach London, Königswinter, Budapest zum Europäischen Traum, Stade und Deventer.

Die monatlichen Wetterberichte, der nicht enden wollende Winter 2012/2013 aber auch einen Beitrag über den regionalen Klimawandel am Beispiel des Monats April und den generellen Temperaturanstieg sind auch als Kommentare auf dümmliche Bemerkungen von Klimaskeptikern zu lesen.

Ich kramte ein wenig in meinen Erinnerungen und fand meinen allerersten Brief von meiner ersten Reise nach Ostafrika (1987) und als eine Alumna über ihre Probleme mit einem Studentenvisum berichtete fiel mir mein Erlebnis aus Dar es Salaam (1988/89) ein. Eine Wiedergängerin erinnerte mich an den Beißkrampf der 1980-er Jahre pflegte. Ich musste auch an die Grußkultur in Tanzania denken und ein unangenehmes Erlebnis in Johannesburg vor 18 Jahren.

Kino war nur dreimal Thema, einmal The Hobbit und dann der Nachzug nach Lissabon und Star Trek. Filme gab es vor allem auf DVD, wie zum Beispiel Spielbergs Terminal. Ich fand einen Hinweis auf eine Screwball-Komödie im Netz, die vollständig, im Original und vor allem ohne Werbepausen genossen werde kann.  

Musik war öfters das Thema: Die hannöversche Formation fint stellte ihre 1. EP vor. Das Duo SEA+AIR gab eine wunderschöne Show. Beim digitalen Aufräumen stolperte ich über meinen Konzertbericht Roger Water 2002 und während meiner Arbeit auf der Fête de la Musique Hannover über einen Achim Reichel Song meiner Jugend. Musik gefiel auch im Netz, doch Hand gemachte Live-Musik wie vom französischen Yalta Club oder von MINE sind etwas Besonderes.

Ich habe viel gelesen, aber nicht so viel darüber geschrieben. Im Winter wurden eine Märchensammlung von Charles Perrault gelesen und im Herbst ein Sachbuch über "normale" US-Amerikaner. Literatur hinterließ Spuren in meiner Zitatesammlung, wie zum Beispiel Bemerkenswertes von Arno Schmidt (hier  und hier), Pascal Mercier, William Shakespeare, Gisbert Haefs, Douglas Adams oder Doris Lessing.

Mal sehen was 2014 bringt.

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Bildinterpretation - für Marta

(Eine Bildinterpretation, wie ich sie leider in der 11. Klasse lernen musste. Der Text ist nicht ernst gemeint)

Beschreibung
Die Fotografie diese Inszenierung einer unbekannten Künstlerin zeigt zentral das Porzellanbecken eines Wasserklosetts, das auf hellen Kies steht. Umgeben ist dieses Objekt von hellen Brocken, welche aus Kalk oder Beton bestehen. Dies ist wiederum umgeben von hell furnierten, glänzend lackierten Platten. Im Hintergrund hängt die Europafahne, an die wiederum zwei Taschen befestigt sind. Die Fahne besteht aus zwei Stoffbahnen, der Naht zu sehen ist. Die obere Tasche ist eine im Ethnolook gehaltene grob geflochtene Einkaufstasche mit Ledergriffen, die zur Tasche mit Kauri-"Muscheln" abgesetzt wurden. Darunter hängt eine schwarze samtartige, kleine Frauenhandtasche mit einer nicht lesbaren Markenbeschriftung. Von links fallen offensichtlich künstliche Efeuranken von der oberen Tasche bis zu den Gesteinsbrocken ins Bild.
Es ist bekannt, dass dieses Foto in London aufgenommen wurde.
(Foto: Marta G.A. "East London")

Interpretation
Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Inszenierung einer Künstlerin. Pflanzen als Idylle, die Frauenhandtasche und die Einkaufstasche mit ihren Ethno-Elementen lassen mich dies vermuten. Die folgende Interpretation und Gesamtaussage, hätte ein Mann vermutlich mit anderen Objekten dargestellt.

Die Europafahne bedeckt den Hintergrund macht aber mehr als die Hälfte der Bildfläche aus. Die Fahne ist noch deutlich größer. In der Inszenierung sind nur neun der zwölf Sterne zu sehen. Gleichzeitig verweist die Naht auf eine Zweiteilung.
Dies scheint eine politische Anspielung zu sein. In Großbritannien gibt es eine große, lautstarke Mehrheit, welche die Kontakte zu Europa reduzieren will. In Großbritannien war die Integration von Millionen Menschen aus den ehemaligen Kolonien bereits eine große Leistung. Der Commonwealth steht für Großbritannien im Vordergrund, so wie die Ethnotasche mit Elementen aus Westafrika (Kauri-"Muscheln") und Ostafrika (Flechtwerk der Tasche). Die zweite Samttasche, passt in dieses Bild, denn sie steht für edlen Luxus und so wird mit der Fahnennaht und den Gegensatz der Taschen die Zweiteilung der Gesellschaft in Europa und zwischen den europäischen Staaten angedeutet. Wenn nun noch bedacht wird, dass die so genannten Kauri-"Muscheln" bis in das frühe 20. Jahrhundert eine Währung in Westafrika war, so wird auch noch ein Gegensatz zwischen Symbolen des Reichtums in verschiedenen Zeiten dargestellt. 
Das Porzellanbecken ist schwierig zu deuten. Zum einen ist es offensichtlich unbenutzbar, da es nicht angeschlossen ist und kein Toilettensitz befestigt ist. Letzteres könnte aber wieder eine Anspielung auf einige Länder des Commonwealth sein, denn Toilettensitze sind bei öffentlichen Toiletten in afrikanischen Ländern die Ausnahme und die Toiletten werden auch benutzt, wenn die Kanalisation nicht mehr funktioniert. Letzteres ist vielleicht eine falsche Assoziation, die von meinen Erfahrungen in sechs anglophonen Ländern herrührt. Die Sauberkeit und die Anordnung des Objekts verweisen auf andere Interpretationsmöglichkeiten.
Das Klobecken steht auf Kies, wie er auch in bestimmten Regionen der Sahara zu finden ist. Ein WC ohne Wasser in der Sahara verweist auf Desertifikation, welche im Sahel seit Jahrzehnten Ursache für eine Migration nach Norden und Süden ist. Nach Süden in die fruchtbaren Regionen Afrikas und nach Norden, um mit Cayucos und anderen Booten nach Europa zu gelangen. Die Verelendung führt die Menschen nach Europa, nach einen Europa in dem alles zu kaufen ist (Einkaufstasche) und Luxus (Handtasche) möglich ist.
Eine andere Interpretation sieht die Gesteinsbrocken als das Wesentliche. Diese verhindern, dass die Toilette benutzt werden kann. Die Steine liegen im Weg. Wenn es sich um Gesteinsbrocken aus Bauschutt handelt, dann könnte dies auf den Abriss des alten industrialisierten Englands verweisen. Die Deindustrialisierung führte zu einer Verelendung in einigen Regionen, so dass selbst die einfachsten Elemente des modernen Lebens symbolisiert durch das WC nicht mehr funktionieren. Wenn es Kalk- oder anderen natürlicher weißen Stein ist, könnte dies auf den Stolz der Briten verweisen. Die weißen Klippen von Dover sind vom Kontinent aus zu sehen, aber wurden seit Jahrhunderten nicht mehr überwunden.
Das dies von glänzenden Holzimitaten umgeben ist, kann eine Kritik an der Moderne sein, in welcher der Anschein das wichtigste war. Oder dies kann auch gerade ein Verweis darauf sein, dass Großbritannien moderner scheint als das (kontinentale) Europa.
Der die oberen und unteren Teile des Kunstwerks verbindende künstliche Efeu heißt im englischen ivy, von dort ist es nicht weit bis zu envy (=Eifersucht). Viele Briten glauben, dass der Rest von Europa auf sie eifersüchtig ist. Die Briten sehen sich als eine relevante Mittelmacht mit wichtigen Partnern außerhalb Europas.
Die Gesamtaussage wäre dann, ein stolzes und modernes Großbritannien muss nicht Mitglied in der EU sein
Es ist ein gelungenes Kunstwerk, da es viele anregende Assoziationen erlaubt.

Doch vielleicht ist es gar keine Kunst, sondern nur ein amüsanter Blickfänger, um Menschen zu einem Verweilen vor der Inszenierung zu motivieren, die dann zu einen Besuch des dazu gehörigen Möbelladens führen.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Baustelle London

Die Metropole boomt! Auf beiden Seiten der Themse wuchsen und wachsen in Höhe der City Wolkenkratzer in die Höhe. 2005 war das 41-stöckige Gebäude (180m Höhe) der Swiss Re (Rück-Versicherung) für mich der bemerkenswerteste Neubau.

Dieses als Essiggurke (The Gherkin) bezeichnete Gebäude war nach dem Neubau von Lloyds nur der Beginn eines Trends zu ungewöhnlicher Architektur.


Bei diesen Gebäuden stehe ich vor einem Dilemma, denn zum einen gefallen mir diese architektonischen Spielereien, doch zum anderen habe ich eine ungefähre Vorstellung davon, woher die Milliarden für diese Komplexe stammen. White collar criminals, die sich selbst Investmentbanker nennen, ruinieren systematisch die reale Wirtschaft und das dabei "gewonnene" Geld - verdient wäre eine Beschönigung - findet sich zum Beispiel in repräsentativen Gebäuden.
Lustig wird es dann, wenn Hochhauskombinationen bewusst oder unbewusst ihre finanzielle Potenz ausstellen.


Von Westen betrachtet hat diese Kombination von Wolkenkratzern in den Docks eine deutliche sexuelle Komponente. In der Mitte befindet sich das 50-stöckige One Canada Square (236 Meter), der Steuerhinterzieher von British Land und wird vom HSBC Tower (45 Stockwerke, 200 Meter) und Citigroup Centre (auch 45 Stockwerke, 200 Meter) flankiert. Der sprudelnd-spritzende Springbrunnen im Vordergrund vollendet dann diese Allegorie auf die Virilität der virtuellen und Schatten-Wirtschaft.

In allen drei Gebäuden befinden sich erfolgreiche Spekulationsfirmen, welche wesentliche für die "legale" Steuerhinterziehung in Guernsey, Jersey, Cayman, British Virgin und anderen Orten, wo es mehr Investmentfirmen als Einwohner gibt, verantwortlich sind. Deren Briefkästen befinden sich auf den genannten Orten, doch die Geschäfte werden hier und in der City abgewickelt.


JP Morgan und Morgan-Stanley (auch in den Docks).

Die Skyline hat sich in den letzten 20 Jahren erheblich verändert. Mein Reiseführer zeigt eine abendliche Aufnahme, welche die eckigen Hochhäuser der ersten Ausbauphase östlich der City zeigt. Nun sind es andere Formen, aber vor allem andere Höhen. The Monument von 1677 mit seiner Aussichtsplattform in über 50 Meter Höhe bot noch am Ende des letzten Jahrhunderts die Möglichkeit zu einem Rundumblick auf das alte und das wachsende neue London bis in seine Vororte. Jetzt verdecken immer mehr Hochhäuser den Fernblick, auch wenn der Blick immer noch fantastisch ist und jede der 311 Treppenstufen wert ist.

Das weiter oben vorgestellte One Canada Square Gebäude in den Docks war seit 1990 das höchste Gebäude in England. Doch nun hat südlich der Themse The Shard (=Scherbe, Splitter) mit 310 Meter für 87 Etagen diesen Titel. Auch hier sind White Collar Criminals (genauer die Steuerhinterziehungsberater PricewaterhouseCoopers) die Hauptnutzer.
Der Wettlauf um die Titel "Höchste" oder "Imposanteste" Gebäude geht natürlich weiter. Auf der Nordseite der Themse wächst ein Gebäude, dass von der Form ein Gegenstück zu den Scherben ist. Es wird nach oben immer breiter.
Es handelt sich dabei um die Baustelle für ein "nur" 37-geschossiges Hochhaus mit einer geplanten Höhe von 160 Metern. 


Doch es hat bereits einen Spitznamen "Walkie-Talkie".
Noch weiter im Norden wächst "The Pinnacle" (=Höhepunkt) auf geplante 288 Meter Höhe.


Ach und es gibt einfach schöne, interessante Gebäude, wie das folgende kleine Hochhaus an der London Bridge mit seinem Stützpfeiler, der Luftaustausch zwischen Themse und Southbank fördert.

In London muss man seinen Blick erheben, um das Besondere zu sehen.

Dienstag, 4. Juni 2013

Evakuierung ohne Panik

Londoner sind cool!
Es war Sonntagvormittag und so früh, dass nur wenige offensichtliche Touristen zu erkennen waren. Ich fuhr zu einem Treffen und beim Umsteigen in der Station Charing Cross hatte ich das seltene Glück, dass mein Anschluss bereits im Gleis stand und ich mit der Beruhigung einstieg, dass ich pünktlich sein würde. Der Zug fuhr auch nach mehreren Minuten noch nicht los und es gab mal wieder so eine Durchsage, die nicht vom Band kam, und leider wie zu oft so unverständlich war, dass ich nach einem Versuch, den Inhalt zu verstehen, aufgab.
Der Spruch führte dazu, dass etwa die Hälfte der Passagiere, die offensichtlich die Ansage verstanden hatten, den Zug verließ. Von den Verbliebenen standen als Reaktion die meisten auf und folgten den anderen auf den Bahnsteig. Dort sah ich einen Bediensteten mit Funkgerät von Waggon zu Waggon gehen, der die verbliebenen Fahrgäste aufforderte, den Zug zu verlassen und schließlich wurden wir auch noch aufgefordert den Bahnsteig zu verlassen.

Die Ursache sah ich noch und war dann auch schnell zu riechen. Einen Waggon weiter vorne war ein wenig Rauch in Höhe der Deckenleuchten. Da hatte es wohl einen Kurzschluss mit folgenden Schwelbrand gegeben.

Die etwa 100 Personen gingen normal durch die Gänge bis zu den Rolltreppen, die zum Ausgang und zu den anderen Linien führen. Die Zugänge zur Northern Line waren bereits abgesperrt und den Reisenden wurden auf Nachfrage von einen weiterem Bediensteten alternative Routen zu ihren Zielen genannt. Zu meinem Ziel gab es keine Alternative und mir wurde gesagt, dass ich doch einfach warten möge, bis der betroffene Zug entfernt und der Verkehr mit den nächsten Zug wieder aufgenommen wird.

Dies geschah auch sehr schnell und es waren etwa nur zehn Minuten verstrichen, seitdem ich das erste Mal zum Gleis ging.
Das Bemerkenswerte an dieser Episode war
  • dass diese zehnminütige Unterbrechung dazu führte, dass die Bahnsteige der nächsten zwei Stationen überfüllt waren und
  • die Ruhe beim Räumen des Zuges und Bahnsteigs.
Als ich am Treffpunkt ankam und diese Geschichte erzählte, war die Reaktion einer finnischen Einheimischen, die Londoner sind cool und offensichtlich ist sie auch eine Londonerin.

London Fashion - Beobachtungen und Bemerkungen

Die vielen und langen Fahrten im Underground und in den Bussen sind die große Bühne des Lebens und wie sich die Menschen präsentieren, ist unterhaltsamer als viele Filme im Kino. Ich war am Vormittag, Nachmittag und Abend unterwegs und habe sicherlich viele hundert Menschen beobachtet und das Ungewöhnliche und Neue gesucht.
Touristen waren schnell zu erkennen. Wenn sie alleine oder zu zweit unterwegs waren, starrte oftmals mindestens einer mit suchenden und fragenden Blick leicht nach oben, um sich auf dem Linienplan zu vergewissern, dass sie in der richtigen Linie in die gewünschte Richtung fahren. Einheimische (egal welcher Nation) lesen Zeitung, befingern ihr Handy und sind cool.
Bereits im Championsleaguefinale war mir aufgefallen, dass einzelne Spieler von Dortmund (Marco Reuß, Jakub Blaszczykowski) eine Frisur trugen, die ich ohne den korrekten Namen zu kennen, als breiten Irokesen bezeichnen würde. Bis mehrere Finger über den Ohren sind die Haare sehr kurz, doch darüber verbleiben längere Haare, die auch in die Stirn fallen. So etwas habe ich gleich mehrmals noch in London gesehen und es war dann gleich extremer, so dass die Kopfhaut zu sehen war und es waren stets junge, hippe Männer. Dagegen war die punkige Variante für Frauen, mit rasierten Seite wohl eher eine Berliner Verirrung. In Berlin sah ich dies des öfteren, aber in London nur einmal und ob diese junge Frau eine Touristin war, konnte ich nicht feststellen.
In Deutschland haben viele junge Männer Ohrlochspreitzer (oder wie das auch immer szenetypisch heißen mag) und sowohl Männer wie auch Frauen sichtbare Tattoos und viel zu viele Lametta in der Lippe, Nase oder den Augenbrauen. Das habe ich zwar auch in London gesehen, aber es war sehr selten und mehrmals hörte ich, dass sich diese Menschen auf Deutsch unterhalten.
Hip und mir bisher nicht bekannt waren Oberteile in Neonfarben aus einem hauchdünnen zum Teil durchbrochenen Material, so dass die darunterliegende Wäsche (T-Shirt, BH) zu sehen ist. Diese fast schon leuchtenden Farben sind bestimmt eine Antwort auf die vielen Schutzwesten, welche sowohl viele Bedienstete der Tube, Bauarbeiter, Lieferwagenfahrer und andere Menschen, die im Kontakt-/Unfall-Bereich Verkehr-Mensch arbeiten, tragen.
Bei jungen hippen Frauen ist mir ansonsten noch aufgefallen, dass die Hot Pants zurück sind. Zu den extrem kurzen Hosen wurden offene weite Blusen getragen, so dass wenn so eine Frau an einem vorbeiging von hinten die Hose nicht zu sehen war. Und ich sah immer wieder junge Frauen mit ungewöhnlichen Fingernagelfarben. Leuchtend Blau. Lila oder Grün am Ende der Finger und ich meine jetzt nicht diese verlängerten Fingernägel.
Die genannten Mode-Trends (Frisuren Männer; Farben und Formen Frauen) sind sicherlich ein Teil der London Fashion und ich bin mal gespannt, wann Neon bei uns auftaucht.

Die Mysterien der Londoner Aussprache

sind ein Beispiel dafür, dass das Lernen der englischen Aussprache nicht reicht. Vokale haben eine neue Aussprache bekommen und Buchstaben oder ganze Silben werden verschluckt oder sind kreativ verschmolzen. Greenwich besteht nicht mehr aus den Silben Green und Wich. Der Lauf der Geschichte hat den Namen verschliffen und nun wird zwar weiterhin Greenwich geschrieben, aber Gre-nitch ausgesprochen.
Wenn ein Name auf ....ces-ter endet, wird scheinbar der ganze Name eingedampft. In London wird so aus Lei-ces-ter Square der Les-ter Square und die Station Gloucester Road wird zur Glos-ter Road. Es ist vermutlich bekannt, dass die Gewürzmischung aus Worchestershire Wustershire-Sauce ausgesprochen wird.
Und die Aussprache der Station Marylebone bleibt ein Rätsel. Ich meine stets Marlibone als Ansage gehört zu haben.
Auf diese Sprachverwirrung nun ein gutes Glas Bordo.
- - - - -
Siehe auch meinen Beitrag über ein Beispiel der Sprachvarianz in Norddeutschland am Beispiel des Dehnungs-C.

Untergrund und andere Bewegung in London

Die Entfernungen und die Zeit zu ihrer Überbrückung habe ich von meinen früheren Aufenthalten anders in Erinnerung.

Die langen Wege in den Stationen, der Wechsel von einer Linie zu einer anderen, das Warten auf die Anschlussverbindung und schließlich wieder der lange Weg um eine Station zu verlassen, bedeuteten stets mehr als eine halbe Stunde im Untergrund. Wenn dann auch noch Circle und Central Line verwechselt werden, dann dauerte es schon mal eine Stunde bis das Tageslicht wieder erblickt wird.
London Underground

Acht Jahre sind seit meinem letzten Aufenthalt in dieser Metropole vergangen. Die Veränderungen im ÖPNV sind bemerkenswert. Es wurde offensichtlich in die Gleise investiert. Langsamfahrten auf alten Strecken und Pannen waren diesmal nur eine Erinnerung an frühere Aufenthalte. Die Baustellen von 2005 bedienen nun als Jubilee Line sehr schnell den Nordwest-Innenstadt-Nordost-Verkehr.

Als ich den neuen Übersichtsplan von Transport for London in der Hand hielt, fiel mir sofort eine neue Linie auf: London Overground.
Kunst von David Shrigley auf den Plan von Feb. 2006
Dies ist aber keine Straßenbahn sondern eine Verknüpfung von ausgewählten, bestehenden Eisenbahnstrecken mit Stationen der Tube. London Overground ermöglicht eine Rundfahrt um die Innenstadt in der Verkehrszone 2. Da es deutlich weniger Haltestellen als bei der Tube gibt, ist dies eine gute und schnelle Verbindung zwischen Stadtteilen und den nach außen strebenden Linien der Tube.

Touristen sollten wissen, dass eine Fahrt mit der Overground nun wenig Blicke auf die Stadtteile ermöglicht. Es geht oftmals durch Gewerbegebiete. Wälle oder Lärmschutzwände begrenzen die Strecken. Hier gilt immer noch, dass ein Doppeldeckerbus mit einer einstelligen Nummer die kostengünstige Alternative zu den touristischen Bussen ist. Habe mal die Buslinie 6 für eine lange Strecke benutzt. Da ich bereits in der Mitte der Zone 2 zustieg war in der oberen Etage ein Frontsitz frei und ich hatte eine sehenswerte Fahrt von Maida Vale in die City.
In der langen Rush Hour ist vom Bus abzuraten. Da kann dann erlebt werden, dass auch schlendernde Fußgänger deutlich schneller sind.

Eine weitere Neuerung betrifft die Zweiräder. Barclays hat an sehr vielen Orten Leihstellen für Fahrräder errichtet. Diese wohl eher für Touristen interessante Form der Erkundung und die Räder der Einheimischen mischen sich an vielen Stellen mit den Straßenverkehr, aber es gibt auch Strecken, wo die Zweiräder bevorrechtigt sind. Ich kann mich gar nicht erinnern, ob ich überhaupt Fahrräder bei meinen vorherigen Aufenthalten gesehen habe, doch jetzt sind sie unübersehbar. Vor allem dort, wo an den Kreuzungen für Fahrräder Stellen direkt vor den Ampel markiert sind, damit dort die Räder in der Grünphase vor den Autos starten können.
Viele Autofahrer haben bloß noch nicht verstanden, was diese mit einem Fahrradzeichen markierten Bereiche für eine Bedeutung haben. Da sind die Autofahrer in London in guter Gesellschaft mit ihren Konservenfreunden in Hannover.

London Homestead Services

Einmal mehr rühre ich die Werbetrommel.

Seit 1994 nutze ich für meine London-Aufenthalte London Homestead Services. Damals musste ich noch via Fax kommunizieren und die Überweisung der Anzahlung über internationalen Bankscheck oder beim zweiten Mal via Kreditkarte war für meine Bank und für mich ungewöhnlich.
London Homestead Services vermittelt wie der Name andeutet, Unterkünfte in Haushalte in London. Es sind dies ungenutzte Zimmer in einer ansonsten genutzten Wohnung. Wer sich länger als für einen Shopping-Trip in der Metropole aufhält, wird dies als besonderen Komfort empfinden. Da es weder Hotel noch Hostel ist, hängt es auch vom Gast ab, ob ein Aufenthalt schließlich in angenehmer Erinnerung bleibt.
Meine erste mehrwöchige Unterkunft war zum Beispiel in Leyton bei einem britischen Paar, die in der ersten Etage ein Zimmer vermieteten. Frühstück wurde unten in der Küche eingenommen und einmal wurde ich abends zum gemeinsamen Filmabend eingeladen. Das Paar hatte von ihrer früheren Arbeit einen damals im privaten Umfeld unbekannten Beamer und so sahen wir einen TV-Spielfilm vergrößert auf das Format 2 x 3 Meter auf der Wohnzimmerwand.

Es gab und gibt beim London Homestead Services verschiedene Kategorien (und damit Preise). Die Kategorien sind zum Teil von der Entfernung zur Innenstadt abhängig. Leyton im Nordosten war zum Beispiel in der Verkehrszone 3 und entsprechend billig. Mein nächster Aufenthalt war dann in Belgravia hinter der Victoria Station in Zone 1 und entsprechend teuer, auch wenn die Unterkunft einfacher war, als das Zimmer in Leyton. Die Länge des Aufenthalts (ich war auch schon zweimal für mehrere Wochen in der Metropole) hat natürlich auch einen Einfluss auf das Angebot, dass einen gemacht wird.

Die Vermittlerin kassieren eine Gebühr und verlangen zusätzlich als Bestätigung des Vertragsabschlusses eine Anzahlung von etwas weniger als 10 Prozent.
Heutzutage ist die Transaktion so viel einfacher. Eine Angebotsaufforderung, ein Angebot per E-Mail, eine SEPA-Buchung vom Rechner und eine E-Mail und schon wird aus einem akzeptiertes Angebot eine Unterkunft. Nach der Ankunft ist dann die Gesamtzahlung für den gebuchten Zeitraum in bar zu zahlen.

Das zweite B in B+B kann sehr unterschiedlich ausfallen. Es wird ein kontinentales Frühstück geboten, aber dies kann im Extrem aus 2-3 Scheiben hellen Weizentoast (Nährwert knapp über 0), Orangenmarmelade und zwei Tassen löslichen Kaffee bestehen. In so einem Fall habe ich nach den Break"FAST", was ich hier mal als schnellen Aufbruch übersetze, auf meinem Weg wohin-auch-immer Kaffee und mehr in einem Café gefunden.
Doch es kann auch ein Frühstück mit Müsli, mehr Toast, verschiedenen Brotaufstrichen und vor allem richtigen Kaffee sein, wie nun wieder 2013 erlebt. Wie das Breakfast sein wird, kann erst vor Ort erfahren werden.
Schaut auf die Seite von London Homestead Services, dort könnte sich auch ein Angebot für euren nächsten Aufenthalt befinden.
Eine gute Bekannte hat bereits meine Empfehlung angenommen und war mit der Unterkunft in Chelsea sehr zufrieden. Indirekt sind dies also gleich zwei positive Berichte.

Wenn ihr nach London fahren wollt, lasst euch ein Angebot geben:
London Homestead Services
Ingrid di Palma
Tel.: ++44 (0) 20 72 86 47 16
E-Mail: info@lhslondon.co.uk oder ingrid.dipalma@btopenworld.com

Greetings to Mrs. di Palma if you contact her.

Freitag, 31. Mai 2013

Meine Unterkunft von London Homestead Services

London Tube, Maida Vale Station
Diesmal also City of Westminster; die Unterkunft ist nur zwei Stationen von Paddington entfernt, aber hier ist es bereits ruhig. Von Maida Vale war es noch mal einen Kilometer entlang dreigeschossiger Reihenbebauung bis die kurze Nebenstraße erreicht wurde. Die Wohnung befindet sich in "Bremer Lage", also eine halbe Etage unter dem Straßenniveau.
Britischer Wasserhahn, Cold Britain
Begrüßt wurde ich von einer älteren Frau, die mir mein Zimmer mit großem Doppelbett und Blick auf den grünen Hinterhof zeigte.

London Homestead Services (siehe meine folgende Werbung für diesen Service) ist ein B+B Vermittler, der wirklich private Unterkünfte anbietet. Ich nutze den Service das 4. oder 5. Mal und bisher war es stets so, dass in einem Haushalt ein und maximal zwei Zimmer für Gäste bereit gehalten wurden. Zimmer oftmals mit den Charme der 70-er oder 80-er Jahre. Hier war es anders.
Nach der Bezahlung (£32,-b+b) erfuhr ich, dass diese Unterkunft nur für Gäste ist (es gibt ein weiteres Schlafzimmer) und wenn nicht kurzfristig jemand bucht, ich alleine hier wohnen würde.

Die nicht existierende Isolierung älterer, englischer Häuser kenne ich von meinen früheren Aufenthalten, aber es blieb am Abend und in der Nacht ruhig und das lauteste Geräusch was ich hören konnte, war ein meckernder Vogel im Hinterhof.
Diese Ruhe und das sehr gute Bett sorgten dafür, dass ich in einem fremden Haus, in einem fremden Bett sehr gut Schlafen konnte. Für mein morgendliches Frühstück standen mir drei verschiedene europäische Marmeladen, Kaffee und Müsli zur Verfügung. Endlich mal ein kontinentales Frühstück in England in einer B+B-Unterkunft, das diesen Namen verdiente und mich nicht dazu zwingt, nach den Frühstück erst einmal irgendwohin zum Frühstücken zu fahren.

Anreise nach London

Die Blumen gewässert, reichlich Stullen geschmiert und schon ging es zu einer Zeit zum Bahnhof, wo ich sonst noch schlafe, döse oder maximal das Kaffeewasser anstelle.
Die Spuren des Dauerregen waren hinter Hannover auf den Feldern und Wegrändern zu sehen. Das Wasser staute und junges Getreide ließ Assoziationen von Reisfelder aufkommen. Das Hochwasser hat sich bereits weit aus dem Starkregengebiet im südlichen Niedersachsen bewegt und an der Porta war die Weser über die Ufer getreten und in der Aue zeichneten sich alte Wasserwege ab. Der Kaiser war in den tiefen Wolken verschwunden, aus denen es immer wieder nieselte.
Bis Köln war es ein ICE, der immer wieder die aktuelle Reisegeschwindigkeit anzeigte. Es wurden zwischenzeitlich 200 km/h erreicht und Bahnhöfe wurden mit mehr als 120 km/h passiert. Da ich die Strecke erst vor wenigen Tagen gefahren bin, ließ ich die Landschaft, Landschaft sein und vertiefte mich in meine taz.

Die Bedeutung des Bahnhofs Hannovers wurde mir in Köln bewusst. Dort ist zwar das "Shopping Erlebnis Bahnhof" scheinbar größer (Hannover hat dafür zwei Etagen und so wirkt es nicht so groß), aber der Bahnhof ist deutlich kleiner und in der halbstündigen Wartezeit erlebte ich nie diese Menschenmassen, die in Hannover von Gleis zu Gleis drängen.
Hinter Köln waren in zwei Gruppen die Kühltürme der Kohlekraftwerke neben den Tagebauen zu sehen. Die Wände von Wasserdampf vereinigten sich früh mit den niedrigen Wolken.
In Aachen stiegen zwei grimmige Polizisten der belgischen Polizei ein und gingen langsam durch den Großraumwagen, Reihe für Reihe alle Passagiere taxierend. Ich frage mich, wer schmuggelt was von Deutschland nach Belgien?

Belgien erinnerte zunächst an die Schweiz. Die Fahrt ging von Tunnel zu Tunnel und dies waren zum Teil sehr lange unterirdische Strecken. Doch außerhalb der Tunnel waren weder Berge noch Hügel zu sehen. Es wurden nur Autobahnen und andere Hindernisse auf dieser Schnellstrecke unterquert. Endlich einmal ein Beispiel für vernünftige Planung. Überlandleitung, Bahnanlage und die Autobahn liefen über eine lange Strecke parallel. Dann kam ein nicht enden wollender Tunnel, der direkt am Ortsrand von Lüttich aus einer Hügelkette kam.
Liège-Guillemins / Lüttich. Was für Bahnhof! Das ist Moderne wie aus einem Bildband.

Lese im Zugbegleiter, dass in Brüssel mindestens 45 Minuten für das Check-In in den Zug nach London eingeplant werden muss. Eine Information, die ich gerne beim Kauf meines Tickets bekommen hätte. Kein Stress, jetzt wusste ich wenigstens, warum mir ein Ticket ausgestellt wurde, dass einen Aufenthalt von 80 Minuten in Brüssel verzeichnet. Für mich war das eine Beruhigung, da die Langstreckenzüge insbesondere mit ICE eine Tendenz zu erheblichen Verspätungen haben.

Vor Leuwen ein Farbfleck, auf den kugelförmigen Tank eines Wasserturms war ein riesiger Globus gemalt.
Brüssels Moderne mit ihren Hochhäusern war mir fremd. Im Studium waren wir einmal für ein paar Tage in der europäischen Hauptstadt. Das ist nun auch bereits 25 Jahre her und die Gebäude die ich vom Zug sah, sahen deutlich jünger aus.
Eine Alumna berichtete letztes Jahr von der extremen Segregation in der Stadt. Es gibt demnach verarmte Bezirke zum Beispiel um die Station De Brouckere und allgemein in Molenbeek, die stark von nicht-europäischen Zuwanderern geprägt sind als ein Extrem und den EU-Bubble um den Robert-Schuman-Platz und die östlich davon gelegenen Wohngebiete der mehreren tausend Menschen, die für die EU und die Lobbyorganisationen arbeiten als anderes Extrem.
Vor dem Erreichen von Bruxelles Nord war ein mehrgeschossiges Gebäude mit zerstörten Fensterscheiben zu sehen und bis wir unser Ziel erreichten sah ich sogar ein Haus mit äußeren Brandschäden, das aber offensichtlich bewohnt war.

Der Umsteigebahnhof nach London heißt Bruxelles Midi, von den aber einige Bahnsteige als Bruxelles Zuid beschriftet waren. Im Bahnhof waren schnell die Schilder zum abgesperrten Bereich des Eurostar zu finden. Das Check-In kenne ich sonst nur von Flughäfen. Erst ein Ticketkontrolle, dann die belgische Polizei, welche die Pässe kontrolliert.
YOU ARE LEAVING EUROPE!

An der nächsten Barriere kontrollierte britische Polizei das Ticket und meinen Pass und schließlich gab es noch eine Sicherheitsüberprüfung von Gepäck und Personen inklusive dem Ablegen des Gürtels. Alles endete in einer Lounge wie sie aus Großflughäfen bekannt ist, nur hier ohne Durchgang, da es nur zu zwei Gleisen führt.
Das Check-In dauerte vielleicht 10 Minuten und dann musste ich in der verratzten Lounge mehr als eine halbe Stunde warten. Diverse Sitze waren aus ihren Haltung heraus gebrochen und andere könnten wirklich mal gründlich gereinigt werden.
Bruxelles, Eurostar, Lounge
Kurz vor der Abfahrt wurden zwei Zugänge zum Bahnsteig geöffnet. Der Eurostar ist ein wirklich langer Zug mit 18 Waggons und die Zugänge -sortierten uns Passagiere- nach den den Nummern der Waggons. Ich war im Waggon 1 mit einem Fensterplatz nach Norden.
Abgegriffene, zum Teil ausfransende Sitzbezüge. Deutlich besserer Sitzkomfort als jedes mir bekannte Flugzeug und natürlich große Fenster, doch verglichen selbst mit einem alten IC unter dessen Standort.

Eine Banalität hatte ich zunächst vergessen. Als ich in Brüssel noch einmal auf mein Ticket schaute, wunderte ich mich, dass die Ankunft in St Pankras bereits eine Stunde nach der Abfahrt sein sollte. Da wurde glatt vergessen, dass wir auch die MEZ verlassen und die Ankunft natürlich in GMT angegeben war.
Die Mehrsprachigkeit der Durchsagen gefiel mir. Nederlands, English und Deutsch kenne ich von der niederländischen Teilstrecke des Amsterdam-Berlin-IC, nach dem Passieren der Grenze geht es dann nur noch bilingual weiter. Zwischen Aachen und Lüttich waren die Ansagen viersprachig und die Informationen waren nicht vom Band, sondern eine Stimme gab nacheinander Informationen in Deutsch - Nederlands - Francaise - English.
Ab Brüssel fiel dann das Deutsch weg und die merkwürdige Aussprache verwies auch eher auf Flams als auf Nederlands. Bekannte niederländische Worte in dieser fremder Aussprache erschwerten das Verständnis.

Bis London gibt es nur einen Stopp in einer Tunnelstation in Lille. Vorher waren mehrere 6-8-geschossige Wohnhäuser, die wie Schmeißfliegen schimmerten, zu sehen. Dies erinnerte mich an Gebäude im Industrieviertel von Deventer.
Deventer, Bürogebäude
Um 16:02 MEZ fuhren wir in den Tunnel ein. Da es vorher schnurgerade ging, war die Einfahrt nur durch die Verlangsamung des Zuges, dem Passieren eines Bahnhofs "Calais -..." und einem kryptischen Hinweisschild, dass mit abnehmender Meterangabe etwas ankündigte, zu erwarten.

Im Tunnel gab es zunächst schwankende Geschwindigkeiten, doch dann war scheinbar das Optimum erreicht und uns begleitete nur noch ein monotones Geräusch. Im Tunnel waren mehrmals über lange Strecken schwach beleuchtete Wege in Höhe des Fenster zu sehen. Eine Stange trennte diese Wege von den Gleiskörper. Sind das die Fluchtwege bzw. Schutzbereiche?

Nach zwanzig Minuten Dunkelheit verlangsamte der Zug merklich. Wie erwartet war dies das Tunnelende und um 15:23 GMT waren wir in England.Das dunkle Loch wurde verlassen, doch die Reise entbehrt nicht einer gewissen Irrationalität. (...) [Vollständiger Tagebucheintrag nur auf Nachfrage]

Der Süden Englands leuchtete immer wieder leuchtend gelb. Der Raps blühte, wenn auch zum Feldrand hin die Zahl der Blüten abnahm. Der Zug war nun auf Höchstgeschwindigkeit. Wir passierten abnehmende Kilometerzeichen und ich stoppte die Zeit. Ein Kilometer in etwas weniger als 15 Sekunden, also mehr als 240 km/h.
Es ging wieder durch viele Tunnel und nach den letzten Tunnel waren bereits die Hochhäuser östlich der Innenstadt und der Bahnhof zu sehen. LONDON.

London Calling

Die Entscheidung nach London zu reisen, hatte u. a. therapeutische Gründe. In dunklen Zeiten tat es mir besonders gut, mich auf ein Ereignis zu freuen.
Ich habe einige touristische Ziele im Auge und diverse Orte, die ich wieder besuchen möchte. Ich freue mich auf die "echte" indische Küche und darauf mit einer oder sogar zwei Alumni einige Stunden mit anregenden Gesprächen zu verbringen. Ein Freundin hat vier Wünsche geäußert und selbst möchte ich auch ein wenig Shoppen.
Am Beginn meiner konkreten Planung war ein Besuch der Gräber von Douglas N. Adams und dem alten Charlie vorgesehen. Die Recherche ergab, dass beide auf demselben Friedhof liegen und das dieser als historisches Monument für den freien Besucherverkehr gesperrt ist. Nur in organisierten Führungen (£12!) von etwa einer Stunde darf man sich dort bewegen. Wie soll ich mit diesen Einschränkungen den Herren meine Referenz erweisen.
Bunhill Fields London, Friedhof Daniel de Foe
Wir haben auch Prominenten-Friedhöfe und letzten Herbst stand ich vor den Gräbern von Bert Brecht, Heinrich Mann, Rio Reiser und der Gebrüder Grimm - um nur einige Namen zu nennen. Doch unsere Friedhöfe sind kostenfrei.
Der kleine November im Mai ist auch für vier der fünf Tage in London angekündigt. Bewölkt, niedrige Temperaturen und eine hohe Regenwahrscheinlichkeit. Das sind die seltenen Momente, wo ich mir wünsche, dass die Fehlerquote der Vorhersagen höher ist. Plastikregenjacke, Schirmmütze (um die Gläser trocken zu halten) und Regenschirm begleiten mich auf der Reise.

Samstag, 25. September 2010

Robert Fripp Soundscape 1996

Wenn ich Texte schreiben, ist im Hintergrund Musik zu hören, die als meditativ bezeichnet werden kann, aber nicht als solche firmiert. Es ist oftmals der Ambient Sound von Brian Eno, der mich dann wiederum an ein „Konzert“ (?) mit Robert Fripp erinnert.

Im März 1996 war ich für Forschungsarbeiten in London und am zweiten Wochenende fand in der Royal Festival Hall eine Tagung zur New Music/New Media statt, auf der auch Peter Gabriel sein sollte. Es war dieser Name, der mich zur Southside lockte. Der Teilnahmebeitrag erschien mir prohibitiv und so verzichtete ich darauf in den Konferenzsaal zu gehen und hörte stattdessen dem Musiker zu, der umgeben von Computern im Foyer experimentierte. Erst durch ein Plakat erfuhr ich, dass dies Robert Fripp der Kopf der ProgRock-Band King Crimson war.

Robert Fripp baute mit seiner Gitarre und diversen Hall-, Loop- und anderen Geräten in vielen Schritten das von ihn so genannten Soundscape auf. Er nahm nacheinander diverse Akkorde auf unterschiedlichen Geräten auf, die er jeweils individuell veränderte und diese Samples dann übereinander legte, wobei einige aufeinander durch Rückkopplungen reagieren und andere langsam ausklangen. Das Einspielen der Samples dauerte jeweils mehrere Minuten und der Sound wurde dabei immer komplexer. Dann war zu sehen, dass Robert Fripp mit dem Ergebnis zufrieden war. Er hängte die Gitarre ab, verließ durch eine Lücke zwischen den Geräten seinen Arbeitsplatz und verschwand. Er kam mit einem dampfenden Kaffee oder Tee wieder, hörte sich sein Soundscape an, setzte sich wieder an seinen Arbeitsplatz und ließ den Sound ausklingen.
Und dann begann er wieder Schritt für Schritt ein Soundscape zu konstruieren.

Der Klang erinnerte mich damals, wie mein Tagebuch verzeichnet, an die mir bis dahin bereits bekannte Meditationsmusik von Georg Deuter (Silence is the Answer, 1980) und den Minimalismus von Philip Glass (Koyaanisqatsi, 1983). Brian Eno war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.

Das Wort Konzert habe ich zu Beginn in Anführungszeichen und mit einem Fragezeichen versehen, da dieses Event, dass ich damals erlebte, viele Stunden dauerte. Eine kurze Notiz von damals sagt mir, dass ich alleine fast fünf Stunden Robert Fripp und sein Soundscape erlebte.