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Sonntag, 10. März 2019

Wahlprognose Europaparlament Grüne Fraktion

Es gibt eine neue Webseite, welche die Prognosen für die Wahl zum Europa-Parlament zusammenführt.
https://europeanelectionsstats.eu
Mich interessiert eigentlich nur, wie sich die künftige Fraktion Grüne/Europäische Freie Allianz zusammensetzt. Zur Zeit hat diese Fraktion 52 Mitglieder, wovon 41 Mitglied einer Partei sind, die sich in der Europäischen Grünen Partei zusammengeschlossen haben.
52 Mitglieder aus 27 Parteien (plus zwei parteilos) aus 18 Ländern.

Nach der aktuellen Prognose von Mitte Mai wird die neue Fraktion sich nur noch aus 49 Mitgliedern aus 14 Ländern zusammensetzen.



Bisher Prognose
Belgien 2 4
Dänemark 1 1
Deutschland 13 20
Estland 1 0
Finnland 1 2
Frankreich 6 6
Italien 1 0
Kroatien 1 0
Lettland 1 1
Litauen 1 3
Luxemburg 1 1
Niederlande 2 3
Österreich 3 1
Slowenien 1 0
Spanien 5 3
Schweden 4 2
Ungarn 2 1
Vereinigte Königreich 6 9
GESAMT 52 49
Bulgarien, Griechenland, Irland, Malta, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Tschechien, Zypern von 0 zu 0.

Ich habe verzichtet Malta und Zypern auf der Karte darzustellen, da in diesen Ländern wie auch in den grau dargestellten Ländern grüne Politik keine Chance hat.
Erfolgreiche grüne Parteien gibt es eigentlich nur im zentralen Westeuropa und Finnland. Die litauische Bauernpartei ist nur den Namen nach auch eine grüne Partei.
Das macht das ungewöhnliche des EU-Parlaments aus. Ohne Hürde erhalten viele Parteien einen Sitz im EU-Parlament.
Ich werde weiterhin die Webseite auswerten und diesen Beitrag aktualisieren oder weitere Beträge daraus erstellen.

Freitag, 20. November 2015

Deutschland - Niederlande 0 : 0

17.11.2015. Beobachtungen auf dem Weg zu einem Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen die niederländische Elftal im Niedersachsenstadion.

Kurzfristig hatte ich eine Freikarte geschenkt bekommen und mit einem Freund und seinen Kollegen trafen wir uns in einer Gastwirtschaft, um dann als größere Gruppe zum Spiel zu gehen. In den vier Tagen seit dem Terroranschlägen in Paris war es zunächst nicht sicher, ob das Spiel stattfinden soll. Eine Absage des Spiels wäre im Interesse der Terroristen, da damit die Angst vor dem Terror offensichtlich auch uns erreicht hätte.
In der Stunde in der Gastwirtschaft blickte ich durch die großen Fenster auf den Friedrichswall, auf dem sich langsam das Verkehrschaos der unbelehrbaren Autofahrer entfaltete. Unterbrochen wurde dieses Stop+Go alle paar Minuten durch Blaulicht, wenn wieder mal eine Kolonne von kleinen Polizei-Mannschaftswagen sich ihren Weg Richtung Stadion bahnten.
Anderthalb Stunden vor dem Anpfiff machten wir uns auf den etwa einen Kilometer langen Fußweg zum Stadion. Vor der Gastwirtschaft stand auf ein Busspur ein Sonderbus mit dem Ziel Stadion, der aber leer war. Als wir als Gruppe losgehen wollten sprach uns ein Mann an, der sagte, dass das Spiel abgesagt sei. Er sei gerade mit diesem Bus gekommen und der Busfahrer hatte dies gesagt und alle Passagiere zum Verlassen des Busses aufgefordert.
Keiner mochte dem Mann glauben und die Mehrheit zückte ihr Smartphone und suchte nach weiteren Informationen im Internet. Es fand sich zunächst keine Bestätigung. Eine Seite berichtete über einen leeren Koffer, dessen Harmlosigkeit aber bereits wenige Minuten später festgestellt wurde.
Wir brachen auf. Auf der anderen Straßenseite kamen wenige Menschen aus der Richtung vom Stadion. Kurz bevor wir den Maschteich sehen konnte versperrte ein Pulk von Menschen unseren Weg. Aus dieser Gruppe kamen immer wieder Menschen, die an uns vorbeigingen und nüchtern sagten, das Spiel ist abgesagt. Die Polizei versperrte weiträumig den Zugang und forderte zur Rückkehr auf.
Wir standen zusammen, die Mehrheit konsultierte ihre Smartphones und widersprüchliche Informationen wurden halblaut vorgelesen.
Dann eben kein Fußball. Mir fiel auf, dass alle, aber auch wirklich alle ruhig blieben. Nicht nur in unserer Gruppe, sondern auch die Menschen, die an uns vorbei sich vom Stadion entfernten. Es war kein Fluchen zu hören oder irgendein Zeichen von Sorge oder Angst. Ich sah einige telefonieren und aus den Gesprächsfetzen war zu erahnen, dass die vorzeitige Heimkehr angekündigt wurde.
Wir gingen zurück in die Gastwirtschaft. Dort wurde nach kurzer Zeit eine Leinwand heruntergefahren und eine Live-Schaltung eines TV-Senders von der Pressekonferenz mit unseren Innenministern (Bund und Niedersachsen) und dem Polizeipräsidenten gezeigt. Da hörte ich die merkwürdige Worte von T.d.M., der uns beruhigen wollte, aber nichts sagen wollte. Erst sein Nachsatz "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern" förderte die Verunsicherung.

Hoffentlich wird das Freundschaftsspiel gegen die Niederlande auch im zweiten Versuch in Hannover stattfinden. Ich würde mich freuen, ins Stadion zu gehen.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Warten in Schiphol

Nicht endende Langeweile. Es ist egal, wie der Flughafen heißt. Wenn die Aufenthaltszeit eine zeitliche Grenze überschreitet, ist es langweilig. Die Szenen wiederholen sich und die Ansagen können mitgesprochen werden, auch wenn es ungewöhnliche Ansagen sind.
"Passenger ... (Nachname) to ... (Flugziel). You are delaying the flight. Immediate boarding or we proceed to offload your baggage" 
Und dann gibt es die Menschen, die zwar eine Abwechslung bringen, sogar bedingt unterhaltsam sind, aber eher zum Kopfschütteln führen.
Der zentrale niederländische Flughafen Schiphol bei Amsterdam hat angenehme Orte, darunter auch einen Bereich, der mit seinem vielfältigen Grün und einem kleinen Einkaufspavillon davor, viele Geräusche der vorbei eilenden Passagiere schluckt und damit einen Ruhebereich schafft. Hier dösen und schlafen Transitreisende (wie ich auch einer war), aber einige denken scheinbar, dass dies auch ein Versteck für ihr Gepäck ist und die Dösenden schon dafür sorgen, dass niemand ihr Gepäck entfernt.

Ich saß in einem bequemen Sessel und hatte nicht beachtet, dass in meiner Nähe Handgepäck auf einen anderen Sessel aufgestapelt war. Eine Sicherheitskraft kam und fragte systematisch einen nach den anderen, ob das Gepäck uns gehört oder ob wir wissen, wen es gehört. Nur eine Frau war bereits lang genug in diesem Bereich gewesen, um sich daran zu erinnern, dass die Passagiere bereits vor längerer Zeit weggegangen waren.
Da der Mann vom Flughafen auch mich fragte, erlebte ich alles wie im 1970-er Werbespruch "Live und in Farbe" (Olympia 1972 oder Fußball-WM 1974). Er wartete kurze Zeit und hielt Ausschau. Da nichts passierte, sprach er erst über Funk mit einer Kollegin, dann mit der Frau, die ihn den Hinweis gegeben hatte. Sie möge doch bitte die Passagiere informieren, dass deren Handgepäck bei der Flughafen-Sicherheit zu finden sei. Sprach 's, nahm die vier Teile und verschwand.

Nach etwa einer halben Stunde verschwand auch die angesprochene Frau und nicht lange danach kamen zwei italienisch sprechende Männer und vermissten ihr Handgepäck. In Zeichensprache wollten sie von mir erfahren, ob ich wüsste, wo ihr Gepäck ist. Ich sprach langsam Englisch, gewann aber schnell den Eindruck, dass die beiden nur sehr wenig verstanden und selbst noch weniger sprachen. "Sicurezza" und ein Fingerzeig nach unten war ihre fragende Entgegnung, die ich durch ein Nicken bestätigte. Die beiden Männer verschwanden.
Nur wenige Minuten später kamen drei Italienisch sprechende junge Menschen, nahmen in meiner Nähe Platz und verschwanden nach wenigen Minuten ohne ihr Handgepäck mitzunehmen.
Ist das so üblich in Italien?
Wieder hörte ich die Durchsage "Passenger ... (Nachname) to ... (Flugziel). You are delaying the flight. Immediate boarding or we proceed to offload your baggage". Erst nach dem vorherigen Erlebnis merkte ich, dass diese Durchsage regelmäßig zu hören war. Es waren stets andere Namen, aber sehr viele von ihnen klangen Italienisch.

Da ich kein Interesse hatte, noch mal eine Gruppe in ihrer Sorglosigkeit zu unterstützen, suchte ich mir einen neuen Ort, um den Rest meiner mehr als fünf Stunden im Transit zu verleben.
Der beschriebene Ruhebereich ist wirklich ungewöhnlich und so etwas hatte ich in dieser Form vorher und seitdem an keinen anderen Flughafen gesehen. Es gab sogar einen Ausgang zu einer Dachterrasse. Im künstlichen Grün waren an der Decke Lautsprecher versteckt aus denen Vogelgeräusche abgespielt wurden. Neben den von mir benutzten bequemen Sesseln gab es auch Plattformen mit übergroßen Granulatsäcken, auf die man sich legen oder setzen konnte. Und nirgendwo blinkende oder sonstige Werbung.

Schiphol hat einen wirklich angenehmen Ort für Transit-Passagiere.

Sonntag, 14. April 2013

Scherzgeschenke

In der Niederlande gibt es die Tradition, dass Geschenke an Erwachsene zu Weihnachten oder zum Geburtstag einen ironische Note haben.
Was habe ich nicht schon alles geschenkt bekommen:
  • Royale Devotionalien (Kaffeebecher, Niederländische Flaggen) zum Thronjubiläum oder zur Hochzeit des Thronfolgers (ich bin Republikaner)
  • Plastikbecher mit der US-Fahne (ich bin ein Kritiker des American Way of Life)
  • ein Batterie betriebenes fliegendes Schwein (ich bin Atomkraftgegner und es gab einmal eine Greenpeace-Kampagne "pigs can fly, earth is flat and nuclear energy is safe")
Neu in die Sammlung der Scherzgeschenke kam vor Weihnachten in Heidelberg beim EKNT eine Zitronenpresse.
 
Sie funktioniert und es war eine Freude zwei halbe Zitronen auf "Das Merkel" zu drücken und drehend den Saft zu gewinnen. Da passte die Grimasse der Figur.
Lieber Istvan, noch einmal vielen Dank für das Geschenk!

Samstag, 6. Oktober 2012

Nachbar Niederlande - Kiffen

Wie oft mag dieses Auto bereits von deutschen Touristen fotografiert wurden sein?

Eigentlich soll man keine Witze über Vor- oder Familiennamen machen. Mir wurde gesagt, dass dies ein Familienname sei, doch das diese Firma aus Deventer dann auch noch im Bereich Kurier- und Transportdienste tätig ist, ist wirklich ein Witz.
Die Firma bietet ihre Dienste mit 6 Transportern nur in der Niederlande an.
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Übrigens, in der Niederlande heißt das entsprechende Verb blowen. Kiffen kam über das Englische vom arabischen كيف, kaif (=Wohlbefinden) ins Deutsche.

Montag, 24. September 2012

Facebookparty in Haren, Groningen - NL

Wappen von Haren
Nun also auch in der Niederlande.
Am letzten Wochenende wurde in Haren die 1. Facebook-Party des Landes "gefeiert". Es gab schon viele Facebook-Partys in verschiedenen Ländern und stets gab es schwere Sachbeschädigung und zum Teil Körperverletzungen. Dieses Erfahrungswissen scheint nicht überall in den Niederlanden angekommen zu sein.

In der Regionalzeitung de Stentor schreibt Prof. Jan Brouwer von der Rijksuniversiteit Groningen (Openbare Orde en Veiligheit), dass man eins niemals tun sollte: Einen Facebook-Aufruf zu einer Party unterschätzen. Selbst wenn nur 10 Prozent derjenigen erscheinen, die auf Facebook sich ankündigen, können dies immer noch Tausende sein. "Mensenmassa en alcohol is een dodelijke combinatie". (Leider kann ich nicht direkt auf den Artikel verweisen, da de Stentor nur ausgewählte Artikel online zeigt, ich zitiere aus der Papierausgabe vom 24.09.2012)

Ein Mädchen hatte zum 16. Geburtstag eingeladen und seit Wochen organisierten sich für das "Project X Haren" im Facebook und anderen digitalen Medien junge Menschen. Organisiert meint hier u.a., es gab Teilnehmer, die hatten extra T-Shirt für diesen Tag drucken lassen. Am Geburtstag wurde sogar über eine digitale Radiostation (3fm.nl) von einem DJ dazu aufgerufen, in einen Zug zu steigen und diese Party zu erleben. Und selbst auf den öffentlich-rechtlichen TV (De Wereld Draait Door auf Nederland 3) gab es eine positive Vorberichterstattung mit Live-Schaltung zum Beginn der dann noch friedlichen "Party".

Haren ist ein südlicher Vorort von Groningen und in wenigen Minuten von dieser Großstadt mit dem Fahrrad zu erreichen. Polizeiinterne Quellen sagen bereits, dass seit drei Wochen Krawall erwartet wurde, aber nicht weiter groß mobilisiert wurde. Die Situation wurde also unterschätzt.

Und so kam es dann auch. Alkohol, viel Alkohol floss durch tausende von Jungmänner-Kehlen und mit dem steigenden Alkoholpegel begannen einige die zunächst zu wenigen Polizisten anzugreifen. Fahrräder und andere Objekte wurden geworfen. Eine Gruppe warf die Fensterscheiben eines Albert Heijn Supermarkts ein und es kam zur Plünderung, um weitere Getränke und Zigaretten zu bekommen. Erst danach begannen Einsatzkräfte mit den Zurückdrängen und der Verhaftung einzelner Teilnehmer. Es eskalierte weiter, Autos wurden umgekippt und angezündet. Der Sachschaden geht in die Millionen.

Die Öffentlichkeit diskutiert nun, wie es so weit kommen konnte. Die Polizei und Verwaltung hat nicht so einen Krawall erwartet. Die Verwaltung hat in ihrer Naivität Straßenschilder abgebaut, weil sie dachten, dass würde die Menschen verwirren. Die digitale Welt mit ihren Stadtplänen und Luftbildern auf Smartphones ist in den Köpfen der Verwaltung noch nicht angekommen. In der Zeitung war zu lesen, dass es nur wenige Straßen von Groningen nach Haren gibt, doch es gab keine Kontrollen.
Hier ist mal wieder der Graben zwischen der digitalen und der nicht-digitalen Welt zu sehen. Es mag zwar fast die Hälfte der Bevölkerung Mitglied bei Facebook oder hier in der Niederlande bei Hyves sein, aber eine übergroße Mehrheit tut Facebook, Twitter und andere als Spielerei ab, wie ich immer wieder in fast allen Gesprächen mit Menschen über 40 Jahren erlebe.

Bei diesen "Partys" geht es nicht um eine Feier, sondern um "Action", ob nun als Aktiver oder als Gaffer. Es handelt sich um einen Bruch des Landfriedens und damit sind genügend  Möglichkeiten vorhanden, um eine Eskalation einer "Party" zu verhindern. Das es eine große Gruppe von Jungmännern gibt, die eine Definition von Spaß haben, die Zerstörung und Angriffe auf Personen (oftmals Sicherheitskräfte) umfasst, sollte über die letzten Jahrzehnte allen Verantwortlichen in den Behörden bekannt sein.
Dies gilt für die Niederlande und sicherlich für Deutschland.

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Quellen:
NRC Redeloze idioten, drang tot vitaliteit: speculatie over de oorzaak van Haren
de Stentor Haren: 'Politieleiding heeft gefaald'
Süddeutsche Millionenschäden nach 'Facebook-Party'

Nachbar Niederlande - Knackwurst

Anglizismen insbesondere Schein-Anglizismen (Handy, Beamer, etc.) sind im Deutschen lustig bis ärgerlich. Bei unserm Nachbarn habe ich im Supermarkt ein Lehnwort aus der deutschen Sprache (Germanismen) gefunden.
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Quellen: Wörterbuch der Gebrüder Grimm, Albert Heijn Supermarkt

Montag, 2. Juli 2012

Abrahamstag = 50. Geburtstag

Nachdem ich zum Abrahamstag eingeladen habe, sollte der Name vielleicht erläutert werden.
Im Neuen Testament der Bibel wird im Johannes-Evangelium im Kapitel 8, Vers 48-59 ein Streit im Tempel zu Jerusalem zwischen den Schriftgelehrten und Jesus erzählt. Dabei stellen die Gelehrten die Fragen: "Du bist noch keine fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?" (Joh.8,57)

Die Fünfzig steht hier nicht für das vollendete 50. Lebensjahr, sondern ist ein Ausdruck für das Erreichen einer bestimmten Reife.

Volkskultur und hier vor allem niederländische Traditionen haben den 50. Geburtstag zum Abrahamstag gemacht.
In der Niederlande mit seinen zum Teil ironischen Traditionen (Scherzgeschenke an Erwachsene zu Weihnachten) wird am 'Abrahamsdag' dem männlichen Geburtstagskind vor sein Haus eine sehr große Figur gestellt, die Abraham darstellen soll. Einer Frau wird eine Figur, welche Sarah - die Ehefrau von Abraham - darstellt, vors Haus gestellt.

So kann man sein Alter nicht verstecken.

Da die Bibel dem Alter von Sarah keine Bedeutung beimisst, ist hier deutlich zu erkennen, wie sich ein Spruch aus der Bibel von seiner eigentlichen Geschichte emanzipiert hat. Es ist eine erfundene Tradition, wie fast alle sogenannte Traditionen.
In den Niederlanden wurden Abraham und Sarah zu Festtagen durch die öffentlich gefeierten 50. Geburtstage von Königin Juliana (30. April 1959) und Prinz Bernhard (29. Juli 1961). Damals etablierten sich diese Namen und seitdem wird dieser Geburtstag in der Niederlande von vielen Menschen als Abrahams/Sarah-Tag gefeiert.

Diese erfundene Tradition wurde über die Jahre erweitert. Der 60. Geburtstag heißt nun Isaak- bzw. Elisabeth-Dag, der 70. Geburtstag ist der Jacob- bzw. Anna-Dag, der 80. Geburtstag der Jozef- bzw. Deborah-Dag, der 90. Geburtstag der Antonius- bzw. Ruth-Dag und schließlich erhielt der 100. Geburtstag den Beinamen Methusalem- bzw. Judith-Dag.

Quellen: Erzählungen der Familie, Bibel und www.abrahamsara.nl

Donnerstag, 25. November 2010

Etymologie Moffen = Deutsche

Aus gegebenen Anlass:

In der Niederlande ist Moffen eines von mehreren Schimpfwörtern für die Deutschen.
Nach de Vries/de Tollenare wird dieses Wort erstmals 1581, also während des 80-jährigen Spanisch-Niederländischen Kriegesieses, als Bezeichnung für Deutsche verzeichnet.
Es ist wahrscheinlich ein Lehnwort aus der Sprache deutscher Soldaten, denn diese bezeichneten mit einem Muff einen Griesgram, Brummbär, eine ungehobelte Person. Eine ähnlich Bedeutung hat auch das altfranzösische moufle (Erstbeleg 1536 = Schnauze).
Deutsche Söldner bezeichneten untereinander einzelne Personen als Muff und dieser Begriff wurde dann von Niederländern als Mof oder Moffen auf alle Deutsche angewandt.
Es gibt übrigens keine Beziehung zum Wort muffig im Sinne von dumpf, modrig, faul. Der Namen gebende Muff ist heute in der deutschen Sprache noch als Muffel (=Griesgram), muffeln, muffelig (mürrisch, verdrießlich) zu finden.

Im frühen 20. Jahrhundert gab es noch die folgenden Ableitungen im Niederländischen:
Moffrika = Deutschland
Moffrikanisch = deutsche Sprache
moffentoer = Hundearbeit

Quellen:
J. de VRIES/F. de TOLLENAERE (1991) Etymologisch woordenboek. Utrecht: Het spectrum
H.W.J. Kroes (1923) Duitsch handwoordenboek. Gouda: G.B. van Goor Zonen
DUDEN (1963) Etymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. Mannheim, u.a.
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Ein längerer Artikel (basierende auf einem niederländischen Zeitungsartikel)findet sich hier.

Sonntag, 21. November 2010

Harry Potter auf Niederländisch

Als ich mich vor wenigen Tagen mit einer Teilnehmerin aus dem Nederlands cursus über den neuen Harry Potter Film (siehe vorherigen Blogeintrag) unterhielt, kam wir auch auf unsere Leseerfahrungen mit der niederländischen Ausgabe von Rowlings Zyklus zu sprechen. Es ist ein frustrierendes Erlebnis.
Im Gegensatz zum Deutschen wurde nicht nur die Geschichte übersetzt, sondern auch neue Namen erfunden. Ron Wemel und Hermelien Griffel sind die Freunde von Harry Potter, der bei der Familie Duffeling in der Ligusterlaan aufgewachsen ist. Sie sind Schüler in Zweinstein, wo Albus Perkamentus der Direktor ist und Severus Sneep ein unangenehmer Lehrer ist.
Hier sollte schon deutlich werden, dass das Leseerlebnis ein neues ist, denn die Handlung ist zwar bekannt, aber da zusätzlich auch noch alle magischen Begriffe neue Worte haben (zum Beispiel Zwerkbal), ist es schwierig Harry Potter en de Steen der Wijzen zu lesen.

Habe mal bei Wikipedia das Harry Potter Universum in verschiedenen Sprachen betrachtet. So starke Abweichungen wie zwischen dem Original und der Übersetzung für die niederländische Ausgabe waren weder im Katalanischen, Französischen, Portugiesischen und Dänischen zu finden. Für die spanische Ausgabe wurde auch einige neue Namen aus dem Zauberhut geholt (Albus Silente, Severus Piton).

J.K. Rowling (1998) Harry Potter en de Steen der Wijzen, Amsterdam: Uitgeverij De Harmonie (Übersetzung: Wiebe Buddingh’), 228 Seiten
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Siehe auch:

Montag, 3. August 2009

Boekenmarkt Deventer 2009

Regen – Regen – Regen. Boekenmarkt in Denventer was hele mal verregent.

weer.nl hatte bereits gestern angekündigt, dass in Deventer wegen eines vom Süden aufziehenden Regengebiets mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit regnen würde. Nachts begann das nasse Vergnügen und weckte mich, da bei offenem Fenster, dass Prasseln auf den Dachziegeln ruhestörender Lärm war. Es war ein Dauerregen und so gab es morgens keinen Grund aufzustehen, obwohl der Boekenmarkt offiziell um 9 Uhr eröffnete. Am Computer sah ich dann das dicke, langgestreckte Wolkenpaket und die Prognose war sehr detailliert und kündigte für 11 Uhr ein Ende des Regens an.
Es stimmte genau und ich saß wenig später auf dem Fahrrad meiner Schwester und fuhr über das Industriegebiet, Hafen und entlang der Ijssel zum Boekenmarkt. Bereits hier erreichten mich immer wieder herbei gewehter feiner Nieselregen. Das Wetter hat aber scheinbar niemanden davon abgehalten, auf diesen größten antiquarischen Markt zu verzichten (die lokale Zeitung de Stentor schreibt, dass es in diesem Jahr 75.000 Besucher waren). Einmal mehr waren mehr als 878 Buchhändler auf mehr als sechs Kilometern entlang der Ijssel und der Altstadt mit Ständen vertreten. Lange Plastikplanen schützten bereits jeweils den Rücken der Stände und als schließlich der Nieselregen begann, wurden von vielen Händlern auch nach vorne weitere Planen aufgehängt oder vom Dach heruntergerollt. Es gab also immer wieder Plastiktunnel mit antiquarischen Büchern in der Mitte. Dennoch wurden an vielen Ständen die vorderen Bücher nass.
Es war dann einer von diesen nassen Tagen, an denen Douglas Adams Regengott sein Wohlgefallen hätte. Es schwankte zwischen Nieselregen, herbei gewehten Nieselregen, leichten Regen, herbei gewehten Regen, Landregen und Schauer verschiedener Stärke. Als es einmal so heftig regnete, dass die dicken Tropfen von den Pfützen deutlich einige Zentimeter wieder hoch sprangen, drängelten sich die meisten Menschen unter den Dächern der Buchhändler. Hier war dann Solidarität, Dummheit und Gleichmut zu beobachten. Solidarität der Händler, die ihre potentielle Kunden auch einmal hinter den Stand ließen, weil vorne kein Platz mehr war. Aber auch eine Frau, die mit ihren Schirm halb unter dem Dach stand und damit den vom Dach ablaufenden Regen über ihren Regenschirm in alle Richtungen, also auch auf die Bücher lenkte. Und dann gab es die Menschen, die den Regen ignorierten und ohne Schirm oder Regenjacke unterwegs waren. Doch dies waren vermutlich Einheimische oder Rückkehrende. Es war ein warmer Regen, doch er wärmte nicht.
Es war so voll, dass es an etlichen Ständen nicht möglich war, zu den Bücher vorzudringen. Dies war schade. Denn der große Genuss ist zweigeteilt. Zum einen Menschen, die interessiert Bücher suchen und zum anderen die persönliche Lust, über die Angebote zu schauen, einzelne Werke in die Hand zu nehmen und kurz zu überlegen, ob sich ein Kauf lohnt oder bei bekannten oder eigenen Bücher mal nach den Preis zu schauen, um einen Schätzwert einzuholen. Ich habe einige Sahnestücke gesehen und zwei Mal griff ich dann auch zu. Cees Noteboom wartete nun im Original auf mich und eine Etymologie der niederländischen Sprache lachte mich an und ich lachte zurück.
Nach vier Stunden ließ die Faszination der Bücher nach, ich hatte weniger als die Hälfte der Stände gesehen, aber ein Abschwächen der Niederschläge ließ mich hoffen, nicht noch nasser zu werden. Bei der Rückkehr zum Fahrrad musste ich feststellen, dass der Sattel komplett durchgeweicht und sich wie ein Schwamm mit Wasser voll gesogen hatte. Auf meiner Rückfahrt wurde so also auch das letzte trockene Kleidungsstück nass.
Dennoch, ein schöner Tag mit vielen Büchern in Deventer. Es braucht weitere solche Tage, um zu lesen.

Freitag, 6. Februar 2009

Nederlands Twee

Im letzten Jahr hatte ich 30 Unterrichtseinheiten Niederländisch und nun steht der dritte Kurs vor mir.
Dies Ist mein erster Kurs seit ....
Ja , seit wann eigentlich?

Mein letzter Kurs an der UNI (also wöchentlich und ausschließlich als Lernender) war vor mehr als 10 Jahren und der letzte Sprachkurs (damals Kiswahili) vor zwanzig Jahren an der UDSM. Vokabeln lernen fällt mir entsprechend schwer. Es ist dann doch ein großer Unterschied, ob ich mehrmals im Jahr sehr intensiv über mehrere Tage im Kolleg oder auf einer Tagung lerne oder nun deutlich langsamer aber kontinuierlich.
Ein Drittel der Unterrichtszeit ist zwischenzeitlich Gespräch. Unser Lehrer Ton (Holland in Hannover) stellt uns Fragen und wir radebrechen. Erfolge und viele Frustrationen begleiten mich, denn die Vokabeln für komplexe Antworten fehlen.
Deshalb ist dieser Beitrag auch noch nicht auf Niederländisch geschrieben.

Es geht weiter!
Auf Familienbesuch in den Niederlanden spreche ich nun schon einmal einige, primitive Sätze Nederlands und einmal im Monat sitzen wir Lernenden in der benachbarten niederländischen Kneipe Peanuts und versuchen zu menscheln. Bisher haben sich weder Freundschaften noch deren Vorstufe aus Kurs und Stammtisch entwickelt.
Nach den vierten Kurs werde ich hoffentlich im Juni 2010 die 1. Stufe der Sprachprüfung ablegen.
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Trauriger Nachtrag: Heute Morgen erhielt ich Post von der VHS Hannover und wurde darüber informiert, dass es keinen Cursus Nederlands Drie geben wird.
Unser Lehrer Ton de Witt ist diese Woche nach einem Herzinfarkt gestorben.
Das ist ein großer Verlust, für die VHS und für uns, die wir von diesen freundlichen Niederländer seine Muttersprache lernten.

(Zeitungsausriss aus der HAZ vom 14. März 2009)

Sonntag, 4. Januar 2009

Charles Dickens Fest in Deventer

Am 20. und 21. Dezember wird in der niederländischen Hansestadt Deventer das Charles Dickens Fest in einem Teil der Altstadt gefeiert. Dies ist eine der Perversionen des Tourismus.
Charles Dickens hat bittere Armut erlebt und über Jahrzehnte in Zeitungsartikeln, Romanen und Erzählungen die soziale Situation vor allen im London des Hochkapitalismus unter Queen Victoria thematisiert. Kinderarbeit, Arbeitshäuser, Krankheit und Tod finden sich in seinen Werken.
In Deventer gibt es wunderschöne Straßenzüge und das Bergkwartier an der Bergkerk ist ein wenig randständig zur viel besuchten Fußgängerzone. Vor 18 Jahren beschlossen die lokalen Kaufleute ihr Bergkwartier aufzuwerten und entwickelten hierfür das Dickensfest mit vielen Akteuren, die sich als Figuren aus der literarischen Welt Dickens verkleideten. Werbeprosa ist oftmals eine Realsatire, hier wird sie dann zynisch:

"(...) die Besucher [bekommen] einen Eindruck von der romantischen Atmosphäre der Dickens Zeit." (Deutsche Website zum Dickensfest)
Ausbeutung, Kriminalität, Krankheit und Tod sind also romantisch.
Was bin ich froh, dass ich nicht mehr in dieser "guten, alten Zeit" lebe. Übrigens Charles Dickens hat niemals Deventer besucht, noch taucht dieser Ort jemals in einem seiner Werke auf.

- - - - - einige Tipps:
Charles Dickens Biographie in der Wikipedia
viele seiner Werke sind im Original als Wiki Source zu lesen oder auszudrucken

Montag, 29. September 2008

Urlaub in Le Barcarés, Frankreich 1

Für dreizehn Nächte war ich Zelten auf dem Campingplatz L'Embouchure in der Gemeinde Le Barcarés und es entstand wirklich ein Urlaubsgefühl.

Es fing relativ anstrengend an. Ich hatte mich bei meiner Schwester und ihren Mann eingeladen, die zusammen zum wiederholten Mal in die östlichen Pyrenäen (Département Pyrénées-Orientales) fahren wollten.
Meine Nichte und ihr Partner wollten dort auch Urlaub machen und mit ihnen bin ich von Deventer an die Mittelmeerküste gefahren. Nachdem am 6. September der Wagen und ein Dachgepäckträger eng bepackt und danach in einer Parkgarage abgestellt wurde, klingelte um 3 Uhr morgens der Wecker. Es war vorher ein sehr unruhiger Schlaf. die Wohnung liegt in der Altstadt und die Nacht vom Samstag auf den Sonntag ist natürlich PARTY und entsprechend viel Lärm auf den Straßen. Die Kaffeemaschine fing an zu sprotzen und spucken. Die Brötchen oder das was die Niederländer als solche bezeichnen waren bereits am Vorabend belegt. Eine Tasse Kaffee im Stehen und dann ging es zum Parkhaus, das in seiner offenen Struktur mich an einen übergroßen Hamsterkäfig erinnerte. Um Viertel vor vier hatten wir es wirklich geschafft, dass der Wagen rollte. Die Route war in einem Routenplaner eingegeben und dessen Angaben wurden befolgt, was manchmal irritierend war.
Der Nachthimmel ist zu dieser Stunde einfach wunderschön. Der Gürtel des Orion glitzerte. Es war kühl, aber dies kann auch einfach an den fehlenden Schlaf gelegen haben. Unsere Fahrtroute sollte uns über einen Teil von Deutschland führen und es war fest geplant, dass wir die 1.400 Kilometer bis zum Abend hinter uns bringen würden. Orion war sehr lange zu sehen. Selbst als die Morgendämmerung schon weit fortgeschritten war, sah ich die wesentlichen Sterne immer noch. Kurz vor 7 Uhr ging dann die Sonne auf. Da waren wir bereits durch Deutschland durch und in Luxemburg. Hier wurde erstmals getankt und Fahrerwechsel vorgenommen.
Wir erlebten in Luxemburg ein sprachliches Missverständnis. Die Schilder waren zweisprachig, Französisch und Letzeburgisch. Ein Hinweisschild verwies auf eine Deviation, die uns eine Auffahrt auf eine Schnellstraße verwehte. Dieses mit Draht über die Hinweisschilder befestigte rote Schild fand sich nicht mehr an der nächsten Kreuzung. Hier war stattdessen ein weiteres rotes Schild über den Schildern mit den Titel Dikrech zu lesen. Wir folgten diesen Hinweis, wie auch drei rumänische LKW. Das Navigationsgerät forderte uns an jeder größeren Kreuzung auf, nun abzubiegen und schließlich kam sogar die Aufforderung umzukehren. Wir folgten der Beschilderung für etwa zwanzig Kilometer bis schließlich ein reguläres Hinweisschild uns darauf hinwies, dass es nur noch wenige Kilometer bis Dikrech sind. Aha, das ist also eine Ortschaft! Wir wendeten und folgten nun den Angaben des Navi und kamen nach mehr als zehn Kilometern endlich zur gesuchten Schnellstraße, die tatsächlich in einer Richtung nicht zu befahren war. Doch unsere Richtung war frei und endlich ging es wieder nach Süden.

Ich bin dann eingedöst und wachte erst an der ersten Péage Station bei Nancy auf. Wir fuhren auf den Parkplatz der direkt dahinter liegenden Raststätte und mir wurde gesagt, dass unsere Reise ein vorläufiges Ende hat, da die elektronische Anzeige des Polo einen Schaden im Auspuffbereich anzeigte und nach dem Handbuch dieses Zeichen bedeutete, dass die Fahrt abgebrochen werden sollte und ein Fachmann das Problem beheben soll. Wir streckten und reckten uns erst einmal, Morgentoilette und dann fingen die Telefonate mit der Versicherung, den VW-Service-Center und dem niederländischen Automobilclub an. Eine halbe Stunde später war klar, dass an diesem Sonntagvormittag weder ein Service-Center einen Techniker schicken würde, noch das ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt wird. Ich war in Urlaub und hatte mich mental bereits auf eine Übernachtung in Nordfrankreich eingestellt. Ein letztes Telefonat ergab schließlich ein "Go", da die Warnanzeige nur in Orange leuchtet. Es wurde uns gesagt, dass erst wenn die Anzeige in Rot leuchtet, wir die Fahrt abbrechen sollten. Eine pragmatische Lösung, denn etwa 100 Kilometer später ging das Warnlicht aus.
Was war so auf der Fahrtstrecke zu sehen? Wir fuhren an den vier AKWs von Cattenom, deren Kühltürme Wolken in den Himmel sandten, vorbei. In den Vogesen waren sehr deutliche Spuren des Waldsterbens zu sehen. Die Autobahn führte auch an Vittel vorbei, dass uns allen von seiner Mineralwasserquelle bekannt ist. Südlich von Lyon passierten wir noch einmal einen AKW-Komplex. Offensichtlich treten in Frankreich die AKWs steht in Blöcken auf. Von einer Autobahn ist nicht viel Landschaft zu sehen. Zweimal waren die Alpen in der Ferne zu sehen. Bei Nimes bogen wir nach Westen ab und hinter Narbonne war dann immer wieder das Mittelmeer zu sehen. Über Leucate fuhren wir auf einer Landzunge schließlich in unser Ziel Le Barcarés. Das Navi kannte unsere gesuchte Adresse nicht, aber im Ort gab es Hinweise, wo die Campuingplätze liegen. Im Süden liegen 12 Campingplätze und unser war der erste, wo wir an der Straße bereits von der Familie empfangen wurden.
Es war kurz vor Sonnenuntergang und statt vieler Worte ging es sofort auf die Suche nach einen Stellplatz für mich. Mir wurden drei verschiedene Plätze gesucht und mit Blick auf die Dämmerung und der Suche nach guten Bäumen für die Hängematte fand ich schnell meinen Platz.
Hier war es deutlich wärmer als in Deventer. Der Aufbau des Zeltes ließ den Schweiß perlen. Mir wurde alles zur Verfügung gestellt: Zelt, Luftmatratze, Stromversorgung inklusive Lampe und das gesamte Campinggeschirr. Ich hatte nur das übliche Gepäck und Geld mitgebracht.
Meine Schwester bekochte uns (wie auch an vielen der folgenden Abende) ganz lecker. Wir machten noch einen Nachtspaziergang zum Meer, dass nur wenige Hundert Meter entfernt war, aber ich zog mich danach frühzeitig in das Zelt zurück und versuchte zu schlafen.

Dienstag, 18. März 2008

De Zevensprong

Die TV-Serie De Zevensprong von 1982 behandelt in 13 Folgen ein Abenteuer in einer kleinstädtisch-ländlichen Idylle mit diversen Rätseln und daraus resultierenden Handlungssträngen. Astrid Lindgren zeigte eine schwedische Idylle im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts vor der Durchdringung von Technik (Elektrizität, Radio, Auto) in jedem Haushalt. In dieser Geschichte von Tonke Dragt wird eine Idylle der frühen 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts gezeigt, in der sich die Moderne durchgesetzt hat, aber es auch noch Orte gibt, die schwierig zu erreichen sind und ohne Strom und Telekommunikation existieren.

Unter der Regie von Karst van der Meulen entstanden etwa halbstündige Folgen, die einen interessanten sich stets wiederholenden Übergang zwischen den einzelnen Folgen verwendet. In einem Wald steht der Zevensprong (Siebensprung) ein Wegweiser, mit Schildern in sieben Richtungen, obwohl offensichtlich sechs Wege von diesem Wegweiser abgehen. Jede Folge beginnt und endet am Zevensprong. In der Schlussszene treffen sich jeweils einige Akteure an der Kreuzung und es sind noch ein-zwei rätselhafte Sätze zu hören bis die Kamera langsam zu einer Totalen aufgezogen wird und sich nach oben durch die Bäume bewegt. Währenddessen geht die Handlung weiter, doch im Abspann sind nur noch die beschriebenen Bilder zu sehen. Mit der nächsten Folge fährt die Kamera wieder auf den Zevensprong zu und die letzten dreißig Sekunden der vorherigen Folge werden aus einer anderen Perspektive wiederholt und nun wird die weitere Handlung auch verständlich. Ein echter Cliffhanger für die Kinder und ihre Eltern, die jeweils eine Woche auf die nächste Folge warten mussten.


Ich hatte nun die DVD und habe gestern einfach mit einer Pause zwischen den drei DVD’s die 312 Minuten gesehen. Dies war für mich eine Übung in Nederlands.

Würde diese Filmserie heute noch funktionieren, würden Grundschüler sich über drei Monate diesen Film anschauen? Ich habe da so meine Zweifel, denn ein Großteil der Spannung basiert darauf, dass nur wenige Informationen von den verschiedenen Akteuren bekannt sind. Das fängt bei solch einer Banalität an, dass nur eines der Kinder in der Schulklasse den Luxus einer Armbanduhr hat und (Festnetz-) Telefonie nicht selbstverständlich ist. Viele Fragen wären mit einem Telefonat zu beantworten gewesen. Mobiltelefonie und Internet sind natürlich unbekannt. Das muss für 9-12-jährige eine sehr fremde Welt sein.

Sonntag, 16. März 2008

Rituale im Volleyball

Gestern schaute ich mir erstmals ein Ligaspiel im Volleyball an. Mein Neffe spielt in der 1. Herren-Mannschaft des lokalen Vereins DeVolCo `88 in der Heren promotieklasse A (dies ist die zweithöchste Klasse in der Volleybal Regio Nieuw-Gelre). Selbst habe ich vor 25 Jahren in zwei Halbjahren in der Oberstufe Volleyball gespielt, so dass mir die Feinheiten des Spiel bekannt waren. Das Regelwerk hatte sich offensichtlich verändert und es werden heute mehr Punkte gegeben als zu meiner Zeit.
Es war sehr laut im Sportzentrum de Scheg. Nicht nur von der Zuschauertribüne gab es immer wieder Anfeuerungsrufe, sondern auch die Ersatzspieler und die beiden Mannschaften kommentierten jeden Punkt mit einem kollektiven Ruf .

Das Spiel begann damit, dass die beiden Mannschaften sich auf den Feld einfanden und auf der Center-Position der Heimmannschaft DeVolCo `88 ein Mädchen von vielleicht zehn Jahren mit bunt beschriebenen und bemalten T-Shirt und Knieschonern einen Spielball auf die gegnerische Seite baggerte. Dort wurde auch angenommen, zugespielt und über das Netz gespielt. Hier wurde auch angenommen und der Ball wieder dem Mädchen zugespielt, die ihn auch wieder in die gegnerische Hälfte baggerte. Hier wurde dieses Ritual beendet. Alle applaudierten dem Mädchen, dass sich nun auf die Reservebank der Heimatmannschaft setzte. Sie war scheinbar das Maskottchen. Spieler und Spielerinnen der so genannten Minis begleiten für eine Woche das Team (mini van de week). Sie sind bereits seit den Aufwärmen bei Heimspiel dabei. Auf diesen Weg werden die Jüngsten bereits in die Aktivitäten des Vereins eingebunden und bekommen eine Idee von Ligaspielen, wie sie diese dann auch Jahre später in einer Jugendmannschaft spielen werden.

Das Spiel war sehr ausgeglichen zwischen den Mannschaften und jeder Punkt führte nicht nur zu den beiden unterschiedlichen kollektiven Sprüchen beider Mannschaften, sondern auch stets zu einer kurzen Rudelbildung und einem gegenseitigen Abschlagen von allen Spieler. Dies wurde zum Teil auch noch einmal mit dem direkten Mitspielern an der jeweiligen Position wiederholt. Ein weiteres Ritual war die Ballübergabe für den Einwurf. Er wurde stets in einer Art von Eimerkette über viele Postionen dem Spieler zugespielt, der nun den nächsten Einwurf machen sollte.
Volleyball ist ein Mannschaftssport und alle beobachteten Rituale sollen bestimmt das WIR des Team herausstellen. Egal ob gerade jemand einen Punkt herausgespielt oder einen gegnerischen Punkt ermöglicht hat, es ist das Team, dass diesen Punkt gewonnen oder verloren hatte. Keiner kann einen Frust aufbauen und sich alleine an seinem Beitrag zu einen Punkt erfreuen.

Montag, 1. Januar 2007

Noordzee Rapport Vier

Und dann gab es noch zwei echte Naturerlebnisse.
Ich stand bei Flut in der flachen Strandbrandung und sah 25 Meter vor mir einen Haarschopf in der hohen Brandung der Sandbank. Aha, ein Schwimmer!
Denkste, plötzlich war der Körper zu sehen, es war ein Seehund und dann war noch mehr zu sehen. Direkt dahinter lag ein kleineres Tier in den Wellen. Mutter und Kind am Strand.

Am nächsten und damit letzten Tag erlebte ich meine erste Springflut. Nachts war der Vollmond zu sehen gewesen und als die Flut am frühen Nachmittag auflief, ging es vielleicht einen halben bis einen Höhenmeter über die übliche Flutlinie. Dies reichte bereits, dass der trockene Strand sich auf eine Breite von etwa 20-25 Meter statt der bekannten 100-200 Meter reduzierte. Das Wasser lief über Sandflächen, die lange nicht mehr überspült waren. Der leichte Sand wandelte sich in tiefen Schlamm. Ich war bereits nach dem Höhepunkt am Strand und erlebte das langsame Zurückziehen der Flutlinie und watete im Schlamm zur ersten freiwerdenden Sandbank. Es gab Stellen, wo ich fast bis zum Knie in den Schlamm versank, während auf der Sandbank vielleicht eine 1-2 Zentimeter tiefe Spur zu sehen war.
Die Nordsee brüllte die ganze Zeit und wenn ich nicht gewusst hätte, dass das Wasser ablaufend ist, wäre dies eine ängstigende Situation gewesen.

Die Nordsee und besonders dieser Teil der Küste sind ein schönes Urlaubsziel. Hoffentlich dauert es nicht so lange, bis ich mal wieder an der Nordseeküste einen Urlaub mache.

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Noordzee Rapport Drie

Drei Tage später.
Vorgestern machte ich eine kleine Radtour. Ab dem Mittag fuhr ich über zwanzig Kilometer gegen den schräg von vorne kommenden Wind an. Ich kann mir eine Tour an der Küste nur so vorstellen; morgens in einen Bogen gegen den Wind zum Tagesziel und abends erschöpft zurück mit Unterstützung des Rückenwindes. Bei den kontinuierlichen Wind gib es hier damit leider nur wenige Tagesziele.

Ich habe mir eines der Weltwunder angesehen. Die antiken Weltwunder kennt jeder, aber das Sperrwerk, dass die Verbindung zwischen der Nordsee und den verschiedenen Rheinmündungsarme kontrolliert ist eine der großen Leistungen der letzten Jahrzehnten. Auf mehreren Kilometern zieht sich das Sperrwerk zwischen den einzelnen Inseln, welche die Arme trennen hin. Es hat schon einige Sturmfluten erlebt und damit den ersten Test der Zeit bestanden.

Wir haben in Norddeutschland die kollektive Erinnerung an die Sturmflut in den frühen 60-er Jahren im Elbtal mit seinen Deichbrüchen und vielen Toten. Hier in den Niederlanden geschah es zuletzt in den 50-er Jahren, als der Deich an vielen Stellen brach und mehr als Tausend Tote zu beklagen waren. Es ist ja bekannt, dass ein Großteil der Niederlande unter dem Meeresspiegel liegt. Die Entwässerung nach dem Deichbau ließ das vorher feuchte Land weiter in sich zusammensinken. Eine Sturmflut mit Deichbruch hätte hier katastrophale Auswirkungen. Wenn in Ostfriesland, Dithmarschen, Wursten und Hadeln der Deich brechen würde, dann würden überwiegend landwirtschaftliche Flächen, Moore und Wälder geflutet werden; in den Niederlanden wären Städte und Dörfer betroffen.

Gestern gab es eine Tour mit dem Auto zur Provinzhauptstadt Middelburg. Eine der alten Städte, die noch viele Gebäude aus der Frühen Neuzeit aufweisen. Am zentralen Gebäude steht der Hinweis, dass 1940 die Generation unserer durchgeknallten Großväter (=Nazis) einen großen Bombenangriff auf die Stadt geflogen hat und große Teile in Schutt und Asche legte.

Und heute ging es in die Nordsee. Das Wasser hat offiziell immer noch 19-20 Grad und die Flut war sehr angenehm. Ein Sommertag ohne Wolken und mit Sonnenbrand.

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Noordzee Rapport Twee

Ein stürmischer Tag.
Kräftiger Wind aus Südsüdwest wehte strandparallel bis leicht ablandig. Es wurde sehr viel feiner Sand transportiert und so wurde stets bis über die Knöchel Flugsand gegen die Beine geweht. Auch gestern wurde Sand transportiert, aber nur wenige Zentimeter über den Watt und so konnte ich mich in den trockenen Sand setzen und Meja Mwangi lesen. Als ich dies heute machte, gab es ein feines Trommeln auf der Allwetterjacke und an dem Windhindernis Körper lagerte sich sofort Sand ab.

Der Sturm in der Familie hat sich gelegt. Der gestern schief hängende Haussegen erreichte wieder eine waagerechte Position und die drei Mitglieder der Next Generation verließen am Nachmittag das Haus und sind inzwischen, wie der obligatorische Anruf ergab, sicher in Deventer angekommen.

Die Versuche ein Internetcafé zu finden und diese Berichte zu veröffentlichen scheiterten. Renesse ist ein Fremdenverkehrsort, aber die Besucher scheinen bisher noch keinen Bedarf für diese Dienstleistung erzeugt zu haben. Ein Fahrradverleih hat angeblich dieser Service und ein Zettel im Schaufenster behauptete auch, dass er selbst Samstag und Sonntags (also heute) ab 10 Uhr geöffnet hat, aber beide Zugänge zum Gebäude und zum Hof waren abgeschlossen. Seit dem 1. September ist Nachsaison, weshalb wir überhaupt günstig dieses Ferienhaus gemietet haben.

Mein Gang zum Fremdenverkehrsamt erschien mir zunächst auch vergeblich, da der ältere Herr auf meine Englisch vorgetragene Frage auf Nederlands etwas von einem Café hinter der BP-Tankstelle erzählte. Ich fuhr dahin, aber der Blick in das Café aus den beiden zugänglichen Seiten zeigte nur ein Café mit einem Restaurantbereich. Auch verwies keines der werbenden Schilder oder die ausgehängten Karten auf die gesuchte Dienstleistung. Unsere Bungalowsiedlung hat schließlich auch keinen öffentlichen mietbaren Internetzugang.
Vermietung und vermieten wird einen ständig auf Werbetafeln für Fahrräder, Häuser und vieles andere entgegengerufen, nur steht hier auf den Schildern Verhuur oder verhuren. Eines dieser Wörter, die mich schmunzeln lassen; aber eine Hure wird ja auch auf Zeit gemietet.

Der Tag endete wie die vorherigen mit einem Sonnenuntergang am Strand. Der Himmel war aufgeklart und der Wind wehte nicht mehr so heftig wie am Tage, auch wenn es weiterhin stürmische Böen gab.

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Noordzee Rapport Een

Vielleicht ist es nichts außergewöhnliches, dass mit zunehmenden Alter mein Urlaub immer stärker auf bestehende Tourismusangebote zugreift.
Mehr als 15 Jahre gehörte ich zu den Individualreisenden oder Rucksacktouristen, die im Extrem erst vor Ort nach einer Fahrt sich darum kümmern, wo sie denn die folgende Nacht verbringen würden. Hotels für Touristen waren stets ausgeschlossen, da man sich selbst nicht zu den Touristen zählte. Ich wusste in diesen Jahren dennoch stets vorher, wo ich meine Unterkunft beziehen würde, aber das war Planung vor Ort, immer weniger Tage vor meiner Ankunft und oftmals mit einem Plan B oder Plan C wenn eine Herberge oder ein Hotel für Einheimische bereits ausgebucht war. Es waren interessante Reisen, ich habe wirklich interessante Unterkünfte kennen gelernt, aber natürlich war die Wahl manchmal auch wie ein Griff ins Klo. Oder hat schon einmal einer eine Ratte aus dem Klo fliehen sehen, ich sah dies in Malindi, Kenya 1987 und Affen auf dem Vordach sind nur so lange interessant, wie man weiß, dass diese nicht aggressiv auf einen zu rennen und springen, um mögliche Lebensmittel zu greifen. Von den vielen verschiedenen Insekten, die sich in Matratzen, Bettwäsche und allgemein in den Zimmern aufhalten können, mal ganz abgesehen.


Ich bin also nun in einer Ferien-Bungalowsiedlung zusammen mit meiner Mutter, meiner Schwester, ihren Mann und den beiden volljährigen Kinder und der Freundin des Neffen. Es gibt zehn Schlafplätze in vier Zimmern und eine Form von Privatsphäre ist damit gewährleistet. Seit Sylvester 1981/82 auf Lolland, Dänemark war ich nicht mehr in so einer Unterkunft. Diese Nähe zu anderen Menschen habe ich stets bei meinen Besuchen in Stade und Deventer, aber es ist dennoch etwas Ungewöhnliches.


Die Anlage heißt Klein-Poelland (=kleine Tümpel) und liegt südwestlich von Renesse auf der Insel Schouwen-Duiveland. Um an die Nordsee zu gelangen, ist eine Radtour von etwa drei Kilometer notwendig, aber das Ziel ist wunderbar. Kein Deich grenzt die Insel ab, sondern hohe, bewachsene Dünen. Ebbe und Flut schaffen hier ein Watt von 300-400 Metern Tiefe.

Gestern Abend wurde der Sonnenuntergang bei Flut und heute ein windiger, bewölkter Mittag bei Ebbe erlebt. Wasser und Sand fordern bei mir stets den kindlichen Spieltrieb heraus. Das ablaufende Wasser konzentriert sich in kleinen Bächen und es ist eine ausgesprochene Freude, den natürlichen Verlauf zu manipulieren (wenn sich das so sagen lässt, da es ja die Füße sind, die künstliche Vertiefungen und stauende Wattkegel zusammenschieben). Ich merke gerade beim Schreiben, wie entspannend dieser Spaß war, da keine anderen Gedanken die Beobachtung und das Spiel störten. Ich habe sonst stets ein Grundrauschen, dass, wenn etwas mich nicht so interessiert, meine Gedanken gleich in andere Richtungen gehen.

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