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Donnerstag, 4. April 2024

Schnapsidee Norddeich

 Der RE 1 fährt direkt von Hannover nach Norddeich-Mole.

Meine Österliche Schnapsidee war, dass ich mal eben an die Nordsee fahre. In einem Flächenland zählen nicht die Kilometer, sondern die Stunden, die es braucht um ein Ziel zu erreichen.

Nach einer Stunde war ich hinter Verden und nach zwei Stunden kurz vor der Einfahrt in Oldenburg.
Da die Strecke im Anschluss eingleisig ist, wurde es nun sehr langsam, da entgegenkommender Verkehr zu Wartezeiten führte. Nach drei Stunden war ich in Leer und nach knapp vier Stunden sah ich die Nordsee.


Mittwoch, 24. Februar 2016

Fehlende Andenken und diffuse Erinnerungen

Manche Erinnerungen brauchen eine materielle Unterstützung.
Es gab Tage und sogar Wochen, in denen Erlebnisse, Beobachtungen und interessante Gespräche, in so dichter Reihenfolge auf mich einstürzten, dass nicht genügend Zeit zur Reflektion blieb.
Das sind Zeiten gewesen, die heute durch Tagebucheinträge, Briefe und Postkarten, die ich damals geschrieben habe, wieder aufleben könnten. Fotos oder andere Andenken in der Form von Eintrittskarten, Fahrkarten, Rechnungen und anderen konkreten Materialien könnten mir dabei helfen.
Ich habe Lücken in meiner Erinnerung, zum Beispiel der Sommer 1981. Meine letzten Sommerschulferien und ich fuhr alleine von Ganderkesee aus mit einem Interrail-Ticket in das südliche Europa, ich hatte kein wirkliches Ziel, keine Stadt, die ich unbedingt besuchen wollte. Die deutsche Bahn führte mich zur niederländischen Grenze und dann reiste ich auf der Route NL - BE - FR - ES - PT - ES - FR - CH - DE - CH - FR - LUX - BE - NL um nach weniger als drei Wochen wieder an meinem Ausgangspunkt zu sein.
(Habe vor Jahren mal versucht, einige Orte meiner Tour zu benennen)
Die deutsche Bahn gab eine Prämie (waren es 10, 20 oder mehr DM?) für das ausgefüllte kleine Interrail-Heftchen, wenn es zum Abschluss bei der Bahn abgegeben wurde. Ich war Schüler, hatte sehr viel Geld für diesen Urlaub ausgegeben, knapp bei Kasse und nahm das Angebot an. Dieses einzigartige Dokument verschwand hinter einem Schalter. Ich war ohne Fotoapparat unterwegs und so bleiben mir als Andenken wenige Stempel in meinem ersten Reisepass, eine schwer zu lesende Rechnung aus Portugal und verblassende Erinnerungen.
(Junger Mann mit Ostafrika-Karte und tropischer Raupe an einer Straße in den nördlichen Pare-Bergen, Tanzania)

Eine ähnliche Lücke gibt es im Sommer 1987 als ich nach meiner Landung in Nairobi, nachts mit einem Überlandbus nach Mombasa fuhr und von dort mit einem kleineren Bus weiter nach Malindi, wo ich einige Tage blieb. Von hier ging es über Tanga (wieder mehrere Tage) und Moshi in die nördlichen Pare-Berge, wo ich für vier Wochen in einem Dorf mit anderen Deutschen an einem kleinem Projekt teilnahm. Die rauschhaften Eindrücke meiner ersten Reise zu unseren Nachbarkontinent und durch Teile von Kenya und Tanzania schrieb ich detailliert in mein Tagebuch. Dieses wurde mir auf der Hinreise nach Shigatini zusammen mit einem kleinen Rucksack in Moshi gestohlen.
Das war so frustrierend, dass es dauerte bis ich ein neues Tagebuch begann und ich schreib nur wenig über die Tage vor dem Neubeginn. Unsere vier Wochen im Dorf und eine folgende Rundreise durch Tanzania hatten nur wenige Ruhezeiten. Viele Erinnerungen gingen verloren oder überlagern sich. Wenn mir meine Mutter nicht meinen ersten Brief aus Kenya wieder gegeben hätte (hier ist er wiedergegeben), dann könnte ich die Begeisterung nur schwer rekonstruieren.

Samstag, 18. Oktober 2014

Kein EKNT Warszawa / Poznan

Da hat mich der Streik der Lokführer kalt erwischt.
Das Europa-Kolleg hat mich in den letzten Jahren in viele europäische Länder geführt (FIN, EST, CZ, SK, RO, ES (2007), ES (2009), PT, wieder FIN und EST, IT, HU und diesen Sommer wieder IT wie mehr als ein Dutzend Blogbeiträge dokumentieren).
Seit dem Frühjahr gaben es zunächst Gedankenspiele und dann Planungen für eine Reise in den Osten. M. hatte mich nach Warschau eingeladen und J. vorgeschlagen, dass ich auf dieser Reise in Posen einen Zwischenstopp mache.
Zunächst war der Sommer anvisiert, doch das ließ sich nicht realisieren. Mit Frühbucher ist so eine Reise H-B-W und zurück für weniger als 100 Euro möglich. Ich buchte früh und mit BahnCard25 waren es dann nur €84,75. Dafür hatte ich gebundene Züge und für die Rückfahrt sogar einen direkten EN-Liegewagen gebucht.
Es sind scheinbar politische Erwägungen, welche das Management der Bahn dazu bewegen, welche Linien trotz des Streiks bedient werden. Einige gut ausgelastete Linien werden nicht befahren und andere schwach besetzte Linien verkehren. Der EC Berlin-Warschau und auch der IC Berlin-Amsterdam werden nicht bedient. Es sind dies zwei stets gut gefüllte Züge. Von einem weiß ich es aus langjähriger Erfahrung und vom anderen wurde mir dies von meinem Gastgeber in Warschau gesagt.

Als Veranstaltungsorganisator suchte ich in den Ersatzfahrplänen nach einem Plan B. Ich muss um 11 Uhr den EC an der ersten polnischen Station erreichen, den nur für den habe ich Platzkarte. Also Abfahrt um Mitternacht in H nach B, fünf Stunden Aufenthalt in B, dann mit einem Regionalzug nach Frankfurt/Oder und dann mit einem anderen Zug die 5-10 km zur ersten polnischen Station. Tja, die Bahn setzt keine Zugführer auf den letzten Kilometern ein.

Plan A und B waren nicht umsetzbar. Am Schalter wurde gar nicht erst versucht, im Dschungel der Informationen nach einer Alternative C zu suchen. Ohne Formular, nur mit einer Unterschrift, die den Empfang des Gelds bestätigt, erhielt ich meine €84,75 zurück.

Was bleibt. Stunden der Gedankenspiele, Recherche und Planung und vor allem dabei stets die Vorfreude. Wenn ich nächster Jahr nach Warschau fahre, bin ich bereits mit vielen Vorabinformationen versehen. Schade für den Moment, aber es gibt einen weiteren Versuch (und wieder Vorfreude).

Sonntag, 17. August 2014

EK Firenze - Die Anreise per Bahn

Die Hinfahrt nach Firenze war keine ungeteilte Freude. Wegen einer Bahnbaustelle in Bayern erhielt ich vor einer Woche einen Verspätungsinformation mit einem neuen Reiseplan für mein vor drei Monaten gekauften Ticket. Der neue Reiseweg über die Schweiz war so unattraktiv, dass ich direkt zum Bahnschalter ging und in einem langen Gespräch mit verschiedenen Versuchen Alternativen andere Reisewege zu finden, war ich schließlich besser gestellt als vorher.
Ursprünglich hätte ich für diese Strecke dreimal Umsteigen müssen, bis ich in Innsbruck den CNL nach Firenze mit meiner Sitzplatzreservierung besteigen würde. Nun war es ein Direktzug nach München, wo ich am Ausgangspunkt des genannten CNL bereits meinen Platz einnahm.
Auf den 100 km zwischen München und Garmisch kletterte der Zug bereits 180 Meter hoch. Die Strecke war zum Teil einspurig und entsprechend hatten wir immer wieder in kleinen Bahnhöfen wie Huglfing Aufenthalte, um entgegenkommende Züge passieren zu lassen. Es zeigten sich die steilen Nordhänge der Alpen, teils bewaldet, teils bis ins nackte Gestein. Ab Garmisch ging es dann weiter mit der einspurigen. Vor Garmisch war bereits Sonnenuntergang und so war danach Vieles nur in Schemen mehr zu ahnen als zu sehen.
Von Garmisch (708m) klettert der Zug bis Seefeld auf 1.128 Höhenmeter, wie auch klar in den Ohren zu spüren war. Da Innsbruck dann nur auf 631m liegt, ging es schnell wieder hinab und vor Innsbruck fuhren wir sehr hoch am Talrand und sahen die hell erleuchtete Stadt mit ihrem Farbenspiel.
Der Fahrplan sieht lange Stopps in Garmisch und Innsbruck vor, da nur so wegen der außerplanmäßigen Stopps, um Züge passieren zu lassen, so etwas wie ein Fahrplan eingehalten wird. Direkt nach München gab es bereits die Durchsage, dass es auf der Fahrt keine Durchsagen geben würde, da es ein Nacht/Schlaf-Zug sei. Informationen zur Weiterfahrt mussten direkt beim freundlichen Schaffner erfragt werden.
Ich hatte als Einziger im Waggon ein Abteil für mich alleine, aber auf Nachfrage bei der Fahrkartenkontrolle erfahren, dass auch dieses Abteil vollständig ausgebucht war, aber die anderen Plätze erst in Innsbruck eingenommen würden.
Ich hatte ein günstiges Europa-Spezial-Ticket und erwartete wie vor eineinhalb Jahren im Nachtzug Basel-Chiaso auf meiner Fahrt zum EK Treffen in Genova ein Schlaf-Sitzplatz, wo ich mich ausstrecken und anlehnen könnte. Leider war es ein alter D-Zug-Waggon mit 6-er-Abteilen, die nur eine geringe Sitzplatzveränderung erlaubten.
Es war ein Waggon von 1991 und es war tatsächlich in den 1990-er Jahre vor der Abschaffung der D-Züge, dass ich zuletzt so einen unbequemen Platz hatte. Dieser Platz war für elf Stunden meine Basis und steigerte meine Unzufriedenheit so weit, dass ich mir sagte, so etwas mache ich nicht noch mal.
Gegen 23 Uhr stieg in Innsbruck eine fünfköpfige, deutsche Familie zu und irgendwie versuchten wir alle eine nicht zu unbequeme Position zu finden und so in den Schlaf zu finden. Doch was ist schon Schlaf, wenn nach dem Grenzübertritt nach Italien wir alle fünfmal durch Lautstärke oder durch eine Fahrkartenkontrolle geweckt wurden. Immer wieder wurde die sich schlecht schließende Tür zum Gang mit Krach geöffnet und jemand schaute in unser unbeleuchtetes Abteil auf der Suche nach einem Sitzplatz. Auf dem hell erleuchteten Gang wurde ständig lautstark Italienisch geredet und bei Bahnhofsaufenthalten (zum Beispiel Verona) Fenster zum Bahnsteig und damit eine weitere Krachquelle geöffnet. In Bologna verließ die Familie den Zug und drei Italiener nahmen Platz. Die Vorhänge zum weiterhin erleuchteten Gang wurden beiseite geschoben, um die wenigen Aktivitäten im Bahnhof vom Sitz zu beobachten. Damit war nach drei Stunden Schlaf (?) aufgeteilt in vier Stücke gegen 4 Uhr morgens meine Nacht vorbei. Viertel nach Fünf ging es endlich weiter Richtung Firenze, wo ich total übermüdet um 6:15 Uhr aus dem Zug stieg.
Unser Gastgeber hatte uns viele Informationen gegeben, darunter wo man billig Busfahrscheine erhält und wo man ein Frühstück bekommt. Wir beide hatten uns darauf geeinigt, dass ich nicht unmittelbar zu ihn fahren würde, so dass er noch ein wenig schlafen könnte. Das war dann aber auch nötig, denn die Busfahrkartenstelle machte erst nach 7 Uhr auf und ich musste mit meinem dreiteiligen Gepäck weit laufen, um zumindest eine Tasse Kaffee zu bekommen.
Dann musste ich mich mit einer spezifischen Form der Unpünktlichkeit auseinandersetzen. Die städtische Buslinie in Richtung zur EUI fährt an einem Samstag nur alle halbe Stunde und ich war etwa fünf Minuten vor der Abfahrt an der Haltestelle, wo sonst niemand wartete und nach zehn Minuten war der Bus immer noch nicht da. Ich ging in den Ruhemodus und nach zehn Minuten kam ein Bus der benachbarten Linie weitestgehend pünktlich. Weiter warten und sieben Minuten vor der Abfahrt des nächsten Busses meiner Richtung kam ein Bus an den Startpunkt der Linie und fuhr sechs Minuten vor dem Fahrplan los. Das war dann wohl auch eine halbe Stunde vorher passiert. Denn vor der Ankunft dieses verfrühten Busses kamen so nach und nach immer mehr Passagiere für die Linie 1A und mit der verfrühten Abfahrt war die Bushaltestelle wieder verwaist. Fahrpläne sind zur Beruhigung und signalisieren nur, dass regelmäßig ein Bus verkehrt.

Es tat so gut F. zu begrüßen. 19 Stunden nachdem ich meine Wohnung in Hannover verlassen hatte, stand ich in seinem Appartement und die Freuden des Europa-Kollegs 2014 begannen.

Dienstag, 15. April 2014

Bahn und Bus zwischen Hannover und Berlin

Am zweiten Aprilwochenende habe ich erstmals eine der "neuen" Buslinien für eine Fahrt nach Berlin genutzt. Erst mit dem Ablaufen meiner BahnCard50 habe ich als überzeugter Bahnfahrer nun probehalber das Verkehrsmittel gewechselt.

Ich fuhr mit dem ADAC-Postbus, der täglich mehrere Male aus dem Westen kommend über Hannover nach Berlin fährt. Der reguläre Preis für die einfache Strecke Hannover-Berlin beträgt 24 Euro. Doch für Frühbucher gibt es auch Tickets für 19 und sogar für 14 Euro. Ich habe fünf Tage vor Reiseantritt gebucht und obwohl meine Hinreise an einem Freitag und meine Rückreise an einem Sonntag waren, konnte ich noch Tickets für jeweils 14 Euro kaufen.
Zum Vergleich: eine reguläre Bahnfahrkarte nach Berlin kostet mit einem Regional-Express 46,90 Euro, für den zuschlagspflichtigen IC sind es 54 und für den ICE sogar 68 Euro. Wenn eine Woche vorher gebucht wird, kostet es mit dem RE 44, dem IC 39 und dem ICE 59 Euro. Wirklich billiger wird es erst bei langfristiger Vorbuchung und beim Kauf einer Hin- und Rückfahrkarte. Für den Bus zahlte ich Hin- und zurück 28 Euro. Mit der Bahn mit zwei Wochen Vorlauf kosten es mit einem RE 88, dem IC oder ICE jeweils 64 Euro.

Ich höre andere Bahn-Fans schon sagen; "aber im Zug ist es bequemer, leiser und vor allem wäre ich deutlich schneller am Ziel."
Die Fahrzeit mit dem RE beträgt 4:11. Ein Bus sollte eigentlich auch nur mit einem Regionalexpress verglichen werden. Der IC benötigt laut Fahrplan 1:54 und mit dem ICE sind zwischen 1:39 bis 1:47. Jedoch muss ich anmerken, dass in meiner langjährigen Erfahrung mit der Bahn, der ICE bei jeder zweiten Fahrt deutlich verspätet abfährt und ankommt. Die Busfahrt über Wolfsburg dauert laut Fahrplan 3:50.
Die modernen Busse sind genauso bequem wie die Sitze im Zug. OK, es ist lauter vor allem im hinteren Teil eines Busses (Hinfahrt saß ich vorne und da war es nicht laut), doch die hohen Sitze verhindern, dass ständig Telefonate zu hören sind.

Im Bus besteht Anschnallpflicht, auch wenn ich auf der Hinfahrt, wo ich fünf Personen vor und neben mir sehen konnte, keiner außer mir den Gurt anlegte.
Auf der Autobahn von Hannover nach Berlin ist die rechte Spur von einer nicht endenden Reihe von LKWs blockiert. Fahrbahnverengungen vor Baustellen führen dann schnell zum STOP + GO, was glücklicherweise nur einmal passierte, aber natürlich die Fahrt verlängerte. Nur am Wochenende scheint eine störungsfreie Fahrt möglich zu sein.

Gepäck wird abgegeben und dafür gibt es eine Marke, die später bei der Ausgabe gezeigt werden muss. Für den Kauf einer Fahrkarte muss Name und Adresse angegeben werden und vorm Besteigen des Busses, wird der Ausweis mit dem Namen auf den Ticket abgeglichen. Gepäck und Ticket erinnern damit an eine Luftreise.

Im ADAC Postbus gibt es kostenfrei eine schnelle, stabile WLAN-Verbindung und gleichzeitig Zugriff auf eine Mediathek mit Musik, Büchern, Zeitschriften, TV- und Kino-Filmen. Aktuell wurden Filme wie Hobbit 1, Harry Potter 7.1 und 7.2, Inception und viele andere Filme kostenfrei angeboten. Auf der Rückfahrt habe ich diesen Service genutzt und ich hatte nur ein einziges Mal den Eindruck, dass der Film für eine halbe Sekunde stehen blieb.
Im hinteren Busteil gibt es einen Kaffeeautomaten, der für wenig Geld Heißgetränke bietet. Kaltgetränke gibt es vorne beim Fahrer.

Abschließend meine Zusammenfassung und Bewertung.
ADAC-Postbus, Buslinie Hannover-Berlin, Buslinie Berlin-Hannover, Vergleich Bus und Bahn

Dies war meine erste Busfahrt, aber sicherlich nicht meine letzte. Die Bahn muss sich anstrengen, um nicht einen Stammkunden auf den längeren Strecken zu verlieren.
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Ein weiterer Bericht über eine Fahrt mit dem Postbus findet sich hier (11. April 2016)

Freitag, 3. Januar 2014

Freundliche Bahnreisende

Der Amsterdam-Berlin-Express war pünktlich und er war sehr voll. In Hannover standen wohl an die hundert Personen auf dem Bahnsteig und warteten darauf, einzusteigen. Nur wenige verließen den Zug und entsprechend wurde es noch voller. Wirklich jeder Sitzplatz war besetzt, selbst die Klappsitze im Fahrradwaggon. In diesem Waggon wurde bis auf eine kleine Gasse, der gesamte Boden mit Gepäck und darauf sitzenden Personen bedeckt.

Und?

Wo ist die Nachricht?

Zwei Stunden Fahrt unter diesen Bedingungen und kein böses Wort, noch nicht einmal als die Schaffnerin die Fahrkarten kontrollierte. Stattdessen immer wieder sogar ein Lächeln.

Und da behaupte noch jemand, dass wir Deutschen nur Nörgeln können.

Montag, 22. Juli 2013

Umfragen in der Bahn

Am Wochenende konnte ich sowohl auf der Hin- wie auch der Rückfahrt des Langstrecken-RE Hannover-Norddeich Mole mal wieder eine Umfrage erleben. Wenn ich die Zeit habe und mir vorher erklärt wird, was abgefragt wird, nehme ich bereitwillig an solchen Umfragen teil. Wir sollten Angaben machen zum Reiseweg, Reiseziel, Fahrkartentyp und Anlass.

Ich mache mir dann stets so meine Gedanken über die Umfrage, denn der Bahnverwaltung kann getrost stets eine schlechte Absicht unterstellt werden. Ich denke da an eine Aufteilung der Linie in zwei Teilstrecken, die komplette Umstellung auf IC oder sogar Einstellung der Linie. Alles schon erlebt!

Interessant war dann auch, wie die Interviewerin von der Hinfahrt am Samstag sich vom Interviewer am Sonntag unterschied. Aus den einführenden Worten erfuhr ich, dass beide Studierende sind und dies als Tagesjobs machen. Für jeden Wagen war einE Interviewer zuständig und es sollten natürlich so viele Personen wie möglich befragt werden. Vier Stunden hin nach Norddeich Mole, dann 90 Minuten Aufenthalt mit Chance zum Strand zu gehen, und dann wieder vier Stunden zurück nach Hannover. An einen heißen Tag in einem überfüllten Zug, wahrlich ein schwerer Job.

Die Interviewerin nahm den Job ernst. Bereits vor Bremen hatte sie nach meiner Beobachtung wirklich alle Passagiere angesprochen und stand nun in der Nähe der Tür und jedeR neu zugestiegene PassagierIn wurde bis zur nächsten Haltestelle angesprochen.
Ganz im Gegensatz dazu der Interviewer auf der Rückfahrt. Er hat auf der langen Fahrt von Oldenburg bis Bremen drei Personen angesprochen. Die Fragen waren die gleichen, wie auf der Hinfahrt. Ansonsten hatte er es sich bequem gemacht und tippte auf seinen digitalen Fragebogen.
Die Interviewerin wurde auf der Hinfahrt gefragt, ob sie bei dieser Umfrage mogeln könnte und einfach irgendwelche Daten eingibt. Sie sagte, dass sei technisch kein Problem. Da der Interviewer, der keine Fragen stellte, dennoch ständig mit seinem digitalen Fragebogen arbeitete, habe ich da so einen Verdacht was die Qualität dieser Umfrage angeht.

Samstag, 4. Mai 2013

Zitat Peter Bieri aka Pascal Mercier 1 - Bahnfahrten

Ein Beitrag als Vorfreude auf eine Bahnfahrt nach Budapest:
Ein Flugzeug besteigen und wenige Stunden später in einer ganz anderen Welt ankommen, ohne dass man Zeit gehabt hatte, einzelne Bilder von der Strecke dazwischen in sich aufzunehmen - das mochte er nicht, und es verstörte ihn. 
(Pascal Mercier (2004) Nachtzug nach Lissabon, btb, S.37)

Ein ähnlich schönes Zitat zum Thema Bahnfahrten habe ich bei Elisabeth Kostova "Der Historiker" gefunden.Habe eine Filmnotiz zur Verfilmung des Romans durch Bille August geschrieben.

Montag, 5. November 2012

Zitat Elisabeth Kostova - Bahnreisen

In der Kategorie Zitate sammele ich Aphorismen und Text-Auszüge, die Situationen, die ich erlebt habe oder Einschätzungen, die ich teile, auf den Punkt bringen.
Ein Zug brachte uns nach Wien, mein Vater hasste Flugzeuge, die, wie er sagte, das Reisen um die Reise betrogen.
(Elisabeth Kostova (2005) Der Historiker, S.17)

Ich hasse zwar keine Flugzeuge, aber wie hier im Blog zu lesen ist, bin ich ein großer Freund von Bahnfahrten und genieße das große Kino vor den Waggonfenstern. Zum Beispiel:
Hannover - Dresden /-/ Dresden - Praha /-/ Praha - Svit/Poprad

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Ein weiteres Zitat aus diesem Roman zum Beruf Historiker.
Ein weiteres Zitat zum Thema Bahnfahren, diesmal von Pascal Mercier aus seinem Roman Nachtzug nach Lissabon.

Dienstag, 17. April 2012

EKNT08 Mardorf

Den folgenden Text habe ich aus dem Blog, der zum Europa-Kolleg Nachtreffen 2008 existierte, entnommen. Das war das erste offene Nachtreffen des Europa-Kollegs mit Teilnehmenden aus den Jahrgängen 2004-2007.
Die Verknüpfungen wurden nicht neu überprüft, aber alle Namen anonymisiert.
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(nur so als Erinnerungshilfe für die Teilnehmenden und den Redakteur. Die Fotos sind ja bekannt und einige auch im Gesichterbuch veröffentlicht)

(Man muss in Norddeutschland gewesen sein, um zu verstehen, dass in der lokalen Sprache ein Meer ein großer See ist)
  • Sonntag, 24. August
    Ankunft von T. in Hannover. Gemeinsame Fahrt zum 20. Open-Air Konzert der Chopin-Gesellschaft im Georgengarten. Es wurde Musik von John Williams (Harry Potter Suite, 2001), Carl Maria von Weber (Konzert für Klarinette und Orchester Nr. 2, 1811) und Franz Liszt (Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1, 1849/55) aufgeführt.
    Nach der Rückkehr in die Wohnung kam auch S. an. Zu dritt fuhren wir in die Kneipe "... und der böse Wolf", um dort die exzellente thailändische Küche als Abendessen zu genießen.

  • Montag, 25. August
    Am Bahnhof hatten wir uns mit J. verabredet. Nun ging es zu viert zum Ferienhof Syrup-Tahn in Mardorf via Neustadt am Rübenberge. Uns wurden die Zimmer gezeigt. Bis zum Abend kamen B., M., M. und für uns sieben wurde auf der Terrasse gegrillt. In der Nacht kamen dann noch I. und D.. Wir machten einen Nachtspaziergang zum Steinhuder Meer. Es wurde spät in der Unterkunft!

  • Dienstag, 26. August
    Eigentlich wollten wir heute unsere erste Tour machen, aber da sich D. und S. für heute angesagt hatten, verschoben wir diese Fahrt und gingen stattdessen zum Strand an der Weißen Düne. Die Sportlichen in der Gruppe erlebten nun eine Enttäuschung. Das Steinhuder Meer ist ein sehr flacher See. Selbst nachdem sie mehr als 100 Meter ins Wasser gegangen waren, hatten sie immer noch Grund. S. brachte spät am Abend die notwendigen Niedersachsentickets für die Reise am nächsten Tag mit.

  • Mittwoch, 27. August
    Wir fuhren relativ spät (nun zu elft) mit dem Bus nach Neustadt und weiter über Hannover nach Hameln. Ich führte die Gruppe zunächst zur Weser und gab dort eine Einführung in die Sage vom Rattenfänger. Vom Ufer ging es die Altstadt. Die Besteigung des Kirchturms der Münsterkirche St. Bonifati war wegen Renovierungsarbeiten leider nicht möglich. Die Bauarbeiter ließen uns aber dennoch in die Kirche, so dass der Altarbereich dieser schlichten Schönheit besichtigt werden konnte. Weiter ging es in die Altstadt. Die Seriengeschäfte verhunzen die ganze Schönheit. Nur wer als Hans-guck-in-die-Luft durch die Straßen geht, sieht die Schönheit der historischen Straßenzüge. Am Marktplatz machten wir Rast und bestiegen schließlich den Turm der Marktkirche St. Nikolai. Vorher wurde uns auf dem Marktplatz eine Horrorgeschichte über einen spektakulären Selbstmord vom Kirchturm aus erzählt. Der Aufgang zum Turm war schmal und wurde schmaler. Als wir schließlich über der Stadt standen, war die Stellfläche auch weitestgehend gefüllt. Vom Turm ging es zum Pfannkuchenhaus, wo wir unser Mittagessen zu uns nahmen. Die Stadt Hameln bot für uns nicht so viel. S. und ich hatten deshalb als Plan B die Weiterfahrt nach Hildesheim eingeplant.
    Es gibt eine direkte Zugverbindung nach Hildesheim. Dennoch war es bereits 18 Uhr als wir in der Stadt ankamen. Ich befürchtete, dass wir in einer stillen Stadt ankommen würden und hatte leider Recht. Die sehr kleine Großstadt Hildesheim fällt nach 18 Uhr in ihren täglichen Schlaf. Wir gingen zur St. Michaeliskirche, die Teil des UNESCO Weltkulturerbes ist. Leider waren die Türen bereits geschlossen. Also weiter zum Dom. Der war wie auch der Rosenstock offiziell bereits für Touristen geschlossen. Im Dom fand eine Abendandacht statt und als diese beendet war gingen wir hinein und im Flüstertonfall bewunderten wir die Bronzetür und den großen Leuchter. Wir wurden schließlich nach draußen komplimentiert und schauten uns dort einen archäologischen Stichgraben an. Das Umfeld des Doms war früher ein Begräbnisplatz und entsprechend hatten die Archäologen verschiedene Gräber angeschnitten. Deutlich sichtbare Knochen waren zu sehen. Erstaunlich fand ich, dass einige der Gräber weniger als einen halben Meter unter der Oberfläche zu finden waren. Der Rückweg führte auch über den Marktplatz.
    Im Dunkeln ging es mit dem Zug zunächst nach Hannover und zu Fuß zu meiner Wohnung. Ich musste noch Post kontrollieren, meinen Rollkoffer für die Tagung in Loccum packen und die Wohnung für zwei Personen, die vor der Alumni-Tagung in Hannover ankommen wollten und denen ich meine Wohnung angeboten hatte, vorzubereiten. Doch dann war da die Nachricht, dass ich meinen Hausschlüssel nicht deponieren konnte, da die angesprochene Freundin kurzfristig wegfahren musste. Ich informierte die beiden in Porto und Bilbao und schlug ihnen vor, stattdessen direkt nach Mardorf zu fahren.
    Wir hatten seit den Pfannkuchen nichts mehr gegessen. Der Versuch, in der List auf die Schnelle zu Abend zu essen, scheiterte. Wir waren so spät in der Wohnung angekommen, dass die Geschäfte im Umfeld bereits geschlossen waren und als die Kundschafter schließlich mit Pasta und Pizza in der Wohnung ankamen (sie waren die Meile bis zum Bahnhof zurückgegangen), war die Zeit schon weit fortgeschritten. Es gab sogar die ernsthafte Diskussion, ob wir nicht einfach in der Wohnung übernachten. Wir brachen aber zum Bahnhof auf, um die letzte Bahn und den letzten Bus nach Mardorf zu erreichen. Im Zug wurde die schnell erwärmte Pizza ausgepackt und an alle verteilt.
  • Donnerstag, 28. August
    Da sich für heute L. und L. angekündigt hatten, wurde keine Fahrt unternommen. Sie kündigten sich individuell per SMS für den Nachmittag an. Als wir am frühen Nachmittag zum Supermarkt gingen, traute ich zunächst meinen Augen nicht. Eine farbenfroh gekleidete Frau kam uns entgegen.
    Das ist doch (...), nein das kann nicht sein (...), doch (...)
    Da kam uns M. entgegen. Sie hatte sich eigentlich erst für den nächsten Tag angekündigt. So war es eine freudige Überraschung.
    Es war ein wunderbarer Tag. einfach nur zu beobachten, wie sich alle freuten, als die nächste Person und dann die nächste ankam. Nun waren wir mit 14 Personen vollzählig. Abends hat S. mit Unterstützung für uns gekocht.
  • Freitag, 29. August
    Nach einen langen Frühstück verließen wir erst nach halb elf unsere Unterkunft und gingen zur Bushaltestelle. Wir mussten in Neustadt warten, was aber bei den guten Wetter kein Thema war. Eine Stunde später waren wir mit dem RE in Bremen und eilten zu unseren Anschlusszug. Auf dem Gleis waren Menschenmassen, die alle nach Bremerhaven wollten. Als uns versichert wurde, dass ein weiterer Sonderzug nach Bremerhaven fährt, ließen wir die Massen zum regulären Zug drängen und fuhren etwas später. Auch dieser Zug war gut gefüllt und in Bremerhaven standen viele, die auf den Bus zum Hafen warteten.
    Wir drängten uns in den Bus und nach zehn Minuten war der Grund für die Menschenmassen zu sehen. Es fand gerade die Lütte Sail statt und Dutzende große Segelschiffe lagen im alten Hafen. Unser Ziel war aber das Deutsche Auswandererhaus (DAH).
    Ich hatte im Herbst 2005, kurz nachdem das DAH eröffnet wurde, die erste Auflage der Unterrichtsmaterialien erstellt. Da es aber bereits nach 14 Uhr war und unser Magen auf Halbmast hing, ging ich erst einmal mit der Gruppe zum gegenüberliegenden asiatischen Restaurant, wo ich bereits 2005 mehrmals zu Mittag gegessen hatte. Es war voll und es dauerte entsprechend lange, bis wir alle unser Gerichte vor uns hatten. Nach der Mahlzeit musste ich feststellen, dass die Herrentoilette in einem schockierend ekelhaften Zustand war. In dieses Restaurant gehe ich nie wieder!
    Das DAH war für mich relativ teuer; 10,50 Euro musste ich für einen Besuch bezahlen. Die Alumni zahlten nur 6-8 Euro, weil sie internationale Ausweise der UNIs dabei hatten. Hinter der Kasse sah ich kurz die Direktorin und wechselte einige Worte mit ihr. Das DAH hat sich natürlich weiter entwickelt. Die einzelnen Räume sind noch intensiver zu nutzen. Es gibt mehr Figuren in der Inszenierung der Kaje und schriftliche Informationen waren verändert wurden. Meine Unterrichtsmaterialien werden wahrscheinlich nicht mehr genutzt, denn zur Beantwortung der Fragen an die Schüler waren einige dieser Informationen, die ich nun nicht mehr sah, notwendig. Die Galerie der 7 Millionen bietet deutlich mehr biographische Informationen. Die Gruppe bewegte sich sehr langsam und bereits in der Inszenierung der Überfahrt erfuhr ich, dass gleich zum letzten Mal der Film im Ocean Cinema laufen würde. Einige gingen nun an den Inszenierungen vorbei und direkt zum Kino. Ich probierte mit M. den Einwanderungstest, der auch erweitert wurde und probierten, wie wir eine Ablehnung erreichen konnten. Das Global Village existierte nicht mehr. Hier war nun ein Raum für Sonderausstellungen, aktuell ging es um die Auswanderung nach Argentinien.
    Wir blieben länger als vorgesehen und erst gegen 18:30 Uhr, also eine halbe Stunde nach der Schließung war die Gruppe vollzählig vor dem DAH.
    Nun ging es ins Hafenbecken, doch ich lotste die Gruppe schon bald zum Deich. Hier sah ich einige Köpfe auf einer Plattform des Edelhotels, dass die Szenerie dominiert. Schnell stellten wir fest, dass auch wir auf diese Plattform dürfen. In einem voll automatisierten Kassenbereich erhielten wir den Zugang und mit einen Expresslift ging es nach oben in neunzig Meter Höhe. Als höchstes Gebäude der Stadt, sah man das kleine Bremerhaven und sein Umland mit den Hunderten von Windrädern.
    Wieder unten trennte sich die Gruppe, auch wenn viele zusammen blieben. In einer Nordischen Runde machten wir schließlich Statements über den bisherigen Tag.
    Unsere Rückfahrt bereitete dann leider Stress. Zunächst verzögerte sich die Abfahrt unseres Zuges, so dass es fraglich wurde, ob wir unseren Anschluss in Bremen, der gleichzeitig die letzte Verbindung für uns war, erreichen würden. Es klappte, aber dann war da die Warnmeldung, dass sich Menschen auf den Gleisen befinden und nun ging es im Schritttempo aus Bremen heraus und die Abfahrtzeit des letzten Busses nach Mardorf rückte näher. Doch auch dies klappte und wahrscheinlich hatte ich mal wieder unnötig Stress.
    Leider wurde der Berichterstatter von der Gruppe vor der Unterkunft unbewusst ausgeschlossen und hatte danach Probleme ins Haus zu kommen.
  • Samstag, 30. August
    Wie am Vortag ging es am späten Vormittag mit dem Bus nach Neustadt und nach dem üblichen Warten mit einem RE Richtung Bremen. Diesmal stiegen wir aber in Verden um, und es ging nun nach Rotenburg (Wümme), wo wir einen Metronom nach Hamburg bestiegen. Es war zu merken, dass es ein Samstag ist. Der Zug war sehr gut ausgelastet. Auf dieser letzten Teilstrecke gab es sehr lustig klingende Ansagen. Die männliche Stimme hatte genau den norddeutschen Tonfall und sprach jeden Haltepunkt mit empathischer Freude aus, was stets zu einen Schmunzeln oder Lachen führte.
    In Hamburg hatten wir verschiedene Ziele, die schließlich in einer Nacht in der Stadt enden sollten und die Rückfahrt war erst nach dem Fischmarkt vorgesehen. Doch zunächst verabschiedeten wir uns von M., die weiter nach Norden fuhr.
    Wir gingen direkt in die S-Bahn zu den Landungsbrücken, wo wir nach kurzen Warten eine HADAG-Fähre nach Westen bestiegen. Leider war dieser ehemalige Geheimtipp keiner mehr. Diese Fähre war in der überwiegenden Mehrheit mit Touristen wie uns gefüllt. Auf dem Oberdeck war kein Platz frei und so war dieses von mir empfohlene Highlight zunächst ein Flop. Wir fuhren bis zum Endpunkt Finkenwerder, wo viel mehr Menschen ausstiegen als einstiegen. Nun hatten wir als Gruppe Plätze auf dem Oberdeck und konnten endlich bei guter Sicht eine Hafenfahrt genießen.
    Wir stiegen aber bereits an der Haltestelle Dockland aus, weil uns das dortige Bürogebäude anlockte. Wir stiegen die Treppen bis auf 30 Meter hoch und hatten nun einen Blick auf den Hafen. Es ging weiter zu den Landungsbrücken und von dort mit der U-Bahn nach Altona, wo wir zu Mittag essen wollten. Kurz vor der Fußgängerzone mussten wir an der Max-Brauer-Allee warten und der suchende Blick fand Werbung für portugiesische Küche. Die ausgehängte Speisekarte wusste nicht zu überzeugen, aber das benachbarte New Africa Restaurant - Africa Point, dass den Charme einer italienischen Eisdiele ausströmte, wurde betreten und ich denke keiner hat es bereut. Für wenig Geld gab es westafrikanische Küche, ich vermute mal aus Nigeria oder Ghana.
    Nach dem Essen fand ein Ratschlag statt. Es stellte sich heraus, dass gleich mehrere kein Interesse hatten, die Nacht in Hamburg zu verbringen. Lange Rede - kurzer Sinn. Nur drei der Männer wollten PARTY in der Stadt machen, für uns anderen galten nun zwei mögliche Abfahrtzeiten vom Hauptbahnhof via Bremen nach Neustadt, wo wir dann ein Taxi nach Mardorf nehmen wollten.
    In Hamburg konnten wir via SMS erfahren, dass S. hundemüde in Mardorf angekommen war. Wir hatten ihr mitgeteilt, wo sie einen Zimmerschlüssel und damit ein freies Bett finden kann.
    Wir spazierten auf der Reeperbahn als eine von vielen Gruppen bis zum Spielbudenplatz. Eine Gruppe von Jungmännern verabschiedete einen Junggesellen, der sich in aller Öffentlichkeit in einem Kostüm lächerlich machen musste. Nachdem wir für den Abend und die Nacht noch einiges eingekauft hatten, wurde auch eines der spezialisierten Kaufhäuser besucht. Na ja, das gehört dazu. Danach ging es für uns bereits zum Bahnhof und nach Mitternacht standen wir in Neustadt und erfuhren vom Taxiruf nur, dass wir etwa eine Stunde auf ein Fahrzeug warten sollten. Kundschafter wurden ausgeschickt, da irgendwo in der Nähe eine Party war und dort vielleicht ein Taxi gefunden werden konnte. Das klappte! Und von den einen Taxi wurde ein weiteres Großtaxi gerufen. Wir waren ein gutes Geschäft und vor ein Uhr waren wir in der Unterkunft, wo wir von S. begrüßt wurden.
  • Sonntag, 31. August
    Es war ein ruhiger Sonntagmorgen. Nach den Frühstück gingen S. und ich zur Vermieterin und bezahlten die Unterkunft. Trotz der ständig wechselnden Zahl von benötigten Betten (und Frühstück) zahlten wir eine Pauschalsumme, die ein wenig niedriger als der Listenpreis war. Am Ende kostete B+B €16,05 je Tag plus einmalig €6,00 für Bettwäsche und Handtücher. Als wir mit dem Frühstück fertig waren, kamen mit großem Hallo die Nachtschwärmer aus Hamburg zurück. Sie waren total aufgekratzt und es gingen ihnen offensichtlich sehr gut! Sie wollten sich aber erst einmal hinlegen.
    Das Wetter war gut und am Nachmittag gingen wir alle noch einmal zum Strand. Da erreichte mich dann auch die Nachricht, dass nun auch F. angekommen war. Er wurde über unsere Ziele informiert und während wir am Strand lagen, kam er dazu.
    Am Abend gingen wir schließlich gemeinsam in ein italienisches Restaurant (Inselblick Ristorante und Pizzeria Venezia). Nach Pasta und Pizza ging es entlang der Hauptstraße zurück. Nach wenigen Hundert Metern fielen drei von der Gruppe auf, die laut im Gleichschritt zählten 2 - 4 - 6 - 8 - ...ich - 2 - 4 - 6 - 8 - ...ich - 2 - 4 ... Als ich einmal zuhörte waren Sie bereits irgendwo zwischen 300 und 400 angekommen. Ungefähr auf halber Strecke zur Unterkunft wurde die 900 überschritten und dann war die 1.000 erreicht und Sie setzten sich auf den Fußweg: "Nach dem Essen sollst du ruh'n oder 1.000 Schritte tun". sie hatten beides gemacht und schließlich waren es 1.600 oder 1.700 Schritte (?Die Herren Zähler werden es genauer wissen?) zwischen dem Restaurant und der Herberge.
  • Montag, 1. September
    Vor, während und nach dem Frühstück fand das Packen statt. Eigentlich sollten wir bis 10 Uhr die Zimmer geräumt haben, aber wir hatten uns so verständigt, dass wir um 10 Uhr ein erstes Zimmer zum Beginn der Reinigung verlassen würden. Es waren ruhige Stunden mit Briefen, Gesprächen und Tischtennis.
    Für 14 Uhr war ein Sonderbus der Firma Eberhardt aus Loccum gebucht, der uns über Wunstorf nach Loccum fahren sollte. Der Bus war pünktlich und über Rehburg und Altenhagen ging es zum Busbahnhof. Der nervöse Blick auf die Uhr zeigte, dass wir einige Minuten zu spät angekommen waren. Die anderen Alumni warteten bereits. Es tat gut, die vielen Gesichter wieder zu sehen. In einem Kleinbus saßen die Offiziellen.
    Wir verabschiedeten uns noch schnell von M., der leider keine Zeit für die Alumni-Fachtagung hatte und dann fing das nächste Kapitel an, als der Bus nach Loccum fuhr.
  • Dienstag, 7. Oktober
    Ein Rückblick: Mardorf und schließlich Loccum waren sehr wichtig, um das Netz über Europa zu stärken. Ich hoffe, dass viele Freundschaften und Bekanntschaften aufgefrischt und entstanden sind.
    Ich habe ein gutes Gefühl!
- - - - -
2 Kommentare

dana said...
Wann war denn unser Aktion; bitten wir den Unbekannten mit dem Motorrad um Hilfe damit wir Bier haben?
dana
P.S.:2070 Schritte
14 Oktober 2008 09:10

Ulaya said...
Das war am Freitag nach unserer Fahrt nach Bremerhaven. Ich meine mich daran so gut zu erinnern, weil ich einen ersten Wadenkrampf noch auf dem Busbahnhof hatte, der dann in Mardorf wieder kam und zu der Situation führte, die mich vor verschlossener Tür zurück ließ. :-(
Das Moto-Bier versöhnte ein wenig! :-)
15 October 2008 13:25

Donnerstag, 12. April 2012

Komfort der modernen Bahn

(Foto: Jürgen Götzke, wikimedia commons)
Es schwankte
es ruckte
die Augen mussten immer wieder die begonnene Zeile suchen.

Es lärmte
es kühlte
von den Wagenübergängen.

Es war voll in den Gängen und vor den Türen,
es gab nur 4-er Sitzbänke, statt sich dazu zu setzen,
standen sie lieber.

Die Doppelstock-Waggons gibt es seit den 1990-er Jahren, dies war einer der alten "Silberlinge" (n-Wagen) im roten Kleid. Waggons mit Sitzbänken, Schiebefenster und mechanischen Türen. Selbst die Regionalbahn hat heute neue Waggons.

Es braucht solche Fahrten wie am heutigen Morgen, um zu realisieren, wie weit sich der Komfort für uns Bahnreisende entwickelt hat.

Freitag, 6. Januar 2012

Hannover - Genova / Bahnfahrt statt Flug

Geht doch.
Mit entsprechender frühzeitiger Buchung ist eine Bahnfahrt selbst auf einer so langen Strecke günstig und von der Reisezeit erträglich. Das Lustige ist, dass mir schon mehrmals gesagt wurde, dass lange Bahnfahrten zu Spezialkonditionen abgelehnt werden, weil man sich frühzeitig festlegen muss. Hm, Flugtickets werden Monate vor der Reise gekauft und legen einen sehr strikten Zeitplan fest. Bahntickets können erst drei Monate vor der Fahrt gekauft werden.

Ich war mit einem Europa-Spezial-Ticket unterwegs und nutzte bis Basel einen CityNightLiner mit Schlafsessel (habe auch wirklich geschlafen!). Leider sind die internationalen Züge reservierungspflichtig. So musste ich für die Hin- und Rückfahrt auch noch Platzkarten für den Transit durch die Schweiz zahlen, obwohl auf beiden Strecken viele Plätze frei waren.

Was kostet nun so eine Fahrt? Ich habe für U-Bahn Hannover, Zugfahrt via Basel und Milano bis Genova Brignole und zurück 159,60 Euro bezahlt. Die Hinfahrt hat von meiner Haustür bis zur Zimmertür in der Unterkunft 17 Stunden und die Rückfahrt 19 Stunden (davon leider 4 Stunden Aufenthalt in Basel) gedauert.
Die "Alternative" wäre ein Flug gewesen. Lufthansa kostet 168,44 Euro für einen Flug Hannover-München-Genua und zurück. Hinzu kommt die S-Bahn/Bus in Hannover (2 x 3 Euro) und der Flughafen-Bus in Genua (2 x 4 Euro). Diese Reise kostet also 182,44 Euro. Der Flieger startet um 10:50 Uhr, d.h. spätestens um 8:00 Uhr morgens muss das Haus verlassen werden und der Flieger landet um 17:25 Uhr in Genua (München 3:50 Transit), dann noch Gepäck und Bus und gegen 19 Uhr sollte man in der Unterkunft sein. Im besten Fall wäre es also eine Reisezeit von 11 Stunden.

Meine Reise war länger, die Rückreise sogar anstrengend. Ich hatte dann aber das Glück, dass ich zwischen Mannheim und Hannover ein Abteil mit einer Reisenden auf der Heimreise aus dem südlichen Afrika teilte. Es war ein anregendes Gespräch über Studium und Politik.

Mittwoch, 14. Juli 2010

J.K. Rowlings und die Deutsche Bahn

Wer kennt nicht den für den normalen Menschen („Muggel“) unsichtbaren Zug, der nach Hogwarts fährt. Ich behaupte nun, dass J.K. Rowlings diese Idee bei der Benutzung der Deutschen Bahn gekommen ist.

Das Bahnhofsmanagement Braunschweig sah mal wieder einen Zug, den wir als wartende Passagiere nicht sehen konnten. Die freundlichem weibliche Stimme sagte, dass auf dem Gleis 5 der Zug nach Hannover steht. Ich bin offensichtlich ein Muggel, denn ich stand auf dem Bahnsteig für die Gleise 5-6, sah keinen Zug und auch in den nächsten 5 Minuten konnte ich keinen Zug einrollen sehen.

Dienstag, 18. Mai 2010

Metronom und die Bahn

Der Metronom hat in den letzten Jahren der Bahn einige Regionalstrecken hier in Niedersachsen abgenommen. Dies war mit keinem Qualitätsverlust verbunden, da die Bahn in ihrem Mehdorn-Wahn (Morbus Mehdorn) nur selten Qualität im Regionalverkehr bot. Die Züge des Metronoms sind dagegen zum Beispiel sauberer und unangenehm sind mir bisher nur die viel zu langen Durchsagen in Erinnerung. Da ich oftmals dieselben Strecken fahre, würde ich gerne im Zug lesen, doch die Lautsprecher verhindern, dass sich die literarische Welt auftut.

Letzte Woche war nun zu lesen, dass die Bahn die Mehrheit an Arriva plc (UK) übernimmt und damit einen deutlichen Einfluss auf den Metronom erwirbt. Meine Recherche im Internet ergab das folgende Bild:Die Breite jedes Eintrags gibt den Prozentanteil an (1 Pixel = 0,2%).
Die Eigentümer des Metronoms sind über mehrere Ebenen verschachtelt. Am Ende bleiben Arriva plc (UK) mit 30,7%, die Verkehrsbetriebe Bachstein (Celle) mit 5,0%, niedersächsische Landkreise und Kommunen mit 34,2%, die Freie und Hansestadt Hamburg (HH) mit 12,8%, der geschlossene britische Investmentfond International Public Partnerships Limited (INPP) mit 12,3% und die Hansestadt Bremen mit 5,0%.
Die Bahn wird mit der Übernahme von Arriva plc "nur" knapp 31 Prozent vom Metronom übernehmen, aber das kann dennoch als ein "unfriendly takeover" bezeichnet werden. Kartellrechtlich muss diese Übernahme überprüft werden und es ist sehr wahrscheinlich, dass Arriva plc seine Anteile an Arriva Bachstein oder OHE verkaufen muss. Nachdem die Bahn den Bieterwettbewerb für Strecken gegen Metronom verloren hat, versucht sie durch die Hintertür dies auszugleichen, aber das Kartellamt kann dies verbieten.

- - - - -Quellen:
taz-Artikel vom 11. Mai 2010: Metronom droht aus dem Takt zu geraten
Wikipedia: Metronom und dann die weiteren Artikel zu den Eigentümern

Donnerstag, 13. September 2007

Reisetipp Elbfähre

Am Strand zu stehen und in die scheinbare Unendlichkeit des Wassers zu schauen, hat etwas Meditatives. Dies gilt auch schon im Kleinen, wenn es der Elbstrand ist und nach bereits einem Kilometer Schleswig-Holstein den Ausblick begrenzt. Eine besondere Freude ist es, mit einem Boot oder einer Fähre eines der großen Gewässer zu befahren. Trotzdem wird dies nur selten verwirklicht, da die Elbfähre von Wischhafen nach Glückstadt etwa 30 Kilometer von Stade entfernt ist und mal eben €3,00 (+ €2,00 für Fahrradmitnahme) für eine Hin- und Rückfahrt kostet. Es gibt eine billige Alternative, für eine Fahrt auf der Elbe, die mir bis vor einer Woche nicht bekannt war. Das Niedersachsenticket ist auf allen Linien in Bremen und Hamburg gültig. Wir waren mit der Familie in Hamburg und nutzten S-Bahn, U-Bahn und eine Elbfähre. Genau, von den Landungsbrücken verkehren vier Linien der HADAG, die mit einen normalen Fahrschein der HVV oder eben dem Niedersachsenticket genutzt werden können. Wir fuhren von den Landungsbrücken mit drei Stopps die längste Strecke elbabwärts bis zum Endpunkt Finkenwerder und von dort zurück bis nach Altona. Insgesamt fast eine Stunde auf dem Wasser auf dem oberen offenen Deck. Wir fuhren dicht am Fischmarkt und Blankenese vorbei. OK, eine Hafenrundfahrt bietet viel Information, aber eben auch viel Gedöns und kostet außerdem pro Person €9,00. Wir kennen Hamburg seit der Kindheit und brauchen diese Anekdoten nicht und ich sah glückliche Menschen in Altona von der Fähre steigen.

Sonntag, 19. August 2007

Reiseplanung und Bahnstreik

Im letzten Jahr habe ich bei Fahrten mit der Bahn so viele Bonuspunkte gesammelt, dass meine Hin- und Rückreise zum Flughafen Köln-Bonn mit einem Freifahrschein erfolgte. Seit Wochen schwebte das Schwert eines Streiks der Lokführer über der Reiseplanung für Barcelona. Als ich wenige Tage vor dem Abflug mit meinem Gutschein zum Schalter in Hannover ging, war seit zwei Tagen klar, dass genau an meinem Reisetag, der Streik beginnen sollte. Der Reisegutschein der Bahn war für mich unerwartet mit Zugbindung versehen. Plötzlich musste ich am Schalter entscheiden, wie ich die Streikgefahr minimiere und entschied mich dafür, dass ich eine Direktverbindung mit einem ICE wähle, die mir Verspätungen von zwei oder drei Stunden erlauben würde, ohne dass ich den Flug verpasse.
Nun wurde der Streik vom Arbeitsgericht untersagt und ich jubelte nicht. Es gibt nur wenige Gebäude, die noch anonymer und kälter sind als internationale Flughäfen und ich musste fast fünf Stunden an diesen merkwürdigen Nichtort verbringen.

Donnerstag, 5. Juli 2007

Bahnhofsmanagement Braunschweig

Auf den kleineren Bahnhöfen, und ich würde Braunschweig hierzu zählen, findet sich zwischen den internen Hinweistafeln stets ein Farbfoto mit dem Team vom Bahnhofsmanagement. Dies ist ein verantwortlicher Job, aber hier kann ich zweimal in der Woche auf dem Hin- und Rückweg zur Arbeit erleben, dass einzelne Elemente in der Kundenbetreuung immer noch nicht verstanden wurden.

Beispiele gefällig?

Kurz bevor der Zug nach Hannover bereitgestellt wird, kommt auf dem gleichen Gleis ein Zug aus Hannover mit der Endstation Braunschweig an. Auf den Anzeigetafeln steht entsprechend zunächst „Ankunft 17:04 nicht einsteigen“, dann erlischt die Anzeige und dann wird die Abfahrt meines Zuges angezeigt. Die Anzeige für den Folgezug erscheint in der Regel, wenn der andere Zug noch im Gleis steht und ein Zugbegleiter durch den leeren Zug geht, um Fenster zu schließen, etc. Regelmäßig sehe ich Menschen auf das Gleis stürmen und bei den Versuch, den Zug, der nun auf ein Abstellgleis fahren soll, zu besteigen. Manchmal schaut der Lokführer aus seinem Fenster und informiert diese Irrläufer. Es gibt eine Bahnsteigüberwachung durch Kameras, also eigentlich sollte das Management wissen, wann eine Anzeige aktualisiert werden sollte.

… oder …

Während ein Zug einfährt und die kreischenden Bremsen jedes Gespräch auf dem Bahnsteig zum Verstummen bringen, beginnt bereits die Willkommensmeldung vom Bahnhof gefolgt von den Hinweisen auf Anschlussverbindungen. Ich kenne es selbst zur Genüge, im abbremsenden Zug ist kein verständlicher Satz von den Bahnsteigansagen zu hören. Erst wenn die Türen sich geöffnet haben, erreichen mich als Reisenden die für mich bestimmten Nachrichten, die dann aber bereits kurz vorm Ende sind. Und wieder gilt, die Kameras sollten dem Management zeigen, wann ein Zug steht und somit wann Informationen für die umsteigenden Reisenden sinnvoll wären.

(Nachtrag Dezember 2008):


. . . oder . . .

Fünf bis zehn Minuten vor der Bereitstellung eines Zuges kommt die Stimme vom Band, die darüber informiert, dass auf dem Gleis 5 der Zug (nach Hannover und weiter in den Westen) bereit steht. Die Bahnhofshalle wird verlassen und der Bahnsteig betreten. Es ist Dezember, es ist lausig kalt auf dem Bahnsteig und der Zug steht noch auf dem Abstellgleis und nur die drei Frontlichter sind in der Ferne zu sehen. In den nächsten Minuten passiert nichts und wenn dann endlich der Zug bestiegen werden kann, bin ich garantiert vollständig durchgefroren.
Und wieder gilt, die Kameras sollten dem Management zeigen, wann ein Zug tatsächlich zur Verfügung steht und somit wann Informationen für die Reisenden sinnvoll wären.

Diese Ignoranz lässt mich als planenden Menschen nur den Kopf schütteln.

Nachtrag vom 25. März 2009:
... und als ich heute dann darauf hinwies, dass die Zuganzeige für mein Gleis auf beiden Seiten bereits den Folgezug zeigte, wurde ich wie ein kleines Kind behandelt. Das Gleis ist oftmals zweigeteilt, da von dort nur kurze Regionalbahnen in zwei Richtungen abfahren. Ich wurde darauf hingewiesen, dass auf dem Gleis später auch ein Zug nach Gifhorn fährt.
Ich wiederholte, dass auf beiden Anzeigen dieser Zug nach Gifhorn angezeigt wird. In der folgenden Hektik der Korrektur wurden die Sprachschnipsel aus dem Computer zunächst unvollständig zusammengefügt. Es hallte die Nachricht, dass mein Zug im Abschnitt a abfährt. Hm, war die Nachricht nur für mich, denn es wurde kein Gleis genannt. Der Fehler wurde aber sofort korrigiert und danach wurde jede Minute angesagt, dass auf dem Gleis zwei Züge stehen.

In der Summe:
unfähig, unfreundlich und nicht lernfähig,
denn bei meiner nächsten Fahrt wenige Tage später war wieder nur der Zug nach Gifhorn angezeigt und ich erlebte gleich zweimal, dass Passagiere vorne beim Lokführer einstiegen und sich dort noch einmal bestätigen ließen, dass sie nun in den richtigen (nicht angezeigten) Zug gestiegen sind.

Montag, 18. Juni 2007

Poprad nach Budapest

Reisetagebuch Osteuropa 2007

31. Mai - 1. Juni

Poprad -
Kosice -
Budapest -
Bucuresti


(Mein Gepäckberg in Kosice)



(Wasserdruckbehälter im Norden von Ungarn)

Prag nach Svit

Reisetagebuch Osteuropa 2007

Am Morgen vom Pfingstmontag, dem 28. Mai verabschiedete sich zunächst der Freund, der einen Termin außerhalb von Prag hatte. 
Nach einem weiteren guten Frühstück ging es mit meinen vier Gepäckstücken zügig zur Bushaltestelle. 



(Ein letzer Blick aus Zuzanas Zimmer)
(und so sehen die Gebäude der Matematicko-fyzikalní fakulta UK von oben bei GoogleEarth aus)

64 Stunden Prag waren sehr schnell vergangen und mir war klar, dass ich unbedingt wieder in die Stadt zurückkehren werde. Nicht nur um weitere architektonische Schönheiten zu entdecken, sondern auch, um weitere Gespräche zu führen. In einem Reiseführer meiner Mutter werden viele Orte genannt, die ich nicht oder nur am Rande gesehen hatte. Hatte ich den berühmten Wenzelsplatz gesehen? Wie sieht der Veitsdom von innen aus? Welche Museen sollte ich noch besuchen?
Der Massentourismus ist abschreckend, aber nach dieser wunderbaren Einführung von Zuzana sollte es mir bei meinem zweiten Besuch gelingen a) eine einfache Herberge zu finden und b) dem Menschenstrom zum Teil aus dem Weg zu gehen. Das kenne ich schon von anderen Destinationen, wie es so verquer im Tourismus heißt. Touristen schlafen lange und frühstücken ausgiebig. Die Schönheiten der Altstadt werde ich also beim nächsten Mal früh am Morgen vorm Frühstück besichtigen. Für die Museen werde ich bestimmt ähnliche Leerzeiten finden.


Vor der Abfahrt gab Zuzana noch Empfehlungen für die Freizeit in Poprad. Einen Spaziergang in der Hohen Tatra hatte ich mir bereits fest vorgenommen. Sie sagte, dass ich unbedingt in das benachbarte Kežmarok fahren sollte. Die dortige Burg sei sehenswert. Sie kenne die Burg genau, da sie dort im Sommer Reisegruppen führt. In Poprad selber gibt es eine ehemalige Fabrik, in der heute Moderne Kunst ausgestellt wird.

Mit einer herzlichen Umarmung verabschiedete ich mich von Zuzana und bestieg meinen Zug.
In Prag wird übrigens eine Ansage auf dem Bahnsteig mit einem Glockenspiel eingeleitet. Es ist die Melodie von Smetanas Moldau.

Hinter Kolín fuhren wir wieder entlang der Elbe. Der Fluss hat hier eine Breite von etwa 10 Metern. Die Ufer sind befestigt, also ist es eher ein Elbe-Kanal, und die Elbe ist offensichtlich noch ein industriell genutzter Wasserweg. Bei Recany war dann auch ein Hafen zu sehen. Der Fluss weitete sich im weiteren Verlauf zu einem See, ob dies durch ein Sperrwerk oder natürliche Gründe hat, habe ich nicht gesehen.
Die Modernisierung der Bahn schreitet voran. Sah die ersten Beton-Lärmschutzwände entlang der Bahnstrecke.
Die Elbe wurde schließlich zu einem Fluss wie ich ihn aus meiner Region kenne. Totarme mit Weiden zeigten die Überschwemmungsaue.
Bei Česká Třebová (Böhmisch Trübau) passierten wir so etwas wie ein Abstellgleis, genauer Abstellgleise. Wenn ein Filmproduzent rollendes Material für einen historischen Film benötigt, dann sollte er einmal hierher fahren. Alte Lokomotiven der Post-Dampfzeit und wenige verfallene Viehanhänger standen auf einer längere von mehreren hundert Metern auf einer Vielzahl von Abstellgleisen.
Die Natur ist wahrlich genauso wenig existent wie bei uns, aber hier tauchen Tiere auf, die bei uns bereits als Einzeltiere eine Erwähnung wert sind. Auf einem feuchten Teil eines Ackers bei Moravičany zählte ich gleich 12 Weißstörche.
Bei Třinec passierte der Zug ein großes Stahlwerk mit rauchenden Schloten, die deutlich auch graue, blaue und schwarze Elemente im Rauch zeigten. Hier gibt es noch viel Potential zur Verbesserung der Produktion.
An den Gleisen war stets eine vielfältige Vegetation zu sehen. Mal war es über eine lange Strecke roter Mohn, dann blauer Fingerhut und eine gelb-weiß blühende Pflanze. Die Vernichtungsstrategie der Deutschen Bahn mit ihren extremen Giften zur Beseitigung von Pflanzen im und am Bahnkörper lassen kein vergleichbares Bild aus Deutschland aufkommen.
An der Grenze zwischen Tschechien und der Slowakei nahm der Grenzer meinen Pass gar nicht erst zur Hand. Ein Blick auf die weinrote Hülle aus einem Meter Entfernung und eine Handbewegung, dass ich das Dokument wieder einstecken kann. Da erkennt man dann die Kostbarkeit unseres EU-Passes.
Immer wieder waren Baustellen für Schnellstraßen und auch an der Bahnstrecke zu sehen. Es mag idealistisch klingen, aber jede Baustelle setzt ein doppeltes Zeichen. Zum einen wird auf die Reparatur- und Ausbaunotwendigkeit verweisen und zum anderen und wesentlichen ist dies auch ein Zeichen für eine erwartete Steigerung des Verkehrsaufkommens, die diese umfangreichen Investitionen rechtfertig. Da mag zu optimistisch klingen, da in Deutschland jede Gemeinde voll erschlossene Gewerbegebiete mit staatlicher Förderung aufgebaut hat und in vielen Orten sich nur wenige Investoren fanden. Ich möchte auch nicht missverstanden werden, dass ich grundsätzlich für einen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur bin. Wir haben hier in Norddeutschland viele schlechte Beispiele, wo Autobahnen Landschaften zerschneiden, aber Kommunikationswege und das sind Verkehrswege auch sind zwingend in einem zusammenwachsenden Europa.
War wäre eine Reise ohne die kleinen Abweichungen vom Reiseplan, die zu Improvisationen zwingen und weitere Folgen zeitigen und offenbaren. Peter hatte in Prag bereits gewarnt, dass wegen der umfangreichen Bauarbeiten auf der Strecke nach Poprad die Fahrt wohl bis zu eine Stunde länger dauern würde. Am Ende waren es sogar zwei Stunden mehr.
Bis zur Zugtrennung in Ostrava (Ostrau), ein Teil des Zuges blieb hier und mein Teil nach Zilina (Sillein) waren wir bereits 15 Minuten hinter dem Fahrplan und für Zilina gab es nur eine Umsteigezeit von acht Minuten. Auf der slowakischen Seite machte der Zug wieder einige Minuten gut und als wir in Zilina auf dem Bahnsteig einfuhren, auf dem auch der IC aus Bratislava nach Poprad und Košice fahren sollte, waren wir nur vier Minuten über der offiziellen Abfahrtzeit. Leider war die slowakische Bahn pünktlich abgefahren.
Ich wuchtete mein Gepäck auf den Bahnsteig und suchte wie wahrscheinlich mehrere andere nun nach einer Alternative in den Osten. Der nächste IC würde erst in vier Stunden fahren und so war es eine leichte Entscheidung stattdessen in einen Regionalzug zu steigen. Der Os 7863 von Zilina nach Poprad-Tatry hält an jeder Milchkanne und statt einer Fahrzeit von 98 Minuten im IC mit nur einem Zwischenstopp benötigt der Os mit 29 Zwischenstopps 178 Minuten. Ich wollte viel sehen auf meiner Bahnfahrt und hatte nun die Ruhe dafür.
War ja auch alles kein Problem. Ich stieg in den bereits auf dem Gleis stehenden Zug ein, platzierte mein Gepäck in einem 6-er und griff mein Handy, um Darina über meine verspätete Ankunft zu informieren.
Die 6-er sind in Deutschland vielleicht noch aus den 70-er und 80-er Jahren bekannt. In einem Waggon befinden sich auf beiden Seiten vom Mittelgang jeweils drei sich gegenübersitzende Plätze, die sich zu 6-ern gruppieren und damit auch sechs Sitzplätze über die Breite des Wagons ermöglichen. Heute sind vier Sitze über die Breite eines Waggons Standard und in der 1. Klasse sind es sogar nur drei Sitze. Der Zug war alt und ein wenig schmuddelig.

Und dann gab es doch ein Problem. Ich realisierte erst jetzt, dass beide Kontaktpersonen in Svit und Poprad keine Nummer in der Spalte Mobiltelefonnummer hatten, beide Nummern standen in der Spalte Festnetznummern. Dann wählte ich eben diese Nummer, doch dann kam eine Fehlermeldung. Es wurde eine Anrufsperre angezeigt.
Das war nun wirklich ärgerlich, da ich am Donnerstag vor der Abreise extra zum Laden meines Netzbetreibers Debitel gegangen war und dort zwanzig Minuten in einer Schlange gewartet hatte. Ich hatte den Mitarbeiter klar gemacht, dass er alle bestehenden Sperren bitte aufheben soll. Er nahm mein Handy und drückte in rasender Geschwindigkeit viele Tasten, verschwand kurz in den nicht einsehbaren Hinterraum und sagte, dass nun SMS und Telefon auch international funktionieren. Hinter mir war natürlich auch eine Schlange und alleine aus Höflichkeit, habe ich mich nur bedankt und keine Funktionen überprüft. In der Wohnung hatte ich einen Testanruf Richtung Zuzana gemacht und hörte auf der anderen Seite auch ein Klingeln. Es schien also zu funktionieren.
Toll, jetzt war ich einem fremden Land mit Verabredungen und ich kann nicht kommunizieren. Viel später realisierte ich, dass ich mich zu schnell entmutigen ließ. Die SMS-Funktion habe ich gar nicht ausprobiert, da es sich ja in meiner Liste um Festnetznummern handelte. In Svit und Poprad erfuhr ich dann, dass die angegebenen Telefonnummern doch Mobiltelefonnummern waren. Ich hätte also eine SMS versenden können. Wie heißt es so wahr, am Ende ist man schlauer …

Ich bemerkte nun erstmals einen wesentlichen Unterschied zwischen den Bahnbediensteten in Deutschland und in der Slowakei (später auch in Ungarn und Rumänien). Dass Bahnbedienstete eine Uniform tragen ist normal, da die Eisenbahnen in der Regel Staatsbetriebe sind und somit ihre Stellung betont wird und nicht nur auf eine moderne Corporate Identity verwiesen wird. Hier tragen diese Männer und Frauen aber deutlich Insignien ihrer Stellung und Bedeutung und nehmen diese Ernst. Wer außer einem Schwarzfahrer nimmt einen Bahnbediensteten denn noch ernst. Er ist ein Dienstleister für uns Kunden. Hier kommt jeweils der Bahnvorsteher aus seinem Haus und gibt dem Zug ein Abfahrsignal. Dunkel meine ich mich zu erinnern, dass dies auch früher in Deutschland geschah.

Kurz vor Ružomberok (Rosenberg) gab es endlich einmal Regen. Große Tropfen fielen durch die heiße Luft. Dies war aber dann nur ein Schauer und die Erfrischung war wieder weg. Dies ist einer der unbestreitbaren Vorteile einer Regionalbahn. Ob nun in einem alten RB von Wolfenbüttel nach Braunschweig oder eben hier, in beiden Fällen lassen sich die Fenster noch öffnen. Alle modernen Züge sind versiegelt und die Klimaanlagen können einen nicht dieses Gefühl von Erfrischung geben, wenn die Luft drückend warm ist.

Bewusst sah ich hier die lokale Form zum Trocknen von Heu. Es waren dies kleine Stiegen, die zu mannshohen Holzkonstruktionen zusammengestellt wurden und an denen das Gras trocknete. Diese Konstruktionen sahen aus wie kleine Höhlen.
Liptovský Mikulaš (St. Nikolaus) war erstmals das kleinste Hochgebirge Europas (?) deutlich zu sehen.

(Der erste Blick auf die Hohe Tatra aus einem Zugfenster)
Wie schon in Tschechien habe ich auch hier in der Slowakei kein nennenswertes Vorwissen. Geologie, Genese, Geographie, Geschichte der Besiedlung und heutige Realität sind mir nicht wirklich bekannt. War gespannt, ob ich ähnlich vielseitige Informationen, wie in Praha erhalten würde.
Etwa eine halbe Stunde vor der geplanten Ankunft in Poprad-Tatry hatte ich den Schaffner irgendwie klar gemacht, dass ich eigentlich nach Svit möchte. Er holte sein elektronisches Display heraus und zeigte mir, dass es zu diesem Zeitpunkt noch vier Stationen bis Svit waren.
Große graue Wolken kündigten Regen an, der dann als Gewitter und fast schon Unwetter niederging. Hoffentlich passierten wir dieses Gewitter. Die Blitze gingen in schneller Folge in Sichtweite der Bahnstrecke in den Boden und der Regen wurde so dicht, dass vom Bahnfenster eine geschlossene Regenwand zu sehen war.

In Svit nieselte es. Mir war immer Vorsicht eingeschärft wurden und so wuchtete ich mein Gepäck alleine aus den Zug, ging über die Gleise zu einer Unterführung, die auf das Straßenniveau führte. Die Hauptstraße und der Ort waren etwa dreihundert Meter vom Bahnhof entfernt. In diesem Tunnel standen etwa fünfzehn Personen und ich fragte auf Englisch pauschal nach dem Weg in dem ich versuchte die Adresse korrekt auszusprechen. Mir wurde gesagt, dass ich nachdem ich die Hauptstraße gequert habe, die zweite Straße links nehmen müsste und dieser einige Hundert Meter folgen müsste, um schließlich nach rechts in die gesuchte Straße abzubiegen. Ich bedankte mich und stand etwa ein zwei Minuten mit den anderen Menschen in diesem Tunnel und entschied dann, dass ich nicht auf besseres Wetter warten würde, sondern nun zu Fuß den angekündigt kurzen Weg nehmen würde. Ein Abschiedswort und ich war im Nieselregen unterwegs. Das war natürlich ein Risiko, denn weder mein Sack mit meinem Bett, noch mein Rollkoffer waren wasserdicht, aber ich befürchtete, dass der Wolkenbruch auch hierher kommen würde, da Blitz Donner klar zu sehen und Hören waren.


Ich war bereits kurz vor der angekündigten Straße nach links als ich von hinten auf Deutsch angesprochen wurde. Es war eine Frau aus dem Tunnel, die anbot, mich zur gewünschten Adresse zu führen. Resolut nahm sie mir meinen Rollkoffer ab und ging nun neben mir. Ich machte mir ernsthaft Sorgen. War dies nun eine Betrügerin -sie trug ziemlich abgenutzte Kleidung, die eine Gelegenheit wahrnehmen wollte, um mit dem Rollkoffer zu verschwinden oder was? Sie führte einen Monolog über die schwierige wirtschaftliche Lage in der Slowakei seit der Unabhängigkeit und speziell über ihre Situation. Sie erzählte, dass ein betrügerischer deutscher Investor eine kleine Fabrikation betrieb. Sie hatte dort eine Stelle, arbeitete Überstunden wurde aber stets sehr spät bezahlt. Eines Tages war der Mann weg und die wenigen Angestellten hatten geraume Zeit ohne Lohn gearbeitet und wurden auch nicht entschädigt. War das eine erfundene Erzählung, um Mitleid zu erregen? Während wir die Straße entlang gingen, wurde aus dem Nieselregen ein echter Regen. An jeder passierten Straße ging es durch große Pfützen und ich wurde langsam richtig nass. Wir erreichten schließlich die gewünschte Straße und hier verabschiedete sich die Frau mit der Bitte ihr doch etwas Geld zu geben. Das fand ich OK. Darina hatte mir gesagt, dass ein Taxi von Poprad nach Svit weniger als 200 Slowakische Kronen kosten würde und so bot holte ich aus meiner Geldbörse 100 Slowakische Kronen. Sie fragte, ob ich nicht 100 weitere Kronen drauflegen könnte. Ich verneinte und sie ging ohne böse Worte. Ich erfuhr später von Darina, dass ich viel Geld für diese kleine Dienstleistung bezahlt hatte.
Ich stand am Beginn einer Straße mit Reihenhäusern. Nach zwei Häusern meinte ich das System der Hausnummern zu durchschauen. Dennoch fragte ich eine Frau, die vor einem Haus stand, wo denn die gewünschte Hausnummer wäre. Das funktionierte mit Händen und Füßen. Ich zeigte auf ihre Hausnummer und signalisierte diese Zahl mit den Fingern und fragte nach meiner gesuchten Nummer wieder mit der Zahl meiner Finger. Sie verstand und sagte auf Slowakisch einige Zahlen, zeigte auf ihre Hausnummer und die nächste Tür in diesem Reihenhaus und machte ein Zeichen, dass ich hier einbiegen müsste und hinter diesem Haus, das gewünschte Haus finden würde. So war es auch. Pudelnass stand ich am Eingang eines viergeschossigen Reihenhauses und suchte die Namen der Klingelschilder ab. Wie würde wohl der Namen ihres Vaters aussehen, da ihr Nachname diesen weiblichen Zusatz hatte. Es fand sich ein Name mit gleich 3-4 Buchstaben weniger, der es sein könnte und so drückte ich die Klingel. Zunächst passierte nichts, dann ging das Hausflurlicht an und es passierte weiter nichts. Nach einer Minute klingelte ich ein zweites Mal, aber nun sah ich Aktivität im Treppenhaus und dann stand Darina vor mir. Man war ich froh!

Nach einer kurzen Begrüßung und Erläuterung, warum ich mich nicht gemeldet hatte, ging es treppauf. Sie war mit ihrer Schwester zum Bahnhof in Poprad gefahren und musste sehen, dass ich nicht aus dem angekündigten Zug ausstieg. Die Familie wohnt in der obersten Etage und meine Arme wurden immer länger, da mein Gepäck durch den Regen mir deutlich schwerer vorkam.
In der Wohnung wurde ich dem Vater, der Mutter und der Schwester vorgestellt. Keiner spricht Deutsch und außer der Tochter alle nur wenige Brocken Englisch. Mit Russisch hätte ich einige Worte wechseln können. Wir gingen ins Wohnzimmer, wo die Couch zu einem Bett umgebaut war. Ich stellte mein Gepäck hin und kramte nach den Gastgeschenken. Der Wodkaflasche war nicht passiert. Die Schokoladenkekse waren in einer glänzenden Verpackung, die aber deutliche Spuren von Feuchtigkeit aufwies. Meine Essenstasche war zum Auswringen nass. Ich übergab die Geschenke und bedankte mich im Voraus für die Gastfreundschaft und die Möglichkeit hier für einige Nächte zu bleiben. Darina war stets eine schnelle Übersetzerin.

Nachdem ich unter der Dusche mich erholt und gereinigt hatte, ging es in frischer Kleidung in die Küche. Wahrscheinlich hatten wir etwas gegessen. Ich kann mich daran erinnern, dass es zur Begrüßung einen Schnaps gab, der wunderbar die Kehle runter lief. Ich kann mich nicht an die Speise erinnern, da meine gesamte Aufmerksamkeit dem Gespräch mit Darina galt. Die Eltern öffneten eine Flasche mit Rotwein aus dem Südwesten der Slowakei und zu viert tranken wir ein Glas. Die Eltern verabschiedeten sich von diesem Gespräch und ich erzählte Darina von meiner bisherigen Reise und was mir als Empfehlung für Poprad bereits gesagt wurde. Daraus entwickelte sich sofort ein Plan für die beiden Tage. Vor Mitternacht verzog ich mich ins Wohnzimmer und legte mich schlafen. Bei offener Balkontür bin ich schnell eingeschlafen.

Sonntag, 17. Juni 2007

Dresden nach Prag

Reisetagebuch Osteuropa 2007

Ich fand meinen reservierten Platz in einem Abteil, dass ich mit vier britischen Senioren und einer deutschen Studentin teilte. Ich hatte den Sahneplatz reserviert, also Fenster in Zugrichtung, denn ich machte schließlich die ganze Fahrt, um so viel wie möglich zu sehen.

Das Elbsandsteingebirge war beeindruckend. Diese steilen Abbrüche zum Fluss hin. Hier war die Erosionskraft der Elbe zu sehen. Der Fluss selber führte nur wenig Wasser. Am Ufer war meterbreit der Kies zu sehen.
Die Grenzer gingen nur symbolisch durch. Der rote EU-Pass reichte um mich durchzuwinken. Wir verließen Schengenland, aber Reisen in diese Richtung wurde nicht beachtet.
Und dann sah ich auf dem anderen Ufer ein bekanntes Gebäude. Eine Grenzstation für den Autoverkehr. Meine Reise hat nun wirklich begonnen, die deutsche Einladung war beendet.
Das Tal wurde noch enger und die Wände steiler. Die Fahrt ging nun durch die Děčínské stěny (immer wenn es auch einen alten deutschen Namen gibt, füge ich ihn bei: Tetschener Wände). Ich suchte nach Veränderungen, die optisch einen Unterschied zur ehemaligen DDR bieten. Hinter der Namen gebenden Stadt Děčín (Tetschen) wechselte die Bedachung. Es gab neben Schindeln auch Ziegeln und Wellblech. Industrielle Gebäude entlang der Strecke zeigten erhebliche Spuren von Verfall. Farbe und Putz waren zum Teil großflächig abgeplatzt; einzelne Bedachungen zeigten deutliche Schäden, doch Lieferwagen zeigten auch, dass in diese Betriebe noch aktiv waren.
Auf dem anderen Ufer waren manchmal herrschaftliche Häuser und Villen zu sehen, die 10 und mehr Meter über der Elbe gebaut waren und bestimmt eine prächtige Aussicht boten. Eines dieser Häuser war fast entkernt. Fenster waren mit Rahmen entfernt.

Ich kann Tschechisch: Autodyla las ich eben auf einem Werbeschild. OK es ist International und nicht Tschechisch, ich musste dennoch über diese Schreibweise für Autohändler schmunzeln.

Die Bahnstrecke wird an vielen Stellen renoviert. In Ústí nad Labem (Außig an der Elbe) waren zehn Meter lange Schienen mit den Betonbohlen über einander gestapelt. Pakete von vier Lagen Schienen und Bohlen waren jeweils auf einem Trailer auf den Schienen zu sehen. Das war sicherlich ein EU-Projekt zur Sanierung der internationalen Verbindungen.

Mit Beschämung musste ich bei der vergleichenden Reise mit dem Finger auf der Landkarte feststellen, dass wir hinter Ústí nad Labem an Terezín (Theresienstadt) vorbei fuhren. Dieses Lager der Nazis wurde für Propagandazwecke genutzt, obwohl es wie viele Lager im Westen nur ein Durchgangslager zu den Vernichtungsstätten im Osten war. 33.000 Menschen starben hier und 85.000 wurden von hier in die Mordmaschinerie deportiert.
Ich stellte leider fest, dass mir nicht bewusst war, dass dieser Schreckensort so nah. Das große Grauen des Nationalsozialismus ist mehr als sechzig Jahre her und auf meiner „mental map“ waren viele der Verbrechen, weit weg im Osten geschehen.
Bei Roudnice (Raudnitz) war zuletzt die Labe (Elbe) zu sehen und ab Nová Ves fuhren wir entlang der Vitava (Moldau).

Meine Beobachtungen endeten hier, da nun Smalltalk mit den anderen Reisenden einsetzte. Und dann war zu merken, dass wir uns Praha näherten. Einige Menschen gingen mit Gepäck am Zug vorbei und auch in unserm Abteil wurde es unruhig, da wir alle sechs in Praha-Holešovice den Zug verlassen wollten.
Ich hatte bereits via SMS meiner Gastgeberin mitgeteilt, wie viel Verspätung wir hatten. Nun war ich gespannt, ob Zuzana auf dem Gleis sein würde und vor allem ob wir uns problemlos wiedererkennen würden. Drei Jahre sind eine lange Zeit.
Ich bin nur ein wenig grauer am Kopf und ein wenig runder am Bauch geworden. Sie war eine stille Frau, deren Schönheit erst am Aufblühen war.