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Sonntag, 8. August 2021

Der schweigende Stern

1960 kam in beiden deutschen Staaten der Science Fiction-Film "Der schweigende Stern" in die Kinos. Es war dies eine Koproduktion zwischen staatlichen Filmstudios aus Polen und der DDR. Es handelt sich um die Verfilmung eines Frühwerks des polnischen Autors Stanislaw Lem (Die Astronauten, 1951). 

Die Handlung ist schnell erzählt:

Die Welt ist friedfertig und Wissenschaftler*innen aller Länder arbeiten zusammen. Eine Metallspule mit Informationen wird in einer unwirtlichen Gegend gefunden und mit dem Tunguska-Explosion von 1908 in Verbindung gesetzt. In einer Teilübersetzung wird klar, dass es sich um eine bedrohliche Nachricht vom Planeten Venus handelt.

Eine geplante Marsmission wird stattdessen zur Venus geschickt. Das Landegebiet ist hochgradig radioaktiv verseucht und es werden Spuren eine ausgelöschten Zivilisation gefunden.

Die Zivilisation auf der Venus wollte die Erde angreifen, das Erkundungsraumschiff explodierte 1908. Auf der Venus fand ein Krieg statt und mit der Waffe, welche die Erde zerstören wollte, löschte sich die Zivilisation aus.

So weit.
Großartig ist, dass dieser Film während des kalten Krieges entstand und ein klares Plädoyer gegen Atomwaffen formuliert. Auf der Venus sind nur noch Schatten von den verdampften Bewohner*innen an einzelnen Wänden vorhanden. Eine klare Referenz zu Hiroshima und Nagasaki, wo auch von einigen Menschen nur noch dieser Schatten blieb. Die Welt ist friedfertig, eine wissenschaftliche Ratsversammlung zeichnet sich vor allem durch ihre Diversität (Männer & Frauen, Alte & Junge aus vielen Ländern) aus. 

Der Spannungsbogen ist gering und die Tricktechnik wirkt kurios, doch es ein angenehmes Gegenstück zu US-Produktionen wie "Invasion of the Body Snatchers" (1956) oder "Village of the Damned" (1960), die subtilen Antikommunismus pflegen.

Der schweigende Stern
DDR / Polen 1960
Regie: Kurt Maetzig
(unter den Schauspielerinnen ist u. a. die junge Eva-Maria Hagen als Reporterin zu sehen)



Donnerstag, 3. Dezember 2020

Science Fiction Film and Failure

In jedem Jahr gibt es die 1-2 Filme, die wirklich als Science Fiction verbleiben. Noch Jahre später werden diese Filme für ihren visuellen Ausdruck und für ihre Ideen geschätzt.
Doch dann gibt es jedes Jahr viele Filme, die von den Verleihern und der Werbung als Science Fiction bezeichnet werden, aber denen Science fehlt und wo die Fiction sehr schwach ist.
Ad astra - Zu den Sternen ist ein negatives Beispiel. Die Geschichte handelt in einer nahen Zukunft, doch mangelt es an wissenschaftlicher Entwicklung. Es ist ein Psychodrama mit großartigen Schauspielern, aber die die Geschichte könnte auch in einem Western erzählt werden. Geradezu peinlich ist die Manie einiger Produzenten und Regiseure, die meinen, das eine Spannung daraus entsteht, dass ein Einzelner die Welt zerstören möchte. Es ist die lauwarme Weltsicht, dass alles OK ist und einzelne Gruppen ("Piraten auf dem Mars" - Was für ein Schwachsinn !) oder Individuen (der Vater der Hauptrolle) diese Normalität gefährden. In Filmen wie Ad astra werden auch ständig Personen getötet, um eine Spannung in eine schlechte Erzählung zu bekommen. Was ist daran spannend darüber zu rätseln, welche Nebenrolle als nächstes sterben wird?

Als ich den Film zum zweiten Mal sah, dachte ich vorher, das ich den Film noch nicht kenne. Irrtum, der Film ist visuell und von seiner Erzählung so austauschbar, dass ich schlicht vergessen hatte, dass ich ihn schon einmal gesehen hatte.

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Ad Astra (USA 2019, 124 min., Regie: James Gray mit Brad Pitt, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland, Liv Tyler)

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Wenn Listen nicht so langweilig wären, würde ich jetzt eine Liste der gelungenen Science Fiction Filme der letzten 10 bis 25 Jahre dranhängen. 

Dienstag, 22. Mai 2018

2001 - A Space Odyssey in 70mm

Der Film ist und bleibt ein Ereignis und es war eine große Freude ihn endlich mal wieder als Film zu sehen. So wie auf einer Schallplatte ein anderen Sound als auf einer CD gespeichert wird, so sind im Kino die Farben der Bilder anders und viele Szenen deutlich schärfer als wenn nur Pixel gezeigt würden.
Eins ist dann leider nicht so gut. Eine alte Tonspur verändert den Klang erheblich. Da nützen selbst die heute vermutlich besseren Lautsprecher nichts. Besonders die dunklen Klänge wurden zu einen verzerrten Rumpeln. Die Bilder, die mit der Musik von Györgi Ligeti vertont wurden, hatten viele Ausreißer nach oben.

Es war interessant sich umzusehen, wer so mit mir im Kino saß. Der Film im Original war gut besetzt, das Durchschnittsalter von über 40 Jahren vermutlich ungewöhnlich für das Astor.
Jüngere Besucher vermiesten mir zweimal die Freude. Der Gestank von Pop Corn ist das eine, aber die Essgeräusche und das kratzende Suchen der Reste in einem Pop Corn-Eimer schallten durch den Saal.
Für die nicht Eingeweihten: In Weltraumszenen ist keinerlei Geräusch aus den Lautsprechern zu hören.

Nichtsdestotrotz, ein schöner Abend. Hoffentlich gibt es eine Wiederholung solcher Ereignisse. Ich würde u. a. gerne mal wieder Alan Parkers "The Wall" auf großer Leinwand sehen.

Mittwoch, 16. Mai 2018

1Film-1Satz - Avalon (2001)

Eine Dystopie in der das Leben in einem Computerspiel stattfindet und in der realen Welt viele glücklich lächelnde Hirntote zu finden sind.
Avalon - Spiel um Dein Leben!
(Japan, Polen 2001, 102 Minuten)
Regie: Mamoru Oshii

Donnerstag, 4. Januar 2018

1Film1Satz - Up (2009)


Jugendträume können auch spät realisiert werden, doch dann sind Illusionen über Helden der Jugend gefährlich.
Up
(USA 2009, 96 Minuten)
Regie: Pete Docter

Der Film in der deutschen und englischen Wikipedia , für Kritiken siehe Rotten Tomatoes (98%).

Mittwoch, 3. Januar 2018

1Film1Satz - Barton Fink (1991)

New Yorker Theaterautor erlebt nach Engagement in Hollywood Schreibblockade, die erst ein Mord beseitigt, aber ihn dennoch im System scheitern lassen.
Barton Fink
(USA 1991, 116 Minuten)
Regie: Joel und Ethan Coen

Mehr Worte in der deutschen und englischen Wikipedia. Kritiken finden sich via Rotten Tomatoes  (91%).

Dienstag, 23. Mai 2017

1Film1Satz - The Abyss (1989)

Am Abgrund begreifen die Menschen, dass Liebe uns aus Hass und Misstrauen erheben kann, und dass Militär die Menschheit mit den ultimativen Abgrund der Atombomben bedroht.
The Abyss (USA 1989, 164 Minuten)
Regie: James Cameron
mit Ed Harris und Mary Elizabeth Mastrantonio

Mittwoch, 17. Mai 2017

1Film1Satz - Neue Kategorie

Schon oft wurde gesagt, dass sich fast alle Filme in einem Satz zusammenfassen lassen. Und dies muss noch nicht einmal ein komplizierter Satz sein. Viele Filme wiederholen eine Geschichte an einem anderen Ort mit anderen Darstellern.
Da ich mir viele Filme ansehe, fange ich mit der nächsten Post diese Kategorie an.


PS. Mein Blog ist ein wenig eingeschlafen. Die hier regelmäßig erscheinenden Graphiken für meine rückblickenden Wetterberichte für Hannover werden weiter erstellt, aber ich finde keine Muße auch einen Bericht zu schreiben.

Donnerstag, 24. November 2016

Film: Fantastic Beasts and Where to Find Them

Fantastic Beasts and Where to Find Them (3D)
Regie: David Yates
Nach einem Drehbuch von J. K. Rowling
UK, 133 Minuten

Nur wenige Lehrbücher aus der magischen Welt von Hogwarts werden namentlich genannt. Newt Scamanders "Fantastic Beasts"  ist ein Lehrbuch für das erste Schuljahr. Es verwundert nur wenig, dass aus dieser Referenz im ersten Harry Potter-Roman ein Prequel von J.K. Rowling entwickelt wurde.

Leider wurde für die Verfilmung einmal mehr David Yates als Regisseur  ausgewählt. Magie muss sich im Roman und natürlich auch auf der Leinwand entfalten, doch dieser Wunsch nach langsamen Elementen versteht weder der Regisseur, noch das überwiegend junge Publikum.

Ich hatte das Glück den Film im Original auf einer großen Leinwand zu sehen.

Mehrere Reihen hinter mir saß eine Reihe von US-Teenagern, die regelmäßig zu hören waren, wenn die Geschwindigkeit der Handlung abnahm. Es gab eine klare Ausnahme und das war das Vorstellen der fantastischen Wesen in ihrem "Tier"-Park. Bereits vorher treten bisher ungesehene Wesen auf, aber nun werden eine Vielzahl gezeigt, und es wurde still im Kino. Die Fantasie von Rowling und den Entwicklern der Wesen ist großartig. Leider endet diese und weitere Szenen mit den Wesen viel zu schnell.
David Yates wählt stattdessen den durch dumpfe Comic-Verfilmungen bekannten Stil der hektischen Schnitte und rasenden Szenen. Es gibt viel zu viel Destruktion und Rekonstruktion.
Hier wurde wie in fast allen 3-D-Filmen unnötig gespart. Warum wird nicht mit HFR gearbeitet, wie Peter Jackson beim Hobbit vorgemacht hat. Dann und nur dann wären diese Szenen wirklich sehenswert. In der normalen Aufnahme verwischt immer wieder das Bild und es ist eine unangenehme Anstrengung für die Augen.
Die Hektik, die Yates für die Verfilmung gewählt hat, wird durch das Getöse von James Newton Howard verstärkt. Die Filmmusik ist mehrmals unangemessen und würde zum DC-/Marvel-Universum passen.

Diese Kritik ist auch deshalb so scharf, weil es ein Film ist, der keine positiven kindlichen oder jugendlichen Personen hat und seine Charaktere (die Guten wie die Bösen) sind Erwachsene. Erwachsene Zuschauer haben andere Sehgewohnheiten, aber hier wird für Kinder und Jugendliche ein Film produziert.
Mit ist es ein Rätsel, wie dieser Film trotz einer Hinrichtung und anderen brutalen Morden mit Blick auf die Opfer eine Altersfreigabe von sechs Jahren hat. Da werden einige Eltern Alpträume ihrer Kinder ertragen müssen.

Trotz der Kritik gebe ich den Film 7 von 10 möglichen Punkte (entsprechend Schulnote 2-), denn es gibt viele gelungene Szenen, viele herzliche Lacher durch Anspielungen auf Irrungen und Wirrungen der USA.

Samstag, 6. August 2016

Film STAR TREK Beyond

(In Hannover verwendetes Filmposter)
STAR TREK Beyond
(USA 2016, 123 Minuten)
Regie: Justin Lin

STAR TREK Beyond zeigt etwas Ungewöhnliches. Tempowechsel in der Handlung, die an eine Symphonie erinnern, werden von entsprechenden Wechseln in der scheinbaren Geschwindigkeit der Aufnahmen und der Frequenz der Schnitte komplettiert. Der Film erzeugt damit Emotionen. Die Langeweile nach drei von fünf Jahren im Weltall wird in ruhigen, langen Szenen gezeigt, in denen die Schönheit und die Liebe zum Detail in der Ausstattung genossen werden kann. Wenn dann Aggression, Angst und Kampf dominieren, spiegelt sich das in einem Crescendo.

Eine gigantische Raumstation steht für eine dekadente Welt der schön gekleideten Menschen, die der Mannschaft der Enterprise Entspannung und Ruhe von ihren Abenteuern als Forscher im Unbekannten verspricht. Das hier viel später Kampfszenen stattfinden, in denen rasante Bewegungen eine Zerstörung erwarten lassen, ist auch so ein Spiel mit Bildern und Geschwindigkeit. Hier gibt es auch eine schwebende Kampfszene, in der die Geschwindigkeit immer wieder wechselt.

Wenn bei einem Unterhaltungsfilm an der falschen Stelle gespart wird, dann kann dieser Film anstrengend sein. Beyond in 3D ist hierfür ein weiteres Beispiel. Peter Jackson hat vorgeführt (Hobbit - - 3 ), dass HFR die Lösung für schnelle Szenen in einer 3D-Darstellung ist. Sehr schnelle Szenen können bereits in der flachen Welt verwischen, doch in in 3D bleiben von solchen Szenen nur die Teile von Sekunden, in denen etwas verlangsamt. Die Kampfszenen im Film, und davon gibt es viele, sind unansehnlich und für die Augen anstrengend. Die dritte Dimension ist der Raum und der Weltraum bietet unendliche Möglichkeiten für visuelle Überwältigung. Das Potential war auch den Produzenten dieses Film bekannt, wie leider erst im Abspann zu sehen ist. Dort finden sich phantastische Blicke auf Galaxien, Sonnen und Planeten.
3D wird in Beyond viel zu oft verschenkt, in 2D ist der Film sicherlich besser. The Martian hat gezeigt, dass 3D die adäquate Darstellung für einen Science Fiction ist.

Musik kann die Emotionen verstärken, sei es nun die Filmmusik oder einzelne Songs, die eine Szene begleiten. Die klassische Musik aus den 1990-er Jahren der USA ist ein wunderbarer Scherz und es ist erfreulich, dass dieses Stück nicht nur angespielt wird.

Eine Schwäche liegt in einigen Dialogen und es gibt viele Gesprächssituationen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Simon Pegg (Drehbuch und "Scotty") so schlechte Dialoge schreibt, also lag es vielleicht an der Synchronisation ins Deutsche. Zu Beginn der dritten Spielwoche wurde die Originalversion in Hannover nicht mehr gezeigt. Dennoch gibt es viele schöne Dialoge, die manchmal ins Philosophische tendieren ohne lächerlich zu sein.

Eine andere Schwäche liegt in manchen Handlungssträngen, die nicht mit vorherigen Szenen kommunizieren. Liegt es daran, dass diesmal nicht J.J. Abrams die Regie führte, wie bei Star Trek und Star Trek Into Darkness?
Der Film ist wie eigentlich alle großen US-Produktionen eine Freude und manchmal auch ein Ärgernis für die Vielzahl von Zitaten. Natürlich wird auf frühere Star Trek-Filme verwiesen, doch es werden auch Sequenzen aus Matrix oder Interstellar zitiert. Der Versuch diese Szenen zu überbieten wirkt bemüht.

Star Trek ist ein unterhaltsamer Film, bekommt aber nur 6-7 von 10 möglichen Punkte auf meiner Filmbewertungsskala.

Donnerstag, 21. April 2016

The Junglebook (2016) 3D

In Hannover gibt es seit der Eröffnung des Astor Grand Cinema jede Woche mehrere Filme im englischen Original. Es ist angenehm, dass nun nicht mehr auf das Erscheinen des Videos gewartet werden muss, um Filme mit den richtigen Stimmen zu sehen. Dies gilt auch für animierte oder in diesem Fall teilanimierten Filmen. Bill Murray (Baloo), Ben Kingsley (Bagheera) und Scarlett Johansson (Kaa) wurden sicherlich nicht nur wegen ihrer bekannten Namen, sondern wegen ihrer eindeutig zu erkennenden Stimmen eingestellt.

Der Film lief im Original nur in 3D, was eine Verschwendung von zwei Euro ist wie bereits bei Disneys Alice. Trotz Animation kommt das Potential der 3. Dimension nur selten überzeugend zum Einsatz (siehe dagegen meine positiven Beobachtungen für 3D im Fall von Avatar und Hobbit 1 und  3 ).

Das Dschungelbuch (2016) fordert zum Vergleich mit dem Zeichentrickfilm von 1967 heraus. Auffällig ist bei der Neuverfilmung die veränderte Größe der Tiere. Mowgli ist bei Kipling ein Junge von etwas über 10 Jahren und hat eine entsprechende Größe. Egal ob die familiären Wölfe, oder die Freunde Baloo und Bagheera, alle sind um mindestens den Faktor 2 größer als in der Natur. Hier war die alte Zeichentrickfasssung realistischer. Diese Verzerrung der Größen ist solange kein Problem für die Geschichte bis King Louie auftritt. Seine Größe reicht über zwei Etagen des Dschungelpalastes und er wird damit zu einem King Kong. Wenn er die große Frucht Papaya isst, dann sieht es aus, als wenn er sich Erdnüsse in sein Maul steckt.
Dies ist auch meine Hauptkritik. Der Gigantopithecus King Louie (1967 noch ein Orang-Utan) und die nicht enden wollende Schlange Kaa sind so disproportional zu allem anderen Wesen, dass der visuelle Eindruck dieser Kapitel gestört wird.

Der Film ist düster, es ist wahrlich kein Film für kleine Kinder. Der Dschungel ist dunkel und unübersichtlich und Schwarzblenden strukturieren zwar die Kapitel, befremden aber auch. Der Film ist vor allem eine Neuerzählung der Geschichte von 1967, aber es wurde offensichtlich auch wieder in die beiden Bücher von Rudyard Kipling geschaut. Die ersten zwei Strophen des Law of the Jungle werden mehrmals zitiert und der Vers "For the strength of the Pack is the Wolf, and the strength of the Wolf is the Pack" gelebt.

Der fröhliche Film von 1967 bleibt im Ohr. The Bare Necessities (Probier's mal mit Gemütlichkeit) von Baloo (gesungen von Bill Murray!) und I Wan'na Be Like You (Ich wäre gern wie Du) von King Louie bleiben Ohrwürmer (die vier Links führen zu den Ohrwürmern von 1967). Erinnert ihr euch an diese Lieder? Diese zwei Lieder kommen auch im neuen Film wieder und besonders das erste Lied wird sehr schön eingeführt.
Beide Filme zeigen alle Akteure als Charaktere mit guten und schlechten Eigenschaften. Der Egoist Baloo ist mehr als diese negative Umschreibung und Bagheera verschweigt viel, um Mowgli zu beeinflussen. Und selbst der Tiger Shere Khan ist nicht nur ein brutaler Jäger. Und Mowgli ist ein schwer zu kontrollierendes Kind.

Es gibt Szenen, die sind wunderbar, wie zum Beispiel das Einsetzen der Trockenheit und der daraus folgende Frieden der Wasserstelle. Leider gibt es dann aber auch Action-Szenen (zum Beispiel eine Schlammlawine), die so überbordend sind, dass sie die Erzählung stören.

Keine Begeisterung, aber eine gute Unterhaltung und so bekommt der Film 7 von 10 möglichen Punkten.
Auf dem Fahrrad oder zu Fuß ertappte ich mich dabei, wie ich leise einen der Ohrwürmer summte oder sogar sang. Stets kam ein Lächeln auf.
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Der Film basiert auf einigen der Erzählungen, die Rudyard Kipling 1894 und 1895 veröffentlichte. Ich empfehle die Übersetzung von Gisbert Haefs von 1987.

Samstag, 12. März 2016

Missglückte Vorfilme und Teaser

Wenn ich mit Freunden ins Kino gehe, werden die werbenden Ankündigungen vor dem Hauptfilm gerne kommentiert. Es gibt die Perlen, die wirklich neugierig machen und entsprechend wieder ins Kino führen. Und dann gibt es die vielen missglückten Beispiele.
Es ist oftmals Werbung für eine "Jungs"-Film, junge männliche Erwachsene müssen Abenteuer bestehen und alles mit ach so coolen Sprüchen würzen. Die Abenteuer sind mit  Verfolgungsjagden, Schüssen und Explosionen sowie schönen, jungen Frauen verbunden. James Bond für Arme!
Die großen Produktionsgeschichten aka Hollywood recycelt gerne Klassiker der Filmgeschichte oder macht aus einer guten Idee für einen Film, der deshalb erfolgreich ist, eine Filmserie, die mit teure B-Movies zu umschreiben sind.

Neuinterpretationen einer Geschichte können sehr interessant sein, wenn ich zum Beispiel an "Die Zeitmaschine" nach dem Roman von H.G. Wells denke. George Pal hat 1960 mit Rod Taylor in der Hauptrolle und den damals möglichen Tricks dieses futuristische Gedankenspiel verfilmt. Für die Spezialeffekte gab es den Oscar. Der Vorfilm für  Simon Wells 2002 Version mit Guy Pearce in der Hauptrolle lockte mich ins Kino. Es stand das digitale Handwerkszeug der Illusion zur Verfügung, doch es ist die Geschichte, die dann auf der Leinwand überzeugt.
Doch es gibt dann auch die Vorfilme, die sind so abstrus, dass kein Geld an der Kinokasse gelassen wird. Zum Beispiel die Neuverfilmung der "Drei Musketiere" durch Paul W. S. Anderson (2011 Trailer). In der Literatur ein Klassiker und oftmals (u. a. 1948, 1973, 1993 und 1998) erfolgreich verfilmt, zeigte diese Werbung, dass deren Drehbuchautoren entweder nicht lesen können oder eigentlich nur einen Actionfilm, der in der Vergangenheit handelt und zufällig 3 Musketiere heißt, konstruierten. Als der Film Jahre später im Fernsehen lief, zeigte sich auch, dass er so schlecht ist, wie in den zusammengeschnitten Szenen der Werbung angedeutet.

Doch es gibt auch Vorfilme, die so schlecht sind, dass auf einen Kinobesuch verzichtet wird, aber dann auf DVD oder im Fernsehprogramm sehr unterhaltsam sind. Jurassic Park (1993) von Steven Spielberg brachte Dinosaurier zurück auf die Leinwand und wurde in einem zweiten (ganz OK) und dritten Teil (na, ja) fortgesetzt. 2015 wurde der vierte Teil im Kino beworben. Die ausgewählten Szenen ließen einen Krawall-Film für Jungmänner erwarten. Das ist mir kein Geld wert.
Nun sah ich den Film auf dem Bildschirm und wunderte mich über den Qualität des Films. Er war ähnlich unterhaltsam wie Star Wars und wäre sicherlich im Kino beeindruckend gewesen. Kritisch wird die Unterhaltungsindustrie à la Disney World gezeigt, die mit imposanten Kunststücken, Traumwelten, Streichelzoos und Andenkenläden vor allem sehr viel Geld verdienen möchte. Die Rendite der Investoren ist wichtiger als die Sicherheit. Es wird auch einmal mehr das Motiv der dummen, Macht verrückten Militärs gezeigt. Leider wird sehr offensichtlich eine Spur gelegt, die einen 5. oder 6. Teil erwarten lassen, obwohl am Ende dieses Films der Jurassic World als Tourismusziel zerstört ist. Im 5. Teil ist zu befürchten, dass die "bösen" Dinos dann für das US-Militär zur Jagd auf Daesh (= IS) oder Kim Jong-un genutzt werden.

Mittwoch, 17. Februar 2016

Filmnotiz: Quentin Tarantinos hasserfüllte Nr. 8


Regie: Quentin Tarantino (USA 2016, deutsche Fassung 168 Minuten)

Was war nicht alles vor der Veröffentlichung des Films zu lesen und was hat der Regisseur seitdem in seiner Werbung herausgestellt (Interview mit Quentin Tarantino und Jennifer Jason Leigh)?
Es ist alles wahr! Jennifer Jason Leigh spielt großartig (es gab Nominierungen für einen Golden Globe und einen Oscar) und alle Schauspieler zeigen wie gerne sie für Tarantino arbeiten. Es werden zwar nur zwei Charaktere ausgearbeitet, aber die anderen überzeugen in ihren Szenen.

Diesmal hat Tarantino ein Kammerspiel geschaffen, das für mehr als eine Stunde von seinen Dialogen lebt. Acht Personen in einem großen Blockhaus und draußen tobt ein Schneesturm. Es ist der wilde Westen nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg und kurz vor seiner Zähmung mit dem Aufkommen von Justiz und "Gerechtigkeit" (?) in den neuen Siedlungen.
Hass hat viele Ursachen, hier ist es vor allem in der Biographie begründet. Zwei ehemalige Offizieren der beiden Seiten des Krieges, die durch große Grausamkeit in der Behandlung des Gegnern, Ruhm auf ihrer Seite erworben haben, treffen aufeinander. Hass endet nicht mit einem Waffenstillstand.
Misstrauen ist eine weitere Grundlage und außen einem Kutscher scheinen alle etwas zu verschweigen oder offensiv zu lügen. Es wird schnell deutlich, dass der Schlüssel für ein Verständnis der Situation in den nicht anwesenden Personen liegt.

Tarantino erzählt wieder in Kapiteln. Es gibt Schwarzblenden, in denen für Sekunden nichts zu sehen und vorherige Geräusche ausklingen, bevor der Titel des nächsten Kapitels zu lesen ist.
Tarantino spielt mit Elementen der Filmgeschichte. Ich meine hier nicht nur die wunderbare Idee mit alter Filmtechnik auf 65 mm zu filmen, welche Landschaftsaufnahmen zu einem visuellen Erlebnis machen. Bei diesen großen Aufnahmen gibt es nur wenige Schnitte. Eine herannahende Kutsche braucht sehr lange, bis sie an der Kamera vorbei rollt. Die verwendeten Linsen führen bei den Aufnahmen im Blockhaus zu starken Schärfe-Unschärfe-Gegensätzen. Hinzu kommt der Einsatz von verlangsamter Wiedergabe (zum Teil sogar Zeitlupe). Oder ein anderes Beispiel wäre, dass die Kamera zum Akteur wird. Die Kamera filmt im Blockhaus aus dem Hintergrund, bewegt sich dabei zur Seite und baut damit eine Spannung auf. Es entsteht in diesen Momenten der Eindruck, dass einer der Anwesenden die anderen genau beobachtet. Es werden Rätsel aufgebaut, die dann in Rückblenden aufgelöst werden. Selbst die Splatter-Szenen sind ein Stil-Element.

Und es ist immer wieder eine Freude, in seinen Filmen die gleichen Schauspieler in sehr unterschiedlichen Rollen zu erleben. Von den acht Hauptpersonen spielt Samuel L. Jackson ("Der Kopfgeldjäger") bereits im 6. Tarantino-Film, James Parks ("Der Kutscher") ist zum 4. Mal, Michael Madsen ("Der Cowboy") und Tim Roth ("Der kleine Mann") zum 3. Mal sowie Bruce Dern ("Der General"), Walter Goggins ("Der Sheriff") und Kurt Russell ("Der Henker") zum 2. Mal dabei. Nur die erfahrene Jennifer Jason Leigh ("Die Gefangene") ist eine Debütantin in Tarantinos Filmwelt.

Die Musik unterstreicht die "alt"-modische Aufnahmetechnik. Ennio Morricone hat für diesen Film neu komponiert. Es klingt vertraut, als wenn Morricone eigene Werke für Western der 1960-er und 1970-er Jahre zitiert. Das möge bitte nicht als eine negative Kritik verstanden werden. Denn die Bilder, das sehr langsame Tempo der Geschichte, bis in der Blockhütte der Hass kein Halten mehr kennt, werden zusammen mit der Musik zum Kinoerlebnis.

Der Film lief auch im Original, leider nur auf kleinen Leinwänden. Ich genoss die Bilder auf 181 m² und ärgerte mich über manchmal über die anachronistischen Sätze, die vielleicht nur in der deutschen Fassung vorhanden sind. Es gibt am Anfang Szenen, wo die Charaktere der dargestellten Zeit entsprechend sprechen, doch in der Blockhütte gibt es Wortwechsel, die in Passagen eher dem späten 20. Jahrhundert zuzuordnen sind. Und als die Figur von J.J. Leigh eine Strophe eines Liedes zur Gitarre singt, singt sie Englisch, doch als sie aufgefordert wird, weitere Strophen zu singen, singt sie Deutsch.
Die irgendwann vorliegende DVD wird lehren, ob dies richtig beobachtet wurde. Mit Erstaunen sehe ich in der Wikipedia, dass der Film für Deutschland um 19 Minuten gekürzt wurde. In 19 Minuten passt fast eine ganze Folge von The Simpsons oder The Big Bang Theory. Hoffentlich finden sich diese Minuten auf der DVD.

Ich bin gespannt auf den 9. und den dann angekündigten 10. und letzten Film von Quentin Tarantino. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann würde ich gerne eine radikale Space-Opera und einem Film im Mafia-Milieu sehen.

Ich gebe dem Film 8 von 10 Punkten meiner Filmbewertungsliste.
2009 habe ich bereits eine Notiz zum 6. Film "Inglourious Basterds" geschrieben. Und sein 2. Film "Pulp Fiction" ragt weiter heraus und ist für mich erst der zweite Film überhaupt der 10 von 10 Punkten erhalten hat.

Dienstag, 5. Januar 2016

Star Wars VII und Filmtechnik

Star Wars: Das Erwachen der Macht (USA 2015, 135 Minuten) Regie J.J. Abrams
Gesehen in 3D Atmo im Astor Grand Cinema in Hannover

Notizen zu einem Film ohne den Inhalt zu offenbaren.  Links führen entweder zu früheren Beiträgen hier im Blog oder zu Wikipedia-Artikeln.
Es ist ein großartiger Film. Es geht um Unterhaltung und nicht um Kunst-Kino.
Während wir bequem in den Ledersesseln des Astors auf den Filmbeginn warteten, kam die Frage auf, ob Star Wars auch in HFR gedreht wurde. Diese Aufnahme-Technik wurde für Peter Jacksons Hobbit-Triologie in 3D (2012-2014) entwickelt und eigentlich wäre zu erwarten gewesen, dass nunmehr alle 3D-Filme mit großem Budget und rasanter Handlung in unbekannter Landschaft mit dieser verdoppelter Bildzahl/Sekunde (=HFR) produziert werden. Die Werbung hatte keinen Hinweis darauf gegeben und Star Wars VII nutzt nicht die HFR-Technik.
Die Fortsetzungen von Avatar werden in HFR gedreht. 2017 konkurriert Star Wars VIII mit Avatar II. Uns wurde stattdessen die Dolby Atmos-Technik vorgeführt.

In den letzten Jahrzehnten hat die Vorführtechnik große Entwicklungsschritte erlebt:
  • der Raumklang mit verteilten Lautsprechern, der heute selbstverständlich ist
  • James Cameron hat 2009 mit Avatar einen neuen Maßstab an Tiefenschärfe für 3D-Filme vorgelegt, der seitdem nur von wenige Filmen erreicht wurde
  • die umfassende Digitalisierung der Filmaufnahme schuf die Möglichkeiten die gesamte Leinwand mit gestochen scharfen Bildern zu bespielen
  • High Frame Rate für 3D-Filme machte schnelle Bewegungen der Akteure oder der Kamera für uns Zuschauende erträglich und realistisch
  • tja, und nun Dolby Atmos, zusätzlich zum Raumklang gibt es Lichteffekte an den Wänden und der Decke, die uns Zuschauenden tiefer in das Geschehen hineinziehen sollen.
Neue Technik wird oftmals zur Überwältigung der Zuschauer genutzt. Hollywood liefert viele Beispiele für Filme deren Schau- und Erlebniswert größer als die gezeigte Geschichte ist. Kino als Freizeitpark mit Achterbahn, Popkorn und Geisterbahn.
Eigentlich sollte sich selbst ein Abenteuerfilm stets über die filmische Erzählung definieren. Dabei ist es egal ob der Film auf der Erde in der Vergangenheit (Sandalen, Ritter, Mantel und Degen, Western), Gegenwart (Krimi) oder in der Zukunft (Science Fiction) handelt. US-Filme besonders die Großproduktion von Jerry Bruckheimer fallen hier negativ auf. Der Adrenalinkick für die Zuschauenden ist wichtiger als die Geschichte. Ähnliches könnte von den seriellen Großproduktionen Herr der Ringe, Harry Potter (habe über die Teile 5, 6, 7.1, 7.2 geschrieben) Tribute von Panem, James Bond, Star Trek (1 + 2), Pirates of the Caribbean, Hobbit (1, 2, 3) oder nun wieder Star Wars gesagt werden, doch mit den Ausnahmen der Disney-Piraten und 007 stehen dahinter starke Geschichten, die niemals von der Filmtechnik überwältigt werden.
Womit ich endlich zu Star Wars zurückkehre. Das Erwachen der Macht ist zum Teil ein Überwältigungsfilm. Mit dem Abstand von zehn Tagen und ohne weitere Lektüre zur Handlung zum Beispiel in der Wikipedia verblassen einige Elemente der erzählten Geschichte. Stattdessen verbleiben Kampfszenen in Erinnerung.
Das ist sicherlich ein Teil der Vermarktungsstrategie. Um die Geschichte besser zu verstehen, muss der Kunde auch den Film erwerben, um die Details der ganzen Geschichte aufzunehmen und damit die folgenden Episoden VIII und IX in den Jahren 2017 und 2019  (und zehn Jahre später dann die Episoden X bis XII?) weiter zu verfolgen.
Die Filme der Star Wars-Serie setzen voraus, dass die Besucher alle bisherigen Episoden kennen. Ein Bekannter erzählte mir, dass er als Vorbereitung auf den Kinobesuch nur Episode VI angeschaut hatte und vieles in der Handlung nicht verstanden hat.

Für Star Wars VII wurden einige der Hauptdarsteller aus Star Wars VI wieder verpflichtet bzw. ihre Rollen fortgeschrieben. Wer im Kostüm von nicht-menschlichen Charakteren wie Chewbacca oder C-3PO steckt, ist irrelevant.
Ich musste Schmunzeln, dass im Star Wars Universum Raumschiffe weiterhin Geräusche im Weltall machen. Da ist man wohl einer schrägen Tradition gefolgt.
Die Handlung setzt etwa 30 Jahre nach Star Wars VI ein und entsprechend sind die damaligen Schauspieler gealtert und neue, jüngere Hauptdarsteller für diese Triologie treten auf. Die Trailer zeigten bereits eine weiße Frau und einen schwarzen Mann.

Der erste Gedanke beim Anschauen der Trailer war, ... nicht schon wieder!
Wenn BWLer einen Film beeinflussen und Marktsegmente des Zuschauerpotentials ins Drehbuch rein geschrieben werden, kann das Ergebnis lächerlich werden. Mit Grausen denke ich an zusammengestellte Boygroups die mit dem Rebellen, den Schönen, den Nachtdenklichen, etc. viele Identifikationspersonen bieten. Ähnlich auch bei den Girlgroups, wenn es dort auch eher das Äußere ist (z. B.: lange Haare, kurze Haare, lockig, glatt, alle Haarfarben, etc.), die Anknüpfungen bieten sollen.
Im Kino ist es das Hineinschreiben von jungen und alten Rollen, wenn dem/der HauptdarstellerIn eine weitere tragende Rolle des anderen Geschlecht zugeordnet wird, verschiedene ethnische Hintergründe eingebaut werden, eine Handlung an vielen wieder zu erkennende Orte, etc. Alle Zuschauenden sollen etwas für sich im Film finden. Die Geschichte, die der Film erzählt, wird dann zweitrangig.

Das gilt glücklicherweise nicht für Star Wars VII.
Die Geschichte knüpft an das bekannte Universum an, zeigt alte und entwickelt neue Handlungsstränge und entlässt das Publikum mit genügend Rätseln, die in Star Wars VIII gelöst werden wollen.

Der Regisseur J.J. Abrams hat so etwas wie eine Handschrift entwickelt (Star Trek, 2009, Super 8, 2011, Star Trek into Darkness, 2013). Suspense durch zunächst nicht für die Zuschauenden zu sehende Gefahren, die aber erzählt oder in den Gesichtern der Schauspieler gespiegelt werden. Oder Perspektivwechsel und laufende Kamera, die einige Handlungen aus der Perspektive eines Charakters zeigen. Hinzu kommt als technisches Element, dass er die Reflexionen, die es in der Realität gibt und die wir alle von unseren Foto- und Filmaufnahmen kennen, bewusst mit auf die Leinwand nimmt und nicht herausfiltert.
Nun drehte er also für Disney und er konnte Einiges beibehalten. Einzelne Charaktere der Geschichte bleiben lange nur Schatten der Erinnerung und Erzählung und die Kamera wird manchmal persönlich. Doch wenn ich nicht wüsste, dass J.J. Abrams Regie geführt hat, würde ich es nicht an diesem Film erkennen. Ein Wermutstropfen ist, dass die Arbeit an Star Wars verhindert hat, dass J.J. Abrams die Regie für den kommenden Star Trek Film (2016) übernehmen konnte. Der Trailer lief vor Star Wars.

John Williams hat die Filmmusik geschrieben und sie ist gelungen. Dramatisch, aber nicht drängend, den Film begleitend und nie störend. Das mag befremdlich klingen, aber Filmmusik sollte nicht das Geschehen auf der Leinwand dominieren. Es ist akzeptable wenn Musik einmal in einer Szene dominiert wie in Stanley Kubricks 2001 (1968) oder Christopher Nolans Interstellar (2014).

Und wie war die neue Atmos-Technik? Verzichtbar!
Gleichzeitig wurde das Potential der 3D-Projektion nicht ausgereizt. Der Zuschlag von 2 Euro war nicht gerechtfertigt.

Geht ins Kino! Star Wars VII ist große Unterhaltung. Fans dieser futuristischen Welt hatten ihre Freude (es gab einmal Applaus). Trotz Schwächen bekommt der Film von mir 7 von 10 möglichen Punkten meiner Bewertungsskala.

Freitag, 18. Dezember 2015

Star Wars VII - Spoiler

(Nachtrag 3012.2015: Es gab viele Überraschungen!)

Ist es möglich als Nutzer digitaler Medien (Gesichterbuch, Gezwitscher, GooglePlus) unvoreingenommen Disneys Star Wars VII anzuschauen?
Der Film wird zwar sicherlich in den nächsten Jahren noch mehrmals im Fernsehen oder als DVD-Kopie angeschaut, aber der erste Blick auf einem Film lebt von den Überraschungen. Und damit meine ich sowohl positive als negative Überraschungen.

1999 vor der Durchsetzung der sogenannten sozialen Medien kam The Sixth Sense ins Kino und alle hielten dicht. Ich sah den Film in der 4. oder 5. Woche und war wie alle anderen von den ungewöhnlichen Drehung der Handlung in den letzten Minuten begeistert. Manoj Night Shyamalan hatte eine wirklich ungewöhnliche Idee, die zu langen Gesprächen nach dem Film führte.

Ich möchte noch nicht wissen, was an den Erwachen der Macht gelungen und was misslungen ist. Ich habe erst am Ende der zweiten Woche Zeit mir den Film anzuschauen und erst danach möchte ich mich mit Anderen austauschen.

Freitag, 23. Oktober 2015

The Martian (2015) von Ridley Scott

The Martian (USA 2015) 141 Minuten
Regie: Ridley Scott

Dafür ist ein Kino und 3D notwendig.
Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie dieser Film auf einem Flachbildschirm, egal wie gut dessen Auflösung sein sollte, wirkt.
Es benötigt den dunklen Raum, die riesige Leinwand und die Geräusche, die manchmal einen akustischen Raum schaffen.

Ridley Scott hat in seinen nunmehr fast 40 Jahren als Regisseur mehrere Meisterwerke vorgelegt. Mit Alien (1979) wurde erfolgreich die weibliche Action-Heldin eingeführt und seit Blade Runner (1982) gibt es eine besonderen Farbton, um die Nacht im Kino darzustellen.

3D ist für Science Fiction, die im Weltraum handelt, das beste Format. Jede Beschäftigung mit Astronomie und Raumfahrt zeigt, wie klein der moderne Mensch mit seiner modernen Technik ist und bleiben wird. Das hat Christopher Nolan im letzten Jahr mit Interstellar gezeigt.
Auch im Martian werden immer wieder Szenen gezeigt, wo der Mensch mit seinem Fahrzeug, seinem Habitat oder der Mensch im Raumanzug auf einem Bild gegen die Größe der Landschaft wie eine Ameise wirkt. Auf dem Mars sind die tiefsten Gräben bis zu 7.000 Meter tief und der höchste Berg ist 27.000 Meter hoch.

Zur Handlung. Nach einem Staubsturm bleibt ein Astronaut, der von seinen Kollegen für Tod erklärt wird, alleine auf dem Mars zurück. Die "Überlebenden" befinden sich nach dem Abbruch der Mission auf der langen Rückreise. Der verbleibende Astronaut versucht mit den vorhandenen Mitteln seine Überlebensmöglichkeit zu verlängern, wissend, dass weitere Mars-Missionen folgen. Als Mensch, der den Mars besiedelt (in dem er Kartoffeln anpflanzt), definiert er sich als Marsianer. Ihn gelingt die Reparatur des Marsroboters Pathfinder und damit eine Kommunikation mit der NASA. Der Rest des Filmes handelt von der Planung, den Misserfolgen und endgültigem Erfolg der Rettung und Heimkehr des Marsianers.

Es sind die ruhigen Momente, zum Beispiel wenn der Marsianer "seinen" Planeten betrachtet, die diesen Film so besonders machen. Auch schaffen die nüchternen Szenen rund um praktische Probleme und die Suche nach deren Lösungen einen Realismus, der für einen Film, der auf den Mars handelt ungewöhnlich ist.
Technische Details wurden mit der NASA und ihnen zuarbeitenden Instituten abgeklärt. Die NASA hat die Chance erkannt, dass dieser Film das Werbe-Potential für bemannte Raumfahrt hat. Es war sicherlich kein Zufall, dass die NASA für den Film warb und parallel zum Filmstart die neusten Forschungserkenntnisse (Wasser auf dem Mars) publiziert wurden.

Es ist gelungenes Unterhaltungskino und ich gebe den Film 7 bis 8 von 10 möglichen Punkten.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Kurzfilm Lava von James F. Murphy

Dem hervorragenden Film Inside Out (Alles steht Kopf) ist wie bereits bei anderen Produktionen ein weiterer Film aus dem Pixar-Studios voran gestellt. Lava erzählt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte in einem Musikvideos.
Der Film ist nur Emotion (Freude, Trauer) ohne wirkliche Handlung und leider überhaupt nicht lustig. Mir hat er nicht gefallen!

Freitag, 2. Oktober 2015

Filmnotiz: Inside Out von Pete Docter



Inside Out
Alles steht Kopf
(USA 2015, 94 Minuten)
Regie: Pete Docter

Beim Europa-Kolleg-Treffen in Bilbao erzählte einige bereits von diesem Film, der nun drei Monate später auch in Deutschland gestartet ist. Es waren enthusiastische Berichte.
Und ich möchte in dieses Loblied einstimmen. Die Idee ist wunderbar, auch wenn ich zunächst dachte, dass wird doch kein Kind weder verstehen noch als Filmspaß ertragen. Da habe ich mich geirrt.

Es geht um eine Visualisierung von Emotionen im Kopf eines 11-jährigen Mädchens, die eine elementare Krise durchmacht.

Im Allgemeinen werden acht Basisemotionen unterschieden (siehe Tante Wiki):
    Freude / Ekstase
    Traurigkeit / Kummer
    Furcht / Panik
    Zorn / Wut
    Ekel / Abscheu
    Akzeptanz / Vertrauen
    Überraschung / Erstaunen
    Neugierde / Erwartung
Für den Film werden die ersten fünf Emotionen (im Original: Joy, Sadness, Fear, Anger, Envy) in den Köpfen der Menschen als kleine Wesen dargestellt, welche die Menschen steuern und ihnen emotionale Erinnerungen geben. Jeder Emotion ist eine Farbe zugeordnet. So schimmert Freude golden, Kummer ist blau, Angst ist lila, Zorn rot und Abscheu grün.

Das Leben der Hauptperson Riley wurde bisher von Joy dominiert und entsprechend sind die Erinnerungen, die als Murmeln im Langzeitgedächtnis in unendlichen Regalen lagern überwiegend gold-gelb.
Ein Umzug vom beschaulichen Minnesota, mit seinen winterlichen Freuden ins großstädtische, warme San Franscisco beendet die kindliche Idylle. Freundschaften und Freizeitaktivitäten gehen verloren und der Start in eine neue Phase ihres Lebens ist sehr holprig. Das ist die Geschichte der Außenwelt, in der Innenwelt korrespondiert dies mit einem Unfall, der die Freude und die Trauer ins Langzeitgedächtnis katapultiert, sodass Furcht, Zorn und Abscheu nun das Leben von Riley kontrollieren.

Der Film sprüht nur so von wunderbaren visuellen Ideen, um Emotionen, Erinnerungen und Prozesse im Gehirn (Träume, Ängste, Wünsche) darzustellen. Das tägliche bzw. häufig nächtliche Reinigen der Erinnerungen erfolgt tatsächlich mit einem riesigen Staubsauger, der Murmeln aus dem Gedächtnis ins Vergessen befördert. Die Träume werden in einem Filmstudio aus den täglichen Erinnerungen erstellt. Und ein Gedankengang heißt im Englischen Train of Thought und ist ein solcher, der verschiedene Bereiche im Kopf von Riley verbindet.

Der Film ist für ein Publikum vom Kindesalter an. Kinder sehen vielleicht nur die abenteuerliche Geschichte, aber für alle anderen, die sich schon mal damit beschäftigt haben, was so in unserm Kopf passiert ist es brillante Unterhaltung mit den zusätzlichen Witzen, die auf andere Filme anspielen.
Der Regisseur Pete Docter hat vorher für Pixar schon die Filme Monster AG (2001) und Up / Oben (2009) verantwortet. Es ist sicherlich kein Zufall, dass die Riley aus dem Film ihre Kindheit in Minnesota hinter sich lässt, wie vorher bereits der Regisseur.

Eine lesenswerte Filmkritik fand ich in der taz.

Ich gebe Inside Out 8 von 10 möglichen Punkten der Filmbewertung.

Samstag, 18. Juli 2015

Trash-Movie Kung Fury

Es gibt billige Filme
Es gibt schlechte Filme,
es gibt Trash-Movies
und es gibt Kung Fury.


Weniger als eine Million Euro für einen 30-Minuten langen Aktion-Film, der viele der schlechten Filme und US-TV-Serien der 1980-er Jahre noch übertrifft und damit eine Hommage an diese schnell abgedrehten Filme ist (zum Beispiel Knight Rider, Miami Vice oder MacGyver). Der schwedische Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller (!) David Sandberg hatte seinen Spaß und mehr als 17.000 Menschen haben ihn dies ermöglicht und der Film ist kostenfrei bei YouTube zu sehen (mehr als 25 Millionen Mal wurde er dort bisher abgerufen).
Die englische Ausgabe der Wikipedia hat bereits einen längeren Artikel über diesen Film.

Mittwoch, 15. April 2015

Filmnotiz: Whistle von Duncan Jones

Der Einsatz von Drohen, um Menschen im Jemen oder Pakistan zu töten, ist nur noch eine kurze Nachricht. Selten wird der staatliche Mord per Fernbedienung thematisiert. Da sitzt jemand vor verschiedenen Bildschirmen in einem westlichen Land (zum Beispiel Deutschland) und vollstreckt mit einem Knopfdruck auf einem Joystick ein extralegales Todesurteil gegen eine Gruppe von Menschen.

Der Kurzfilm Whistle zeigt so einen Henker. Seine Arbeit ist für ihn ein Job. Er bekommt Unterlagen über eine Person, deren Aufenthaltsorte und Wege und lässt vor Ort durch andere Mitarbeiter Details klären, um jeweils nur die Zielperson zu töten. Die Aufträge sind kein Problem und wenn sie eins sind, dann werden dies mit viel Rotwein ertragen.
Der Job wird zum Problem, als bei einem Einsatz nicht nur die geplante Zielperson getötet wird. Das Gewissen meldet sich, obwohl bei diesem Job kein Gewissen vorgesehen ist.

Dies ist der erste Film von Duncan Jones. Bereits hier zeigt er seine Konzentration auf das Wesentliche, das hier die unmenschliche Absurdität dieses "Berufs" ist.
Der Mann am Joystick ist Familienvater, der im Erdgeschoss mit seinem Sohn Computerspiele am Bildschirm spielt und im Dachgeschoss vor seinen Bildschirmen seine Arbeit macht. Dieser Gegensatz zwischen Spielfreude auf der einen Ebene und Hinrichtungen auf einer anderen Ebene bringt es auf den Punkt. Die Fernsteuerung lässt die Brutalität des Todes nicht an den Akteur heran.
Dieser Gegensatz wird auch im Setting betont. Die Familie lebt in einer schweizer Idylle und die Morde finden in westlichen Großstädten statt. Der staatliche Auftraggeber lässt nicht irgendwo in Jemen oder Pakistan töten, sondern hier bei "uns".

Ich empfehle diesen Film, denn er ist trotz seiner Veröffentlichung im Jahre 2002 weiterhin aktuell. In seinem darauf folgenden ersten langen Spielfilm Moon (2009) schuf er mit seiner Konzentration auf ein Thema einen der besten Science Fiction Filme der letzten Jahre.

Whistle (Großbritannien 2002, 29 Minuten)
Regie und Drehbuch: Duncan Jones
Der Film ist ein Extra der DVD-Veröffentlichung von Moon (2009)