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Montag, 11. April 2016

Informationen für Postbus-Reisende

Die Informationen für die Reisenden sind noch ausbaufähig. Meine Fahrtkarte nannte Hannover - Berlin Südkreuz als Start und Ziel. Am Busbahnhof Hannover wird die Endhaltestelle angezeigt und es war erschreckend, als weder auf dem Abfahrtplan, noch auf dem Busbahnhof ein Postbus nach Berlin zu finden war.
Nach zweimaligen fehlerhaften Informationen, u.a. an der Verkaufsstelle für Postbusfahrscheine, stand ich an der richtigen Haltestelle, wenn dort auch ein Bus nach Hamburg angezeigt wurde. Erst der Fahrer von diesem Postbus sagte mir, dass ich auf den Bus nach Görlitz warten sollte. Auf dem Display fand sich dann als eine Haltestelle Berlin auf dem Weg nach Görlitz.
Der positive Unterschied zu den Fahrplänen der Bahn ist, dass die Fahrzeiten großzügig formuliert sind. Wir fuhren eine Viertelstunde nach Plan ab, steckten bei Braunschweig für fast eine halbe Stunde im stockenden Verkehr und hatten am ZOB Berlin nur zehn Minuten Verspätung. Dort leider auch wieder fehlerhafte Information auf dem Display. Es wurden alle Stationen bis Görlitz genannt, doch fehlte meine Station. Erst der Fahrer bestätigte, dass dies die nächste Haltestelle ist.
(Manipuliertes Schild, gesehen in Firenze 2014)
Mein erster Reisebericht Postbus findet sich hier (15. April 2014).

Samstag, 18. Oktober 2014

Kein EKNT Warszawa / Poznan

Da hat mich der Streik der Lokführer kalt erwischt.
Das Europa-Kolleg hat mich in den letzten Jahren in viele europäische Länder geführt (FIN, EST, CZ, SK, RO, ES (2007), ES (2009), PT, wieder FIN und EST, IT, HU und diesen Sommer wieder IT wie mehr als ein Dutzend Blogbeiträge dokumentieren).
Seit dem Frühjahr gaben es zunächst Gedankenspiele und dann Planungen für eine Reise in den Osten. M. hatte mich nach Warschau eingeladen und J. vorgeschlagen, dass ich auf dieser Reise in Posen einen Zwischenstopp mache.
Zunächst war der Sommer anvisiert, doch das ließ sich nicht realisieren. Mit Frühbucher ist so eine Reise H-B-W und zurück für weniger als 100 Euro möglich. Ich buchte früh und mit BahnCard25 waren es dann nur €84,75. Dafür hatte ich gebundene Züge und für die Rückfahrt sogar einen direkten EN-Liegewagen gebucht.
Es sind scheinbar politische Erwägungen, welche das Management der Bahn dazu bewegen, welche Linien trotz des Streiks bedient werden. Einige gut ausgelastete Linien werden nicht befahren und andere schwach besetzte Linien verkehren. Der EC Berlin-Warschau und auch der IC Berlin-Amsterdam werden nicht bedient. Es sind dies zwei stets gut gefüllte Züge. Von einem weiß ich es aus langjähriger Erfahrung und vom anderen wurde mir dies von meinem Gastgeber in Warschau gesagt.

Als Veranstaltungsorganisator suchte ich in den Ersatzfahrplänen nach einem Plan B. Ich muss um 11 Uhr den EC an der ersten polnischen Station erreichen, den nur für den habe ich Platzkarte. Also Abfahrt um Mitternacht in H nach B, fünf Stunden Aufenthalt in B, dann mit einem Regionalzug nach Frankfurt/Oder und dann mit einem anderen Zug die 5-10 km zur ersten polnischen Station. Tja, die Bahn setzt keine Zugführer auf den letzten Kilometern ein.

Plan A und B waren nicht umsetzbar. Am Schalter wurde gar nicht erst versucht, im Dschungel der Informationen nach einer Alternative C zu suchen. Ohne Formular, nur mit einer Unterschrift, die den Empfang des Gelds bestätigt, erhielt ich meine €84,75 zurück.

Was bleibt. Stunden der Gedankenspiele, Recherche und Planung und vor allem dabei stets die Vorfreude. Wenn ich nächster Jahr nach Warschau fahre, bin ich bereits mit vielen Vorabinformationen versehen. Schade für den Moment, aber es gibt einen weiteren Versuch (und wieder Vorfreude).

Sonntag, 5. Oktober 2014

Warten in Schiphol

Nicht endende Langeweile. Es ist egal, wie der Flughafen heißt. Wenn die Aufenthaltszeit eine zeitliche Grenze überschreitet, ist es langweilig. Die Szenen wiederholen sich und die Ansagen können mitgesprochen werden, auch wenn es ungewöhnliche Ansagen sind.
"Passenger ... (Nachname) to ... (Flugziel). You are delaying the flight. Immediate boarding or we proceed to offload your baggage" 
Und dann gibt es die Menschen, die zwar eine Abwechslung bringen, sogar bedingt unterhaltsam sind, aber eher zum Kopfschütteln führen.
Der zentrale niederländische Flughafen Schiphol bei Amsterdam hat angenehme Orte, darunter auch einen Bereich, der mit seinem vielfältigen Grün und einem kleinen Einkaufspavillon davor, viele Geräusche der vorbei eilenden Passagiere schluckt und damit einen Ruhebereich schafft. Hier dösen und schlafen Transitreisende (wie ich auch einer war), aber einige denken scheinbar, dass dies auch ein Versteck für ihr Gepäck ist und die Dösenden schon dafür sorgen, dass niemand ihr Gepäck entfernt.

Ich saß in einem bequemen Sessel und hatte nicht beachtet, dass in meiner Nähe Handgepäck auf einen anderen Sessel aufgestapelt war. Eine Sicherheitskraft kam und fragte systematisch einen nach den anderen, ob das Gepäck uns gehört oder ob wir wissen, wen es gehört. Nur eine Frau war bereits lang genug in diesem Bereich gewesen, um sich daran zu erinnern, dass die Passagiere bereits vor längerer Zeit weggegangen waren.
Da der Mann vom Flughafen auch mich fragte, erlebte ich alles wie im 1970-er Werbespruch "Live und in Farbe" (Olympia 1972 oder Fußball-WM 1974). Er wartete kurze Zeit und hielt Ausschau. Da nichts passierte, sprach er erst über Funk mit einer Kollegin, dann mit der Frau, die ihn den Hinweis gegeben hatte. Sie möge doch bitte die Passagiere informieren, dass deren Handgepäck bei der Flughafen-Sicherheit zu finden sei. Sprach 's, nahm die vier Teile und verschwand.

Nach etwa einer halben Stunde verschwand auch die angesprochene Frau und nicht lange danach kamen zwei italienisch sprechende Männer und vermissten ihr Handgepäck. In Zeichensprache wollten sie von mir erfahren, ob ich wüsste, wo ihr Gepäck ist. Ich sprach langsam Englisch, gewann aber schnell den Eindruck, dass die beiden nur sehr wenig verstanden und selbst noch weniger sprachen. "Sicurezza" und ein Fingerzeig nach unten war ihre fragende Entgegnung, die ich durch ein Nicken bestätigte. Die beiden Männer verschwanden.
Nur wenige Minuten später kamen drei Italienisch sprechende junge Menschen, nahmen in meiner Nähe Platz und verschwanden nach wenigen Minuten ohne ihr Handgepäck mitzunehmen.
Ist das so üblich in Italien?
Wieder hörte ich die Durchsage "Passenger ... (Nachname) to ... (Flugziel). You are delaying the flight. Immediate boarding or we proceed to offload your baggage". Erst nach dem vorherigen Erlebnis merkte ich, dass diese Durchsage regelmäßig zu hören war. Es waren stets andere Namen, aber sehr viele von ihnen klangen Italienisch.

Da ich kein Interesse hatte, noch mal eine Gruppe in ihrer Sorglosigkeit zu unterstützen, suchte ich mir einen neuen Ort, um den Rest meiner mehr als fünf Stunden im Transit zu verleben.
Der beschriebene Ruhebereich ist wirklich ungewöhnlich und so etwas hatte ich in dieser Form vorher und seitdem an keinen anderen Flughafen gesehen. Es gab sogar einen Ausgang zu einer Dachterrasse. Im künstlichen Grün waren an der Decke Lautsprecher versteckt aus denen Vogelgeräusche abgespielt wurden. Neben den von mir benutzten bequemen Sesseln gab es auch Plattformen mit übergroßen Granulatsäcken, auf die man sich legen oder setzen konnte. Und nirgendwo blinkende oder sonstige Werbung.

Schiphol hat einen wirklich angenehmen Ort für Transit-Passagiere.

Dienstag, 16. September 2014

Flugplatz Rotenburg Wümme

In einem Teil der norddeutschen türkischen Community läuft gerade ein Gerücht, das ich hiermit als falsch erklären möchte. Es gibt keinen günstigen Flüge von Rotenburg in die Türkei!

Nordwestlich von Rotenburg / Wümme liegt die Lent-Kaserne der Bundeswehr, die auf einen Vorläufer einer Nazi-Kaserne von 1936 basiert. Seit 1937 gibt es dort ein Flugfeld, auf dem im 2. Weltkrieg Jagdflieger und Bomber stationiert waren. Von hier wurden Angriffe geflogen und 1944 fand ein großer britischer Luft-Angriff statt, der den Flugbetrieb fast beendete.
1958 übernahm die Bundeswehr das Gelände von den Briten und Einheiten der Heeresflieger waren hier stationiert. Statt einer Grasbahn gab es eine befestigte Rollbahn. 1994 wurden die militärischen Einheiten abgelöst und seitdem gibt es nur noch eine zivile Nutzung.

Der Flugplatz Rotenburg / Wümme ist ein Verkehrslandeplatz der Klasse II. Die 800m lange Rollbahn ist für Flieger bis 5,7t zugelassen. Es gibt keinen kommerziellen Flugbetrieb und es sind auch keine Langstrecken-Charterflüge ab Rotenburg bekannt.
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AERO-CONSULT bietet in Rotenburg Charterflüge mit Hubschrauber oder Cessna an (Flugziele Bremen, Lüneburger Haide).
Webseite des Flughafens (Kennung EDXQ)
Geschichte des Fliegerhorsts Rotenburg (Die Kaserne ist nach einem viel geehrter NAZI-Soldaten benannt)
PS: Es gibt auch keine internationalen Flüge ab Rotenburg an der Fulda oder Rothenburg op der Tauber

Sonntag, 17. August 2014

EK Firenze - Die Anreise per Bahn

Die Hinfahrt nach Firenze war keine ungeteilte Freude. Wegen einer Bahnbaustelle in Bayern erhielt ich vor einer Woche einen Verspätungsinformation mit einem neuen Reiseplan für mein vor drei Monaten gekauften Ticket. Der neue Reiseweg über die Schweiz war so unattraktiv, dass ich direkt zum Bahnschalter ging und in einem langen Gespräch mit verschiedenen Versuchen Alternativen andere Reisewege zu finden, war ich schließlich besser gestellt als vorher.
Ursprünglich hätte ich für diese Strecke dreimal Umsteigen müssen, bis ich in Innsbruck den CNL nach Firenze mit meiner Sitzplatzreservierung besteigen würde. Nun war es ein Direktzug nach München, wo ich am Ausgangspunkt des genannten CNL bereits meinen Platz einnahm.
Auf den 100 km zwischen München und Garmisch kletterte der Zug bereits 180 Meter hoch. Die Strecke war zum Teil einspurig und entsprechend hatten wir immer wieder in kleinen Bahnhöfen wie Huglfing Aufenthalte, um entgegenkommende Züge passieren zu lassen. Es zeigten sich die steilen Nordhänge der Alpen, teils bewaldet, teils bis ins nackte Gestein. Ab Garmisch ging es dann weiter mit der einspurigen. Vor Garmisch war bereits Sonnenuntergang und so war danach Vieles nur in Schemen mehr zu ahnen als zu sehen.
Von Garmisch (708m) klettert der Zug bis Seefeld auf 1.128 Höhenmeter, wie auch klar in den Ohren zu spüren war. Da Innsbruck dann nur auf 631m liegt, ging es schnell wieder hinab und vor Innsbruck fuhren wir sehr hoch am Talrand und sahen die hell erleuchtete Stadt mit ihrem Farbenspiel.
Der Fahrplan sieht lange Stopps in Garmisch und Innsbruck vor, da nur so wegen der außerplanmäßigen Stopps, um Züge passieren zu lassen, so etwas wie ein Fahrplan eingehalten wird. Direkt nach München gab es bereits die Durchsage, dass es auf der Fahrt keine Durchsagen geben würde, da es ein Nacht/Schlaf-Zug sei. Informationen zur Weiterfahrt mussten direkt beim freundlichen Schaffner erfragt werden.
Ich hatte als Einziger im Waggon ein Abteil für mich alleine, aber auf Nachfrage bei der Fahrkartenkontrolle erfahren, dass auch dieses Abteil vollständig ausgebucht war, aber die anderen Plätze erst in Innsbruck eingenommen würden.
Ich hatte ein günstiges Europa-Spezial-Ticket und erwartete wie vor eineinhalb Jahren im Nachtzug Basel-Chiaso auf meiner Fahrt zum EK Treffen in Genova ein Schlaf-Sitzplatz, wo ich mich ausstrecken und anlehnen könnte. Leider war es ein alter D-Zug-Waggon mit 6-er-Abteilen, die nur eine geringe Sitzplatzveränderung erlaubten.
Es war ein Waggon von 1991 und es war tatsächlich in den 1990-er Jahre vor der Abschaffung der D-Züge, dass ich zuletzt so einen unbequemen Platz hatte. Dieser Platz war für elf Stunden meine Basis und steigerte meine Unzufriedenheit so weit, dass ich mir sagte, so etwas mache ich nicht noch mal.
Gegen 23 Uhr stieg in Innsbruck eine fünfköpfige, deutsche Familie zu und irgendwie versuchten wir alle eine nicht zu unbequeme Position zu finden und so in den Schlaf zu finden. Doch was ist schon Schlaf, wenn nach dem Grenzübertritt nach Italien wir alle fünfmal durch Lautstärke oder durch eine Fahrkartenkontrolle geweckt wurden. Immer wieder wurde die sich schlecht schließende Tür zum Gang mit Krach geöffnet und jemand schaute in unser unbeleuchtetes Abteil auf der Suche nach einem Sitzplatz. Auf dem hell erleuchteten Gang wurde ständig lautstark Italienisch geredet und bei Bahnhofsaufenthalten (zum Beispiel Verona) Fenster zum Bahnsteig und damit eine weitere Krachquelle geöffnet. In Bologna verließ die Familie den Zug und drei Italiener nahmen Platz. Die Vorhänge zum weiterhin erleuchteten Gang wurden beiseite geschoben, um die wenigen Aktivitäten im Bahnhof vom Sitz zu beobachten. Damit war nach drei Stunden Schlaf (?) aufgeteilt in vier Stücke gegen 4 Uhr morgens meine Nacht vorbei. Viertel nach Fünf ging es endlich weiter Richtung Firenze, wo ich total übermüdet um 6:15 Uhr aus dem Zug stieg.
Unser Gastgeber hatte uns viele Informationen gegeben, darunter wo man billig Busfahrscheine erhält und wo man ein Frühstück bekommt. Wir beide hatten uns darauf geeinigt, dass ich nicht unmittelbar zu ihn fahren würde, so dass er noch ein wenig schlafen könnte. Das war dann aber auch nötig, denn die Busfahrkartenstelle machte erst nach 7 Uhr auf und ich musste mit meinem dreiteiligen Gepäck weit laufen, um zumindest eine Tasse Kaffee zu bekommen.
Dann musste ich mich mit einer spezifischen Form der Unpünktlichkeit auseinandersetzen. Die städtische Buslinie in Richtung zur EUI fährt an einem Samstag nur alle halbe Stunde und ich war etwa fünf Minuten vor der Abfahrt an der Haltestelle, wo sonst niemand wartete und nach zehn Minuten war der Bus immer noch nicht da. Ich ging in den Ruhemodus und nach zehn Minuten kam ein Bus der benachbarten Linie weitestgehend pünktlich. Weiter warten und sieben Minuten vor der Abfahrt des nächsten Busses meiner Richtung kam ein Bus an den Startpunkt der Linie und fuhr sechs Minuten vor dem Fahrplan los. Das war dann wohl auch eine halbe Stunde vorher passiert. Denn vor der Ankunft dieses verfrühten Busses kamen so nach und nach immer mehr Passagiere für die Linie 1A und mit der verfrühten Abfahrt war die Bushaltestelle wieder verwaist. Fahrpläne sind zur Beruhigung und signalisieren nur, dass regelmäßig ein Bus verkehrt.

Es tat so gut F. zu begrüßen. 19 Stunden nachdem ich meine Wohnung in Hannover verlassen hatte, stand ich in seinem Appartement und die Freuden des Europa-Kollegs 2014 begannen.

Samstag, 16. August 2014

Treffen des Europa-Kollegs in Firenze

Und wieder ist ein große Gruppe aus vielen europäischen Ländern auf dem Weg um sich zu treffen. In diesem Jahr ist das Ziel Firenze und eine weitere toskanische Stadt.
Das Europa-Kolleg ist kein Reiseverstalter, aber ich habe durch diesen erlesenen Kreis seit 2006 Reisen nach Helsinki, Tallinn, Praha, Poprad, Bucuresti, Sibiu, Barcelona, Malaga, Lisboa, Talsinki, Genova und Budapest unternommen.
Wir treffen uns, stabilisieren und erneuern unsere Kontakte und Freundschaften, Feiern, haben aber jeweils ein Kulturprogramm und zuletzt auch fast schon offizielle Termine. Ich erinnere mich gerne an das Folk-Festival in Viru, wo Tjörk auftrat oder das ungewöhnliche Theaterstück in Praha, die Museen in der europäischen Kulturhauptstadt Sibiu und anderen erhebenden und unterhaltsamen Programmpunkten.

In Tallinn und Budapest besichtigten wir u.a. das Parlament und in diesem Jahr gibt es europäische Hochkultur in den Uffizien und ein Besuch im Historischen Archiv der Europäischen Union, in Nachbarschaft zum Europäischen Universitäts-Institut.

Ein europäisches Netz von vielen - für mich persönlich das wichtigste - wird gepflegt. 

Der Beitrag wird fortgesetzt.

Ein erster Beitrag über die Anreise. Als überzeugter Bahnreisender muss ich bekennen, dass die Sitzwagen im deutschen CNL so schlecht sind, dass ich ausdrücklich die Buchung eines Liegewagens empfehle.
In der Stadt finden sich neben den üblichen, langweiligen Tags von ach so coolen jungen Männern, echte Street Art. Der Künstler Blub arbeitet mit Verfremdung und vergänglichem Material. "K" (?) macht Graffiti, aber diese sind auch vergänglich, wie das Thema seiner Kunst (LOVE EXIT oder doch EXIT LOVE). In einen weiteren Beitrag stelle ich noch andere Beispiele für Paste-Up und Schablonen vor.
Firenze ist ein lebendes Museum der Kunst!

Kunst und Kultur findet sich überall. In den kirchlichen Gebäuden und Museen befindet sich die geschätzte Hochkultur, doch in Nebenstraßen oder in Privatwohnungen findet sich Kulturelles, was manchmal Kunsthandwerk und manchmal Kunst ist. Moderne Notwendigkeiten (Stromversorgung, Entlüftung, u.a.) greifen dabei manchmal radikal ein. Da stellt sich die Frage, was soll erhalten werden und was nicht? Ist die katholische Kleiderordnung wichtiger als der Erhalt der Farben von Freskos und Gemälden?

Nördlich des Flughafen Firenze befindet sich die offizielle Wetterstation der Region Toscana und der Italienischen Forschungsrates.
Das LAMMA "Laboratorio di Meteorologia Modellistica Ambientale" veröffentlicht eine Auswahl von meteorologischen Messwerten (Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Wind, etc.). In unserer Stadtwohnung in Via Cavour war es aufgrund der urbanen Wärmeinsel sicherlich 2-4° wärmer als am Flughafen. Entsprechend kann festgestellt werden, dass vom 19. bis zum 26. August mit der Ausnahme des 22. alle Nächte Tropennächte waren. Mit den ausnahmen des 16. und 23. August waren alle Tage Tropentagen. Doch da im langjährigen Durchschnitt für den gesamten August Nachttemperaturen von 18,0° und am Tagestemperaturen von  29,4° errechnet wurden, war es nicht ungewöhnlich heiß. Nach der gleichen Datenbasis schwankte die Luftfeuchtigkeit zwischen einem täglichen Minimum von 30-40% und einem Maximum von 80-90%. An vielen Tagen gab es eine hohen UV-Belastung (6 auf dem UV-Index)

Montag, 19. Mai 2014

Schnorcheln vor Zanzibar 1989

Ein scharfer Schmerz wie von einer Schnittverletzung war am Oberarm zu spüren. Mein lauter Schrei beendete für mich die Idylle an der Ostküste von Unguja (=Zanzibar Hauptinsel).
Der Schmerz vervielfachte sich als ich panisch in einer rudernden Bewegung meinen Arm von der unsichtbaren Quelle weg riss. Ich sah es noch nicht, aber ich hatte die Nesseln einer Tentakel einer Qualle berührt und mit der drehenden Bewegung die Nessel um meinen Oberarm gewickelt.
Der Schnorchel wurde ausgespuckt und ich rief um Hilfe. einer meiner amerikanischen Freunde kam angeschwommen, sah die Ursache und entfernte die Ursache der Schmerzen. Ich bewegte mich zu dem kleinen Ruderboot, und kam mit der Hilfe des lokalen Fischers ins Trockene. Ein roter Streifen lief um meinen Arm herum und schmerzte so sehr, dass ich mich jetzt wunderte, wie ich trotzdem damit zum Boot geschwommen und ins Boot gekommen war. Die Nerven waren so überreizt, dass der Arm nicht zu gebrauchen war.
(Blick vom Wasser auf unsere Unterkunft)
Wir waren eine kleine Gruppe von ausländischen Studierenden der University of Dar es Salaam, die im März 1989 einen Kurzurlaub auf der Insel machten. Wir waren zunächst in Stone Town gewesen und hatten von dort eine Bootstour nach Changuu gemacht und dort die Aldabra-Riesenschildkröten bewundert.
(Stone Town, Zanzibar, Unguja, März 1989)
In der Stadt hatten wir den Busbahnhof mit seinem Dala Dala-Fahrzeugen gesehen und da kam die Idee auf, die Stadt zu verlassen und einige Nächte an der Ostküste zu verbringen. Ein Dala Dala war damals ein sehr robuster kleiner LKW mit deutlich sichtbaren Blattfedern, auf dessen Ladefläche vier Bankreihen befestigt waren. Eine Abdeckung schützte vor der Sonne und auf der Ladefläche wurden neben den Menschen auch Waren transportiert. Es gab nur einen Dala Dala am Tag, der in einem Bogen über den Süden der Insel zur Ostküste fuhr.
Bereits kurz hinter der Stadt endete der befestigte Weg und der LKW schaukelte und sprang vollbesetzt über sandige Pisten. Der Weg war so schlecht, dass das Fahrzeug nie wirklich schnell fahren konnte. Dagegen wurden die Holzbänke schnell unbequem.
Unser Ziel war irgendwo bei Bwejuu. Wir wollten an der Ostküste Baden und die Schönheiten eines Korallenriffs erleben. Jemand hatte den Tipp bekommen, dass an unserm Ziel einige Fischer ein Gasthaus anbieten. 1989 gab es noch keinen nennenswerten Tourismus weder auf Zanzibar noch in Tanzania. Wazungu (=weiße Menschen) waren in der Regel Entwicklungshelfer, Missionare, Entwicklungsexperten, Diplomaten, Händler oder eben wie wir im akademischen Austausch (als Dozenten oder Studierende).
(Unguja, Zanzibar Ostküste kurz nach Sonnenaufgang, März 1989)
Der Dala Dala hielt und wir verließen mit unserm Gepäck Richtung Küste die Sandpiste. Heute klingt es wie eine Idylle. Das Geräusch vom LKW entschwand nach Norden und gingen unter Palmen auf die wenigen weißen Häuser zu. Der Indische Ozean im Hintergrund leuchtete im Sonnenschein. Einer der US-Freunde konnte leidlich Kiswahili und fragte nach einer Unterkunft. Eine Reservierung oder Buchung war undenkbar, wir waren an einem Ort, wo es kein Telefon gab und der tägliche Dala Dala auf seiner Hinfahrt und Rückfahrt das einzige Motorfahrzeug war.
Wir fanden eine Unterkunft und verteilten uns auf die drei oder vier Zimmer der einfachen gekalkten Unterkunft. Der Fischer kassierte vorab und fragte gleich, was wir denn Essen und Trinken wollten. Natürlich Fisch und Reis statt des immer wieder in der UNI-Mensa servierten Ugali na Maharage (rote Bohnen mit fester Maispampe und ein-zwei Stücken Fleisch).
(Kokospalme an der Ostküste von Unguja, Zanzibar, März 1989
Wir waren glücklich in dieser absoluten Ruhe und vor dem Abend auch das erste Mal am Strand und im Wasser. Auch dort ein einziges Postkartenbild. Weißer Sandstrand, kleinen Wellen (wegen des vorgelagerten Riffs) und große Kokos-Palmen, die sich zum Strand neigten.

Der Fischer fragte uns am nächsten Morgen, was wir denn an diesen Tag essen wollten und wir fragten nach Hummer. Er sagte dazu, dass er den wirklich im Wasser suchen muss und so dieses Speise teurer sein würde. Doch was war teuer im Jahre 1989 in Ostafrika. Für uns nichts und wir waren arme Studierende mit kleinen Stipendien und wenig Taschengeld. Doch wir hatten Geld und waren alleine schon deshalb relativ reich. Der Fischer bot auch an, dass wir bei ihm Schnorchel und Taucherbrillen leihen könnten und er mit uns am Nachmittag, wenn die Sonne nicht mehr gefährlich ist, mit uns zum Riff raus fahren könnte.

Es war bis zu dem Vorfall mit dem Nesseln einer Qualle ein wunderbares Erlebnis. Wir wurden vor den scharfen Kanten des Riffs gewarnt. Die Kraft der Wellen brach sich hier und so war wirklich manchmal das Riff zu spüren. Was jeder von uns mit den Taucherbrillen gesehen hat, kann nicht in Worte gefasst werden. Es gibt unbeschreibliche Schönheit.
Am Ende unserer Tour hatten alle rote Stellen. Ich am Arm von der Qualle und wir alle am Oberkörper und den Beinen von der Sonne.

Dienstag, 15. April 2014

Bahn und Bus zwischen Hannover und Berlin

Am zweiten Aprilwochenende habe ich erstmals eine der "neuen" Buslinien für eine Fahrt nach Berlin genutzt. Erst mit dem Ablaufen meiner BahnCard50 habe ich als überzeugter Bahnfahrer nun probehalber das Verkehrsmittel gewechselt.

Ich fuhr mit dem ADAC-Postbus, der täglich mehrere Male aus dem Westen kommend über Hannover nach Berlin fährt. Der reguläre Preis für die einfache Strecke Hannover-Berlin beträgt 24 Euro. Doch für Frühbucher gibt es auch Tickets für 19 und sogar für 14 Euro. Ich habe fünf Tage vor Reiseantritt gebucht und obwohl meine Hinreise an einem Freitag und meine Rückreise an einem Sonntag waren, konnte ich noch Tickets für jeweils 14 Euro kaufen.
Zum Vergleich: eine reguläre Bahnfahrkarte nach Berlin kostet mit einem Regional-Express 46,90 Euro, für den zuschlagspflichtigen IC sind es 54 und für den ICE sogar 68 Euro. Wenn eine Woche vorher gebucht wird, kostet es mit dem RE 44, dem IC 39 und dem ICE 59 Euro. Wirklich billiger wird es erst bei langfristiger Vorbuchung und beim Kauf einer Hin- und Rückfahrkarte. Für den Bus zahlte ich Hin- und zurück 28 Euro. Mit der Bahn mit zwei Wochen Vorlauf kosten es mit einem RE 88, dem IC oder ICE jeweils 64 Euro.

Ich höre andere Bahn-Fans schon sagen; "aber im Zug ist es bequemer, leiser und vor allem wäre ich deutlich schneller am Ziel."
Die Fahrzeit mit dem RE beträgt 4:11. Ein Bus sollte eigentlich auch nur mit einem Regionalexpress verglichen werden. Der IC benötigt laut Fahrplan 1:54 und mit dem ICE sind zwischen 1:39 bis 1:47. Jedoch muss ich anmerken, dass in meiner langjährigen Erfahrung mit der Bahn, der ICE bei jeder zweiten Fahrt deutlich verspätet abfährt und ankommt. Die Busfahrt über Wolfsburg dauert laut Fahrplan 3:50.
Die modernen Busse sind genauso bequem wie die Sitze im Zug. OK, es ist lauter vor allem im hinteren Teil eines Busses (Hinfahrt saß ich vorne und da war es nicht laut), doch die hohen Sitze verhindern, dass ständig Telefonate zu hören sind.

Im Bus besteht Anschnallpflicht, auch wenn ich auf der Hinfahrt, wo ich fünf Personen vor und neben mir sehen konnte, keiner außer mir den Gurt anlegte.
Auf der Autobahn von Hannover nach Berlin ist die rechte Spur von einer nicht endenden Reihe von LKWs blockiert. Fahrbahnverengungen vor Baustellen führen dann schnell zum STOP + GO, was glücklicherweise nur einmal passierte, aber natürlich die Fahrt verlängerte. Nur am Wochenende scheint eine störungsfreie Fahrt möglich zu sein.

Gepäck wird abgegeben und dafür gibt es eine Marke, die später bei der Ausgabe gezeigt werden muss. Für den Kauf einer Fahrkarte muss Name und Adresse angegeben werden und vorm Besteigen des Busses, wird der Ausweis mit dem Namen auf den Ticket abgeglichen. Gepäck und Ticket erinnern damit an eine Luftreise.

Im ADAC Postbus gibt es kostenfrei eine schnelle, stabile WLAN-Verbindung und gleichzeitig Zugriff auf eine Mediathek mit Musik, Büchern, Zeitschriften, TV- und Kino-Filmen. Aktuell wurden Filme wie Hobbit 1, Harry Potter 7.1 und 7.2, Inception und viele andere Filme kostenfrei angeboten. Auf der Rückfahrt habe ich diesen Service genutzt und ich hatte nur ein einziges Mal den Eindruck, dass der Film für eine halbe Sekunde stehen blieb.
Im hinteren Busteil gibt es einen Kaffeeautomaten, der für wenig Geld Heißgetränke bietet. Kaltgetränke gibt es vorne beim Fahrer.

Abschließend meine Zusammenfassung und Bewertung.
ADAC-Postbus, Buslinie Hannover-Berlin, Buslinie Berlin-Hannover, Vergleich Bus und Bahn

Dies war meine erste Busfahrt, aber sicherlich nicht meine letzte. Die Bahn muss sich anstrengen, um nicht einen Stammkunden auf den längeren Strecken zu verlieren.
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Ein weiterer Bericht über eine Fahrt mit dem Postbus findet sich hier (11. April 2016)

Dienstag, 21. Januar 2014

Dharavi, Mumbai (Indien) - Dokumentarfilm

Eine sehr geschätzte Frau aus Valencia war im Sommer 2013 mit ihrem Partner in Indien, in Mumbai, in Dharavi.
Dharavi ist die fiktive Herkunft des Hauptdarstellers aus Slumdog Millionaire und einer der größten Slums mit etwa einer Million Einwohnern. Die beiden haben dort einen Film gemacht, den sie über YouTube der Welt zur Verfügung stellen und ich möchte mit diesem Blog-Beitrag dabei helfen, den Film bekannter zu machen.

Act Local Think Global - Filmed, Edited and Produced by Rowan Farrell
Ein sehr gut gemachter Film, der sehr deutlich herausarbeitet, dass Dharavi zwar ein Slum ist, also seine Infrastruktur nicht für die Zahl der Bewohner ausgelegt ist, aber Slum nicht gleich Armut und Hoffnungslosigkeit bedeutet.
Ähnliche Erinnerungen habe ich an Slums in Nairobi, Kenya und Accra, Ghana.

Meine Bekannte ist "nur" im Hintergrund zu sehen, einmal ihre Hand mit dem Mikro (3:06) und einmal ein Standbild bei einem Interview (5:54).

Samstag, 28. Dezember 2013

Jahresabrechnung 2013

Soeben habe ich meinen Jahresbrief 2013 fertig gestellt und an die Familie und Freunde versandt. Wer den Text lesen möchte, braucht nur eine Notiz via Elektropost oder Gesichterbuch zu schicken.
Hier gibt es nur einen Rückblick auf Blogbeiträge des Jahres. die öffentliche Person ist schließlich eine andere, als der reale Mensch.

Politik regt mich weiterhin auf und an. Da lag natürlich auch an der Landtagswahl in Niedersachsen, den damit verbundenen Outen von Nazis, der Bundestagswahl mit unserer Bundeskanzlerinverwalterin und hier in Hannover der zusätzlichen Wahl des Oberbürgermeisters. Die Dummheit der SPD und das Geblubber und Schweigen vom Bundespr.(ediger) Gauck ließen mich den Kopf schütteln. Dabei gab es interessante Ansätze wie die 1. EU-Bürgerinitiative oder die Offenlegung der NSA-Spitzeleien  oder das Fiskalverbrecher im Netz recherchiert werden können.

Der Tod meines Vaters führte zu Erinnerungen und Trauerarbeit.
Doch es gab auch schöne Momente auf dem Spielplatz, in der Turnhalle und mehrmals im Zoo.

Meine Reisen führten mich in diesem Jahr gleich zweimal nach Berlin, nach London, Königswinter, Budapest zum Europäischen Traum, Stade und Deventer.

Die monatlichen Wetterberichte, der nicht enden wollende Winter 2012/2013 aber auch einen Beitrag über den regionalen Klimawandel am Beispiel des Monats April und den generellen Temperaturanstieg sind auch als Kommentare auf dümmliche Bemerkungen von Klimaskeptikern zu lesen.

Ich kramte ein wenig in meinen Erinnerungen und fand meinen allerersten Brief von meiner ersten Reise nach Ostafrika (1987) und als eine Alumna über ihre Probleme mit einem Studentenvisum berichtete fiel mir mein Erlebnis aus Dar es Salaam (1988/89) ein. Eine Wiedergängerin erinnerte mich an den Beißkrampf der 1980-er Jahre pflegte. Ich musste auch an die Grußkultur in Tanzania denken und ein unangenehmes Erlebnis in Johannesburg vor 18 Jahren.

Kino war nur dreimal Thema, einmal The Hobbit und dann der Nachzug nach Lissabon und Star Trek. Filme gab es vor allem auf DVD, wie zum Beispiel Spielbergs Terminal. Ich fand einen Hinweis auf eine Screwball-Komödie im Netz, die vollständig, im Original und vor allem ohne Werbepausen genossen werde kann.  

Musik war öfters das Thema: Die hannöversche Formation fint stellte ihre 1. EP vor. Das Duo SEA+AIR gab eine wunderschöne Show. Beim digitalen Aufräumen stolperte ich über meinen Konzertbericht Roger Water 2002 und während meiner Arbeit auf der Fête de la Musique Hannover über einen Achim Reichel Song meiner Jugend. Musik gefiel auch im Netz, doch Hand gemachte Live-Musik wie vom französischen Yalta Club oder von MINE sind etwas Besonderes.

Ich habe viel gelesen, aber nicht so viel darüber geschrieben. Im Winter wurden eine Märchensammlung von Charles Perrault gelesen und im Herbst ein Sachbuch über "normale" US-Amerikaner. Literatur hinterließ Spuren in meiner Zitatesammlung, wie zum Beispiel Bemerkenswertes von Arno Schmidt (hier  und hier), Pascal Mercier, William Shakespeare, Gisbert Haefs, Douglas Adams oder Doris Lessing.

Mal sehen was 2014 bringt.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Buchvorstellung B. Gaus - Amerika

Bettina Gaus
Auf der Suche nach Amerika. Begegnungen mit einem fremden Land
Frankfurt am Main: Eichborn, 2008

Bettina Gaus ist taz-Korrespondentin. Als sie im Herbst 2007 für drei Monate durch den ländlichen Raum der USA reiste, waren ihre Beobachtungen, Begegnungen und Gespräche vor dem Wahljahr 2008 in langen Reportagen als Serie in der Zeitung zu lesen. Dieses Buch dokumentiert die gesamte Reise.
Vorbild ist eine Reise des US-Schriftstellers John Steinbeck im Herbst 1960 (Travels with Charley: In Search of America). Er begann seine Rundreise während des Höhepunkts des Wahlkampfes zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon. Bettina Gaus folgt seinem Spuren und besucht viele der Orte, die im Reisebericht von Steinbeck erwähnt werden. Der Unterschied ist doppelt, zum einen reist sie vor den Vorwahlen, als auf Seiten der Republikaner und Demokraten noch keine Entscheidung für den Präsidentschaftskandidaten gefallen ist und zum anderen führt eine Frau andere Gespräche mit den Zufallsbekanntschaften.
Denn dies ist ein wesentliches Element der Reportagen und des Buches. Sie sucht die "Normalen" und versucht mit ihnen Gespräche über deren soziale, wirtschaftliche und politische Situation zu führen. Sie reist ohne Adressbuch und folgt damit keinen Empfehlungen von befreundeten US-Bürgern oder anderen Journalisten, sondern setzt auf den Zufall der Begegnungen mit Personal und anderen Gästen in Besuchszentren, Cafés und Motels, der dann zu längeren Gesprächen führt.
Es ist eine mutige und bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Vorurteilen, die das Bild der Menschen in den USA prägen. Sind diese wirklich so Waffen vernarrt, außenpolitisch unbedarft, religiös und freundlich oberflächlich.

Es ist Herz erfrischend, den optimistischer Tonfall zu lesen. Sie schreibt von einer Hochstimmung, die sie bewegt, als sie New York hinter sich lässt. Sie reflektiert bereits an den ersten Tagen über die Verklärung der Fremde, die speziell zu Mythen über den US-Amerikaner und sein Land führten. Doch es gibt natürlich auch Verhaltensformen, die in Europa und speziell in Deutschland nicht oft zu finden sind, wie Hilfsbereitschaft ohne Hintergedanken und Diskretion. Es wird einem geholfen und Ende des Kontakts.
Die Gespräche handeln auch immer wieder von Deutschland, denn wenn die Angesprochenen von ihrer Herkunft erfahren, werden Stereotypen und Vorurteile über unser Land nachgefragt, die ähnlich fremd sind, wie deutsche Beschreibungen der USA und seine Bewohner.
Bemerkenswert für jeden Reisenden mit offenen Augen sind die erheblichen sozialen Unterschiede. Ich spreche nicht von den Villen, die ob nun in Deutschland oder den USA oftmals nicht zu sehen sind, sondern die andere Seite, die bei uns in Sozialwohnungen lebt und in den USA in verrottenden Trailern, Slums oder Indianerreservaten. Die unrealistischen Träume oder manchmal sogar Hoffnungslosigkeit sind bemerkenswert. Migration ist wesentlich für die USA, aber es ist nicht nur eine Zuwanderung. Es gibt Regionen, die in der aktuellen Phase der Deindustrialisierung erst die Arbeitsplätze und dann die Hoffnungsvollen und gut ausgebildeten verlieren. Bettina Gaus passiert kleine und große Städte, die in den letzten 50 Jahren ein Drittel bis die Hälfte ihrer Bevölkerung verloren haben.

Als Historiker fasziniert, wie Geschichte vor Ort erinnert und dargestellt wird. Es ist eine Geschichte der Sieger. Scheinbar wird jedem Weißen, der im Kampf gegen Indianer starb, gedacht, aber zur Geschichte der Indianer und der schwarzen Sklaven finden sich nur wenige Erinnerungsstätten. "Geschichte" kommt als kostenpflichtige Show mit Eintrittsgeld und zusätzlichen Kosten für jede "Attraktion". Disneysierung! Nicht nur negativen Episoden in den USA sondern auch im Ausland (Vietnam) werden verdrängt.
Die beschriebene Segregation nach Lebensentwürfen und vor allem nach sozialen Gruppen hat interessante Folgen. Die Seniorensiedlungen mit ihren spezifischen Angeboten für ihre Bürger haben nur wenige junge Familien. Die werden aber wiederum für eine gesellschaftliche Aufgabe wie die Freiwillige Feuerwehr benötigt. Oder Schulen werden mangels Kinder geschlossen und für die verbleibenden Familien bedeutet dies, lange Fahrwege für ihre Kinder in Kauf zu nehmen oder den Ort verlassen und damit die Segregation verstärken.
Alle Beschreibungen sind dabei stets selbstkritisch begleitet, denn John Steinbeck schrieb bereits in seinem Bericht: "Was ich hier niederschreibe, ist so lange wahr, bis ein anderer dieselbe Strecke fährt und die Welt nach seinen Vorstellungen neu arrangiert." (zitiert nach B. Gaus, "Auf der Suche nach Amerika" S.50)

Die Verteidigung des Waffenbesitzes in den USA ist für viele Menschen in Europa nur schwer nachzuvollziehen. Argumente wie, dass jährlich mehr als 3.000 Jugendliche und Kinder in den USA durch Schusswaffen getötet werden, werden Beiseite gewischt, da es nun mal Verrückte gibt und deren Fehlverhalten nicht Maßstab für die vernünftigen Waffenbesitzer sein sollte. Die Argumentationen zeugen davon, dass die "Waffennarren" (meine Wortwahl) zumindest den Waffenbesitz reflektieren.
Die fehlende Kritikfähigkeit vieler US-Amerikaner findet sich mehrmals auf der Reise. Sinclair Lewis, der wie auch John Steinbeck nur früher den Literatur-Nobelpreis verliehen bekam, hat den Ort seiner Jugend nicht positiv beschrieben. Das hat die Stadt selbst 80 Jahre später nicht verziehen.

Bettina Gaus hat einen angenehmen Humor. Ihre behutsam eingestreute Ironie, die manchmal auch in Polemik abgleitet, ist verständlich und ist stets mit sich wiederholenden Merkwürdigkeiten (zum Beispiel: "Hall of Fame", Missionskirchen) begründet. Kopfschüttelnd notiert sie Aussagen zu Genmais oder der Todesstrafe oder abfällige Bemerkungen von weißen Gesprächspartnern über Schwarze oder Indianer. Doch auch Indianer und Schwarze reden abfällig über die jeweils anderen.
Es wird ein Bild gezeichnet, in dem die Menschen nebeneinander aber nicht miteinander leben. Doch in diesen Punkt unterscheidet sich die USA nur wenig von Deutschland. Schon vor 25 Jahren sagte ein Freund, als die Gewerkschaften die Kampagne gegen Ausländerfeindlichkeit unter dem "mach meinen Kumpel nicht an" startete, sei realistisch und sage mir, wie viele ausländische Freunde du hast.
Patriotismus und generell der Glaube, dass die USA das beste Land der Welt ist, wird immer wieder thematisiert. Fragen nach den US-Flaggen vor Privathäusern oder den ständigen Absingen der Nationalhymne bei allen Gelegenheiten, werden nicht verstanden. Aber im positiven Gegensatz zu Europa wird die USA von vielen Gesprächsteilnehmern als eine Einheit verstanden. Wenn in einem Nachbarstaat oder am anderen Ende der USA etwas passiert, interessiert das viele Menschen. Hier in Europa ist der Mehrzahl der Menschen doch egal, was in Rumänien oder in Bulgarien passiert, auch wenn sie sich selbst als Europäer verstehen.

Drei Monate sind eine lange Zeit und wie auch ihr Vorbild John Steinbeck macht sich zum Ende eine Sättigung und Ermüdung bemerkbar. Die Muße ein Bundesstaat zu bereisen und hier und dort Gesprächspartner zu finden ist vorbei. So wie Bettina Gaus froh war, New York zu verlassen, ist sie nun froh wieder von dort das Land zu verlassen.
Ich könnte noch viel mehr nacherzählen und anmerken, aber es sollte dem Leser dieser Zeilen bereits klar sein, wie anregend dieses Buch ist.
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Aktuell (Herbst 2013) wird das Buch für 4,95 Euro von 2001 verkauft.

Dienstag, 4. Juni 2013

London Homestead Services

Einmal mehr rühre ich die Werbetrommel.

Seit 1994 nutze ich für meine London-Aufenthalte London Homestead Services. Damals musste ich noch via Fax kommunizieren und die Überweisung der Anzahlung über internationalen Bankscheck oder beim zweiten Mal via Kreditkarte war für meine Bank und für mich ungewöhnlich.
London Homestead Services vermittelt wie der Name andeutet, Unterkünfte in Haushalte in London. Es sind dies ungenutzte Zimmer in einer ansonsten genutzten Wohnung. Wer sich länger als für einen Shopping-Trip in der Metropole aufhält, wird dies als besonderen Komfort empfinden. Da es weder Hotel noch Hostel ist, hängt es auch vom Gast ab, ob ein Aufenthalt schließlich in angenehmer Erinnerung bleibt.
Meine erste mehrwöchige Unterkunft war zum Beispiel in Leyton bei einem britischen Paar, die in der ersten Etage ein Zimmer vermieteten. Frühstück wurde unten in der Küche eingenommen und einmal wurde ich abends zum gemeinsamen Filmabend eingeladen. Das Paar hatte von ihrer früheren Arbeit einen damals im privaten Umfeld unbekannten Beamer und so sahen wir einen TV-Spielfilm vergrößert auf das Format 2 x 3 Meter auf der Wohnzimmerwand.

Es gab und gibt beim London Homestead Services verschiedene Kategorien (und damit Preise). Die Kategorien sind zum Teil von der Entfernung zur Innenstadt abhängig. Leyton im Nordosten war zum Beispiel in der Verkehrszone 3 und entsprechend billig. Mein nächster Aufenthalt war dann in Belgravia hinter der Victoria Station in Zone 1 und entsprechend teuer, auch wenn die Unterkunft einfacher war, als das Zimmer in Leyton. Die Länge des Aufenthalts (ich war auch schon zweimal für mehrere Wochen in der Metropole) hat natürlich auch einen Einfluss auf das Angebot, dass einen gemacht wird.

Die Vermittlerin kassieren eine Gebühr und verlangen zusätzlich als Bestätigung des Vertragsabschlusses eine Anzahlung von etwas weniger als 10 Prozent.
Heutzutage ist die Transaktion so viel einfacher. Eine Angebotsaufforderung, ein Angebot per E-Mail, eine SEPA-Buchung vom Rechner und eine E-Mail und schon wird aus einem akzeptiertes Angebot eine Unterkunft. Nach der Ankunft ist dann die Gesamtzahlung für den gebuchten Zeitraum in bar zu zahlen.

Das zweite B in B+B kann sehr unterschiedlich ausfallen. Es wird ein kontinentales Frühstück geboten, aber dies kann im Extrem aus 2-3 Scheiben hellen Weizentoast (Nährwert knapp über 0), Orangenmarmelade und zwei Tassen löslichen Kaffee bestehen. In so einem Fall habe ich nach den Break"FAST", was ich hier mal als schnellen Aufbruch übersetze, auf meinem Weg wohin-auch-immer Kaffee und mehr in einem Café gefunden.
Doch es kann auch ein Frühstück mit Müsli, mehr Toast, verschiedenen Brotaufstrichen und vor allem richtigen Kaffee sein, wie nun wieder 2013 erlebt. Wie das Breakfast sein wird, kann erst vor Ort erfahren werden.
Schaut auf die Seite von London Homestead Services, dort könnte sich auch ein Angebot für euren nächsten Aufenthalt befinden.
Eine gute Bekannte hat bereits meine Empfehlung angenommen und war mit der Unterkunft in Chelsea sehr zufrieden. Indirekt sind dies also gleich zwei positive Berichte.

Wenn ihr nach London fahren wollt, lasst euch ein Angebot geben:
London Homestead Services
Ingrid di Palma
Tel.: ++44 (0) 20 72 86 47 16
E-Mail: info@lhslondon.co.uk oder ingrid.dipalma@btopenworld.com

Greetings to Mrs. di Palma if you contact her.

Freitag, 31. Mai 2013

Meine Unterkunft von London Homestead Services

London Tube, Maida Vale Station
Diesmal also City of Westminster; die Unterkunft ist nur zwei Stationen von Paddington entfernt, aber hier ist es bereits ruhig. Von Maida Vale war es noch mal einen Kilometer entlang dreigeschossiger Reihenbebauung bis die kurze Nebenstraße erreicht wurde. Die Wohnung befindet sich in "Bremer Lage", also eine halbe Etage unter dem Straßenniveau.
Britischer Wasserhahn, Cold Britain
Begrüßt wurde ich von einer älteren Frau, die mir mein Zimmer mit großem Doppelbett und Blick auf den grünen Hinterhof zeigte.

London Homestead Services (siehe meine folgende Werbung für diesen Service) ist ein B+B Vermittler, der wirklich private Unterkünfte anbietet. Ich nutze den Service das 4. oder 5. Mal und bisher war es stets so, dass in einem Haushalt ein und maximal zwei Zimmer für Gäste bereit gehalten wurden. Zimmer oftmals mit den Charme der 70-er oder 80-er Jahre. Hier war es anders.
Nach der Bezahlung (£32,-b+b) erfuhr ich, dass diese Unterkunft nur für Gäste ist (es gibt ein weiteres Schlafzimmer) und wenn nicht kurzfristig jemand bucht, ich alleine hier wohnen würde.

Die nicht existierende Isolierung älterer, englischer Häuser kenne ich von meinen früheren Aufenthalten, aber es blieb am Abend und in der Nacht ruhig und das lauteste Geräusch was ich hören konnte, war ein meckernder Vogel im Hinterhof.
Diese Ruhe und das sehr gute Bett sorgten dafür, dass ich in einem fremden Haus, in einem fremden Bett sehr gut Schlafen konnte. Für mein morgendliches Frühstück standen mir drei verschiedene europäische Marmeladen, Kaffee und Müsli zur Verfügung. Endlich mal ein kontinentales Frühstück in England in einer B+B-Unterkunft, das diesen Namen verdiente und mich nicht dazu zwingt, nach den Frühstück erst einmal irgendwohin zum Frühstücken zu fahren.

Anreise nach London

Die Blumen gewässert, reichlich Stullen geschmiert und schon ging es zu einer Zeit zum Bahnhof, wo ich sonst noch schlafe, döse oder maximal das Kaffeewasser anstelle.
Die Spuren des Dauerregen waren hinter Hannover auf den Feldern und Wegrändern zu sehen. Das Wasser staute und junges Getreide ließ Assoziationen von Reisfelder aufkommen. Das Hochwasser hat sich bereits weit aus dem Starkregengebiet im südlichen Niedersachsen bewegt und an der Porta war die Weser über die Ufer getreten und in der Aue zeichneten sich alte Wasserwege ab. Der Kaiser war in den tiefen Wolken verschwunden, aus denen es immer wieder nieselte.
Bis Köln war es ein ICE, der immer wieder die aktuelle Reisegeschwindigkeit anzeigte. Es wurden zwischenzeitlich 200 km/h erreicht und Bahnhöfe wurden mit mehr als 120 km/h passiert. Da ich die Strecke erst vor wenigen Tagen gefahren bin, ließ ich die Landschaft, Landschaft sein und vertiefte mich in meine taz.

Die Bedeutung des Bahnhofs Hannovers wurde mir in Köln bewusst. Dort ist zwar das "Shopping Erlebnis Bahnhof" scheinbar größer (Hannover hat dafür zwei Etagen und so wirkt es nicht so groß), aber der Bahnhof ist deutlich kleiner und in der halbstündigen Wartezeit erlebte ich nie diese Menschenmassen, die in Hannover von Gleis zu Gleis drängen.
Hinter Köln waren in zwei Gruppen die Kühltürme der Kohlekraftwerke neben den Tagebauen zu sehen. Die Wände von Wasserdampf vereinigten sich früh mit den niedrigen Wolken.
In Aachen stiegen zwei grimmige Polizisten der belgischen Polizei ein und gingen langsam durch den Großraumwagen, Reihe für Reihe alle Passagiere taxierend. Ich frage mich, wer schmuggelt was von Deutschland nach Belgien?

Belgien erinnerte zunächst an die Schweiz. Die Fahrt ging von Tunnel zu Tunnel und dies waren zum Teil sehr lange unterirdische Strecken. Doch außerhalb der Tunnel waren weder Berge noch Hügel zu sehen. Es wurden nur Autobahnen und andere Hindernisse auf dieser Schnellstrecke unterquert. Endlich einmal ein Beispiel für vernünftige Planung. Überlandleitung, Bahnanlage und die Autobahn liefen über eine lange Strecke parallel. Dann kam ein nicht enden wollender Tunnel, der direkt am Ortsrand von Lüttich aus einer Hügelkette kam.
Liège-Guillemins / Lüttich. Was für Bahnhof! Das ist Moderne wie aus einem Bildband.

Lese im Zugbegleiter, dass in Brüssel mindestens 45 Minuten für das Check-In in den Zug nach London eingeplant werden muss. Eine Information, die ich gerne beim Kauf meines Tickets bekommen hätte. Kein Stress, jetzt wusste ich wenigstens, warum mir ein Ticket ausgestellt wurde, dass einen Aufenthalt von 80 Minuten in Brüssel verzeichnet. Für mich war das eine Beruhigung, da die Langstreckenzüge insbesondere mit ICE eine Tendenz zu erheblichen Verspätungen haben.

Vor Leuwen ein Farbfleck, auf den kugelförmigen Tank eines Wasserturms war ein riesiger Globus gemalt.
Brüssels Moderne mit ihren Hochhäusern war mir fremd. Im Studium waren wir einmal für ein paar Tage in der europäischen Hauptstadt. Das ist nun auch bereits 25 Jahre her und die Gebäude die ich vom Zug sah, sahen deutlich jünger aus.
Eine Alumna berichtete letztes Jahr von der extremen Segregation in der Stadt. Es gibt demnach verarmte Bezirke zum Beispiel um die Station De Brouckere und allgemein in Molenbeek, die stark von nicht-europäischen Zuwanderern geprägt sind als ein Extrem und den EU-Bubble um den Robert-Schuman-Platz und die östlich davon gelegenen Wohngebiete der mehreren tausend Menschen, die für die EU und die Lobbyorganisationen arbeiten als anderes Extrem.
Vor dem Erreichen von Bruxelles Nord war ein mehrgeschossiges Gebäude mit zerstörten Fensterscheiben zu sehen und bis wir unser Ziel erreichten sah ich sogar ein Haus mit äußeren Brandschäden, das aber offensichtlich bewohnt war.

Der Umsteigebahnhof nach London heißt Bruxelles Midi, von den aber einige Bahnsteige als Bruxelles Zuid beschriftet waren. Im Bahnhof waren schnell die Schilder zum abgesperrten Bereich des Eurostar zu finden. Das Check-In kenne ich sonst nur von Flughäfen. Erst ein Ticketkontrolle, dann die belgische Polizei, welche die Pässe kontrolliert.
YOU ARE LEAVING EUROPE!

An der nächsten Barriere kontrollierte britische Polizei das Ticket und meinen Pass und schließlich gab es noch eine Sicherheitsüberprüfung von Gepäck und Personen inklusive dem Ablegen des Gürtels. Alles endete in einer Lounge wie sie aus Großflughäfen bekannt ist, nur hier ohne Durchgang, da es nur zu zwei Gleisen führt.
Das Check-In dauerte vielleicht 10 Minuten und dann musste ich in der verratzten Lounge mehr als eine halbe Stunde warten. Diverse Sitze waren aus ihren Haltung heraus gebrochen und andere könnten wirklich mal gründlich gereinigt werden.
Bruxelles, Eurostar, Lounge
Kurz vor der Abfahrt wurden zwei Zugänge zum Bahnsteig geöffnet. Der Eurostar ist ein wirklich langer Zug mit 18 Waggons und die Zugänge -sortierten uns Passagiere- nach den den Nummern der Waggons. Ich war im Waggon 1 mit einem Fensterplatz nach Norden.
Abgegriffene, zum Teil ausfransende Sitzbezüge. Deutlich besserer Sitzkomfort als jedes mir bekannte Flugzeug und natürlich große Fenster, doch verglichen selbst mit einem alten IC unter dessen Standort.

Eine Banalität hatte ich zunächst vergessen. Als ich in Brüssel noch einmal auf mein Ticket schaute, wunderte ich mich, dass die Ankunft in St Pankras bereits eine Stunde nach der Abfahrt sein sollte. Da wurde glatt vergessen, dass wir auch die MEZ verlassen und die Ankunft natürlich in GMT angegeben war.
Die Mehrsprachigkeit der Durchsagen gefiel mir. Nederlands, English und Deutsch kenne ich von der niederländischen Teilstrecke des Amsterdam-Berlin-IC, nach dem Passieren der Grenze geht es dann nur noch bilingual weiter. Zwischen Aachen und Lüttich waren die Ansagen viersprachig und die Informationen waren nicht vom Band, sondern eine Stimme gab nacheinander Informationen in Deutsch - Nederlands - Francaise - English.
Ab Brüssel fiel dann das Deutsch weg und die merkwürdige Aussprache verwies auch eher auf Flams als auf Nederlands. Bekannte niederländische Worte in dieser fremder Aussprache erschwerten das Verständnis.

Bis London gibt es nur einen Stopp in einer Tunnelstation in Lille. Vorher waren mehrere 6-8-geschossige Wohnhäuser, die wie Schmeißfliegen schimmerten, zu sehen. Dies erinnerte mich an Gebäude im Industrieviertel von Deventer.
Deventer, Bürogebäude
Um 16:02 MEZ fuhren wir in den Tunnel ein. Da es vorher schnurgerade ging, war die Einfahrt nur durch die Verlangsamung des Zuges, dem Passieren eines Bahnhofs "Calais -..." und einem kryptischen Hinweisschild, dass mit abnehmender Meterangabe etwas ankündigte, zu erwarten.

Im Tunnel gab es zunächst schwankende Geschwindigkeiten, doch dann war scheinbar das Optimum erreicht und uns begleitete nur noch ein monotones Geräusch. Im Tunnel waren mehrmals über lange Strecken schwach beleuchtete Wege in Höhe des Fenster zu sehen. Eine Stange trennte diese Wege von den Gleiskörper. Sind das die Fluchtwege bzw. Schutzbereiche?

Nach zwanzig Minuten Dunkelheit verlangsamte der Zug merklich. Wie erwartet war dies das Tunnelende und um 15:23 GMT waren wir in England.Das dunkle Loch wurde verlassen, doch die Reise entbehrt nicht einer gewissen Irrationalität. (...) [Vollständiger Tagebucheintrag nur auf Nachfrage]

Der Süden Englands leuchtete immer wieder leuchtend gelb. Der Raps blühte, wenn auch zum Feldrand hin die Zahl der Blüten abnahm. Der Zug war nun auf Höchstgeschwindigkeit. Wir passierten abnehmende Kilometerzeichen und ich stoppte die Zeit. Ein Kilometer in etwas weniger als 15 Sekunden, also mehr als 240 km/h.
Es ging wieder durch viele Tunnel und nach den letzten Tunnel waren bereits die Hochhäuser östlich der Innenstadt und der Bahnhof zu sehen. LONDON.

London Calling

Die Entscheidung nach London zu reisen, hatte u. a. therapeutische Gründe. In dunklen Zeiten tat es mir besonders gut, mich auf ein Ereignis zu freuen.
Ich habe einige touristische Ziele im Auge und diverse Orte, die ich wieder besuchen möchte. Ich freue mich auf die "echte" indische Küche und darauf mit einer oder sogar zwei Alumni einige Stunden mit anregenden Gesprächen zu verbringen. Ein Freundin hat vier Wünsche geäußert und selbst möchte ich auch ein wenig Shoppen.
Am Beginn meiner konkreten Planung war ein Besuch der Gräber von Douglas N. Adams und dem alten Charlie vorgesehen. Die Recherche ergab, dass beide auf demselben Friedhof liegen und das dieser als historisches Monument für den freien Besucherverkehr gesperrt ist. Nur in organisierten Führungen (£12!) von etwa einer Stunde darf man sich dort bewegen. Wie soll ich mit diesen Einschränkungen den Herren meine Referenz erweisen.
Bunhill Fields London, Friedhof Daniel de Foe
Wir haben auch Prominenten-Friedhöfe und letzten Herbst stand ich vor den Gräbern von Bert Brecht, Heinrich Mann, Rio Reiser und der Gebrüder Grimm - um nur einige Namen zu nennen. Doch unsere Friedhöfe sind kostenfrei.
Der kleine November im Mai ist auch für vier der fünf Tage in London angekündigt. Bewölkt, niedrige Temperaturen und eine hohe Regenwahrscheinlichkeit. Das sind die seltenen Momente, wo ich mir wünsche, dass die Fehlerquote der Vorhersagen höher ist. Plastikregenjacke, Schirmmütze (um die Gläser trocken zu halten) und Regenschirm begleiten mich auf der Reise.

Sonntag, 17. März 2013

Filmnotiz "The Terminal" von Steven Spielberg

The Terminal (USA 2004, 124 Minuten).

Die Filme von Steven Spielberg sind für mich ein Grund ins Kino zu gehen. Ob es Science Fiction, Drama oder wie in diesem Fall ein Komödie ist, Unterhaltung wird stets garantiert.

Als ich den Film The Terminal 2004 im Kino und zwei drei Jahre später noch einmal in der Flimmerkiste sah, gab es eine Szene, die irgendwie nicht passte. Jetzt sah ich den Film erstmals im Original via DVD und wieder störte diese Szene.

Die Geschichte nimmt Anleihen an der realen Tragödie (Mehran Karimi Nasser) eines Iraners, der mehr als ein Jahrzehnt als Staatenloser auf den Pariser Flughafen Charles de Gaulle lebte.
Geschichte und Drehbuch stammen von Sacha Gervasi, Jeff Nathanson (Catch Me If You Can) und Andrew Niccol (Gattaca, Lord of War), die daraus eine Komödie mit ernsten Hintergrund (USA nach dem 11.9.2001) machten.
So weit - so gut. Soziale Beziehungen und Hierarchien auf einen Flughafen bieten viele Ansätze für Humor. Die absurde Shopping-Welt zwischen Start und Ziel einer Reise zeigt die Einsamkeit des Menschen, der auf einen Konsumenten reduziert wird.

Absurdität ja, aber die "italienische Restaurant"-Szene mit den Show-Einlagen des indischen Arbeiters ist ein viel zu großer und unnötiger Hinweis an uns Zuschauer, dass dies jetzt nicht die Realität ist. Danach war meine Stimmung zunächst ruiniert und es braucht viele Filmminuten bis ich mich wieder angenehm unterhalten fühlte.

Die Filmmusik von John Williams hilft dabei. Und so endet der Film mit den schönen Gefühl, eine gute Geschichte gesehen zu haben.

The Terminal erhält auf meiner Filmbewertungsskala nur 6 von 10 Punkten. Ohne die kritisierte Szene, würde ich den Film die Schulnote "gut" entsprechend 7-8 Punkte geben.

Die Verknüpfungen im Text führen bis auf den letzten zu Artikeln in der Wikipedia.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Vinho Verde 1981 und 2012

"Kann ich Dir etwas mitbringen", fragte ein portugiesischer Freund vor seiner Anreise nach Hannover. Ich dachte an zwei Besuche in seinem Land 1981 und 2010 und bat um eine Flasche Vinho Verde.

Am Ende des 12. Schuljahres hatte ich mir eine Interrailticket gekauft. Ich hatte eine Fahrkarte für Westeuropa und Marokko. Ich hatte kein klares Ziel, wollte in den Süden und erstmals den Atlantik sehen. Portugal als Endziel war ein Zufall.
Es war meine erste eigene Reise. Zuvor hatte ich außerhalb von Norddeutschland nur einige der dänischen Inseln und Franken kennen gelernt.
An der französisch-spanischen Grenze lernte ich eine Gruppe von gleichaltrigen, süddeutschen Interrailern kennen, die davon erzählten, dass sie mit dem Nachtzug nach Lissabon fahren wollten. Da war dann nicht so viel zu sehen, aber ich wurde neugierig und die Gruppe akzeptierte mich als Mitreisenden. Nachts hielt der Zug mehrmals. Wir waren noch in Spanien als die Sonne wieder aufging und erst am Nachmittag kamen wir nach einen langen Fahrt durch bisher unbekannte trockene Landschaften in Lissabon an.
Ein Tipp aus einem Reiseführer führte uns nach Oeiras. Hier gab es einen kleinen Campingplatz in einem Park. Mein Zelt baute ich auf einen Untergrund au Kies unter Palmen auf. Trockenheit, Staub und Hitze waren die ersten Eindrücke. Auf dem Gelände gab es im Schatten der Bäume eine Großvoliere mit einem kleinen Kiosk davor, wo auch Getränke serviert wurden.
Von dieser kleinen grünen Insel mussten nur eine Bahnlinie und eine Schnellstraße unterquert werden und schon standen wir auf einem Strand, wo der Tejo Teil des Atlantik wurde. Abends wurden am Kiosk einige Flaschen Vinho Verde gekauft und dieser prickelnde, sehr frische Wein zwischen Sonnenuntergang und Sternenzelt am Strand geleert.

Eine Flasche Vinho Verde in Hannover ist natürlich etwas ganz anderes, aber führte mich auf die obige Gedankenreise mit vielen weiteren Erinnerungen an Espinho, Porto und Viana do Castelo.
Leider habe ich keine (!) materiellen Erinnerungen wie den Interrailpass, Fotos oder Belege von dieser Episode, so dass auch keine Abbildung diesen Text ergänzt.

Dank an Filipe, der mit einem Alvarinho Trajadura mich auf eine Zeitreise schickte.

Freitag, 6. Januar 2012

Hannover - Genova / Bahnfahrt statt Flug

Geht doch.
Mit entsprechender frühzeitiger Buchung ist eine Bahnfahrt selbst auf einer so langen Strecke günstig und von der Reisezeit erträglich. Das Lustige ist, dass mir schon mehrmals gesagt wurde, dass lange Bahnfahrten zu Spezialkonditionen abgelehnt werden, weil man sich frühzeitig festlegen muss. Hm, Flugtickets werden Monate vor der Reise gekauft und legen einen sehr strikten Zeitplan fest. Bahntickets können erst drei Monate vor der Fahrt gekauft werden.

Ich war mit einem Europa-Spezial-Ticket unterwegs und nutzte bis Basel einen CityNightLiner mit Schlafsessel (habe auch wirklich geschlafen!). Leider sind die internationalen Züge reservierungspflichtig. So musste ich für die Hin- und Rückfahrt auch noch Platzkarten für den Transit durch die Schweiz zahlen, obwohl auf beiden Strecken viele Plätze frei waren.

Was kostet nun so eine Fahrt? Ich habe für U-Bahn Hannover, Zugfahrt via Basel und Milano bis Genova Brignole und zurück 159,60 Euro bezahlt. Die Hinfahrt hat von meiner Haustür bis zur Zimmertür in der Unterkunft 17 Stunden und die Rückfahrt 19 Stunden (davon leider 4 Stunden Aufenthalt in Basel) gedauert.
Die "Alternative" wäre ein Flug gewesen. Lufthansa kostet 168,44 Euro für einen Flug Hannover-München-Genua und zurück. Hinzu kommt die S-Bahn/Bus in Hannover (2 x 3 Euro) und der Flughafen-Bus in Genua (2 x 4 Euro). Diese Reise kostet also 182,44 Euro. Der Flieger startet um 10:50 Uhr, d.h. spätestens um 8:00 Uhr morgens muss das Haus verlassen werden und der Flieger landet um 17:25 Uhr in Genua (München 3:50 Transit), dann noch Gepäck und Bus und gegen 19 Uhr sollte man in der Unterkunft sein. Im besten Fall wäre es also eine Reisezeit von 11 Stunden.

Meine Reise war länger, die Rückreise sogar anstrengend. Ich hatte dann aber das Glück, dass ich zwischen Mannheim und Hannover ein Abteil mit einer Reisenden auf der Heimreise aus dem südlichen Afrika teilte. Es war ein anregendes Gespräch über Studium und Politik.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Vorfreude am Beispiel Genua

Wenn ich eins bitter gelernt habe, dann, dass nicht zu viele Erwartungen in konkrete kommende Situationen gesteckt werden sollten.
Ich freue mich auf meine Reise nach Genua und habe mich erkundigt, was dort und in Ligurien nicht übersehen werden sollte. PUNKT!

Alles andere ergibt die Situation vor Ort!

Mehr Vorfreude gibt es nur, wenn ich an einer Programmplanung teilhabe.

# # #
Eine Bahnfahrt nach Genova ist billiger als man vermutet.

Montag, 7. Februar 2011

Versteckte Flugkosten

Ich fliege nur einmal im Jahr und bin stets amüsiert über das ausgewiesene Verhältnis vom Flugpreis und den so genannten Zuschlägen, Gebühren und Steuern.
Nun habe ich einen Flug gebucht und die folgende Aufschlüsselung bekommen.
  • 34,00 € Hin- und Rückflug
  • 60,00 Treibstoffzuschlag
  • 17,83 € Sicherheitsgebühr
  • 26,56 € Flughafengebühr
  •  9,65 € Servicegebühr
  •  8,00 € Luftverkehrssteuer
  •  6,07 € Flughafensicherheitsgebühr
  •  4,00 € Lärmschutzzuschlag Niederlande
Insgesamt 132,11 € Zuschläge, Gebühren und Steuern sind offiziell 79,5 Prozent des Flugpreises. Da der Flieger nicht ohne Kerosin fliegt, und Flughäfen benötigt, erhöhen sich die realen Flugkosten dann doch auf 120,56€ und damit reduzieren sich die Zuschläge, Gebühren und Steuern auf 27,4 Prozent des Flugpreises.

Mir bleibt es unverständlich, warum die Fluggesellschaften fiktive Flugpreise ausweisen und in der Kategorie Zuschläge, Gebühren und Steuern reale Flugkosten verstecken. Billigflieger (AirBerlin), die keine sind, wollen natürlich den Eindruck erwecken, dass ein Flug keine große Ausgabe ist.
Ich beklage mich nicht über den Gesamtpreis, der weiterhin unverhältnismäßig niedrig im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln ist. Die Befreiung des Luftverkehrs von Mehrwertsteuer, Energiesteuer und Ökosteuer sollte endlich ein Ende finden.
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Habe bereits im Januar 2007 ähnlich über die sich selbst so nennenden Billigflieger lamentiert.