Sonntag, 11. November 2007

Tagebuchirrtümer

In einer Rezension eines vom Autor selbst kommentierten Tagebuchs, dass während der Zeit des Prager Frühlings in Leipzig geschrieben wurde, fand ich ein bemerkenswertes Zitat:
Wer Tagebuch schreibt,
bleibt seinen Irrtümern verbunden.
(Hartmut Zwahr 2007 Die erfrorenen Flügel der Schwalbe. DDR und Prager Frühling)
Was für ein wahrer Satz!

Dieses digitale Tagebuch notiert vor allem Reaktionen und Beobachtungen in Tagespolitik, Medien und Kultur. Meine echten Tagebücher reichen bis 1980 zurück und weisen zum Teil jahrelange Lücken auf. Auf der Suche nach bestimmten Fakten habe ich immer mal wieder einige der Einträge kurz überflogen und neben Perlen auch vieles gefunden, dass leicht hin als Irrtum bezeichnet werden kann.

Nur noch eine kurze bio-bibliographische Anmerkung zum Zitat. Hartmut Zwahr war Professor für Sozialgeschichte an der Universität Leipzig und wurde 1967 gezwungen in die-Partei einzutreten, um weiter als Historiker an der UNI arbeiten zu dürfen. Rudolf Walther rezensiert im tazmag, der Wochenendbeilage der taz das Tagebuch und seine etwa 1.000 Anmerkungen und Kommentare. Hartmut Zwahr und seine Frau Annette, die Tschechisch verstand hörten tschechische Radiosendungen und lasen die wichtigste Zeitung der Regierung, den Rudé právo (hier der englische Wikipedia-Eintrag, der deutsche Eintrag ist dürftig).

Hartmut Zwahr
Die erfrorenen Flügel der Schwalbe. DDR und 'Prager Frühling'.
Tagebuch einer Krise 1968 bis 1970.
Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 2007, 434 Seiten, 36 Euro.
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Nachtrag (28.04.2008): Zu diesen Eintrag erreichte mich ein Kommentar von anonym. eigentlich veröffentliche ich keine Kommentare von Personen, die anonym bleiben, mache hier aber mal eine Ausnahme, weil die Bemerkung mit so viel Furor geschrieben wurde.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Zwahr, dessen Eintritt in die SED durch die SED erzwungen worden sein soll, ist die Lüge schlechthin.
Er hat mit Leuten in seinem Umfeld zu dieser Zeit pro SED diskutiert!
Zwahr war aktives Parteimitglied, welches Anfang der 70er Jahre in den Westen auf Fachtagungen fahren durfte.
Zwahr ist eine Person, der die Geschichte so auslegt, wie sie sich gerade aktuell ins Zeitgeschehen einpassen läßt.
Seine politische Überzeugung kommt auch im Bezug zu Arnost Bart in seiner Dissertation von 1966 zum Thema "Sorben" zum Ausdruck.
Die SPD schmückt sich gerne mit ehemaligen SED Mitgliedern.
Er ist und bleibt ein Wendehals ersten Ranges.

Anonym hat gesagt…

Ich habe von 1979 bis 1983 an der Karl-Marx-Universität in Leipzig Geschichte und Kunsterziehung studiert. Auch wenn ich dem anonymen Schreiber nicht unbedingt in der Wortwahl folge, so ist mir der Name Zwahr nicht unbedingt als einer in Erinnerung, dem ich heute Widerstand abnehmen würde. Aber man kann mit einem Buch so schön durch die Schulen tingeln und Geschichte schreiben, das macht Spaß und populär. (Auch wenn die Schüler zwangsweise rekrutiert werden, was wir schon mal hatten.)
Auch ich werde meinen Namen nicht nennen, da ich noch im Schuldienst bin und auch bleiben möchte.