Ich war nur ein Zugezogener, wurde aber herzlich in den Kreis aufgenommen und erhielt nach nur wenigen Monaten meinen Spitznamen, der mich dann mehr als ein Jahrzehnt begleitete und noch im Distinktions-D meines Absenders fortlebt.
Als Zugezogener hatte ich nach den Wegzug meiner Mutter aus Ganderkesee keine familiäre Basis in diesem Ort. Nach dem Abitur zerstreute sich der Kreis auf viele Universitäten. Die anderen trafen sich zumindest einmal im Jahr um Weihnachten herum: Die Eltern riefen und alle außer mir kamen nach Ganderkesee (ich nach Brauel!) und da einer vom Freundeskreis während der Weihnachtstage Geburtstag hatte gab es sogar stets ein Anlass sich zu treffen. Ich sah die Menschen nur noch selten auf großen Parties oder auf Urlaubsreisen. Eine Radtour entlang der DDR-Grenze und dann hinauf bis Haithabu und über Zeven zurück sowie eine Radtour in der Bretagne sind mir in Erinnerung.
Ich glaube es war mein Auslandsjahr in Tanzania, als die Kontakte endeten. Als ich zurückkam nach Hannover hatte sich meine große Liebe von mir getrennt, ich hatte keine Wohnung, die Vorarbeiten zur Abschlussarbeit begannen und ich kämpfte Monate lang mit einem Kulturschock. Fast alle Freundschaften in Hannover vor allem im Kreis der Studierenden waren in diesem Auslandsjahr eingeschlafen und ließen sich auch nicht mehr erwecken. Plötzlich waren fast alle nur noch Bekannte. Nur die echten Freunde bleiben und sind bis heute geblieben.
Von Tanzania aus habe ich mindestens 200 Briefe und Karten geschrieben, wovon aber die Hälfte an meine Liebe und ein Viertel an die Familie ging. Der Postweg ist etwas anderes als die heutigen Kommunikationsmöglichkeiten. Mit Blog und Chat wären die Kontakte intensiv geblieben, aber dann hätte ich vermutlich auch nicht so viel erlebt. Kommunikation braucht schließlich auch Zeit und nach einen langen Tag mit Studium, Essenssuche, Handwäsche und anderen Aktivitäten kann man im Bett noch einige Zeilen schreiben, aber nicht mehr.
Es war erst im Jahre 2003 (15 Jahre später! Ich kann mich zur Zeit an keine Kontakte dazwischen erinnern), das im Nachklang zu einem Projekt s wieder Kontakte zu einer ehemaligen guten Freundin in Oldenburg, die einen anderen guten Freund geheiratet hatte, gab. Hier erfuhr ich erstmals, was aus den Menschen meines Abitur-Freundeskreises geworden war. Doch dies ist zu persönlich, als das ich dies in einen öffentlichen Tagebuch schreiben möchte.
