Montag, 18. Juni 2007

Prag, 27. Mai

(Ein Reisebericht aus dem Frühjahr 2007. Eine sehr interessante alternative Tour durch Prag im Jahre 2015 wird hier beschrieben.)

Der Tag wurde diesmal später angegangen. Die Helligkeit im Zimmer (es gibt keine Vorhänge oder Jalousie) wird immer von der bei einer Ghana-Reise verteilten Schlafmaske verdeckt. Den Tagesablauf muss ich aus meiner Erinnerung aufschreiben, da meine Notizen zu Prag mit dem vorherigen Tag endeten.

Nach der Pražsky hrad sollte es nun zur Vyšehrad gehen. Der Prager Burgberg ist zwar mächtig, wurde aber erst im 14. Jahrhundert zum Zentrum der Macht. Vorher lag dieses Zentrum im heutigen Stadtteil Vyšehrad, wo auf einem Felsen über der Moldau seit dem 10. Jahrhundert das politische und religiöse Zentrum befand. Die Legenden, die jede Frühgeschichte einer Nation umgeben, sehen hier den Ursprung einer eigenen tschechischen Herrschaft.
Wir fuhren mit Bus und U-Bahn bis zur gleichnamigen Haltestelle. Hier gab es auch Touristen, die hatten aber oftmals einen Rucksack auf. Diese drei Kilometer Abstand zur Innenstadt hielt die Masse bereits ab.

Prag VyšehradDoch bevor wir die Geschichte erkundeten, erbat ich mir erst einmal meine morgendliche Dosis an Koffein. Wir saßen direkt auf einer Terrasse an der Station und die Bedienung war diesen Namen nicht wert. (Foto: Z. P.)

Die U-Bahn-Station hat den Charme der 80-er und 90-er Jahre. Hier hätte man damals Science Fiction drehen können. Es ist ein Fest von Beton in allen Formen.
Durch eine Gasse erreichten wir das Burggelände. Über die Jahrhunderte sind ein Großteil der Befestigungsanlagen verschwunden und nun werden Teile davon wieder rekonstruiert. In dieser Parklandschaft hörte ich einmal kein Englisch und nur unser Deutsch. Es scheint dies ein Ort für Spaziergänge der Einheimischen zu sein.
Auf einer Freifläche stehen riesige Figuren, die Helden der Nationalgeschichte präsentieren. Diese Darstellung des späten 19. Jahrhunderts entbehrt heute nicht einer gewissen Komik. Diese Nationalhelden sind wilde Menschen, auch die Frau hat mit einem Streithammer eine tödliche Waffe.
Vyšehrad
Wir stellten uns an die Zinnen, klönten über Vieles, blickten auf die Stadt und die neuere Burg.

Vyšehrad(Blick vom Vyšehrad zum Pražsky hrad)
In den Ruinen gibt es zwei Komplexe zu entdecken.

Da wäre zum einen die Peter und Paul-Basilika. Auf der Frontseite fanden sich verschiedene Verzierungen, die sich immer wiederholten. Auf der Tür fand ich den Schlüssel des Peters und ein Symbol, dass eine Ähnlichkeit mit dem Dollarzeichen hat.

Wir hielten uns relativ lange in der Kirche auf. Das Gebäude wurde immer wieder renoviert und weist somit im inneren Elemente vieler Perioden der Kunstgeschichte auf.

Eigentlich bin ich kein Freund prächtiger, katholischer Kirchen. Ich liebe die schlichten protestantischen Sakralbauten. Doch dies war eher ein Museum. Die Säulen sind einheitlich im Jugendstil gehalten. Auf jeder Säule sind mehrere Heilige dargestellt. Im Vergleich der mir oftmals unbekannten Personen, fallen einen die Gemeinsamkeiten auf und von diesen Gemeinsamkeiten aus, sieht man dann die teilweise feinen Unterschiede in den einzelnen Personen zugeordneten Symbolen.
Mir ging eine absurde Frage durch den Kopf, den weder meine Gastgeberin Z.P. noch später am Abend ihr Freund, der Kunstgeschichte studiert, beantworten konnte. Im Vergleich mit Heiligendarstellungen der Frühen Neuzeit fiel mir auf, dass sich der Ansatz des Heiligenscheins verändert hatte. Während die alten Darstellungen oftmals einen deutlich schwebenden Heiligenschein zeigten oder eine Aura um das Angesicht strahlte, zeigten die neuen Darstellungen einen Ansatzpunkt der den Lebensnerv im Genick entsprach. Mit einem Ansatzpunkt meine ich, dass der tiefste Punkt des Heiligenscheins sich stets mit der Stelle im Nacken kreuzte, wo das Genick ist und der plötzliche Tod möglich ist. War dies Zufall oder Absicht?

(Nachtrag 2015: Ich bin kein Freund von Selfie, aber meine Gastgeberin meinte, dass ich bei verschiedenen Motiven zu sehen sein sollte, also damit beweise, dass ich da war)

(Foto: Z.P.)
 Bereits vor der Kirche hatte ich den alten Friedhof dahinter gesehen. Z. sagte, dass wir unbedingt über das Gräberfeld gehen sollten. Wie sagte sie später auf dem Friedhof, dass sei so etwas wie die Hall of Fame.

Ich sah die Gräber von Jan Neruda, Antonín Dvořák und Bedřich Smetana. Jan Neruda ist einer der Nationaldichter. Meine Frage, ob es eine Verbindung zum chilenischen Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda gibt, fand keine Antwort. Wikipedia klärte mich auf, dass Pablo Neruda sein Pseudonym aus einer Verehrung für Jan Neruda annahm.
Von Vyšehrad ging es an das andere Ende der Stadt. Diesmal nicht nur an den Rand von Troja, sondern in sein Zentrum zum Schloss der Adelsfamilie Sternberg. Hier wurde eine barocke Pracht entfaltet.

(Foto: Z.P.) 

Wir waren kontinuierlich am Klönen. Ich habe die Notiz gefunden, dass wir uns zum einen über Moral und Werte unterhalten haben und meine Gastgeberin erzählte vom Biedermeier in Wien. Sie hatte sich während der Schulzeit mit diesem Thema intensiv beschäftigt. Als wir wieder im Studentenwohnheim angekommen waren, trafen wir dort ihren Freund, mit dem ich Smalltalk auf Englisch führte.

Nach einer Erfrischung im Wohnheim gingen wir unter Zeitdruck zur Bushaltestelle. Der Bus war gerade weg und so gingen wir weiter zur Straßenbahnhaltestelle, die uns zumindest bereits in die Innenstadt brachte. Mit einmal umsteigen erreichten wir unser Ziel. Auf einer Treppe zu einem öffentlichen Gebäude waren die wilden Haare einer jungen Frau zu sehen. Wir kamen von hinten, aber das war eindeutig P.
Eine nette Begrüßung und dann ging es auf mich verwirrenden Wegen zum Café Indigo, wo wir im Hinterhof einen frisch Tisch fanden.
P. hatte gerade die Aufnahmeprüfung für ein Studium der Politologie bestanden. Zusammen mit einem Sprachstudium wollte sie hier die Grundlagen für eine Beschäftigung im diplomatischen Dienst erwerben. Ein großes Ziel, aber bei den Teilnehmenden des Europa-Kollegs habe ich schon mehrmals so etwas gehört und halte diese Sterne für diese Menschen für erreichbar.

Nach dem Essen und Klönen und der Verabschiedung von P. ging es noch einmal quer durch Prag, doch diesmal in eine andere Richtung. Im Verlauf des Tages hatte ich Z. gefragt, was für Gastgeschenke denn ein Besucher mitbringt, wenn er Unterkunft bei einer Familie findet. Ich war nicht wirklich erstaunt, als ich hörte, eine Flasche Wodka für den Vater und etwas Süßes für die Mutter. Es war Pfingstsonntag und die moderne Warenwelt hat als Teil der Globalisierung Einzug in Prag gehalten. Hier gibt es keine verbindlichen Ladenöffnungszeiten und die europäischen Giganten werben mit ihrer Erreichbarkeit. Die größte Supermarktkette aus Großbritannien betreibt am Stadtrand von Prag einen Hypermarché. TESCO sei Dank, dass ich nicht mit leeren Händen nach Poprad fahre.

Ich hatte schon Probleme (mit mir), dass ich nichts Außergewöhnliches in Hannover gefunden hatte und meiner Gastgeberin nur eine Packung „Hannover“ von der hannöverschen Keksfabrik Bahlsen mitgebracht hatte.
Für mein nächstes Ziel Poprad wurde eine Flasche Finlandia und eine große Schachtel Figaro Tati, eine Schokoladenkekssorte gekauft. Vor dem TESCO campierten an einer Parkbank einige Punks. Richtige Punks, die überzeugend deutlich ausdrückten, dass es ihnen egal ist, was der nächste Tag ihnen bringt. Natürlich bettelten sie uns auf dem Rückweg zur U-Bahnstation an.

Erst vor dem Wohnheimzimmer nannte Z. ein theoretisches Problem, das ein solches blieb. Sie hatte ihrem Freund den Zimmerschlüssel gegeben, doch er schien relativ schnell aufzuwachen und so standen wir nach einmaligen Klopfen und kurzem Warten im Zimmer. Da ich am nächsten Morgen den Zug um 10:00 Uhr erreichen wollte, wurden nur noch wenige Worte gewechselt, Handys als Wecker gestellt und dann war Schlafenszeit.

Sonntag, 17. Juni 2007

Prag, 26. Mai

Früh, später stellte ich sogar fest, viel zu früh aufgestanden. Kaffee war leider nicht vorhanden und so nahm ich dankend einen Becher Tee zu meinem Müsli. Ich war durch die Aktivität der Mitbewohnerin und der Helligkeit wach geworden.
Ich stand wieder am offenen Fenster und schaute auf die fremde Stadt. Selbst hier im 14. Stockwerk sind alle Fenster zu öffnen und unten umgibt das Hochhaus eine Betonfläche. Es mag dies ein ungewöhnliches Thema für den frühen Morgen sein, aber mir fielen sogleich die Sicherheitsüberlegungen in Deutschland ein. Da ich indirekt einen Mann kannte, der so ein Hochhaus für seinen Selbstmord nutzte, ist es vielleicht auch nicht ganz so abwegig, über so etwas Erkundigungen einzuholen. Ja, das ist hier auch schon passiert, war die kurze Antwort.
Es war noch vor 9 Uhr. Nach dem Frühstück schrieb ich schnell die erste Version meines Reiseberichts bis Dresden.

Danach ging es in die Stadt. Als ersten Akt wurde am Hauptbahnhof (Praha Hlavní nádraží) ein Fahrschein für die Weiterfahrt nach Poprad. 28 Euro für eine lange Fahrt. Die Empfehlungen von Zuzana, Darina und Maja waren sinnvoll. Sie hatten individuell empfohlen, Fahrkarten erst auf der Reise zu kaufen, da die nationalen Preise erheblich günstiger wären, als Fahrscheine in Deutschland zu kaufen.
Dann sollte unsere touristische Tour durch Prag beginnen. Doch ich erbat mir erst einmal ein Kaffee. Sie führte mich zum Kafka-Café, wo ein Café Late die größte Annäherung an den von mir bevorzugten Milchkaffee bot. Zwei Kaffee später war mein Koffein-Haushalt wieder normal und ich war ein freundlicher Mensch.
Prag Bahnstation Masarykovo
Als wir uns nun auf die Tour begaben sah ich ein niedriges Gebäude mit Holzelementen zwischen zwei anderen Gebäuden. Das war die Bahnstation Masarykovo. Wir gingen dorthin und in der Eingangshalle gab es eine Büste des Staatsgründers Masaryk. (Einmal mehr der Hinweis, dass die Bilder in der Regel deutlich größer sind. einfach auf ein Foto im Blog klicken und dann entfaltet es sich zu seiner tatsächlichen Größe!)

Auf unseren Weg zur Silver Line - oder wie hatte Zuzana die Ideallinie für den Fremdneverkehr genannt (?) - kamen wir an einem Supermarkt vorbei und mich überkam ein großes Bedürfnis. Sie suchte Batterien für die geliehene Digitalkamera und ich suchte eine Schale Erdbeeren.
Die wollten doch tatsächlich umgerechnet €2 Euro für eine 1-Pfund-Schale, aber es ist Urlaub und ich hatte in diesem Jahr noch keine Erdbeeren satt. Leider entpuppte sich dies als ein Fehlkauf. Es war fränkische Ware und eine ganze Handvoll war total verschimmelt, was aber beim Kauf nicht zu sehen war. Alle anderen hatten zum Teil erhebliche Druckschäden. Mehr als ein Drittel wurden als Abfall aussortiert und die verbliebenden Erdbeeren waren offensichtlich zu früh gepflückt. Nur wenig Fruchtsüße entfalltete sich beim Zerdrücken am Gaumen.

Es ging zunächst zum beeindruckenden Pulverturm/Staubtor (?) vorbei an prächtigen, herrschaftlichen Gebäuden (Rathaus), die alle touristische Ziele sind. Hier war es wie an vielen Orten des Massentourismus. Junge Menschen, die Werbezettel für Restaurants und Touren verteilten und dabei stets auf ihre potentielle Kunden zugingen. Bloß nicht interessiert erscheinen, sonst wurde man multilingual bequatscht.
Zuzana zeigte mir ein Haus, dass von einen kubistischen Architekten gebaut wurde.

Wir bewegten uns nun stetig in einer nicht enden wollenden Menge von Touristen. Ein Straßenkünstler hatte ein Bild mehrfach an eine Hauswand geklebt und dies symbolisierte für mich sehr eindringlich den Massentourismus.

Alle sehen gleich aus, haben nur ein sehr beschränktes Sichtfeld und werden von außen versorgt.




Wir gelangten in der Menschenmenge zum zentralen Marktplatz. Es war ein sonniger Tag und ich machte wie Millionen vorher auch mein Postkartenfoto von der Teynkirche mit ihren Türmen und Türmchen.


Auf dem Markplatz standen Tausende von Menschen. Viele von ihnen gehörten Reisegruppen an, die sich um einen deutlich zu erkennenden Reiseleiter scharrten.









 

Wir gingen in die Josefstadt (Josefov), in der früher das jüdische Ghetto lag. Im Rahmen der Stadterneuerung vor 100 Jahren wurde das alte Viertel fast vollständig abgerissen und hier finden sich heute nur noch die Synagogen, der alte Friedhof und das jüdische Rathaus.
An den Straßen stehen prächtige Bürgerhäuser der jüdischen Bourgeoisie. 




Imposant fand ich ein Haus am Ende einer dieser Prachtstraßen. Der Eingang wurde von zwei Schönheiten bewacht, die noch nicht vom unnatürlichen Schönheitsideal der USA geprägt waren. Hungerhaken sind ja so etwas von hässlich!

Zwischen den Etagen waren prächtige Bilder.
Zumindest die beiden zwischen Hochparterre und 1. Etage konnte ich ohne große Verzerrung aufnehmen.

Die jüdische Zeit war hier stehen geblieben. Symbolisch wurde dies an der Uhr des jüdischen Rathauses gezeigt. Hier steht auch das Gebäude in dem der mythische Golem geschaffen wurde. Der Journalist Egon Erwin Kisch suchte in dem Gebäude auf dem Dachboden des Gebäudes nach den Überresten des Golems, fand aber nur Staub. Womit der Mythos nicht widerlegt wurde, da der Golem wieder zu Staub verfallen sein soll.

Die Stadt ist eine Augenweide und erinnerte mich stets an die Barbarei der Naziherrschaft in Deutschland. Die Alliierten meinten durch das systematische Zerstören der Innenstädte die fanatische Unterstützung der Bevölkerung für die gewählte Mörderbande, die sich Elite nannte und das Land regierte und kontrollierte, zu brechen. Städte mit gewachsener, historischer Bausubstanz, die über einige Straßenzüge hinausgeht, sind seit den Luftangriffen selten.
In Prag nicht; Straße um Straße zeigte Einblicke in die Geschichte der Architektur mehrerer Jahrhunderte.
Und ich lernte etwas über das Deklinieren von Substantiven im Tschechischen und Slowakischen. Der Platz des Franz Kafka wurde so zum Platz des Franze kafky.

Es war wieder ein sehr warmer Tag. Die offizielle Messstation am Flughafen Praha Ruzyne hatte am Vortag knapp über 30° Celsius gemessen und damit den ersten Tropentag in Prag im Jahre 2007 bestätigt. Am 26. Mai waren es am Flughafen noch einmal 29,5°, aber hier in der Altstadt bestimmt 3-5 Grad mehr. Am Morgen hatten sich noch Gewitter am Horizont angekündigt und es war auch viel Grollen zu hören. Keine Spur war hiervon verblieben.

Als wir schließlich an der Moldau standen und auf den Hradčany (Burgberg) auf dem anderen Ufer blickten, schlug ich eine Rast vor. Zuzana hatte wegen der Temperaturen aber keinen Appetit und jeder seine Wasserflasche.
Hier entwickelte ich den running gag, doch ein Erdbeereis zu essen.

Wir kamen am Institut, in dem Zuzana studiert vorbei und bei einem ihrer Arbeitgeber. Zuzana sagte, dass wir unbedingt zur Prager Burg müssten. Meine Bilder von Prag wären unvollständig ohne eine Besteigung des Burgberges. Der Weg führte zurück in die Menschenmassen. Mit dem ehemaligen jüdischen Viertel hatten wir die Masse hinter uns gelassen. Es gingen zwar auch immer wieder große Gruppe mit Reiseleitung an uns vorbei oder kamen und entgegen, aber der Menschenstrom kam in Wellen.
Es ging auf die überfüllte Karlsbrücke. Hier machte ich ein drei Bilder nach Süden den Fluß hinauf, die ich hier zu einem Bild zusammengefügt habe.

Zuzana hat ein großes Detailwissen über die Stadt und ihre Geschichte. Dies waren nicht nur die harten Fakten, sondern tatsächliche Geschichte mit Bezügen Mythen und dem religiösen Weltbild. Sie war eine angenehme Reiseführerin. Später verstand ich auch besser, warum Sie so viel von Kunstgeschichte verstand. Es war nicht nur das Pauken in Poprad, sondern ihr Freund studiert Kunstgeschichte und davon scheint viel bei ihr angekommen zu sein.
Zuzana ist eine fröhliche Frau, auch wenn Sie oftmals auf Fotos sehr ernsthaft schaut. Sie bringt Spitzenleistungen in ihrem Fach (Germanistik) und nebenbei interessante, bezahlte Tätigkeiten während ihres Studiums und beim Heimaturlaub in Velké Kapušany in der Ebene im äußersten Südosten der Slowakei. Ihre jüngere Schwester geht auch zu einem bilingualen Gymnasium, hat sich aber statt für Poprad, für eine englisch-slowakische Schule mit Internat entschieden.

Der Aufstieg zur Burg war anstrengend und ich konnte oftmals quengelnd fragen, ob sie ein Eis möchte. Ich bin mir nicht sicher, ob sie diesen Scherz verstanden hat. Unser kindliches „Sind wir bald da?“ oder „Darf ich ein Eis?“ sollte es aber auch im Slowakischen geben. Meine Referenz an diese Kindersprüche sind halt ein Teil meines seltsamen Humors. Einmal sagte sie, dass die Preise für Eis auf dieser Strecke unvorstellbar hoch seien. Kurz vor dem Burggelände sah ich einen Händler, der Eis in Kugeln verkauft. Der wollte doch tatsächlich mehr als ein Euro je Kugel. Ich musste lachen, aber es gibt bestimmt viele Eltern, die hier kurz vor der Burg ihre Kinder beruhigen wollen, damit die Burganlage genossen werden kann.

Vorm ersten Burghof standen Gardesoldaten. Wir gingen an ihnen vorbei und setzten uns endlich im zweiten Burghof auf den Mauerwerk eines Springbrunnens. Es waren bestimmt nicht viele Kilometer bisher gewesen, aber ich war erschöpft, wie von zehn. Ich muss enttäuschend für Zuzana gewesen sein, da meine Erschöpfung offensichtlich war und mein Blick an der Schönheit der Gebäude abglitt.


Erst im dritten Burghof am Veitsdom kam mein Interesse wieder auf. Die umfangreichen Eisenzäune waren verziert und überall fanden sich Kleinode. (FOTO. Romantik ohne Kitsch).

Hier wurde übrigens auch das Bild vom betenden Autor dieser Zeilen von Zuzana aufgenommen. Siehe ihren Bildbericht vom 2. Juni









Als wir schließlich auf der Dělostrělecká bašta standen machte ich zwei Fotos von der Stadt, die ich hier zu einem Bild verschmolzen habe.
Von unten war Trommeln zu hören. Ich identifizierte eindeutig afrikanische Trommeln, inklusive einer Djembe. Sie fragte mich nach diesem Fachwissen und ich erzählte von meinen fünf Jahren, die ich an Tanzkursen teilgenommen und dabei einige Tänze aus verschiedenen Kulturen Afrikas sehr gut kennen gelernt habe. Manchmal vermisse ich diese wöchentliche Extase (Freude bis zur Erschöpfung!). Es war auch Gesang zu hören. Von der Struktur des Liedes und den wenigen Elementen, die klar zu hören waren, vermutete ich ein Lied aus Südafrika. Es war nicht dieser Kantor – Chor – Wechselgesang vieler westafrikanischer Lieder.

Wir gingen wieder runter in die Stadt. Mir fiel mal wieder ein Franz-Kafka-Café auf. Wenn sie auch noch einen speziellen massentauglichen Kaffee haben, dann könnte dies zu einen Franchise werden wie Starbucks. Komm wir gehen ins Franz-Kafka!
Die Sonne zeichnete nun die vielen Farben der Häuserwände. Das Alter der Gemäuer hatte starken Einfluss auf die Farbintensität. Das Foto deutet dies nur an. Es sind nur zwei Grundfarben, aber es lassen sich Dutzende von Schattierungen unterscheiden. Es sind damit schon fast natürliche Farben, wie die hundert Schattierungen von Grün auf einen Baum oder einen Busch.
Ich glaube, dass wir nach dieser langen Tour erst einmal ins Studentenwohnheim gefahren sind, um sich unter der Dusche zu erfrischen. Abends ging es ins Restaurant und ich durfte Zuzana zu ihren Lieblingschinesen einladen (leider keine wirklich besondere Küche). Aber hier schmeckte mir ein Krusovice.

Diesmal wurde nicht noch einmal für Stunden geklönt. Dafür braucht man wirklich ein Wohnzimmer, wo man sich bequem hinfläzen kann. Bei Bier, Saft oder Wein und angenehmer Musik kann leichter geplaudert und assoziiert werden.
Nach den Erfahrungen der ersten Nacht, suchte ich meine Schlafmaske heraus und es war vereinbart, dass es nicht so früh raus geht.

Prag, 25. Mai Teil 2

Wir verließen das Theater. Es gab zwar im Foyer auch die Möglichkeit dort etwas zu trinken, aber es bestand vermutlich bereits eine Absprache zwischen Zuzana und Peter, dass wir eine Kneipe gehen würde, die meiner Begleitung bekannt ist.
Peter machte abfällige Bemerkungen über die Masse der Touristen, die ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht verstand. Durch viele Nebenstraßen ging es zu einer Kneipe, die vor allem von Physikern frequentiert wird. Leider waren alle Tische besetzt und Peter führte uns zu einer Alternative, die reichlich Platz bot.

Die Gespräche und Konzentration auf die Personen verhinderten, dass ich irgendwelche Erinnerungen an den Weg zu dieser Kneipe oder an die Innenausstattung habe. Wie war sie eingerichtet?, was für Musik lief dort?, lief dort überhaupt Musik?
Zuzana sagte, aber auch am nächsten Abend, dass sie dieses Lokal nicht kannte und wohl auch nicht wieder finden würde.
Hier war nun der Ort und die Zeit ein umfassendes Update über die persönlichen Entwicklungen zu bekommen. Es wurde dabei auch immer wieder Bezug auf das Europa-Kolleg genommen.


Zwei leckere, dunkle Biere später (Ich glaube es war
Staropramen) war es schon spät und wir eilten durch die merklich geleerten Straßen, um die nächste Haltestelle der Straßenbahnlinie nach Troja zu erreichen. Diese Linie fährt nur einige Hundert Meter am Wohnheim vorbei.
Als wir uns der Haltstelle näherten, sahen wir bereits die Bahn am Ende der Straße um die Ecke entschwinden. Es gab ein Aufstöhnen, da dies die letzte reguläre Bahn war. Wir gingen dennoch weiter schnell zu dieser Ecke und sahen dort, dass die Bahn immer noch an der Haltestelle stand. Die anderen begannen zu laufen, ich ging in meinen Birkenstock (wenig bis kein Profil) schneller und stieg als einer der Letzten ein.


Peter war den ganzen Abend unser Reiseleiter und ging oftmals mehrere Meter vor uns. Auch nachdem wir in Troja angekommen waren, bog er vor uns in einen Trampelpfad durch ein Unterholz zum Wohnheim. Bei meinen aktuellen Ängsten vor Verletzungen, besonders an meinen ersten Tag der Reise, war dies für mich nicht der beste Weg. Und fast schon wie erwartet, trat ich an einer dunklen Stelle in eine Kuhle und verstauchte mir leicht den Knöchel.
Irgendwie kamen Bilder von der University of Dar es Salaam auf. Dort gab es auch diverse Trampelpfade, um die langen Strecken der geschwungenen Straßen zu verkürzen. Nach kurzem Abschied von Peter und seiner Begleiterin fuhren wir zwei nach oben. Die Mitbewohnerin schlief bereits.

Wir standen in den Zwischenraum zwischen zwei Wohneinheiten und dem Vorraum und redeten weiter. Das Gespräch ging in viele Richtungen, Zuzana hat in ihrem Blog auf unsere gegensätzliche Sicht zur Kernfusionsforschung verwiesen. Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, aber ich halte es für eine große Geldverschwendung, dass in jedem Jahr Milliarden Euro öffentliche Gelder in konkurrierenden Forschungseinrichtungen gesteckt werden. Grundlagenforschung ist wichtig, hier ist aber zu viel nationales Prestige involviert. Wenn die öffentliche Hand jedes Jahr jeweils eine Milliarde Euro in die Erforschung und Weiterentwicklung der Photovoltaik und der Windenergie stecken würden, dann gebe es einige unnötige Debatten nicht mehr.

Es wurde spät, wie es sich für ein gutes Gespräch gehört. Doch kurz nach 2 Uhr überkam mich eine Welle der Müdigkeit und ich bat um einen Endpunkt für diesen Tag. Es war ein heißer Tag gewesen und das Zimmer hatte viel Sonnenwärme getankt. Die durch das offene Fenster einströmende Luft war deutlich kühler.
Ich legte mich hin und musste ich beschämend feststellen, dass keine der beiden Frauen in einen anderen Raum umgezogen war. Ich hatte vorher in den Emails angeboten, dass ich nur eine Ecke für mich brauche, in der ich meinen Schlafsack ausrollen kann. Im Bett liegend sah ich dann, dass Zuzana dort schlief, wo ich angeboten hatte, zu schlafen: Auf einer Matte auf dem Fußboden.

Dies führte am nächsten Tag zu einer kurzen kritischen Selbstüberprüfung. Würde ich in Hannover für einen Gast mein "Luxusbett" aufgeben und bei belegten Gästezimmern selbst im Wohnzimmer auf den Fußboden schlafen?


Die Bahnfahrt und der lange Abend hatten dazu geführt, dass ich froh war, mich auf einen Bett auszustrecken. Ein erreignisreicher und schöner erster Tag meiner Reise war zu Ende. Ich muss innerhalb kurzer Zeit erschöpft eingeschlafen sein.

Blue Shade von Bryan Reynolds’ in Praha

Eine Schauspielgruppe der University of California, Irvine spielt unter dem Namen Transversal Theater das Stück Blue Shade von Bryan Reynold. In Praha wurde diese Szenen aus Brooklyn zwei Abende im Disk-Theatre aufgeführt. Ich sah die erste Vorstellung am 25. Mai. Im Disk-Theatre gibt es Platz für vielleicht 200 Gäste und weniger als die Hälfte der Plätze waren schließlich besetzt. Am Eintritt kann es nicht gelegen haben, da selbst der normale Preis bei weniger als €4,00 lag.
Das szenische Stück kam mit minimaler Bühnenausstattung aus. Es standen auf der Bühne nur drei gepolsterte Chefsessel, die zu drehen und zu rollen waren. Als Sichtblende standen im Hintergrund Ausschnitte aus einem einfachen Ortsplan von New York, der verschiedene Teile von Brooklyn zeigte. Drei Schauspieler und zwei Schauspielerinnen spielten in den Szenen diverse Rollen. Die einzelnen Szenen wurden durch Schwarzblende beendet. Das Licht ging aus, die Stühle wurden im Dunkeln neu arrangiert und durch einfache Kostümergänzungen (andere Jacke, Kopfbedeckung, etc.) schlüpften die Personen in eine ihre bis zu vier Rollen.

Alle blieben in jeder Szene auf der Bühne, wenn sie nicht spielten, standen sie sichtbar hinter den niedrigen Ortsplänen. Nur ein Schauspieler spielte stets die gleiche Person. Joey Mazzoni einen Looser aus einer Mafia-Familie.

Das Stück ist heftig. Es handelt in einer nicht weiter definierten modernen Zeit in Brooklyn in den 1980-er oder 1990-er Jahren. Es geht um Kriminalität, Identitätssuche und die Perversionen des Reality Television, die jeden noch so obskuren Moderator, Thema und Gast eine Bühne geben und viele wollen dies auch sehen (auch in Deutschland).


Die Richtung wird gleich in der ersten Szene vorgegeben. Licht geht an und eine Frau ist zu sehen, die einen am Steuer eines fahrenden Autos sitzenden Mannes mit einem Blowjob befriedigt. Zum Höhepunkt kommt es zu einem Unfall, in dem der Mann stirbt. Schwarzblende. 2. Szene: Fernsehstudio, wo Menschen, die gerade auf tragische Weise einen geliebten Menschen verloren haben, unter Tränen ihr Herz ausschütten. Die Frau aus der ersten Szene beschreibt, wie sie ihren Freund verloren hat.
Es ist ein drastisches Stück, es ist ein brutales Stück; immerhin sterben vier der fünfzehn gespielten Rollen einen brutalen Tod. Ist die urbane USA wirklich so fucked up? Einige im Publikum hatte Problem mit den drastischen Szenen, wie an den „Oh“ und „Uh“ zu hören war. Der Sarkasmus, das man mit Medikamenten eine starke Persönlichkeit schaffen kann, die man benötigt, um in der grausamen Welt (der USA!) zu überleben, wurde klar auf die Spitze getrieben.

Die zum Stück verteilten Gedanken des Regisseurs Robert Cohen zeugen von der Hybris der US-amerikanischen Schauspielkunst. Er glaubt wirklich, dass er eine Geschichte erzählt, die weltweit gültig ist. Doch es ist nur die USA mit ihrer immer extremer auseinander gehenden Welten einer heilen, verlogenen Vorstadt-Wirklichkeit (die alte Zeit) und einer urbanen Lebenswelt, die eigene Werte geschaffen hat, die aber von Stadtteil zu Stadtteil unterschiedlich sind und bekämpft werden. Diese neue Zeit ist eigentlich eine uralte Zeit in der nur der Stärkste überlebt.

Die letzte Szene ist wieder in einem Fernsehstudio und als der positivistische Wissenschaftler, den Erfolg seines persönlichkeitsverändernden Medikament mit dem Verlauf der erzählten Geschichte anpreist, endet dies im Applaus vom Band und wir das Publikum begriffen sehr spät, dass dies der Schlusspunkt war.
Es gab dennoch, das wichtigste Elixier für jeden Bühnenmenschen. Reichlich Applaus von unserer Seite.
Es war befremdlich und wir sprachen nur wenig über das Stück.

Prag, 25. Mai - Teil 1

Reisetagebuch Osteuropa 2007

Praha-Holešovice war für viele Reisende die Endstation, dieser Zug nach Wien lehrte sich merklich. Ich beeilte mich nicht und ließ alle Drängenden vorbei und als ich in der Tür des Zuges stand blickte ich einmal mehr auf einen verwirrend, unbekannten Bahnhof. Fremde Städte sind ein spezieller Kick.
 

Ich stand mit meinen vier Gepäckstücken (Kleiderschrank – Bett – Nahrung – Schreibtisch) an einer Blende einer Treppe und wir sahen uns vermutlich gleichzeitig. Ein leuchtendes Lächeln war auf der anderen Bahnsteigseite zu sehen. Es waren zwei junge Frauen, darunter Zuzana, die mit ihrer strengen Frisur sofort wieder zu erkennen war. Die andere Frau an ihrer Seite erschien mir unbekannt.Nach Begrüßungsküsschen links und rechts wurde mir die zweite Frau als die ältere Schwester von Maja, die ich am Ende dieser Reise in Bratislava besuchen würde, vorgestellt. Sie war auch eine Absolventin des bilingualen Gymnasiums in Poprad und die Mitbewohnerin im Studentenwohnheim.

Auf Nachfrage übergab ich meine beiden leichten Gepäckstücke (Bett = Schlafsack, Handtuch, Kulturtasche; Nahrung = Kekse) an die beiden Frauen und wir machten uns auf den Weg zu angekündigten kurzen Weg zum Studentenwohnheim.

Doch zunächst ging es zum Fahrkartenschalter. Ich gab ihr Geld und sie kaufte für 220,00 Kč (=Korun českých; dies entspricht etwa €9,00) mir ein 72-Stunden-Fahrschein für Praha. Damit war ich für meinen ganzen Aufenthalt in der Stadt mobil. Angenehm sich keine weiteren Gedanken über Fahrscheine zu machen.


Mit einem Bus ging es etwa einen Kilometer nach Norden. Auf einer Stadtautobahn querten wir die Vitava und fuhren bis zu zwei Hochhäusern mit 15 bzw. 20 Etagen. Dies waren neben weiteren Gebäuden die Matematicko-fyzikalní fakulta der UK mit angeschlossenem Wohnheim. In den beiden Hochhäusern leben 1.500 Studierende und ich würde für drei Tage ein Gast sein.

Zuzana studiert in einer anderen Fakultät Germanistik, wohnt aber hier. Habe vergessen zu fragen, warum sie hier eine Unterkunft erhalten hatte. Ihre Mitbewohner gehörte zur Fakultät (Studienfach Logik).

(GoogleEarth-Aufnahme)
Wir fuhren in die 14. Etage und im Fahrstuhl erfuhr ich, dass ich nun doch nicht im Gästebereich unterkommen würde, sondern direkt mit den beiden Frauen zusammen wohnen würde. Ich würde eines der Betten bekommen und ging davon aus, dass eine der beiden bei einem Nachbarn nächtigen würde. Zwei Personen teilen sich ein Zimmer von etwa 16 Quadratmetern mit einem Vorraum mit abschließbaren Schränken. Mit einem Nachbarzimmer teilen sie sich durch zwei abschließbare Türen getrennt Dusche, WC, Kühlschrank, Kochnische mit zwei Platten, Spüle und Vorratsschränke.
Mir wurde „mein“ Bett für die nächsten drei Nächte gezeigt. Ich deponierte mein Gepäck und wir begannen zu klönen. Zuzana hatte ein Programm für meine zwei Tage Prag zusammengestellt. Statt in die ausverkaufte Mozart-Oper sollte es nun zusammen mit Peter, der am EK03 teilgenommen hatte und nun hier Physik studierte, und einer weiteren Poprad-Absolventin ins Theater gehen.

Nach kurzer Erfrischung und einen ersten beängstigenden Blick aus dem Fenster ging es zu zweit nach unten, wo vor dem anderen Hochhauseingang unsere beiden Begleiter warteten. Ich musste zweimal hingucken, doch es war Peter. Aus dem stillen Schüler, der während des Europa-Kollegs optisch eine graue Maus gab, war ein junger Mann mit langen Haaren, die zu einem Pferdeschwanz gebändigt waren, geworden. Vertraut war der wohl bekannte feste Blick.

Sein Physikstudium ging bereits auf den ersten akademischen Grad zu und seine Erzählung führte bei mir zu den Eindruck einer intellektuellen Unterforderung mit der daraus resultierenden Frustration. Es waren immer wieder sarkastische Untertöne zu hören. Solche Menschen sollten schnell lernen, ihre überschüssige Kapazität an anderen Stellen abzulassen. Fremdsprachen sind hierfür ein gutes Feld. Er hatte wahrscheinlich bereits eine ähnliche Überlegung hinter sich, denn er sagte, er denke zur Zeit daran, nach seinen Abschluss ein Jahr in Warschau zu studieren und er hat keine Kenntnisse des Polnischen. Das ist dann doch einmal eine Herausforderung.

An diesen angenehmen Abend machten wir uns nach wenigen Sätzen bereits auf den Weg in die Stadt, das Theater würde nicht auf uns warten. Ich war beständig im Gespräch und wir fuhren zunächst mit dem Bus und dann ab Holešovice mit der U-Bahn in die Innenstadt, aber meine Konzentration gehörte den drei mich begleitenden Personen. Ich kann mich nur an wenig erinnern und das auch nur, weil ich ironisch im Bus sagte „so und nun beschreibt mir mal, was ich draußen sehe. Das Studentenwohnheim liegt im Stadtteil Troja und auf dem Weg nach Holešovice fuhren wir an leichte Prachtbauten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts vorbei. Mir kamen Bilder vom Weltausstellungsgelände in London ins Kopfkino. Es war dies das Messegelände.
Von der Innenstadt habe ich keinerlei konkrete Erinnerung, außer das eine Prachtstraße der anderen folgte. Wir haben in Hannover manchmal eine ganze Straße im Wilhelminischen Stil (=Gründerzeit), in Prag folgte Straße auf Straße.


Dann standen wir bereits vor dem Disk-Theater. Es war wirklich auf den letzten Drücker. Ich lud alle drei zum Theater ein, nach Einladung blieb ich der einzige, der mit einem Kaffee (Turecká Káva) in den Saal ging.

Dresden nach Prag

Reisetagebuch Osteuropa 2007

Ich fand meinen reservierten Platz in einem Abteil, dass ich mit vier britischen Senioren und einer deutschen Studentin teilte. Ich hatte den Sahneplatz reserviert, also Fenster in Zugrichtung, denn ich machte schließlich die ganze Fahrt, um so viel wie möglich zu sehen.

Das Elbsandsteingebirge war beeindruckend. Diese steilen Abbrüche zum Fluss hin. Hier war die Erosionskraft der Elbe zu sehen. Der Fluss selber führte nur wenig Wasser. Am Ufer war meterbreit der Kies zu sehen.
Die Grenzer gingen nur symbolisch durch. Der rote EU-Pass reichte um mich durchzuwinken. Wir verließen Schengenland, aber Reisen in diese Richtung wurde nicht beachtet.
Und dann sah ich auf dem anderen Ufer ein bekanntes Gebäude. Eine Grenzstation für den Autoverkehr. Meine Reise hat nun wirklich begonnen, die deutsche Einladung war beendet.
Das Tal wurde noch enger und die Wände steiler. Die Fahrt ging nun durch die Děčínské stěny (immer wenn es auch einen alten deutschen Namen gibt, füge ich ihn bei: Tetschener Wände). Ich suchte nach Veränderungen, die optisch einen Unterschied zur ehemaligen DDR bieten. Hinter der Namen gebenden Stadt Děčín (Tetschen) wechselte die Bedachung. Es gab neben Schindeln auch Ziegeln und Wellblech. Industrielle Gebäude entlang der Strecke zeigten erhebliche Spuren von Verfall. Farbe und Putz waren zum Teil großflächig abgeplatzt; einzelne Bedachungen zeigten deutliche Schäden, doch Lieferwagen zeigten auch, dass in diese Betriebe noch aktiv waren.
Auf dem anderen Ufer waren manchmal herrschaftliche Häuser und Villen zu sehen, die 10 und mehr Meter über der Elbe gebaut waren und bestimmt eine prächtige Aussicht boten. Eines dieser Häuser war fast entkernt. Fenster waren mit Rahmen entfernt.

Ich kann Tschechisch: Autodyla las ich eben auf einem Werbeschild. OK es ist International und nicht Tschechisch, ich musste dennoch über diese Schreibweise für Autohändler schmunzeln.

Die Bahnstrecke wird an vielen Stellen renoviert. In Ústí nad Labem (Außig an der Elbe) waren zehn Meter lange Schienen mit den Betonbohlen über einander gestapelt. Pakete von vier Lagen Schienen und Bohlen waren jeweils auf einem Trailer auf den Schienen zu sehen. Das war sicherlich ein EU-Projekt zur Sanierung der internationalen Verbindungen.

Mit Beschämung musste ich bei der vergleichenden Reise mit dem Finger auf der Landkarte feststellen, dass wir hinter Ústí nad Labem an Terezín (Theresienstadt) vorbei fuhren. Dieses Lager der Nazis wurde für Propagandazwecke genutzt, obwohl es wie viele Lager im Westen nur ein Durchgangslager zu den Vernichtungsstätten im Osten war. 33.000 Menschen starben hier und 85.000 wurden von hier in die Mordmaschinerie deportiert.
Ich stellte leider fest, dass mir nicht bewusst war, dass dieser Schreckensort so nah. Das große Grauen des Nationalsozialismus ist mehr als sechzig Jahre her und auf meiner „mental map“ waren viele der Verbrechen, weit weg im Osten geschehen.
Bei Roudnice (Raudnitz) war zuletzt die Labe (Elbe) zu sehen und ab Nová Ves fuhren wir entlang der Vitava (Moldau).

Meine Beobachtungen endeten hier, da nun Smalltalk mit den anderen Reisenden einsetzte. Und dann war zu merken, dass wir uns Praha näherten. Einige Menschen gingen mit Gepäck am Zug vorbei und auch in unserm Abteil wurde es unruhig, da wir alle sechs in Praha-Holešovice den Zug verlassen wollten.
Ich hatte bereits via SMS meiner Gastgeberin mitgeteilt, wie viel Verspätung wir hatten. Nun war ich gespannt, ob Zuzana auf dem Gleis sein würde und vor allem ob wir uns problemlos wiedererkennen würden. Drei Jahre sind eine lange Zeit.
Ich bin nur ein wenig grauer am Kopf und ein wenig runder am Bauch geworden. Sie war eine stille Frau, deren Schönheit erst am Aufblühen war.

Start: Von Hannover nach Dresden

Reisetagebuch Osteuropa 2007

Frühstück in Balkonien und ich hatte diesmal auch keine Alternative. Auf dem Küchentisch standen bereits meine gesammelten Pflanzen. Meine Palme ist zwischenzeitlich raumgreifend und hoch und stand dort, wo ich normalerweise sitze. Es war sehr viel Wärme in der Luft und mehrmals war bereits zu dieser frühen Stunde ein Grollen und Rumpeln aus den sich im Nordwesten auftürmenden Wolken zu hören.
Seit Tagen war ich am Beobachten und gestern war es dann so weit, die erste Erdbeere war groß, fast reif und wurde nun gepflückt. Leicht sauer im Geschmack war sie ein Genuss. Die nächsten Erdbeeren wird die Freundin ernten, die meine Pflanzen wässert.
Nach einem letzten Sicherheitsgang – waren die Steckdosenleisten ausgeschaltet, waren Antennenstecker und Stecker von elektrischen Küchengeräten gezogen? – ging es mit vier Gepäckstücken los.

Am Donnerstagnachmittag hatte es noch einmal einen heftigen Adrenalinschub gegeben, der so ging, dass ich den Gedanken wälzte, ob ich die Reise absagen muss (die Gründe sind ehrrührig für den institutionellen Verursacher und werden deshalb hier nur doch diese Anspielung beschrieben), hatte ich nun fast alles für die Reise.
Ich brach deutlich früher als für mich üblich zum Bahnhof auf. Mir fehlten noch Slowakische Kronen und Rumänische Lei.
Tschechische Kronen ich bereits. In der Reisebank gab es dann nur ein Problem, sie hatten nur wenige Scheine dieser „exotischen“ Währungen. Ich kaufte alle vorrätigen SKK und RON auf und dies war nicht viel. Ich muss also in Poprad und Bukarest noch einmal zur Bank.
In der fruchtbaren, ausgeräumten Landschaft zwischen Helmstedt und Magdeburg sind die Windräder zwischenzeitlich prägend. Hunderte Räder der vorletzten und letzten Generation – konnte Vestas und Nordex lesen – drehten sich.
Vorher blickte ich immer nur kurz von der F.A.Z. auf, da ich auf den regelmäßigen Fahrten zur Arbeit mich bereits satt gesehen hatte und nur auf die kleinen Veränderungen achte. Für mich war es erstaunlich, wie wenig von den Narben des Braunkohletagebuchgebietes Helmstedt, dass wir im letzten Jahr besichtigt hatten, aus der Bahn zu sehen war. Mit dem Vorwissen sah ich die Kante der Grube, die auch so tief ist, dass aus der peripheren Position nichts weiter zu sehen war.

Als wir in Magdeburg einfuhren, fielen mir zugewachsene und eingefallene Gemäuer auf. Daneben moderne Allzweckhallen, die zum Teil mit Rollen von NATO-Stacheldraht umgeben waren. Bahnhof und Innenstadt zeigten dann die anonyme Moderne mit Hotels und Werbung, wie sie in jeder Stadt dieser Größe in Deutschland zu finden sind. Ansonsten waren wie im Westen zum Beispiel in Braunschweig und Hannover Industriebrachen, Reste von Altindustrie und die zwischenzeitlich unverständlich großen Flächen der Bahn mit ihren demontierten Schienen und der nunmehr bereits mehr als zehnjährigen Primärvegetation von Brombeere, Birken und anderen Pflanzen zu sehen.
EX-DDR im Jahre 17: Der Verfall alter Strukturen zeigte sich außerhalb der Orte. Auf Brachen und auch Ackerraine wiesen die Bäume auf mehr als zehnjähriges ungehindertes Wachstum. Hinter Köthen waren Obstbäume entlang offensichtlich unbedeutender Straßen zu sehen. Diese Nutzbäume waren seit Jahren nicht mehr beschnitten. Ein Extrem der Nachwendezeit war nicht mehr zu sehen. Die in den LPGs zusammengefassten landwirtschaftlichen Flächen existieren heute als Privatflächen. Früher (1990f.) und wahrscheinlich auch in der DDR wurde hier ohne Rücksicht auf die lokale Varianz in Bodengüte und der Mikrolandschaft von Hügeln und ehemaligen Gräben geackert. Diese Differenzen waren deutlich in den Quadratkilometer großen Feldern zu sehen bis hin zu Erosionsschäden durch Wind und Wasser.
Zwischen Leipzig und Dresden kam es zu ärgerlichen Verzögerungen. Es war dies der zweite Zug und der einzige ICE auf der ersten Etappe. Wie schon viel zu oft erlebt, ist der Prestigezug ein fahrender Widerspruch zum ehrgeizigen Fahrplan. Acht Minuten waren in Dresden für den Wechsel zum EC Berlin – Prag – Wien vorgesehen und als der Zug zwischen Dresden Neustadt und Dresden Hauptbahnhof zum Stillstand kam, war die Abfahrtzeit des Anschlusszuges bereits verstrichen.

Dann kam eine dieser kuriosen Durchsagen der Bahn. Da alle Gleise im Hauptbahnhof Dresden belegt waren, konnte der Zug nicht einfahren. Wir müssten weitere 5-10 Minuten warten. Mal wieder musste die Bahn beweisen, dass Zeit-Management für die Bahn immer noch ein unbekanntes Konzept ist.
Ich war nicht alleine. Ich hörte Stöhnen und Lamento von mehreren Personen, die eine Reservierung für den Zug nach Prag hatten.
Der Zug wartete und im Zug mussten wir Zuspätzugestiegenen dann die Durchsage und Frechheit anhören, dass wegen Anschlussreisender der Zug verzögert sei. Aha, die Reisenden sind schuld, dass der Zug zu spät ist und nicht das Bahnmanagement.

Donnerstag, 14. Juni 2007

Heidenalarm

Heute fand ich mal wieder eine bemerkenswerte Zahl in der Zeitung. Der evangelische Pressedienst (epd) meldet, dass die Zahl der Taufen in Bremerhaven dramatisch abgenommen hat. Von den Einjährigen sind 109 getauft und 476 nicht getauft (Taufquote 19 Prozent). Unter den 18-Jährigen beträgt die Taufquote fast 90 Prozent.

Ist dies ein radikales Zeichen für das Ende einer christlich geprägten Gesellschaft?

Montag, 11. Juni 2007

Schnarchkonzert

Reisetagebuch Osteuropa 2007

2:20 Uhr am Montag irgendwo im Nirgendwo zwischen Berlin und Hannover. 
Der EN aus Warschau hatte zwanzig Minuten Verspätung und ich kämpfte mich übermüdet durch die schmalen Gänge der Schlaf- und Liegewagen zu den Liegesesseln. Leider waren alle 45 Plätze besetzt. So fuhr ich also in der 3. Klasse. 
In einer Ecke des Waggons im Freiraum des letzten Sessels, der eigentlich für das Gepäck bestimmt ist, hockte ich mich auf meinen Koffer. Ich machte es mir unbequem. Das hatte zumindest den Vorteil, dass ich nicht aus Versehen, den Stopp in Hannover verschlafe.

Und dann begann das Konzert. Ein Reisender schreckt mit lautem Schnarchen etwa alle zwei Minuten hoch und weckt seine Umgebung auf. Da hat jemand ernsthafte Atemprobleme. Eine weitere Männerstimme gibt unregelmäßig einen kurzen Laut von sich und als der Zug auch einmal langsamer und damit ruhiger fuhr, waren auch noch verschiedene andere Stimmen von Schnarchenden zu hören.

3:45 Uhr zu Hause in der Wohnung. Es ist warm und nach zwei Wochen Osteuropa sind einige meiner Pflanzen vertrocknet.

Montag, 4. Juni 2007

Die Strassen von Bukarest

Reisetagebuch Osteuropa 2007

Bukarest war anstrengend!
Nachdem ich 28 Stunden in der Stadt war, kann ich gleich mehrere Gründe für diesen dramatischen Einstieg nennen. Bucuresti ist groß (2 Millionen Einwohner) und entsprechend verwirrend. Alleine die Innenstadt hat mehrere zentrale Plätze, die alle mehrmals gequert wurden, ohne das sich eine “mental map” aufbaute. Alles ist auf das Auto ausgerichtet, aber im Gegensatz etwa zu den USA mit seiner car-only-Fortbewegung ist es in Bukarest chaotisch und aggressiv. Für uns Fußgänger gibt es oftmals selbst an wichtigen Straßen mit Läden nur einen Weg von einen Meter Breite, der durch Metallstangen im Abstand von einem Meter dieses Refugium von der Straße trennt. Da die Stangen weit auf dem Fußweg eingelassen sind, reduziert sich diese Schutzzone auf eine Breite von 60-80 Zentimeter. Und dieser “Weg” fordert die gesamte Aufmerksamkeit. Der Untergrund von Beton oder Asphalt hat sich seit seiner Fertigstellung in grauen Vorzeit verändert. Zerbrochen, abgesenkt und mit Schlamm gefüllt oder durch Wurzeln von Bäumen angehoben. Wer seinen Blick vom Weg nimmt, kann vielleicht interessante, angegraute Häuser aus einer Vielzahl von Epochen sehen und manchmal bewundern, aber gefährdet dann seine Knöchel.
Und dann kreuzt eine Straße den Weg. Fußgängerampeln und Zebrastreifen sind nur diskrete Hinweise für die sich nicht im Blech bewegenden Zeitgenossen, dass hier eine Überquerung versucht werden kann. PS-starke Autos halten nicht und hupen sich ihr Recht auf freie Fahrt des Stärkeren und Geschützten. Ältere, Behinderte und Mütter mit Kindern haben nur wenig Chancen n den wenigen Sekunden der Grünphase (die ja außerdem von vielen Autos missachtet wird) eine vier- bis achtspurige oftmals unübersichtliche Kreuzung zu queren. Erst nach mehreren Sekunden Grünphase für Fußgänger sind auch die letzten Automobilisten, die bei dunkelorange (=rot!) ihre Fahrt fortgesetzt haben, auf ihren Weg und kurz drauf gibt es bereits wieder Grün für die Fahrer. Ich beobachtete einmal eine Mutter mit einem Kind von 4-6 Jahren, die zwei Versuche startete, aber beide abbrach und dann hatten die Autos auch wieder offiziell GRÜN und es wäre Selbstgefährdung auf die Straße zu treten.
Habe es selbst bereits mehrmals erlebt, dass Fahrer (männlich, zumeist relativ jung) in großer Geschwindigkeit auf einen zugeschossen kommen und wenn sie nicht wild hupend ihren Weg erzwingen, dann mit quietschenden Reifen unmittelbar vor dem Zebrastreifen stoppen. Adrenalin pur aus der Sicht eines Gehenden. Das ist nicht Rumänien, das ist Bucuresti. Ich sitze hier in Sibiu und hier sind die Blechbesitzer zivilisiert und halten so offensichtlich am Zebrastreifen, dass ich zunächst irritiert war.
Die Stahlstangen, welche die Straße von den Fußgängern trennen sind zwingend. Nur die wichtigsten Straßen haben diesen Schutz und in den Nebenstraßen parken immer wieder Autos auf dem Fußweg von Hauswand bis Bordsteinkante, so dass auf die mörderische Straße ausgewichen werden muss, um diese 
Hindernisse zu umgehen.

Der öffentliche Verkehr in Form von Bussen und Straßenbahnen ist sicherer, aber hat keine eigenen Fahrspuren und entsprechend stehen die Fahrzeuge an den Kreuzungen im chaotischen Stau. Apropos Bus, da hatte ich ein schlechtes Erlebnis. Meine Gastgeberin hatte mir beschrieben, wo ich welchen Bus besteigen soll, um schnell in die mehrere Kilometer entfernte Innenstadt zu gelangen. Sie sagte mir auch wie viel dies kosten würde. Tja, da war nur ein Problem. An der angegebenen Bushaltestelle war der Kiosk, in dem Fahrscheine verkauft werden, geschlossen und es gab keine Automaten. Am Wochenende gibt es sehr eingeschränkte Verkaufszeiten und viele Kioske haben gleich ganz geschlossen. Das sah ich zunächst nicht als ein Problem an, der ich hatte meine Gastgeberin so verstanden (wie sich später herausstellte missverstanden), dass ich im Bus beim Fahrer meinen Fahrschein kaufen könnte. Der Bus kam und ich stieg und stellte fest, dass der Fahrer vollständig von den Passagieren getrennt ist und auch keine Kommunikation möglich war. Einer der Gründe hierfür war, dass aus der Fahrerkabine sehr laute Musik schalte und der Fahrer relaxt ein längeres Telefongespräch führte. Im überfüllten Bus sah ich nur Automaten zum Abstempeln bereits gekaufter Fahrscheine. Ich stand mit meinen zwei 1 RON-Scheinen verloren im vorderen Bereich und überlegte, wie ich das Problem lösen könnte, als der Bus los fuhr.
Unter dem Stress einer ungewollten Schwarzfahrt fuhr ich den langen Weg in die Innenstadt, wo der Freund meiner Gastgeberin mich treffen wollte und mir die Stadt zeigen wollte. Die Innenstadt war bereits erreicht, als drei Kontrolleurinnen den Bus betraten und allen Passagieren ihre Dienstmarke zeigten. Ich war einer von zwei Passagieren ohne gültigen Fahrschein und musste zunächst meinen Personalausweis abgeben. An der nächsten Haltestelle verließen wir fünf den Bus und ich erklärte einer Kontrolleurin mein Problem. Die mich befragende Frau sprach ein sehr rudimentäres Englisch sagte aber das was auch Kontrolleure in Hannover sagen würden. Die Begründung für eine Fahrt ohne Fahrschein ist unerheblich und so musste ich 40 neue Lei für eine Fahrt ohne Fahrschein bezahlen. Glücklicherweise nicht mehr, denn ich hatte nur noch etwas mehr als 60 Lei dabei.
Um das Kapitel Verkehr in der Millionenstadt Bucuresti abzuschließen möchte ich noch meine Beobachtungen während einer U-Bahnfahrt hinzufügen. Vom Hauptbahnhof war ich mit ein Mal umsteigen zur Universität gefahren. Es war dies für mich eine beständige aggressive Situation. Überall laufende und schubsende Menschen, die durch schmale Gänge drängten, um ihre Verbindungen zu erreichen. Die U-Bahnen waren voll und auf der großen Fläche zwischen den beidseitigen Türen gab es nur wenig Möglichkeiten, sich irgendwo festzuhalten.

Das war jetzt sehr viel Negatives über Bucuresti. Vielleicht ist die Stadt einfach zu groß für mich. Ich mag auch nicht Berlin aber im Widerspruch hierzu liebe ich London!

Die Schönheit der Stadt Bukarest zeigt sich in den Menschen, den Parks, einzelnen Gebäuden und Häuserzeilen.