Donnerstag, 23. Mai 2013

Filmnotiz Star Trek Into Darkness



(USA 2013, 127 Minuten)
Regie:  J. J. Abrams

Ist der Kreis nun geschlossen? Das zweite Prequel zu Star Trek endet mit den Eingangsworten der ursprünglichen Fernsehserie aus den Jahren 1966-1969:
"Space: the final frontier. (...)
Its five-year mission: to explore strange new worlds, to seek out new life and new civilizations, to boldly go where no man has gone before."

oder in der deutschen Version

"Der Weltraum, unendliche Weiten. (...)
5 Jahre unterwegs (...),
um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. (...)"
Star Trek Into Darkness ist die Vorgeschichte der Expedition. Der Film schildet wie und warum das Team der Offiziere sich so weit über alle Maße verbunden fühlt, dass von einer Star Trek-Familie gesprochen werden kann.

Drehbuch und Regie betonen immer wieder Gefühle. Die unerfüllte Liebe von Lieutenant Nyota Uhura zu Commander Spock, die Ängste von Captain Kirk und anderen, die Hass-Liebe von Dr. Leonard McCoy zu Spock, die scheinbare Sorglosigkeit von Fähnrich Pavel Chekov und Lieutenant Montgomery Scott und der Hass und die Rachsucht von Khan. Es sind die Gefühle und nicht die Action, welche diesen Film tragen.

Erzählt wird vor allem die Geschichte von Khan Noonien Singh, den durch Gentechnik optimierten Menschen einer früheren, militaristischen Phase der menschlichen Geschichte. Es ist der Khan, dessen Rache den zweiten Spielfilm Star Trek II: Der Zorn des Khan / The Wrath of Khan beherrscht. Auch klärt der Film, wie Captain Kirk die Mutter ihres gemeinsamen Sohn David aus Star Trek II und III kennen gelernt hat.
Irritierend ist der immer wiederkehrende Einsatz von Uniformen. Raumfahrt wird als Forschung bezeichnet, aber die Beteiligten tragen auf der Erde militärisch wirkende Uniformen.


J.J. Abrams hat bereits 2009 die erste Vorgeschichte visualisiert und zeigte auch dort, dass Gewalt und Brutalität im Kampf oder einer Schlacht vorhanden ist, aber der Schrecken über diese Szenen bei uns im Kopf ablaufen und nicht auf der Leinwand gezeigt werden sollte.
Das Fremde wird in keiner Weise betont. Wenn Wesen von anderen Planeten in einer Szene mit ihren ungewöhnlichen Köpfen, einem Schwanz oder einer unerwarteten Größe erscheinen, dann ist das eben so und wird nicht thematisiert. Das Fremde ist da und ein Teil des Systems, wie in anderen epischen Werken (Star Wars). Es sind stets die Bösen, die das Andere und Fremde betonen und oftmals ablehnen.

Filmtechnische Möglichkeiten entwickeln sich immer weiter und nur zu schnell kommt es dabei zu einer Gewöhnung und entsprechend dem bewussten Vermissen von bereits gesehenen oder gehörten neuen Techniken. Das war so als der Rundum-Klang aufkam und damit plötzlich Geräusche von allen Seiten auf den Zuschauer eindrangen und ihn mitten ins Geschehen setzten. Nur noch Filme in der Form von Kammerspielen können auf Geräuscheffekte verzichten. Ähnlich war es auch als mit Matrix eine Brillanz und Bildtiefe in Kampfszenen eingeführt wurde. Die neue Möglichkeit der Schärfe bei schnellen Bewegungen ist noch kein Standard, aber seitdem Peter Jackson im Hobbit HFR einführte, ist dieses Potential bekannt und wurde bei diesem Film vermisst.
Viele der schnellen digital produzierten Szenen waren verwischt. Das "war" einmal ein Symbol für Bewegung, doch jetzt ist es einfach eine unscharfe Bildsequenz. HFR ist sicherlich teurer, aber gerade in Science Fiction und Fantasy Filmen wäre es wünschenswert, wenn alles stets klar und deutlich wäre und es ist erfreulich, dass diese Technik für die Fortsetzung von Avatar angekündigt wurde.

J.J. Abrams spielt einmal mehr mit seinem "Markenzeichen" (?) der Reflexion von Licht auf polierten Flächen und Glaskörpern. In Super 8, den Film, den er zwischen den beiden Star Trek Vorgeschichten vorlegte, waren diese blauen und weißen Streifen manchmal irritierend und ich habe auch noch nicht ganz verstanden, was deren Intention ist. Soll der Zuschauer sich als Kameramann fühlen, der diese Reflexionen auf der Linse oder dem Schutzglas davor sieht? In Super 8 war dies zum Teil verständlich, da die Geschichte u.a. von den Widrigkeiten der Dreharbeiten an einem Kurzfilm erzählt und deshalb manchmal auch aus einer Perspektive des Kameramanns die Handlung gezeigt wird. In Star Trek Into Darkness stört dieses Element, da es vom Dialog ablenkt.
Missglückt erscheinen mir Sequenzen, die an den Angriff 9/11 auf Manhattan oder die Zerstörung des Space Shuttles Columbia erinnern.

Der Film endet in einer Weise, dass nicht der Eindruck bleibt, als wenn eine weitere Vorgeschichte zu erwarten ist. Es gibt keine offenen Fragen und zu den oben zitierten Eingangsworten werden leere Gänge im Raumschiff Enterprise gezeigt und schließlich die Brücke mit den bekannten Gesichtern und den Start der Forschungsmission.

Trotz der kritischen Anmerkungen erhält der Film von mir 7 von möglichen 10 Punkten auf meiner persönlichen Filmbewertungsskala.

1 Kommentar:

Andreas Politze hat gesagt…

Moin Jürgen,
Klasse Film und Deine gewohnt ausführliche, schöne Filmnotiz - vielleicht kann ich ja noch "nette Hinergrundszenen" ergänzen z.B. wenn der ulkige kleine Assistent von Scottie auf der Superzerstörungsrakete reitet;)
TFTB
Andreas