Freitag, 13. Februar 2015

Hannover Wetter Januar 2015

Trotz kalter Episoden war der Januar 2015 in Hannover zu warm. Die Durchschnittstemperatur betrug 3,3° und damit war es 2,7° zu warm. Es regnete viel und die Sonne war nur selten zu sehen.
-Vergleiche die Berichte des Vormonats und des Folgemonats-
Die linke Skala zeigt die tägliche Höchst- und Tiefsttemperatur, die rechte Skala den täglichen Niederschlag und die Sonnenstunden. Alle Messwerte stammen vom Deutschen Wetterdienst.

An drei Tagen stieg die Temperatur über 10° und am 10. Januar wurde die Höchsttemperatur von 12,3° erreicht. Die tiefste Temperatur wurde am 21. Januar mit -5,1° registriert. Es gab einen Eistag und elf Frosttage. Im langjährigen Mittel (Klimanormalwerte) sind im Januar in Hannover 6 bis 7 Eistage und 15 bis 20 Frosttage zu erwarten. An 16 Tagen gab es Bodenfrost und am 21. Januar sank die Temperatur auf -8,1°.

Aus den verschiedenen täglichen Messwerten berechnet der DWD die Tagesmitteltemperatur

Dargestellt ist die Tagesmitteltemperatur (in rot) und der gleitende Durchschnitt über fünf Tage (in grün).
Bis über die Mitte des Monats war es deutlich zu warm. Dann kam eine kurze Winterepisode. Wärmster Tag war der 10. Januar mit 9,6° und der kälteste Tag der 21. Januar mit -2,3°.

Die täglichen Abweichungen von der langjährigen Monatsdurchschnittstemperatur von 0,6° sind in der nächsten Abbildung zu sehen.

Hier ist zu erkennen wie unbedeutend die Winterepisode war im Vergleich zur warmen ersten Monatshälfte.

In der vierten Abbildung wird die Tagesmitteltemperatur mit vier anderen Werten verglichen.
In grün und rot sind die täglichen 30-jährigen Durchschnittswerte der Jahre 1951-1980 und 1981-2010 dargestellt.

Erstmals wurden extrem warme bzw. extrem kalte Tage berechnet. Grundlage sind die Werte der Tagesmitteltemperatur der Jahre 1951-2010. Die wärmsten und kältesten sechs Werte wurden als Extreme definierte. die orange und hellblaue Linie markierten die Spannweite von 80% der Werte für jeden Tag. Im Januar 2015 gab es vier Tage mit extremen Temperaturen. Der 9., 10., 12. und 13. Januar waren extrem warm.

Der Winter 2014-2015 hat sich bisher nur in kurzen Episoden gezeigt.

Dargestellt ist der Klimanormalwert für die Monate November bis Februar und die gleitende Wochentemperatur. Es war zumeist Wetterlagen mit östlichen Winden, die kühle oder sogar kalte Luft nach Norddeutschland brachten, aber die negativen Abweichungen zum CLINO sind unbedeutend im Gegensatz zu den positiven Abweichungen, wenn stürmischer Wind aus westlichen Richtungen erwärmte Luft nach Norddeutschland trug. (Der Winterbericht befindet sich hier)

An 22 Tagen fielen insgesamt 57,3 mm Niederschlag. dies entspricht 110% des langjährigen Mittelwerts für den Januar.

An 16 Tagen zeigte sich die Sonne, doch nur zweimal für fünf oder mehr Stunden, was der Definition eines sonnigen Tages entsprechen würde. Im gesamten Monat waren es nur 26,7 Sonnenstunden oder 64% des langjährigen Mittelwerts.

Es gab viele Windereignisse. An neun Tagen blies der Wind mit Stärke 8, stürmischer Wind. An drei Tagen erreichte der Wind Sturmstärke (Windstärke 9) und am 10. Januar war es sogar ein schwerer Sturm mit Spitzenwerten von 24,7 m/s. Dies entspricht Windstärke 10 der Beaufort-Skala.

Alle Messwerte stammen wie jeden Monat vom Deutschen Wetterdienstes.
Berechnungen, Abbildungen und Vergleiche stammen vom Blogautor.

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Die folgenden Symbole führen jeweils direkt zum genannten Monatsbericht:
2016
2015
2014
2013

2012

2011

2010

Der Jahresbericht 2009 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2009:

Der Jahresbericht 2008 ist hier zu finden und hier geht es zu den Wetterberichten für alle Monate im Jahre 2008:

Neben diesen monatlichen Berichten habe ich bisher dreimal zum Klimawandel am Beispiel von Hannover gebloggt: 2007 schaute ich auf Monatswerte der 2000-er Jahre, 2013 untersuchte ich speziell den Monat April, der langfristig immer sonniger, trockener und wärmer wird, und nochmals 2013 in langen Zeitreihen den Temperaturanstieg seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Es gibt außerdem einen langen Beitrag zum sehr kalten Winter 2009-2010 mit Vergleichen zu anderen Wintern, ein Vergleich zwischen den Winter 1985-1986 und 2011-2012 und aktueller zum langen Winter 2012-2013.
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Siehe auch die frühsten, noch sehr einfach gehaltenen Wetter-Darstellungen:

Sonntag, 1. Februar 2015

Buch: Sven Böttcher (2011) Prophezeiung

Sven Böttcher
Prophezeiung
Kiepenheuer & Witsch
2011
446 Seiten.

Science Fiction schreibt manchmal Informationen und Entwicklungen der Gegenwart einfach nur fort. Es besteht dann die Gefahr, dass die Geschichte in wenigen Jahren überholt und für Leser uninteressant sein wird.
Dieses Dilemma hatte ich zuletzt beim Roman ZERO von Marc Elsberg (2014) beschrieben. Dort ging es um den Trend der Selbstoptimierung, in dem Menschen individuelle Daten über soziale Netzwerke und Apps an nicht durchschaubare Datensammelfirmen geben. Doch wird dies in 5 oder 10 Jahren noch jemand interessieren oder aufregen, wenn die Datenabgabe eine Grundbedingung für Vergünstigungen ist und Verweigerer mit schlechten Service oder höheren Ausgaben bestraft werden?

Sven Böttcher hat einen Thriller zur Klimaforschung und den daraus resultierenden politischen und wirtschaftlichen Folgen geschrieben. "Prophezeiung" verarbeitet das Wissen der Klimaforschung vor dem Jahr 2010.
Das ist nach dem 4. Sachstandsbericht des UN-Weltklimarates IPCC. Im IPCC-Bericht werden u.a. auch Kippelemente diskutiert, die den Klimawandel radikal beschleunigen. Die IPCC diskutiert Prognosen der globalen Temperatur am Ende des 21. Jahrhunderts und damit Eisschmelze und den daraus erfolgenden Meeresspiegelanstieg.

Im Roman Prophezeiung kalkuliert ein geheimes Rechenzentrum aus globalen Messwerten und einer Verkettung von natürlichen Zyklen (Sonnenflecken, Schwankung der Erdachse, Entfernung Erde-Sonne, etc.), dass der Kipppunkt des Klimawandels jetzt erreicht ist. Es wird eine Klimakatastrophe mit mehr als 100 Millionen Toten in einem Jahr vorhergesagt.
Sven Böttcher entfaltet ein Panoptikum von Haupt- und Nebenpersonen, die viele der vor einem Jahrzehnt vertretenen Positionen zum Klimawandel, seinen Ursachen, seinen Folgen und den Möglichkeiten zum Eingreifen repräsentieren.
Leider setzt der Autor einen Schwerpunkt auf Positionen der Klimakritiker, also der "Wissenschaftler" und Politiker, die den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel klein reden und vor allen natürlichen Ursachen betonen. Es gab Fehler im 4. IPCC-Bericht, aber diese wurden bestätigt und korrigiert und die Fachwissenschaftler betonen den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel. Vielen der Kritiker konnte zwischenzeitlich nachgewiesen werden, dass diese von der "alten" Energieindustrie (Kohle, Öl, Gas) finanziert wurden.

Der Roman ist spannend und lesenswert. Es gibt Idealisten, Pragmatiker, Selbstdarsteller und Menschen, die über Leichen gehen, um ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen zu schützen. Es wird aus drei Perspektiven erzählt. Der Zusammenbruch der Systeme für Strom, Abwasser, Lebensmittel- und allgemeinen Warenverkehr führt zu Panik, Plünderungen und Flucht aus den Küstenregionen, in denen das Wasser sehr schnell steigt. Einige Beschreibungen des Chaos sind abstoßend, aber die Masse Mensch wird wohl so reagieren, wenn es um das Überleben geht und jeder andere Mensch zu einem Konkurrenten von Essen und Trinken wird.
Die Zivilisation ist nur eine Firnis der modernen Gesellschaften wie bei längeren Stromausfällen immer wieder in den Nachrichten dokumentiert wird. Es ist erschreckend wie scheinbar "normale" Menschen die Gelegenheit zum Plündern ergreifen und andere Menschen angreifen.

Der Roman wurde 2011 veröffentlicht und wird bald veraltet sein. In 10-20 Jahren wird es wieder ein spannender Roman sein, wenn dieser Blick auf eine Zukunft nur noch Fiktion ist.